Terminator: The Sarah Connor Chronicles – Review der ersten Staffel

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Ich muss gestehen, als ich den allerersten Piloten (vor der Nachbesserungsarbeiten) sah, dachte (und schrieb) ich: Diese Serie ist schon terminiert. Ich stellte mir das flackernde rote Licht in den Augen der FOX-Verantwortlichen vor. Anscheinend ging es nicht nur mir so, denn die Quoten des Piloten halbierten sich bei der zweiten Folge – blieben aber dann konstant bis zum Ende, im Schnitt 8 Mill. Zuschauer und Platz 2 im Timeslot. Aber zurück zum Piloten:
Blasses Bild, einfallslose Einstellungen, Effekte, wie wenn man in einem Nachbarschaftskeller an einem alten DOS-Rechner gebastelt hätte. Dazu kommt die überstürzte, völlig hektische Handlung, die selbst nicht wusste, wohin das führen und welche Geschichte man erzählen sollte. Diese Unentschlossenheit blieb zwar bestehen.

Als ich aber Folge 2 sah, dachte ich, ich hätte bei den Hunderten von Folgen, die auf meinem Schreibtisch liegen, die Serien vertauscht. Völlig anderes Farbkonzept, stille, fast bedenkliche Erzählungen über Identitätskrisen und Elternsein in einer Post-9/11-Gesellschaft, die immer an der Schwelle zur Apokalypse entlang wandert. Vor allem aber eine Erzählung über die Position einer Frau in dieser Gesellschaft, einer Frau, die die Emanzipation kommen und gehen sah und in der machtbesessenen Männerwelt kaum etwas anrichten konnte. Sie kämpft nicht mehr gegen ihre Rolle als Mutter, sondern sie kämpft, um sie ausüben zu dürfen:

„Certainly for a parent, the death of a child is no less than a holocaust,“sagt Sarah in einem ihrer Voice-Overs. „In the case of my son, these words are literally true.“Zugleich ein Kind groß ziehen und dadurch eine paranoid gewordene Welt retten, die aus Mangel an Zeit sich selbst in die Luft jagen möchte: „Half an hour, one bag, plus the gun. I’ll make pancakes.“ Der normale Alltag einer Nomadenfamilie, die Melancholie als Grundstimmung verbreitet.

Mit Menschlichkeit als Besorgnis um das eigene Kind hatten wir seit der Alien-Tetralogie nicht mehr zu tun. Sarah Connor (Lena Headey) tritt definitiv in Ripleys (Sigourney Weaver) Fußstapfen. An Sarahs Seite oder vielleicht eher an Johns Seite ist eine weitere Frau, ein weiblicher Terminator (mit manchmal blau aufleuchtenden Augen im Vergleich zu den roten der Männer-Terminatoren), der von John aus der Zukunft geschickt wurde, um ihn selbst zu beschützen. Eine Helferin und Konkurrentin.

Hier spielt die Serie mit dem typischen Männerfigurenproblem: Für zwei beste Männer ist kein Platz. Und für zwei beste Frauen? In der Medienwelt kommen die starken Frauen fast ausschließlich in der Zukunft vor (vgl. auch „Battlestar Galactica“). Sie sind dann uneinholbar, anders, unberechenbar – und doch vertrauenswürdig?
„Are you a new model?“ fragt John Cameron. „You seem . . . different.“
„I am different,“ antwortet sie.

Cameron (Firefly’s Summer Glau) als Teenager-Terminator mit Geheimnissen trägt ausgerechnet als nicht-emotionaler Nicht-Mensch viel zu den emotionalsten Szenen der Serie bei. Und sie ist auch an den filmisch schönsten beteiligt – ihr Tanz zwischen Licht und Schatten in der siebten Folge ist zugleich rührend und beunruhigend.Genauso beunruhigend wie die Diskussion in den US-Printmedien über Lena Headey: Sie sei im Vergleich zu der Film-Sarah (Linda Hamilton) nicht muskulös genug. Sogar Feministinnen kritisieren das Erscheinungsbild der neuen Sarah. Sie sei keine Identifikationsfigur. Sie würde keine Stärke ausstrahlen.

Da verfängt sich die feministische Kritik nicht zum ersten Mal in den eigenen Ansprüchen. Reichen Muskeln für die Heldin, um Heldin zu sein? Wir sind nicht mehr in den 80ern! Die Entscheidung, jemandem auf die Füße zu treten (ich scheue mich vor drastischeren Ausdrücken), ist eine Herzens- und nicht eine Bizeps-Angelegenheit. Oder hat man von den „The Matrix“-Filmen und ihrem Helden Neo (Keanu Reeves) nichts gelernt? Im Vergleich zu Hamilton, die meiner Meinung nach gerade klischeehaft ihre Figur bediente und mir als kreischendes, muskulöses Nebenfigur-Huhn in Erinnerung geblieben ist, eröffnet die Performance von Headey – ich wiederhole mich gern – mit Ripleys resignativer Melancholie eine mutige Auseinandersetzung mit dem Thema Menschlichkeit. Ihr Voice-Over verleiht der Serie den Touch eines Stanislaw-Lem-Hörbuchs.

Die brutalen handgreiflichen Auseinandersetzungen, die uns plötzlich aus dem melancholischen Nachdenken herausreißen, sind umso intensiver und eindrucksvoller, wenn Sarah nicht als muskelbepackte Soldatin durch die Gegend marschiert.
An den Tempovariationen muss die Serie noch arbeiten und aufpassen, dass man sich narrativ wegen des kleinen Casts und der bis jetzt minimalen Handlungsverwicklungen nicht gegen die Wand fährt.
Ich würde der Serie eine weitere Chance geben, zur vollen Entfaltung zu kommen. Wir können von einer zweiten Staffel ausgehen. Aber in der heutigen Fernsehlandschaft weiß man ja nie:
Sarah: „No one is ever safe.“

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