Supernatural: Review der dritten Staffel

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Ich nehme eins vorweg – diese dritte Staffel, die auf dem amerikanischen Network The CW von Oktober 2007 bis Mai 2008 im Schnitt 2.92 Millionen Menschen begeisterte, ist meiner Meinung nach bisher die beste gewesen.

Die sehr gelungene Wendung, die die Autoren und Produzenten der Serie eingebaut haben, besteht in der Verschiebung des Blickpunkts von Sam auf Dean. Die erste Staffel war mehr an der Dramaturgie eines Procedurals orientiert und kam so zu sagen erst in ihrer zweiten Hälfte in Schwung. Die zweite Staffel stellte im Grunde eine Erzählung über Sam dar, deutlich stärker serialisiert und dadurch einem zentralen Thema zugewandt.

Am Ende der zweiten Staffel war die Welt der Winchester-Brüder aus den Fugen geraten – ihr Vater starb, das Tor zur Hölle wurde geöffnet (wenn auch nur für kurze Zeit) und Dean tauschte seine Seele ein für das Leben seines Bruders. Somit bauten die Autoren nicht nur einen spannungsgeladenen Cliffhanger auf, sondern stellten die Weichen für die Handlung der zwei nachfolgenden Staffeln: Kann Dean vor der Hölle bewahrt werden – und wie und wann wird es zu dem großen Ereignis dieser Serie kommen, nämlich dem Kampf zwischen Gut und Böse?

Ein solcher bevorstehender Krieg gegen das Ur-Böse, den man gelegentlich, in regelmäßigen Abständen, in Aussicht stellt, ist eine der besten dramaturgischen Maßnahmen, um die Handlung innerhalb der ganzen Season zu intensivieren. So verfolgen die Hauptfiguren der Serie zwei Ziele: Deans Rettung und die Rettung der Welt. Dieser Verlauf sorgt für den nächsten positiven Aspekt, mit dem die dritte Staffel aufwartet: die Verschiebung des Blickwinkels von Sam auf Dean. Endlich bekommt Jensen Ackles die Möglichkeit zu zeigen, was in ihm als Schauspieler steckt – eine bravouröse Leistung seinerseits, der Figur von Dean die nötige Tiefe zu verleihen, die sie über das Teenieschwarm-Niveau hinaus hebt.

Die Stimmung der Staffel wird mit Hilfe von Deans Figur reguliert, von aberwitzig bis traurig: Deans innerer Konflikt dient der Regulation von Emotionen. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung mit sich selbst findet statt, als Dean in einer Episode seinem dämonischen Selbst gegenüber steht. Während sich Dean am Anfang der Staffel Frauen und cholesterinreichem Frühstück widmet und sich weigert, auf die eigene Sicherheit zu achten, wird seine Figur in der zweiten Hälfte immer nachdenklicher und vielschichtiger. Die Auseinandersetzung mit dem neuen Oberbösewicht, dem weiblichen Dämon Lilith, sorgt wiederum dafür, dass Sam zwischen der Rettung der Welt und der Rettung seines Bruders hin- und hergerissen wird. Deans Reise zur Hölle in dieser dritten Staffel bietet eine sehr interessante Beziehungsstudie zwischen beiden Brüdern.

Dean bleibt ein Jahr lang auf der Erde, bevor er vom Höllenhund geholt wird. Die schon sowieso intensive Handlung bekommt durch diese Deadline zusätzliche Spannung.

Da in „Supernatural“ im Einklang mit den dunklen Tönen der Serie eher brünette Frauen bevorzugt werden, fällt auf, dass blonde Frauen – wenn sie denn einmal auftauchen – mit Tod oder Verbannung bestraft werden, egal ob sie den Brüdern helfen wollen (wie die Dämonin Ruby – gespielt von Katie Cassidy) oder sie austricksen (wie die Diebin Bela – gespielt von Lauren Cohan). Bela wird auch vom Höllenhund geholt, und Lilith vertreibt Ruby aus dem Körper, den sie bis jetzt eingenommen hatte. Diese zwei durchaus interessanten weiblichen Figuren leiden am meisten unter den Folgen der verkürzten Staffel. Immerhin kehrt Ruby in brünetter „Verpackung“ in Staffel vier zurück.

Als die Uhr zwölf schlägt und Deans Jahr um ist, wird klar, dass alles vergebens war. Die Höllenhunde stürzen sich auf Dean und zerfetzen ihn direkt vor den Augen seines Bruders. Dann wendet Lilith sich Sam zu, doch ihr Versuch, ihn zu töten, scheitert, und sie muss fliehen.

Das dramatische Hauptnarrativ dieser Staffel wird von humorvollen Episoden „durchbrochen“, wie einem ‚Remake’ von „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem Dean jeden Tag stirbt und Sam es nie schafft, dies zu verhindern, oder der dreizehnten Episode, die Bezug auf den Autorenstreik nimmt und die ohnehin schon verquickten Realitäten in „Supernatural“ noch mehr verkompliziert. In dieser Episode sind wir Zuschauer der Reality-Sendung „Ghost Facers“, in der wiederum die Winchester-Brüder auftauchen, so dass aus Fiktion Realität wird – oder umgekehrt.

Einer meiner Favoriten ist die Episode mit der Hasenpfote, die ihrem Inhaber Glück bringt, aber nur für eine Weile…
Generell brilliert diese Staffel mit zahlreichen Episoden, die für sich allein genommen Geniestreiche der TV-Erzähl-, -Film- und -Entertainment-Kunst sind. Mit ihr hat sich „Supernatural“ aufgeschwungen zu einem Road-Movie-Mix aus „Buffy the Vampire Slayer“ und „The X-Files“, welcher es den Autoren erlaubt, brillante eigenständige Episoden aneinander zu reihen auf dem Weg zur Kulmination des Season-Long-Narrativs.

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