Supernatural: Defending Your Life (7×04)

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Wenn Christine und Cujo zusammen agieren, dann kann in einer Supernatural-Episode nichts mehr schief gehen. Oder doch? Genau das ist die Frage: Was ist schief gegangen und was nicht in einem menschlichen Leben? Wer kann das beurteilen? Trägt man die Schuld an etwas, nur weil man sich schuldig fühlt? Der ägyptische Gott Osiris hat eine kleine Ortschaft erwählt, um einen Gerichtssaal zu errichten. Er sucht Menschen auf und konfrontiert sie mit ihren Schuldgefühlen bezüglich dessen, was sie in der Vergangenheit getan haben. Falls die Schuld in ihren Herzen alles andere überwiegt, verurteilt er sie zum Tode und lässt sie von der Inkarnation ihrer Sünden töten.

Dean, dessen Gedanken eindeutig noch um seine Entscheidung von letzter Woche kreisen, versucht alles abzutun, indem er behauptet, dass die Opfer ihre Strafe verdient haben. Aber bedeutet das nicht, dass auch er selbst bestraft werden müsste, obwohl er Amys Tod und die Lügen gegenüber Sam zu bereuen scheint? Ist nicht das Schuldbewusstsein der einzige rettende Strohhalm, wenn man etwas Schlimmes getan hat – der einzige Weg zur Besserung, zur Veränderung? Denn Osiris’ Opfer  bereuen ihre Sünden zutiefst und haben viel getan, um für ihr Tun zu bezahlen; sie haben sich verändert. Verdienen sie trotzdem den Tod?

Selten hat mich eine Supernatural-Episode so zwiegespalten zurückgelassen, und so wurde dieses Review an manchen Stellen mehrfach umgeschrieben.  Wenn auch nach den ersten zwei starken Episoden vom Verlauf der Staffel her etwas unpassend platziert, scheint mir nun The Girl Next Door – nur zusammen mit Defending Your Life als Doppelepisode! – zum Großteil gelungen. Können Menschen sich ändern, wenn sie den Willen dazu haben? Wollte Dean mit dem Mord an Amy beweisen, dass er nicht daran glaubt? Er richtet über andere nach einer schwarz-weiß Moral, ohne ihre Verteidigung anzuhören -nach dem Motto: Erledigen, weiter machen und die Schuld auf sich laden!

Nach einer Trinkrunde mit der blonden Bardame (Gastauftritt von Emillie Ullerup) findet sich Dean auf einmal in Osiris’ (Faran Tahir) Gerichtssaal vor. Ihm werden nicht nur schmerzliche Erfahrungen vor Augen geführt, sondern die Schwere der Schuld, die er mit sich trägt. Trotz Sams durchaus kompetenten Versuchen, Dean als Verteidiger aus der Sache herauszupauken, ist Dean eher bereit zu sterben, als Sam die Wahrheit über Amy erfahren zu lassen. Es scheint so, als würde sich Supernatural den Konflikt aufsparen wollen: Statt Amy wird Jo als Deans schwerste Sünde in den Zeugenstand gerufen und dann von Osiris gezwungen, Dean zu töten.

Obwohl es großartig ist, Jo wiederzusehen, und ihre zutiefst emotionalen Szenen mit Dean überzeugen, verfehlt die Serie an diesem Punkt einen dramatischen Knalleffekt; sie weiß die emotionale Spannung aus unerwiderter Liebe und Schicksalsergebenheit (Jo) versus Schuldbewusstsein und Resignation (Dean) nicht recht zu nutzen. Dean trägt nicht wirklich die Schuld an Jos Tod: Es war ihr eigener Wille, das Leben eines Hunters zu leben. Worin genau seine Schuld besteht – in dem zutiefst komplizierten Verhältnis zu seinem Bruder nämlich -, diese Frage wird zwar angedeutet, zusammen mit Amy letztlich doch ausgeblendet. Vielleicht hätte man in diesem Sinne aus Jos Figur als Deans Nemesis mehr herausholen können. Am Ende kann Sam Osiris stoppen, und Dean überlebt. Aber wie sieht es aus, das Leben, das ihm bleibt?

Man muss Defending Your Life zugute halten, dass Supernatural mit dieser Episode den Versuch unternimmt, sich etwas differenzierter mit dem Thema Schuld auseinanderzusetzen – und über weite Strecken gelingt das. Sam wird deswegen nicht vorgeladen, weil er nicht nur immer wieder versucht, seine Schuld zu begleichen, sondern weil dadurch – wie er Dean in der letzten Szene erklärt – das Gewicht seiner Schuld nicht mehr auf seinen Schultern lastet. Er handelt aktiv, während Dean seine Schuld nach außen hin verleugnet – was zur Folge hat, dass diese Schuld ihn Schicht für Schicht ausfüllt, bis er nur noch aus ihr zu bestehen scheint. Schuld definiert ihn als Menschen. Diese Tatsache deutlich vor Augen zu führen: darin liegt die Leistung dieser Episode. Es war sehr gut, die so unterschiedlich belasteten Seelen der Brüder noch einmal Revue passieren zu lassen, und die Szenen waren von allen Beteiligten sehr gut gespielt.
Aber die Frage ist: Wie geht es weiter?

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