Terminator: The Sarah Connor Chronicles: Some Must Sleep While Some Must Watch (2×16)

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„Midnight is the witching hour when we’re visited by dark spirits”, hören wir Sarahs Voice Over. „Lives, love, sanity, sleep are stolen by faceless demons in the still of night. If you believe in that kind of thing.”

Ich bin sicher – viele Zuschauer mögen die langsamen, metaphernreichen Episoden von „Terminator: The S.C.C.“ nicht. Wenn man dazu gehört, dann bitte diese Episode nicht gucken. Denn sie gehört definitiv dazu. Und sie war eine Glanzleistung der Autoren. Laut Josh Friedman war dies der dritte und letzte Teil der Sarah-Trilogie innerhalb der zweiten Staffel, die uns tiefe Einblicke in die Figur verschaffen sollte. Und das tat diese Episode allemal. Bedächtig, aber mit großer emotionaler Wucht erzählt, spielte „Some Must Watch While Some Must Sleep“ mit Realitäten und Bewusstseinszuständen.

John und Cameron traten in den Hintergrund und Derek, Ellison, John Henry und Weaver hatten die Woche frei. Dafür gehörte die Hälfte der Screentime einer Lena Headey im Pyjama. Klingt nicht unbedingt spannend, oder? War es ja auch nicht. Nicht in dem Sinne, wie wir Spannung prinzipiell verstehen. Aber wenn man unter „spannend“ das Mitdenken, das Mitkonstruieren von Bedeutung seitens der Zuschauer versteht, dann kann man diese Episode als äußerst spannend bezeichnen. Zu unterscheiden zwischen zwei Realitäten, die eigentlich eins sind: allein wir Zuschauer waren in der privilegierten Position, gleichzeitig in „Sarahs Kopf“ und die „wirkliche“ Welt der Serie zu sehen.

Bis zum Ende glaubten wir auch zu wissen, was welches ist. Sehr geschickt haben uns die Autoren in die Irre geführt, sowohl von der Reihenfolge der Erzählstränge her (wenn eine Erzählung Traum sein soll, dann fängt man in der Regel mit den Traumbildern an) als auch von den Bildern selbst. Denn die „normale“ Farbpalette wird prinzipiell für die „echte“ Realität benutzt und die dunklen, sepiafarbenen Bilder für eine so genannte „possible world“, für die von der Figur imaginierten Welt.

Hier ist es umgekehrt, denn die ersten Bilder zeigen, untermalt mit Sarahs Voice Over, wie sie durch die nächtlichen Straßen fährt und die Firma Western Iron & Metal findet (Lieferant von Desert Heat & Air). Sie telefoniert mit John und bittet ihn, herauszufinden, wer der Besitzer ist. Als sie im Begriff ist einzubrechen, nähert sich ihr ein maskierter Mann und überwältigt sie. Das letzte, was sie sieht, bevor sie ohnmächtig wird, ist ein Kojote. Schnitt. Alles nur ein Traum, aus dem Sarah aufwacht – und wir sehen, dass an ihrem Kopf Elektroden befestigt sind: Sie befindet sich in einer Klinik, um ihre Schlaflosigkeit in den Griff zu bekommen. Sarah (im Pyjama) bekommt Besuch von John und Cameron. John besteht darauf, dass sie bleibt, bis die Ärzte herausgefunden haben, was mit ihr los ist, denn in ihrem jetzigen Zustand sei sie keine Hilfe. Dann bleibt Sarahs Blick an einem Putzmann hängen, der ein Kojotentattoo auf dem Nacken trägt. Was ist Traum und was Realität?

Sarah befindet sich in einem Van; der Mann, der sie entführt hat, ist kein anderer als Ed Winston, der eigentlich tot sein sollte. Seine Anwesenheit verstärkt den Eindruck, dass es sich hier um Sarahs Halluzinationen und Träume handelt. Er will aus Sarah herausprügeln, für wen sie arbeitet etc. Aber Sarah ist keine, die man einfach so zum Reden bringen kann.

Ein Dreamcatcher hängt am Fenster von Sarahs Mitbewohnerin Dana. Gemacht hat ihn Putzmann Hector (der mit dem Tattoo). Dana erzählt Sarah, dass sie in ihren Träumen beim lebendigen Leibe verbrennt. Sarah fragt sie, ob es stimmt, dass wenn man im Traum stirbt, das auch in der Realität passiert (The Matrix has you!). Dana sagt, dann hätte sie Tausende Male sterben müssen. Dana fragt wiederum Sarah, ob die bösen Männer vor denen sie im Traum flieht, sie jemals fangen? Schnitt.
Ed bereitet ein Wahrheitsserum, das er Sarah injizieren möchte. Sie erzählt ihm von seiner Frau, Dana. Dann flippt Ed aus und injiziert sich während des kurzen Zweikampfs selbst den Serum.

In der Klinik erzählt Sarah John von ihren Träumen. Er sagt ihr, Ed sei tot und könne ihr nichts mehr tun. Sie will aus der Klinik raus, aber John besteht darauf, dass sie bleibt. Außerdem preist John zu Sarahs (und unserem) Staunen Camerons Pfannkuchen – viel besser, als man sie in der Cafeteria bekomme. Huh…

Das Serum zeigt seine Wirkung: Ed erzählt von seiner Arbeit als Killer und seinen Bossen, die anscheinend vom Ausland aus operieren (Skynet goes global!). Sarah überredet ihn, sie frei zu lassen: dann würde sie ihm und Dana helfen, ein neues Leben anzufangen. Nachdem er ihre Handschellen geöffnet hat, springt sie aus dem Van und versucht zu fliehen, aber der Van befindet sich in einem umzäunten Lagerhaus. Ed erwischt sie und schleppt sie zurück in den Van.
Sarah wacht in der Klinik auf. Dana brennt in ihrem Bett! Das Personal schmeißt alle raus. Sarah verdächtigt die behandelnde Schwester, etwas im Schilde zu führen. In der nächsten Nacht folgt sie ihr bis zu einem Raum mit eingeschränktem Zugang. Sarah erzählt John alles am Telefon. Während sie sprechen, sehen wir, wie Cameron in bunter Unterwäsche langsam an John vorbei geht und er kurzfristig „die Sprache verliert“. Huh…

Im Van bekommt Sarah von Ed zu hören, dass er jetzt wisse, wen sie beschützen wolle – ihren Sohn. Er will wissen, warum. Sie sagt, sie würde sterben, aber nichts sagen.

Zurück in der Klinik. John und Sarah brechen in den Raum ein und finden heraus, dass dort alle Patientendaten gespeichert und ausgewertet werden, inklusive Sarahs Profil. John vernichtet alles. Und dann taucht die Krankenschwester auf. Sie fängt an, verächtlich über die dummen Menschen mit ihren Träumen und Emotionen zu räsonieren. Huh… ein Terminator! Sie pumpt John mit Kugeln voll und zum Abschluss schießt sie Sarah in den Kopf… Ist jetzt die Serie vorbei?

Sarah ist wieder im Van. Draußen redet Ed am Telefon mit seinen Chefs, die ihm befehlen, Sarah los zu werden. Sarah befreit sich mittlerweile auf schmerzvolle Art und Weise von den Handschellen und rammt ihm die Spritze ins Auge. Ja, in echt, denn das ist die „echte“ Welt – die Klinik war der Traum. Und es klingt so, als würde Sarah das auch gerade realisieren: You’re real! Sie erschießt ihn, wieder mal.

Dann sehen wir sie wieder fahren. Und wieder erzählt ihr Voice Over von Geschöpfen, die in der Nacht Kinder stehlen, und anderen schlimmen Dingen. Und sie sieht wieder den Kojoten auf der Straße. Schluss.
Das war eine wirklich surreale Episode, die uns daran erinnerte, wer Sarah Connor wirklich ist – eine normale Frau, die in einen nie endenden Alptraum geraten ist. Eine Frau, die ihre Wochenenden mit der Verfolgung von Verschwörungen verbringt und Angst davor hat, zu sterben und nie erleben zu können, wofür sie das alles getan hat. Sie kann niemandem trauen und muss mit ansehen, wie eine (weibliche) Maschine sich vermutlich besser um ihren Sohn kümmert als sie selbst. Und Sarah ist ein Killer (hardcore-style)… Vorausgesetzt, sie rettet John. Aber wer rettet sie?

Diese tief gehende Beschäftigung mit einer der zentralen Figuren führt uns zu den dunkelsten Ecken der menschlichen Seele. Und das ist gut so – die Serie bleibt nach wie vor keine gradlinige Actionkompilation und kein Teminator-of-the-Week- Format.
Von Autorenseite erfordert es Mut, sich so eine Episode zu leisten in Zeiten, da ihre Serie von der Absetzung bedroht ist. Das zeigt aber, wie sehr sie zu ihrer Geschichte, zu ihrem Gesamtkonzept stehen.

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