Category Archives: Einzelepisoden/Pilotenepisoden

Virtuality: Ein Weltraum Tripp, der sich lohnt!

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Die FOX-Verantwortlichen haben die nächste viel versprechende Sci-Fi-Serie erledigt, wenn Virtuality tatsächlich keinen Order bekommt oder nicht von einem anderen Network gekauft wird. Und noch genialer die Entscheidung des Senders diesen Event an einem sommerlichen Freitag unterzubringen.

Die einzige Entschuldigung Virtuality nicht mindesten einen 13-Episoden Order zu geben, wären die hohen Kosten. Aber ist wirklich eine Serie wie Dollhouse so billig im Vergleich zu anderen, dass man sie etlichen anderen bevorzugt? Oder hat Whedon FOX auch sein nächstes Projekt (zum Discountpreis) versprochen? Zu diesen Fragen aber kommen wir noch mal zum Schluss.

Jetzt zu Virtuality: Der Pilot erfüllt exzellent genau das, was die Aufgabe eines Piloten ist – er weckt das Interesse der Zuschauer, was als Nächstes geschehen wird. Virtuality funktioniert für den Zuschauer nicht wirklich als die Erfahrung eines eigenständigen, abgeschlossenen Films. Denn in diesen fast zwei Stunden werden etliche Konflikte, Beziehungsdramen und Mysterien in die Wege geleitete und zum Schluss nicht mal annähernd aufgelöst.

Wie kann man Virtuality am schnellsten beschreiben? Sagen wir mal so: Virtuality ist nicht nur etwas für Battlestar Galactica-Fans, sondern und vor allem für Fans von der Art Science Fiction, die Battlestar Galactica repräsentiert – eine mit Metaphern gespickte meditative Betrachtung unserer von Technologie-Obsession geprägten Gesellschaft, eine von intertextuellen Verweisen durchtränkte Suche nach der Wahrheit und der Natur der Realität:
“Follow me, through the mirror and down a rabbit hole. Because the only way for any of us is to just keep going“, sagt gegen Ende des Films der eine Astronaut zum anderen.

In Virtuality spielt Nikolaj Coster-Waldau den Commander Frank Pike, der mit seiner Crew (auf dem Raumschiff „Phaeton“) eine Mission zu erfüllen hat, die jedem der Crewmitglieder zehn Jahre seines Lebens kosten wird. Das wäre der Preis, um die Erdbevölkerung zu retten, die von Naturkatastrophen geplagt wird und nach Voraussagen der Spezialisten die Erde nicht mehr lange zu leben hat. Nun, das wäre ja nichts Besonderes für eine Sci-Fi-Produktion, wäre da nicht noch das Big Brother-Element. Die Reise der Phaeton ist gleichzeitig eine Reality-Show. Überall im Schiff werden die Crewmitglieder von Kameras überwacht und ihr Leben Live auf der Erde übertragen. “Edge of Never: Life on the Phaeton” (Wednesdays at 20:00, Live Virt 24/7, commercial free, only ITY-FOX!) – heißt es in der Werbung.

Dadurch verschiebt Virtuality den Blickwinkel auf zwischenmenschliche Beziehungen, auf emotionale Überladung und neurotische Handlungen. Wie so typisch für eine Reality-Show mangelt es nicht an Problempunkten und Konflikten in der multikulturellen Crew der Phaeton: Commander Frank hat eine virtuelle Affäre mit der Frau des Show-Produzenten (der auch auf dem Schiff ist) Rika Goddard (microbial exobiologist, gespielt von Sienna Guillory), Dr. J (Richie Coster), der Second-in-Command, sitzt im Rollstuhl und leidet unter mangelndem Respekt seitens Frank.

Da wären noch das Gay-Pärchen Val Orlovsky (Gene Farber) und Manny Rodriguez (Jose Pablo Cantillo), die neben ihren Verpflichtungen an Bord, auch zusammen für alle kochen und laut Drehbuch sich öfter anzicken sollen, da die Zuschauer von „Edge of Never“ darauf stehen würden. Das wird den beiden von dem Psychologen auf dem Schiff Dr. Roger Fallon (grandios in seiner Rolle – James D’Arcy) mitgeteilt, der gleichzeitig der ausführende Produzent der Reality-Show ist und im Auftrag eines Multimilliarden-Konzerns die Fäden ziehen soll.

Es sind wirklich interessante Figuren kreiert worden, wie Dr. Jules Braun (Erik Jensen), der Designer von Phaeton oder die Pilotin Sue Parsons (Clea Duvall). Das Ensemble hat ein großes Potential für die Verwicklung in die unterschiedlichsten Plots, wenn Virtuality zur Serie geworden wäre. “Jean” (Kari Wahlgren), der Bordcomputer, ist so etwas wie HAL 9000 von Virtuality und ein wichtiges Teil der „Schiffsrealität“, denn sie sorgt für die einzigen Augenblicke, in welchen die Crewmitglieder der Kameras entfliehen können. Sie tauchen in andere virtuelle Realitäten ein, übernehmen andere Identitäten oder tun verbotene Dinge. Aber nicht alles funktioniert wie geplant – es tauchen Fehlfunktionen auf. In den Wunschwelten der Crewmitglieder taucht immer wieder dieselbe Figur (Jimmi Simpson) auf, die sie mit ihren richtigen Namen anspricht und dann umbringt. Over and over again! So wirft man die Matrix-Frage auf: Wenn man in der virtuellen Realität stirbt, stirbt man tatsächlich? Ist virtueller Mord ein Mord?

Die Markenzeichen vom Regisseur Peter Berg (Friday Night Lights), die melodramatischen kunstvoll umgesetzten Close-Ups betonen hier die rein physische Emotion, die uns entgeht, wenn wir Beziehung nur mit Hilfe eines Bildschirms bzw. der Technik führen.
Die Battlestar Galactica-Autoren Ronald D. Moore und Michael Taylor haben mit Virtuality ein wirklich interessantes Projekt geschaffen, bei dem nicht nur philosophische Aspekte zum Tragen kommen, sondern Virtuality wirkt überraschenderweise des Öfteren humorvoll und „leicht“: Zum Beispiel als Frank vergißt, dass er an dem Tag ein T-Shirt mit einem anderen Sponsornamen tragen muss oder als beim finalen Systemcheck Val berichtet: “Fearless gay duo are ready to face unknown, Commander!”

Man kann lange über FOX’ Entscheidung meckern, grünes Licht für Glee und Dollhouse zu geben, Terminator: The Sarah Connor Chronicles einzustellen und Virtuality keinen Serienorder zu erteilen, aber Networks haben in der Geschichte immer eine komplizierte Beziehung mit Raumschiffen und Zukunftsvisionen gehabt. Trotzdem wäre klug Virtuality eine Chance zu geben (13 Episode Order) und die Serie zusammen mit Terminators dritter Staffel laufen zu lassen.  Aber die Senderchefs haben andere Zukunftsvisionen, die zum Beispiel zwei der verlässlichen Quotenbringer Bones und Fringe in Gefahr bringen werden, indem man sie gegen CBS’ Quotengiganten CSI und The Mentalist laufen lässt.

Virtuality hat aber dennoch eine kleine Chance, entweder auf FOX (eher unwahrscheinlich – es sei denn Dollhouse stürzt ab, was mich nicht wundern wird) oder auf Sci Fi, oder innerhalb eines Partnerschaftsdeals mit DirecTV.
Auf jeden Fall ist Virtuality sehenswert!

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Southland – Review des Piloten

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Nach 15 Jahren ER wechselt der Autor und Produzent John Wells vom Krankenhaus- und Beziehungschaos zu dem von L.A.’s Straßen. Was ein hartes Stück Arbeit voraussetzt. Ich hab oft in letzter Zeit die Abwesenheit von „echten“ Cop-Serien heutzutage bedauert und etliche Reviews über misslungene Versuche wie The Line und The Beast verfasst. Nun, endlich kann ich ruhigen Gewissens diese Serie empfehlen.

Southland erinnert zwar sehr an Boomtown, aber im Vergleich zu der in Kapiteln unterteilten (chaotischen aber geordneten) Handlung der ersten ist Southland noch unübersichtlicher und noch anstrengender zu folgen. Was aber keine negative Tatsache ist. Im Gegenteil – den Chaos auf den Straßen, den Chaos im Privatleben bzw. die Unmöglichkeit eines solchen – das nehmen wir der Serie ab. Und wenn man über eine dokumentarische Kameraarbeit in einer fiktionalen Serie reden kann, dann ist Southland definitiv ein Kandidat für die vorderen Plätze. Southland ist durch und durch was man ein Ensemble-Drama nennt, das keine Zeit verliert und in einem absolut soliden Piloten von der ersten Sekunde an sich in die chaotischen Zustände der Straßen von L.A. stürzt.

Mehrere Plots fließen in und auseinander. Die einzige Orientierung für den Zuschauer sind die jeweils an einem Plot gebundenen Figuren und die Ort und Zeit-Überschriften. Es ist der erste Tag für den frisch gebackenen Officer Ben Sherman (Benjamin McKenzie), der unter dem erfahrenen und seinem Job fast auf soziopathische Art und Weise verbundenen John Cooper (Michael Cudlitz) zugeteilt wird. Er bietet dem jungen Akademieabgänger eine Tour durch “the greatest freak show on Earth”: Alles von Verkehrsunfällen bis zum „komischen Geruch“ aus einem Haus. “You’ve got 90210 written all over your face,” – das ist Cooper’s Begrüßung, der Sherman noch am ersten Tag klar machen will, was der Job erfordert und ihm auch gleich die Entscheidung nahe legt, zu kündigen, falls er es nicht aushält.

Quer durch die Stadt begegnen wir Lydia Adams (Regina King) und Russell Clarke (Tom Everett Scott), die an einer Kindesentführung arbeiten und den Detectivs Nate Moretta (Kevin Alejandro) und Sammy Bryant (Shawn Hatosy), die eine Gangschießerei untersuchen. Jeder folgt seiner Story, bis zum teilweise bitteren Ende und Sherman bekommt Gelegenheit Cooper zu zeigen, was für einen Cop er sein könnte. Und Southland wartet keine Sekunde auf das Publikum, das es „warm“ und komfortabel mit dem Geschehen wird. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, denn es gibt nichts Komfortables im Fall einer Kindesentführung, oder dem sinnlosen Niederschießen eines Jungen von Gangmitgliedern. Der dokumentarische Stil von Southland verstärkt enorm den Effekt der teilweise extremen Bilder.

Extrem sind sie nicht deswegen, weil „alles“ gezeigt wird (was man sowieso im Networkfernsehen nicht darf), sondern weil nur Details vom grausamen Ganzen gezeigt werden, die die Kamera bei einem Schwenk oder Zoom erhascht. Den Rest erledigt unsere Vorstellungskraft. Zum Beispiel in der Szene, als Ben und Cooper der Meldung des „unangenehmen Geruchs“  nachgehen und nachdem Animal Control etliche Hunde aus dem entsprechenden Haus entfernt, finden die beiden einen Mann, der anscheinend die letzte Mahlzeit dieser Hunde war.

Die Szene ist in einem fast komplett dunklen Raum gefilmt, was uns nur einzelne Details dieser entsetzlichen Szene preisgibt. Dann erfolgt ein Schnitt auf Ben, der hinausrennt und sich übergibt. Auf dieselbe Art und Weise erfahren wir auch an der Reaktion von Lydia Adams, was für einen Anblick sich vor ihren Augen erschließt, als sie den Schrank öffnet, in dem das entführte Mädchen sich befinden soll. Diese Art der Darstellung tut mehr dafür, uns klar zu machen, was für einen Job die Polizisten machen müssen, als wenn man alles zeigen würde. Abgesehen von ein paar Abschweifungen ins Privatleben, die eine wütende Ehefrau und Lydias Mutter (wiederum nur als Voice Over) beinhalten, verbringen wir die komplette Stunde des Piloten auf der Straße. Insoweit ist Southland’s Konzept stimmig – die Serie handelt von dem Job, den die Cops verrichten.

Southland wurde von NBC als Procedural promotet (vermutlich um Zuschauer nicht weg zu jagen), aber diese Serie ist weit von Laborräumen, Profiling und CGI entfernt.

Nachdem NBC’s große Donnerstage Geschichte sind, liefern Wells & Co zum ER-Timeslot ein Drama, das einem pochenden Herzen gleicht. Ob das dem Network, das kurz vor einem Herzstillstand steht, wieder auf die Beine hilft, ist abzuwarten, aber diese Serie lohnt sich – Licht am Ende des Cop-Drama-Tunnels!

Spartacus: Blood and Sand, and Sex

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Eigentlich bin ich kein Fan solcher Produktionen, aber nach dem Sichten der Trailer und der Namen der Beteiligten war die Neugier groß genug: Das Produktionsteam besteht aus Sam Raimi und Rob Tapert, die auch Xena: Warrior Princess damals auf den Bildschirm brachten. Und was für (k)einen Zufall – eine der Hauptrollen gehört Xena selbst, Lucy Lawless als Lucretia. Also begab ich mich zurück, ungefähr in das Jahr 71 v. Chr., als alle … nackt waren. So viel „direkte“ Nacktheit sieht man sogar heutzutage im Fernsehen selten. Spartacus’ Bild ist voller männlicher und weiblicher intimer Körperteile, und voller Blut. Spartacus wurde in Neuseeland gedreht, aber die meisten Szenen entstanden am Computer.

Die Serie kann, wenn man so will, als eine CGI-Orgie von Sex und Gewalt beschrieben werden. Die Slow Motion-Kampfszenen und die comicartigen Blut-Splatter dominieren das Bild. In den Zeiten von 300 und Avatar war ja nur eine Frage der Zeit, bis wir auch in einer TV-Serie solche Bilder zu sehen bekommen. In diesem Sinne ist Spartacus: Blood and Sand keinesfalls eine Revolution im Fernsehen, wie Starz-Verantwortlichen ihre Serie preisen. Und wer Xena sich in bestimmten Szenen immer gewünscht hat, der wird hier glücklich. Aber meine Meinung über Spartacus ist durchaus nicht negativ. Klar, wen extreme Gewalt, Vulgarität, Sex auf dem Bildschirm schockiert, hat bei der Starz-Produktion nichts verloren. Die anderen sollen den Blick riskieren und für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich kann mich überhaupt nicht entscheiden, mindestens nicht im Moment (nach zwei Episoden), ob ich die Serie mag oder nicht. Alle fünf Minuten wechselt meine Meinung, was natürlich bedeutet, dass ich noch mehr Episoden schauen muss. But for starters: Spartacus: Blood and Sand ist lose auf der Geschichte vom legendären Anführer der Rebellion gegen die Römer basiert. Das Gute an der Serie ist, dass Spartacus unmissverständlich die Positionen klar macht: Die Bösen (wenn man sie überhaupt so bezeichnen kann) wollen Macht, Geld und Sex und Liebe (und Sex) und Freiheit sind die Leitmotive der Guten bzw. der Besseren. Und das alles erreicht man mit Gewalt! Ich finde es auch nicht schlimm, dass Spartacus so ziemlich „pulp“ ist und wenn sie nicht mehr als das will, auch gut.

Die Souveränität, mit Starz-produktion ihre Sache macht, verdient Achtung. Vielleicht war das der Grund, dass der Sender schon zweite Staffel bestellt hat, bevor nur eine Episode ausgestrahlt wurde. Oder waren es Lucretias (Lucy Lawless) nackte Aufnahmen und dreckige Sprache? Apropos Sprache und Sound: Neben den beunruhigenden Geräuschen vom Abtrennen der Körperteile, von Blutspritzen und Heavy Metall-Gitarren sind erstaunliche poetische und rhetorische Sätze zu hören. Obwohl so kampf- und sexlastig, besteht Spartacus meistenteils aus Dialogen (auch während Sex). Und apropos Sex: Hier gibt es zu gleichen Teilen männliche und weibliche Nacktheit und nicht nur Mann gegen Mann-Kämpfe, sondern auch Mann mit Mann-Einlagen, sowohl auch Frau mit Frau.

Der australische Darsteller Andy Whitfield ist der Star dieser Serie, der Spartacus’ Stoizismus sehr glaubwürdig darstellt. Whitfield harmoniert auch sehr gut mit den beiden Gegenspielern, dem römischen Befehlshaber (gespielt von Craig Parker, Haldir in The Lord of the Rings und Darken Rahl in Legend of the Seeker) und dem “Champion”-Gladiator, Crixus (Manu Bennett, den wir von vorn komplett nackt zu sehen bekommen). Außerdem wären noch einige zu erwähnen: Varro (Jai Courtney), der gutherzige Gladiator, Viva Bianca, die die Senators Tochter spielt  und Lucretias Ehemann John Hannah (Four Weddings and a Funeral), der die Gladiator-Schule besitzt.

Erin Cummings spielt Spratacus Frau Sura, die ihm weggenommen wird. Diese Entführung seitens der Römer stellt die Weilchen für die Erzählung und auch das Endziel. Als Sura Spartacus bei einem schönen digitalen Sonnaufgang ihren Mann in die Schlacht gegen die Barbaren schickt, sagt sie liebevoll: “Kill them all. For you,” antwortet er. An dieser Stelle werde ich keine weiteren Einzelheiten über die Handlung spoilern, sondern euch die Arena überlassen. Übrigens, grade habe ich mich entschieden: Spartacus, Kill them all! For us!

Sanctuary: Review der zweiten Staffel

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Ohne lange zu zögern, kann ich mit der Feststellung eröffnen, dass für mich die zweite Staffel besser war als die erste. Sie hat zwar auch ihre Schwachstellen, aber allgemein kann man deutlich eine Entwicklung sehen, die den Fans Freude bereitet haben dürfte. Während die erste Staffel sehr und unausweichlich damit beschäftigt war die Sanctuary-Welt mit all seinen Abnormalitäten zu beschäftigen, Figuren einzuführen, einen handlungsübergreifenden Erzählstrang (gegen Ende der Staffel), entschied man sich in der zweiten Staffel ganz den Figuren und ihren Beziehungen zu widmen. Nein, Sanctuary wurde nicht zu einer Si-Fi-Soap, sondern zu einem Si-Fi-Drama.

Gegen Ende der ersten Staffel war The Cabal der Feind, mit dem man sich auseinandersetzen sollte und ausgehend von den ersten zwei Episoden der neuen Staffel dachte ich, dass es auch so bleiben wird, was mich wahrscheinlich zum Abschalten bewegt hätte. Aber falsch gedacht: Die ersten zwei Episoden sollten mehr oder weniger als eine selbstständige Einheit funktioniert um den Abschied von Emilie Ullerup (Ashley Magnus) in Szene zu setzen. Angeblich entschied sich SyFy Ashley herausschreiben zu wollen, denn nach den damaligen Umfragen des Senders, erwies sich, dass die Zuschauer ihren Charakter nicht mochten.

So lautete immerhin die offizielle Abschiedsrede seitens der Produzenten gegenüber Emilie Ullerup. Was der Grund auch immer gewesen ist, wir bekamen zwei Action geladene Episoden zu sehen. Magnus und ihr Team kämpften nicht nur gegen The Cabal, sondern auch gegen eine genetisch veränderte Ashley, was letztendlich mit Ashleys Tod endete, obwohl ihr Tod natürlich nicht eindeutig war. Zu dem Zeitpunkt fragte ich mich was für Gegenspieler jetzt wohl kommen mag oder was für ausgeklügelte Fälle der Woche Sanctuarys Autoren bereithalten. Ich war positiv überrascht: Die Serie schlug keinen von beiden Wegen ein.

Nachdem in der ersten Staffel die Figuren etabliert und ihre Schwächen und Stärken anhand der Fall der Woche-Erzählungen präsentiert wurden, wurde jetzt alles Episode für Episode vertieft. Diesbezüglich fand ich Ashleys Abschied eine gelungene, wenn auch für Fans (sie haben sie wohl doch nicht gehasst) und Darstellerin, schmerzvolle Entscheidung. So bekam man Gelegenheit tief in die Seele von Helen Magnus zu schauen und den Bund zwischen ihr und Will zu stärken.

Besonders die drei Episoden nach Ashleys Tod waren ausschließlich mit der Inszenierung der Trauerverarbeitung seitens Helen. Und ja, sie ist kein gefühlsloser Roboter. Aber ein anderer machte in meinen Augen den großen Sprung in dieser Staffel, nämlich Henry. In der ersten war er für mich nur ein nerviges Anhängsel und Mitarbeiter, auf den man auch verzichten könnte. Nun, leisteten die Autoren mit Episoden wie Fragments großartige Arbeit seine Figur hervorzuheben, ihr, Bedeutung zu verleihen, so zu sagen unverzichtbar für die anderen Figuren und für den Zuschauer selbst zu machen. Andere gute Entscheidung war John Druitt (Christopher Heyerdahl) und Nicola Tesla nicht die ganze Zeit bei dem Sanctuary-Team verweilen zu lassen, sondern ihre Funktion als „Sonderereignisse“ zu behalten und somit kraftvolle Auftritte zu verschaffen, wie Teslas, wo er am Ende seine Vampirkräfte verliert, oder wie Druitts Gut-Böse-Transformationen, die von Heyerdahl eindrucksvoll umgesetzt wurden.

Der Neuzugang Kate Freelander (Agam Darshi) war auch ein Treffer, aber zu ihr kommen wir gleich. Will blieb für mich bis auf das Finale, die einzige Figur, mit der ich nicht viel anfangen konnte. Die Erzählstränge um ihn herum taten aber das Nötige dafür. Seine zusammen geklatschte Romanze mit Clara am Ende der ersten und am Anfang der zweiten Staffel wurde genauso abrupt beendet, so dass der eigentlich sehr geschickt eingefädelte Plan mit Helen und Will als Trauernden nicht so ganz funktionierte.

Misslungen fand ich auch das erzwungene Erzählen von Kates Vorgeschichte in “Penance”, einer Episode, die eigentlich nur mit dem Gastauftritt von Michael Shanks als Jimmy glänzte. Umso verschwenderisch ging man mit ihm um, um bloß Kates Vergangenheit auf die Schnelle zu präsentieren. Abgesehen davon aber, und diese Tatsache macht Penance noch unerklärlicher, fügte sich Kate in Sanctuarys Team sehr schnell ein.

Jetzt geht es zu … Big Bertha: Das Finale, die Doppelfolge “Kali” stellte den Höhepunkt von Sanctuary dar, bis jetzt. Nicht nur visuell (wunderschöne Mumbai und Tokyo-Aufnahmen), aber auch vom mythisch-mystischen Gefühl, das sie kreierte. Man fühlte sich doch ein bisschen an Indiana Jones erinnert. Die Elemente von Fantasy und Romanze, die das Finale hervorhob, anhand der Inszenierung und den hypnotischen Treffen zwischen Kali (aka Big Bertha, gespielt von Sahar Biniaz) und Will führten uns ins Märchenland des Bollywood-Geschichtenerzählens. Und das Finale nahm zwei Erzählstränge wieder auf: Helen Magnus verliert das Vertrauen der anderen Köpfe des Sanctuary-Networks und Big Bertha als das mächtigste Wesen auf Erden.

Minuspunkt war Callum Blue als der Bösewicht Edward Forsythe, der aus dem … Nichts kam. Sein Auftritt war eher komisch als bedrohlich. Im Gegensatz dazu kann ich endlich sagen: Toll gemacht, Robin Dunne (Will) buw. Toll getanzt. Wills Versuch Kali mit Hilfe einer Tanzchoreographie zu erreichen und sie zu besänftigen, war eine ganz große Bollywood-Nummer. Nur es hieß letztendlich: “YOU BETRAYED ME!!!” Aber glücklicherweise tat Sanctuary das nicht seinen Zuschauern und man kann sich trotz Unzulänglichkeiten auf die nächste Staffel freuen.

Sanctuarys erste Staffel: Bruchstücke fremder Geschichten

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Im Grunde genommen ergaben sich auf den ersten Blick (link) zu viele Probleme, die Sanctuary bekämpfen musste, um sich zu einer soliden Erzählung und vor allem zu einer soliden Unterhaltung zu entwickeln. Es fehlte an Hintergrund bei der Sanctuary-Mythologie. Sanctuary sah Mitte der Staffel immer noch wie ein zusammengewürfeltes Puzzle aus, das keine konkrete Form annehmen konnte und wollte. Man fand keine Balance zwischen dem coolen Videogame-Look, der Definition eines Endziels seiner Figuren und den intelektuell-philosophischen Fragestellungen, was Humanität wirklich ausmacht.

Sanctuary warf Episode um Episode mit Ideen um sich, bis man sich entschied in welche Richtung man gehen wollte. Letztendlich wurde (vermutlich) die richtige Entscheidung getroffen und die Narration bewegte sich (wie mittlerweile dramaturgisch üblich) von dem Monster der Woche zu einer mythologischen Auseinandersetzung. Zuerst gab man aber den Hauptfiguren etwas mehr an Hintergrund, um ihre Motivation für den Kampf gegen „das Böse“ zu untermauern. Die mysteriöse Helen mit ihrem Mona Lisa-Lächeln gewann mehr und mehr an Form und wir erfuhren, dass ihr langes Leben das Ergebnis eines Experiments zur viktorianischen Zeit war und sie zu einer Gruppe von brillanten Wissenschaftlern gehörte, die sich „The Five“ nannten und die Welt verändern wollten.

Das Ergebnis ihres Experiments mit einem Extrakt an sehr altem Vampirblut war, dass sie sich selbst veränderten. Zu dieser Gruppe gehörte Ashleys Vater und Helens Ex (Christopher Heyerdahl als John Druitt), den wir als Bösewicht und Jack the Ripper kennenlernten. Einer dieser Fünf ist auch Nicola Tesla, der als mächtiger Vampir das Ziel verfolgt eine Armee von Gleichgesinnten zu gründen. Angesichts der Tatsache aber, dass die Sanctuary und die ganze Welt von der Geheimorganisation namens Cabal bedroht werden, über die wir herzlich wenig Informationen bekommen, müssen alle ihre Spielchen vergessen und sich zusammen tun, um aus einer ehemaligen Geiheimstadt der Vampire ein Fläschchen mit dem uralten Vampirblut zu holen.

Dieses Blut soll (auf welche Art und Weise auch immer – habe ich nicht ganz verstanden) das von The Cabal geplanten Genozig an Menschen und „Abnormals“ (mit anderen Worten – Mutanten, die andere Bezeichnung dient hier dem Zweck Sanctuary von Dark Angel unterscheiden zu können) stoppen.

Man könnte sagen, dass diese erste Staffel hauptsächlich Helens Figur gehörte und dem Etablieren einer Grundlage für den Konflikt diente, der in der zweiten Staffel ausgetragen werden wird. Dann wird sich, meiner Meinung nach, der Blickwinkel von Helen auf Ashley und Will verschieben, da Ashley im Bann des Bösen gefangen ist und Will, Watsons Worten zufolge, derjenige ist, der sich um das Zusammenpuzzeln des Endspiels kümmern muss.

Übrigens das wird auch Zeit, denn den beiden Figuren konnte man in der ersten Staffel nicht wirklich was abgewinnen. Mindestens ich nicht. Obwohl ich den Dreieck Mutter-Tocher-Möglicher Liebhaber ziemlich gelungen fand. Dieser Dreieck wurde im Finale zu einem Viereck, denn Will kam dem neuen Mitglied (Rolle: smokin’ hot babe) des Teams Clara sehr nah. Endlich mal ein Kuss in der Sanctuary. Ob es dabei bleibt, wird die zweite Staffel zeigen, die nicht nur was romantische Beziehungen betrifft eine Menge Arbeit vor sich hat, um aus Sanctuary eine „gute“ Serie zu machen.
To Be Continued.

Sanctuary: Virtueller Trip ohne echtes Gras

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Die Macher von “Stargate Atlantis” und “Stargate SG-1” haben mit “Sanctuary” die erste “green screen” TV-Serie entwickelt, nicht nur in ihrem Sci-Fi-Genre, sondern überhaupt. Aber bevor wir zu dieser stilistischen Besonderheit übergehen, ein bisschen Vorgeschichte: Die eigentliche Premiere von Sanctuary liegt schon ein Jahr zurück. Es debütierte nämlich als Web-Serie auf SciFi.com und umfasste acht Episoden. Die innovative (und auch verhältnismäßig billige, wie wir sehen werden) Machart und der Erfolg der Webisodes veranlassten den Sci-Fi Channel, eine TV-Variante mit 13 Episoden in Auftrag zu geben.

Seit dem 03.10.2008 ist die Serie sowohl auf dem SciFi Channel als auch auf den kanadischen The Movie Network und Movie Central zu sehen. Im Schnitt begeistert sie 1,5 Millionen Zuschauer und ist damit zwar nicht so erfolgreich wie „Eureka“, aber erfolgreich genug für eine Eigenproduktion.

Man könnte die Serie thematisch in der Nachfolge von „The X-Files,” “X-Men,” “Men in Black,”  oder auch „Dark Angel“ verorten. Amanda Tapping (ein bekannter Sci-Fi-Star aus „Stargate: SG-1“), spielt die 157-jährige Wissenschaftlerin Dr. Helen Magnus. Zusammen mit ihrer Tochter Ashley (Emilie Ullerup) und dem Psychologen Will Zimmermann (Robin Dunne) macht sie Mutanten und andere Kreaturen ausfindig, rettet sie bzw. rettet die Welt vor ihnen und „studiert“ sie in ihrer Hochburg, genannt The Sanctuary. Und so kommen wir gleichzeitig zu den Vorteilen und Nachteilen der Produktion.

Ganz allgemein betrachtet, sieht Sanctuary als Serie gut aus. Als erste TV-Serie in Amerika wurde sie mit Hilfe der so genannten Red Camera aufgenommen. Bei diesem System wird direkt auf dem Harddisk aufgenommen und nicht mehr mit Film gearbeitet. Dadurch kann das Postproduction-Team sofort mit dem Material, das während des Drehtages geschossen wurde, arbeiten.  Dieses Vorgehen spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Bilder aus Red-Camera-Aufnahmen besitzen überdies eine mehr als doppelt so hohe Auflösung wie die einer High-Definition-Camera. Es wurden bei Sanctuary zwischen 300 und 400 Special Effects Shots pro Episode gemacht.

90 % der Sets sind vor einem Green Screen entstanden, d.h sie sind virtuell, was für eine TV-Serie absolut ungewöhnlich ist. Die Sanctuary-Räume haben teilweise einen dunklen Wide Angle Look wie in Computerspielumgebungen bzw. -räumen, aber die Schauspieler passen sich ihrer virtuellen Umgebung erstaunlich gut an – der anders lautenden Meinung mancher Kritiker zum Trotz. Damit keine Missverständnisse aufkommen, sei an dieser Stelle angemerkt, dass diese virtuelle Umgebung bei der Sichtung der Serie nicht anders funktioniert als ein normaler Filmset – mit dem Unterschied, dass es für die Schauspieler erheblich schwerer ist, während der Produktion mitten in einem grünen Nichts so zu agieren, als befänden sie sich zum Beispiel in den Katakomben einer mittelalterlichen Burg.

Das virtuelle Bild ist schon beeindruckend, keine Frage, aber das Problem der Serie ist, dass auch die Plots zu einer gewissen Virtualität neigen, zu einer gewissen Nicht-Existenz. Ja, es gibt gute erzählerische Momente, Momente, in welchen auch Spannung aufgebaut wird, aber die meiste Zeit besteht die Sanctuary-Welt aus Bruchstücken „fremder“ Geschichten, die wir schon besser erzählt gesehen haben. Patchwork ist ja nicht schlecht – das betreiben nicht wenige Serien; aber das Element des Eigenen lässt hier auf sich warten. Es fehlt an Hintergrund bei der Sanctuary-Mythologie: Woher kommen (die sonst super cool gemachten) Monster, welche gesellschaftliche Zustände herrschen, warum sehen bei „Außenaufnahmen“ die Sets so apokalyptisch aus, wer ist der wirkliche Gegenspieler von Dr.Magnus & Co etc.?

Diese Fragen werden in der Serie weder gestellt noch beantwortet (auch nicht virtuell). Nun, man weiß ja nie – vielleicht werden sich die Macher der Serie in einer zweiten Season auch ein bisschen mehr auf die Drehbücher konzentrieren und nicht nur auf die technische Seite der Produktion. Man könnte sagen, dass Sanctuary zwar „Stargate“-Niveau hat, aber noch nicht die narrative Wucht von „Battlestar Galactica“. Ob diese Serie überhaupt dahin kommen kann, ist für mich sehr fraglich (ich werde das Ganze natürlich trotzdem weiter verfolgen). Sie ist kein rechter Zugewinn für den Sci-Fi Channel, fällt aber auch keinesfalls negativ ins Gewicht. Wie man beim Pokern sagt: Nice move, but it doesn’t raise the stakes either.

Rookie Blue: Review des Piloten

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Zuerst gilt es, die Frage zu klären, ob Bambi ein Mann oder eine Frau ist. Vielleicht sollte man hierfür den Begriff „Mambi“ einführen? In der ursprünglichen Disney-Geschichte ist Bambi ja ein männlicher Hirsch, der nachher König des Waldes wird. In Rookie Blue jedoch dient „Bambi“ als Bezeichnung für ein weibliches Reh. Der Gerechtigkeit halber muss man anmerken, dass in der Cop-Serie von Rehböcken nur so wimmelt – also ist keiner benachteiligt. Oder?

Diese Einführung spiegelt eins der größten Probleme, mit dem die frisch gebackenen Polizisten an ihrem ersten Tag kämpfen müssen: nämlich zu entscheiden, ob es sich bei einem/einer Verdächtigen um einen Mann oder um eine Frau handelt. Die US-Kritiker bezeichnen Rookie Blue als „Grey’s Anatomy with uniforms and guns“. Ein großes Lob, würde ich sagen, denn Rookie Blue ist höchstens während des kurzen Zeitraums genießbar, in dem man für Bambi schon zu alt und für – äh -andere Sachen noch zu jung ist. Hübsche junge Menschen (zwei Männer und drei Frauen) dürfen den Job ausüben, für den sie schwer gebüffelt und von dem sie geträumt haben.

Nicht nur mit dem Alltag auf der Straße müssen sie fertig werden, sondern auch mit misstrauischen alten Hasen und heißen jungen Detectives (Platzhalter der jungen Doktoren aus einer Ärzteserie). There is no training that can prepare you for life on the streets, sagt der Chef. A propos: Welche Straßen eigentlich? Rookie Blue wurde in Toronto gefilmt, die Streifenwagen tragen die kanadischen Polizeifarben; die Zuschauer freilich müssen sich damit zufrieden geben, dass die Handlung in einer unbenannten Großstadt vor sich hin plätschert. Nicht gerade optimale Voraussetzungen für eine Cop-Serie, da hier für gewöhnlich die jeweilige Stadt mit ihrem speziellen ‚Lokalkolorit’ von immenser Bedeutung ist: liefert sie doch die Bühne des Geschehens, die Straßen, auf welchen Menschen Verbrechen verüben, auf denen Opfer leiden und die Helden den Frieden bewahren sollen.

Aber andererseits ist Rookie Blue eigentlich keine Serie darüber. Rookie Blue erzählt von fünf jungen Menschen – Andy McNally (Missy Peregrym), Traci Nash (Enuka Okuma), Gail Peck (Charlotte Sullivan), Dov Epstein (Gregory Smith) und Chris Diaz (Travis Milne) –, die wir Zuschauer auf ihrem Weg zum Sich-besser-Fühlen begleiten sollen.

“Don’t make me shoot you! This is my first day! Please!” Dieser Satz von Andy bildet tatsächlich ein Highlight dieser Auftakt-Episode: Er lässt nicht nur den Verdächtigen einfrieren, sondern bringt auch den Appell des Piloten an uns Zuschauer zum Ausdruck…

Persons Unknown: Finale – Review

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Persons Unknown wird vermutlich in die Reihe der Serien mit einem äußerst unbefriedigenden Ende eingehen. Die internationale Produktion, die NBC den ganzen Sommer durch die mediale Gegend geschubst hat, wird mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit keine zweite Staffel erleben.

Schon seit der Entstehung von Persons Unknown ging die Rede davon, eine abgeschlossene Produktion aus dreizehn Episoden anzubieten. Von daher würde sich die Frage gar nicht erst stellen, ob die Autoren dieses Finale in der Hoffnung auf eine zweite Staffel inszenierten… Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die letzte Episode tatsächlich als Serien- und nicht als Staffelfinale gedreht wurde, ergeben sich noch mehr Fragen.

Für mich glich die Persons Unknown-Erzählung einer relativ harmlosen Achterbahnfahrt. Die Serie hat definitiv ihre Momente und bringt nette Wendungen innerhalb der Narration, aber ein Niveau durchhalten oder gar kontinuierlich steigern konnte sie nie. Man hatte das Gefühl, Persons Unknown versuche nicht nur uns Zuschauer zu verwirren, sondern bringe sich im Zuge dessen selbst in Verwirrung. Dazu kommen die für solche Kammerspiel-Inszenierungen entscheidenden  schauspielerischen Leistungen, die unterm Durchschnitt bleiben.

Zugegeben: Mark – der sich als Janets Ex-Mann erweist – und Kat außerhalb der geheimen Stadt handeln zu lassen, war eine sehr gute Idee, denn das brachte nicht nur Entlastung für die Gruppe der „Auserwählten“, sondern man konnte die Enthüllungen auf beiden Seiten schön aufeinander zukommen lassen. Eine weitere gute Entscheidung, auf Figurenebene: das Hinzufügen von Erika/Teresa zur Gruppe. Sie brachte die nötige Abwechslung und Unruhe, da sich die Teamdynamik festzufahren drohte.

Zurück zum Hauptthema, zu The Program: The Program analyzes vast amounts of information about how the world is going. Und es führt Experimente mit Menschen durch, die darauf abzielen …  ja: worauf eigentlich? Das ist der Vorstellungskraft des Zuschauers überlassen, wie auch so einiges Andere. Das Programm ist eine Institution, ein Überwachungsapparat, der die Welt so sehr durchdrungen zu haben scheint, dass er selbst zur Welt geworden ist. Die Welt ist das Programm und überwacht sich selbst. Aus diesem Grund stimmt Jos Behauptung, dass es keinen Weg aus dem Programm gebe… Nein, den gibt es nicht. Nur einen zweiten Level. Willkommen in Level 2! Das sind die letzten Worte im Persons Unknown-Finale.

Wir kommen zur Eingangsfrage zurück: können wir überhaupt von einem Finale sprechen? Das Finale ist eigentlich ein Neustart. Die Serie fängt von vorne an: genau an dem Zeitpunkt, wo wir einige enthüllende Informationen bekommen haben; etwa die Erkenntnis über Janets Mutter oder dass es ein Gefangenenlager gibt. Außerdem wurde uns mehrmals mitgeteilt, dass Janet „besonders“ sei. Aber sind das nicht alle? Wie wir sehen, schafft es die ganze Gruppe (wenn auch ungewollt) bis zum Level 2. Abgesehen von Tori – aber sie ist nicht tot, wie wir dachten, sondern Hotel Manager Nr. 3 für die neue Gruppe von „Auserwählten“, die Jo wieder einmal betreuen darf. Zu dieser Gruppe gehört auch Mark, während Kat zusammen mit Toris Vater im Gefangenenlager sitzt.

Man muss zugeben, dass das Finale mit  spektakulären Überraschungen aufwartet – diese aber bringen genauso spektakuläre Fragen mit sich, nach ihrem Zustandekommen nämlich. Oder scheint euch alles nachvollziehbar, und eure Fragen sind beantwortet? Mein persönlicher Eindruck war ganz einfach der, die Autoren hätten im Serienfinale endgültig das Handtuch geworfen und sich auf die Zuschauer verlassen –  nach dem Prinzip „Sie werden sich schon was zusammenreimen“… Mich würde es interessieren, was ihr euch zusammengereimt habt und was ihr insgesamt von Persons Unknown haltet. Besteht vielleicht die Qualität der Serie genau darin, keine Antworten zu liefern, sondern der Vorstellungskraft das Feld zu überlassen?

Persons Unknown: Review des Piloten

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Ich wundere mich immer, wie es so viele Serien schaffen, einen Titel zu wählen, der den Inhalt – zumindest den ihres Piloten – so treffend beschreibt. NBCs Persons Unknown bleibt für mich nach der Sichtung des Piloten … unknown. Ich persönlich konnte mich nicht entscheiden, was das für eine Serie sein soll und welche Geschichte sie erzählen will. Das kann gut, aber auch schlecht sein. Hängt von den persönlichen Vorlieben ab – und auch davon, wie viele schon vorhandene TV- und Filmsituationen Persons Unknown eins zu eins umsetzen will: Ein bisschen Lost, ein bisschen Saw, ein bisschen The Prisoner. Nun: Sobald eine Serie eine bunte Mischung für die eigenen Ziele gut zu inszenieren weiß, habe ich persönlich kein Problem damit. Die Frage ist, ob  Persons Unknown überhaupt etwas Eigenes hat?

Nach dem Piloten zu urteilen, hat die Serie anscheinend Großes vor. Sie will und soll im Laufe ihrer dreizehn Episoden die Antworten auf zahlreiche Fragen liefern. Und da geht’s schon los: Der Pilot ist an sich eine einzige große Frage. Sieben Personen aus unterschiedlichen Teilen Amerikas mit unterschiedlichen Berufen und Lebensweisen werden – anscheinend ohne Grund – entführt und in ein Hotel irgendwo im Nirgendwo eingesperrt: die allein erziehende Mutter Janet (Daisy Betts), Joe (Jason Wiles), der gar nichts über sich erzählen will, der Marine-Soldat Graham (Chadwick Boseman), der Banker Charlie (Alan Ruck), Moira (Tina Holmes), Mentorin im Schulwesen, das Partygirl Victoria (Kate Lang Johnson) und der Autohändler … Aber der Verlauf der Erzählung legt uns nah, dass nicht alle Figuren den gleichen Status haben, also nicht ‚gleich unterschiedlich‘ sein sollen.

Wenigstens nicht für uns Zuschauer: Von Anfang an sind wir durch die Kamera und später auch durch den Nebenplot an Janet gebunden. Als sie verschwindet, nimmt sich ein San Francisco-Reporter ihrer Geschichte an, nur um herauszufinden, dass sie sowohl mit ihrem Ex Probleme hatte als auch mit ihrer Mutter. Während er mit der Mutter redet, sehen wir die Szene aus dem Point of View einer Überwachungskamera – und das ist nicht das erste Mal, das unser Blick an den solcher Kameras gekoppelt wird.

Anscheinend sind sie überall. Die Frage ist: Wer beobachtet die Geschehnisse und unsere Protagonisten, während sie orientierungslos und ängstlich durch die Gegend stolpern, um herauszufinden, wo sie sich befinden und warum? Persons Unknown versucht im Piloten, die komplette Post-Palette in die Waagschale zu werfen: post-9/11-Ängste, post-nukleare, post-moderne und post-Familiensituationen etc. Vielleicht ohne zu merken, dass das alles zur Zeit einfach „post“ ist.

Aber trotzdem können wir ja mal unter Horrorfilmbeleuchtung und verträumten Kameraschwenks als The Shining in den Fahrstuhl steigen und versuchen herauszufinden, wer hinter dem Ganzen steckt. Ist es Reality-TV? Ist einer der Beteiligten ein Bösewicht? Warum wurden sie ausgewählt? Wo befindet sich diese Stadt? Ist es ein Test, ein Spiel? Waren aus diesem Grund die Zimmerschlüssel in der Bibel versteckt? Warum ist in der Hotellobby „Beautiful Dreamer“ zu hören?

Unsere Helden können die Stadt nicht verlassen, denn in ihrem Körper befinden sich – vereinfacht gesagt – Kapseln mit Betäubungsmittel, die per Fernbedienung aktiviert werden können und sie dann ohnmächtig zur Erde fallen lassen. Aber warum sollte man überhaupt irgendwo anders hin wollen, wenn sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein chinesisches Restaurant befindet, in dem man das beste Essen serviert bekommt – von chinesischen Köchen, die plötzlich da sind? In den Glückskeksen finden alle eine Nachricht. Auf Janets Zettelchen, das sie vor den anderen nicht vorliest, steht: If you kill your neighbor, you’ll go free. Also doch die Saw-Variante?

Wie man sieht, besteht der Pilot nur aus Fragen. Ich muss zugeben: ich wüsste die Antworten gern – aber ausgehend von den Quoten bezweifle ich, dass ich dieses Wissen erlangen werde.

Memphis Beat: Das Finale der ersten Staffel

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Man hat das Gefühl, dass die erste Memphis Beat-Staffel mehr oder weniger unter Ausschluss der Kritiker-Augen stattfand. Einen Bericht über TNT-Produktion bei Google zu finden, ist eine Herausforderung. Dabei blieben die sehr guten Quoten vom Piloten weiterhin  konstant (im Schnitt 4,4 Millionen) und die Serie belegte am Dienstag sogar den zweiten Platz hinter HawthoRNe unter den weiblichen Zuschauern zwischen 25-54. Was bekamen diese Zuschauer eigentlich geboten?

Ich werde meine Worte aus dem Review zum Piloten wiederholen und sagen, dass was die Atmosphäre betrifft, „Memphis Beat“ absolut sehenswert ist. Eigentlich ist es erstaunlich wie sehr der Rest der Staffel eine Kopie des Piloten war. Das kann sowohl positiv als auch negativ gewertet werden. Die schon angesprochene Atmosphäre bot die Möglichkeit mit den Figuren und ihren Storys Vieles anzustellen. Aber Memphis Beat nutzte diese Chance nicht wirklich.

Ich hatte das Gefühl, dass die Serie „Angst“ davor hat den Schritt zu machen und sich stattdessen in die Procedural-Sicherheit wog. Für die erste Staffel ist es auch prinzipiell empfehlenswert so zu tun, aber trotzdem habe ich mir gewünscht, dass aus den zaghaften Versuchen Dwights inneren Konflikt darzustellen und aus den Beziehungen auf Familien- und  Arbeitsebe mehr wird.

Die Staffel kommt tatsächlich kaum über ihre Begeisterung für Memphis hinaus. Die TNT-Produktion ist gefüllt mit Musik und exzentrischen Figuren, aus welchen aber viel zu wenig gemacht wird. Vor allem Alfre Woodard als Dwights neue Vorgesetzte Tanya Rice schafft es, meiner Meinung nach, nicht die gewünschte Chemie mit Dwight oder dem Rest vom Cast aufzubauen.

Hat Memphis Beat eine zweite Staffel nötig? Ich glaube nicht. So sehr ich die Atmosphäre und die audiovisuelle Umsetzung mag, konnte ich kein Interesse für die Figuren und die durchschnittlich spannenden Fälle der Woche entwickeln, und bezweifle, dass eine zweite Staffel daran etwas ändern würde. Trotzdem wird TNT Elvis vermutlich am Leben lassen.