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Serenity

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Der Film Serenity bildet einen Abschluss der Firefly-Erzählung, nicht aber ihren Schluss.

Nachdem die Entertainment-Industrie von all den Browncoat-Fans in Erstaunen versetzt wurde, fand sich NBC Universal bereit, Joss Whedon mit knapp 50 Millionen Dollar seine Weltraum-Cowboy-Saga abschließen zu lassen. Wenn man Insider-Berichten Glauben schenken darf, dann hat das Studio Whedon einen noch größeren Gefallen getan: nämlich, sich aus dem Ganzen herauszuhalten. Heraus kam ein Film für „Firefly“-Fans, nicht für den “normalen” Kinogänger, der mit der Serie nichts am Hut hat – daher die mittelmäßigen Bewertungen der “objektiven” und “neutralen” Betrachter. (Diese beiden Wörter sollte man sowieso sparsamer benutzen und sich zuerst fragen, ob eine objektive Betrachter-Position überhaupt möglich ist.) Seine Qualitäten entfaltet „Serenity“ nur als Teil von „Firefly“, dem er einen überzeugenden vorübergehenden Schlusspunkt setzt. Warum vorübergehend? „You can’t stop the signal!

Ich gehe davon aus, dass die Leser dieses Artikels „Serenity“ bereits kennen und ich mich direkt auf den Kern des Films stürzen kann, ohne ausführlich die Handlung wiedergeben zu müssen. Sie entwickelt sich nämlich um ein Dreieck, das Whedon im Laufe von „Firefly“ schon vorgezeichnet hat: Alliance – River (Serenity) – Reavers. Die Verbindung zwischen diesen drei Punkten wird über das wiederholte Auftauchen eines Satzes in leicht abgewandelten Variationen hergestellt: „They never lay down!

Die „Serenity“-Produzenten schaffen einen glatten visuellen Übergang von der Serie zum Film und bedienen sich dabei sogar des Universal-Logos. Wir haben gesehen, dass die letzte „Firefly“-Episode „Objects in Space“ so endete, wie sie anfing: mit einem bunten Ball im Zentrum des Bildes.

Am Anfang der Episode handelte es sich um den Planeten, am Ende um den Ball, den River in der Hand hält. „Serenity“ zeigt uns nun, dass das Schicksal der Planeten tatsächlich in Rivers Händen liegt. Vielleicht eröffnet der Film aus diesem Grund mit einem Bild, das eine visuelle Verbindung zur Serie herstellt: Das Universal-Logo verwandelt sich in die Erde und führt uns nicht nur in die Geschichte des „Firefly“-Universums ein. Eine weibliche Stimme erzählt aus dem Off, wie es zur Gründung der Alliance kam, zum Anfang vom Ende. Diese Einführung der Zuschauer in die Welt „Serenity“s ist visuell sehr geschickt orchestriert und vollzieht sich anhand zweier entgegen gesetzter Bewegungen: Als sich vor unseren Augen das Universal-Logo in die Erde verwandelt (Einführung in das Universum), fährt die Kamera zurück. Etwas später füllt die Überschrift “Serenity” den Bildschirm aus und präsentiert zugleich den Filmtitel, aber auch Serenity selbst: Denn auch hier fährt die Kamera zurück, und der Filmtitel entpuppt sich als Aufschrift an der Wand des Schiffes. Wir treten also ein, indem wir einen Schritt zurück machen, um uns sozusagen vom Dargestellten und Erzählten ein Bild machen zu können: vom Close-Up zu einem Long Shot (establishing shot).

Nun bekommt auch die erzählende Stimme eine Trägerin: Es sind Rivers (Summer Glau) Kindheitserinnerungen, erzählt von ihrer Lehrerin (Tamara Taylor). Als River der Lehrerin widerspricht und erklärt, dass Menschen es nicht mögen, “belehrt” zu werden, sieht es so aus, als würde die Lehrerin River einen Stift ins Auge stecken. Schnitt auf Blau. River ist im Labor, und Nadeln werden in ihren Kopf gesteckt. Wir erfahren, warum die Alliance River sucht: sie kennt ihre Geheimnisse. Ihr kindlicher Widerspruch enthielt Wahrheit: Alliance undReavers sind die zwei Seiten derselben Münze – genauer gesagt: wenn man Menschen ruhig stellt, ihnen vorschreibt, wie sie zu denken und sich zu verhalten haben, bekommt manReavers als Ergebnis. In „Serenity“ erfahren wir, dass die Reavers im Zuge eines Experiments der Alliance entstanden sind: Mit dem Gas Pax wollte man den ultimativen Frieden schaffen: ultimative Ruhe. Und das funktionierte so gut, dass die Menschen auf dem Planeten Miranda, ganze 30 Millionen, aufhörten… zu leben. Bis auf diejenigen, bei welchen das Mittel die umgekehrte Wirkung hatte. Sie wurden ultimativ gewalttätig und überquerten die Grenzen des menschlichen Verstandes, ja des Menschseins selbst: „They’re animals“, sagte Jayne. „They made them“, sagt Wash.

Was Whedon hier tut, ist, die Machtmechanismen und die Gewalttätigkeit patriarchaler Ordnungen und Systeme bloßzustellen. Die patriarchale Gesellschaft mit all ihren Auswüchsen wie Early, Niska, The Operative und den Reavers wird einem zerbrechlichen siebzehnjährigen Mädchen entgegen gesetzt, an einem Ort, der – filmgeschichtlich gesehen – männliche Diskursen bedient (abgesehen von Filmen wie „Alien“). Dieses Mädchen verkörpert aber gleichzeitig eine tödliche Waffe, wie wir in der Barszene sehen, als River mit tödlicher Eleganz ihre Gegner neutralisiert. Diese Kampfsequenz gleicht einem Tanz: „She always did love to dance“, sagt Simon (Sean Maher) zu dem Alliance-Arzt, bevor er es schafft River zu befreien. (Auf der Metaebene ist dies übrigens ein Hinweis auf Summer Glaus tänzerische Fähigkeiten.) River ist wie ein „leaf on the wind“: sie schwebt graziös durchs Leben – aber das Blatt kann sich in eine Messerschneide verwandeln, um bei der bildlichen Metaphorik von „Objects in Space“ zu bleiben.

Rivers bewusstes Einsetzen von Gewalt jedoch – gegen die Reavers nämlich – geschieht im Interesse der Community, der Serenity-Familie, um sie zu retten. „Like this facility, I don’t exist“, sagt The Operative (Chiwetel Ejiofor). Er ist Jubal Early ähnlich, stellt sich allerdings – eine Stufe weiter – in den Dienst eines Ideals, indem er sein Selbst auslöscht: „We are making better worlds.“ Aus diesem Grund hat er keinen Namen, denn er ist die Leere. Diese versucht er, wie Early, mit Erklärungen philosophischer Natur zu füllen, um weiter machen zu können.

He didn’t lie down. They never lie down“, sagt River, als der Reaver an Bord der Serenityvon Mal (Nathan Fillion) getötet wird. Damit wird die Rastlosigkeit des patriarchalen Systems beschrieben, das niemals schläft – und in einer nächsten Szene Rivers zwiegespaltene Position innerhalb des Dreiecks. Wieder einmal wird uns River liegend gezeigt; wieder aber sehen wir auch ihre Erinnerungen. Dort befiehlt die Lehrerin den Kindern, sich auszuruhen: „Lie down.

Rivers Antwort: „No.

Hier kommt die Seite der Rebellion, die in ihr geschürte Gewalt zum Vorschein: „The girl or the weapon?

River ist eigentlich wie die Reavers: daher auch die Ähnlichkeit der Namen. Beide sind gewissermaßen Erzeugnisse des Systems, aber River ist etwas verschoben, anders: Ihre Rebellion ist eine höchst ethische – seitens des männlichen Diskurses von Mal in gewissem Sinne unterstützt. Rivers Verweigerung gegenüber der Lehrerin wird auf visueller Ebene erklärt, indem man verweste, liegende Leichen zeigt – die Bilder in Rivers Kopf. Ihre Rastlosigkeit, Miranda zu finden und die Wahrheit aufzudecken, hat ein Ziel und einen ethischen Charakter, während die anderen „Misbehave“-Erzeugnisse, die Reavers, weder soziale Verantwortungen noch Ideale kennen: Sie leben pure Gewalt, die männliche Natur in ihrer wahren Form, befreit von sozialen Zwängen.

She is an albatross“, sagt The Operative über River. Doch sie ist mehr. Sie ist die Diagonale im Bild, die die Vertikalen und Horizontalen stört. Oft wird sie aus der Untersicht gefilmt, was sie groß erscheinen lässt und ihr so auch eine Machtposition verleiht; sie steht schräg im Bild (Min. 59:30 zum Beispiel) – ihr Kopf (oben links) bildet das eine Ende der Diagonalen und die Waffe in ihrer Hand (unten rechts) das andere. Sie erst bildet dritte Seite des Dreiecks der Whedonschen Pyramide, die für Familie, Zusammenhalt und Menschlichkeit steht.

Schon der Beginn des Films hat uns Whedons ethische Abschluss-Aussage visuell vermittelt: Man sollte die Welt nicht von außen besser machen wollen, sondern von innen, indem man die eigene Menschlichkeit beibehält.

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Firefly: Objects in Space (1×14)

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Objects in Space bildet den Schlüsselpunkt der Erzählung, die Firefly nicht mit einer vollen Staffel erzählen durfte. Die Episode vervollständigt das Bild von Firefly, das Joss Whedon & Co. seit den allerersten Sekunden vor den Augen der Zuschauer malen. Objects in Space ist Rene Magritte in Space. Das ist keine Pfeife, sagt uns das berühmte Bild von Magritte, auf dem eine Pfeife zu sehen ist. Ein Objekt kann sich seiner Benennung entziehen, kann einfach davon gleiten und sich eine neue suchen, eine andere, die vielleicht das Objekt nicht von außen beschreibt, sondern seinem Wesen entspricht.

Objects in Space’s Kern ist River. Die Episode vollendet den Prozess, über den ich schon gesprochen habe: River wird als Teil der Crew, als Subjekt akzeptiert. Sie entzieht sich endgültig der Objektivierung, aber auf eine sehr überraschende und philosophisch angehauchte Art und Weise. Warum spreche ich über die Objektivierung? Wir erinnern uns, dass River auf zweierlei Art und Weise zum Objekt gemacht wurde: auf der einen Seite von der Alliance und auf der anderen durch das fehlende Vertrauen seitens der Crew, den Mangel an Akzeptanz. Die zweite Art der Objektivierung geschieht, wie wir gesehen haben, anhand der visuellen Präsentation Rivers innerhalb der Serenity-Räume – und anhand der auditiven: es wird über sie gesprochen, sie wird beschrieben, benannt.

Sie hat nicht die Möglichkeit, außerhalb dieser Beschreibung sie selbst zu sein. In dieser Hinsicht kann man Mals Satz „Hör auf, mich zu beschreiben!“ (habe leider vergessen, aus welcher Episode er stammt) River in den Mund legen.

Was ist, wenn man etwas falsch beschrieben hat oder wenn es sich jeder Beschreibung entzieht? Joss Whedon demonstriert uns das mit an Jaynes verzweifelter Suche nach Worten, um River zu beschreiben: Hexe, Seherin, Psycho etc. River ist kein beschreibbares Objekt. Anhand ihrer Figur inszeniert Whedon einen philosophischen Versuch, die Essenz des Selbst zu retten, sie frei schweben zu lassen. Der Autor selbst erzählt in den Kommentaren zu den DVDs, dass er von existenzialistischen philosophischen Schriften beeinflusst wurde, als er an Objects in Space arbeitete: etwa Sartres Nausea, die er in Rivers Alter gelesen hat.

Man kann an diesem Punkt etliche Überlegungen anstellen und fragen, ob Whedon versucht hat, an River als Figur seine eigenen Erfahrungen in einem prägenden Lebensabschnitt darzustellen. Ich jedoch werde mich hier darauf konzentrieren, aufzuzeigen, wie die Serie Rivers Prozess des Teilwerdens von Serenitys Crew, ihr Subjektwerden erzählerisch vollendet.Erst durch das Eindringen eines fremden Objekts/Subjekts, den Kopfgeldjäger Jubal Early an Bord von Serenity, entfaltet sich das River-Bild vor unseren Augen – und auch vor den Augen der Crew. Nachdem Early es geschafft hat, die komplette Crew auf die eine oder andere Weise auszuschalten, zwingt er Simon, ihn auf der Suche nach seiner Schwester durch die Schiffsräume zu begleiten. Dabei verwickelt er ihn in eine ungewöhnliche Unterhaltung, die uns Zuschauer realisieren lässt, was die Autoren mit River gemacht haben: Sie wurde nie durch die Kameraeinstellungen sexualisiert, wie es mit Inara und Kaylee der Fall ist, obwohl ihre Figur nicht nur als Mädchen, sondern auch als Frau funktionieren könnte.

River wird jedoch nicht als Objekt romantischen Interesses eines Crew-Mitglieds dargestellt – Early hegt falsche Vermutungen, als er sie nicht in ihrem Zimmer findet. River hat kein Zimmer, sie ist ohne Zuhause, sie schwebt so lange davon, bis sie verschwindet und eins mit dem Schiff wird. Zumindest glauben das die anderen Figuren – und wir Zuschauer glauben es auch: nur mit Hilfe unserer Firefly-Erfahrung ist das möglich. Zwar wird uns Zuschauern, wie schon in früheren Reviews erwähnt, immer zugestanden, mehr über River zu wissen als der Rest der Crew – aber trotzdem bleiben wir immer einen Schritt zurück: Auch uns schwebt River davon.

Am Anfang der Episode durchläuft River Serenity – und wir mit ihr: zum ersten Mal aus Rivers Point of View. Sie trifft auf die Crew; aus ihrer Perspektive gesehen, werden die Crewmitglieder aus ihren entspannten Tätigkeiten oder Gesprächen gleichsam “herausgenommen”, um mitzuteilen, was unter der Oberfläche liegt, was sie eigentlich empfinden und denken, aber nicht sagen. Nur weil wir uns in Rivers Position befinden, sprechen die Figuren auch zu uns. Damit lässt man uns zugleich fühlen, was River fühlt, wenn sie Gedanken liest. Und mit River zusammen heben wir das Stück Holz im Lagerraum: „It’s just the object. It doesn’t mean what you think.“ Im nächsten Moment trennt sich die Kamera von ihr, und wir sehen sie mit einer geladenen Waffe in der Hand – und die komplette Crew in Panik.

River doesn’t mean what you think“, lautet hier die Botschaft an die Crew. Geschickt werden dann die Ebenen gewechselt, als River vorgibt, mit Serenity eins geworden zu sein: Während wir visuell und auditiv Zeugen werden, wie River Early “liest”, ist es die Crew, die River als Serenity “fühlt” und auf der metaphorischen Ebene denkt – während River sie zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hat und pragmatisch der Crew hilft, Early auszuschalten. Earlys Problem, von River benannt, besteht darin, dass sich in ihm das Nichts befindet. Hieraus handelt er: obwohl er versucht, seinem Handeln Bedeutung zu verleihen, bleibt es leer. „The plan is like the room, empty!

Am Ende der Episode wird Early selbst zum Object in Space: er gleitet ins Nichts und seinem Tod entgegen. Serenity wiederum gleitet weiter durch das Nichts – mit einem Unterschied: Zwar sind wir alle Objekte, die ihrem Ende entgegen gleiten, aber die Zeit, die wir dafür brauchen, können wir als Subjekte nutzen, indem wir mit Anderen Beziehungen eingehen und aufhören, allein dem Ende entgegen zu schweben. Dann kann das Ende genau die Bedeutung haben, die wir ihm geben. Dasselbe gilt für Fireflys Ende!

Firefly: Heart of Gold (1×13)

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Bühne frei für die glorreichen Sieben. Heart of Gold ist eine Western-Episode, auch wenn Laserpistolen zum Einsatz kommen. Und der Titel der Episode ist nicht nur der Name des Bordells, um das sich die Handlung dreht, sondern bezieht sich auf mehrere Herzen: auf Mals, Inaras und Nandys. Nandy (Melinda Clarke) ist die Besitzerin des Bordells. Melinda Clarke wurde interessanterweise um die Zeit (der Firefly-Produktion) durch eine ähnliche Rolle berühmt, nämliche die der Domina Lady Heather in CSI, wo sie dem CSI-Chefermittler Gil Grissom,CSI (William Petersen) den Kopf verdrehte.

Hier schafft sie es, Mal den Kopf zu verdrehen – als nämlich die Serenity-Crew ihrem Hilferuf folgt und die unabhängig arbeitenden Prostituierten – sie gehören nicht der Gilde an – vor dem chauvinistischen Landlord verteidigt. Interessanterweise entscheidet sich Mal, nicht des Geldes, sondern Inaras wegen zu helfen, da Nandy eine alte Freundin von Inara ist und selbst Companion war.

Heart of Gold ist in ihrem Herzen eine weitere Episode über die Beziehung von Mal und Inara, die eigentlich keine ist und werden will. Übrigens dürfen wir Morena Baccarin mit lockigen Haaren bewundern, da Heart of Gold vor The Message gedreht wurde. Weitere kleine feine Details, die uns auffallen: Mal gibt allen die Anweisung, nicht auf die Pferde zu schießen – wohingegen im Piloten er derjenige war, der auf die Pferde schoss. Außerdem trägt er dieselben Klamotten, mit welchen er in Shinding zum Ball ging. Vermutlich kein Zufall – denn das sind die Episoden, wo der Cowboy die Ehre der Dame verteidigt (bzw. der Prostituierten). Was wiederum Jayne in die Euphorie treibt:
Jayne: „Don’t know these folks. Don’t much care to.
Mal: „They’re whores.
Jayne: „I’m in.

Und tatsächlich: mit Herz, Händen und Waffen ist Jayne dabei. (Und muss nicht mal in his bunk zwischendurch…) Mal wiederum kommt, glaube ich, erstmals in dieser Episode der Gedanke, dass Inara auch ein Herz für ihn hat.

Dafür ist der Landlord herzlos, was Frauen betrifft: „Let us remember right here and right now, what a woman is to a man!“ Wie man es von Joss Whedon kennt, bleiben solche Aussagen in The Verse nicht unbestraft. Als der patriarchale Leader Burgess, dessen Kind die Prostituierte Petaline mit Simons Hilfe zur Welt bringt, Heart of Gold angreift, eskalieren die Ereignisse. Obwohl – was die Gefühle betrifft, eskalierte alles bereits in der Nacht davor, als Nandy Mal verführte und mit ihm schlief: „Well, lady, I must say you’re my kind of stupid.“ Beide passen in gewissem Sinne tatsächlich zusammen, denn sie lieben und verteidigen das, was sie haben – ihre Häuser und Familien, Serenity und Heart of Gold. Inara findet heraus, was passiert ist… und bricht in einem einsamen Moment in ihrem Zimmer unter Tränen zusammen.

Großartige Leistung von Nathan Fillion in der letzten Szene, als Inara ihm mitteilt, dass sie gehen wird. Sein Gesichtsausdruck spricht, wie man es so schön sagt, Bände. Dasselbe gilt für zwei weitere Szenen, die ich zum Abschluss erwähnen möchte: Die Aufnahmen von der Serenity-Crew mit einem langsamen Schwenk von links nach rechts: The Magnificent Eight marschieren Richtung Heart of Gold… und das Gespräch zwischen Zoe und Wash, aus dem wir erfahren, dass Wash derjenige ist, der keine Kinder haben möchte.

Aber – und das gilt für vieles hier: wenn man/frau zu lange wartet, kann es zu spät werden …

Firefly: The Message (1×12)

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The Message ist auf der Emotionsskala des Firefly-Universums die traurigste Episode. Dafür gibt es mehrere Gründe und zwar nicht nur inhaltliche. So weit bekannt war es die letzte Episode, die gedreht wurde, bevor die Firefly-Crew sich trennen musste. Aus diesem Grund wirkt die letzte Szene im Schnee wie ein authentischer Abschied. Auch auf der auditiven Ebene ist die Atmosphäre von Abschiedsgedanken erfüllt. Das „Sad Violin“-Musikthema ist ständig präsent und spiegelt nicht nur die Atmosphäre der Episode wieder, sondern ausgehend von der Geschichte der Serie selbst, ein trauriges Zurechtfinden mit ihrem eigenen Schicksal.

An dieser Stelle wussten die Beteiligten, dass ihre Space-Odyssee zu Ende geht, dass sie genau dem zum Opfer gefallen sind, vor dem sie in ihrer fiktionalen Welt wegrennen, der Alliance in Gestalt von FOX. Wenn man es auf dieser Ebene weiter denkt, kann man sagen, dass der Film „Serenity“ nicht nur der Versuch eines Schlusspunktes ist, sondern eine Abrechnung mit dem Network, das Firefly tötete. Die Ereignisse auf dem Planeten Miranda spiegeln die Arbeit eines Networks: Man will eigentlich alles besser machen und den Menschen einen Gefallen tun, ihr Leben verbessern. Und manchmal geht das nach hinten los, wie im Fall der Reavers. Das ist The Message!

Für viele Kritiker der Serie schienen die kleinen Szenen zwischen Simon und Kaylee belanglos oder wie Seifenoperversuche, aber sie stellen jedes Mal eine unaufdringliche Verbindung zum Hauptplot her und arbeiten gleichzeitig an der Entwicklung der Figuren bzw. an ihrer Präsentation. Denn The Message ist zwar eine weitere Episode über Vertrauen und Familie, aber sie stellt einen Vergleich zwischen Tracey und Simon her. Was haben die beiden miteinander zu tun?

Fangen wir von vorne an: Mal und Zoe bekommen eine überdimensionale Postlieferung, die einen Sarg enthält. Im Sarg entdecken sie mit Entsetzen ihren alten Kriegskameraden Tracey. Anhand von Flashbacks werden wir Zeugen von der Zeit der drei im Unabhängigkeitskrieg. Und insbesondere von der Tatsache, dass Tracey sich immer darauf verlassen konnte, von den beiden Kameraden durchgebracht zu werden. Die Eigensinnigkeit bzw. die Erwartungshaltung, dass Freunde ihr Leben für dich riskieren werden, um dich zu retten, ist nicht nur Traceys Charakterisierung, sondern gleichzeitig Kritik an Simon.Kurze Zeit später erfahren wir, dass Tracey gar nicht tot ist, sondern sich in den Zustand selbst versetzt hat, um Alliance-Mitglieder zu entwischen, die illegalen Organhandel betreiben. Dabei rechnet er damit, dass Mal und Zoe auf seine Nachricht, die er in den Sarg mit eingepackt hat, reagieren werden. Und wenn man mit dem Schicksal spielt, kann aus dem Spiel Ernst werden. Man wird sozusagen eingeholt. So geschieht es auch mit Tracey, denn im Grunde nutzt er die Serenity-Crew für die eigenen Zwecke aus – unter dem Vorwand der Treue und der Freundschaft (Mal und Zoe).

Genauso wie Simon die Crew ausnutzt für seine eigenen Zwecke und sie damit in höchste Gefahr bringt. Das Gespräch mit Kaylee am Anfang der Episode ist nicht nur ein Beweis für Simons romantisches Mißgeschick, sondern eine Aussage darüber, dass er das Leben auf Serenity in erster Linie aus eigenem Nutzen gewählt hat und nicht für das Leben an sich. Wenn man so will, sind diese kritischen Töne und die Auseinandersetzung mit Traceys Situation und seinem Handeln der letzte Schritt der Eingliederung von Simon in die Serenity-Familie.

Traceys Eigensinnigkeit und das Ausnutzen der Freundschaft und Hilfsbereitschaft von Mal und Zoe holen ihn am Ende ein. Er stirbt – diesmal wirklich – durch Mals Hand, da Tracey auf ihn eine Waffe richtet und Kaylee als Geisel hält. Dadurch zeigt er sein wahres Gesicht.

Am Ende, als Mal & Co. Traceys Leiche zu seinen Verwandten bringen, wie er in der ursprünglich falschen Nachricht wünschte, hält Simon Kaylees Hand. Teil der Serenity-Familie zu sein als freie Wahl und nicht aus der Not und für die eigenen Zwecke: This is The Message!

Und die zweite, auf der humorvollen Seite, steckt in diesem Gespräch, als Jayne die Strickmütze (von seiner Mutter geschickt) aufsetzt:

Jayne: „How’s it sit? Pretty cunning, don’tchya think?
Kaylee: „I think it’s the sweetest hat ever.
Wash: „A man walks down the street in that hat, people know he’s not afraid of anything.
Jayne: „Damn straight.

Firefly: Trash (1×11)

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Ohne Familie wird man nackt in einer Wüste stehen und sich wundern, warum man noch am Leben ist. In dieser Episode stellt Firefly nicht nur Genres einander gegenüber, sondern auch Lebens- und Figurenkonzepte innerhalb desselben Genres. Auf der einen Seite steht der einsame Cowboy, der keine Familie hat und jeden Job für Profit annimmt, um seinem Leben einen Sinn zu verleihen – die alte Variante des Söldners. Wer steht auf der anderen Seite? Der Cowboy, der zwar alleine antritt, um seine Cowboy-Würde zu behalten, aber seine Freunde und Familie hat, um die er sich kümmert und die seinen Rücken in schwierigen Situationen decken. Hiermit sind natürlich Mal und Saffron (Christina Hendricks) gemeint, die in dieser Episode wieder auftaucht. Interessanterweise sind Mal & Co. streng genommen auch Söldner, aber sie sind zusammen, ein Team und wie wir gesehen haben, handeln sie nicht ohne Rücksicht auf Verluste.

Joss Whedon führt mit Trash, mit der Episode die es nie auf die TV-Bildschirme schaffte, die rhetorischen Kämpfe aus Our Mrs. Reynolds fort und zu einem Showdown. Es handelt sich hier um einen Showdown zwischen einer Cowgirl und dem Cowboy, und der letzte ist der mit der Familie. Interessante, aber typische für Joss Whedons Universum Umkehrung. Wer den Showdown gewinnt, entscheiden letztendlich nicht die Geschwindigkeit bei dem Umgang mit einer Waffe oder der eigenen Zunge. Das Vertrauen macht hier den Unterschied. Nicht in sich, sondern in anderen, im Team, in der Familie.

Denn Trash ist eine Episode über Vertrauen und Sich-Verlassen-Können. Ohne Vertrauen kann man nicht nackt und entspannt auf einem Stein in der Wüste sitzen und sarkastisch sagen: „That went well.“ Mit Mal, genau in der beschriebenen Lage, eröffnet die Episode in medias res, um dann zurückzuspulen und uns zu zeigen, wie es dazu kam. Mal trifft einen alten Kriegskameraden, namens Monty, nur um zu erfahren, dass dieser schwer verliebt ist und geheiratet hat. Ich darf vorstellen – Bridget.Und plötzlich sind wir mittendrin in einem heftigen Kampf, denn Bridget ist Saffron, der wir bereits in Our Mrs. Reynolds begegnet waren! Und Mal vergeudet keine Sekunde bzw. versucht mit Waffe in der Hand einem geschickten verbalen Hinters-Licht-Führen zuvorzukommen. Das Ende vom Lied – Monty lässt vorsichtshalber beide – Saffron und Mal – zurück und fliegt enttäuscht und gekränkt von dannen. Da Mal physisch die Überhand behält, muss Saffron gehen. Oder nicht? Bekanntlich hat sie immer einen Plan. Als Nächstes sehen wir sie in Serenitys Küche Mal und der Crew von einem lohnenswerten Job erzählen. Es handelt sich um einen Antiquitätenraub.

Kurz vor dieser Szene geraten Mal und Inara in einen Streit über die Berufe, die die beiden ausüben und über die Tatsache, dass beide schon eine Weile keinen Auftrag hatten. Inara wirft dabei Mal vor, dass er ihre Arbeit sabotiert. Vielleicht schlägt Mal tatsächlich mit einer Klappe zwei Fliegen: Bewusst geht er der Alliance aus dem Weg und unbewusst hält Inara davon ab, ihrem Beruf nachzugehen.

Saffrons Auftauchen ist dann nicht unbedingt eine Tatsache, die Inara friedlicher stimmt. Erst am Ende zahlt sich wirklich aus, was hier die Firefly-Autoren inszenieren. Denn sie sind diejenigen, die mit einer Klappe zwei Fliegen schlagen: Auf der einen Seite zeigen sie uns, dass was zwischen Mal und Inara keimt, anfängt zu wachsen. Und auf der anderen führen sie uns in die Irre, da keiner damit rechnen kann, dass Inara Teil von Mals Plan ist. Und in diesem geht es darum „to play the player“, Saffron in ihrem eigenen Spiel zu schlagen.

Aber auf dem Weg dorthin erfahren wir noch mehr über Mrs. Reynolds. Als sie und Mal den reichen Alliance-Offizier (Durran) ausrauben wollen, der auf seiner im Himmel schwebenden Insel (die Architektur dort erinnert an die Arbeiten von Kenzo Tange und Tadao Ando) mit Antiquitäten aus der Erde, wie sie früher mal war, sammelt – darunter ist auch eine Telefonzelle zu sehen – stellt es sich heraus, dass Saffron auch mit ihm verheiratet war, und das ganze sechs Jahre lang.

Allerdings unter dem Namen Yolanda, was dazu führt, dass Mal sie Yo-Saf-Bridge nennt. Und Yo-Saf-Bridge kann man nicht vertrauen. Wenn schon die rhetorischen Spielchen keinen Erfolg bei Mal bringen, dann die physischen – in Gestalt von Tränen. Aber Mals Anteilnahme ist diesmal auch gespielt und Mrs. Reynolds Handeln – ihn zu hintergehen – vorausgesetzt. Nun, ihn komplett nackt in der Wüste zu lassen, eher weniger. Dafür kann Mal einer anderen Frau trauen, die Teil seiner Crew ist.

Inara zeigt Saffron am Ende, das sie von der Serenity-Crew ausgespielt wurde. Gleichzeitig in einer sehr schönen Szene, als Jayne nach einem Stromschlag während des Jobs für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt wird, erteilt ihm Simon eine Lektion über Vertrauen. Simon erzählt dem bewegungslosen Jayne, dass er und River wissen, was Jayne auf Ariel tat und trotzdem ihn als Teil der Serenity-Familie sehen, ihm vertrauen und er sollte das Gleiche tun. Diese Szene korrespondiert mit der Unterhaltung vom Anfang der Episode, in der auf verspielte Firefly-Art der Inhalt der kompletten Episode thematisiert wird:
Jayne: „Well, as a rule, I say, girlfolk ain’t to be trusted.
River: „Jayne is a girl’s name.

Firefly: War Stories (1×10)

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Diese Episode beginnt mit einem dramaturgischen Eingriff, der meiner Meinung nach sehr typisch für Joss Whedons Arbeit ist. Anhand einer Unterhaltung über ein explizites Ereignis wird implizit das Thema der entsprechenden Episode mitgeteilt. In diesem Fall sprechen Book und Simon darüber, was die Alliance River angetan hat, und Book erzählt über das Schaffen von Shan Yu (De Sade des Firefly-Universums), das eine grausame Hauptprämisse enthält: Durch die extreme Folter kann man das wahre Sein, die Essenz eines Menschen ans Tageslicht befördern.

Ausgehend davon, dass Firefly direkt nach 9/11 das Licht der Welt erblickte, kann man darüber spekulieren, dass diese Einführung Joss Whedons Art an der Diskussion über Folter, Wahrheit und Menschlichkeit teilzunehmen war. Shepherd Books Erklärung, warum man River gefoltert haben könnte, stößt auf wenig Verständnis bei Simon, denn die Präzision mit der an River gearbeitet wurde, lässt auf einen ganz bestimmten Zweck und ein ganz bestimmtes Ziel schließen. Wie schon erwähnt, liefert diese kleine Szene das narrative Fundament für die Episode War Stories, die die Natur des Selbsts untersucht bzw. wie der Kern dieses Selbsts sich unter extremen Bedingungen, wie physischer Folter, manifestiert. Geht es dabei darum, die wahre Natur zu zeigen oder sie zu bewahren?

Um das herauszufinden, schicken die Firefly-Autoren Mal und Wash direkt in Niskas (aus The Train Job) Arme. Hiermit behält Firefly die Tradition bei, Figuren aus früheren Episoden in die Handlung wieder einzubauen, um so die Konsistenz des Firefly-Universums zu gewährleisten und das Beziehungsgeflecht dichter zu gestalten. Denn in der allerersten Szene mit Niska in dieser Episode sehen wir ihn einen Menschen foltern und danach fragen, ob er die Arbeiten von Shan Yu kennen würde, genauso wie davor Book Simon gefragt hat.

An diesem Punkt ahnt man schon, dass für die Serenity-Crew der Tag der Abrechnung mit dem sadistischen Niska gekommen ist. Die Auseinandersetzung mit Niska zeigt uns wiederum, dass das Serenity-Team als solches funktioniert. Das meinte ich mit dem dichten Beziehungsgeflecht. Denn die Situation, in die Mal und Wash geraten, beleuchtet wiederum die Dreieckbeziehung zwischen den beiden und Washs Ehefrau Zoe. Bisher wurde die Andersheit ihrer Beziehung nur anhand von kleinen humorvollen Einlagen geschildert und uns klar gemacht, dass Zoe generell nicht für ihren Mann kocht (Our Mr. Reynolds). Warum erwähne ich gerade dieses Beispiel?

Weil in War Stories, die von Firefly erzählten unterschiedlichen Konzepte von Beziehung und Sexualität, von Rollenzugehörigkeit, von Männer- und Frauenbildern zusammengefasst werden. Ich werde an dieser Stelle mich nicht von den Einzelheiten verführen lassen und nur die wichtigsten für diese Auseinandersetzung Szenen erwähnen, ansonsten wird dieses Review kein Ende nehmen können.Was Firefly so komplex macht sind Szenen, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen und später in der Episode enormes emotionales Gewicht bekommen. Am Anfang der Episode sehen wir River und Kaylee, die in Serenitys Räumen Fangen spielen. In dieser Szene wird nicht nur eine mögliche Freundschaft zwischen den beiden impliziert, sondern auch das Mädchenhafte der Figuren gezeigt. Außerdem wird damit die entspannte Atmosphäre an Bord geschildert. Was wir am Ende der Verfolgung sehen, ist, dass es um einen Apfel ging. Die frischen Äpfel wurden wiederum aus unerklärlichen Gründen von Jayne spendiert. Damit wird sein schlechtes Gewissen angedeutet und auf die letzte Episode verwiesen.

Außerdem benutzt man die Äpfel, um Zoe die Möglichkeit zu geben eine Kriegsgeschichte („War Story“) zu erzählen, in der es um sie und Mal ging und um Äpfel und Granaten (Formähnlichkeit). Damit leitet man gleichzeitig den Konflikt zwischen ihr und Wash ein, der es nicht mehr ertragen kann, dass Zoe so eine enge Bindung mit Mal hat und letztendlich – für seine Verhältnisse – hochgeht. Wie wir sehen: Mit einer Klappe zwei Äpfel. Was uns zum nächsten Teil der Firefly-Themenkonstruktion führt, nämlich zu Inaras Besuch. Sie bekommt einen weiblichen Besuch, was den Rest der Crew mit offenem Mund (in Jaynes Fall voller Apfelstückchen) stehen lässt und zu einem One-Liner seitens Jayne führt, der für immer im Gedächtnis der Firefly-Fans bleiben wird: „I’ll be in my bunk.

Dieser Satz kommt nicht nur noch einmal im Laufe der Episode aus Jaynes Mund, sondern damit wird War Stories beendet, als Zoe und Wash zu Mal sagen: „We will be in our bunk.“ Denn Zoe steht zu ihrem Mann … zu ihren Männern: „Take me, sir. Take me hard.“ Das sagt Zoe, mit ihrem typischen ernsten Gesichtsausdruck, zu Mal, nachdem sie Wash gerade „wife soup“ gemacht hat. Schockierend? Nicht im Geringsten. Es ist der krönende humorvolle Abschluss einer langen von Mal inszenierten und Wash mitgespielten Unterhaltung über die Bindung, die Mal mit Zoe hat. Dadurch erreicht Mal, dass Wash während der Folter bei Niska nicht zusammenbricht.

Als die Crew Niskas Station stürmt um Mal zu befreien, nachdem Zoe schon Wash und das eine Ohr von Mal abkaufen konnte, schließt sich der Kreis, den die Serie mit dem Spiel von River und Kaylee anfing zu zeichnen. Kaylee kann im entscheidenden Moment nicht abdrücken, aber River – nachdem sie zuerst nur einen Blick auf die Szene wirft – erschießt ohne zu gucken drei von Niskas Leuten. Zu Kaylee sagt sie: „No power in the ‘verse can stop me.“ Das ist derselbe Satz, den Kaylee im Spiel zu ihr sagt. Damit beschreibt Firefly eigentlich sich selbst, als eine Erzählung die auf der Oberfläche humorvoll erscheint, aber das Ernste des Lebens miterzählt. Für mich eine der am besten konstruierten Firefly-Episoden!

Firefly: Ariel (1×09)

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Diese Firefly-Episode leitet die Ereignisse mit einem weiteren Hinweis darauf ein, dass Rivers (Summer Glau) Verständnis für Ereignisse und ihre Situierung in einer bestimmten Zeit ein non-lineares ist. Damit korrespondiert sie interessanterweise direkt mit dem filmischen Aufbau von Out of Gas. Genauso wie beim Auffinden des von den Reavers gekaperten Schiffs wird für uns Zuschauer erst später im Verlauf der Episode klar, dass River von einem Ereignis wusste, bevor alle anderen es registriert haben. Oder soll man besser sagen: Sie hat es gefühlt?

River sagt eigentlich nicht die Zukunft voraus, sondern sie „liest“ die Gegenwart, sie interpretiert das Handeln anderer, sie „fühlt“ sie und versucht, ihre Gefühle mitzuteilen. Ihre Direktheit wirkt dann erschreckend auf andere, störend. In Ariel verstehen wir endlich, was die Alliance River angetan hat. Simon und die Crew schmuggeln River in ein Alliance-Krankenhaus auf dem Planeten Ariel, und Simon kann sie untersuchen. Er stellt fest, dass die Alliance-Ärtze etwas aus Rivers Gehirn entfernt haben und sie dadurch ihre Gefühle nicht kontrollieren bzw. das, was sie fühlt nicht verarbeiten kann. Alles dringt zu ihr ungefiltert durch. Sie kann im metaphorischen Sinne die Augen nicht zumachen.

Dafür kann das Jayne: Augen zu – und Simon und River der Alliance ausliefern. Jaynes möglicher Seitensprung wurde schon seit dem Anfang der Serie immer wieder thematisiert, aber in Ariel kommt es wirklich dazu.Simon hilft Mal & Co., teure Arzneimittel zu entwenden im Tausch für ihre Hilfe, River hereinzuschmuggeln. Aber Jayne hat seine Rechnung ohne die Alliance gemacht und wird von dem verantwortlichen Kommandanten hintergangen. Aber er und Simon schaffen es, sich von ihren Bewachern zu befreien. Währenddessen hat der Alliance-Offizier die Rechnung ohne die Männer mit den blauen Händen gemacht und muss dafür mit seinem Leben bezahlen – wie auch die komplette Alliance-Crew. Hiermit zeigen uns die Autoren nicht nur wie brutal die Blue Hands sind, sondern dass sie über jedem Gesetz stehen. Schließlich zögern sie nicht einmal, wenn es darum geht, Alliance-Soldaten zu töten. Ihre Entschlossenheit, River zurückzubekommen, zeigt uns wiederum von welchem Wert sie für die Alliance ist.

Die Szenen der physischen Folter bis zum Tode dienen hier genau diesem Zweck: Es geht nicht darum, uns zu schockieren, sondern klarzustellen mit welchem Gegner man sich angelegt hat und auch wie wichtig River ist. Außerdem macht Ariel bezüglich Serenitys Crew einen weiteren bedeutenden Schritt, nämlich Simon auch in die Position eines Helden zu erheben. Beispielhaft dafür ist die Szene, als er einem Patienten das Leben rettet und damit die ganze Operation gefährdet und später Jayne auf eine gewisse Art verzeiht, was er tat. Damit haben wir in Firefly Simons Figur als den moralischen Helden und Mal als den Anti-Helden. Und Jayne als gar keinen Helden. Mal weiß das, aber trotzdem zählt für ihn Jaynes Erkenntnis, einen Fehler begangen zu haben, der Wunsch gegen seine Natur anzukämpfen. Aus diesem Grund verschont ihn Mal am Ende, nachdem er herausfindet, was er getan hat.

Die letzte Szene zeigt uns River, die Matrjoschkas zeichnet. Damit wird metaphorisch der Vorgang inszeniert, den man in Bewegung gesetzt hat – mit jeder Episode eine Schicht von Rivers Mehrschichtigkeit zu entblößen. Bis sie endlich … sie selbst ist.

River: „Is it time to go to sleep again?
Simon: „No, mei-mei. It’s time to wake up.

Firefly: Out of Gas (1×08)

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Hätte FOX die vorgesehene Ausstrahlungsreihenfolge eingehalten, wäre Out of Gas genau an dem Platz, für den die Episode vorgesehen war. Denn Out of Gas ist eine Mitte-der-Staffel-Episode, die nicht so sehr dafür gedacht ist, – Flashbacks können täuschen – uns die Figuren und ihre Eigenschaften zu präsentieren, sondern zu rekapitulieren, zusammenzufassen. Damals, nach der Ausstrahlung auf FOX, konnte man viele Reviews lesen, die diese Episode kritisierten, vor allem weil die Flashbacks aus der Vorgeschichte der Figuren keine neuen Aspekte hinzufügten und keine Enthüllungen boten. So ist es ja auch.

Meiner Meinung nach war es aber auch so gewollt. Die Flashbacks sind eine Art liebevolle Bestätigung der Charakterisierung, die alle im Laufe der bisherigen Episoden erfahren haben. Um diese Episode zu genießen, muss man die Serenity-Crew schon kennen. Out of Gas bringt keine Enthüllungen, sondern sie verleitet den Zuschauer dazu, die Handlungen und die Reaktionen der Crew noch mehr nachzuvollziehen. Außerdem wird den Zuschauern nahe gelegt, was vielleicht in absehbarer Zukunft passieren könnte. Ein kleines Beispiel, um das zu veranschaulichen, ist der Flashback vom ersten Treffen zwischen Mal, Zoe und Jayne. Wir sehen, wie Jayne als Teil einer Räuberbande Serenity ausräumen und sogar in seine Gewalt bringen will. Aber Mal bietet ihm bessere Arbeitsbedingungen an. Jayne schießt einfach seinem bisherigen Chef ins Bein und wechselt sofort die Seiten. Es ist nicht nur die Charakterisierung von Jayne in dieser Szene enthalten, sondern auch die Befürchtung, dass irgendwann in der Zukunft Jayne ein noch besseres Angebot bekommen könnte und dann vielleicht wieder die Seiten wechselt.

In dieser Episode treffen sich alle von Fireflys Themen und Farben. Warum Farben? Out of Gas entfaltet sich nicht nur anhand einer non-linearen Erzählung, sondern mit Hilfe unterschiedlicher Farbpaletten. Man wechselt zwischen Grün, Sepia-Gelb und Blau, um die unterschiedlichen Zeitabschnitte zu präsentieren und sie zu interpretieren. Denn die Flashbacks von Mal, wie er damals Serenity kaufte und seine Crew zusammenstellte, sind von Licht durchströmt. Das Licht lässt sich auf jedes Detail nieder und das sepia-gelbe Leuchten der Bilder kreiert eine Atmosphäre der Unbesorgtheit, der Aufbruchstimmung.

Damit korrespondiert die Szene aus der nahen Vergangenheit, in der die Crew in warmes gelbes Licht getaucht am Tisch sitzt und entspannt über Books Klostergeschichten lacht. Die Farbe wechselt zu grün, als die Situation später immer gefährlicher wird. Und das Bild aus der Gegenwart, in der Mal sich mühsam Schritt für Schritt durch die Räume quält, wird dann zum kalten Blau. Die musikalische Begleitung enthält ein Thema, das von den Machern „sad violin“ genannt wird und eigentlich immer mit dem Tod einer Figur verbunden ist. Wir erinnern uns: Das Thema erklang auch, als Mal Simon anlog, Kaylee sei tot, und damit eine auditive Täuschung für die Zuschauer schuf. Im Fall von Out of Gas wird mit Musik und Farbe (die blaue Erzählung) eine Unausweichlichkeit orchestriert, ein Zustand der Trauer über Serenity, die leblos im Weltraum schwebt.Die eigentliche Dauer der Episode beträgt nur ein paar Minuten, in denen Mal, der angeschossen in der leeren Serenity liegt, sich durchkämpfen, das Ersatzteil anbringen und das Schiff wieder in Betrieb setzen muss. Jeder Schritt des Helden wird aber zerschnitte -, in Bilder, die zwischen seinen eigenen Erinnerungen (oder sind das Serenitys Erinnerungen?) und der nahen Vergangenheit wechseln und uns aufklären, wie alles begann, und gleichzeitig, wie alles enden könnte.

Während die Crew am Tisch versammelt scherzt und anschließend Simons Geburtstag feiert, hat Serenity eine Fehlfunktion. Es kommt nicht dazu, dass Simon die Kerzen auspustet, denn plötzlich wird alles von einem Feuerball weggepustet und das Schiff hört auf zu funktionieren. Serenity ist nur mit Hilfe eines bestimmten Ersatzteils, das man nicht besitzt, wieder in Gang zu setzen. Ansonsten sind alle einem qualvollen Tod geweiht – durch Erfrieren und Ersticken. Mal teilt alle acht in zwei Gruppen auf und schickt sie mit den Rettungsbooten weg. Sie sollen ihr Glück versuchen und Hilfe suchen, während er bei Serenity bleibt.

Was Joss Whedon & Co. hier machen, ist eine klassische Western-Inszenierung, die den Helden von seinen Gefährten getrennt präsentiert und uns zeigt, wie er das große Unheil abwenden kann. Gleichzeitig wird auch eine Liebesgeschichte zwischen dem Captain und seinem Schiff erzählt, ein Porträt von Mal Reynolds und seinen Konflikten mit Freunden, Feinden und dem dunklen Unausweichlichen. Out of Gas‘ Funktion ist, den Helden seinen Status verdienen zu lassen, seine Crew und seine Serenity. Am Anfang der Episode hören wir eine Stimme, vermutlich eines Verkäufers, die aus dem Off redet: „Tell you what. You buy this ship treat her proper, she will be with you for the rest of your life!

Erst am Ende sehen wir, dass der Verkäufer – im Flashback – zu Mal spricht, aber über ein ganz anderes Schiff, während Mal daneben steht, nicht zuhört und verträumt in eine andere Richtung schaut, zu ihr, zu Serenity.

Firefly: Jaynestown (1×07)

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Jaynestown ist eine der bekanntesten Firefly-Episoden. Sie wird von den Joss Whedon-Fans vor allem für das berühmte Ballad of Jayne-Lied geehrt. Aber das zusätzliche Vergnügen neben der Jayne-Herostory bereitet das, was darunter liegt, was Joss Whedon typisch in einer humorvollen Verpackung versteckt abliefert. Denn, obwohl auf den ersten Blick unterschiedlich und nicht zusammenhängend, erzählen die drei Geschichten in dieser Episode das Gleiche.

Mal & Co. müssen einen Job auf dem Planeten Canton über die Bühne bringen, auf dem Planeten mit dem Jayne (Adam Baldwin) eine, seiner Meinung nach, unangenehmen Vergangenheit teilt. Umso größer der Schock, als sie entdecken, dass mitten im Dorf der versklavten Arbeiterbevölkerung ein Denkmal von Jayne steht und er zum Volkshelden ernannt wurde. The Hero of Canton wird regelmäßig auch mit seinem eigenen Song gefeiert: The Ballad of Jayne. Es erweist sich, dass die Bevölkerung die damaligen Aktionen von Jayne falsch interpretiert hat und daran glaubt, dass er das Geld von Magistrate Higgins geklaut hat, um es unter den Armen zu verteilen. Dabei handelte es sich, wie Jayne erklärt, um eine Notlösung damit er mit seinem getroffenen Schiff überhaupt fliehen konnte – Ballast abwerfen.

Aber wenn auch im Verlauf der Episode und mit dem Auftritt seines damaligen Partners, den er zurückließ, alle die Wahrheit erfahren, ändert das nichts am Glauben der Einheimischen. Einer wirft sich sogar vor Jayne und wird von der Kugel getroffen, die für Jayne gedacht war. Der Mann opfert sein Leben, was für Jayne keinen Sinn ergibt: „Don’t make no sense.“ Mal sagt zu ihm: „Ain’t about you, Jayne. It’s about what they need.“ Jaynes Legende ist wichtig für das Canton-Volk, weil sie ihm Hoffnung gibt.In der Zwischenzeit sehen wir auch eine lustige Aneinanderreihung von Szenen zwischen River und Book an Bord von Serenity. River repariert Books Bibel („Fixing your bible. It’s broken.“), indem sie die Stellen herausreißt und editiert, die für sie keinen Sinn machen. Man kann sagen, dass River selbst der Bibel gleich ist, sie „doesn’t make sense“ für die Crew und Simon versucht sie zu reparieren, genauso wie River das mit der Bibel macht. Books Erklärungsversuch ist im Grunde genommen eine Aussage über den Prozess, den die Serenity-Crew mit River durchmachen muss: „It’s not about making sense. It’s about believing in something and letting that belief be real enough to change your life. It’s about faith.“ Das heißt, die Crew muss lernen an sie zu glauben, ihr zu vertrauen. Und darauf werden wir bei der Besprechung von Objects in Space zurückkommen.

Währenddessen hat Inara einen Kunden, den Sohn von Higgins, Fess, der noch Jungfrau ist. Der Vater besteht darauf, dass sie aus ihm einen Mann macht. Nachdem Inara mit Fess schläft, drückt er seine Enttäuschung aus, sich nicht verändert zu fühlen, aber Inara erklärt ihm, dass “Mann werden” eine Sache ist, die er alleine erledigen muss. Diesem Ratschlag folgend widersetzt sich Fess zum ersten Mal seinem dominanten Vater und lässt Serenity fliehen.

Wir sehen, dass alle drei Geschichten miteinander verbunden sind und ausgerechnet River ist diejenige, die es auf den Punkt trifft: „I tore these out of your symbol, and they turned into paper!

In Jaynestowns Erzählungen sind die Symbole nicht das, worauf sie hinweisen, sondern sie repräsentieren etwas mehr, etwas was wichtiger ist. Die falsche Interpretation, der falsche Schein produzieren hier etwas Wahres.

Firefly: Our Mrs. Reynolds (1×06)

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Our Mrs. Reynolds ist eine der interessantesten Firefly-Episoden in Joss Whedons Oeuvre. Neben all den speziell für Firefly zusammen gebastelten intergalaktischen Sprachkombinationen aus dem Englischen und Chinesischen demonstrieren Joss Whedon & Co. mit dieser Episode zweierlei: die Gewalt der Sprache und das Ausüben dieser Gewalt im “Kampf” der Geschlechter. Gleichzeitig – vor allem bezüglich Mals Figur – zeigt uns die Serie, wie differenziert sie ihre Figuren behandelt und nicht davor zurückschreckt, sie für ihre Makel zu strafen.

Natürlich auf liebe- und humorvolle Art. Our Mrs. Reynolds macht ihrem Titel definitiv Ehre. Nachdem die Serenity-Crew diesmal erfolgreich einen Job für die Bewohner eines Planeten erledigt hat, muss das Ganze gefeiert werden. Am nächsten Tag – nach der ausgiebigen Feier – stellt sich heraus, dass der Serenity-Crew ein kompletter Erfolg wieder einmal nicht gegönnt wird. Jedenfalls nicht ihrem Captain Reynolds! Warum nenne ich ihn plötzlich beim Nachnamen? Weil es Zeit ist, offiziell zu werden und Mrs. Reynolds zu präsentieren, die mit Vornamen Saffron heißt. Das Mädchen ist angeblich Mals Geschenk von dem Dorf, dem geholfen wurde – und offenbar hat Mal sie letzte Nacht (in betrunkenem Zustand) geheiratet.

An diesem Punkt beginnt ein geschickt konstruiertes Spiel, vor allem von Saffrons Seite: die nämlich ist als alles andere als ein unschuldiges, weltfremdes Dorfmädchen, das der Bibel und den Regeln ihrer Gemeinde folgt. Sie hegt den Plan, die Serenity Weltraumpiraten auszuliefern – und fängt an, ihn Schritt für Schritt zu verwirklichen. Kann man ein Weltraumschiff mit rhetorischen Waffen in seine Gewalt bringen? Wobei “frau” hier richtiger wäre. Saffron gelingt es nämlich. Fast.

But she was naked! And all articulate!“ sagt Mal, der das eigentliche Opfer ist… und der eigentliche Entmachtete in dieser Episode. Nicht nur in seiner Position als Captain, sondern auch als Mann blieb Mal bislang niemandem eine Antwort schuldig. Auf der Serenity hat er das Sagen und dadurch die Kontrolle. Bis er von Saffron verführt wird. Dabei handelt es sich nicht nur um den physischen Aspekt des Wortes, sondern – und vor allem – um den rhetorischen. Schon im ersten Gespräch zwischen den beiden gelingt es Saffron, ihre Verletzlichkeit zu konstruieren und dadurch gleichzeitig verbale Kontrolle über Mal zu erlangen: „But … you know I’m to cleave to you?

Diese Frage versetzt Mal in eine schwächere Gesprächsposition, da er keine Ahnung hat, wie er diese Frage beantworten soll. Daher auch seine Antwort: „To-whubba-who?“ Nach dem nächsten Satz „Did Elder Gommen not tell you?“ verbessert sich die Lage für ihn nicht, da er Saffron einen Wissensvorsprung einräumen muss. Beim ersten Hören scheinen die beiden Sätze absolut unwichtig, aber sie bewirken etwas Entscheidendes: nämlich Mal auf seinem eigenen Territorium aus dem Konzept zu bringen. Saffron stoppt nicht hier, sondern nutzt Mals Unsicherheit aus, indem sie vorgibt, auf seine Entscheidungsgewalt angewiesen zu sein: Sie erhebt ihn in die Rolle des Beschützers und erweckt in ihm Scham wegen seiner Grobheit und Direktheit. Umso lustiger vor diesem Hintergrund die Eröffnungssequenz, als Mal und Jayne, verkleidet als Mann und Frau, (Mal) Rollen spielen: „How can you shame me in front of new people?“ fragt Mal.

I’m sorry that I shame you“, sagt Saffron, nachdem er behauptet, sie seien nicht verheiratet. Damit trifft sie genau Mals so genannte ethische Schwachstelle, die wir auch in Shindig erleben durften. Mal sagt zu Jayne, der seine Lieblingswaffe namens Vera für Saffron eintauschen will: „She needs our protection.“ Was Saffron tut, ist, direkte Konfrontationen zu vermeiden: sie widerspricht nie, fordert nichts… Genau aus diesem rhetorischen Spielchen resultiert der Humor in dieser Episode: Genau wie Inara weiß Saffron die emotionalen Schwachstellen zu finden und an ihnen wie an den Saiten einer Gitarre zu zupfen. Außerdem weiß sie Bedürfnisse anzusprechen mit deren Befriedigung zu locken: „Does your crew never show interest in your life?

Als Nächstes findet er sie nackt in seinem Bett, bewaffnet nur mit einer sexuellen Metapher, in Bibelsätze verpackt. Mals Reaktion: „Oh. Good bible.“ Bezeichnend für Mal in dieser Episode: entweder bringt er seine Sätze nicht zu Ende (was ihm sonst so gut wie nie passiert) oder hat gleich nur knappe Ausrufe als Reaktion parat. Die Szene kurz davor ist emblematisch dafür. Mal: „I never even…“ Saffron lässt ihn nicht ausreden: „My name is Saffron.

Nachdem Saffron Mal durch ihren Betäubungskuss außer Gefecht gesetzt hat, ist der Nächste dran, nämlich Wash. Für ihn verpackt sie das sexuelle Versprechen in eine mythologische Erzählung von der Erde, wie sie einmal war. Washs Antwort lautet: „Oh. Good myth.“ In beiden Fällen macht sie die Männer beinah sprachlos. Nach wie vor: nicht nur die sexuelle Metaphorik verhilft zur Verführung, sondern die Beschreibung des eigenen Lebens als nichtig. Das Mitleid, das sie dadurch hervorruft, kombiniert sie mit dem Vermitteln des Gefühls, dass genau der eine Mann, den sie gerade anspricht, ‘the one and only’ sei, der ihr eine glückliche Nacht bescheren könne: „A few days I’ll be back to that life and gone from yours. Make this night what it should be. Please. Show me the stars.

Wash kann ihr zwar widerstehen – man(n) ist ja vorsichtig, wenn man mit einer „warrior woman“ verheiratet ist -, aber Saffron setzt ihn physisch außer Gefecht. Da ein Kuss, hier ein Schlag. Mals Beschreibung ihrer physischen und rhetorischen Macht trifft also absolut zu. Nun: die einzige, die Saffrons Zaubermacht gegenüber Immunität beweist, ist Inara. Kein Wunder: Sie ist nicht nur auch eine Frau, sondern beherrscht das von Saffron gespielte Spiel durchaus selbst, was wir in den vorherigen Episoden gesehen haben.

You would lie with me?“ fragt Saffron. „I guess we’ve lied enough“, antwortet Inara. Sie nimmt sofort das Sprachspiel auf und versucht die Kontrolle zu übernehmen, aber rhetorisch vermag Saffron auch Inara in die Irre zu führen: „Malcolm Reynolds’ widow“ sei sie, gibt Saffron als Antwort auf Inaras Frage. Danach geschieht etwas, das sich mittlerweile als dramaturgisches Mittel im seriellen Erzählen etabliert hat, vor allem in Erzählungen “Kriegen sie sich oder nicht”. Wir nennen es einfach mal “Kuss, der keiner ist”. Inara küsst Mal, da sie glaubt er sei tot, und fällt selbst in Ohnmacht. Dadurch wird der tatsächliche Grund für den Kuss – Inara hat Gefühle für Mal – verschleiert. Der Kuss wird als “bewusster” ungeschehen gemacht.

Und was hat wohl Mal mit Saffron gemacht, nachdem er ihren Zufluchtsort gefunden hat? „What’s your real name?“ (Mal)

Das steht in den Sternen.