Persons Unknown: Review des Piloten

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Ich wundere mich immer, wie es so viele Serien schaffen, einen Titel zu wählen, der den Inhalt – zumindest den ihres Piloten – so treffend beschreibt. NBCs Persons Unknown bleibt für mich nach der Sichtung des Piloten … unknown. Ich persönlich konnte mich nicht entscheiden, was das für eine Serie sein soll und welche Geschichte sie erzählen will. Das kann gut, aber auch schlecht sein. Hängt von den persönlichen Vorlieben ab – und auch davon, wie viele schon vorhandene TV- und Filmsituationen Persons Unknown eins zu eins umsetzen will: Ein bisschen Lost, ein bisschen Saw, ein bisschen The Prisoner. Nun: Sobald eine Serie eine bunte Mischung für die eigenen Ziele gut zu inszenieren weiß, habe ich persönlich kein Problem damit. Die Frage ist, ob  Persons Unknown überhaupt etwas Eigenes hat?

Nach dem Piloten zu urteilen, hat die Serie anscheinend Großes vor. Sie will und soll im Laufe ihrer dreizehn Episoden die Antworten auf zahlreiche Fragen liefern. Und da geht’s schon los: Der Pilot ist an sich eine einzige große Frage. Sieben Personen aus unterschiedlichen Teilen Amerikas mit unterschiedlichen Berufen und Lebensweisen werden – anscheinend ohne Grund – entführt und in ein Hotel irgendwo im Nirgendwo eingesperrt: die allein erziehende Mutter Janet (Daisy Betts), Joe (Jason Wiles), der gar nichts über sich erzählen will, der Marine-Soldat Graham (Chadwick Boseman), der Banker Charlie (Alan Ruck), Moira (Tina Holmes), Mentorin im Schulwesen, das Partygirl Victoria (Kate Lang Johnson) und der Autohändler … Aber der Verlauf der Erzählung legt uns nah, dass nicht alle Figuren den gleichen Status haben, also nicht ‚gleich unterschiedlich‘ sein sollen.

Wenigstens nicht für uns Zuschauer: Von Anfang an sind wir durch die Kamera und später auch durch den Nebenplot an Janet gebunden. Als sie verschwindet, nimmt sich ein San Francisco-Reporter ihrer Geschichte an, nur um herauszufinden, dass sie sowohl mit ihrem Ex Probleme hatte als auch mit ihrer Mutter. Während er mit der Mutter redet, sehen wir die Szene aus dem Point of View einer Überwachungskamera – und das ist nicht das erste Mal, das unser Blick an den solcher Kameras gekoppelt wird.

Anscheinend sind sie überall. Die Frage ist: Wer beobachtet die Geschehnisse und unsere Protagonisten, während sie orientierungslos und ängstlich durch die Gegend stolpern, um herauszufinden, wo sie sich befinden und warum? Persons Unknown versucht im Piloten, die komplette Post-Palette in die Waagschale zu werfen: post-9/11-Ängste, post-nukleare, post-moderne und post-Familiensituationen etc. Vielleicht ohne zu merken, dass das alles zur Zeit einfach „post“ ist.

Aber trotzdem können wir ja mal unter Horrorfilmbeleuchtung und verträumten Kameraschwenks als The Shining in den Fahrstuhl steigen und versuchen herauszufinden, wer hinter dem Ganzen steckt. Ist es Reality-TV? Ist einer der Beteiligten ein Bösewicht? Warum wurden sie ausgewählt? Wo befindet sich diese Stadt? Ist es ein Test, ein Spiel? Waren aus diesem Grund die Zimmerschlüssel in der Bibel versteckt? Warum ist in der Hotellobby „Beautiful Dreamer“ zu hören?

Unsere Helden können die Stadt nicht verlassen, denn in ihrem Körper befinden sich – vereinfacht gesagt – Kapseln mit Betäubungsmittel, die per Fernbedienung aktiviert werden können und sie dann ohnmächtig zur Erde fallen lassen. Aber warum sollte man überhaupt irgendwo anders hin wollen, wenn sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein chinesisches Restaurant befindet, in dem man das beste Essen serviert bekommt – von chinesischen Köchen, die plötzlich da sind? In den Glückskeksen finden alle eine Nachricht. Auf Janets Zettelchen, das sie vor den anderen nicht vorliest, steht: If you kill your neighbor, you’ll go free. Also doch die Saw-Variante?

Wie man sieht, besteht der Pilot nur aus Fragen. Ich muss zugeben: ich wüsste die Antworten gern – aber ausgehend von den Quoten bezweifle ich, dass ich dieses Wissen erlangen werde.

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