Category Archives: Firefly

Firefly: Safe (1×05)

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Mal: „Well, look at this! Appears we got here just in the nick of time. What does that make us?
Zoe: „Big damn heroes, sir.
Mal: „Ain’t we just? Sorry to interrupt, folks, but y’all got something that belongs to us, and we’d like it back.
Patron: „The girl is a witch.
Mal: „Yeah, but she’s our witch.

Heute fange ich mit dem Ende an, denn es enthält genau zwei Entwicklungen, die es als Erstes zu thematisieren gilt und die beide River und Simon betreffen. Durch den bisherigen Verlauf der Serie wurden nur wir Zuschauer mit zusätzlichen Informationen versorgt, die uns die Wichtigkeit von River für die fortlaufende Geschichte andeuten. Teilweise geschieht das Mitteilen dieser Informationen auf rein visueller Ebene. Wie ist das gemeint?

Das erste Mal, als wir River sehen, geschieht das aus dem Point of View von Mal, anhand eines High Angle Shot, der zeigt, wie sie in einer Fötusposition in dem Container liegt. Sie wird auf eine Art neu geboren und ist zunächst ein absolutes Rätsel für alle, inklusive der Zuschauer. Sie wird verbal und visuell auf einen Objektstatus reduziert. Es wird über sie geredet, aber nicht mit ihr (bis auf Simons Versuche). Sie wird immer wieder, wie ich schon erwähnt habe, irgendwo kniend oder liegend gezeigt, immer aus der Sicht Anderer, aber selten wird die Welt aus ihrer Sicht gezeigt, es sei denn, es handelt sich um ihre Alpträume, die sich eigentlich als Erinnerungen erweisen. Es sind Erinnerungen an einen Objektivierungsprozeß, dessen Folgen sie wegzustecken versucht und dem sie seitens der Alliance unterzogen wurde.

Ihr Kampf besteht darin, nach dieser Neugeburt auf Serenity ihren Status als Subjekt wieder zu erlangen. Zunächst wird sie als ein hysterisches Kind präsentiert. Wir Zuschauer haben aber einen Wissensvorsprung, denn wir bekommen die Männer mit den blauen Handschuhen zu sehen, die sie suchen, und wir ahnen durch River, was mit dem verlassenen Schiff in Bushwacked passiert ist. Hier wird sie wie eine Kassandra-Figur dargestellt, eine Seherin, eine, die anders ist, bestimmte Fähigkeiten besitzt und aus diesem Grund fremd und unverständlich erscheint.

Weder der Mann der Wissenschaft (Simon) noch der Held (denn Mal wird bisher als eine Art Held etabliert) können sie verstehen. Dafür können wir es. Dieses Wissen konstruiert für uns Zuschauer River als Subjekt, bevor die Crew diese Möglichkeit bekommt. Wir sehen, dass ihre Alpträume Erinnerungen sind, die sie zu verarbeiten versucht, um zu sich selbst zu gelangen.Und das tut sie in Safe, in der Episode, wo sie die meisten „hellen“ Momente hat: „You gave up everything you had to find me? You found me broken“, sagt sie zu Simon in der bisher besten Szene zwischen den beiden, als sie von den Einheimischen entführt werden, weil sie Simons ärztliche Hilfe brauchen. Währenddessen läuft der Abschluss des Jobs, den Mal & Co. in der letzten Episode übernahmen, schief und Book wird angeschossen.

Mal ist gezwungen, da von Simon jede Spur fehlt, Hilfe bei einem Alliance-Schiff zu suchen, nur um zu erfahren, dass Book mehr ist, als er zu sein scheint. Nachdem der Alliance-Offizier Books ID überprüft, wird ihm sofortige Hilfe geleistet und Serenity anschließend der Weiterflug gestattet. Book verweigert Mal zunächst die Erklärung. Damit haben wir zwei Serenity-Mitglieder, die eine geheimnisvolle Vergangenheit mit der Alliance teilen. Und beiden droht in dieser Episode der Tod.

Denn aufgrund von Rivers Fähigkeit, Gedanken zu lesen, wird sie von den Einheimischen für eine Hexe gehalten, die verbrannt werden soll. Zusammen mit Simon, denn er weigert sich, sie allein „gehen“ zu lassen. Safe ist ganz den Geschwistern Tam gewidmet und bebildert anhand von Flashbacks ihre Kindheit und die anschließenden Versuche Simons, River aus der Alliance-Gefangenschaft zu retten. Jetzt brauchen beide Rettung und bekommen sie von Mal & Co.

Wir sehen am Ende, wie die komplette Crew zufrieden in Serenitys Küche beisammen sitzt und ihr Abendbrot genießt. River ist auch da. Nachdem sie die uralten tief verwurzelten gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Frauen – Hysterie und Hexerei – durchlaufen hat, ist sie jetzt vollkommenes Mitglied von Serenity. Das bedeutet nicht, dass ihr „Genesungsprozess“ beendet ist, sondern dass die Serenity-Crew am Ende zu Rivers Andersheit steht – und sie und Simon als Teil dieser Crew aufgenommen werden.

Firefly: Shindig (1×04)

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Joss Whedon selbst beschreibt die Firefly-Welt als eine Kombination von Horror, Science Fiction und Western bzw. als ein „Western Noir“ mit „a kind of a Hong Kong sensibility“. Bisher haben wir die Westernseite („border planets“), die Horrorelemente (Reavers) und den Staatsapparat (Alliance) erleben dürfen. Es wurde klar, dass diejenigen Planeten, die im Krieg für den Widerstand kämpften, mehr oder weniger „arm“ gehalten werden: sie sind ausgeliefert und müssen jeden Happen portionieren. Das gilt auch für all diejenigen Schiffe, die nicht unter der Flagge der Alliance fliegen. Ganz deutlich wird das in der „Serenity“-Szene, als Book Kaylee als Gegenleistung dafür, dass er Passagier auf die Serenity darf, eine Erdbeere schenkt. Der Genuß, mit dem sie die Erdbeere verspeist, erzählt mehr, als wenn man in zehn Minuten Filmzeit Aufnahmen von den armen Planeten zeigen würde.

Die Erdbeere kommt außerdem – wie es bei Firefly und generell bei Whedon-Projekten der Fall ist – als visuelles Motiv wiederholt zum Einsatz. In Shindig kommt Kaylee in den Genuß richtig vieler Erdbeeren und eines vornehmen Ballkleides, in dem sie wie eine… Erdbeere aussieht. (Durchaus positiv gemeint! „I, too, love the ruffles!“) Apropos Metapher: Shindig scheint, um eine pejorative solche aufgebaut zu sein. Die Episode beginnt damit, dass Mal und Jayne in einer Bar Billard spielen. Na ja, es ist so etwas wie Hologramm-Billard, wo das Bild Störungen erfahren kann und die Bälle für kurze Zeit verschwinden. Die Kamera schwenkt zu einem Schild an der Wand: „Management Not Responsible for Ball Failure.

Aber jeder ist für seine eigenen verantwortlich. Und Mal muss, flapsig ausgedrückt, welche zeigen, – in Inaras Anwesenheit, die an der Bar trinkt. Er provoziert also eine Schlägerei. Kurze Zeit später, als die Serenity auf Persephone landet und Badger (Mark Sheppard) sie mit einem Jobangebot aufsucht, ist die Rede von Diamanten mit der Größe eines Hodens! Balls everywhere! Mal zeigt letztendlich wirklich welche und verteidigt Inaras Würde in einem Kampf auf Leben und Tod. Nun ja, auf seine Art und Weise halt.Inara nämlich pflegt auf Persephone geschäftliche Beziehungen zu dem reichen Atherton Wing, den sie zum Ball der gehobenen Alliance-Gesellschaft begleitet. Mit der Präsentation dieser Gesellschaft schließt nun Shindig eine Lücke in der Darstellung von Fireflys Welt: Wie schon erwähnt, haben wir bisher eher deren erschreckende und negative Seiten gesehen; das, was Mal “Inaras Welt” nennt, wurde nicht wirklich gezeigt: die Welt der Reichen, die Welt auf den Planeten in Zentrumsnähe. Den Unterschied zwischen dem Leben auf der Serenity und dem der Reichen wird anhand der Kameraarbeit deutlich demonstriert: Während an Bord der Serenity mit Handkamera und vielen extremen Close-Ups gearbeitet wird, was Intimität impliziert, bleibt die Kamera während der Ballaufnahmen auf Abstand (Long Shots). Sie tanzt zwar mit, aber aus der Distanz: klassische, “normale” Kameraarbeit, wie in einem alten Kostümfilm.

Warum Kostümfilm? Wie wir sehen, bedeutet Reichtum in der Firefly-Welt ein Leben im Stil des Adels im 18./19. Jahrhundert. Aus diesem Grund gelten auch die damaligen Ehrenkodices. Als nun Mal, der mit Kaylee (im Erdbeerkleid!) auf dem Ball auftaucht, um seinen neuen Auftraggeber zu treffen, Atherton ins Gesicht schlägt, da dieser Inara erniedrigt und wie Besitztum behandelt, bedeutet das automatisch eine Duellforderung. Mal schafft es, das Ganze zu überleben – aber die Duellszene dient nicht nur als humorvolle Einlage, sondern trifft eine wichtige Aussage über Mal: Hier kommt die Widersprüchlichkeit seines Charakters zum Tragen – die ganz eigene Grenze, die er zwischen Ehre und Hinterlistigkeit zieht, zwischen unbeholfener Arroganz und Warmherzigkeit. (A propos: Wer hatte schließlich Kaylee das Erdbeerkleid gekauft, nachdem er sie vor dem Schaufenster empfindlich gekränkt hatte?)

Shindig ist zwar eine Mal-Inara-Episode, aber auch die restlichen Figuren sorgen für erfrischende Szenen, die die dunkle Stimmung der vorherigen Episode wieder wettmachen. Ausgerechnet River bringt Humor in die Szene mit Badger, die den Zuschauer unvorbereitet erwischt. Ihre lange Rede für Badger, in der sie seinen britischen Akzent nachahmt und ihn mehr oder weniger lächerlich macht, ist die längste verbale Äußerung, die River bisher von sich gegeben hat.

Um mit der anrüchigen Metaphorik abzuschließen, mit der wir anfingen: In dieser Episode dürfen wir Zoe und Wash dabei zusehen, wie sie ihr Eheleben endlich genießen dürfen – und einen Jayne erleben, der, als Badgers Leute die Crew quasi gefangen halten, Ausdruck “Bälle zeigen” wortwörtlich versteht:

Jayne: „What we need is a diversion. I say Zoe gets naked.

Wash: „No.

Jayne: „I could get naked.

Wash: „No!

Doch noch eine Erdbeere zum Dessert: Kaylee, die nach diesem langen, ereignisreichen Tag erschöpft und zufrieden in ihr “Mädchenzimmer” auf der Serenity zurückkehrt. In voller Maschinistinnen-Klamottage lässt sie sich auf ihre Koje fallen und geht glücklich lächelnd auf in der Betrachtung ihres… Erdbeerkleides, das in voller Pracht am Fußende des Bettes von der Decke hängt…

Firefly: Bushwacked (1×03)

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Beim ersten Anschauen von Firefly achtet man mit Sicherheit nicht auf die Musik, auf den Soundtrack. Beim zweiten Mal sollte man es aber tun. Warum? Weil Joss Whedon & Co. im alten Sergio Leone-Style unterschiedliche Musikthemen erschaffen und wiederholt benutzen, um nicht nur bestimmte Stimmungen und Emotionen zu kreieren, sondern auch um die Figuren zu charakterisieren. Sogar das Schiff Serenity hat seinen Song, dessen Melodie immer wieder erklingt, wenn die Crewmitglieder zurück an Bord kommen, von wo auch immer. Es ist eine Art der heimatlichen Begrüßung, die Ruhe, Geborgenheit und Zufriedenheit vermittelt.

Greg Edmonson und Joss Whedon schufen für Firefly ein musikalisches Raster, das man schon im Piloten vorführte bzw. vorspielte, welches aber meiner Meinung nach in Bushwacked besonders zum Tragen kommt. Es ist sehr interessant, dass die Instrumente, die in Serenitys Musikthema vorkommen, tragbar und damit leicht transportierbar sind, wie die Gitarre oder Geige, und damit das Leben der Crew, das Nomadentum, unterstreichen, während zum Beispiel das Simon/River-Musikthema von einem Klavier dominiert wird. Das Thema der Geschwister ist nostalgisch und mit Erinnerungen verbunden. Es verkörpert den Verlust ihres Zuhauses, die Trauer danach, die schönen Kindheitserinnerungen, die Ungewissheit der Zukunft und die Angst vor dieser Zukunft auf der Flucht.

Über die Angst kommen wir zu einem anderen Thema, das in dieser Episode sehr dominant ist, dem der dunklen Bedrohung, der Töne des Wahnsinns, die extrem mit dem Rest des Soundtracks kollidieren. Genauso wie die Emotionen in Bushwacked miteinander kollidieren. Die Episode eröffnet mit einer Szene, in der die Crew fröhlich ein Basketball ähnliches Spiel genießt. Diese Szene unterstreicht nicht nur die Kameradschaft innerhalb der Crew, sondern sie zeigt gleichzeitig den Abstand, den Simon und River – und sogar zu einem gewissen Teil Inara – zum Rest der Crew noch bewahren. Sie sind nur faszinierte Beobachter.

Bis ein Alarm ertönt! Ab diesem Punkt ist kompletter Stimmungswechsel angesagt, trotz Washs One-Liner. Serenity stößt auf ein verlassenes Schiff, das mehrere Familien an Bord haben sollte. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Mal & Co. entdecken, was wirklich auf diesem Schiff passiert ist, funktioniert der schnelle Wechsel zwischen den humorvollen Einlagen (Jayne – Simon) und der Atmosphäre der Bedrohung (Rivers Alpträume und Visionen) nur mit Hilfe des Soundtracks. Ansonsten würden die Zuschauer das Ganze als eine zu widersprüchliche Inszenierung empfinden, in der man sich, was die Spannung und die Gefühlslage betrifft, kaum zu orientieren weiß. Die Spannung steigert sich in dem Moment, als das River/Simon-Thema von den metallenen dunklen Klängen übertönt wird, als River wie in Trance das verlassene Schiff betritt.Obwohl die Serenity-Crew bisher nichts Gefährliches an Bord gefunden hat, verrät uns der Soundtrack alles. Es sind Reavers gewesen! “Firefly” hat eine musikalisch-emotionale Signatur für Gefahr, die wir schon in der ersten Episode hören und spüren, aber sie verwandelt sich immer wieder in zwei unterschiedliche Richtungen. Während die Alliance-Eintritt-Musik einem verlangsamten Puls ähnelt und das Gefühl verschafft, als würde man sich ducken wollen, um nicht gesehen zu werden, ist jede Erwähnung der mystischen Weltraum-Kannibalen, der Reavers, wie ein musikalisches Häuten!

Die Bedrohungsmelodie wird zu ohrenbetäubenden Frequenzen gesteigert, die blutrünstige Rastlosigkeit und gnadenlose Verunstaltung des Menschlichen suggerieren. „No Mercy“ – das sind die Worte, die der einzige Überlebende auf dem Schiff, Zeuge der Taten der Reavers, immer wieder flüstert. Nachdem zuletzt das Humorvolle die Stimmung dominierte, präsentiert Bushwacked nicht wirklich einen Feind, sondern eine unausweichliche Wahrheit: Wenn man die eigene Menschlichkeit verliert, ist keine Rettung mehr möglich. Das Gespräch zwischen Book und Mal spiegelt diese Einstellung wieder: „They are no men!

Auf diesem Hintergrund ist der Auftritt der Alliance beinahe wie eine kurzzeitige Erlösung im Vergleich zur vorangegangenen Atmosphäre des Unmenschlichen. Und das nicht nur, weil Mal den Kommandanten des Alliance-Schiffes vor dem sich in einen Reaver verwandelten Überlebenden rettet und der Kommandant Serenity „gehen“ lässt. Auch in den Szenen mit den Verhören wird demonstriert, dass die Alliance-Soldaten einfach Angestellte sind und keine hasserfüllten Monster. Sie sind Bürokraten, eine Tatsache, die sehr den humorvollen Inszenierungen der Verhöre in die Karten spielt. Dabei steht das Komödienhafte zwar im Vordergrund, aber wir lernen auch dadurch Einiges über die Crew und die Vergangenheit der einzelnen Mitglieder.

Bushwacked bleibt eine von den Emotionen sehr widersprüchliche aber für die einzelnen Handlungsstränge wichtige Episode, der man zuhören muss.

Firefly: The Train Job (1×02)

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Mal: „Oh, ze zhen shi ge kwai le de jing jun…

Oh, this is a happy development…“ soll das übersetzt heißen. Und tatsächlich nimmt “Firefly” mit The Train Job Fahrt auf. In dieser Episode akzeptiert Serenitys Crew einen Auftrag von Niska, dem Space-Mafiaboss mit starkem osteuropäischem Akzent. Im Vergleich zu der Alliance bedeutet Niska eine handfeste Bedrohung für Mal & Co, falls die Ausführung des Jobs daneben geht… und das tut sie.

Über der actionreichen Episode darf man nicht vergessen, dass die Intention der Konfrontationen dieser Episode in der Fortführung der Figurenbeschreibungen liegt – hauptsächlich der von Captain Reynolds. Kleinigkeiten können von Bedeutung sein. Mals Spruch aus „Serenity“ „We’re too pretty to die“ entwickelt hier seine volle Wirkung. Wie ist das gemeint?

Immer wieder gelingt es Joss Whedon, seinen Figuren durch ein kleines, oft humoriges Detail eine Basis zu liefern, auf der sie sich dann weiter entwickeln können. Im Piloten kam eher Mals “dunkle Seite” zum Tragen, aber anhand solcher kleiner Einschübe („We’re too pretty to die!“) wird das Interesse der Zuschauer daran geweckt, das “Mehr” hinter der desillusionierten harten Fassade kennen zu lernen: einen Mal etwa, der Kaylee fragt, ob im Maschinenraum „space monkeys“ ihr Unwesen getrieben haben, weil alles so durcheinander aussieht. Wir erleben einen humorvollen Mal, der seine weiche Seite zeigt – vor allem als er erfährt, welchen Job er mit seiner Crew gerade vollbracht hat. Abgesehen davon aber tötet er am Ende den Entsandten von Niska, wenn auch auf humorvolle Art.

Damit schafft es Whedon, in nur zwei Episoden die unterschiedlichen Facetten der Figur aufzufächern. Inara, die in dieser Episode einen bemerkenswerten Auftritt abliefert, als sie Mal und Zoe vom Pradisos Sheriff befreit, nennt den Captain „mystery“. Und Book stimmt ihr zu. Aber dasselbe gilt auch für Book selbst, für den man anfängt, eine eigene Mysterie zu flechten: Warum bleibt er an Bord? Warum ist ihm egal, wohin er fliegt? Offenbar steckt „more than a preacher“ mit „knowledge of the crime world“ in ihm. Obwohl seine Figur in dieser Episode mehr dazu dient, andere zu charakterisieren – wie zum Beispiel in seinem Gespräch mit Inara über Mal -, wird geschickt das Interesse an ihm geweckt.

Das Pärchen Wash und Zoe bleibt in The Train Job etwas in dem Hintergund, aber dank der visuellen Umsetzung bei Zoe und der verbalen bei Wash sind sie für den Zuschauer durchaus präsent. Was meine ich damit? Von Anfang an – und es wird auch so bleiben – sind die Autoren der Charakterisierung ihrer Figuren treu. Wash wird neben der Beziehung zu Zoe hauptsächlich anhand humorvoller One-Liner charakterisiert, während Zoes Gefühle mit Hilfe von Wechseln der Kameraeinstellungen eingefangen werden: zum Beispiel von Medium Shot zu Close-Up oder mit leichten Schwenks in Szenen, wo sich Zoe eigentlich im Hintergrund befindet; beispielsweise als Mal und sie erfahren, dass die Fracht, die sie entwendet haben, Medizin für die kranken Bewohner von Paradiso enthält.

Bei River übrigens, deren „blue hands“-Träume die Zuschauer an die bevorstehende Konfrontation mit der Alliance erinnern (wir bekommen Alliance-Männer mit blauen Handschuhen zu sehen, die River suchen), wird die Unvorhersehbarkeit ihrer Geschichte visuell ins Spiel gebracht. Wir sehen River hauptsächlich irgendwo kniend oder liegend. Dadurch entzieht sie sich den Linienmustern, die ich im Review des Piloten beschrieben habe und die dazu dienen, die Figuren einzurahmen. River entzieht sich diesem Raster; in diesem Sinne lauscht sie im Laufe der Episode immer wieder den Gesprächen über sie, nimmt aber selbst nicht an der Unterhaltung teil.

Dafür nimmt Jayne verstärkt an dem Handlungsstrang teil und sorgt nicht nur dafür, dass seine Figur als genau so unvorhersehbar eingestuft wird – er wollte die Schiffführung übernehmen und Mal und Zoe zurücklassen – sondern auch für die besten Comedy-Momente der Episode. Und bevor ich mich in weitere Details verstricke und Jaynes Zustand erreiche:

Did he just go crazy and fall asleep?“ (Wash)

Firefly: Serenity (1×01)

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Es war einmal eine Serie namens Firefly. Auf den ersten Blick wirkte sie unspektakulär, auf den zweiten wunderschön. So wie das Schiff Serenity, das Zuhause von Firefly.

I don’t care.

Diese Zeile stammt nicht nur aus dem Titelsong von Firefly, sondern beschreibt leider auch die Haltung sowohl des Heimatsenders FOX als auch des deutschen Käufers RTL der Serie gegenüber. Nein, ich werde hier nicht erneut das ewige rote Tuch schwingen, wie die Senderpolitik Serienperlen tötet. Stattdessen möchte ich skizzieren, wieso es inhaltlich falsch war, “The Train Job” als erste Episode auszustrahlen – anstatt des eigentlichen Piloten “Serenity”.

Bevor wir uns den Details aus „Serenity“ widmen, vielleicht ein paar Worte dazu, warum “The Train Job” als Pilot nicht allzu viele Zuschauer begeistern konnte. (Wenn man alte US-Kritiken liest, wird man lustigerweise feststellen, dass Kritiker, die die Serie später in den Kultstatus erhoben, zuerst überhaupt nicht mit ihr zufrieden waren…) Für diesen Artikel habe ich versucht, mir “The Train Job” so objektiv wie möglich als Auftakt-Episode anzuschauen. Dabei fällt auf, dass eine Einführung der Figuren nicht wirklich stattfindet – wenn überhaupt, dann anhand kurzer Dialoge. Umso mehr fällt ins Gewicht, wie man sie zum ersten Mal in Action erlebt.

In “The Train Job” übernimmt das Serenity-Team einen dreckigen Job, der die Charaktere den Zuschauern nicht gerade sympathisch macht. Außerdem kollidieren in der mentalen Konstruktion eines „bösen Gegners“ seitens der Zuschauer Niskas Rolle und die Alliance. Genauer: Die Alliance als Bösewicht „larger than life“ ist durchaus genug – die Darstellung von Niska als zusätzlicher solcher scheint überflüssig und verwirrend, zumal wenn das Ganze als Pilot präsentiert wird (nicht vergessen: ganz sachlich betrachtet). Auch die Einführung in die “Firefly”-Welt als solche – als multikulturelle und multihistorische Mannigfaltigkeit – kommt zu kurz.

Darüberhinaus sollten wir bedenken, dass “Firefly” genau zu dem Zeitpunkt kam, da alle Networks nach Procedurals lechzten und ihren Glauben ans Serial verloren zu haben schienen. Also versuchte man, auch “Firefly” als Serie mit abgeschlossener Episodenhandlung zu verkaufen. Wie man gesehen hat, ohne kommerziellen Erfolg.

Aber die Serie endete nicht mit ihrer Absetzung, sondern sollte noch jahrelang in zahlreichen Haushalten in der richtigen Reihenfolge laufen.

I’m still free. You can’t take the sky from me.

“Serenity”, der wirkliche Pilot von “Firefly”, bietet in seinen ersten Minuten genau das, was man von einem Piloten erwartet: Wir bekommen zwei der Hauptfiguren in einer Art Flashback zu sehen, das uns ihren Hintergrund präsentiert – und damit auch einen andauernden Konflikt des ganzen “Firefly”-Universums, den Kampf gegen die Alliance. Mal (Nathan Fillion) und Zoë (Gina Torres) verloren zwar als Soldaten der Unabhängigkeitsbewegung, genannt The Browncoats, den Krieg, haben aber das Streben nach Freiheit nicht aufgegeben. Das ist die Geschichte, die “Firefly” erzählt: von einer Welt, die das Wort Globalisierung bis zum bitteren Ende am eigenen Leib erfahren hat, und von einer Alliance als mehrköpfiger Drache mit zu wenigen Köpfen, um all das im Blick halten zu können, was sie gewaltsam unter ihr Dach geholt hat. In milderem Sinne sieht es heutzutage ähnlich aus. In dieser Hinsicht ist Joss Whedons Zukunftsvision weder eine Utopie noch eine Dystopie.

Kein Wunder also, dass die Serie Westernelemente enthält, denn “Firefly” feiert die Freiheit als Nomadentum. Dabei setzt sie sich natürlich mit dem amerikanischen Frontiermythos auseinander und stellt ihn unter umgekehrte Vorzeichen: Man dringt in das Andere, in das Unbekannte, Fremde ein. Nicht um es zu kolonisieren, sondern um sich frei zu fühlen; nicht um sich niederzulassen, sondern um die Möglichkeit zu haben, immer weiter in Bewegung zu bleiben.

“Firefly”s Freiheit ist die Freiheit des Sich-Fortbewegens. Aus diesem Grund wirkt auch die Einrichtung des Schiffes Serenity, seine Atmosphäre nicht so klaustrophobisch, wie wir es aus so vielen Sci-Fi-Produktionen kennen, sondern heim-lich – in Freuds Sinne: heimelig, home-like. Hier verbirgt sich eine kleine, feine Differenz, die die Serie daran gehindert hat, die Gunst von FOX und seiner Zuschauer zu erlangen: Sie bricht mit einer Tradition innerhalb des Genres und schöpft ihre Wirkung und ihre Themen nicht aus dem für Science-Fiction üblichen Oppositionspaar von heimlich und unheimlich. Sie thematisiert also nicht die Freudsche Umkehrung des Heimlichen, Heimeligen ins Un-Heimliche, sondern versucht im Gegenteil, unter den magischen gelb-braunen Weltraumwolken ein Zuhause zu erschaffen; ein Zuhause für freie Geister.

A captain’s goal was simple: find a crew; find a job; keep flying.

Serenity

Nachdem wir am Anfang der Episode die Hauptfiguren kennengelernt haben – Mal, Zoë, Wash (Alan Tyduk), Jayne (Adam Baldwin) und Kaylee (Jewel Staite) -, werden nach und nach die Beziehungen und Konflikte innerhalb der Serenity-Crew geschildert, vor allem durch das Dazustoßen neuer Mitglieder. Inara (Morena Baccarin) trifft ein, die als Edelprostituierte arbeitet und eine typische Hund-und-Katze-Beziehung mit Mal führt. Auf dem Planeten Persephone sammelt die Besatzung Gäste ein, darunter den Priester Book (Ron Glass) und den vornehmen Simon (Sean Maher). Mit dem Transport von Passagieren halten sich Mal und seine Crew finanziell über Wasser, aber es reicht nicht, und deshalb müssen sie mit gestohlenem Alliance-Gut handeln, was zu etlichen Komplikationen führt. Die durchaus gut inszenierten Action-Sequenzen werde ich hier nicht besprechen, damit das Review überhaupt irgendwann ein Ende finden kann.

Auf der Seite der sogenannten Bösen wird im Piloten die Alliance präsentiert – nicht jedoch eine Absicht seitens der Serenity-Crew, sie zerstören oder auch nur bekämpfen zu wollen. Serenitys Crew will ihre Ruhe haben, ihre kleinen verbotenen Deals abwickeln und weiter fliegen. Die Figuren sind nicht unterwegs, um eine Opposition zu gründen; sie sind vielmehr desillusioniert, was Widerstand betrifft. Ein Leidensdruck aber besteht, was bei Mal sehr deutlich gezeigt wird und was den heimlichen, versteckten Konfliktherd für so manche Situation liefert.

Nicht zuletzt lernen wir das Zuhause der Crew kennen:

Serenity – von Kaylee als „my girl“ bezeichnet. Whedon: „Beat-up but lived-in and ultimately, it was home…“ Das Schiff Serenity verkörpert nicht nur das thematische Zentrum der Serie, sondern bietet die wichtigste Inszenierungsebene für die Figurengeschichten. Den heimischen, fast dokumentarischen Stil der Aufnahmen unterstützt der Einsatz von Handkameras (außer bei Aufnahmen in Regierungsräumen) sowie von sogenannte „lens flares“, typisch für das Fernsehen der 70er Jahre. Im Vergleich zu anderen im Sci-Fi-Umfeld angesiedelten Produktionen fällt der fehlende Sound bei Aufnahmen im Weltraum auf: Es herrscht absolute Stille, die, gekoppelt an Handkamera-Simulationen, ein fast dokumentarisches Vakuum erzeugt.

Generell ist Serenity als Ort der Inszenierung Dreh- und Angelpunkt narrativer Fäden, die anhand von Beleuchtung, Farbe, Tiefe und Komposition, aufgenommen und wieder fallen gelassen werden. Beispielsweise bildet die Brücke mit den seitlichen Treppen in Serenitys Laderaum, wo oft die Handlung spielt, ein Dreieck mit ausgeprägten Diagonalen und Schattenmustern, die das Bild intensivieren. Sie dienen auch dazu, eine Figur symmetrisch einzufangen und ihr dadurch Stabilität zu verleihen. Wenn die Horizontalen der Brücken (nicht nur im Laderaum) im Hintergrund zu sehen sind, korrelieren sie bei Close-Ups und Medium-Shots von Figuren oft mit deren Mündern oder Augenpartien und zwingen so regelrecht die Aufmerksamkeit des Zuschauers darauf. Figuren und Hintergrund als deren Beschreibung sind “Firefly”s Markenzeichen – Zoë und Wash als Liebende werden oft in Türen oder Durchgängen eingerahmt. Simon, der sich als ein talentierter Arzt erweist, wird am Anfang vor flachem Hintergrund und selten im Zentrum des Bildes gezeigt; auch die Farben seiner Bekleidung „entfremden“ ihn.

Simon und seine Schwester River (Summer Glau), die er auf die Serenity schmuggelt, sind auf der Flucht vor der Alliance. Die Regierung will River, um ihre außerordentlichen Begabungen auszubeuten. Man hat an ihr bereits Experimente durchgeführt, bevor Simon sie retten konnte: „They won’t stop…won’t stop…they’ll just keep coming until they get what you took. Two by two…hands of blue…two by two…hands of blue.“ Dieses Lied singt die sichtlich gestörte River vor sich hin. Wie wir später erfahren werden, enthält es einen wichtigen Hinweis.

Durch den Verlauf der Episoden-Ereignisse ernennt Mal schließlich Simon mehr oder weniger als neues Teammitglied. Damit beginnt auch seine visuelle Anpassung an die Atmosphäre der Serenity. Und die steckt voller kleiner Konflikte, die liebevoll ausgetragen, gezeichnet und bis zu den kleinsten sprachlichen oder visuellen Details perfekt inszeniert werden.

Wie man sieht, gibt es über “Firefly” eine Menge zu erzählen – und ich hoffe, der Serie mit den noch folgenden Texten gerecht werden zu können: „There’s no place like home!