Fringe: An Origin Story (5×05)

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In Milan Künders Roman “Die Langsamkeit” beschreibt der Autor, dass wenn man sich an etwas erinnern möchte, der Mensch langsamer geht und wenn er vergessen möchte schneller. Diese neue Finge-Episode, die sich um den Umgang mit Ettas Tod dreht, demonstriert genau das. Nicht nur ist der Umgang seitens Peter und Olivia ein anderer, sondern Olivia will sich erinnern und Peter will in seiner Wut alles für einen Augenblick der Rache vergessen. Aber der Schmerz ist Teil der Liebe, auch wenn man heutzutage bemüht ist die Liebe sicher zu machen – Partner per Internet-Katalog auswählen und lieber keine Kinder bekommen.

Der Verlust ist auch Teil der Liebe – Walter musste diese Lektion lernen und er ist verbittert zu sehen, dass im Grunde Peter den Weg des Vaters gehen will. Darin besteht die Schönheit der dramaturgischen Wendung, die in dieser Staffel von den Autoren vollbracht wurde. Sie opferten Etta, um die Fringe-Erzählung genau zu diesem unerwarteten schmerzvollen Punkt zu bringen, an dem sie schon einmal war: Ein Vater muss sich entscheiden, entweder mit dem Verlust zu leben, ihn als Teil des Lebens und der Liebe zu akzeptieren oder die Welt zu verändern, die für diesen Schmerz verantwortlich ist.

Und wie wir wissen, sind solche Änderungen katastrophal. Als der Widerstand herausfindet, dass die Observer dabei sind, Maschinen aus der Zukunft zu holen, um damit schneller  die Atmosphäre zu zerstören, entscheidet sich Peter ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der Widerstand hält einen Observer gefangen und sie haben eins der Geräte, die die Zeitreise ermöglichen in die Hände bekommen. Für Peter heißt es dann – das Geräte zum Laufen zu bringen und  eine Dosis Antimaterie Richtung Zukunft zu befördern, so dass ein Schwarzes Loch entsteht.

Aber Peter ist eigentlich derjenige, der in das metaphorische schwarze Loch fällt. Der gefangene Observer erinnert ihn daran, dass man zwei Gräber vorbereiten soll, wenn man sich auf den Rachepfad begibt. Peter macht trotzdem mit Hilfe einer speziellen Verhörmethode weiter. Diese Methode erlaubt ihm die Pupillen-Reaktionen des gefangenen Obsevers zu lesen und so zum Zusammenstellen des Geräts zu benutzen. Währenddessen versucht Olivia nicht zusammenzubrechen. Man kann buchstäblich sehen, die Minute für Minute die Erkenntnis immer tiefer hinein sickert, was in ihrem Leben gerade geschehen ist. Sie braucht etwas, um such festzuhalten, um nicht einfach davon zu gleiten. Walter ist derjenige, der ihr das anbietet: Es ist eine Videokassette mit einer von Ettas Geburtstagspartys. Was Walter Olivia gibt ist der Schmerz, an den sie sich festhalten soll: “The pain is her legacy to you both. It’s proof that she was here.”

Olivia nimmt zunächst die Videokassette nicht, denn sie sieht das als eine Art Beweis, dass Etta tatsächlich weg ist. An diesem Punkt demonstriert Finge sehr schön die Komplexität und gleichzeitig die Grausamkeit der Liebe.  Etwas später sieht Olivia überall Plakate mit Ettas Gesicht darauf und den Worten: Resist! Am Ende schaut sie sich doch die Aufnahmen an und ihre Hand berührt den Bildschirm, berührt Ettas Lächeln, wie wenn sie sich daran festhalten will, während Peter immer weiter weg gleitet. Wir sehen, dass er – so wie sein Vater damals – den erschrecken Schritt macht. Er holt aus dem Nacken des Observers ein Implantat heraus und setzt es bei sich ein…

Wie viel Hilfe und wie viel Schaden diese Tat mit sich bringen wird? Olivia ruft Peter an und bittet ihn darum zu ihr zu kommen. Sie braucht ihn, aber … er braucht sie in diesem Augenblick viel mehr, um nicht beim Versuch den Schmerz auszulöschen in ihm zu verschwinden.

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3 responses »

  1. Als ich diese Fringe-Folge geschaut habe, war ich etwas enttäuscht, weil sich Fringe damit in ein Territorium begeben hat, das auch so viele andere Serien beschreiten, was der Folge den besonderen “Fringe-Stempel” nahm. Aber nach diesem Review ist dieser wieder aufgetaucht, weil du eine großartige Art und Weise, besitzt, die Essenz, das Besondere dieser Serie in deinen Reviews zum Vorschein zu bringen. Was wiederum deine Reviews genauso wichtig macht, wie die Folge selbst.

  2. Du bist ja kaum auf die Rede des Observers eingegangen – aber diese scheint mir besonders wichtig. Er macht ja allerlei Andeutungen etc.
    Du scheinst wenig Zeit zu haben, aber es wäre am Besten, wenn du dir ein wenig Zeit lässt, aber dafür uns deine genialen Gedanken vollständig aufzeigst.
    Ich vermisse so ein wenig deine Genauigkeit und deine Detailverliebtheit, die in zuvorigen Reviews präsent war.
    Dennoch: Wundervoll geschrieben! 🙂

  3. Genießt einfach noch die letzten Folgen Fringe. Die aktuelle Folge 5×07 geht besonders am Schluß unter die Haut. Im Januar ist es vorbei :(.

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