Supernatural: Season Seven, Time for a Wedding (7×08)

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Nach den ersten zwei starken Episoden versetzt die siebte Staffel zumindest mich persönlich in ein Wechselbad der Gefühle, das mich ewig grübeln lässt, wie ich eine Episode zu beurteilen habe. Es ist so, als hätte man den richtigen Weg schon vor Augen: nicht nur was den handlungsübergreifenden Erzählstrang betrifft, sondern auch die Fälle der Woche; aber dennoch wird dieser Weg nicht recht bewältigt. Es handelt sich nicht unbedingt um ein Inszenierungsproblem – obwohl die letzten zwei Staffeln, wie mir meine Notizen zu kinematografischer Arbeit verraten, im Vergleich zu den vorherigen viel weniger „interessante“ Bilder bieten (hinsichtlich Kameraeinstellungen, Farbgestaltung des Bildes etc.).

Ins Detail gehe ich jetzt nicht: Bald werden wir Supernaturals Inszenierungen in der Reihe Ästhetikjunkies einen ganzen Teil widmen. Man kann das gegenwärtige Problem der CW-Serie nicht so leicht festnageln, aber eines fällt doch auf, worüber wir immer nebenbei diskutiert haben: der Verlust von Nebenfiguren und dadurch der Verlust interessanter Nebenhandlungen und neuer Figurenkonstellationen. Die Supernatural-Welt fühlt sich ein bisschen leer an, auch wenn mich Hardcore-Fans wie Becky für solche Aussagen lynchen würden. Immer wieder bekamen wir interessante Figuren vorgeführt – und immer wieder wurden sie getötet oder anderweitig hinausgeschrieben aus dem Seriengeschehen. Als sich die Serie dem Ende zu nähern schien, wie es Kripke vorhergesehen hatte, sah man die Abschiede vieler Figuren als eine Art dramatische Steigerung vor der größten Konfrontation, dem endgültigen Knall. Aber da die Geschichte nun weiter läuft, bleibt den Winchester-Brüdern im Moment nur noch Bobby.

Mir ist klar, dass Supernatural Sam, Dean und ihren Ersatzvater Bobby in den Mittelpunkt der Erzählung stellt, und für die meiste Zeit reicht das aus. Das Problem, das ich hier sehe, ist denn auch keine Katastrophe, sondern ein Detail, das gerade das Hauptsächliche stört und aus der Balance bringt. Doch die Leser, die schnell zur Handlung der neuen Episode kommen wollen, fragen sich bestimmt schon, was diese lange Einführung bedeuten soll. Nun – Season 7, Time for a Wedding brachte mich einfach auf diese Gedanken. Warum, führe ich nun aus: Man hört Fan-Stimmen, die das durchgehende Drama zwischen Sam und Dean als Auf-der-Stelle-Treten empfinden, daher ständig Fortschritte in der Leviathan-Story fordern und die Fälle der Woche als Wiederholung des Immergleichen sehen. Wie wäre es, wenn in diese Fälle noch mehr wiederkehrende Freunde und Feinde verwickelt würden – und warum nicht auch in die Haupterzählung?

In genau dieser Hinsicht macht die neue Episode einen Schritt in die passende Richtung… und knickt dabei doch irgendwie ein. Dean muss mit einem weiteren Freund von Bobby zusammen arbeiten, da Sam anderweitig beschäftigt ist. Obwohl: „anderweitig“ ist gelinde ausgedrückt. Sam heiratet! Eine Hochzeitstorte in den Leviathan-Farben der neuen Staffel explodiert uns als Titelbild ins Gesicht, und wir betreten die Meta-Ebenen der Supernatural-Erzählung. Die Episode erinnert uns an den Propheten Chuck (den Hauptverdächtigen in puncto „Gott“) und an ein paar wirklich witzige Episoden, die die Brüder mit sich selbst als Jensen Ackles und Jared Padalecki konfrontierten und uns mit unserem Fan-Sein. Da ich die Sache mit den visuellen Beschaffenheiten der Supernatural-Inszenierung angerissen habe, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Produzenten die Meta-Episoden weiterhin farbig distinkt gestalten: „bunter“ als die üblichen.

Viele grelle Farben dominieren das Bild – rote Wände, quietschgelbes Treppengeländer usw. Sams verträumter Blick sieht vor allem Rot, aber nicht im gewohnten Sinne, sondern als Rosarot – Tausende kleiner Herzchen, die um seinen Kopf herumschwirren. Immer wieder ging die Rede von Jensen Ackles’ komödiantischem Talent: Hier geben die Autoren Jared Padalecki die Möglichkeit zu glänzen, und das tut er auch. Den sentimentalen Glanz in Sams Augen, nachdem er Dean von seinem Whisky-Glas und einer Blondine losgerissen und in eine Vegas-Kapelle bestellt hat, verursacht das Eintreten seiner zukünftigen Ehefrau: Becky Rosen (Emily Perkins)! Wir erinnern uns an Becky: größter Fan der Brüder und auch von Chucks Supernatural-Büchern. Für sie ist ein Traum wahr geworden. Aber – Deans Grimassen verraten die Frage – wie kommt es dazu, dass auch Sam sie für seine Traumfrau hält?

Durch das Übernatürliche, versteht sich! In der Stadt hält sich ein „crossroad demon“ auf, der als Eventplaner auftritt und Deals mit Leuten abschließt, die sich ihren großen Traum erfüllen wollen. Aber kurz darauf verlieren die Klienten ihr Leben. Ein Vertragsbruch? Nicht ganz, eher schicksalhafte Unfälle, die von einer dämonischen Hilfskraft verursacht werden. Nicht nur die Winchester-Brüder haben darunter zu leiden, sondern auch die Geschäfte der Hölle, wie Crowley selbst erklärt: Consumer confidence! This isn’t Wall Street. This is Hell. We have a little something called integrity. Mike Sheppards Auftritt ist wie immer willkommen. Er erklärt, warum wir in letzter Zeit kaum Dämonen sehen: Sie haben vom Chef den Auftrag, den Winchester-Brüdern aus dem Weg zu gehen, damit sie die Leviathane erledigen können. Offenbar sind die Zeiten hart für Crowley – oder hat sich der King of Hell den Bart stehen lassen, um undercover zu arbeiten? Welchen Plan schmiedet er? Bestimmt fällt es euch Lesern auf, dass ich in diesem Review sehr wenig über Becky schreibe.

Die Erklärung ist einfach: Es gab mehr als genug Becky in der Episode! Dafür zu wenig DJ Qualls als Hunter namens Garth, der auf Bobbys Bitte hin Dean zur Seite steht. Nicht nur wirkte seine Figur interessant und bizarr, genauso wie der Verschwörungstheoretiker vor zwei Wochen, sondern er erweckte in mir besagten Wunsch, mehr Begleiter für Sam und Dean zu sehen, mehr in die Erzählung verwickelte Schicksale, mehr Nebenhandlungen, die diese Welt mannigfaltiger gestalten, einfach „voller“ aussehen lassen und zusätzliche Wendungen, Enthüllungen etc. für die Haupthandlung anbieten. Außerdem sind die Brüder so nicht die ganze Zeit über ihrem eigenen Drama ausgesetzt und können Luft holen, so wie wir – dann erscheint das Drama auch weniger aufgesetzt. Season Seven, Time for a Wedding ist eine amüsante Episode, die, ihrem Schlusspunkt nach zu urteilen, eine Art Frieden zwischen den Brüdern herbeiführt. Die Frage ist, für wie lange? Und wie geht es nach den amüsanten Ablenkungen weiter?

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