Supernatural: Swan Song (5×22)

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Wie viel Schmerz kann der im Bild nicht anwesende Gott dieser Welt bereiten? Oder ist es gar nicht er? Auf wessen Worte sollen wir hören, auf Michaels oder auf Lucifers? Warum ist der Vater nicht da, um mit seinen Söhnen zu sprechen? Wie und wann hat Michael seine Befehle überhaupt erhalten? Ist der Wunsch, seinen Bruder zu vernichten, sein eigener oder der seines Vaters?

Supernatural zeigt uns hier etwas: Ganz egal, wie eng oder ‚locker’ sich die Serie an Mythologien und biblische Erzählungen hält – es ist im Grunde egal, ob Gott existiert oder nicht. So gesehen ist es nur logisch, dass ihn niemand zu sehen bekommt: es ist gar nicht nötig. Gott braucht nicht ‚tatsächlich’ zu existieren – auch ohne dieses Statt-Finden in der Wirklichkeit bewirkt er eine Reihe von Effekten in der Wirklichkeit Anderer.

Gottes Befehl an Michael lässt uns an einen alten englischen Witz denken: „Ist das die Stelle, an der der Herzog von Wellington die berühmten Worte gesprochen hat?“ – „Ja, das ist die Stelle, aber diese Worte hat er nie gesprochen!“ Wir können das Ganze umkehren in: „Ja, das sind die Worte, aber er war nie an dieser Stelle.“ Genau dieses Paradox der (Nicht-)Existenz Gottes präsentiert uns Supernatural in dieser fünften Staffel. Zu Ende gedacht: Gott bleibt hier ein McGuffin ist – ein reiner Vorwand, dessen Dasein einzig auf der Funktion beruht, die Handlung in Gang zu bringen. Seine Existenz wird konstruiert durch den Glauben daran. Noch ein Witz, um das zu veranschaulichen:

Zwei Männer sitzen im Zugabteil. Einer von ihnen fragt: „Was haben Sie da für ein Paket im Gepäcknetz?“ – „Das ist ein McGuffin.“ – „Was ist ein McGuffin?“ – „Ein Apparat, mit dessen Hilfe man im schottischen Hochland Löwen fängt.“ – „Aber im schottischen Hochland gibt es doch keine Löwen!“ – „Da sehen Sie, wie effizient er ist!“

Ihr fragt euch: warum diese Einführung, warum so viele Witze? Nun: um sich von den Emotionen dieses Finales zu erholen! Es sind gemischte Gefühle. Denn der Prophet Chuck hat Recht, als er am Ende sein Manuskript „Swan Song“ fertig stellt, dessen Bebilderung die Episode ist: kein Ende vermöchte die Fans zufrieden zu stellen. So verhält es sich vermutlich auch mit Swan Song. Es ist eine nostalgische Episode, die sich tatsächlich wie ein Abschied anfühlt – wie Eric Kripkes Abschied von der Serie. Aus diesem Grund vermutlich die zahlreichen Flashbacks aus früheren Staffeln.

Mag sein, dass der Showdown etwas einsam und unspektakulär ausfällt – mit Sam als Lucifer, Adam als Michael und Dean als Dean auf dem Friedhof (dazu stoßen noch Cas und Bobby, um getötet zu werden). Aber war das nicht immer schon Supernaturals Art: mit mythologischen Ereignissen umzugehen, indem man sie auf einer ‚kleinen’ Beziehungsebene präsentiert?

Aus diesem Grund geschieht hier auch nichts Überraschendes. Wahrscheinlich hat jeder Fan der Serie erwartet, dass Sam es schafft, Lucifer wieder in den Käfig zu befördern – mit der Ausnahme, dass er Michael mitnimmt – oder dass Bobby und Cas überleben. Cas wird wieder einmal zurückgeholt – als Engel – und holt seinerseits Bobby zurück. Vielleicht sollten die beiden in der ursprünglichen Fassung tatsächlich tot bleiben – aber die Serie wurde ja verlängert! Und Crowley: wo ist er abgeblieben? Dafür bekommt der Impala eine entscheidende Rolle. Das ist nicht nur logisch ist, sondern hat sehr gefreut – ich hatte ja mehrmals darüber geschrieben, dass der Impala das unzerstörbare Bündnis der beiden Brüder verkörpert.

Und der Teufel? Der steckt ausgerechnet in Detroit, der Stadt, wo, wie die Amerikaner sagen, Ausdrücke wie ‚Apokalypse’ und ‚Ende der Welt’ sich nicht wie Metaphern anfühlen… Motor City als Endstation für eine Roadmovie-Serie: No paradise, no hell, just more of the same. Das sind Cas’ Worte Richtung Dean, um ihm klar zu machen, dass er erreicht hat, was er wollte. Chose family, sagt Chucks Voice Over, während Dean an Lisas Tür klopft. Endstation? Nothing ever really ends, redet Chuck weiter, und die Kamera zeigt ihn lächelnd im strahlend weißen Hemd, bevor er… verschwindet. Dafür taucht ein anderer auf: Sam is back!
Aber ist es wirklich Sam?

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