Supernatural: Clap Your Hands If You Believe (6×09)

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Was soll ich sagen: Clap your hands if you believe! Die sechste Supernatural-Staffel fühlt sich bisher durchweg dunkel und hoffnungslos an, obwohl die Apokalypse abgewendet wurde. Dafür nahm die Beziehung zwischen den beiden Winchester-Brüdern apokalyptische Züge an. Wer sich gewundert hat, warum der Supernatural-Titel in blauer Schrift diese sechste Staffel schmückt, weiß es spätestens seit You can’t handle the truth: Sam ist seelenlos. Deswegen die blaue Kälte des Titels. Sams Innenleben ist abgekühlt, er fühlt nichts mehr und Dean muss damit zurecht kommen, während die beiden Crowleys Mitarbeiter werden, um Sams Seele zurückzuholen.

Ich hatte mich schon gefragt, ob die Supernatural-Autoren diese Staffel tatsächlich ohne Slapstick-Episode beenden würden. Aber am letzten Freitag wurde ich eines Besseren belehrt: denn wieder einmal durfte sich Ben Edlund bei Supernatural austoben! Tatsächlich hat der Autor der CW-Serie seinen Stempel aufgedrückt, und Episoden von seiner Feder wecken bestimmte Erwartungen. Ich weiß nicht warum: aber bezüglich Ben Edlund muss ich immer an die Szene aus Wishful Thinking denken, als sich der große sprechende Plüschbär den Kopf wegschoss. Auch die Ghostfacers sind den Supernatural-Fans natürlich in Erinnerung geblieben.

Zwar übertrifft diese Episode jene Edlund-Arbeiten nicht, aber amüsant ist sie schon. Was haben Feen, Aliens und andere übernatürliche Geschöpfe gemeinsam? Sie tauchen genau dann auf, wenn man sich ein schönes Konzept von „Realität“ zusammengebastelt hat, stören und neigen manchmal zur Gewalt. Denn sie sind einander sehr ähnlich. Die Welt von früher, vor den Aliens, kannte alle möglichen übernatürlichen Störenfriede. Aber je mehr die Technologie fortschritt, desto mehr gerieten sie in Vergessenheit und wurden in alte Bücher verbannt. Sie mussten das Feld räumen für die neuen Störenfriede: die Aliens.

Während die übernatürlichen Wesen als Metapher für das menschliche Unbewusste, für das komplizierte Innenleben des Menschen gesehen werden können, suchen uns die Aliens von einem anderen, uns fremden Ort aus heim. Warum die Kehrtwendung? Weil es… leichter ist, mit Aliens umzugehen. Sie sind die Gefahr von außen und nicht von innen. Sie sind auch nicht wirklich gemein und kennen uns nicht so gut wie andere Geschöpfe. Kein Wunder, dass einige der ältesten übernatürlichen Geschöpfe, die Feen, als Aliens posieren, um in aller Ruhe die Vorzüge der menschlichen Welt zu genießen.

Genau das geschieht in Clap your hands. Die Episode eröffnet mit einer The X-Files-Referenz, sogar der Vorspann wurde entsprechend abgeändert. In der Episode schließlich kam David Bowies ‘Space Oddity’ zum Einsatz…
In den Maisfeldern verschwindet ein junger Mann – ein heller Lichtstrahl vom Himmel verschluckt ihn. Aliens in Supernatural!? Nicht wirklich – es sind Feen, die junge Menschen entführen. Warum? Damit diese dem Feenkönig bestimmte Dienste erweisen, mit besonderer Betonung auf „bestimmte“? Sogar Dean (Jensen Ackles) wird für kurze Zeit entführt.
Generell muss hier einmal die Performance von Jensen Ackles gelobt werden. Schon seit Dark Angel war ich mir bezüglich seines Potentials als Comedy-Darsteller sicher – und hier bekommt er Gelegenheit, es auszuspielen. Die Szene, als er, mit Handy am Ohr und Sam am anderen Ende, vom Licht durch die Maisfelder verfolgt wird – Close Encounter! Close Encounter! – ist Comedy-Gold. Seine Beschreibung des Erlebten, als er aus der Feenwelt zurückkehrt: It was a little… glowing… hot… naked lady with… nipples. And she hit me. Nun: was für eine Fee sollte auch sonst einen Dean Winchester entführen?

Während Dean weg ist, hat auch Sam einen Close Encounter: mit einer Hippie-Alien-Gläubigen im Bett. Ich finde es sehr gelungen, wie die Supernatural-Autoren an Sams Zustand demonstrieren, wie man ohne die Zwänge von Moral und Emotionen handelt und wie dadurch, von außen gesehen, menschliches Benehmen manchmal geradezu absurd wirkt. Viele kleine Details im Leben sind, so gesehen, unsinnig – aber wir kommen nicht drum herum. Dean versucht, Sam „seelenvolles“ Benehmen beizubringen, obwohl Sam in seinem jetzigen Zustand mehr Erfolg zu haben scheint als der empathische Sam… Supernaturals Mischung aus Slapstick und ernsthaften Untertönen funktioniert in dieser Episode sehr gut.

In True Blood haben wir gesehen, dass Feen schöne und gutmütige, vom Licht durchdrungene Wesen sind, während sie in Supernatural richtige Mistbienen…  oder, nun ja: eben douche bags sind. Auch Kobolde sind dabei. Deren Anführer (Picardo, Star Trek) bietet Sam einen Deal an: er verspricht, ihm seine Seele zurück zu geben, wenn Sam… Aber Sam geht darauf nicht ein. Warum eigentlich nicht? Weil, wie Sam selbst richtig anmerkt, Deals in der Supernatural-Geschichte bisher nur für mehr Ärger gesorgt und nie etwas Gutes gebracht haben.
Aber Dean hat Zweifel. Sams Erklärung hinterlässt einen faden Beigeschmack. Obwohl: Dean ist natürlich auch völlig erschöpft von der Feen-Action. Es fordert einem Einiges ab, eine Fee in die Mikrowelle zu manövrieren oder aber einen hinterlistigen Verfolger zu verprügeln, der zum unschuldigen Kleinwüchsigen wird – und sich deswegen auch noch verhaften lassen zu müssen….
… oh: ich muss Schluss machen. Close Encounter! Close Encounter!!!

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