Category Archives: Dexter

Dexter: The Angel Of Death (6×05)

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Jedes Mal, wenn sich Dexters Erzählung hauptsächlich auf seine Interaktion mit dem Bösewicht der Staffel konzentriert, ist das Ergebnis zufrieden stellend: einerseits dank Michael C. Halls Leistung, andererseits dank der limitierten Auftritte des übrigen Miami-Metro-Teams. Nachdem Dexter in der letzten Episode auf Travis aufmerksam wurde, führt er eine wie immer sehr schnell zum Ziel führende Recherche durch und findet heraus, dass Travis für das Museum arbeitet und darauf spezialisiert ist, mittelalterliche Artefakte zu restaurieren. Während Dexters Kollegen nach Professor Gellar suchen, macht er selbst Jagd auf Travis.

Aber – wie auch in den Kommentaren diskutiert wurde – haben sie nicht dasselbe Ziel? Sind Travis und Gellar eins? Lebt Gellar nur in Travis’ Kopf und nicht mehr in der wirklichen Welt? Ist es die Obsession und Faszination mit und für Gellar, die ihn für Travis lebendig macht? Sehr interessant ist die kurze Szene am Altar vom Anfang der Episode, als beide kniend beten und Travis plötzlich vom Gebet abgelenkt wird, da er Gellars Kopf bluten sieht. In der nächsten Sekunde entpuppt sich der Anblick als Halluzination. Aber wie weit reicht diese Halluzination? Sollte Gellar tatsächlich nur in Travis’ Kopf existieren, bin ich mir nicht sicher, ob das eine gute Entscheidung der Autoren ist.

Die Parallele zu Dexter wäre an diesem Punkt dann sehr deutlich: Dexter hat Harry, Travis hat Gellar. Aber angesichts des kurzen Gesprächs zwischen Travis und Dexter, als Letzterer Travis entführt und umbringen will, finde ich die Konstellation Dexter-Travis-Gellar an sich viel interessanter – ganz egal, ob Gellar rein physisch existiert oder nicht. Dexter sagt zu Travis, dass er sich täusche und Gellar ihn nicht ins Licht ziehe, sondern in die Dunkelheit. Kurz darauf zeigt sich Travis hin und her gerissen zwischen beidem, Licht und Dunkelheit. Ironischerweise würde ausgerechnet Dexter die Position des Lichts einnehmen…

Dexter lässt Travis laufen, damit dieser ihn zu Gellar führt: zu demjenigen, der das Töten ausführt, wie Travis behauptet. Wir sehen den Beweis für Travis’ Hilflosigkeit ohne Gellar, als nach einer passenden Frau für die nächste Inszenierung gesucht wird: The Whore of Babylon. Übrigens war das Zeitungstitelblattbild ein anderes, nachdem Gellar Travis alleine stehen ließ? Falls ja – Absicht oder Nachlässigkeit?

Der Nebenhandlungsstrang um Deb am Rande des Wahnsinns wird geschickt kurz gehalten, so dass er nicht zu sehr ablenkt, genauso wie Angels und Quinns Untersuchung. Diese besteht für Quinn darin, mit Gellars ehemaliger Assistentin und Geliebten Professor Potter zu schlafen, was vermutlich Komplikationen in der Beweisführung verursachen wird, denn Angel findet in Potters Wohnung ein altes Heft mit Gellars Zeichnungen – von genau den gleichen Inszenierungen.

Dexters Voice Over erschöpfen sich auch diese Woche darin, uns mitzuteilen, was wir sowieso gerade sehen; aber sein kurzes Treffen mit Brother Sam sorgt wieder einmal für die vielleicht beste Szene der Episode. Dexter spricht sogar über die Erinnerungen an seine Mutter, über kleine Details, die noch nie erwähnt wurden: die einzigen Lichtfleckchen seiner Kindheit. Genau als dieses Licht in Sams Garage eintritt und Sam umgibt, wird er niedergeschossen. Ob er überleben wird oder nicht, werden wir noch sehen.
Dieser Abschluss der Episode wird Dexters Dark Passenger eindeutig wecken und ihn an zwei Fronten tätig werden lassen. Und Dexter ist dann gut, wenn die Farbe Rot die Bilder dominiert…

Dexter: A Horse of a Different Color (6×04)

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Nach dieser Episode scheint es mir, als würden die Dexter-Autoren im Vergleich zu den vorherigen Staffeln mit überreichlicher Leichtigkeit und beinahe zu offensichtlich die Fäden zu einem festen Knoten binden wollen. Und genau darin liegt die Gefahr, die man hier läuft: alles festnageln zu wollen. Apropos festnageln: Dieses Wort kann man in Debras vulgärer Sprachtradition in vielerlei Hinsicht auf diese Episode beziehen, vor allem was Travis und Professor Gellar betrifft.

Wenn ich ganz ehrlich bin, hat die neue Episode – ganz abgesehen von Logik innerhalb der Erzählung – große Bedenken bei mir wach gerufen, denen man wohl irgendwie davonzuschleichen versucht. Mit der Debra-Maria-Story will ich gar nicht erst anfangen, denn die ist im Moment einfach nur nervtötend. Weiter geht es mit den Nebenfiguren: Quinn und Angel rauchen spontan Gras in Angels Auto und gehen dann total breit ihrer Mordfallrecherche nach… ?

Die Szene sollte definitiv humorvoll wirken, vermasselt diesen Effekt aber in meinen Augen komplett. Was soll’s: wenn man aus den beiden unbedingt Buddies machen will… Ich möchte nur nicht hoffen, dass der neue Detective Anderson demnächst eine Beziehung mit Debra (Jennifer Carpenter) anfängt. Um es in der Sprache der neuen Staffel auszudrücken: Gott bewahre! Weiter im Cast: Masuka erfährt, dass Ryan die Ice-Truck-Killer-Hand entwendet und bei Ebay eingestellt hat, was zu einem Bruch zwischen den beiden führt. War das alles? Ich hoffe nicht, denn falls ja, brächte das einen weiteren Minuspunkt in Sachen ‚verpatzte Nebenhandlungen‘.

Oh, und kurze Zeit später – nach dem Angel-Quinn-Trip – weiß Miami Metro Bescheid: Professor Gellar muss es gewesen sein! Das Spiel mit dem Wissensvorsprung bzw. dem Nicht-Wissen ist hiermit aufgehoben, die Spannung aus dramaturgisch-kriminalistischer Sicht verpufft. Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war, uns Zuschauer von Anfang an mit den Tätern Travis / Gellar vertraut zu machen, so dass wir früher im Bilde sind als der Rest der Beteiligten. Wenn die Figuren an sich Ausstrahlung haben und interessant, ja auf morbide Art faszinierend wirken, wie es Trinity tat, dann darf man durchaus so verfahren. Aber Travis und Gellar sind bisher alles andere als das. So droht man irgendwann einen Punkt zu erreichen, wo weder die Mörder noch die Menschen, die sie verfolgen, noch Interesse wecken.

Brother Sam ist gerade dabei, mit Dexter eine Glaubensdiskussion zu führen, als er wegen der vier Reiter gerufen wird und den Tatort bewundern darf. Später, als Dexter erneut sein Auto zur Reparatur bringen muss, sprechen beide darüber, wie sich der Glaube in unterschiedlichen Händen unterschiedlich manifestieren kann. Nun: Glaube kann sich auch in einer Kaffeetasse manifestieren, wie Dexter später im Krankenhaus erfährt, als er dort Harrisons Notfall-Blinddarmoperation abwartet.

Dexter und Brother Sam: Das könnte vielleicht interessant werden, weil Dexter später in der Episode begreift, dass es sich um zwei Mörder handelt – falls er diese Tatsache nicht sofort seinen Kollegen mitteilt. Seine Involvierung in ein persönliches Spiel mit den Doomsday-Mördern könnte die im Moment fehlende Spannung erzeugen. Die Moral von der Geschicht‘: Dexters Austausch mit Brother Sam (abgesehen von Mos Defs guter Performance) verliert zwar für mich an Boden, als Sam sein Kindheitstrauma erzählt, bleibt jedoch ein, wenn nicht das Zugpferd der neuen Staffel.

A Horse of a Different Color endet mit einer weiteren Inszenierung der Doomsday-Killer, die ihre Flügel über Miami ausbreiten. Wird Dexter sie zu Fall bringen – und dabei selbst eine Offenbarung erleben?

Dexter: Smokey and the Bandit (6×03)

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Smokey and the Bandit kann der Episode von letzter Woche nicht das Wasser reichen, hat aber seine Momente und deutet interessante kommende Entwicklungen an. Anhaltspunkte für Kritik allerdings gibt es sowohl beim Mord der Woche als auch – und vor allem – bezüglich der Maria-Quinn-Konstellation. Beide Figuren wirken in jeder Staffel so, als wüssten sie nicht, was sie in dieser Serie verloren haben. Es ist eindeutig, dass man den Zuschauer dazu bewegen will, beide nicht zu mögen, aber nach und nach droht sich das Ganze in komplettes Desinteresse zu verwandeln – zumindest meinerseits.

LaGuerta und Quinn also versuchen, Debras (Jennifer Carpenter) ersten Tag als Lieutenant so unangenehm wie möglich zu machen. Nur Angel versucht ihr zu helfen. Der Rest des Teams ist anderweitig beschäftigt: Masuka mit seiner neuen Assistentin Ryan und Dexter mit seiner Vergangenheit. Oder sollte ich besser sagen: mit seiner Zukunft? Beides! The Ice Truck Killer und The Tooth Fairy… ja, alte Geschichten sind oft gute Geschichten. Ryan lässt gegenüber Masuka durchblicken, dass sie eine Obsession für Dexters Bruder und seine Taten empfindet – und auch Masukas romantischem Interesse an ihr steht sie aufgeschlossen gegenüber und willigt schnell in ein Date ein.

Bevor die beiden am Ende der Episode losgehen, sehen wir jedoch, wie Ryan ein Beweisstück entwendet: die künstliche Hand mit den in unterschiedlichen Farben lackierten Nägeln. Was steckt dahinter? Ist es wirklich „nur“ eine Obsession – oder mehr? Ich muss gestehen, dass dieser kleine Nebenhandlungsstrang mein Interesse geweckt hat. Nicht so sehr dagegen eine weitere neue Figur bei der Miami Metro: Neuzugang Detective Mike Cutler, mit dem Debra gegen Marias Empfehlung die durch ihre Beförderung vakant gewordene Stelle besetzt. Mal abwarten, welche Rolle er spielen wird.

Ein Mann, der als Tooth Fairy durch die Kriminalgeschichte des Landes geisterte, hat einmal eine wichtige Rolle in Dexters Leben gespielt. Wir erfahren, dass Dexter, bevor er seinem Dark Passenger freien Lauf ließ, eine Sammlung mit Geschichten über Serienmörder zusammenstellte, die ihn faszinierten. Ein neuer Mordfall in Miami ruft Erinnerungen an einen gewissen Serienmörder wach, der in den Achtzigern etliche Prostituierte tötete und dann verschwand. Was er mitnahm, war ein Zahn eines jeden Opfers, jeweils der gleiche – daher sein ‚Künstlername’. Da eine Episode nicht viel Zeit zur Verfügung stellt, gelangt Dexter mit seinen Nachforschungen relativ schnell an die richtige Adresse, aber was er dort vorfindet, ist ein pöbelnder alter Mann namens Walter Kenney (Ronny Cox).

Obwohl die Interaktion der beiden ziemlich gelungen ist und für etliche humorvolle Einlagen sorgt, wiederholt sie letztendlich das, was Dexter schon einmal viel eindringlicher mit Trinity (Jonathan Lithgow) erlebt hat. Die Auseinandersetzung der beiden wird jedoch nicht mit einem Messer, sondern mit einem Kissen beendet. Dexter entscheidet sich im letzten Moment anders, so dass Kenney eines natürlichen Todes gestorben zu sein scheint. So kann niemand dahinter kommen, wer er wirklich war – und vor allem wird Kenneys Sohn niemals etwas erfahren, genauso wie Harrison niemals von Dexters Dark Passenger erfahren soll. Am Ende streut er lediglich Kenneys Trophäen, die Zähne, ins Meer.

Kurze Zeit später, in der vielleicht besten Szene der Episode, verstreut Dexter unabsichtlich seine eigene Trophäen auf dem Fußboden – und sinkt dann selbst über den verstreuten Gläsern zusammen bei dem Gedanken, dass er vielleicht wie Kenney enden könnte: allein, von niemandem geliebt und ohne die physische Möglichkeit, „seinem Werk“ nachzugehen…

Was nun das Werk von Gellar und Travis betrifft, bekommen wir auf spektakuläre Art und Weise zu sehen, was sie in der alten Kirche vorbereitet haben: mit Mannequins, Pferden und den Körperteilen eines Sünders (von dem wir nicht erfahren, auf welche Weise er gesündigt hat). The Four Horsemen betreten Miamis Straßen. Der Anfang eines interessanten Ritts, hoffe ich!

Dexter: Once Upon a Time (6×02)

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Es war einmal eine Drama-Serie über einen sympathischen Serienmörder. Sie lief auf dem Sender Showtime und bescherte diesem Jahr für Jahr immer bessere Quoten… So könnte die Gute-Nacht-Geschichte lauten, die die Showtime-Verantwortlichen in ein paar Jahren ihren Kindern erzählen werden. Vielleicht aber dauert es noch länger, bis man über Dexter in der Vergangenheit sprechen kann: Derzeit laufen Verhandlungen mit Michael C. Hall über eine Vertragsverlängerung, die sich den Gerüchten zufolge über mehr als nur eine Staffel erstrecken soll. Das lässt die Fanherzen sicher höher schlagen – genauso wie Debras Herz mehrmals in dieser Episode, die fast vollständig den Geschwistern Morgan gewidmet ist und in Masukas neuer Assistentin ihre Abrundung findet. Ich wette, dass dieser Satz Masuka gefallen würde…

Dexter wiederum gefällt es nicht, einen Mörder wiederzutreffen, der ihm damals knapp entkam. Es handelt sich um Brother Sam (gute Performance von Mos Def!), einen Verbrecher, der auf freiem Fuß ist und behauptet, durch seine Bekehrung ein neuer Mensch geworden zu sein. Zu ihm führt die Miami Metro der Mord an Omar Rivera, einem von Sams Angestellten: In seiner Autowerkstatt beschäftigt Sam ehemalige Straftäter.

Mir gefällt diese Episode deutlich besser als die Staffelpremiere, weil wir mit der Interaktion zwischen Dexter und Sam die Religionsthematik unter einem ganzen neuen Blickwinkel zu sehen bekommen – und auch Dexter selbst. Denn Brother Sam verbirgt nicht seinen Dark Passenger, sondern sucht nach Wiedergutmachung. Nun sucht Dexter zwar nicht nach Erlösung, sondern ist eher fasziniert von dem Gedanken, dass jemand mit Hilfe des Glaubens tatsächlich erlöst werden und die dunkle Seite für immer verlassen kann… Auch in dieser Episode präsentiert die Serie eine sehr schöne Inszenierung, die zur Thematik passt.

Bevor wir die Latinogang in Sams Garage kommen sehen, beschäftigt uns Dexters Voice Over, während er Brother Sam fasziniert beobachtet. Genau in diesem Moment  wird der komplette Hintergrund erleuchtet, als ob Sam im Heiligenschein erstrahlen würde. Es sind nur die Scheinwerfer der kommenden Autos, aber es bleibt ein einprägsames Bild. Vor dem Hintergrund von Dexters Interaktion mit Brother Sam erscheinen Travis und sein geistiger Vater blass, aber ich bin mir sicher, dass sie bald zu ihrem Recht kommen werden – vermutlich als eine Art Gegenpol zu Sam.

Wir sollten aber auch die zweite Hälfte dieser Episode ansprechen, die eine Menge Humor und einen Schritt in die, wie ich finde, richtige Richtung beinhaltet. Nicht so sehr Quinns Heiratsantrag, den er mit Hilfe des Kühlschranks macht und den Debra etwas später ablehnt. Ich meine den noch größeren und völlig unerwarteten Schock, den der Tag für sie bereit hält – nur unter positiven Vorzeichen: Nach dem Vorfall im Restaurant letzte Woche entscheidet sich Matthews, anstatt Angel Debra zu befördern.

Die Szene, als er ihr diesen Entschluss mitteilt, kann man schwer beschreiben – sie ist jedenfalls großartig, gehört vielleicht sogar zu Jennifer Carpenters Top Three in dieser Serie. LaGuerta ist zwar sauer, kann aber nichts mehr ändern. Was natürlich die Frage aufwirft: Was soll Maria ab sofort tun?

Debras Beförderung wird in meinen Augen die Dynamik im Team verändern, womöglich gar wieder ein richtiges Team daraus machen – und vielleicht den restlichen Nebenfiguren eine neue Initialzündung verpassen? Allemal wird die Bruder-Schwester-Beziehung von dieser Veränderung betroffen sein…

Dexter: Those Kinds of Things (6×01)

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Dexter mit Engelsflügeln. Aus Blut. In den letzten Wochen vor der Premiere der sechsten Staffel war diese Showtime-Werbung überall zu sehen. Viele haben sich gefragt, ob sie tatsächlich einen thematischen Hinweis enthält oder nur eine kunstvolle Provokation darstellt. Nach der Sichtung der ersten Episode kennt man die Antwort! Dexter war immer schon eine Provokation, aber mit der neuen Staffel betreten die Autoren ein Feld, das sie bis jetzt ausließen.

Natürlich gehören Themen wie Familie, Freundschaft, Identitätsfindung, das Urteilen über Gut und Böse, das staatliche Rechtssystem etc. zu nahezu jeder Dexter-Staffel, wobei der Schwerpunkt während Dexters Reise wechselt. Das heikle Thema Religion blieb bisher ausgespart bei Dexters Suche nach Verbindung mit der ihn umgebenden Welt, aber Those Kinds of Things stellt klar, dass die neue Season Dexter mit theologischen Fragen konfrontieren wird. Zuvor galt: Es gibt Harrys Regeln und die sozialen Normen und Gesetze.

Zwischen diesen beiden Regularien bewegte sich der Protagonist. Nun aber wird ihm klar, dass Menschen auch versuchen, nach anderen Regeln zu leben: Gottes Regeln. Wir sehen Dexter schon zum Anfang der Episode in einer prekären Situation, als er Harrison in eine von Angel empfohlene katholische Schule zum Vorstellungsgespräch mitnimmt. Ja, es ist schon soweit: Harrison soll in die Vorschule! Ein Jahr ist seit dem Finale der fünften Staffel vergangen, und es ist Einiges passiert. Die Nonne in der Schule findet Dexters Antwort auf ihre Fragen nach seiner Glaubensrichtung nicht wirklich zufrieden stellend: Er glaube an nichts, verkündet Dexter. Auf Debs (Jennifer Carpenter) Nachfrage erklärt er: I believe in a certain set . . . of rules to follow, so that I don’t get myself in trouble. Deb: That sounds kind of cold and empty. Dexter: Does it?

Gibt es tatsächlich etwas, was die Leere füllen kann? Bevor Dexter und wir mit ihm dieser Frage nachgehen, springen wir noch einmal zurück zum Anfang der Episode, als Dexter sich ebenfalls in einer prekären Situation befindet. In seinem Kill-Outfit steht er – nein, nicht vor der katholischen Schule, sondern im Dunkel der Nacht unter dem blutroten Mond und blutet aus einer Bauchwunde. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, als er einen Krankenwagen ruft. Als die Sanitäter eintreffen, entpuppt sich alles als Inszenierung: sowohl für die beiden als auch für unsere Zuschaueraugen. Für wen sonst sollte Dexter während des Anrufs den schwer Verletzten spielen? Die neue Staffel beantwortet mit einem Doppelschlag von Dexters Seite vorab jede eventuelle Frage danach, ob es weitere „Kills“ geben wird. Sein Voice Over nimmt direkt Kontakt mit uns Zuschauern auf, wie mit alten Vertrauten – dieser Kommunikationsstil Dexters mit uns erscheint mir viel direkter und vertraulicher als gewöhnlich!

It’s not what you think, sagt Dexter, als man Angels Schwester im Bikini in seiner Wohnung zu sehen bekommt. Tatsächlich: Sie ist Harrisons Babysitterin. Ansonsten ist alles beim Alten: Maria lässt sich mit Hilfe von Erpressung befördern, und der mittlerweile von ihr geschiedene Angel soll Chef der Mordkommission werden. Mehrmals spricht Dexters Stimme mit uns über das Vorwärtskommen, darüber, Dinge hinter sich zu lassen und sich nach vorn zu bewegen. Erstaunlicherweise findet Dexter heraus, dass er selbst vorangekommen ist: zumindest in den Augen seiner Highschool-Kommilitonen. Ja, Dexter geht zu seiner Highschool-Reunion – aber natürlich mit einem ganz bestimmten Ziel, nämlich den ehemaligen Sporthengst der Klasse, inzwischen erfolgreicher Geschäftsmann, zu erledigen. Denn der hat gemäß Dexters Recherche die eigene Ehefrau getötet, die Dex damals als einziges Mädchen überhaupt zu bemerken schien und nett zu ihm war.

Plötzlich allerdings sind alle nett zu ihm: wegen der Schlagzeilen, die sein Job und seine Familientragödie gemacht haben. Dexter ist beliebt. Für die damalige Schönheitskönigin Tricia bildet die Reunion folglich einen willkommenen Anlass, sich bei Dexter gewissermaßen zu bedanken – für die Möglichkeit, damals abzuschreiben und so ihren Abschluss zu schaffen. Dexter selbst aber ist durch mit dem „Abschreiben“ vom Leben Anderer. Er will verstehen und nicht nur nachahmen.

Ihren drei Hinrichtungen zum Trotz beinhaltet die Episode mehrere durchaus gelungene Slapstickmomente, dank Michael C. Halls Leistung und dank Masukas Einsatz als Professor Masuka. Er hat Online-Studenten, die er dann zur Mordkommission einlädt, um einen von ihnen als Hilfskraft auszuwählen. Es dauert nicht lange, bis es tatsächlich Arbeit gibt, die blutig genug ist, um Dexter und Masuka zu fordern. In zwei Szenen bekommen wir einen gewissen Travis (Colin Hanks) und seinen Mentor Professor Gellar (Edward James Olmos) zu sehen. Die beiden planen und begehen einen grausamen Mord – in Gottes Namen. Und das ist nur der Anfang, wie Gellar beim Sonnenuntergang am Ende lächelnd zu Travis sagt: It has begun. Vielleicht ergibt ihr Tun mehr Sinn für Dexter als Angels verzweifelter Versuch, ihm zu erklären, was Glauben ist und warum man an Gott glaubt…

Insgesamt ein gelungener Auftakt der Showtime-Serie, aber die Deb-Quinn-Story wirkt nach wie vor eher ablenkend, genauso wie alle Vorkommnisse um Maria und Angel. Dafür gibt Masuka sein Bestes. Das Bösewicht-Pärchen ist nach nur einer Episode schwer einzuschätzen, da wir von den beiden wenig zu sehen und zu hören bekommen; aber das Tun der beiden wird direkt mit Dexters gegenwärtigem Zustand und Innenleben verknüpft – und mit der Dauerfrage der Showtime-Serie: Gehört Dexter zu den Kräften des Guten oder des Bösen?

Dexter: The Big One (5×12)

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Die fünfte Dexter-Staffel ist zu Ende. Und obwohl die US-Serie seitens Showtime verlängert worden ist, müssen wir uns fragen, ob Dexter als Serie vorbei ist. Eine sehr komplizierte Frage, die in diesem Artikel nicht eindeutig beantwortet wird. Trotzdem stelle ich sie gleich an seinem Anfang, um eine Diskussion zu provozieren.

Vieles an dieser Serie ist einfach exzellent: angefangen bei Michael C. Halls Performance bis hin zur audiovisuellen Beschaffenheit. Auf der anderen Seite droht die Formelhaftigkeit auf der Handlungsebene auch dem geneigten Zuschauer allmählich fade zu schmecken. Grund: Die Entwicklung des Protagonisten scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Wohin will und kann ihn die Serie noch führen, wo er in den vergangenen Staffeln noch nicht war? Können wir noch Neues über Dexter lernen?

Die Antworten auf diese Fragen lassen bis zum nächsten Jahr auf sich warten. Dafür können wir jetzt drei Szenen aus diesem Finale sezieren und eine Blutanalyse durchführen, um die fünfte Staffel abschließen zu können. Hierzu wählen wir: die Abrechnung mit Jordan Chase (Jonny Lee Miller), Debs (Jennifer Carpenter) Entscheidung, seine Mörder laufen zu lassen, und die Auflösung im Falle Quinn-Liddy.

Wer vom Finale einen Cliffhanger oder eine überraschende Wendung erwartet hat, dürfte jetzt enttäuscht sein. Trotzdem sollte man das Finale keinesfalls als schlecht verurteilen. Ich finde die Entscheidung der Autoren, Lumen (Julia Stiles) gehen zu lassen, absolut plausibel – und daraus ergibt sich in meinen Augen das Payoff dieser Staffel: Dexter wurde buchstäblich vor Augen geführt, dass Dunkelheit verschwinden, dass The Dark Passenger eines Menschen über Nacht in den See gleiten kann. Nach Ritas Tod brachte Lumen tatsächlich Licht in Dexters Leben. Sie brachte ihm Hoffnung: wenn nicht darauf, dass sein Dark Passenger irgendwann ganz verschwinden würde, so doch immerhin auf die Möglichkeit, Menschlichkeit zu empfinden, sich als Mensch zu fühlen.

Dieses Gefühl verstärkt sich durch Debs Entscheidung, Dexter und Lumen gehen zu lassen. Sie weiß nicht, wen sie da gehen lässt; im alten Camp, wo Dexter und Lumen Chase töten, hängt ein Vorhang zwischen Debra und den beiden. Sie will es auch gar nicht wissen: denn vermutlich könnte sie ihre Entscheidung andernfalls nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Anonymität ist hier nicht nur Mittel zur Erzeugung von Spannung, sondern Voraussetzung für Debras Entscheidung.

Man kann natürlich spekulieren: was wäre geschehen, wenn die Serie keine sechste Staffel bekommen hätte? Vielleicht wäre dann auch die Sache um Liddys Mord anders abgelaufen. Aber Dexter hilft Quinn aus der Klemme – das Blut auf dem Schuh! -, ohne dass jemand etwas bemerkt. Genauso wie Debra Dexter laufen ließ, ohne es zu wissen, lässt er ihr Quinn. Beziehungen sind das Schwerste, registriert Dexters Voice Over – aber vielleicht hat Dexter einen weiteren Schritt in diese Richtung getan? Gibt es für ihn überhaupt eine Richtung?

Am Ende sehen wir alles „back to normal“: umgeben von Freunden und Verwandten feiert Dexter Harrisons Geburtstag. Um ihn herum sehen wir Menschen zu einander finden und ihre Beziehungen wieder aufnehmen. Ist damit Dexters Frage “Is this what I do, curse everyone around me?” beantwortet?

Dexter: Hop A Freighter (5×11)

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Diese vorletzte Episode der fünften Staffel verläuft wie im Flug – eigentlich ein gutes Zeichen. Sie bereitet zwar alles für das Finale nächste Woche vor, aber trotzdem ist die Episode ziemlich geradlinig und vorhersehbar konstruiert. Ein Überraschungsmoment fehlt.
Dexter (Michael C. Hall) findet heraus, dass jemand – er verdächtigt Quinn – ihn und Lumen überwacht, und beseitigt letztendlich Liddy (Peter Weller). Debra kommt Chase (Jonny Lee Miller) immer näher, und Chase erwischt mit Emilys Hilfe Lumen (Julia Stiles). Mit dieser Vorhersehbarkeit und Entwicklung – nach Dexter-Schema – habe ich eigentlich kein Problem: denn im Grunde spiegelt ja die Entwicklung jeder Staffel der US-Serie als Ganzes Dexters Dark Passenger. Was heißt das?

Genauso wie Dexter seine Opfer zur Strecke bringt – bis hin zu jenem letzten Moment der Katharsis vor der in Plastik gewickelten Leiche -, spinnt die Serie alle Handlungsstränge auf einen solchen letzten Moment hin, in dem das Problem der Staffel gelöst wird, damit die Katharsis auf Zuschauerseite stattfinden kann. So wie die Figur Dexter hat die Serie Dexter ihren Code, ihr Regelwerk.
Hop A Freighter fällt nun deswegen auf, weil die Episode etliche Hindernisse im Handumdrehen beseitigt, damit es zur letzten Konfrontation kommen kann.

Liddys Tod kommt zwar nicht überraschend – aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Serie so kurz vor dem Finale Manches zu hektisch auflöst, um zum Punkt zu kommen. Dabei hätte ich zum Beispiel gerne mehr über den Gegenspieler erfahren, mehr über die Transformation von Eugene Greer zu Jordan Chase und über seine Beziehung zu Emily. Emily bleibt letztendlich Mittel zum Zweck: Jordan benutzt sie, um Lumen anzulocken, während Dexter sich mit Liddy beschäftigt. Dann tötet Chase Emily auf brutale Art und Weise, nur weil sie ihm widersprochen hat: Schluss mit dem langjährigen Bund!

Definitiv auf der Plus-Seite stehen die kleinen Szenen zwischen Dexter und Debra bzw. Lumen. Als Debra ihm von ihrer Theorie des dreizehnten Opfers berichtet, das mit Hilfe einer männlichen Hand als Racheengel Chases Freunde beseitigt, bezeichnet sie dieses Tun als „fucked up, but also beautiful“! So ein Bund heißt Liebe, meint sie. Wenn Dexter dann den blutigen Spuren folgt, hinaus aus Emilys Haus, muss er sich fragen: Muss Liebe immer blutig enden?

Wenn die Serie nur mehr Zeit hätte, um die beiden „fucked up“-Beziehungen Chase/Emily und Dexter/Lumen einander gegenüber zu stellen! Eine Gegenüberstellung wird es im Finale dennoch geben. Wer wird sie überleben? Kann Dexter davon kommen?

Dexter: In The Beginning (5×10)

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Bisher hatte jede Dexter-Staffel ihren Dexter-Antagonisten, in dem Dexter einen Teil von sich selbst zu erkennen schien: In der ersten Staffel war es sein Bruder Brian, der als „normaler“ Serienmörder ohne die ethischen Zwänge eines Codes seine Opfer beliebig auswählen kann. Danach waren es Lila und Miguel, der vorgab, im Dienste der Gesellschaft zu handeln – dem es jedoch nur um persönliche Macht ging. In der vierten Staffel stieß Dexter (Michael C. Hall) auf Trinity (John Lithgow): die perfekte Maskerade des Monströsen – als perfekte Verschmelzung mit dem Normalen nämlich.

Diese Gegenspieler bildeten eine Gefahr für Dexters Einhaltung der eigenen Prinzipien, indem sie ihm mit ihrem Tun eine Befreiung von diesen Prinzipien in Aussicht stellten. Als Serie zeigt Dexter im Grunde, dass im alltäglichen Leben überall ver- bzw. gestörte Persönlichkeiten anzutreffen sind und die Person Dexter in diesem Sinne nicht wirklich viel ‚anders’ ist. Trotzdem fällt er unter die Kategorie „Monster“. So hat ihn Harry gesehen, so sieht er sich selbst und so, denkt er, würden andere ihn sehen. Aber nicht Lumen (Julia Stiles): Lumen bedeutet eine Veränderung für Dexter, ein Licht am Ende des Tunnels. But with Lumen I’m something different. In her eyes, I’m not a monster at all.

In The Beginning ist nicht nur eine unheimlich intensive Episode, sondern benennt überdies zum ersten Mal direkt (durch Dexters Voice Over) das Problem, mit dem sich America’s Favorite Serial Killer herumschlägt: Er steht zwischen seiner Schwester Debra (Jennifer Carpenter) und Lumen, der Frau, die sein Tun nicht verurteilt. Beide Frauen sind in denselben Fall verwickelt. Beide Frauen wollen eine Auflösung. Aber er kann nur einer helfen. Obwohl seine Schwester Deb vor allem nach Ritas Tod in jeder Sekunde für ihn da war, steht sie auf Seiten des Gesetzes, das in Dexters Welt als impotent dargestellt wird: es kann den Opfern keine Genugtuung bringen, die Täter nicht hinreichend bestrafen. Seit ihrer ersten Minute hat die Showtime-Produktion diese problematischen Diskussionen über Moral und Ethik aufgeworfen.

Lumen will die Männer denn auch selbst bestrafen. In dieser Episode äußert sie den Wunsch, den nächsten Tötungsakt selbst auszuführen. Als sie es Dexter sagt, zeigt ihn uns die Kamera im extremen Close-Up: wir können seinem Gesicht eine Mischung aus Überraschung, leiser Zufriedenheit und Hoffnung ablesen. Nachdem Dexter Harrison mit der Nanny zu den Großeltern geschickt und Lumen in seiner Wohnung aufgenommen hat, bereitet er sie auf den „First Kill“ vor. Er schenkt ihr sogar ein Paar Handschuhe: genau solche wie seine. In dieser Szene und auch später – als er ihr die Halskette schließt, die einer der Männer als Trophäe mitgenommen hatte – bringt man die beiden auf sehr behutsame und beinah zärtliche Art und Weise einander näher.

Sie statten Emily Birch einen Besuch ab, der Frau, deren Blut Jordan Chase in seiner Halskette bewahrt. Während dessen durchsuchen Deb und Quinn das Haus des vermissten Cole. Die Polizei findet dort nummerierte DVDs, die die Taten der fünf Männer enthalten. Nummer 13 muss Lumen sein, so dass Dexter die DVD aus Masukas Labor vertauscht, um so sein Geheimnis zu bewahren. Dexter weiß nicht, dass Stan Liddy (Peter Weller) im Begriff ist, alles aufzudecken. Er beschafft sich mit Quinns gefälschter Unterschrift Überwachungs-Geräte und beobachtet Dexters und Lumens komplette Vorbereitung. Lumen geht mit der DVD Nr.13 zu Emily – und dieses Mal erzählt ihr Emily die Wahrheit: dass nämlich sie selbst die erste war, dass Chase (Jonny Lee Miller) damals Eugene Greer hieß und die ganze Gruppe zu den Taten bewegt, sie aber selbst immer nur beobachtet. Emily nennt den Namen des letzten Jungen auf dem Foto: Alex Tilden (Scott Grimes).

Zum Entsetzen des Zuschauers stellt sich heraus, dass Chase dies alles geplant hat: In einer verstörenden Szene sehen wir, dass Chase und Emily eine Art Beziehung führen. Exzellente Performance von Jonny Lee Miller in dieser und in der Szene mit Dexter selbst, als Chase auf dem Revier freiwillig eine DNA-Probe abgibt. Außerdem: ein spannungsgeladenes Täuschungsmanöver seitens der Autoren, als Dexter und Lumen dabei sind, Alex zu töten, und es so aussieht, als befände sich „the kill room“ in dessen Wohnung! Chase weist Deb und Quinn auf Alex hin, und sie kommen in sein Haus. Aber Lumen und Dexter sind im Haus nebenan.

Die Szene mit Lumens erstem Mord ist exzellent orchestriert, sie ist nicht zu lang und trifft die Stimmung der kompletten Episode, die in meinen Augen sogar zärtlich-tragisch wirkt. Vielleicht bereitet man dadurch die Zuschauer auf ein mögliches Ende vor, in dem Lumen Dexters Taten auf sich nimmt, um sein Geheimnis zu bewahren?

Debra findet vor Alex’ Haus einen kleinen Schuhabdruck, wie von einer Frau, der ihre Theorie zu bestätigen scheint. In Boyds Sammlung befanden sich nur zwölf Haarsträhnen, und die dreizehnte DVD fehlt. Alles erweckt den Eindruck, als würde das letzte Opfer Chase & Co. jagen und beseitigen. Die Episode endet mit Dexter und Lumen, die ihre dunkle Bindung konsumieren. Eine Szene, in der die beiden hoffnungsvoll, zufrieden und gleichzeitig tragisch wirken…

Dexter: Take It (5×08) / Teenage Wasteland (5×09)

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“Miguel couldn’t. My father couldn’t. Can anyone live with the truth of what I am? Is Lumen what will make me whole?”, fragte Dexters Voice Over am Ende jener Episode, nachdem Dexter vor Lumens Augen Cole (Chris Vance) getötet hat. Julia Stiles setzte ihre großartige Performance fort; erst in den letzten zwei Episoden verstehen wir nach und nach, was ihre Partnerschaft mit Dexter für uns bedeutet: Die Serie bietet dadurch einen Blick auf Dexter von außen, aber mit Lumen blicken wir zum ersten Mal – wenn man etwa an Dexters Interaktionen mit Rita, Doakes, Deb und sogar Trinity denkt – auf Dexter als auf einen… Helden.

Vielleicht aus diesem Grund behandelt die neue Staffel Dexters Tun nicht mehr so ambivalent wie zuvor; mir scheint, es werden kaum Zweifel daran artikuliert, dass sich Dexter auf dem richtigen Weg befindet. Durch Lumen wird er tatsächlich als jemand inszeniert, der Gutes tut.

Wenn man sich auf diese Interpretation einlässt, vervollständigt die Serie an diesem Punkt das historische Bild von Amerika als ein Kind, das in Blut geboren wurde, um als Erwachsener Andere für ihre Sünden zu bestrafen – im Rahmen eines Codex der Väter. Dieser Codex verbietet die Miteinbeziehung von Außenstehenden. Dexter bricht nun mit dieser Regel. Kann er dadurch zu sich finden? Gibt es ein „sich“ überhaupt? Als er am Ende von Take It! das Messer in Cole rammt, spielt Julia Stiles großartig eine Mischung aus Erleichterung, Schauer und Befriedigung zugleich, die dann fast in Zärtlichkeit mündet, als Dexter ihr das Glas mit Coles Blut reicht.

Nicht nur Julia Stiles’ Performance muss honoriert werden, sondern auch die von Peter Weller (wir erinnern uns an die grandiosen Szenen zwischen ihm und John Noble in Fringes Episode Tulip) in der Rolle des korrupten Cops Stan Liddy, der immer prominenter für die Handlung zu werden scheint. Er ist jetzt in Besitz der Fotos, auf welchen Lumen und Dexter zu sehen sind, wie sie die (mit Coles Gliedmaßen gefüllten) Taschen entsorgen. Aber Quinn, nach seinem Liebesbekenntnis Debra (Jennifer Carpenter) gegenüber, macht Schluß mit Liddy. Allem Anschein nach ist Liddy jedoch nicht bereit aufzuhören.

Ob dieser Erzählstrang ähnlich wie die Geschichte um Doakes enden wird? Mit jeder Episode wird das dumpfe Gefühl immer stärker, dass Deb direkt davor steht, die Wahrheit über ihren Bruder zu erfahren. In Take It! versuchte Dexter ihr vorsichtig nahe zu legen, dass manche Menschen den Tod verdienen. In Teenage Wasteland ins Archiv versetzt, findet sie neue Hinweise im Boyd-Fall, die trotz LaGuertas anfänglicher Ablehnung zum Wiedereröffnen des Falls führen. Außerdem gibt Quinn zu, Dexter als Kyle Butler verdächtigt zu haben…

Gegen Ende der Staffel verdichtet sich die Erzählung und erzeugt dadurch immense Spannung, die den langsamen Beginn in den Augen mancher Fans wieder wettmachen sollte. Dexter kann Ritas Tod nicht wieder wettmachen – aber dafür, in Astors Augen, seine Vaterrolle. Die Dexter-Autoren haben ihr Wort gehalten, Ritas Kinder nicht für immer verschwinden zu lassen. Da Astor mit einer Freundin betrunken in Ritas Haus auftaucht, werden Dexters Pläne bezüglich Chase durcheinander gebracht. Aber Dexter stellt in dieser Episode den Stiefvater vor den Serienmörder. Als Astor und ihre Freundin plötzlich verschwinden, ruft er die Polizei an – und riskiert damit sein Cover, denn im Zuge der Ermittlung wird allen klar, dass er zu Chase geht (angeblich, um sich Hilfe zu holen). Lumen ist kein Geheimnis mehr: Sogar Deb lernt sie kennen.

Dexter findet heraus, dass Astor eigentlich wegen ihrer Freundin weggelaufen ist, denn die wird von dem Freund ihrer Mutter misshandelt. Die Konfrontations-Szene zwischen Dexter und Barry (dem Freund) ist zwar äußerst brutal (Dexter schlägt ihn und teilt ihm mit, welche Organe betroffen sind), aber nach wie vor zeigt uns die Serie Dexter als Helden. Harry sagt zu ihm, er sei stolz auf ihn und es gäbe eine Seite an ihm, die er so nicht erkannt hätte. Dexter wiederholt Harrys Worte Astor gegenüber: I am proud of you. Als er noch sagt, er liebe sie, fühlt sich das echt an – und, ausgehend von Dexters Handlungen in dieser Episode: es ist echt! Vielleicht bringt Lumen tatsächlich Licht in Dexters Dunkel?

Einer jedenfalls will dieses Licht auslöschen: Jordan Chase (Johnny Lee Miller), der herausfindet, dass Dexter und Lumen hinter ihm her sind. Aber: wer ist Emily Birch? Und wer ist der fünfte Mann?

Dexter: Circle Us (5×07)

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Sometimes partners find us and as much as we try to push them away, they work their way into our lives regardlessly, until we finally realize how much we need them. So lauten Dexters Worte, als er am Ende von Circle Us Harrison zu Lumen bringt – und sie zum ersten Mal strahlt. Es ist etwas Besonderes, weil wir Lumen bisher ausschließlich in dem Abgrund dunkler Emotionen und Gefühle sahen und weil die Killer-Partnerschaft mit Dexter gleichsam bestätigt wird. Außerdem stoßen die beiden zum Kern des Übels vor…

In der laufenden TV-Season hat uns Rubicon gelehrt, wozu Jugendfreundschaften führen können. Dexter folgt der gleichen blutigen Spur, die unter dem Luminol aufleuchtet. Jugendfreundschaften als Bund oder aber Traumata fürs Leben sind ein zentrales Motiv in den frühen Büchern Stephen Kings. Der Master of Horror hat sich detailliert mit den psychologischen Mechanismen eines solchen Bundes und seiner Aus- und Nebenwirkungen auseinandergesetzt. Auch bei Dexter halten sich die Autoren nun penibel an ihr Erzählschema aus früheren Staffeln, indem sie Dexter mit Hilfe eines Unfalls in die Situation bringen, gegen seine Kollegen arbeiten zu müssen.

Während Lumen Dexter Details aus ihrer Gefangenschaft erzählt, sehen wir, wie ein unbekannter Mann die fünf Behälter mit den toten Frauen aus dem Sumpf fischen und auf seinen Truck laden lässt. Der Mann, in Hemd und Krawatte, faltet zuvor penibel sein Jackett zusammen und legt es auf den Beifahrersitz. Das entspricht Lumens Erzählung vom Suit’n’ Tie-Mann, der immer sorgsam sein Jackett zusammenlegte. Den anderen, an den sie sich zwar erinnert, dessen Gesicht sie jedoch nie sah, nennt sie The Watch-Man – sie hörte das Ticken seiner Uhr und die Worte: Tick tick tick. That’s the sound of your life running out!

Der Truck wird von einem anderen Wagen gerammt. Dexter wird zum Tatort gerufen – nur um die fünf Frauen unter Miamis blendenden Sonne auf der Straße liegen zu sehen. Dexters Kollegen finden schnell heraus, dass der Truck auf Jordan Chase registriert ist, den Take it!-Mann (Boyd hörte seine CDs). Und es erweist sich, dass Masuka ein Fan von ihm ist … was keinen wundert.
Der Fahrer muss Cole Harmon gewesen sein, Jordans Sicherheitschef. Jordan (Trainspottings Jonny Lee Miller) und Cole (Chris Vance, Burn Notice) tauchen auf dem Revier auf und leugnen alles, aber dank Masuka schafft es Dexter, Fotos von den beiden zu bekommen. Lumen erkennt Cole sofort.  Durch ein kurzes Gespräch zwischen Cole und Chase im Auto erfahren nur wir Zuschauer, dass Chase definitiv Teil der Geschichte ist.

Dexter beschließt, seine Kollegen von Cole abzulenken und ihre Aufmerksamkeit auf Boyd zu richten. Das klappt – dafür geht allerdings Dexters Besuch in Coles Haus um ein Haar schief. Aber wozu hat man einen Partner? Lumen hilft ihm! Beide machen eine interessante Entdeckung: In Coles Haus finden sie ein Foto, auf dem Cole, Boyd, der Zahnarzt Dan und zwei weitere Jungen zu sehen sind. Für uns Zuschauer liegt nahe, dass der vierte Chase sein muss. Wer aber ist Nummer Fünf?

Während Lumen, glücklich über den Fund, Dexter anstrahlt, sehen wir Maria, Deb & Co. selbst in die Grube fallen, die sie den Fuentes-Brüdern gegraben hatten. Zwei Personen werden ermordet, und Deb schafft es, einen der Brüder zu erledigen. Maria weigert sich, die Schuld für ihre falsche Entscheidung auf sich zu nehmen, was zu Problemen mit Angel führen muss. Ich frage mich, was sich die Autoren noch für die beiden ausdenken werden, um ihnen zu beweisen, dass Heiraten die falsche Entscheidung war?

Quinn kommen langsam Bedenken, ob er die falsche Entscheidung getroffen hat, und versucht Stan Liddy (Peter Weller) von seinen Untersuchungen abzubringen. Nun: wenn etwas ins Rollen gebracht wurde, wird es schwer aufzuhalten sein. Dasselbe gilt für die Partnerschaft zwischen Dexter und Lumen: Wo wird sie hinführen? Würde sie mit dem Tod der drei übrigen Serienvergewaltiger enden? Wird Lumen weiterhin diejenige sein wollen und können, die sie geworden ist? Kann es für sie genug Licht im Dunkel geben?
Die Nanny hat eine kleine St. Bridget-Figur für Harrison, die ihn im Lichtkreis des Lebens halten soll, fern von der Dunkelheit. Wer oder was kann diese Rolle für Lumen spielen? Dexter etwa?