Supernatural: Abandon All Hope… (5×10)

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Täusche ich mich oder sind tatsächlich einige der besten Episoden von Supernatural diejenigen, in welchen dem Zuschauer sympathische und für die Handlung relevante Frauenfiguren ihren Abschied nehmen? Diesmal war es besonders tragisch, denn es erwischte Ellen und Jo, was ich nicht erwartet habe und zutiefst bedauere: Shame on you, Kripke! Und gleichzeitig vielen Dank für diese Episode, in der die Winchester-Brüder knapp davor standen, Luzifer zu stoppen. Aber Fehlanzeige!

Obwohl Abandon All Hope von den Ereignissen her keinen positiven Ausgang nahm, kann man sie unter den Glanzleistungen der Tragödie anführen. Denn selten erlebt man eine fiktionale Erzählung, die im Fernsehen als Mainstreamprodukt verstanden und vermarktet wird, in der wichtige Figuren ihr Leben für das Erreichen des Endziels hingeben – und sich umsonst geopfert haben, da die Hinterbliebenen dieses Ziel verfehlen. Vorerst! Denn die Dramaturgie von Abandon All Hope erkennen wir auf der Grundlage jahrelanger Filmerfahrung – oder ganz allgemein: Erfahrung mit Geschichten – als eine klassische: Die Welt (oder was auch immer) muss gerettet werden, und unsere Helden bilden den letzten zusammen gewürfelten Widerstand.

Die Mission scheint unmöglich, aber die Schwerverletzten opfern sich für das Wohl der Mission und sie … misslingt! Alona Tal (Jo) und Samantha Ferris (Ellen) lieferten eine herzzerreißende Performance ab und ließen uns den herben Verlust für die Supernatural-Welt sehr deutlich spüren. War der Preis nicht doch zu hoch für das Scheitern am Episoden-Ende? Jedenfalls waren die Supernatural-Autoren bereit, diesen Preis zu zahlen für eine emotional hochgeladene Episode. Die übrigens, bei aller Emotionalität und Action, leise verlief.

Ihre Stärken resultierten aus den ‚stillen’ Momenten: zwischen Jo und Dean oder zwischen den drei Männern (Bobby, Sam und Dean) am Ende, als Bobby das Foto der „Hunter-Reunion“ in die Flammen wirft. Supernatural ist am emotionalsten, wenn sich die Figuren (trotz großer Gefühle) zurücknehmen, ihre Emotionen zurückhaltend ausagieren und auch die Kamera „still“ bleibt und innerhalb lang anhaltender Close-Ups dem Unausgesprochenen, Unauszusprechendem Raum zur Entfaltung gibt.

Man kann sich so etwas erlauben, ja es wird von den Zuschauern sogar honoriert, wenn die Serie auf eine stabile, über Staffeln hinweg geschaffene Welt zurückgreifen kann – und auf das gespeicherte Serienwissen ihrer Zuschauer. Und spätestens jetzt wissen wir, dass Ben Edlund nicht nur ein Spezialist für „Spaß-Episoden“ bei Supernatural ist, sondern auch für tragisch-epische. – Die Spaß-Note hier lieferte übrigens Liliths rechte Hand Crowley, der den Brüdern den Colt freiwillig gab und sich überraschenderweise als „Verbündeter“ präsentierte: Luzifer bräuchte niemanden als sich selbst. Menschen, Dämonen, Engel – alles sei gleichermaßen Kanonenfutter. Also Crowleys Empfehlung: “How about you don’t miss, OK?! Morons!”

Nun, Dean trifft nicht daneben, aber Luzifer erweist sich als Colt-resistent (zusammen mit noch vier weiteren Wesen, wie er sagt). Wusste Crowley wirklich nichts davon? Und warum verschonte Luzifer (der großartige Mark Pellegrino) Dean? Haben wir ein kleines Lächeln auf Luzifers Gesicht gesehen, als Cas bei den Brüdern erschien? War das sein Plan? Mark Pellegrino gelingt es, den Teufel als humor- und gefühlvoll und gleichzeitig als tragische, aber hinterhältige Figur zu porträtieren: They’re just demons! Crowleys Befürchtungen kommen also nicht von ungefähr.
Glanzvolle erste Seasonhälfte! Supernatural, see ya on the other site!

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