NCIS: Restless (9×02)

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Wie von NCIS gewohnt, wird der handlungsübergreifende Erzählstrang der Staffel, der in der ersten Episode eingeführt wurde, erst später wieder aufgenommen, während man sich in der zweiten Episode dem Tagesgeschäft widmet. Dieses beinhaltet den Mord an einem Marineoffizier und eine Reise in Tony DiNozzos (Michael Weatherly) Vergangenheit. Nein, dieses Mal gibt es keine Flashbacks, sondern nur Tonys Worte. Ob man ihnen trauen kann?

Sowohl Tonys kleine Nebenhandlung als auch der Fall der Woche handeln von einer allzu menschlichen Geschichte: von dem Versuch, Dinge hinter sich zu lassen, an die man sich nicht gern erinnern will. Ich musste komischerweise an David Lynchs Film Lost Highway denken – vor allem an die Worte, die die Hauptfigur (gespielt von Bill Pullman) zu den Polizisten sagt, die in seinem Haus nach Spuren eines vermeidlichen Eindringlings suchen: Er besitze keine Kamera und keinen Fotoapparat, weil er sich an Erlebtes nicht so erinnern wolle, wie es war, sondern so, wie er sich daran erinnern möchte. Traumatische Momente werden verdrängt, während Augenblicke des Glücks immer wieder heraufbeschworen werden. Oder man verwandelt gar die ersten in die zweiten, um sie leichter verdrängen zu können.

Genau das geschieht mit einem jungen Mädchen, das dem NCIS-Team über den Weg läuft, als es den Mord an seinem Bruder untersucht. Er war allerdings nicht der leibliche Bruder: Das Mädchen lebt als Pflegekind in seiner Familie. Um zu verstehen, warum der Marineoffizier und Afghanistan-Rückkehrer brutal erstochen wurde, müssen Gibbs (Mark Harmon) und seine Untergebenen herausfinden, wer dieses Mädchen wirklich ist. Die Suche ist nicht angenehm – ebenso wenig wie die Suche im Müllberg, die Ziva, Tony und McGee durchführen müssen, nachdem die Putzmaschine ein Beweisstück geschluckt hat. Tonys Vorschlag: Nächstes Mal soll Ziva den Fahrer einfach erschießen…

Da im Laufe der Fall-Ermittlungen das Leben in der Highschool zum Thema wird, kommt Tony auf die Idee, einen Fehltritt von damals wieder gutzumachen und sich bei einem ehemaligen Kommilitonen zu entschuldigen. Aber war er tatsächlich damals der Täter – oder doch das Opfer? Je länger man sich selbst eine Geschichte erzählt, desto mehr glaubt man daran und meint, sich wirklichkeitsgetreu an vergangene Erlebnisse zu erinnern. So ist Lindsey (Bonnie Dennison) von Familie zu Familie gezogen, um eine schöne Zeit – die letzten zwei Highschool-Jahre – immer wieder zu erleben und dabei etwas zu vergessen, nämlich die Misshandlungen durch ihren Onkel. Doch ihre Vergangenheit hat sie eingeholt, und ihr „neuer“ Bruder bezahlte dafür mit seinem Leben.

In einer sehr intensiv gespielten Szene stellt Gibbs den eigentlichen Täter, den Kern des Traumas. Und was ist mit Tony? In diesen ersten zwei Episoden der neuen Staffel liegt definitiv der Fokus auf ihm. Er hat mit dem Hin-und-Her-Gerissen-Sein zwischen Erinnern und Vergessen zu kämpfen. Dabei scheint es so, als sei er wieder ein Stückchen weiter gekommen mit sich selbst – und das ist gut so, denn auf Gibbs und sein Team wartet eine große Herausforderung…

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