True Blood: She’s Not There (4×01)

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Es werde Licht! So müssen die ersten Worte des Drehbuchs für die vierte True Blood-Staffel gelautet haben. Sie gehen in Erfüllung. Denn wir befinden uns im Feenland, wo alles und jede/r erstrahlt und mit Licht gefüllte Früchte serviert werden. In True Blood ist allerdings die Grenze zwischen Licht und Schatten nicht wirklich vorhanden: Sie gehen einfach ineinander über. Sookie (Anna Paquin) etwa lässt sich nicht blenden und bleibt misstrauisch dem Ganzen gegenüber.

Zu Recht! Denn das Licht ist tatsächlich nur zum Blenden da. Die Feen und ihre Königin Mab sind in Wirklichkeit Ork-ähnliche Geschöpfe, wie Goblins mit grünen Augen: You’re harvesting people! stellt Sookie fest, kurz nachdem sie ihren geliebten Großvater (Gary Cole) in der Menge entdeckt hat. Er ist die ganzen zwanzig Jahre über dort gewesen, aber im Feenland läuft die Zeit anders bzw. gar nicht. Nachdem die Feen aufgeflogen sind, sieht man ihr wahres Gesicht – und plötzlich finden sich Sookie und ihr Opa in einer Welt wieder, wo Wolken dreckige Fetzen sind und ein grauer Schleier über allem hängt… abgesehen von den Leuchtbomben, mit welchen die Feen Sookie attackieren. Mit Hilfe von Mabs Bruder können sie fliehen.

Eine actionreiche Eröffnung der neuen Staffel – und gleichzeitig eine sehr trashige, was die Bilder betrifft. Und womöglich auch den Erzählstrang um die Feen. Natürlich ist es zu früh für ein Urteil, und ich bin gespannt, wie und ob die Autoren diesen Handlungsstrang fortführen werden oder fallen lassen, so wie Sookie und ihr Großvater auf dem Friedhof in Bon Temps fallen. Opa überlebt die Rückkehr nicht, denn er hat die Leuchtfrüchte schon gekostet. Schade: Anna Paquin und Gary Cole harmonieren perfekt – was man beispielsweise von Sookie und Bill (Stephen Moyer) noch nie sagen konnte. Aber es scheint so, als wollten die Autoren Bill in der neuen Staffel mehr zu tun geben als immer wieder nur wie ein trauriger Hund Sookie seine Liebe zu bekennen.

In Bon Temps hat sich einiges verändert, denn Sookie war zwölfeinhalb Monate weg. Das stellt sie mit Entsetzen fest, als sie ihr Haus betritt und… es nicht mehr ihr gehört. Jason (Ryan Kwanten) hat es verkauft, der in Polizeiuniform auftaucht und seinen Augen nicht traut, dass Sookie noch am Leben ist. Alle hatten die Hoffnung aufgegeben. Bis auf einen: Eric.

Im Prinzip sind Zeitsprünge in Serien nicht gern gesehen und werden oft zum Entkommen aus einer erzählerischen Sackgasse benutzt. True Blood aber tut dieser Zeitsprung gut. Nicht nur führt man dadurch einen neuen Plot ein (die Feen), sondern wir müssen nicht länger die detaillierten Handlungsstränge um die vielen Nebenfiguren verfolgen, was in der dritten Staffel oft das Tempo herausnahm und mehr ablenkend als interessant wirkte. Wir erinnern uns: Jasons Cop-Werdegang, Arlenes Schwangerschaft, Taras Anfang eines neuen Lebens… Außerdem wird man so manche Geschehnisse später entlarven und für überraschende Wendungen sorgen können, denn uns wird nicht alles sofort nacherzählt.

Auf zwei Plots allerdings scheint sich die inzwischen verflossene Zeit nicht ausgewirkt zu haben. Damit meine ich erstens die Beziehung zwischen Jesus (Kevin Alejandro) und Lafayette (Nelson Ellis), die keine Fortschritte gemacht zu haben scheint, und zweitens die politischen Konflikte zwischen Menschen und Vampiren. Denn wie wir in dieser Episode sehen, wird in Fangtasia unter Nans Kommando ein Video gedreht, in dem zunächst Pam (Kristin Bauer van Straten) und dann Eric potentiellen menschlichen Zuschauern die Familienfreundlichkeit ihres Clubs versichern.

Hier sehen wir auch die beste Szene der Episode – eigentlich sind es zwei Szenen, zwischen denen hin- und hergeschnitten wird: In der ersten bezaubert Eric (Alexander Skarsgard) mit Blick in die Kamera sowohl fiktionale als auch „reale“ Zuschauer; in der zweiten hält Bill (im Anzug) eine Ansprache zur Eröffnung eines Community-Centers.

Der komplette Abschnitt der Episode ist sorgfältig orchestriert. Zunächst werden die beiden in Establishing Shots gezeigt, so dass viel von der Umgebung zu sehen ist und auch andere Figuren im Bild erscheinen. Dann wechselt man zu einem Medium Shot (nur die obere Körperhälfte ist zu sehen), in der nächsten Einstellung zum Close-Up und schließlich, an den Höhepunkten der beiden Monologe, zum extremen Close-Up  der Gesichter. Anschließend lässt man die Wirkung ausklingen, indem die Kamera wieder Abstand nimmt.

Ich habe es oben schon angedeutet: Obwohl Eric, wie stets in True Blood, die (Zuschauer-)Blicke geradezu bannt, scheinen die Autoren mit Bill Großes vorzuhaben. Sein Auftritt, seine Art, alles scheint verändert. Wie sollte es auch anders sein, wenn man in einem schwer bewachten Haus lebt und “Your Majesty” genannt wird? Wir dürfen davon ausgehen, dass er den Kampf gegen Sophie-Anne gewonnen hat. Ist er jetzt King of Louisiana? Vermutlich ja! Ist Tara lesbisch? Jetzt ja. Zwar schickt True Blood Tara fort von Bon Temps, aber immer wieder scheinen wir zu ihrem Handlungsstrang zu springen. Bleibt abzuwarten, wie er diesmal verläuft, denn bisher gehörten die Plots um Tara zu den Schwachpunkten von True Blood.  Nun also lebt sie unter dem Namen Tony in New Orleans, ist „ultimate fighter“, geht mit ihrer Gegnerin ins Bett und will von ihrem früheren Leben nichts mehr wissen. Oder doch?

Ein weiterer neuralgischer Punkt der letzten Staffel lag darin, wie die Autoren Neu-Vampirin Jessica (Deborah Ann Wolf) vernachlässigten. In She’s Not There bekommt sie eine Menge Screentime, in der wir sie immer noch hin- und hergerissen erleben – zwischen ihrem neuen „Sein“ und der Liebe zu Hoyt (Pam nennt ihn “tree in the plaid shirt“). Eigentlich hat sich auch hier in dem vergangenen Jahr nicht viel verändert.

Während sich Jason noch immer mit den Hot-Shots-Bewohnern beschäftigt und zum Dank in einer Gefriertruhe eingesperrt wird, ist sein Vorgesetzter Andy V-abhängig geworden und hat sich kaum mehr unter Kontrolle. Überdies tauchen zwei neue Gesichter auf: Courtney Ford als Anwältin Portia Bellefleur (Terrys Schwester?), die anscheinend mit Bill unter einer Decke steckt, und Fiona Shaw als Haupt eines Hexenzirkels, zu welchem Jesus Lafayette bringt.

Zum Schluss erwartet Sookie eine weitere Überraschung. Eric hat ihr Haus gekauft – und nach seinem Verständnis gehört ihm damit auch Sookie. Such a strange sensation when the reality matches the picture in my head so precisely, sagt er zur nackten Sookie, die gerade aus dem Bad kommt… You are mine!

In meinen Augen gelingt She’s Not There nach True Bloods Standards eine solide Staffel-Eröffnung. Nun bleibt abzuwarten, ob die Ereignisse der vierten Staffel den Bildern in den Köpfen der True-Blood-Fans entsprechen werden oder nicht.

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