Supernatural: Appointment in Samara (6×11)

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Es war eigentlich eine Frage der Zeit, bis wir Death wieder zu sehen bekommen. In Appointment in Samara kommt es zu einem Treffen zwischen ihm und Dean. Die Episode, mit der sich die Serie in die Winterpause verabschiedet, fällt positiv aus – aus mehreren Gründen. Ich weiß nicht, ob es an meiner Vorliebe für die Bücher Terry Pratchetts liegt, aber Death als Figur einer fiktionalen Erzählung empfinde ich als sehr interessante Angelegenheit. Außerdem jedes Mal, wenn Supernatural sich der eigenen Mythologie widmet, arbeitet die Serie auf mehreren Ebenen, was den Zuschauer – falls er sich darauf einlässt – zum Nachdenken bringt. Supernaturals Entscheidung Death als letzte Instanz eines Universums, in dem es von Übernatürlichem nur so wimmelt, zu postulieren, finde ich sehr passend.

Wir erinnern uns an Two Minutes To Midnight, als Death zu Dean sagte, dass er sogar Gott ein Ende setzten könnte, falls das Schicksal es erfordert. Hier in Appointment in Samara wird über einen natürlichen Verlauf der Dinge geredet, über die natürliche Ordnung, über eine Liste, mit der Death arbeitet und auf der steht, wer als nächstes sterben soll. Aber wie kam diese Liste zustande? Kann man dem Schicksal nicht entkommen? Kann man die Ordnung durcheinander bringen? Supernatural hat immer schon mit der Opposition Schicksal vs. Freien Willen gearbeitet und in dieser Episode kommt es genau zu einer Gegenüberstellung beider Seiten. Dean glaubt nicht an das Schicksal bzw. will nicht daran glauben und bekommt von dem Gream Ripper gesagt, dass alles schon vorherbestimmt ist und das jeder Versuch der Änderung verheerende Konsequenzen haben wird und eine Kettenreaktion auslöst, die letztendlich dafür sorgen wird, dass alles sich wieder zurecht setzt und der vorbestimmte Weg gegangen wird.

Der Titel der Episode bezieht sich, meiner Meinung nach, direkt auf die alte Überlieferung über das Treffen in Samara. Die Geschichte lautet folgendermaßen: Der Diener eines reichen Kaufmanns aus Bagdad stößt auf dem Markt mit dem Tod zusammen, der ihn böse anzublicken scheint: erschrocken kehrt er nach Hause zurück und erzählt seinem Herren: ‚Der Tod verfolgt mich, in der Nacht will er mich holen; leihe mir, o Herr, dein Pferd, ich will Tag und Nacht reiten und morgen in Samara sein. Dort wird mich der Tod gewiß nicht finden.‘ Der Herr leiht ihm also sein Pferd und geht dann selbst zum Markt. Dort sucht er den Tod auf und spricht ihn an: ‚Warum hast du meinen Diener so böse angeschaut?‘ Der Tod aber antwortet ihm: ‚Es muss sich wohl um ein Missverständnis handeln, dein Diener hat meinen Blick ganz falsch gedeutet: keineswegs wollte ich ihm drohen, ich war nur verwundert, ihn hier zu sehen, da ich doch morgen mit ihm in Samara verabredet bin!’ Die falsche Deutung, der Verdacht schaffen erst die Voraussetzungen für das Zustandekommen einer Wahrheit, die schon im Verdacht implizit enthalten war. Die Wahrheit wird durch das Verkennen konstituiert. Hier greift, mit dem Philosophen Jacques Derrida gesprochen, die Logik des „gewesen sein wird“: Die Illusion der Subjekte besteht darin, dass sie vergessen, ihre eigene Tat dazuzurechnen, dass sie folgendes nicht sehen: Es zählt, es ist gezählt und in dem Gezählten ist das Zählende schon darin. (Lacan)

In den ersten Minuten der Episode sehen wir Dean (Jensen Ackles) zu einem gewissen Dr. Robert (Robert Englund, der hier definitiv zu wenig zu tun bekommt) gehen, mit einer Bitte: Zu sterben! Aber nur für ein paar Minuten, so lange, dass er kurz mit Death sprechen kann und ihn um einen Gefallen bitten. Dean will den Deaths Ring zurückgeben, wenn Death Sams Seele zurückholt. Death (Julian Richings) geht auf den Deal ein, aber unter einer Voraussetzung – Dean soll den Ring für 24 Stunden tragen und Deaths Job verrichten. Und er soll sich entscheiden, wer gerettet werden soll – Sam oder Adam? Oh, Adam, ich hatte ihn fast vergessen! An dieser Stelle nehmen wir, schätze ich, endgültig Abschied von ihm, denn die Serie fand nicht wirklich eine interessante Verwendung für den dritten Bruder. Also sagt Dean in Sekundenschnelle: Sam. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Deaths Erscheinungsbild schien mir verändert. Es ist so als würde er müde davon geworden sein (ich weiß, er wird nicht müde), wie die Sterblichen immer wieder in seine Geschäfte eingreifen – vor allem die Winchester-Brüder. Aber – wie schon gesagt – die falsche Deutung konstruiert die Wahrheit! Death will, dass Dean und Sam weiterhin die Balance stören, damit sie herausfinden, was überhaupt vor sich hin geht.

Die Mitte der Erzählung dieser Episode mit Dean und Tessa (der Reaperin aus “Death Takes a Holiday” und “My Time Of Dying”), die Deaths Liste abhacken, hatte zwar nicht die erwartete emotionale Schwere (fühlte sich für mich nicht so an) und war vorhersehbar, aber passte sehr gut in das Gesamtbild, das diese Episode malt. Alles ist vorhersehbar. Sogar Deans Rebellion ist mit eingerechnet. Es gibt kein Entkommen – wir sind gezählt und der freie Wille macht zwar das Zählen komplizierter, aber die Gleichung hat immer dasselbe Ergebnis. Scheint so, als würden in Deaths Augen die Auferstehungen von Dean und Sam nur Mittel zum Zweck sein, um die Balance der großen Gleichung zu sichern. Etwas geht vor sich hin, sagt Death zu Dean und es hat mit den Seelen zu tun. Wir erinnern uns, dass Balthazar (Sebastian Roche) dabei war Seelen „aufzukaufen“. Dazu haben wir die sich komische verhaltenden Monster, die Alphas, Crowleys Suche nach dem Purgatorium. Wie ist alles miteinander verbunden? Der Vampir-Alpha sagte: We all have our mothers? Versuchen die Mütter die Herrschaft über das Universum der Väter zu übernehmen, während Gottes Abwesenheit und des Zerfalls himmlischer und höllischer Ordnungen?

In Appointment in Samara rebelliert nicht nur Dean gegen das Schicksal, sondern auch Sam. Er will seine Seele nicht wieder haben und mit Balthazars Hilfe die Wiederkehr verhindern. Dafür muss er aber das Blut seines Vaters beschaffen, also einer Vaterfigur, wie Balthazar ihm erklärt. Sam macht sich tatsächlich daran, Bobby über die Klinge springen zu lassen, aber es funktioniert nicht ganz… Am Ende sehen wir, wie Death Sams Seele zurückbringt. Er baut, wie Dean versprochen, eine Wand vor dem schrecklichen Trauma des Höllenaufenthalts. Aber wie lange wird sie halten? Wird Sam Erinnerungen haben? Wird er der alte Sam sein? Das alles erfahren wir erst Ende Januar und bis dahin ist jedem Zuschauer überlassen, sein TV-Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

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