NCIS: Swan Song (8×23)

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Mag NCIS ein paar Zuschauer an dem schönen Wetter und dem DVR verloren haben, aber an gewohnter NCIS-Qualität hat die CBS-Serie in meinen Augen kein bisschen verloren. NCIS singt noch nicht sein Schwanenlied. Nach einer kleinen Ruhepause Mitte der Staffel, die sich im Prinzip alle Serien gönnen, ging es immer wieder aufwärts und die letzten Wochen brachten eine hervorragende Episode nach der nächsten mit dem Höhepunkt Baltimore, wo wir erfuhren, wie alles zwischen Gibbs (Mark Harmon) und Tony (Michael Weatherly) begann.

Swan Song ist eine weitere Episode, die aus unterschiedlichen Gründen in der Erinnerung der Fans bleiben wird und der ich hoffentlich mit dem Review gerecht werden kann. Der wichtigste Grund, warum Swan Song wichtig für den NCIS-Langzeitzuschauer hat mit dem Thema Vaterfigur zu tun. In meinen Augen stehen Baltimore und Swan Sond in einer engen Verbindung. Sie bilden eine Doppelepisode, eine Erzählung über Väter und Söhne, an deren Ende ein Figurendreick die eine Ecke verliert. So wie Mike Franks einen enormen Einfluss auf Gibbs Leben immer gehabt hat, hat Gibbs auf Tony.

In Swan Song ist es das Schwanenlied von Mike, was wir durch Gibbs Augen zu sehen und von Mike selbst zu hören bekommen. Nun, es ist nicht gerade singen, denn wie Ducky Gibbs erzählt, singen die sterbenden Schwäne nicht wirklich, sondern es ist ein Keuchen, das in Hustenanfälle übergeht. Interessant ist, dass man Gibbs und die Zuschauer vor einem emotionalen Dilemma stellt: Kann ein plötzlicher, schmerzlicher Verlust einem leichter fallen, wenn man erfährt, dass es sowieso nicht anders kommen könnte. Macht es einen Unterschied, ob Mike auf der verregneten Straße vor Gibbs Haus mit gerade zum letzten Mal im Kampf abgefeuerten Waffe niedergestreckt wird oder allein und unbemerkt, umgeben nur von den Geistern aus seinen Erinnerungen, in Mexiko an seiner tödlichen Krankheit stirbt?

Geschickt schneidet man in dem Autopsieraum von einem Close-Up des tropfenden Wassers auf ein Close-Up von Gibbs Gesicht. Wenn sich die Bilder überlappen würden, würde Gibbs weinen. Genauso wie es Ziva (Cote de Pablo) tut und in Tonys Arme im Fahrstuhl zusammenbricht, nur damit die Türen aufgehen und man buchstäblich ein Spiegelbild von den beiden in Abby und Tim findet.  Dieses Bild, so melodramatisch es erscheinen mag, verkörpert den NCIS-Geist. Das Team ist eine Familie, die ihr ältestes Mitglied gerade verloren hat. Es ist Mikes Geist gewesen, den Gibbs übernahm und nach eigener Erfahrung weiter modellierte, so wir er in seinem Keller dem rohen Holz eine Form gibt.

Und es ist Mike als Geist, der einen langen Abschied von seinem Wahlsohn und Schüler nimmt. NCIS arbeitete immer schon sehr geschickt mit den Erinnerungen der Figuren und dadurch mit diesen der Zuschauer. Obwohl die Serie diese nicht zeigt, sieht man als Zuschauer vor dem inneren Auge etliche Rückblenden mit Mike Franks-Szenen. Swan Song ist auch anhand der Art und Weise wie Gibbs Abschied von Mike inszeniert wird, eine besondere Episode. NCIS arbeitet selten mit Erzählexperimenten oder aber befördert den Zuschauer in imaginäre Parallelwelten, wie zum Beispiel in die Gedanken und Erinnerungen einer Figur.

Aber in Swan Song sind wir Zuschauer die einzigen, die außer Gibbs einen lebendigen Mike in guter Verfassung sehen – Mikes Geist, der dem „Probie“ hilft den Schmerz zu verarbeiten. Aber Gibbs in Bildern erzählte Erinnerung an Mikes Todestag führt ihn gleichzeitig dazu, den Schlüssel zu dem PtP-Fall zu finden. Denn der Mörder hält sich in der Stadt auf, wo man ein weiteres Opfer findet. Es scheint so, als würde er NCIS immer näher kommen. Barretts Team übernimmt die Untersuchung, aber Gibbs beschließt an diesem schönen sonnigen Tag ihnen Unterstützung zu leisten. Tony nimmt aber Regenschirm mit, da er der Wettervorhersage und nicht dem Wetter vertraut. Wie Recht er hat, erfährt er auf schmervolle Art etwas später.

Also haben wir zum ersten Mal versammelte Kräfte bei der Arbeit. Diese führt die Teams zu einem alten bekannten, dem CIA-Agenten Cork, dem ein Auge fehlt. Dieses fand sich vor einigen Episoden in Tonys Glas vor und wurde dorthin von einem gewissen Jonas Cobb platziert. Cobb ist der PtP-Mörder, aber die Verantwortlichen sind seine ehemaligen Arbeitgeber bei der CIA, die Cork hinter dem „entgleisten“ zum Profikiller trainierten Cobb schickten. Gibbs holt Mike an Bord. Die Erzählung, die wir sehen, sind Rückblenden in welchen Mike von einem Geist zu einem Lebenden wird, der todkrank ist.

Seine Anwesenheit in der „realen“ Welt ist eine Art Hilfe für Gibbs, um mit „dem kalten“ Krieg zwischen sich und Vance fertig zu werden, damit klar zu kommen. Man kann das Gespräch zwischen und die ganze Szenen mit den beiden in Gibbs Keller getrost zu den besten NCIS-Momenten zählen. Danach brauen sich die Wolken zusammen und es fängt zu regnen an. Auf der Straße, unter dem strömenden Regen findet Mike seine letzte Konfrontation bevor er in das Land der Geister verschwindet und zur Erinnerung wird. Er fordert Cobb heraus und Regentropfen färben sich rot.

Mag der Regen die Blutspuren vom Tatort weggespült haben, aber an Gibbs Sweatshirt bleiben sie haften. Mikes Tod bleibt haften. Die Frage ist, ob man bei NCIS noch weitere Opfer beklagen wird. Barretts Team läuft in Cobbs Falle. Wer es überleben wird, lässt die Serie bis zum Finale nächste Woche offen.

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