True Blood: You smell like dinner (4×02)

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Immer wieder hat Alan Ball seit dem Start von True Blood in Interviews betont, dass sich hinter seiner Serie kein tieferer Sinn versteckt, dass er all die mythologisch-magischen Kreationen nicht als Metapher für was auch immer verstehen will. Was aber, wenn die Kreationen selbst darauf bestehen? Was, wenn die Zuschauer darin eine Metapher entdecken? Letztendlich basiert eine Erzählung, ob man es verneinen mag oder nicht, unausweichlich auch auf der Welt, die ihre Schöpfer kennen und in der sie leben: unserer Welt. Es ist eine Welt, in der die Frage nach Identität seit eh und je die Gemüter beschäftigt und auf jeder Ebene zur Diskussion einlädt.

Nein, ich werde mich nicht in solche Diskussionen stürzen. Ich wollte nur auf die Thematik dieser Episode und die darin enthaltenen Veränderungen hinweisen. Denn in You smell like dinner geht es um den Umgang mit Veränderungen: darum, wie es ist ein/e Andere/r zu sein, und darum, wie viel von „vorher“ haften bleibt und die neue Identität beeinflusst.

I will do bad things with you, heißt es im Vorspann der Serie. Zum Ärger mancher Fans tut Eric Sookie nichts – außer ihr mitzuteilen, dass sie Schutz braucht, dass in ihr auch eine andere Sookie steckt, die an die Oberfläche will und muss. Nun, auf diese Sookie wartet man schon längere Zeit; aber die Autoren scheinen die Figur immer wieder in die hilflose Kellnerin zurückzuverwandeln, die – wie Eric richtig anmerkt – einfach jemandem gehören muss. Man verstehe mich nicht falsch: Sookie soll nicht plötzlich als Super-Sookie in Bon Temps aufräumen, aber irgendwie spielt sie im Moment mehr oder weniger die Reiseführerin durch True Bloods Nebenplots.

Sookie verbringt im Grunde die Episode damit, etliche Figuren aufzusuchen, damit sie ihr helfen, den „bösen“ Eric aus seinem eigenen Haus zu schaffen und Sookie zu ihrem „normalen“ Alltag zu verhelfen. Ist seine Anwesenheit die eine Versuchung zu viel? Ganz egal, wie sich Sookie gegen Veränderungen wehrt: Sie ist anders, und manche registrieren es.

Bill jedoch registriert – dank seiner neuen Beischlaf-Gelegenheit, der Hexen-Spionin Katerina -, welche Gefahr Hexen für die Vampire bedeuten, wenn sie Tote erwecken können. Dann nämlich können sie im Grunde mit Toten aka Vampiren alles tun. Mit Hilfe zweier Flashbacks erfahren wir, dass Bill selbst ein Spion auf höchster Ebene ist: Nan höchstpersönlich rekrutierte ihn im Jahre 1982 in London (Stephen Moyer bekommt die Möglichkeit, seinen Akzent vorzuführen) und verhalf ihm mit Soldaten und Silberkugeln zum Sieg gegen Sophie-Anne (Evan Rachel Wood).

King Bill befiehlt nun Eric (Alexander Skarsgard), sich um die Hexen zu kümmern. Erics zynischer Anerkennung von Bills Position zum Trotz versucht man uns Zuschauern vor Augen zu führen, dass Bill langsam in die Rolle hineinwächst und anders wirkt als der Bill, der nur traurig Sookie hinterher schaute. Wer in diesem Moment überlegt hat, wie es wäre, wenn Eric und Bill die Plätze tauschten, dürfte trotzdem von der Entwicklung überrascht gewesen sein! Als Eric den Hexenabend beenden will – dem auch Tara beiwohnt, die mittlerweile leider ebenfalls in Bon Temps eingetroffen ist -, schlägt die schwarze Magie zurück und der Himmel verdunkelt sich, so wie Erics entsetzte Augen, bevor er lautlos weggeht.

Am Ende der Episode trifft Sookie auf einen Eric, der sich an nichts mehr erinnert und mit verwundert-naivem Blick fragt, warum sie so „lecker“ riecht. Wie „anders“ wird der Gedächtnisschwund Eric machen? Wird er ein „netter“ Eric sein? Muss man wiederum Eric „nett“ machen, damit er mit Sookie zusammenkommen darf? Oder wollen die Autoren uns mit Bill und Eric in komplett vertauschten Rollen konfrontieren? Ob das funktioniert, wage ich zu bezweifeln. Manchmal fühlt man sich bezüglich der True Blood-Nebenplots wie Jason: „Maybe it’s just  the stress of the situation, but I don’t follow.“ Doch es scheint, als versuchten die Autoren in der neuen Staffel, diese sehr geordnet zu präsentieren… vermutlich um drohendem Gedächtnisschwund beim Zuschauer vorzubeugen.

Jedem Nebenplot mit ein paar kurzen Szenen gerecht zu werden, kostet reichlich Zeit – aber in meinen Augen hat die Menge sekundäre Bedeutung, solange die einzelnen Handlungsstränge interessant sind und Spaß bereiten. Was Arlenes Baby-Sorgen betrifft, ist das nicht wirklich der Fall. Ich gehörte schon in der letzten Staffel zu denen, die mehr Handlung für Jessica forderten als nur zu Hause zu sitzen und mit der Verwandlung nicht zurechtzukommen; aber der Plot um sie und Hoyt wirkt wie eine Schallplatte, die immer an der gleichen Stelle hängen bleibt. Immerhin setzt sich Jessica mit ihrer neuen Identität auseinander.

Wird auch Jason einer Veränderung unterliegen? Wie wir erfahren, halten ihn Crystal und Felon zusammen, weil sie ein Baby brauchen, um die Panther-Blutlinie fortzusetzen. Die beiden gemeinsam können keins bekommen, also muss es Jasons und Crystals sein. Dafür aber muss Jason selbst verwandelt werden, was ihm schmerzhafte Erfahrungen beschert. Statten die Autoren jetzt auch Jason mit Superkräften aus? Vermutlich – so kann er besser bei den Geschehnissen in Bon Temps mitmischen.

Und dort erfährt Sam, dass es sogar bei Formwandlern eine weitere Steigerung geben kann. Luna erzählt von skinwalkers: Formwandlern, die auch jede menschliche Gestalt annehmen können. Sie selbst hat es schon einmal erlebt, ein anderer Mensch zu sein.

True Blood hat es mit dieser Episode geschafft, „einen draufzusetzen“, wofür die HBO-Serie immer gut war. Aber wird es nicht irgendwann der eine zu viel sein?

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