Supernatural – die Anfänge: Why the new Three Little Pigs sucks!

Standard

Menschen lieben es, sich fürchten zu müssen. Erstaunlich, aber es ist so. Es gibt kaum etwas Schöneres, als im eigenen Wohnzimmer, auf dem eigenen Sofa, in Angst und Schrecken versetzt zu werden. Grausige Märchen und Geschichten und TV-Serien wie Supernatural beweisen, dass wir die Furcht lieben. Die Frage ist, ob wir deswegen immer wieder einschalten? Ist es das Empfinden der Angs selbstt, die uns dazu bewegt – oder suchen wir nach Erlösung von unseren Ängsten und schlimmsten Alpträumen?

Vor ein paar Wochen (inzwischen sind es Jahre, da der Artikel etwas älter ist) kam ich in den Genuss, mit meiner Tochter im Kino den Film Lillifee zu sehen, in dem nicht wirklich eine Geschichte erzählt wurde und letztendlich die unterschiedlichen Fabelwesen miteinander Frieden schlossen (politisch korrekt – keine Rassenbenachteiligung) und ein Fest feierten. Am vergangenen Wochenende dann sortierte ich die Kinderbücher unserer beiden Töchter und fand ein nagelneues Märchenbuch, das wir irgendwann einmal geschenkt bekommen und noch nie gelesen hatten.

Ich blätterte das Hochglanzbuch durch und konnte mit Erstaunen feststellen, dass laut dieser Neufassung der Geschichte die drei Schweinchen auf friedliche Art und Weise ihre Differenzen mit dem Wolf klärten… Wtf? Würden Kinder dieses Buch mögen, gar verstehen? Wo sind die alten Märchen der Brüder Grimm? Heutzutage würde sich kaum jemand in der Öffentlichkeit trauen, Geschichten zum Vorlesen zu empfehlen, in welchen die Oma aufgefressen wird, Helden tödlich verunglücken, Bäuche aufgeschlitzt werden und etc. Aber sind es nicht genau die dunklen, geheimnisvollen und Furcht einflössenden Geschichten, die wirklich sowohl Kinder als auch Erwachsene faszinieren?

Dabei ist nicht die Rede von schockierenden, Gewalt als Selbstzweck feiernden Blutspektakeln. Ich rede hier von Geschichten, die seit Jahrhunderten in unterschiedlicher Form überliefert werden, Geschichten, die immer da waren, um uns daran zu erinnern, wer wir sind und zu was wir werden können, Geschichten über Monster und Menschlichkeit. Solche Geschichten erzählt auch die TV-Serie Supernatural. Das Gefühl hatte ich lange Zeit vergessen – seit der Zeit, als ich Steven King las und immer den Eindruck hatte, dass es am Fenster klopft. Ich habe nie überprüft, ob jemand da ist — denn was wäre gewesen, wenn dort ein Vampir gestanden hätte, der hereingebeten hätte werden wollen und ich nicht Nein hätte sagen können? Genau das ist es – ich rede von dem Gefühl, wenn die Haare an den Armen hoch stehen und man auf irrationale Gedanken kommt.

Wenn solche Geschichten gut erzählt sind, dann werden sie nie langweilig, obwohl man denken würde, dass der Zuschauer sich an den Horror gewöhnt. Es ist das Gefühl der Erlösung (wenn auch kurzfristig), nachdem unsere dunkelsten Ängste und Alpträume in Monster verwandeln werden. Viele Psychologen betonen, dass hier der Grund dafür liegt, warum Kinder solche Geschichten brauchen: um ihre abstrakten Ängste, die sie nicht artikulieren können und die sie alle haben, Gestalt annehmen zu sehen, Namen dafür zu haben und sie dadurch letztendlich bekämpfen zu können. Aber die Ängste der Erwachsenen sind viel schlimmer und viel dunkler, weswegen laut Autoren wie J.R.R.Tolkien („On Fairy Stories“) und C.S. Lewis („Sometimes Fairy Stories May Say Best What’s to Be Said“) Gruselgeschichten bei Erwachsenen ebenfalls bestens funktionieren.

Eine Serie wie Fringe (in Anspielung auf die Frankenstein-Mythologie) betrachtet in blutigen Details die Horrorvorstellung von einer Wissenschaft, die sich über alle ethischen Grundsätze hinwegsetzt. Terminator: The Sarah Connor Chronicles verknüpft, obwohl die Serie keine Gruselgeschichte im herkömmlichen Sinne darstellt, mehrere Erwachsenenängste, sowohl soziale als auch persönliche: die Angst vor dem Einfluss der Technik auf unseren Alltag, die Angst davor, dass ein Mensch, den wir kennen, hinter seiner Fassade etwas Anderes ist, das uns mit roten Augen anschaut – und vor allem die Angst vor der Vorstellung, vor der Tatsache, dass wir alle sterben werden. Diese Tatsache stellt auch laut Josh Friedman, dem Schöpfer der Serie, den Kern der Philosophie dieser Serie dar.

Unsere Faszination für solche Geschichten besitzt eine einfache Erklärung: Sie handeln nicht so sehr von der Außenwelt als von unserer inneren Welt. Serien wie Supernatural oder Fringe sind wie ein Spiegel, der sich ständig verdreht; ihr Narrativ unterstützt dies auf faszinierende Art und Weise. Die „heimliche“ Prämisse von Supernatural unterstellt, dass die Dämonen menschliche Potentiale an Bösartigkeit repräsentieren. Laut Ruby sind sie alle mal Menschen gewesen. Oder sind sie es noch? Oder sind die Menschen die Dämonen? Wie der Dämon in der Episode „Sin City“ zu Dean und Sam sagt: „Supposedly God-fearing folk waist-deep in booze, sex, gambling. I barely lifted  a finger … All you gotta do is nudge humans in the right direction … and they’ll walk right into Hell with big fat smiles on their faces.“

Diese dünne Grenze zwischen Menschlichem und Unmenschlichem wurde eindrucksvoll durch die weiblichen Figuren in der dritten Staffel der Serie gezeigt, durch Bela und Ruby. Die erste verlor nach und nach die Menschlichkeit, und die zweite bemühte sich, sie wieder zu erlangen. Interessant ist diesbezüglich die Tatsache, dass Sam und Dean im Laufe der drei Staffel ebenfalls ihre Plätze tauschten (und es später weiter tun werden). Sam wurde zu Dean und Dean wurde zu Sam. Dieser Prozess des Tausches wurde mit dem Eintritt der Engel ins Bild vollendet. Ein Dean, der für ein höheres Ziel immer bereit war, sogar Menschen zu opfern, und nicht daran glaubte, dass etwas Anderes als böses Übernatürliches existieren könnte, antwortet nun in der Episode Jus in Bello auf Sams und Rubys Vorschlag, die Jungfrau zu opfern, um alle zu retten: „Nobody’s killing any virgins!“

Jetzt sucht nicht mehr Dean, sondern Sam den Krieg, die Konfrontation. Dean besteht zwar darauf, den Kampf fortzuführen, aber ohne auf die Menschlichkeit zu verzichten. Somit steigt Supernatural auf in die Reihe großer Horror-Erzählungen, die uns daran erinnern, welches Monster-Potential der Mensch hat und wie er gegen seine eigenen Dämonen kämpfen könnte. Oder aber ihnen erliegen kann, wie es in den späteren Staffeln der CW-Serie geschieht…

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s