Author Archives: Vladislav Tinchev

About Vladislav Tinchev

screenwriter, tv-critic

Supernatural: Season Seven, Time for a Wedding (7×08)

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Nach den ersten zwei starken Episoden versetzt die siebte Staffel zumindest mich persönlich in ein Wechselbad der Gefühle, das mich ewig grübeln lässt, wie ich eine Episode zu beurteilen habe. Es ist so, als hätte man den richtigen Weg schon vor Augen: nicht nur was den handlungsübergreifenden Erzählstrang betrifft, sondern auch die Fälle der Woche; aber dennoch wird dieser Weg nicht recht bewältigt. Es handelt sich nicht unbedingt um ein Inszenierungsproblem – obwohl die letzten zwei Staffeln, wie mir meine Notizen zu kinematografischer Arbeit verraten, im Vergleich zu den vorherigen viel weniger „interessante“ Bilder bieten (hinsichtlich Kameraeinstellungen, Farbgestaltung des Bildes etc.).

Ins Detail gehe ich jetzt nicht: Bald werden wir Supernaturals Inszenierungen in der Reihe Ästhetikjunkies einen ganzen Teil widmen. Man kann das gegenwärtige Problem der CW-Serie nicht so leicht festnageln, aber eines fällt doch auf, worüber wir immer nebenbei diskutiert haben: der Verlust von Nebenfiguren und dadurch der Verlust interessanter Nebenhandlungen und neuer Figurenkonstellationen. Die Supernatural-Welt fühlt sich ein bisschen leer an, auch wenn mich Hardcore-Fans wie Becky für solche Aussagen lynchen würden. Immer wieder bekamen wir interessante Figuren vorgeführt – und immer wieder wurden sie getötet oder anderweitig hinausgeschrieben aus dem Seriengeschehen. Als sich die Serie dem Ende zu nähern schien, wie es Kripke vorhergesehen hatte, sah man die Abschiede vieler Figuren als eine Art dramatische Steigerung vor der größten Konfrontation, dem endgültigen Knall. Aber da die Geschichte nun weiter läuft, bleibt den Winchester-Brüdern im Moment nur noch Bobby.

Mir ist klar, dass Supernatural Sam, Dean und ihren Ersatzvater Bobby in den Mittelpunkt der Erzählung stellt, und für die meiste Zeit reicht das aus. Das Problem, das ich hier sehe, ist denn auch keine Katastrophe, sondern ein Detail, das gerade das Hauptsächliche stört und aus der Balance bringt. Doch die Leser, die schnell zur Handlung der neuen Episode kommen wollen, fragen sich bestimmt schon, was diese lange Einführung bedeuten soll. Nun – Season 7, Time for a Wedding brachte mich einfach auf diese Gedanken. Warum, führe ich nun aus: Man hört Fan-Stimmen, die das durchgehende Drama zwischen Sam und Dean als Auf-der-Stelle-Treten empfinden, daher ständig Fortschritte in der Leviathan-Story fordern und die Fälle der Woche als Wiederholung des Immergleichen sehen. Wie wäre es, wenn in diese Fälle noch mehr wiederkehrende Freunde und Feinde verwickelt würden – und warum nicht auch in die Haupterzählung?

In genau dieser Hinsicht macht die neue Episode einen Schritt in die passende Richtung… und knickt dabei doch irgendwie ein. Dean muss mit einem weiteren Freund von Bobby zusammen arbeiten, da Sam anderweitig beschäftigt ist. Obwohl: „anderweitig“ ist gelinde ausgedrückt. Sam heiratet! Eine Hochzeitstorte in den Leviathan-Farben der neuen Staffel explodiert uns als Titelbild ins Gesicht, und wir betreten die Meta-Ebenen der Supernatural-Erzählung. Die Episode erinnert uns an den Propheten Chuck (den Hauptverdächtigen in puncto „Gott“) und an ein paar wirklich witzige Episoden, die die Brüder mit sich selbst als Jensen Ackles und Jared Padalecki konfrontierten und uns mit unserem Fan-Sein. Da ich die Sache mit den visuellen Beschaffenheiten der Supernatural-Inszenierung angerissen habe, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Produzenten die Meta-Episoden weiterhin farbig distinkt gestalten: „bunter“ als die üblichen.

Viele grelle Farben dominieren das Bild – rote Wände, quietschgelbes Treppengeländer usw. Sams verträumter Blick sieht vor allem Rot, aber nicht im gewohnten Sinne, sondern als Rosarot – Tausende kleiner Herzchen, die um seinen Kopf herumschwirren. Immer wieder ging die Rede von Jensen Ackles’ komödiantischem Talent: Hier geben die Autoren Jared Padalecki die Möglichkeit zu glänzen, und das tut er auch. Den sentimentalen Glanz in Sams Augen, nachdem er Dean von seinem Whisky-Glas und einer Blondine losgerissen und in eine Vegas-Kapelle bestellt hat, verursacht das Eintreten seiner zukünftigen Ehefrau: Becky Rosen (Emily Perkins)! Wir erinnern uns an Becky: größter Fan der Brüder und auch von Chucks Supernatural-Büchern. Für sie ist ein Traum wahr geworden. Aber – Deans Grimassen verraten die Frage – wie kommt es dazu, dass auch Sam sie für seine Traumfrau hält?

Durch das Übernatürliche, versteht sich! In der Stadt hält sich ein „crossroad demon“ auf, der als Eventplaner auftritt und Deals mit Leuten abschließt, die sich ihren großen Traum erfüllen wollen. Aber kurz darauf verlieren die Klienten ihr Leben. Ein Vertragsbruch? Nicht ganz, eher schicksalhafte Unfälle, die von einer dämonischen Hilfskraft verursacht werden. Nicht nur die Winchester-Brüder haben darunter zu leiden, sondern auch die Geschäfte der Hölle, wie Crowley selbst erklärt: Consumer confidence! This isn’t Wall Street. This is Hell. We have a little something called integrity. Mike Sheppards Auftritt ist wie immer willkommen. Er erklärt, warum wir in letzter Zeit kaum Dämonen sehen: Sie haben vom Chef den Auftrag, den Winchester-Brüdern aus dem Weg zu gehen, damit sie die Leviathane erledigen können. Offenbar sind die Zeiten hart für Crowley – oder hat sich der King of Hell den Bart stehen lassen, um undercover zu arbeiten? Welchen Plan schmiedet er? Bestimmt fällt es euch Lesern auf, dass ich in diesem Review sehr wenig über Becky schreibe.

Die Erklärung ist einfach: Es gab mehr als genug Becky in der Episode! Dafür zu wenig DJ Qualls als Hunter namens Garth, der auf Bobbys Bitte hin Dean zur Seite steht. Nicht nur wirkte seine Figur interessant und bizarr, genauso wie der Verschwörungstheoretiker vor zwei Wochen, sondern er erweckte in mir besagten Wunsch, mehr Begleiter für Sam und Dean zu sehen, mehr in die Erzählung verwickelte Schicksale, mehr Nebenhandlungen, die diese Welt mannigfaltiger gestalten, einfach „voller“ aussehen lassen und zusätzliche Wendungen, Enthüllungen etc. für die Haupthandlung anbieten. Außerdem sind die Brüder so nicht die ganze Zeit über ihrem eigenen Drama ausgesetzt und können Luft holen, so wie wir – dann erscheint das Drama auch weniger aufgesetzt. Season Seven, Time for a Wedding ist eine amüsante Episode, die, ihrem Schlusspunkt nach zu urteilen, eine Art Frieden zwischen den Brüdern herbeiführt. Die Frage ist, für wie lange? Und wie geht es nach den amüsanten Ablenkungen weiter?

Supernatural: The Mentalist (7×07)

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OK. Nach der Trennung letzte Woche geschieht in The Mentalist genau das, was wir alle erwartet haben. Dean und Sam sind wieder zusammen! Angeblich nur für kurze Zeit und nur für den einen Job, aber der erfahrene Supernatural-Zuschauer weiß, wie es weiter geht. Dean gesteht Sam, dass ihn die Sache mit Amy quält: nicht wegen der Tat selbst, sondern weil er Sam die Wahrheit verschwiegen hat. Und Sam? Nun, er hat letztendlich Verständnis für Dean. Also alles vom Tisch? Am Ende der Episode landen Sams Sachen im Kofferraum des Impala-Ersatzes, also sind die beiden wieder zusammen unterwegs. Nach der ganzen Dramatik um Amy mit Schulterzucken weiter machen – ist das alles? Aber was erwarten wir denn Anderes?

Eine berechtigte Frage, denke ich. Diesbezüglich würde ich gerne eure Meinung hören! Gehört das Trennen-Zusammenführen-Spiel einfach zu Supernatural dazu, oder geschieht alles zu schnell und zu einfach? Auch wenn in meinen Augen der dramatische Aufbau der Amy-Geschichte über mehrere Episoden nach dieser Episode arg plötzlich aus dem Weg geräumt zu sein scheint, hat Supernatural immer noch die Möglichkeit, mit spannenden Fällen und dem Katz-und-Maus-Spiel mit den Leviathanen aufzutrumpfen. Dann kann man das Auge für das derzeitige Sackgassen-Drama zwischen Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) durchaus mal zudrücken… Obwohl das Gespräch zwischen den beiden am Ende doch irgendwie ein zufriedenes Lächeln auf unsere Gesichter zaubert. Oder? Sind die Brüder erwachsener geworden, was die Lösung ihrer Konflikte betrifft, und im Vergleich zu zahlreichen ähnlichen Szenen aus früheren Staffeln endlich auf dem Weg, mit den beiderseitigen Schwächen umgehen zu können?

Wir haben letzte Woche schon darüber diskutiert, wie Supernatural uns im Zuge der Leviathan-Handlung an alte Zeiten und alte Fälle erinnert. In The Mentalist setzt sich, bewusst oder unbewusst, dieser Trend fort: Wir fühlen uns zurückversetzt in die Zeiten, da man Geisterknochen auf dem Friedhof verbrannte, eine dankbare, verträumte Brünette zurückließ und dann im Impala von dannen zog, zum nächsten Job. Nur ist ja eben DER Impala wegen der Leviathan-Sache vorübergehend suspendiert, und Dean sieht sich gezwungen, ein Auto zu stehlen. In Lily Dale begegnet Dean prompt Sam, der ebenfalls die Morde an zwei Hellsehern untersucht. Natürlich ist der Fall der Woche um die zwei Geistergeschwister kein spektakulärer, aber ich muss sagen, dass es die Hellseher-Morde wirklich in sich hatten! Und Dean bekam eine Nachricht von Ellen aus dem Jenseits übermittelt: If you don’t tell someone how bad it really is, she’ll kick your ass from beyond. Vielleicht braucht Dean in dieser Staffel genau das: den Tritt aus dem Jenseits…

Supernatural: Slash Fiction (7×06)

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In Slash Fiction hat man tatsächlich das Gefühl, sich mitten in einer Meta-Meta-Erzählung über Supernaturals Biggest Hits zu befinden. Warum die Meta-Ebenen? Weil uns die Serie nicht nur mit dem Fall der Woche an vergangene Supernatural-Zeiten erinnert, sondern weil außerdem innerhalb der Erinnerung die Serie selbst von den Figuren kommentiert wird. Damit das funktioniert, braucht man zwei Deans und zwei Sams. Dean: Sons of bitches xerox’d us. So kann man es auch sagen.

Die Supernatural-Fangemeinde weiß nur zu gut, dass die humorigen Episoden immer schon zu den besten der CW-Serie gehörten. Zwar möchte ich nicht behaupten, dass Slash Fiction ins Best Of hineinrutschen würde, aber an den bisherigen Episoden dieser siebten Staffel gemessen ist diese sehr gelungen! Slash Fiction erreicht in meinen Augen, vom Ende mal abgesehen, die richtige Balance zwischen Humor, dem handlungsübergreifenden Erzählstrang und dem Job der Woche. Und der lautet: Findet Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) Winchester! Nicht nur werden beide gesucht, sondern sie suchen sich selbst. Die Meta-Spiele sind hiermit eröffnet!

Schon im Teaser spielt Supernatural mit uns Zuschauern. Sam und Dean dabei zu beobachten, wie sie in der First Bank of Jericho alle Anwesenden eiskalt über den Haufen schießen, kann zwar eingefleischte Supernatural-Fans nicht schockieren: Erstens haben manche schon etliche Spoiler konsumiert, und zweitens lässt uns unsere Serien-Erfahrung sofort an Parallelwelten oder aber Doppelgänger denken. Fernsehen schult! Sam und Dean aus der Bank sind denn auch in Wahrheit LeviSam und LeviDean. Zwei Leviathane haben die Gestalten der Brüder angenommen und schlagen denselben Weg ein, den wir damals, ganz am Anfang der Serie, die echten Winchester-Brüder gehen sahen. Sie fahren – stilecht im gleichen Impala – von einem Ort zum nächsten, Sams und Deans Route aus der ersten Staffel der Serie folgend.

Dieses Zurückversetzen in alte Zeiten thematisiert genau das fortwährende Thema der Serie: Die Winchester-Brüder werden immer wieder mit sich selbst konfrontiert, können sich selbst nicht entkommen. Im Grunde begegnen hier Sam und Dean sich selbst – aber als andere. Seit dem Vorfall mit Amy habe ich mich immer wieder gefragt, wann und wie die Autoren die Sache auflösen wollen. Das geschieht in Slash Fiction auf eine in meinen Augen zufrieden stellende Art. Aber bevor wir so weit sind, müssen wir einen Blick in Bobbys Keller werfen, wo der Leviathan (Chett heißt er, glaube ich) gefesselt sitzt und sich über Bobbys verzweifelte Versuche, ihn umzubringen, lustig macht. Nicht nur das: Auch Bobby muss schließlich sich selbst begegnen, denn Chett nimmt seine Gestalt an. Wenn ich es richtig verstehe, kann er das deswegen, weil Bobby irgendwie für Chett erreichbare DNA hinterlassen hat! Das Ergebnis ist jedenfalls durchaus amüsant; darüber hinaus zeigt es, dass die Leviathane nicht nur die Gestalt einer betreffenden Person annehmen, sondern auch ihre persönliche Geschichte, ihre Erinnerungen lesen können, also Zugang zu ihrem Gehirn haben. Supernatural meistert hier, wie ich finde, die Gratwanderung zwischen dem Einblick in die existentiellen Krisen der Protagonisten und dem Humor, ohne übertrieben zu wirken – sowohl im Gespräch von Bobby mit LeviBobby als auch in den Unterhaltungen zwischen LeviSam und LeviDean über die echten Winchester-Brüder.

Ich habe immer schon Jensen Ackles’ Talent für Slapstick bewundert. In Slash Fiction schenken ihm die Autoren eine kleine Szene, die genauso gut zum Gag Reel gehören könnte: Sie besitzt keine Bedeutung für die Handlung, aber einen um so höheren Entertainmentfaktor. Ja, die Rede ist von Deans stummem, aber leidenschaftlichem ‘Mitgehen’, als im Autoradio Air Supply läuft. Priceless! Es erinnerte mich gleich an zwei Dinge: Deans Darbietung von Eye of the Tiger – und, durch Sams Seitenblicke auf Dean, die erste Episode der neuen Beavis & Butthead-Staffel. You were moved, Beavis! You were crying!

LeviSam und LeviDean haben auch ihren Spaß, indem sie Pulp-Fiction-Inszenierungen anbieten und dafür sorgen, dass alles mitgeschnitten wird. Das FBI versucht folglich mit allen Mitteln, Sam und Dean einzufangen. Da die beiden ihre Doppelgänger ausschalten wollen, brauchen sie neue Identitäten. Die Notwendigkeit der Szene mit Bobbys Freund Frank habe ich nicht recht begriffen, aber zumindest wirkte Kevin McNally ziemlich amüsant in der Rolle des paranoiden Mannes, dessen Leben Bobby vor Jahren rettete. Wenn er später noch einmal aufgetreten wäre oder Sams und Deans neue Papiere eine Rolle in der Episode gespielt hätten, dann hätte ich die Abschweifung verstanden, aber so bleibt sie ein amüsanter Lückenfüller.

Dafür kehren in Slash Fiction gleich zwei bekannte Figuren zurück, nämlich Crowley und Sheriff Jody Mills. Und beide tauchen in freundlicher Mission auf – obwohl: bei Crowley weiß man ja nie, was er wirklich vorhat. Zwischen Jody und Bobby besteht definitiv die Chemie für eine kleine Nebenhandlung – und deswegen: bitte, liebe Autoren, nicht auch diese weibliche Figur umbringen, wie alle anderen! Jodys Dankeschön-Besuch bei Bobby treibt zudem die Haupterzählung voran, denn Jody stößt Bobby durch Zufall auf das, was die Leviathane für längere Zeit unschädlich machen kann: ein ganz normales Putzmittel namens Borax. Jody hat sich den Kuss von Bobby durchaus verdient!

Die Enthüllung geschieht genau im richtigen Moment, denn LeviSam und LeviDean haben gerade die echten Brüder in ihre Gewalt gebracht. Wie für Monster typisch, versuchen sie zuerst die Psyche der Brüder zu erledigen, bevor sie sie töten: You know I had a brother with this many issues once. You know what I did? Hm? I ate him. Dann erfährt Sam von LeviDean die Wahrheit über Amy. Und wir begegnen zum ersten Mal dem Leviathan-Boss Dick Roman (James Patrick Stuart), der eine sehr deutliche Unterhaltung mit Crowley führt und dessen Freundschaftsangebot vehement ablehnt. Man hat nach dem Treffen das Gefühl, das dies nicht der letzte Austausch zwischen den beiden sein wird… Es ist immer gut, wenn Crowley in die Ereignisse eingreift: das Böse der Neuzeit gegen das Ur-Böse? Und dazwischen die Winchester-Brüder. Oder nicht?

Da Slash Fiction eine Episode über Supernatural selbst ist, bleiben wir nicht verschont vom Wiederholungsmuster vergangener Staffeln. Sam erfährt, dass Dean ihn belügt, und geht davon. In der nächsten Episode sind sie vermutlich wieder zusammen. Spontan dachte ich: Das Spielchen mit den Doppelgängern und Dean und Sam als America’s Most Wanted hätte durchaus länger als eine Episode dauern dürfen, damit man sich nicht so schnell auf den herkömmlichen Status Quo zurückgeworfen sieht… und diesen Episoden-Abschluss hätten sich die Autoren sparen können. Andererseits: Man kann nicht alles haben – und diese Rückkehr zum Immergleichen ergibt sich gerade aus jener Unmöglichkeit, sich selbst zu entkommen, die ich am Anfang des Reviews erwähnte. Aber vielleicht… um dem neuen Gegner standzuhalten.

Supernatural: Shut Up, Dr. Phil (7×05)

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Lieber Sam, lieber Dean,
eure Beziehungsprobleme und Sachen-verschweigen-Spielchen sind ja erst schlappe sechs Staffeln alt. Also könnt ihr immer noch dazu lernen – zum Beispiel von einer bereits 800 Jahre währenden Beziehung zweier Hexen… oder von einer anderen übernatürlichen Serie…

Nein – nicht ernst gemeint, nur um der Referenz Willen sage ich das. Ich will keinen Krieg der Buffy-Supernatural-Rosen in den Kommentaren. Shut Up, Dr. Tinchev!
Shut up, Dr. Phil bringt die beiden Serien allerdings tatsächlich zusammen – ja, es gibt sogar eine Buffy-Reunion zu feiern! Charisma Carpenter und James Masters (zuletzt bei Hawaii Five-0) schlüpfen in die Rollen eines Hexen-Ehepaars, dessen Beziehungsprobleme zu mehreren Todesfällen führen. Eigentlich ist das Ganze nichts Weltbewegendes, aber wenn man nicht offen und ehrlich miteinander spricht und keine Entschuldigung über die Lippen bringt, dann kann ein Kleinkrieg ausbrechen.

Obwohl die Episode den Leviathan-Plot nicht wirklich voran bringt, ist der Fall der Woche sehr amüsant – und die Episode als Ganzes hat ihre Momente. Dean (Jensen Ackles) bekommt die seinen, die ihn in Schuldgefühlen und Selbstmitleid zu ersticken drohen; doch man schafft es, die Grenze zum Überdruss nicht zu passieren. Rechtzeitig gibt es Ablenkung: und die lohnt sich, angefangen mit dem Summen eines „beehive hair dryers“ und endend mit demjenigen eines echten, wenn auch gehexten Bienenschwarms. Dazwischen verpackt, wie ein Herz in einem Muffin, ist die Liebesgeschichte zweier Hexen: Maggie (Charisma Carpenter) und Don Stark (James Masters).

Die beiden haben sich getrennt, als Maggie von einem Seitensprung ihres Mannes erfuhr. Wie Dean und Sam (Jared Padalecki) sehr schnell feststellen, rächt sich Maggie nun an jedem, der in Prosperity, Indiana auch nur annähernd mit der Affäre ihres Mannes zu tun hatte. Das führt zu überaus blutigen Bildern, vor allem im Falle der Nagelpistole… Die Szenen zwischen Masters und Carpenter sind so unterhaltend, wie sie sein sollen, vor allem für jemanden wie mich, der Buffy-geschädigt ist. If they can work things out, why can’t we?
In Episoden dieser Art jedoch wirkt der typische Austausch zwischen den Brüdern, bei dem sie sich gegenseitig vergeblich befragen, wie es dem anderen geht usw., irgendwie deplatziert. Solche Dialoge werden dazwischen geschoben, weil sie einfach zur Serie gehören, fügen sich aber nicht recht in den Ton der Episode ein. Viel amüsanter sind die Versuche von Lance Armstrong und Dr. Phil, auf der Schnellstraße des Hexen-Gefühlsaustausches mitzuhalten. Dr. Phil ertränkt die eigenen Gedanken im Alkohol, während Lance ihnen wegzujoggen versucht. („BIKING, Dean.“) Aber wisst ihr was: Sie sind beide ok, wie immer!

Nicht ok finden Don und Maggie zunächst den abschließenden Versuch der Winchester-Brüder, eine spontane Beziehungstherapie an ihnen durchzuexerzieren. Und doch: Wenn ein Mann seiner Ehefrau schon den Beischlaf mit Columbus und die Frau ihrem Ehemann das bunte Treiben zu Renaissance-Zeiten verzeihen konnte, dann findet man immer wieder zueinander. Happy End?
Eigentlich schon – wenn sich nur nicht wieder die Frage nach der Winchester-Hunter-Moral stellen würde. Sie lassen das Hexenpaar laufen, nachdem es so viele Menschen brutal erledigt hat? Tötet man nur die Monster, die nicht so viel Widerstand leisten – oder will man Deans Mord an Amy noch schwerer ins Gewicht fallen lassen? Amys Tötung stellt sich so als bewusst gegen Sam gerichtete Handlung Deans dar, als Racheakt – aber wofür? Oder zwang sich Dean damit unbewusst selbst in den Abgrund der Schuldgefühle? Denn wie er am Ende zu Sam sagt, macht ihn eben dies aus – sich an allem schuldig zu fühlen…

Dass der gewohnte brüderliche Austausch der Winchesters am Ende der Episode überhaupt zustande kommt, haben sie Don zu verdanken. Denn sie werden von ihrem Leviathan-Verfolger angegriffen, und erst Don, der in ihr Zimmer kommt und Maggies Münzen unter ihren Matratzen einsammelt, kann ihn außer Gefecht setzen. Nun können Dean und Sam eines mit Sicherheit annehmen: Die Jagd auf sie ist offiziell eröffnet! Sie werden mehr brauchen als Lance Armstrongs Fahrrad und einen Flachmann, um zu entkommen…

Supernatural: Defending Your Life (7×04)

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Wenn Christine und Cujo zusammen agieren, dann kann in einer Supernatural-Episode nichts mehr schief gehen. Oder doch? Genau das ist die Frage: Was ist schief gegangen und was nicht in einem menschlichen Leben? Wer kann das beurteilen? Trägt man die Schuld an etwas, nur weil man sich schuldig fühlt? Der ägyptische Gott Osiris hat eine kleine Ortschaft erwählt, um einen Gerichtssaal zu errichten. Er sucht Menschen auf und konfrontiert sie mit ihren Schuldgefühlen bezüglich dessen, was sie in der Vergangenheit getan haben. Falls die Schuld in ihren Herzen alles andere überwiegt, verurteilt er sie zum Tode und lässt sie von der Inkarnation ihrer Sünden töten.

Dean, dessen Gedanken eindeutig noch um seine Entscheidung von letzter Woche kreisen, versucht alles abzutun, indem er behauptet, dass die Opfer ihre Strafe verdient haben. Aber bedeutet das nicht, dass auch er selbst bestraft werden müsste, obwohl er Amys Tod und die Lügen gegenüber Sam zu bereuen scheint? Ist nicht das Schuldbewusstsein der einzige rettende Strohhalm, wenn man etwas Schlimmes getan hat – der einzige Weg zur Besserung, zur Veränderung? Denn Osiris’ Opfer  bereuen ihre Sünden zutiefst und haben viel getan, um für ihr Tun zu bezahlen; sie haben sich verändert. Verdienen sie trotzdem den Tod?

Selten hat mich eine Supernatural-Episode so zwiegespalten zurückgelassen, und so wurde dieses Review an manchen Stellen mehrfach umgeschrieben.  Wenn auch nach den ersten zwei starken Episoden vom Verlauf der Staffel her etwas unpassend platziert, scheint mir nun The Girl Next Door – nur zusammen mit Defending Your Life als Doppelepisode! – zum Großteil gelungen. Können Menschen sich ändern, wenn sie den Willen dazu haben? Wollte Dean mit dem Mord an Amy beweisen, dass er nicht daran glaubt? Er richtet über andere nach einer schwarz-weiß Moral, ohne ihre Verteidigung anzuhören -nach dem Motto: Erledigen, weiter machen und die Schuld auf sich laden!

Nach einer Trinkrunde mit der blonden Bardame (Gastauftritt von Emillie Ullerup) findet sich Dean auf einmal in Osiris’ (Faran Tahir) Gerichtssaal vor. Ihm werden nicht nur schmerzliche Erfahrungen vor Augen geführt, sondern die Schwere der Schuld, die er mit sich trägt. Trotz Sams durchaus kompetenten Versuchen, Dean als Verteidiger aus der Sache herauszupauken, ist Dean eher bereit zu sterben, als Sam die Wahrheit über Amy erfahren zu lassen. Es scheint so, als würde sich Supernatural den Konflikt aufsparen wollen: Statt Amy wird Jo als Deans schwerste Sünde in den Zeugenstand gerufen und dann von Osiris gezwungen, Dean zu töten.

Obwohl es großartig ist, Jo wiederzusehen, und ihre zutiefst emotionalen Szenen mit Dean überzeugen, verfehlt die Serie an diesem Punkt einen dramatischen Knalleffekt; sie weiß die emotionale Spannung aus unerwiderter Liebe und Schicksalsergebenheit (Jo) versus Schuldbewusstsein und Resignation (Dean) nicht recht zu nutzen. Dean trägt nicht wirklich die Schuld an Jos Tod: Es war ihr eigener Wille, das Leben eines Hunters zu leben. Worin genau seine Schuld besteht – in dem zutiefst komplizierten Verhältnis zu seinem Bruder nämlich -, diese Frage wird zwar angedeutet, zusammen mit Amy letztlich doch ausgeblendet. Vielleicht hätte man in diesem Sinne aus Jos Figur als Deans Nemesis mehr herausholen können. Am Ende kann Sam Osiris stoppen, und Dean überlebt. Aber wie sieht es aus, das Leben, das ihm bleibt?

Man muss Defending Your Life zugute halten, dass Supernatural mit dieser Episode den Versuch unternimmt, sich etwas differenzierter mit dem Thema Schuld auseinanderzusetzen – und über weite Strecken gelingt das. Sam wird deswegen nicht vorgeladen, weil er nicht nur immer wieder versucht, seine Schuld zu begleichen, sondern weil dadurch – wie er Dean in der letzten Szene erklärt – das Gewicht seiner Schuld nicht mehr auf seinen Schultern lastet. Er handelt aktiv, während Dean seine Schuld nach außen hin verleugnet – was zur Folge hat, dass diese Schuld ihn Schicht für Schicht ausfüllt, bis er nur noch aus ihr zu bestehen scheint. Schuld definiert ihn als Menschen. Diese Tatsache deutlich vor Augen zu führen: darin liegt die Leistung dieser Episode. Es war sehr gut, die so unterschiedlich belasteten Seelen der Brüder noch einmal Revue passieren zu lassen, und die Szenen waren von allen Beteiligten sehr gut gespielt.
Aber die Frage ist: Wie geht es weiter?

Supernatural: The Girl Next Door (7×03)

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Wenn Lars Ulrich dreimal klingelt: so könnte diese Episode heißen. Nur dass Lars Ulrich nicht klingeln, sondern an die Tür hämmern würde – bis endlich… Lemmy Kilmister aufmacht! Diese Referenzen auf die Heavy-Metall-Götter Metallica und Motörhead gehören zu den gelungenen Aspekten der neuen Supernatural-Episode und haben Fans der beiden Bands (wie mir) definitiv ein Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert. Denn die Supernatural-Autoren wussten beide Referenzen geschickt zu platzieren: Die Kreditkarte, die Sam benutzt, wurde auf den Namen Lemmy Kilmister ausgestellt, und Dean ist auf Sams Handy als Lars Ulrich gespeichert. Aber die Leviathane scheinen sich mit Heavy Metall auszukennen: Nicht nur hat Edgar das Heavy Metall in Form des Autos überlebt, das Dean auf seinen Kopf fallen ließ, sondern über Sams Kreditkarte bekommen die Leviathane einen Hinweis darauf, wo sich die Brüder befinden. Fragt mich nicht, wie. Vermutlich weil sie wissen, dass Lemmy Kilmister seine Lieblingsbar in Los Angeles nur dann verlässt, wenn er ins Studio geht, und sich nicht in der tiefsten Provinz herumtreibt…

Spaß bei Seite: Der Anfang der Episode ist Heavy Metal – doch später geht sie in eine schwache Variante von Girls Interrupted über bzw. verwandelt sich in eine Telenovela. Nach zwei starken Auftakt-Episoden läuft The Girl Next Door nicht wirklich rund und lässt für meinen Supernatural-Geschmack zu wünschen übrig nach dem schon erwähnten temporeichen Anfang, als Dean im Krankenhaus mit Gipsbein aufwacht und plötzlich Bobby vor ihm steht. Bobby lebt also noch und beeilt sich, die Brüder aus dem tödlichen Krankenhaus herauszuholen, bevor die Leviathane realisieren, wen sie da serviert bekommen haben. Man muss Jensen Ackles ein Lob für seine Leistung in dieser Episode aussprechen – vor und hinter der Kamera. Die ersten Minuten sehen wir größtenteils mit Deans Augen, der vollgepumpt mit Morphium zu fliehen versucht und es in letzter Sekunde auch schafft. Aber ihn erwartet beinah Schlimmeres als Leviathane: nämlich in einemHäuschen in der Einöde tatenlos auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, damit sein Bein heilt. Obwohl Telenovelas seinem Gesichtsausdruck nach ergreifend zu sein scheinen…

Nun, Supernatural hat auch eine Telenovela-Story zu erzählen: von früher, als Jung-Sam in der Bibliothek ein Mädchen namens Amy traf. Damit wendet sich die Episode ziemlich abrupt von der Leviathan-Story ab und verwandelt sich in einen Fall der Woche, der seine Kraft mehr aus Sams Erinnerungen bezieht als aus den gegenwärtigen Ereignissen. Wir bekommen eine Menge Flashbacks zu sehen, in welchen Colin Ford als Jung-Sam zu brillieren weiß. Die Erinnerungen stellen sich ein, als Sam in der Tageszeitung einen Bericht über einen Serienmörder liest. Er erinnert sich an eine Kreatur (ein Kitsune, wenn ich mich nicht täusche), die er damals zunächst als die schüchterne Amy kennen lernte. Wie gesagt: Die Flashbacks sind gut ausgeführt – und noch schöner ist die Tatsache, dass die erwachsene Amy, die Sam ausfindig macht, von Fireflys Jewel Staite gespielt wird.

Leider bekommt sie wenig zu tun, und ebenso wenig Neues trägt der Handlungsstrang zur Supernatural-Erzählung bei; vielmehr macht er einen halbherzigen Schritt zurück zu den “Sam is a Freak”-Geschichten früherer Staffeln, anstatt bei Sam Interrupted zu bleiben. Wie so viele Frauen vor ihr, lässt Supernatural Amy nicht am Leben: Ohne Sams Wissen stirbt sie von Deans Hand. Aber warum tötet Dean nicht auch gleich ihren Sohn, wenn es doch darum geht, in Zukunft Menschenleben vor dem Hunger der Kitsune zu schützen? Es sieht so aus, als würde man sich den Jungen als kleines As im Ärmel aufsparen und außerdem einen zusätzlichen emotionalen Bruch zwischen den Brüdern erzwingen wollen – wobei ich mir nicht sicher bin, ob der wirklich nötig ist. Bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt – aber um zu Motörhead zurück zu kommen: The Ace of Spades, so wie die ersten beiden Episoden, war diese hier nicht…

Supernatural: Hello Cruel World (7×02)

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Willkommen in der grausamen Welt der Winchester-Brüder – der sie umgebenden und derjenigen in ihrem Inneren. Beide Welten scheinen nicht nur fließende Grenzen zu haben, sondern ihre Wassermassen nehmen rasant an Geschwindigkeit zu: sowohl im übertragenen als auch im buchstäblichen Sinne! In den ersten Minuten der neuen Episode sehen wir das schiefe Grinsen des Castiel-Leviathan-Konglomerates zur schmerzvollen Grimasse werden, denn die Hülle aus Engel und Mann droht zu explodieren, zu platzen – wie bei einer Überflutung, wenn das Wasser unaufhaltsam steigt, über die Grenzen hinausfließt und die Dämme brechen lässt.

Und die Überflutung kommt zustande – auf die schlimmste Art und Weise, sehr zum Leidwesen von Bobby, Dean (Jensen Ackles) und Sam (Jared Padalecki). Die Leviathane, die ja ursprünglich Seemonster waren, verlassen ihre Hülle im nächsten Wasserreservoir und breiten sich über die Trinkwasserleitungen aus. So geraten sie zum Beispiel in ein kleines Mädchen und einen erwachsenen Mann (gespielt von Benito Martinez, The Shield, Breaking Bad). Nur: Was wollen sie eigentlich? Die Supernatural-Welt überfluten?

Etliche Mauern, die Realitäten gegen einander abzuschirmen pflegten, sind im Laufe der Supernatural-Erzählung bereits durchbrochen worden, so wie Flutwellen einen Damm brechen, um alles dahinter Liegende unter sich zu begraben. In Hello Cruel World beginnen die Leviathane,  die Supernatural-Welt zu überfluten – und gleichzeitig brechen die Dämme in Sams Kopf und Seele. Genauso wie man nicht mehr wissen kann, ob im Gegenüber eine tödliche Bestie steckt, weiß Sam nicht mehr, was sich in seinem Kopf abspielt und was wirklich geschieht. Auch wir Zuschauer wissen oftmals nicht, ob wir unseren Augen und Ohren trauen können, denn die Supernatural-Produzenten gehen dazu über, Sams Blickwinkel auditiv oder visuell nicht mehr zu kennzeichnen. Fast durchgehend sieht und hört Sam Luzifer: als einen ständigen Begleiter im Alltag. Mark Pellegrino in Luzifers Rolle gelingt die Balance zwischen bedrohlichem Wahnsinn und Situationskomik perfekt in diesen Szenen, wo er in Anwesenheit Anderer mit Sam kommuniziert oder nur im Hintergrund Zeitung liest.

Wie lange kann Sam diesen Zustand noch ertragen – und wie könnte er ihn beenden? Indem er seine eigene Existenz beendet, wenn das Traumatische nicht weggehen will? Ihn zum Selbstmord zu bewegen, scheint Luzifers Plan zu sein. Aber: Ist es wirklich Luzifer, den Sam und wir sehen, oder ist es Sam selbst, der zu sich spricht – ein Teil von ihm, der ihn in den Abgrund treibt nach allem, was ihm widerfahren ist?Manches kann man nie wieder heil machen. Eigentlich ist es unwichtig, ob Luzifer tatsächlich Kontakt mit ihm aufnimmt und „da“ ist: Wesentlich sind die Effekte dieser Nicht-Existenz. Die Psychoanalyse Jacques Lacans spricht genau von einer solchen Unterscheidung zwischen der Ordnung der Wahrheit und dem Realen, bei dem es gleichgültig ist, ob es „wirklich existiert“ oder nicht; wichtig sind allein seine Folgen für die Subjekte.

Eben dies ist das Paradoxe am Lacanschen Realen: Obwohl es nicht existiert (im Sinne ‘wirklichen’ Existierens, Stattfindens in der Wirklichkeit), hat es doch eine Reihe von Eigenschaften – es bewirkt eine bestimmte strukturelle Kausalität, es kann in der Wirklichkeit des Subjekts eine Reihe von Effekten bewirken. Das Reale, das unter der Oberfläche liegt, kann zum Beispiel ein Trauma sein, das durch die Realitätskonstruktion verschleiert wird – so lange diese funktioniert. Auch die Leviathane benutzen in dieser Episode menschliche Hüllen, um sich in die Realität zu integrieren, damit ihr „wahres“ Sein verschleiert wird. Genauso wie die menschliche Haut den Anblick des rohen Fleisches verdeckt, uns vergessen macht, was darunter liegt. Dennoch existiert es: wie Sams Trauma, wie die Leviathane.

Immer wieder erzählt Supernatural von Türen, Übergängen, Grenzen, Mauern, vom Wegsperren der Grausamkeit, die sich dahinter verbirgt. Das Reale bricht stets an der Grenze ein, die das Innen vom Außen trennt. Man denke an René Magrittes Gemälde „Fenster“ (1963): Durch ein halb geöffnetes Fenster sehen wir hinter den Fensterscheiben des geschlossenen Flügels die Realität, einen blauen Himmel mit einigen verstreuten, weißen Wolken; hinter dem engen Spalt des geöffneten Flügels hingegen, der einen direkten Zugang zur Realität hinter dem Fenster erlaubt, ist nichts zu sehen als eine undefinierbare, schwarze Masse. Die Aufgabe der Winchester-Brüder bestand immer schon darin, diese schwarze Masse dort zu halten, wo sie ist – wenn sie von einem selbst Besitz ergreift, dann fällt diese Aufgabe schwerer und schwerer, und Supernatural wird dunkler und dunkler.

Diese Dunkelheit bringt allerdings jene Intensität mit sich, die die letzte Staffel oft vermissen ließ. Ben Edlunds Hello Cruel World hält die perfekte Balance zwischen Leviathan-Action und dialoglastigen Szenen, welche hauptsächlich Sams Zustand betreffen. Außerdem bietet die Episode ein Wiedersehen mit einer Frauenfigur: Sheriff Jodie, die nach einer Operation im Sioux Falls Krankenhaus liegt. In diesem Krankenhaus machen sich die Leviathane breit und haben vor, dort erst einmal eine Art Fress-Station einzurichten, um unbemerkt ihren Hunger stillen zu können. Von Edgar, der rechten Hand des noch nicht in Erscheinung getretenen Leviathan-Bosses – gespielt wird Edgar von Benito Martinez, der in Breaking Bad derzeit die rechte Hand eines Drogenbosses verkörpert! -, erfahren wir, dass die Leviathane nicht einfach nur fressen wollen, sondern einen Plan verfolgen.

Übrigens: Jodie überlebt die Episode, was untypisch ist für Frauenfiguren in Supernatural. Meistens müssen sie schnell das Zeitliche segnen. Ob Bobby das diesmal auch musste? Nachdem Dean Sam aus der nächsten schrecklichen Falle seiner Luzifer-Visionen herausgeholt hat, fahren die Brüder zurück zu Bobbys Haus, das… in Schutt und Asche liegt. Leviathane lieben das Wasser, bedienen sich aber auch des Feuers, falls die Umstände dies erfordern. Während von Bobby jede Spur fehlt, werden Sam und Dean nach einem Kampf mit Edgar mit Kopfverletzung bzw. gebrochenem Bein im Krankenwagen weggebracht. Ausgerechnet ins Sioux Falls geht die Fahrt – und zu Sams Entsetzen sind die beiden nicht allein im Krankenwagen. Kann es noch schlimmer werden?

Es bleibt spannend zu erfahren, was die Leviathane planen – und vielleicht auch, wie Gott zu diesem Plan steht. Oder gibt es ihn gar nicht? So wie Luzifer? Andererseits: Ist der vielleicht doch da? Hoffentlich behält die neue Staffel die Intensität dieser Episode!

Supernatural: Meet the New Boss (7×01)

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Das Supernatural-Universum verharrte einen ganzen Sommer lang im Stillstand, doch nun bot sich unseren Augen erneut die Szene: Castiel verlangt von seinen ehemaligen Freunden, niederzuknien und dem selbst ernannten neuen Gottvater ihre Liebe zu schwören. Genau an diesem Höhepunkt setzt die Handlung wieder ein. Bobby kniet als erster; die Winchester-Brüder sind im Begriff, es ihm nachzutun, als der neue Gott einsieht, dass erzwungene Liebesbekenntnisse nichts nützen…

Dass eine Genre-Serie wie Supernatural schon den siebten Staffelauftakt feiert, ist definitiv ein Liebesbekenntnis seitens der Zuschauer. Ob dieses erzwungen ist, ob Supernatural seit der fünften Staffel „künstlich beatmet“ wird? Hier scheiden sich die Geister. Viele Fans und Kritiker bangten um Supernatural, als die Serie trotz Ausstieg des Schöpfers Eric Kripke nach der fünften Staffel doch fortgesetzt wurde. Und die sechste Staffel glich tatsächlich einem Weg voller Staus. Doch man lavierte sich hindurch, um mit Castiels Fall am Ende Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Ob die CW-Serie das Tempo und die dadurch entstandene Spannung in der siebten Staffel weiterführen kann? Meet the New Boss lässt es uns definitiv hoffen.

Mit zwei Szenen möchte ich die Besprechung der Episode anfangen, denn ich sehe sie als metaphorische Beschreibung sowohl des Serienverlaufs insgesamt als auch der Ereignisse innerhalb der Episode selbst. In diesen beiden Szenen vollführt die Kamera Drehbewegungen: einmal im Kreis um Castiel herum, als er die rebellischen Engel im Himmel in den Tod schickt, und einmal auf der vertikalen Achse, als Dean am Impala arbeitet. Beide Szenen bieten einfach einen Augenschmaus, sind schön anzusehen; aber darüber hinaus bieten die Drehachsen Angelpunkte für den gesamten Verlauf.

Interessanterweise liegen die Szenen dicht beieinander, genauso wie Castiel und Dean einander nahe standen. Jetzt aber hat sich alles gewendet, gedreht. Oben und unten sind nicht mehr dort, wo sie zu sein pflegten. Eigentlich nichts Neues bei Supernatural – und damit berühren wir einen kritischen Punkt der Serie: Ja, sie spielt immer wieder ähnliche Szenarien durch, in welchen die Winchester-Brüder einer überwältigenden Bedrohung gegenüber stehen und große Opfer bringen müssen, um diese abzuwenden; die Spannung im persönlichen Bereich speist sich dabei aus dem Nicht-Ausgesprochenen zwischen Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles). So auch hier: Sam leidet an schrecklichen Halluzinationen von seinem Aufenthalt in der Hölle, versichert Dean und Bobby jedoch, dass alles in Ordnung sei. Doch wenn es heißt, Gott stecke im Detail, dann heißt es in Supernatural: Der Genuss, den man als Zuschauer an der Serie empfindet, verbirgt sich in den Details der Ausführung – im Variieren des vertrauten Strickmusters und im Zusammenspiel der Darsteller.

In dieser Hinsicht ist Meet the New Boss ist eine gute Episode, vor allem dank Misha Collins und seinen drei Verwandlungen. Die Heilige Dreifaltigkeit? Kann man ironischerweise so sagen! Er ist sowohl der einfühlsame, gutmütige Castiel, der zornige und strafende Gott und das Biest, das fern jedem Menschlichen seinen Ziel und Zweck im Wahn der Vernichtung findet. Alles wirkt wie ein Rad, das sich dreht und dreht und keine Glücksspalte findet.

In den letzten zwei Staffeln wurde demonstriert, dass Gottes Verzicht auf seine Schöpfung seinen Grund hatte. Castiel muss nun am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, in einem philosophischen Teufelskreis gefangen zu sein – vor allem als jemand, der im Umgang mit Grauzonen nicht geübt ist. Was ereignet sich, wenn man die Macht besitzt, Anderen den eigenen Maßstab von Gut und Böse aufzuzwingen? Ein Blutbad, lautet die Antwort! Deren veranstaltet Castiel einige, wie im Himmel, so auf Erden. Sein erstes Ziel: die falschen Propheten. Übrigens, da wir bei Propheten sind: Wo ist eigentlich Chuck abgeblieben, der „wahre“ Prophet? War er, wie oft von den Fans spekuliert, doch mehr als ‚nur’ ein Prophet?

The God in the trenchcoat: Castiels Regenmantel ist sein Markenzeichen, aber dann auch das Einzige, was den in ihm tobenden Kampf verdeckt. Denn Castiel ist nicht allein. Die Stimmen in ihm werden immer lauter, und wie im Film Alien versucht etwas aus seinem Inneren auszubrechen. Dieses Etwas ist einer der Leviathane, jener Seeungeheuer aus der christlich-jüdischen Mythologie, welche Gott erschuf und später selbst vernichtete. In Supernaturals Mythologie schuf Gott das Purgatorium, um diese Ungeheuer zu verbannen.
Das alles erfahren die Winchester-Brüder, als sie sich zu einem verzweifelten Schritt entschließen, um dem neuen Gott Einhalt zu gebieten. Mit Crowleys Hilfe rufen sie Death herbei und legen ihm die Kette an, die ihn ihre Wünsche zu erfüllen zwingt. Zum Trost besorgt ihm Dean Fast Food… Zuerst aber wird Crowley in seinem Wohnwagenversteck von Castiel selbst aufgesucht und muss einen neuen Deal eingehen, der ihn wieder zum König der Hölle macht – aber unter Auflagen. Crowley (Mark Sheppard) wird derzeit wie ein Ping-Pong-Ball hin und her geschleudert. Ich schätze, lange wird er das nicht mit sich machen lassen!

Auch Death lässt nicht alles mit sich machen. Die Szene zwischen Death und Cas-Gott ist die beste der gesamten Episode. Die eindrucksvolle verbale Auseinandersetzung lässt Bobby, Dean und Sam im Hintergrund immer kleiner werden. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zuzuschauen. Death spricht darüber, dass er Gott kenne und Castiel nicht Gott sei. Der neue Boss erkennt das nach und nach selbst: Eine dritte Partei ergreift zunehmend Besitz von ihm. Aber ist das nicht der Wahnsinn, der mit der Macht einher geht? Die Welt verdreht sich vor Cas’ Augen. Aber ist es die Welt oder er selbst, was sich dreht?

Dieselbe Frage gilt auch Sams Zustand und seinen Halluzinationen. In ihnen erscheint schließlich Luzifer (Mark Pellegrino) selbst und erklärt ihm, dass er den Käfig nie verlassen habe und die scheinbare Befreiung Teil der Teufelsfolter sei… Welche Realität ist realer? An welcher Stelle wird das Rad stoppen, das in Gang gesetzt wurde und sich unaufhörlich dreht?
Bei Castiel heißt die Station: Leviathan. Die Episode endet mit einem zutiefst beunruhigenden, schiefen Grinsen auf seinem Gesicht, einer Grimasse des Realen, dem entstellten Bild, das unter der Oberfläche lauert! Willkommen zurück, Supernatural: zwischen Genie und Wahnsinn…

Homeland: I’ll fly away (2×08)

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Ein kleines Kind hat keine Kontrolle über sein Leben. Wann es ist, wann es schläft und generell der ganze Tagesablauf werden von anderen bestimmt. Das Erwachsensein ist mit dem Übernehmen der Kontrolle über das eigene Leben verbunden. Ob man tatsächlich diese hat oder nicht ist im Prinzip irrelevant, denn die Illusion die Kontrolle zu haben reicht, wenn man sie aufrechterhalten kann. Was passiert aber im Falle einer Geiselnahme? Man wird zurück in das Kleinkind-Stadium versetzt. Die Kontrolle geht verloren und wieder sagen einem andere, wann man zu essen und zu schlafen hat. Das eigene Überleben liegt ganz in den Händen anderer.

Aus diesem Grund ist es laut Spezialisten keine Seltenheit, dass die Geisel, wenn sie frei kommt, ein ganz anderer Mensch ist. Es ist so, als würde der Geiselnehmer sein Opfer wie ein kleines Kind erziehen und den Charakter formen. Abu Nazir verbrachte acht Jahre, in welchen er Nicholas Brody zerbrach und wieder neu zusammenstellte. Er gab ihm dann die Freiheit und stellte mit Hilfe der Mission für Brody die Illusion von Kontrolle wieder her. Dann kam Carrie und “brach” Brody erneut. Auch visuell wird das thematisiert und hervorgehoben. In den Flashbacks sehen wir immer Abu Nazir über Brody gebeugt, genauso wie Carrie bei dem Verhör oder in den intimen Momenten zwischen den beiden.

Die Frage ist: Kann sie ihn wieder “ganz” machen? Als einen anderen oder als den “alten” Brody? Natürlich sind wir von serialisierten Erzählungen daran gewöhnt, eine Art Kontrolle über die Geschichte zu empfinden, zu ahnen, wohin sie sich bewegt. Was Homeland geschickt macht, ist diese Kontrolle hin und wieder zu entziehen. Enthüllungen anzubieten, wo man sie nicht erwartet (wie gleich zum Anfang der zweiten Staffel) oder aber keine zu haben, wenn der Zuschauer welche erwartet. Ein solches Vorgehen ist gefährlich und viele Zuschauer kritisieren die zweite Staffelhälfte genau deswegen und wegen ihrer angeblichen Gradlinigkeit. Aber die Gerade ist bei Homeland gebogen, gebrochen, sowie es Carrie und Brody sind.

Gefangen sein inmitten der Freiheit. Homeland erzählt über die Feststellung, wie wenig Kontrolle man trotz Erwachsensein über das eigene Leben hat. Das gilt nicht nur für Brody, der angesichts Abu Nazirs Ankunft und der erneut entflammten Beziehung mit Carrie (und dadurch mit der CIA) buchstäblich emotional zerrissen wird.
Es ist nicht nur die Verschiebung von Identitäten oder der Identitätsverlust, die hier thematisiert werden. Die Frage lautet nicht “Wer bin ich?” sondern “Ist mein Tun mein eigenes?”

Viele haben den Dana-Plot kritisiert, aber anhand dieser Entwicklung macht auf grausame Art und Weise Homeland sein Statement! Als Dana zu der Tochter der überfahrenen Frau geht, erfährt sie, dass die Waldens deren Schweigen schon gekauft haben. Dana ist im Grunde der Moralkompass der Serie, aber ihre Illusionen werden zerstört, als sie vorgeführt bekommt, wie diese Welt funktioniert. Wenn andere die Kontrolle haben, können die eigenen Handlungen noch so sehr reiner Motivation entsprungen sein und trotzdem zu dem “falschen” oder gar kein Ergebnis führen.

Danas Zusammenbruch zeugt nicht nur von dem Verlust der Illusionen, sondern auch von der Erkenntnis, dass ein Mensch eine Geisel sein kann auch wenn sie oder er frei herumlaufen dürfen. Die Kontrolle liegt im Anderen und meistens die Menschen, die die Kontrolle haben, machen das Leben anderer miserabel…

Homeland: The Clearing (2×07)

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The Clearing – Auflösung, Aufklärung, Waldlichtung etc. So lauten die Übersetzungen des Wortes. Welche Auflösung bietet Homeland? Die Positionen sind doch mittlerweile klar bestimmt oder nicht? Erinnern wir uns an Carries Tafel mit all den farbig markierten Anmerkungen und Querverbindungen. Carrie hatte die Auflösung schon damals. Zwar nicht die ganze, aber wenn man ein schmutziges Fenster anfängt abzuwischen, bekommt man Stück für Stück, Wischbewegung für Wischbewegung, Klarheit und Durchblick. Die Frage ist: Was macht man mit dem Dreck? Woran bleibt der Dreck haften?

An dem- bzw. derjenigen, die den Wischlappen in der Hand halten? Homelands Stärke liegt genau darin, zu zeigen, welchen Preis der Versuch nach einem Durchblick erfordert und welche Fehlentscheidungen er nach sich zieht. Denn trotz Auflösung, trotz Klarheit, wird die eigene Perspektive immer verwischt sein, immer subjektiv bleiben. Es gibt genau eine Stelle im Fenster, die den absoluten objektiven Durchblick stört – das Spiegelbild des Betrachters. Aber wer ist eigentlich drin und wer draußen? Schaut Carrie hinein und Brody hinaus oder umgekehrt?

Was beide verbindet, ist der Versuch herauszukommen, sich Durchblick zu verschaffen. Das Ergebnis davon ist die Erkenntnis, dass man/frau ausgenutzt wird. Das ist die Klarheit, die vor allem Brody in dieser Episode bekommt. Ob Abu Nazir oder Walden und sogar Carrie –  Brody ist nur ein Spielzeug in ihren Händen. Es ist teilweise auch diese Erkenntnis, die Brody noch mehr von seiner Familie entfremdet. Sein Leben ist nicht mehr sein eigenes. Die Einsamkeit ist überwältigend und wir sehen ihn, wie er unter dieser Last zusammenzubrechen droht. Carrie bleibt die einzige, mit der Brody eigentlich sein kann. Auch wenn sie ihn auf gewisse Art und Weise auch ausnutzt, muss er sich selbst gestehen, dass er nichts dagegen hat.

Für manche mag die Rückkehr von Aileen unangebracht oder belanglos erscheinen, aber es gibt in meinen Augen zwei wichtige Gründe, warum dieser Auftritt wichtig ist. Der erste betrifft Saul. All die Erinnerungen an Sauls persönliche Probleme mit Mira und an die Opfer, die er für diesen Job gemacht hat, kommen mit dieser Episode wieder hoch. Saul konnte seine Ehe nicht retten und jetzt kann er such Aileen nicht retten. Mandy Patinkins Performance ist beeindruckend. Der zweite Grund, warum Aileens Präsenz wichtig ist, hat mit Brodys gegenwärtiger Situation zu tun. Wir bekommen durch Aileens Schicksal zu sehen, was aus einem Menschen wird, mit dem andere zu Ende “gespielt” haben. Saul verschiebt Aileens Foto (an der Tafel der Abu Nazir-Komplizen) von “alive” to “dead”.

Wenn man einmal mittendrin in diesem Spiel ist, dann gibt es im Grunde keine richtige Entscheidung mehr, es gibt nur “alive” oder “dead”. Um das noch stärker hervorzuheben, benutzt Homeland den Nebenplot um Dana. Als Brody sich entscheidet das Richtige zu tun und mit ihr zur Polizei geht, ist es ausgerechnet Carrie diejenige, die ihn davon abhält. Es gibt für Brody nicht mehr richtig und falsch. Er hat nur auszuführen, was ihm andere befehlen. Das Traurige daran – Es ist egal von wo und von wem die Befehle kommen. Das Ergebnis ist immer das Gleiche…