Supernatural: And Then There Were None (6×16)

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Nachdem in der humorvollen Episode der letzten Woche, The French Mistake, im Paralleluniversum (einer Imagination unserer Welt) so gut wie alle Produktionsmitglieder – vom Schöpfer bis zum Regisseur – ermordet wurden, kennt Supernatural weiterhin keine Gnade und macht sich diesmal über etliche wiederkehrende Figuren her. Es scheint, als forciere man auf allen Ebenen den Neuanfang.

Da wir bei Neuanfang sind: Wir erfahren, dass Eve die mysteriöse Mutter aller Monster ist. Eva, die allererste Frau, auf deren Liebe zu verbotenen Früchten das Christentum alle nachfolgenden menschlichen Sünden zu schieben wusste. Also: Bösewicht gefunden und auf in den Kampf? Back to the roots?

Eve, The Mother of All: Sie steht ganz in der Supernatural-Tradition der „heißen“, bösen Frauen, die beseitigt werden müssen. Die Alternative der „guten“ Frauen in Supernatural: sich für das Gute (und die daran beteiligten Männer) zu „opfern“… Nein, ich will hier keine Gender-Diskussionen entfachen. Nach sieben Staffeln hat die US-Serie diese beiden Frauenrollen als Schema verfestigt, was wir einfach als Fakt konstatieren können. Und es wäre schön, wenn die US-Serie ihr Schema diesmal etwas variabler gestaltete, um aus dem Potential der Frauenfiguren mehr herauszuholen – nachdem man beispielsweise aus der Sam-Ruby-Beziehung für meinen Geschmack zu wenig gemacht hat.

Ebenso fest steht, dass Supernatural seine besten Momente feiert, wenn Dean (Jensen Ackles) und Sam (Jared Padalecki) Winchester im Kontext ihrer Familie agieren. Damit ist zuallererst die Hunter-Familie gemeint. Durch die Interaktion zwischen Rufus und Bobby wird in “And Then There Were None” deutlich gezeigt, dass die familiäre Bindung sich aus der Art ihres besonderen „Jobs“ ergibt: aus dem gemeinsam Erlebten und der langen Tradition, in der sie stehen. Das aber macht diese Bindungen beileibe nicht unproblematisch. Die Beziehung zwischen Bobby (Jim Beaver) und Rufus (Steven Williams) scheint die Komplikationen zwischen Sam und Dean förmlich zu spiegeln.

Und so kommen wir zum größten Kritikpunkt der Episode, wie schon einige Fans in den Foren geschrieben haben: Warum musste Rufus sterben? Natürlich hat sein Tod die Auswirkung eines emotionalen Knockouts für die anderen Figuren und führt einen Schockmoment für die Zuschauer herbei. Aber bisher geschahen Tode beliebter Figuren in Supernatural immer zu Gunsten einer Wendung in der Erzählung – oder aber um den Hauptfiguren zum Erreichen eines Ziels zu verhelfen. Haben sich die Autoren für diesen Schritt entschieden, um Bobbys Kampf gegen Eve persönlicher zu gestalten? Oder aber, um sechs Episoden vor dem Ende der Staffel das Back-to-the-roots-Konzept zu Ende zu führen, indem man den Cast auf die Hunter-Kernfamilie reduziert: Bobby und die Winchester-Brüder?

Auf der einen Seite stehen nun also die drei, allein: ohne weitere „Familienmitglieder“. Auf der anderen Seite steht offenbar Eve (Julia Maxwell), die Mutter aller Monster. In dieser Episode lässt sie einen (Ohr)Wurm von Menschen Besitz ergreifen und sie zu Gewalttaten bewegen; dahinter steckt eine Nachricht von Eve an die Winchester-Brüder. Zu der kommen wir gleich. Es muss zuerst gesagt werden, dass Eve, wie alle „bösen Wesen“ vor ihr, die Zerstörung der Menschenwelt  anstrebt: dies ihre Nachricht an Sam und Dean. Im Gegensatz zu den bisherigen Bösewichtern tappen wir Zuschauer aber diesmal nahezu völlig im Dunkeln: Wir wissen weder, wie mächtig sie ist, noch kennen wir ihren Status in der Supernatural-Mythologie.

Wenn Supernatural weiterhin die christliche Mythologie aufbereitet, müssten wir in Eve, Eva, tatsächlich die Sünderin sehen, die sich von der Schlange (einem Monster) verführen ließ. Während die Paradies-Erzählung der Bibel interessanter Weise neben dem körperlichen Bild der Schlange die verführerische Kraft vom Baum der Erkenntnis ausgehen lässt – Eva erliegt also nicht allein fleischlicher Lust, sondern vor allem ihrem Wissensdurst -, thematisiert Supernatural bisher nur die fleischliche Verführung: Anscheinend haben Eva und die Schlange das erste Monster gezeugt. Oder geschah dies erst nach der Vertreibung aus dem Paradies – um sich für den ersten wahrhaft monströsen Akt zu rächen, nämlich für die Verbannung seitens des Vaters?
Was Supernatural uns nun allerdings lehrt, ist, dass auch Übernatürliches auf Familienbanden basiert – und dass umgekehrt auch im Göttlichen Monströses steckt. Wenn die Serie ihre eigene Lesart und Deutung beibehält und sich weiterhin nicht zu sehr von „Originalvorgaben“ verführen lässt, bleibt zu hoffen, dass das bunte mythologische Gemisch dennoch einen roten Faden besitzt. Wie ist Crowleys (Mark Sheppard) Suche nach dem Purgatorium mit dem Krieg im Himmel und mit Eves Auftauchen verbunden? Hat der seelenlose Sam mit dem Ganzen etwas zu tun – oder NUR Sam? Und nach wie vor: Wo ist Gott (Chuck?) abgeblieben?

Samuel taucht wieder auf, der seit Crowleys Tod nicht wirklich viel zur Handlung beitragen konnte. Als Sam, Dean, Rufus und Bobby sich auf Eves Spuren machen, treffen sie plötzlich auf Samuel und Gwen. Wir wissen, dass Dean in Caged Heat Samuel versprach, ihn bei der nächsten Begegnung zu töten. Dieses Versprechen will er halten, aber die Umstände hindern ihn zunächst daran. Alle Hunter sehen sich mit einem Parasiten konfrontiert, der durchs Ohr in Menschen hineinkriecht und Besitz von ihnen ergreift. Der Großteil der Episode kommt in Folge dessen als gut inszeniertes Kammerspiel mit einer funktionsfähigen Mischung aus Ernst und Komik daher, in dem jeder im nächsten Moment der „Böse“ sein könnte.

Vor allem die Chemie zwischen Bobby und Rufus ist exzellent: Diese Episode dient unter anderem auch dazu ihre gemeinsame Vergangenheit zu beleuchten, was zu den großen Pluspunkten gehört. Weniger löblich erscheint mir die Art, wie man Gwen beseitigt, für deren Figur die Autoren anscheinend nie wirklich Verwendung fanden – ebenso wenig wie für Samuel nach Crowleys Ende. Nichtsdestotrotz wirkt die Szene, als Dean mit Ohr-Wurm Gwen erschießt, als Schock-Moment, dem ein witzig-ernstes Katz-und-Maus-Spiel folgt.
Das Versteck- und Ratespielchen erhebt die Frage danach, wer von den Beteiligten Nachhilfe braucht, um eine grausame Tat zu vollbringen – und wer nicht. Die Antwort ist klar: Sam braucht keine. Er schießt Samuel in den Kopf, obwohl Samuel nur Samuel ist. Konnte Sam das wissen? Offenbar wollen die Autoren zurück zu der Problematik von Sams böser und guter Hälfte – gar keine schlechte Idee.

Am Ende sieht man Bobby, Dean und Sam an Rufus‘ frischen Grab stehen und über Familie reden. In dieser Episode haben sie zwei Familienmitglieder verloren, aber sie stehen nur am Grab des Einen: denn für die Zugehörigkeit zu einer Familie reicht, wie Dean hervorhebt, Blut nicht aus, man muss sie sich verdienen.
Dass noch einiges Blut vergossen werden wird, kann man von Supernatural erwarten – und auch, dass bald ein von den Fans schmerzlich vermisstes Familienmitglied wieder zum Kern stößt, das sich die Zugehörigkeit zur Familie allemal verdient hat: Cas (Misha Collins).

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