NCIS: Life Before His Eyes (9×14)

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Die Episode Nummer 200 ist nicht nur eine Jubiläumsepisode für das derzeit meistgesehene Drama im amerikanischen Fernsehen, sondern auch eine spezielle Episode für Leroy Jethro Gibbs (Mark Harmon). Er bekommt die Gelegenheit, sein Leben Revue passieren zu lassen und seinen Schuldgefühlen und Zweifeln in Fleisch und Blut zu begegnen. Außerdem sehen wir nach so vielen Jahren endlich, wo sich Gibbs immer seinen morgendlichen Kaffee holt…

Life Before His Eyes schaut mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die Ereignisse, die Gibbs’ Leben und damit die fiktionale Erzählung von NCIS geprägt haben. Es ist eine What-if-Episode, die der jahrelangen Treue der Fans Tribut zollt, indem Fan-Fiction und Lieblingsmomente der Fans über den Bildschirm flimmern. Außerdem feiert man damit die Erfolgsgeschichte der Serie und eine Entscheidung, die CBS nie bereuen musste. Was wäre, wenn NBC JAG behalten hätte?

Dann wäre es vermutlich gar nicht zu NCIS gekommen! Ebenso lässt sich über die Entwicklung innerhalb der Serie selbst philosophieren: Was wäre geschehen, wenn Caitlin überlebt hätte? Alles beginnt mit Gibbs’ Morgenkaffee im Diner und Hank Williams’ Song “I’ll Never Get Out of This World Alive”… und mit einem Mann, der plötzlich die Waffe auf Gibbs richtet und abdrückt, bevor Gibbs geschossen hat. Dann wird durch die komplette NCIS-Geschichte gespult. Sie läuft vor Gibbs’ und unseren Augen ab – und Gibbs findet sich wieder im Diner vor, mit der Kugel, die vor seiner Brust in der Luft hängt. Mike Franks (Muse Watson) kommt zu ihm und entfernt die Kugel mit der Anmerkung: You should’ve shot him.

Das Diner ist voller Menschen, die Gibbs nahe stehen; außerdem befinden sich seine Feinde dort, lebende und schon gestorbene, teilweise durch seine eigene Hand. Gibbs begegnet dem eigenen Anspruch, alles richtig zu machen, und dem Bedauern darüber, dass sein Leben nicht so ablief, wie er wollte. Aber wie wollte er es denn? Die Mischung aus Erinnerungen, Emotionen und Wunschdenken, gekoppelt an die Ereignisse der 24 Stunden vor Gibbs’ Diner-Besuch, macht die Episode so besonders. Mark Harmons Leistung braucht man nicht zu betonen; vor allem in den Szenen zwischen Gibbs und seiner Mutter bzw. seiner Frau und Tochter trifft die Intensität der Trauer mit der Wucht einer Scharfschützen-Kugel ins Ziel.

Wenn Gibbs Caitlin (Sasha Alexander) vor so einer Kugel gerettet hätte, dann… hätte sie eine gemeinsame Tochter mit Tony DiNozzo (Michael Weatherly)! Und wenn er damals Pedro Hernandes nicht erschossen hätte – nun, dann befände er sich dauerhaft dort, wo wir ihn oft gesehen haben: in seinem Keller. Aber als verbitterter Säufer, der auch die letzten Freunde von sich stieße, wie zum Beispiel das glückliche Ehepaar Abby / McGee. Wenn Gibbs’ Mädchen am Leben geblieben wären, wäre er nie zu NCIS, sondern in einem Militäreinsatz ums Leben gekommen.

Er hätte niemals jenen Einfluss auf das Leben Anderer ausgeübt, wie er es bei Tony und vor allem Ziva tut (die Tony im Verhör lustigerweise Tiva nennt). Jede Entscheidung, die man getroffen hat, beeinflusst andere Entscheidungen – und ganz egal, wie sehr man sich Gedanken darüber macht: Auch aus einer falschen Entscheidung gilt es das Beste für sich und andere herauszuholen. Genauso verfährt Gibbs in der letzten Szene, als die Handlung wieder zu ihrem Ursprung zurückkehrt: zur ersten Szene der Episode…
Life Before His Eyes ist eine melancholische Erinnerung an all die Geschichten, die die Fan-Herzen aufgewärmt und beschäftigt haben, und gleichzeitig ein Dankeschön, das man als NCIS-Zuschauer nur erwidern kann.

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