Supernatural: Frontierland (6×18)

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Frontierland zeigt uns eine weitere Reise der Winchester-Brüder in die Vergangenheit. Diese sollte die übergreifende Story der Staffel voranbringen und dabei den Humor nicht zu kurz kommen lassen. Nun, die Episode schafft ein paar Schritte in beide Richtungen, aber sie hinterlässt – wie so oft im sechsten Supernatural-Jahr – den Zuschauer mit dem Eindruck, dass die CW-Serie die Gesamt-Richtung der laufenden Staffel nicht so recht kennt. Gewiss, die Auseinandersetzung mit Mother of All steht bevor – und vermutlich die Enthüllung über Sams Rettung aus der Hölle. Außerdem wissen wir, dass Castiel (Misha Collins) einen himmlischen Krieg führt. Aber von den Gegnern der Winchester-Brüder und vom Krieg im Himmel ist, insgesamt betrachtet, viel zu wenig zu sehen.

Vom Budget her kann sich Supernatural keine himmlisch-höllischen Schlachten leisten. Die wären aber auch nicht nötig, denn in der Vergangenheit haben uns die Autoren gezeigt, wie geschickt man solche Gut-gegen-Böse-Auseinandersetzungen als Mittel zum Zweck einsetzen kann, ohne sie gleich zum spektakulären Endziel zu machen. Mein kleiner persönlicher Kritikpunkt an der Serie betrifft in diesem Zusammenhang das fehlende Akkumulieren von Spannung: sei es in der übergreifenden Story oder auf der persönlichen Ebene zwischen den Figuren. Natürlich kann dieser subjektive Eindruck durch die vielen Unterbrechungen entstanden sein; deswegen kann man erst dann wirklich Kritik üben, wenn man die komplette Staffel noch einmal am Stück sieht. Also belassen wir es vorerst bei dieser Anmerkung.

Nichtsdestotrotz spürt man eine gewisse Leere bei Supernatural. Etliche Figuren, ob gut oder böse, wurden aus dem Weg geräumt oder aber sind, wie schon gesagt, nur selten zu sehen. Man hat manchmal den Eindruck, Sam (Jared Padalecki), Dean (Jensen Ackles) und Bobby (Jim Beaver) seien ganz allein und bekämen nur gelegentlich Besuch von Castiel.
In Frontierland braucht das Trio Cas’ Hilfe, als man aus Samuels Notizen und Buchsammlungen entnimmt, wie gegen Mother of All vorzugehen ist: Man braucht die Asche eines Phönix. Ein solcher wurde im Jahre 1861 in Sunrise, Wyoming von und mit einem gewissen Colt getötet. Also beschließen die Brüder kurzerhand, zurück in die Vergangenheit zu reisen. Dafür aber brauchen sie Cas’ Hilfe.

Der jedoch ist extrem beschäftigt, teilt den beiden seine persönliche Assistentin Rachel mit, die an seiner Statt auftaucht. Um interessant zu werden, ist sie nicht lange genug da: Supernatural bleibt konsequent mit dem Töten weiblicher Figuren – und generell „ziehen“ die Autoren in dieser sechsten Staffel schneller, als man gucken kann. Aber bevor Castiel Rachel tötet, erfahren wir, dass er anscheinend Dinge getan hat, die auch seine treuesten Mitarbeiter seinen Tod wünschen lassen. Geht es um die menschlichen Seelen? Welche Grenzen hat er im himmlischen Krieg übertreten bzw. übertreten müssen? Sehr überzeugend spielt Misha Collins in seinen Frontierland-Szenen Cas’ innere Zerrissenheit, sogar Scham. Wofür, werden wir noch erfahren.

Gar keine Scham verspürt Dean ob seiner Obsession mit dem Wilden Westen. Die Reise und der Aufenthalt in Sunrise, Wyoming sind eine Mischung aus Star Trek-, Deadwood- (Jim Beaver spielte in der Serie!), Back to the Future- und Clint Eastwood-Referenzen. Dazu bekommt die in Sepia-Tönen gehaltene Episode einen Bonanza-Vorspann, der ziemlich cool aussieht. Nicht so cool findet Dean den Wilden Westen, in dem die Saloons relativ leer sind und die leichten Mädchen schlechte Zähne haben. Dazu kommen noch die Probleme mit der übernatürlichen Welt von damals. Für alles haben die Brüder nur 24 Stunden Zeit, bevor sie Cas zurück holen muss. Wenn man den Zeitpunkt verpasst, muss Dean für immer eine „blanket“ tragen, wie Cas und alle anderen seinen Poncho nennen – und Sams strahlend weißes Hemd würde seinen Glanz verlieren.

Ich muss gestehen, den Aufenthalt der Brüder in Sunrise zwar genossen, aber dennoch Einiges vermisst zu haben. Irgendwie lief einem tatsächlich die Zeit davon, um mehr Wendungen einzubauen und der Story mehr Gewicht zu verleihen. Die Szenen aus dem Teaser, das Shootout zwischen Dean und dem Unbekannten enden genau so, wie man es erwartet. Dieser Unbekannte übrigens heißt Elias Finch und wird beim Eintreffen der Brüder in Sunrise gehängt. Elias ist aber kein Mensch, sondern der Phönix höchstpersönlich, der aus der Asche aufersteht und seine Peiniger einen nach dem anderen erledigt. Warum Peiniger? Weil das Monster im Grunde im Recht ist. Es rächt die Vergewaltiger und Mörder seiner menschlichen Frau. Dean tötet es aber trotzdem. An diesem Punkt verpasst die Serie die Möglichkeit, tiefer in das moralische Dilemma einzudringen und Parallelen zu Cas’ Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Einstellung zu ziehen. Es ist einfach nicht genug Zeit da! Aus diesem Grund sehen wir auch den berühmten Samuel Colt (Sam Hennings) nur kurz, was irgendwie schade ist.

Aber er hilft den Brüdern entscheidend: Der durch Rachel verwundete Cas holt die beiden zurück, bevor Dean die Phönix-Asche einsammeln kann. Sie bekommen jedoch ein Paket in die Gegenwart geschickt, das Samuel vor 150 Jahren abgeschickt hat und das die Asche enthält. Es bleibt nun also abzuwarten, was Supernatural damit macht – und ob sich vielleicht zum Abschluss der Staffel doch noch ein glühender Phönix daraus erhebt.

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