Homeland: In Memoriam (2×11)

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Genauso wie in der letzten Episode Waldens Tod zu einer der besten Szenen führte, ist Abu Nazirs Abschied von der Serie eine Art Auslöser für eine Reihe an hervorragenden Momenten. Schon im letzten Review habe ich darüber gesprochen, wie Homeland es gar nicht nötig hat, klassische Action-Klischees zu bedienen. Aber die Autoren wollten anscheinend Abu Nazir zu einer Art Monster aus dem Dunklen machen und vermischten Horror- und Action-Dramaturgie der einfachsten Sorte zu einem misslungenen ersten Teil der Episode.

Sobald Abu Nazir getötet wurde, ging es bergauf. Das nimmt nicht Wunder, denn der ganze Plot um Walden und Abu Nazir diente nur als Mittel zum Zweck, um emotionalen Druck auf alle Beteiligten auszuüben. Im zweiten Teil der Episode werden wir Zeugen der Erleichterung. Obwohl Erleichterung ist es nicht wirklich, sondern Entspannung, die bei manchen für klaren Kopf sorgt und bei anderen zu einer Konfrontation mit ihrer ausweglosen Situation führt.

Als Brody die Nachricht über Abu Nazirs Tod bekommt, kommen ihm die Tränen, Tränen der Erleichterung, Tränen der Trauer. All das geschieht im Stillen, ohne große Worte und ohne große Gesten. genauso wie die lange Szene mit Brody und Jessica in dem Auto. Beide reden zum ersten Mal ruhig und entspannt miteinander. Vor allem Jessica hat er nicht mehr nötig zu kämpfen und Wahrheiten zu wissen, die sie eigentlich nicht wissen will. Der Augenblick, als er ansetzt, um ihr alles zu gestehen, ist eine sehr schöne Inszenierung von Jessicas Position. Sie will und muss es nicht wissen. Es betrifft sie nicht mehr. “You must really love her” sagt sie und macht Brody damit klar, dass Carrie die einzige ist, deren Job darin besteht, über Brody zu wissen. Liebt er Carrie wirklich so sehr, wie sie ihn liebt? Brody wurde permanent nach allen Seiten hin gezogen und ihm wurde gesagt, was er zu tun hat. Jetzt sind Abu Nazir und Walden nicht mehr da. Problem gelöst? Eigentlich kann man Brodys Problem nicht lösen.

Er bleibt gefangen, gefangen in seiner Vergangenheit. Er kann sie nicht wirklich bewältigen und ohne sie zu bewältigen kann er eigentlich nicht weiter machen. Bleibt ihm nur den einen Ausweg? Wird Quinn den Abzug drücken? Wenn es nach Estes geht, muss man komplett aufräumen. Angefangen vielleicht mit Saul.

Aber Saul ist eine harte Nuss bzw. die Schale ist hart, um den weichen Kern zu schützen. Die Szene mit dem Lügendetektor arbeitet im Grunde nur auf diesen einen Augenblick hin, als die Frage danach kommt, ob Saul Aileen die Waffe für ihren Selbstmord bereit stellte? Sauls Gesichtsausdruck spricht Bände. Er spricht vor allem darüber, was Homeland ausmacht, nämlich solche Momente zu kreieren. Hat Saul Aileen die Waffe gegeben? Ja. Aber als Waffe? Nein. Ja. Vielleicht. Homeland schafft es jede einzelne Figur zu einem Punkt zu führen, an dem sie anfängt zu zerbrechen… Genau dort finden sie zueinander, wie Carrie und Brody und versuchen das “Gebrochensein” miteinander zu teilen.

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