Supernatural: Point of No Return (5×18)

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Ich habe mich gefragt: was würden Lucifer und Michael tun, wenn die Winchester-Brüder bei ihrem „Nein“ bleiben würden? Den Schwanz einziehen? Sich wie zwei beleidigte Kinder (Brüder) zusammentun? Können sie überhaupt etwas tun? Kann Lucifer die Apokalypse ohne Gefäß zu Ende bringen, oder läuft sie von allein? Wir wissen ja ganz genau, dass man sich auf Dämonen nicht wirklich verlassen kann. Kann Michael ohne Gefäß etwas gegen die Apokalypse tun, oder bliebe es dann bei Blitz und Donner? Würde er ohne Dean-Kostüm überhaupt etwas gegen seinen Bruder tun können bzw. wollen oder nicht? Hat er den freien Willen dazu? Kann er so etwas sagen wie: „Screw destiny, right in the face. I say we take the fight to them and do it our way!”?

Das nämlich sind Deans Worte am Ende dieser Episode, die uns in die dunkelsten Ecken des menschlichen Gemüts führt und dort endlich Klarheit schafft: Nach all den emotionsgeladenen Auseinandersetzungen, nach all dem Zweifel, nach all der Trauer ist nun der Point of No Return erreicht, an dem man sich entscheiden muss! Endlich hat man all die über sämtliche Episoden der fünften Staffel verteilten dunklen Gefühle in einer Kugel komprimiert, und die Supernatural-Autoren drücken den Abzug. Der Weltschmerz, das Gefühl des Versagens, alles explodiert mit dem roten Splash des Supernatural-Titels den Beteiligten ins Gesicht. Das Gefühl, dass die Wahrheit (der Stand der Dinge) einem Verkennen entsprungen ist, scheint Dean zu überwältigen!

Denken wir an Deans Worte, als er in Bobbys Haus eingesperrt wurde, und an die Geschichte über das Treffen in Samara, die ich im letzten Review erwähnt habe. Dean sagt zwar, dass er nicht an Sam glaube und denke, er werde früher oder später „Yes“ zu Lucifer sagen; und aus diesem Grund wolle er aufgeben und Yes zu Michael zu sagen, um den Fall seines Bruders zu verhindern und sich damit für die Menschheit zu opfern. Dean will Märtyrer werden: Ich opfere mich, weil ich dich für schwach halte und nicht an dich glaube. Nun, es ist so eine Sache mit den Märtyrern – sie sind hartnäckig.

Dean flieht aus der Obhut seiner Freunde und Familie und bezieht deswegen eine Tracht Prügel von Cas, was er folgendermaßen kommentiert: Word to the wise–don’t piss off the nerd angels. Märtyrer geben vor, den Job Anderer zu tun – aber eigentlich tun sie es nur für sich selbst: weil sie nicht an sich selbst glauben. In erster Linie also müssen sie sich selbst retten! Dean, das ist nicht unbedingt würdevoll! Erstaunlicherweise präsentieren die Autoren Sam als zwar verbitterten, aber gelassenen Bruder. Er scheint endlich den Glauben an sich gefunden zu haben – und damit auch den an seinen Bruder. Aus diesem Grund weiß er, dass man den Punkt der Entscheidung allein erreichen muss, und lässt seinen Bruder selbst entscheiden. Kein Schicksal, sondern freier Wille. Yes or No?

Ich muss gestehen, dass mich diese Positionierung mit Blick auf die letzte Episode etwas überrascht hat; ich dachte, Dean wäre soweit, weil er die Hure von Babylon töten durfte, sich also als Gottesknecht erwiesen hat. Aber anscheinend brauchte Dean noch eine extreme Situation, um wieder auf den Kriegspfad zurückzukommen! Unwillentlich sorgt unser alter Freund Zach (Kurt Fuller) für diesen letzten Schubs. Übrigens: die erste Szene mit Zach an der Bar, der seine Verbitterung über das Versagen in Alkohol ertränkt – es scheint, als wären die Engel sehr empfänglich für diese allzu menschliche Betäubungsmittel -, ist awesome. Wieder einmal glänzt er mit seiner ganz eigenen Mischung aus Humor und Hinterlistigkeit – in seiner vom anderen Besucher an der Bar missverstandenen Rede über den Job und die Undankbarkeit seiner Vorgesetzten -, wofür wir Zach vermissen werden! Weil…
… Dean ihn tötet.

Genau in dem berüchtigten „schönen“ Zimmer, in dem Zach wieder einmal die Winchester-Brüder zu „knacken“ versucht. Diesmal übt er doppelten Druck auf Dean aus, indem er den dritten Bruder, Adam (erinnert ihr euch noch?) auferstehen lässt, um ihn und Sam vor Deans Augen zu quälen. Was nach Plan B aussieht – Adam (Jake Abel) könnte wegen der Blutsverwandschaft auch Michaels Gefäß sein –, ist letztendlich immer noch Plan A: Dean und nur Dean kann es sein. Und er sagt: Yes! Aber nur, um Zach abzulenken und die Möglichkeit zu bekommen, ihm das Engel-tötende Messer in den Hals zu rammen! Es ist schade um Zach, aber die Szene stellt uns dennoch zufrieden: Sie bringt Hoffnung zurück – und die Erkenntnis für die Brüder, dass sie an sich und an einander glauben und sich selbst retten sollten, bevor sie alle anderen retten. Ich schätze, Gottes Plan geht in Erfüllung. So gesehen, entspricht Deans „Yes“ Obamas „Yes, We Can!”
Was kommt als Nächstes?  Rock and Roll.

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