Supernatural: Two and a Half Men (6×02)

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Zwei Männer und ein Baby? Die Film- und Fernsehgeschichte hat uns gelehrt, dass diese Konstellation Komödie bedeutet. In den meisten Fällen ergeben sich tatsächlich humorvolle Situationen – aber nicht in Two and a Half Men: Sam ist auf den Spuren eines Mörders, der Familien tötet und ihre Babys mitnimmt. Es handelt sich um einen Formwandler. Nur: was wollen Formwandler mit Babys?

Sam braucht Dean, um das herauszufinden – nachdem er ein Baby gerettet hat. Bobby John allerdings – wie die beiden den Kleinen aus der Not heraus nennen – ist kein normales Baby…  Die Szenen mit den hilflosen Winchester-Brüdern und dem Baby sind zwar amüsant – vor allem Deans „Smoke and the Water“ Gutenachtlied –, aber insgesamt wirken die Baby-Komikeinlagen doch recht lahm.

Kurz bevor man in „Was soll das“-Tiraden ausbricht, nimmt die Episode  jedoch eine überraschende Wendung und schafft es irgendwie, die Baby-Story thematisch mit der großen Erzählung  um Dean und Sam zu verbinden. Bobby John ist ein Formwandler-Baby, und dessen „Vater“ will es unbedingt wieder haben. Sam besteht darauf, das inzwischen farbige Baby zu Samuel (Mitch Pileggi) zu bringen. Samuel und der Rest des Klans wollen das Baby behalten und groß ziehen. Aber Dean spürt, dass mit der Sippe etwas nicht in Ordnung ist…

Für Auseinandersetzungen bleibt keine Zeit: der Formwandler-Vater taucht auf. Und mit Vater ist DER VATER gemeint. Wie wir erfahren, haben alle Wesensarten einen ‚Alpha’, den Ersten ihrer Art, den Vater aller Nachgekommenen: Nicht nur bei den Campbells und den Winchesters geht es um die Familie. Während der letzten Season bekamen wir die „himmlische“ Familie mit ihrem abwesenden Vater zu sehen. In der neuen erleben wir, wie andere Wesen, andere Väter, um ihre Familien kämpfen. Haben auch Dämonenfamilien „daddy issues“?
Auf die Parallelen zu John Winchester und seiner Familie braucht man nicht hinzuweisen, denn sie liegen auf der Hand. Two and a Half Men handelt von Verantwortung: Wer übernimmt Verantwortung für Formwandler-Babys? Wer übernimmt Verantwortung für Lisa und Ben? Wie kann Dean Verantwortung übernehmen, ohne dabei die geliebten Menschen zu ersticken mit seinen Sorgen und dem Drang, sie zu beschützen? Two and a Half Men artikuliert Deans Angst davor, der zweite John Winchester zu werden.

Ich vermute, dass diese Episode die zwei Lager der Supernatural-Fans weiterhin gespalten halten wird. Wie man die Entwicklung der Serie nach Kripkes Ausstieg empfindet, ist tatsächlich rein subjektiv. Auf der einen Seite kann man durchaus Kritik daran üben, dass Dean allzu rasch wieder in den Impala gesetzt und Lisa einfach so aus dem Weg geräumt wird. Deans zwickmühlenartige Situation ist zudem letztlich irrelevant – denn im Grunde hat er ohnehin keine Wahl: Supernatural kann ja nicht weiter gehen, wenn er nicht weiter macht. Seine triumphal-pathetisch inszenierte Rückkehr zum Hunter-Leben unter den Klängen von „Smoke on the Water“ stand also von vornherein fest.

So gesehen, hätte man sich die ganze Story mit seiner Zerrissenheit schenken können. Andererseits aber arbeitet die Serie weiterhin an ihren Figuren und lässt sie nicht einfach weiter machen. Nicht nur redet Dean offen über seine Angst, so wie John zu werden, sondern er kann sogar Lisas Rat annehmen und als den besten Weg in seiner Situation akzeptieren. Was Lisa betrifft, schafft es Supernatural, die Identität der Figur beizubehalten. Man macht sie weder zur Hunterin noch lässt man sie einfach sterben, sondern sie hat ihren eigenen Willen und kann eine Entscheidung treffen. Sie will Dean in ihrem Leben haben – egal auf welche Art und Weise.

Jared Padalecki bringt es in den bisherigen zwei Episoden der Staffel fertig, in den Zuschauern subtil, aber überzeugend das Gefühl zu erwecken, dass mit Sam etwas nicht stimmt. Mit den Campbells stimmt definitiv so Einiges nicht, denn sie haben Geheimnisse vor Dean – und vielleicht sogar vor Sam. Wir hören Samuel am Telefon mit jemandem sprechen und erfahren jetzt mit Sicherheit, was wir letzte Woche schon ahnten: Die Campbells wollen unterschiedliche Wesen fangen und – nicht töten. Wozu, fragen wir uns? Und damit ist der rote Faden für die sechste Staffel geknüpft – verflochten mit der Frage, wie Samuel und Sam zurückgekommen sind.

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