Supernatural: Free to be You an Me (5×03)

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Drei (natürlich miteinander verbundene) Handlungsstränge könnte man hier ausmachen. Und obwohl die Episode „Free to be you and me“ letztendlich als sehr gelungen bezeichnet werden kann, dürfte die eine oder andere Szene manche Supernatural-Puristen und Misha Collins-Fans geärgert haben. Oder auch nicht?

Sams „To be or not to be“
Jetzt ist es raus: Sam ist das Gefäß (klingt echt plump) des Teufels! Überrascht? Eigentlich nicht. Dass Sams teuflische Reise mit Liliths Tod nicht endet, war ja klar. Aber dass Luzifer in seinem Traum erscheint (als Jessica) und ihm mitteilt, dass er „The Vessel“ ist – heftig! So langsam besteht Klarheit an allen Fronten: Dean ist Michaels menschliches Kostüm und Sam das des Teufels. Wow: würden die Supernatural-Autoren die beiden Brüder tatsächlich zu einem Showdown führen? Wie könnte es dann eine Season 6 geben? Soll es das womöglich gar nicht?

Wie lange wird sich Sam weigern können, seinen Körper und seine Seele Luzifer zu überlassen? Sogar wenn er Selbstmord begehen würde, würde ihn der Teufel zurückholen! Auf Sams Frage, warum er der Auserwählte ist, antwortet Luzifer: It always had to be you. Diesen Satz verwenden Serien-Autoren des Öfteren, wenn sie etwas auf Biegen und Brechen nicht verraten wollen. Was ist überhaupt mit der Empfänglichkeit der Winchesters für Engel?

Und was ist mit der Geschichte um Deans Amulett? Wenn ich mich recht erinnere, gehörte es ursprünglich Bobby und der gab es Sam, der es wiederum John geben wollte. Alastair sagte damals, dass John das erste Siegel brechen sollte; stattdessen tat es Dean. Sam schenkte Dean das Amulett zu Weihnachten. Ist dieses Amulett der Wegweiser zur Antwort auf die Frage nach der „Empfänglichkeit“ der Brüder? Hier werden wir noch einiges erfahren!

Was Sam betrifft: Free to be You and Me leistete gute Arbeit, indem die Episode uns an seinen Schuldgefühlen und seiner Verwandlung in einen wirklich erwachsenen Mann teilhaben ließ; einen Mann, der an allererster Stelle lernen muss, sich selbst zu verzeihen. Sehr schön: die Dialoge zwischen ihm und Jessica bzw. Lindsay. Sam beginnt sich selbst zu überzeugen, dass es in seiner Macht liegt, Entscheidungen zu treffen – er spuckt das Dämonenblut aus und tötet den anderen Hunter nicht. Macht er etwa Fortschritte – ohne Deans Aufsicht? Wie dem auch sei, Supernatural schiebt nun folgende Frage ins Zentrum: Haben wir einen freien Willen? Sind es Autoritäten (Eltern) die die uns den Weg vorschreiben, oder wählen wir ihn selbst? Und was, wenn diese Autoritäten nicht da sind? Erinnern wir uns an Kripkes Aussage: „It is all about family.“
Was tun Kinder, wenn die Eltern verschwinden? Sind sie selbständig genug, um die Welt zu ertragen? Das führt uns zum nächsten Thema:

Deans and Cas’ Happy Hour
Ist Gott wirklich tot? Auf diesen Teil ist bestimmt sogar Nietzsche gespannt. Für manche mögen die Dean-Cas-Situationskomik-Eskapaden in dieser Episode übertrieben gewesen sein, aber alles in Allem überzeugte das Duo mit sprühender Chemie. Alles beginnt damit, dass Dean mit den Worten “Eat it, Twilight” einen Vampir tötet, und endet… im Puff. Cas will, dass Dean ihm dabei hilft, Gott zu finden, und dafür den Erzengel Raphael (der Cas tötete)  gefangen nehmen und befragen. Leichter gesagt als getan. Da alles für Cas vermutlich wieder tödlich enden wird, beschließt Dean ihn in den Puff zu bringen: „I won’t let you die a virgin!“ Cas’ Begleitung hört auf den Namen “Chastity”, „Keuschheit“. Da musste man schon lachen – Cas und Chas! Das ganze Projekt „Angel meets whore“ geht (bleibt) natürlich in die (der) Hose, da Cas dem Mädchen mitteilt, es sei nicht ihre Schuld gewesen, dass ihr Vater die Familie verließ – er hasste einfach den Job bei der Post.

Ein unnötiger Ausflug, klug an das zentrale Thema gekoppelt. Nicely done, Autoren. Jensen Ackles und Misha Collins machen ihre Sache absolut sehenswert – auch die Szene auf dem Polizeipräsidium: fantastisch! Raphael tappt schließlich in die Falle der beiden – um ihnen mitzuteilen, dass Gott tot sei und vermutlich Luzifer Cas zurückgebracht hat. Hmm, und wer steckte bloß die Brüder in das Flugzeug?
Cas scheint am Boden zerstört. Dean versucht ihn aufzumuntern und genießt die Freiheit von der Familie. Really, Dean? Nun – vielleicht hilft ihm die Trennung von Sam dabei, seinen Bruder als Erwachsenen zu respektieren, der seine eigenen Entscheidungen zu treffen hat und für den Dean nicht mehr einstehen muss. Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen! Und was für ein neuer Partner…

Supernatural is Natural
Zwei Themen kommen an die Oberfläche: Die Serie wird dominiert von Vater-Sohn-Konflikten – und nicht nur Dean, sondern auch wir Zuschauer realisieren langsam, aber sicher, dass sämtliche Figuren hier nicht unbedingt für ein höheres Ziel kämpfen (Menschen retten, Paradies erschaffen, Luzifer beseitigen etc.). Sie werden mehr oder weniger getrieben von ihren Gefühlen und ihrem Bestreben, etwas zu erreichen – für sich selbst! Rache, Genugtuung, Geltung… Raphael, Cas, Luzifer, Dean, Sam – alle haben die Abwesenheit der Väter erfahren und müssen einen Prozess des Erwachsenwerdens durchlaufen, des Zurechtkommens in einer Welt ohne Stützen. Der Kampf gegen die Apokalypse versammelt einen Haufen verärgerter, enttäuschter, ratloser Kinder, die wollen, dass jemand für alles bezahlt, was schief ging…

Ich bin gespannt, welche Thesen uns die Autoren hierzu anbieten werden. Wie sollen wir zum Beispiel die Apokalypse verstehen? Als Ausbruch des versammelten Frusts der Menschen – unseres eigenen Frusts, die wir den Austritt aus unserer „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) noch immer nicht geschafft haben?
Im Laufe der Staffel werden wir mehr erfahren. Vielleicht habt auch ihr bereits eure Vermutungen? Ich bin gespannt!

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