Chuck: Chuck vs. The Leftovers (4×10)

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Man verstehe mich bitte nicht falsch: ich liebe Chuck. Aber bei Chuck vs. The Leftovers hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass Chuck sich allmählich dem Ende nähert. Die Serie wirkt ausgelaugt. Vielleicht bin ich zu streng: die Episode ist eigentlich keine Katastrophe – aber sie gibt ein Beispiel dafür, wie Chucks awesomeness langsam, aber stetig zu verfliegen droht. Man hat das Gefühl, dass die Serie selbst Gelegenheiten schafft – und sie dann verpasst.

Chucks Zustand vor dem neuen Intersect-Reboot beschreibt den Zustand der Serie selbst am besten. Es ist so, als wolle man flashen und bekäme es nur halbwegs hin, so dass Kopfschmerzen und Enttäuschung folgen. Dabei hatte diese Staffel einige gute Episoden. Waren sie das letzte Aufbäumen?

Natürlich bringt Chuck nach wie vor humorvolle Momente, aber der Humor ergibt sich meistens aus einzelnen Einlagen und nicht aus dem Ganzen: aus Chucks einst so faszinierendem Sich-selbst-nicht-ernst-nehmen. Beispielsweise die Die Hard-Referenzen mit Morgan The Magnet Grimes (Joshua Gomez): Morgans Rettungsversuch von Jeffster und später auch von Casey verläuft irgendwie ins Leere und verliert den Bezug zum Hauptplot. Morgan, im Unterhemd und barfuss durch die Entlüftungsschächte schleichend, ist an sich natürlich amüsant, genauso wie die am Rücken festgeklebte Waffe im John McLane-Style – aber der Spaß findet keinen Anknüpfungspunkt.

Es scheint, als wollten die Autoren die Bühne für einen Gastdarsteller frei machen: Timothy Dalton in der Rolle von Volkoff. Casey und Sarah bleiben recht inaktiv in der Episode – die Buy More-Crew desgleichen, bis auf die Subway-Einlage von Big Mike und Jeffsters geplante Handy-Auktion. Falls das beabsichtigt war, ist die völlige Verschiebung des Blickwinkels auf Volkoff gelungen: Timothy Dalton rettet diese Episode mit seinem Auftritt. Sein Wechsel von Psycho zu Softie und wieder zu Psycho wirkt äußerst überzeugend und hervorragend umgesetzt. Am Anfang der Episode schickt Volkoff eine Killer-Brigade, um Chuck zu beseitigen, aber Frost aka Chucks Mum (Linda Hamilton) rettet Chuck – und liefert dabei lang ersehnte Terminator-Referenz:  “Come with me if you want to live.”

Nun bin ich ganz bestimmt der Letzte, der sich durch Logik-Löcher und fehlenden Realismus bei fiktionalen Serien gestört fühlt: aber an dieser Stelle muss ich ein paar Punkte anmerken, die mir für den gesamten Verlauf von Chuck als Serie wichtig scheinen.
Ich finde, dass die Chuck-Autoren wenig aus der Intersect-freien Zeit gemacht haben; anders gesagt: sie war zu kurz! Am Ende der Episode lädt Chuck das Intersect von Stephen Bartowskis Laptop erneut in seinen Kopf. Ich frage mich, wieso Stephen den Laptop Ellie hinterließ. Als Ärztin kennt sie sich aus mit dem menschlichen Gehirn und kann daher das Programm so zurechtbasteln, dass Chuck das Intersect zurück erhält. Aber: Stephen wollte nicht, dass es dazu kommt! Er wollte doch Chuck ursprünglich davor bewahren? Und was wäre passiert, wenn Ellie das Passwort geknackt und das Intersect in ihren eigenen Kopf geladen hätte? Täusche ich mich, oder hatten Ellie und Chuck schon einmal – in Staffel eins? – über den „Aces, Charles”-Spruch ihres Vaters gesprochen? Dann nämlich müsste Ellie ja Bescheid wissen.

Weiter: Wenn Mary Chuck in Sicherheit wissen will, warum hat sie ihn dann entwaffnet? Ohne Intersect ist er doch erst recht in Gefahr. Oder dachte sie, dass er ohne das Intersect er seinen Spy-Job aufgeben und Volkoff nie wieder von ihm hören würde? Denn zurück zu ihrer Familie kann Mary nicht gehen. Warum nicht? Weil Volkoff in sie verliebt ist und sie bei ihm bleiben muss, um „die Guten“ mit Informationen über seine Organisation zu beliefern, damit sie irgendwann vernichtet werden kann. Denn Liebe macht blind … und noch verrückter, als man ohnehin schon ist.

Timothy Daltons Verkörperung des verliebten Volkoff funktioniert deswegen so gut, weil sie mit absoluter Unvorhersehbarkeit einher geht. Man kann nicht sagen, ob er im nächsten Moment eine Bombe hochgehen lassen oder jemanden auf beide Wangen küssen wird. Er kommt, um seine Liebe zu retten, um Frost wieder zu holen. Als er im Begriff ist, Chuck zu erschießen, muss ihm Mary beichten, dass sie Kinder hat. Was bizarrer Weise zu einem gemeinsamen Thanksgiving-Essen führt: mit Volkoff im Vordergrund! Chuck versucht, Volkoff eine Falle zu stellen, die nach hinten los geht: Wieder einmal schaut er in die Mündung von Volkoffs Waffe.

Aber die Wege der Liebe sind unergründlich. Mary zwingt Volkoff, ihre Familie in Ruhe zu lassen: oder „I will end you!“. Volkoff entscheidet sich für seine große Liebe – und verschwindet. Chuck sagt, dass er Mary vertraue…
Aber: vertraut Chuck sich selbst als Serie? Die lange Winterpause dürfte hilfreich sein, um herauszufinden, wohin man mit der Geschichte will – und das sollte man sich ebenso intensiv fragen, wie sich Chuck mit der Wahrheit über seine Mutter beschäftigt.

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