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Fringe: Back to Where You’ve Never Been (4×08)

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Wo gehören wir hin? Dorthin, wo wir geboren wurden, wo wir immer waren? Steht uns die Welt zu? Oder müssen wir einen eigenen Weg in dieser Welt finden, der uns dann an einen Ort führt, den wir unser Zuhause nennen können? Allzu leicht verliert man die Orientierung, vor allem dann, wenn man ungleich Hänsel und Gretel keine Spur aus Brotkrümeln findet. Die Krümel in Fringe sind die Gefühle, die einem helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben: Wegbegleiter, die gleichzeitig Orientierungspunkte bilden. Für Peter (Joshua Jackson) sind dies Olivia (Anna Torv) und Walter (John Noble) – genauer: die aus seiner Zeitlinie, bevor sie überschrieben wurde.

Fringes Back to Where You’ve Never Been eröffnet mit einer Traumsequenz: Wir befinden uns in Peters Kopf, in seinem Traum, wo ein nackter Walter in der Küche Pfannkuchen zubereitet und Olivia Peter einen Guten-Morgen-Kuss gibt. Peter träumt von einem Ort, wo er hingehört, er träumt von den Menschen, die ihm geholfen haben, zu sich selbst zu finden. Denn ist man nicht dort zu Hause, wo man zu sich gefunden hat? Die erste Episode nach der langen Winterpause zieht das Tempo an, nicht nur die Emotionen, sondern auch die Handlung betreffend.

Etliche Fringe-Zuschauer beschwerten sich darüber, wie Fringe in der alternativen Zeitlinie des Nicht-das-Fringe-wie-wir-es-kennen gefangen blieb, ohne sich irgendwohin zu bewegen. Fehlende Entwicklung wurde bemängelt, fehlende Action… Eigentlich aber begehren die Zuschauer etwas ganz Einfaches. Sie wollen, so wie Peter, nach Hause zurückkehren, ihre emotionalen Orientierungspunkte wiederfinden – denn ein Spiegelbild ist vielleicht nicht das, was es sein sollte: Es ist nicht man selbst. Sehr schön wird die Handlung der Episode in den ersten Minuten visuell vorweggenommen.

So kann man zum Beispiel die sich in Walters Labor schnell drehenden Windrädchen als Beschreibung des Erzählwechsels in dieser Episode sehen, die sich von einem Universum ins andere und zurück bewegt. Eine Farbe wechselt die andere ab, aber nicht in der herkömmlichen Abfolge: nicht in der gewohnten Richtung, genauso wie die Handlung später in der Episode überraschende Wendungen nimmt.Nach seinem Traum geht Peter zu Walter und fleht ihn an, ihm mit der Maschine und damit bei der Heimkehr zu helfen. Aber Walter antwortet: „I am the only man who can help you, but I am also the only one man who cannot help you.“ Als er das sagt, hält er kurz vor einem Spiegel inne, so dass wir ihn gespiegelt sehen. Diese sowohl sprachliche als auch visuelle Anspielung auf Walternate hat auch Peter verstanden.

Er geht zu Olivia und bittet sie, ihm nach drüben zu helfen. Olivia, die sich den Tag wegen ihrer Kopfschmerzen frei genommen hat, erklärt sich einverstanden, spannt aber den gerade eingetroffenen Lincoln mit ein: Er soll drüben als Alt-Lincoln posieren und Peter so zu Walternate hineinschmuggeln. Eigentlich aber hat auch Olivia andere Pläne. An diesem Punkt fangen die Windrädchen an, sich in die “falsche” Richtung zu drehen. Peter vertraut Olivia – nur eben der Olivia aus seiner Zeit. Unausweichlich aber beeinflusst das, was einem vor Augen steht, das eigene Denken und auch das Herz.

Die Frage, mit der diese Episode spielt, lautet: Wie “anders” kann das Gleiche sein, als man es aufgrund von Erfahrung und Erinnerung erwartet? Von jeder Sache gibt es zwei: das wurde in Fringe schon oft gesagt. Die Eins existiert nicht. Darf vielleicht nicht existieren, um die Balance nicht zu stören? Das einmalige Ereignis, jene Eins, ist Peter – und er beharrt auf dem Recht auf Existenz. Peter ist der einzige, der nicht nur so aussieht, sondern tatsächlich und ausschließlich ist, was und wer er ist. Und seine Existenz wird bedroht. Er geht mit Lincoln nach drüben, nur um sich in tödliche Gefahr zu begeben – denn dort ist nichts so, wie es aussieht. Die Shapeshifter scheinen die komplette rote Welt infiltriert zu haben.

Walternates Tun? Das glaubt nicht nur Peter, sondern sogar Fauxlivia und Alt-Lincoln sind davon überzeugt. Shapeshifter übernehmen das Aussehen, vielleicht gar die Persönlichkeit ihres Opfers bis zu einem gewissen Grad – nicht aber das Herz. In Fringes Universum bleibt das Herz die letzte Instanz, an welcher man gemessen wird. Wenn zwei Menschen gleich aussehen, macht das Herz den Unterschied. Walternates scheint, zumindest was die Shapeshifter-Sache anbetrifft, am rechten Fleck zu sitzen, wie Peter feststellt, nachdem ihm Elizabeth zu einem Treffen verholfen hat.

Übrigens wird auch Walternate anhand einer Spiegelung (in der Tischplatte, während er vor dem tatsächlichen Spiegel steht) in die Episode eingeführt. Es erweist sich überraschenderweise, dass Brandon selbst ein Shifter ist, den Walternate kurzerhand erledigt – und dass Broyles und kein Geringerer als David Robert “Mr.” Jones hinter der Shifter-Invasion stehen. Bei diesem Schock lässt es die Episode nicht bewenden, sondern verpasst uns gleich noch einen zweiten: Am Ende wartet Olivia im Theater auf Lincoln, in orangefarbenes Licht getaucht. Doch es erscheint der Observer, offenbar schwer verletzt.

Er teilt Olivia mit letzter Kraft mit, dass sie sterben müsse – ganz egal, wie man die Zukunft drehen und wenden möge, er habe sie in jeder möglichen Variante gesehen… Dieses Ende erinnert an Mr. X aus Lysergic Acid Diethylamide und lässt die Frage offen, ob Olivia der Preis sein soll, um den Peter wieder in die Zeitlinie eingefügt werden kann.

Fringe: Wallflower (4×07)

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Wallflower bedeutet Mauerblümchen. Erzählt die neue und leider letzte Fringe-Episode in diesem Jahr von Blumen? Was tun Mauerblümchen? Verschönern sie nur die Wände, oder sorgen sie für Spalten und Brüche darin? Bezaubern sie, oder bedrohen sie? Sind Emotionen und Gefühle im Fringe-Universum die Mauerblümchen, die die Wände des Schicksals durchlässig machen: brüchig – und überwindbar?

Wie bei allen wichtigen Fragen der Fringe-Erzählung werden die Antworten nicht fertig serviert. Mauerblümchen wachsen still im Hintergrund. Sie sind auf den ersten Blick unsichtbar. So wie manche Menschen ihr ganzes Leben unsichtbar bleiben, isoliert. Sie scheitern daran, eine Verbindung zu ihren Mitmenschen aufzubauen, registriert zu werden. Oder werden sie deshalb über-sehen, weil sie anders sind? Wird das Mauerblümchen in der Wand der Normalität als eine Bedrohung ihrer Ganzheit empfunden? Wenn die Balance gestört wird, kann es zu Brüchen kommen, zu unvorhersehbaren Entwicklungen, die außer Kontrolle geraten können.

Wer hat aber in Fringe wen unter Kontrolle – bzw. wer glaubt wen unter Kontrolle zu haben? Die Schwierigkeit bei der Antwort auf diese Frage liegt in der Unterscheidung von Problem und Lösung. Ist beispielsweise Peter (Joshua Jackson) ein Problem oder eine Lösung? Fringe arbeitet gern im Hintergrund an solchen Antworten, unsichtbar für das unaufmerksame Auge. Denn viele Probleme sind zunächst unsichtbar, bis sie sich in harten Tatsachen manifestieren. Peter geisterte durch Raum und Zeit, bis er die “neue” Fringe-Welt betrat. Aber nur um festzustellen, dass er dort wie ein Mauerblümchen dasteht, isoliert.

Wir hören, als er beim Einkaufen von einem Agenten begleitet wird, dass ihm Kontakte mit anderen Menschen untersagt sind. Er gehört nicht in diese Welt und stellt somit automatisch eine Gefahr für sie dar. Ebenso war der “unsichtbare Mann” im Fall der Woche von Geburt an durch sein Anderssein, seinen genetischen Defekt dem Tode geweiht – aber die Gier der Wissenschaft machte eine lange Qual aus diesem Tod.

Der Unterschied zwischen Eugene (UGene – Abkürzung für „unknown genetic disorder“) und Peter liegt in dem räumlichen und zeitlichen Blickwinkel auf ihren Zustand. Während Peter sich mit der Distanz abfindet und versucht, ein Zuhause zu finden in dem Wissen, dass er diese Welt verlassen wird, will Eugene sie verlassen – aber im Gefühl der Nähe, nachdem er “gesehen” wurde. Also versucht er sich mit der Pigmentierung Anderer sichtbar zu machen, was für diese Anderen tödliche Konsequenzen hat.

Im Zuge der Suche nach Eugene erfahren Olivia und Lincoln (Seth Gabel), dass Massive Dynamic damals die Finger im Spiel hatte. Nina versichert Olivia jedoch, dass sie und William Bell über die Experimente mit Eugene nichts wussten. Sagt sie die ganze Wahrheit? Fringe kann einem wirklich Kopfschmerzen bereiten, aber gleichzeitig auch “Herzschmerzen”: und darin liegt die Stärke der Serie. Nicht allein Eugenes traurige Geschichte dominiert diese Episode, sondern auch der Zustand Olivias. Sie leidet durchgehend unter Kopfschmerzen – und zugleich verspürt sie dasselbe Gefühl der Isolation, des Alleinseins und versucht dem schließlich entgegenzutreten. Olivias nächtlicher Gang zur Apotheke bringt sie an einem Diner vorbei, wo Lincoln sitzt und einen Kaffee nach dem anderen trinkt.

Auch er kann nicht schlafen. Die kurze Szene zwischen den beiden erzeugt den Eindruck, als sähen sie einander zum ersten Mal in einer Episode, die komplett von der Farbe Blau dominiert wird – angefangen mit den Räumen der Fringe-Division über Olivias Becher und Lincolns Hemd bis zu dem Licht in dem Gebäude, wo Eugene lebt. Kommen wir dem blauen Universum näher? Ausgerechnet Peter hilft Lincoln, Olivia näher zu kommen – denn Lincoln scheint der einzige zu sein, der Peter normal behandelt. Er schenkt Lincoln am Ende der Episode eine neue Brille, die ihn in Olivias Augen sympathischer machen soll.

Olivia hat sich zwar dazu durchgerungen, eine Art Date mit Lincoln zu verabreden, bekommt jedoch nicht die Chance, seinen neuen Look zu registrieren: In ihrer Wohnung wird sie von Unbekannten mit Hilfe von Gas bewusstlos gemacht und bekommt Cortexiphan injiziert! Wer steht währenddessen im Türrahmen? Nina Sharp! An dieser Stelle schafft es Fringe wieder einmal, aus einer Episode heraus, die vorwiegend emotionale Zustände der Protagonisten zu kommentieren scheint, den Zustand der Erzählung selbst in Frage zu stellen, zu verändern. Wir müssen uns fragen, ob Nina Olivia deswegen adoptierte, um das Experiment fortzusetzen – und falls ja, zu welchem Zweck?

Wallflower ist eine melancholische Episode, die neben all den anderen Interpretationen, zu denen sie uns verleitet, eine über Fringe selbst vorzuschlagen scheint. Kommentiert nicht Fringe das eigene Schicksal, von so vielen Zuschauern nicht registriert zu werden – missverstanden, isoliert in seinem Anderssein innerhalb der Drama-Landschaft der Networks? Und FOX schickt nun Fringe in die Pause – bis Januar, was den Zuschauerzahlen nicht unbedingt gut tun wird… Aber wer weiß: Vielleicht haben manche Zuschauer dadurch Zeit, sich wirklich in Fringe hineinzufühlen, eine Verbindung aufzubauen, so dass die Serie nicht Eugenes Schicksal erleiden muss.

Fringe: And Those We’ve Left Behind (4×06)

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„He is a Fringe event“, sagt Broyles über Peter (Joshua Jackson) am Beginn dieser Episode. Aber wie soll man Menschen klar machen, was sie vermissen, wenn sie gar nicht “nach Hause” wollen zu sich? Denn warum sollten sie es wollen? Vermissen sie wirklich etwas? Ist Peters “Fehl-am-Platz-Sein” direkt mit dem Fehlen verknüpft, das man bisher durch das Anderssein des Ohne-Peter-Universums geschaffen hat? Oder vermissen einfach wir Zuschauer die “alte” Fringe-Welt, oder besser gesagt die “alte” Fringe-Erzählung und ihre Figuren?

Denn Fringe bildet, wie wir schon letzte Woche besprachen, eine Verbindung zwischen dieser fiktionalen Welt und unserer realen, da wir Zuschauer die Figuren so vermissen, wie sie waren. Allem voran vermissen wir die emotionalen Bindungen zwischen ihnen, die Beziehungen. So führt uns die Serie erneut an einen Punkt, wo Zeit und Raum dem Herzen im Wege stehen. Mit Hilfe der Geschichte um Raymond und Kate verdeutlich Fringe dieses Gefühl. Wenn das Physische bzw. auch Physikalische dem Seelischen im Weg steht, darf man dann Verschiebungen, Änderungen vornehmen?

Natürlich erinnert man sich als Fringe-Zuschauer sofort an White Tulip, denn diese Episode ist mehr oder weniger zu einem Fringe-Manifest geworden, zur Seele der Serie. Es wird erzählt von Verbindungen zwischen Menschen, davon, wie sehr man miteinander verbunden ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Es geht nicht so sehr um moralische Fragen, sondern um tragische Feststellungen: darum, dass wir Verbindungen übersehen, übersehen müssen, damit Ketten von Ursachen und Wirkungen entstehen und alles vorantreiben. So übersehen wir auch unsere Beteiligung daran, die Spur, die wir selbst hinterlassen.

Peters Situation lässt uns umgekehrt fragen, was geschieht, wenn eine Spur auftaucht, die nicht da sein dürfte. Wenn die Erinnerung an Verbindungen, an Beziehungen abhanden gekommen ist, dann werden auch die Beziehungen selbst ausgelöscht.

Nur: Wenn etwas nie geschehen ist, dann kann es keine Erinnerung daran geben! Das Tragische an diesem Fehlen ist, wie in Raymonds und Kates Fall, dass die Ereignisse nur einseitig ausgelöscht sind, genauso wie in der Konstellation “Peter – alle Anderen”. Wenn man so will, ist die Situation spiegelverkehrt: Kate hat als einzige “vergessen”, während sich Peter als einziger “erinnert”. Die Ereignisse dieser Episode dienen Peter als Beweis dafür, dass er nach Hause muss, dass er tatsächlich ein Fringe-Event ist: fehl am Platz, verfangen in einer anderen Zeit. Genauso wie wir Fringe “so wie früher” haben wollen, will auch Peter alle so haben, wie sie waren.

Jeder will nach Hause, so wie Dorothy nach Kansas will. „Snails! Nautilus shells. Ram’s horns. These all have one thing in common. Fibonacci’s Golden Spiral“, lautet Walters (John Noble) Lösung, als das Fringe-Team zusammen mit Peter die Zeitsprünge zwischen dem Jetzt und dem Damals vor genau vier Jahren vergeblich an Peters Erscheinen festzumachen versucht. Übrigens: Im Zauberer von Oz nimmt Dorothy die „Yellow Brick Road“ nach Hause, die einer goldenen Spirale gleicht – wie der, die Walter zeichnet. Ist diese Episode der erste Schritt? Vielleicht.

Auf jeden Fall ist sie ein weiterer faszinierender Schritt der Serie, der uns etwas über Zeit lehrt. Nicht nur darüber, wie schnell sie verläuft, oder über ihre physikalischen Aspekte, sondern darüber – wenn es auch melodramatisch klingt -, was Zeit über-dauert. Peter und Oliva (Anna Torv) liegen im Park. Während Walter fröhlich auf der Kinderschaukel schaukelt, tauschen sie Liebkosungen aus. Plötzlich ändert sich Olivias Laune. Sie verwandelt sich von der Olivia, die wir kannten, in die “neue” Olivia. Auf Peters Frage, was nicht in Ordnung sei, antwortet sie, dass er das Nicht-in-Ordnung sei, das Problem.

Danach wacht Peter plötzlich auf im kühlen Halbdunkel von Blau und Schwarz, und ein Lichtstreifen kommt herein in seinen Raum bei MD: Olivia kommt ihn besuchen. Zunächst sehen wir nur ihren Schatten an der Wand neben Peter. Diese Szene ist für mich visuell direkt mit derjenigen verbunden, die wir im Previously On sahen, nämlich als die schlafende Olivia von einem hellen Licht geweckt wird, das Peters Auftauchen signalisiert. Die gegenwärtige Olivia ist der Schatten derjenigen, die Peter kannte. Und wenn auch Licht auf sie geworfen wird: Sie wird ein Schatten bleiben oder ganz verschwinden.

Ein schönes visuelles Spiel, das spiralförmige Gedankengänge verursacht. Diese Episode ist gefüllt mit den typischen Fringe-Spielchen, angefangen mit den 47 Minuten (Alias und Rambaldi lassen grüssen!), die Raymond (Stephen Root) für seine “Zeitkammer” mit Kate (gespielt von Roots tatsächlicher Ehefrau Romy Rosemont) gewinnt, über die Referenz auf das “Burlap Bear”-Buch bis hin zu Styx’ “Too Much Time on My Hands”, das Walter im Labor hört. Wo war Peter? Ist er “zeitlos” gewesen?

Oder befand er sich in einer Art Zeitkammer, wie Raymond und Kate? Raymond versucht, eine eigene Zeit zu erzeugen, eine Zeit, in der Kate so bei ihm ist wie vor der Alzheimererkrankung – abgeschirmt von dem Raum und der Zeit, wo als Ergebnis Andere sterben werden. Kate sagt ihm, dass die Maschine, an der sie damals arbeitete, nie gebaut werden, dass Manches Theorie bleiben solle wegen der möglichen Konsequenzen. Hätte auch die „Doomsday Machine“ Theorie bleiben sollen? „You can’t go back“, sagt Kate zu Raymond.

Dasselbe gilt für Peter: Er muss nicht buchstäblich zurück; keine der Figuren kann zurückkeren zu dem Zustand, in dem sie ihn geliebt haben. Aber die Verbindung existiert auch physikalisch: Raymonds Maschine begann zu funktionieren, und zwar genau mit Peters Eintritt. Peter wiederum erinnert sich selbst nicht daran und kann sich nicht erklären, warum er sowohl Olivia als auch Walter vor seinem Auftritt erschien. Auch Peter wird nun von Zeitsprüngen betroffen, was zu ein paar amüsanten Szenen führt und zu Peters Reaktion darauf: „This is gonna start getting annoying.“ Neben dem Humorvollen steht seine Reaktion als Exempel dafür, wie er diese veränderte Welt aufnimmt: Er geht gefühlvoll mit den anderen um, hat Verständnis für Walter und sagt kein Wort darüber zu Olivia, was sie in seiner Zeit für ihn bedeutet hat, obwohl sie in dieser Episode selbst das Thema anspricht.

Peter erscheint als eine Art Emotionsführer. Wir sind Peters Blick, er löst Emotionen aus, um eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Ohne Peter sahen wir zwar Veränderungen in der Fringe-Welt, aber ohne Bezugspunkt, da Peter nicht existierte; wir registrierten sie lediglich auf der Basis unserer Kenntnis der Welt von vorher, nicht wegen fehlender Emotionen. Jetzt, mit Peter, erinnern sich nicht die Figuren, sondern wir als Zuschauer an die emotionalen Bindungen. Joshua Jackson leistet Großartiges in dieser Episode. Peters Reaktionen und der entspannte Umgang mit der veränderten Welt führen dazu, dass wir sie empfinden wie zum ersten Mal. Er leitet diese Gefühle, die er nicht an Ort und Stelle zeigt, weiter an uns Zuschauer.

„He can’t even look at me“, sagt er, als Walter sich weigert, anders mit ihm umzugehen als wie mit einem „subject“. Die emotionsgeladene Atmosphäre, den Schmerz des Verlusts kreiert die Serie hier mit Hilfe von Peters stiller Gelassenheit – und mit Hilfe des Falls der Woche, mit den visuellen Eingriffen: Wohnungsbrand, Tunnel, Kates mit Schwarz gelöschte Notizen usw. Dies alles zeigt, was Peter fühlen muss und wie schwer es wiederum allen Beteiligten fallen muss, das nachzuvollziehen. „I hope you get back to her“, sagt Olivia ihm am Ende. Wir auch…

Fringe: Novation (4×05)

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Nach den zwei Wochen Zwangspause – da hatten vermutlich die Observer ihre Hand im Spiel – sehen wir mit der ersten Episode, die Peters (Joshua Jackson) Rückkehr gewidmet ist, eine ruhige und gleichzeitig traurige Erzählung über die Grenze. Nicht nur über die Grenze zwischen den Universen, sondern und vor allem über jene Grenze, die Menschen nicht überschreiten dürfen bei ihrem Bemühen, ihre Welt zu verändern – sei es im Sinne der Technologie, sei es im Sinne der Liebe.

Walter (John Noble) hat diese Grenze einmal überschritten, und Novation legt diese alte Wunde des “neuen” Walter vor unseren Augen offen: Er will, dass seine Strafe für das, was er tat, andauert, nämlich nie wieder Glück empfinden zu dürfen. Aber was ist, wenn das Glück sich nicht entfernen lässt, wenn es einen hartnäckig durch Raum und Zeit aufsucht? Fürchtet Walter nicht eigentlich, dass Glücklichsein Mechanismen in Bewegung setzen kann, die nie in Bewegung gesetzt werden dürfen, weil es zu spät ist? Klar ist: Walter weiß, was er sieht – Peters Augen in dem Gesicht eines erwachsenen Mannes, wie er später sagt.

Und diese Tatsache wirft ihn komplett aus der Bahn: nicht so sehr, weil er Peter erkannt hat, sondern weil er das dadurch ausgelöste, überwältigende Glücksgefühl als etwas ihm Verbotenes empfindet. Das Peter-Verbot erstreckt sich nun zwar auf sämtliche Figuren, zuerst einmal nur auf der vordergründigen Ebene des zeitlichen Ablaufs: Peter hätte eigentlich keinen Zugang zum Zeitstrom der gegenwärtigen Fringe-Welt finden dürfen. Damit aber kommen wir doch zum Emotionalen – wir sprachen es schon in früheren Reviews zur laufenden Staffel an: Wie konnte sich dieser Zugang öffnen, wenn nicht durch Olivias (Anna Torv) und Walters Empfindung, Ahnung eines Gefühls, das einmal da war?

Lincoln, die einzige “neue” Figur in der “neuen” blauen Welt – der Einzige also, der keine Erinnerungen an Peter haben kann -, spürt diese emotionale Bindung zwischen Olivia und Peter, wie in der kleinen Schluss-Szene zwischen ihm und Olivia deutlich wird. Es scheint, als zöge sich Lincoln von Olivia zurück – von einer Grenze, die er sonst vielleicht zu überschreiten versucht hätte.

Nach wie vor bleiben die Fragen offen: Wer sind die Observer? Sind sie die Hüter der Grenzen? Die Serie als Ganze steht vor ähnlichen Fragen: Wie weit gehen die Veränderungen? Wenn man sie schließlich erklärt, läuft man dann nicht Gefahr, Emotionen und Handlungen einfach zu wiederholen, zu kopieren, die Figuren denselben Weg gehen zu lassen, den wir sie schon einmal gehen sahen? Man kann sagen, dass Fringe sich auf genauso dünnem Eis bewegt wie damals Walter und Peter auf dem Reiden Lake. Was macht man, wenn die Figuren, die wir kannten, dieselben und doch anders sind?

Wie sehr sind sie anders? Wie kann man es schaffen, die kleine Differenz, die Verschiebung erfolgreich zu inszenieren, die alles in ein neues, andersfarbiges Licht stellt? Noch einmal muss die Antwort lauten: durch Peter. Er bildet gegenwärtig eine Art Anker für die Fringe-Zuschauer: Als einzige Figur kennt er Fringe so wie wir. Er ist durch den Fehler in der vorgesehenen Geschichte selbst zu einer Art Observer geworden: zu jemandem, der die Geschichte von Beginn an kennt, auch wenn sie nicht existiert hat. Schon einmal haben wir darüber gesprochen: Wir stehen hier vor dem Problem der Nicht-Existenz – und der Unwichtigkeit, ob eine Sache oder jemand wirklich existiert. Auf diese Nicht-Existenz nämlich kann man nur durch ihre Auswirkungen, ihre Effekte schließen, welche die Beteiligten an sie glauben lassen.

Mit Peter verhält es sich nun ironischerweise umgekehrt: Seine Nicht-Existenz scheint keine Auswirkungen auf die Welten zu haben, aber er ist wirklich da, er existiert – und die Auswirkungen seiner Existenz beginnen an dem Punkt, an dem er auftaucht, bzw. mit der Ankündigung seines Eintritts. Die Art, wie Peter zurückkehrt, gefiel mir persönlich sehr gut: Anstatt Drama und Verzweiflung daraus zu kreieren, dass seine komplette Vergangenheit sowie die Beziehungen zu den Figuren ausgelöscht scheinen, weiß Peter diese Tatsache schnell zu akzeptieren und beginnt, mit den Un-Bekannten zu interagieren.

Warum will er Walter sehen? Weil er weiß, dass nicht nur die Wissenschaft, sondern das Herz ihm die Chance geben kann, wirklich zurückzukehren, wie auch immer das geschehen soll. Peter akzeptiert seine Stellung als Fremdkörper in einer Welt, die bis zu diesem Punkt ohne ihn existiert hat. Aber was nun? Warum kam er, und von wo? Peters Situation gleicht Olivias Déjà-vu aus der Zukunft, das sie gegen Ende der Episode erlebt. Wieder, wie vor Peter Eintritt in diese Welt, springt Olivas Zeit nach vorn und dann zurück, so dass sie zweimal dieselbe Situation erlebt – aber mit der Kenntnis des Erlebten. Zuerst Zukunft und dann Vergangenheit bzw. Gegenwart: Ist dies ein Hinweis darauf, wie sie zu Peter und beide Welten zu sich selbst zurückfinden können? Wohl nicht zufällig gibt es in dieser Episode keine Gegenüberstellung unter vier Augen von Olivia und Peter.

Natürlich will man zuerst Walter und Peter zusammenbringen – trotzdem wundert man sich, dass er nicht auch mit Olivia spricht. Aber er hilft ihr und Lincoln mit dem Shapeshifter-Problem weiter, Broyles’ anfänglicher Skepsis zum Trotz. Peter stellt der Fringe Division seine Kenntnis zur Verfügung und findet heraus, dass die neuen Shifter – wie Nadine Park, die Dr. Malcolm Truss in dieser Episode entführt – zwischen Identitäten wechseln können. Sie übernehmen die DNA ihrer Opfer und behalten sie zur Verfügung, was sie wiederum fast unauffindbar macht.

Wie man an Nadine sieht, ist ihr Zustand jedoch instabil: ein Problem, für das die Shifter Malcolms Kenntnisse benötigen. Er arbeitete früher für Massive Dynamics als Spezialist für Zellforschung; er erforschte die Möglichkeit, schadhafte Zellen zu kopieren und intakt wieder herzustellen. Dann aber beendete William Bell sein Projekt mit den Worten: „Some things are not ours to tamper with.“ Nadine versucht Malcolm vom Gegenteil zu überzeugen – aus Überlebenswillen und Berechnung. Die Frage ist: auf wessen Befehl? Am Ende übermittelt sie ihren Erfolg mit Hilfe einer Schreibmaschine.

Die Maschine antwortet: „Begin preparation. We’re sending the others.“ Wenn ich mich nicht täusche, ist die Maschine ein Hermes-Modell: In der griechischen Mythologie war Hermes nicht nur der Bote der Götter, sondern auch der Schutzpatron der Reisenden und der Grenzgänger – auch dann, wenn Seelen in die Unterwelt geführt werden mussten. Grenzen, Brücken, andere Welten, dazu eine Brücke im Bild, hinter Olivia in Minute 35… Fringe und die Liebe zum Detail! Steckt Walternate hinter dem Shapeshifter-Angriff? Oder drängt sich diese Antwort zu sehr auf?

Steht William Bell von drüben dahinter? Wie wir wissen, hat er in der “alten” Fringe-Geschichte die Shifter kreiert. Die Verbindung liegt dadurch, dass Malcolm ihn zitiert, auf der Hand. Man könnte behaupten, dass sich der thematische Kreis der Episode mit ihrem Titel schließt: Novation referiert nicht nur auf die Shapeshifter, sondern generell auf die Problematik der neuen Welten. Novation bedeutet, eine Bindung durch eine neue zu ersetzen bzw. ein Mitglied einer Gruppe, die einer Bindung unterliegt, gegen jemand anders auszuwechseln. Wie viele von den alten Fringe-Elementen stecken noch drin in der neuen Fringe-Welt, und wie viele sind ersetzt, ausgetauscht worden? Wie funktioniert überhaupt das Begriffspaar “neu – alt” angesichts des Peter-Paradoxes, das ja vor allem ein zeitliches ist?

Die Trauer und die Verzweiflung, die Walter seit 25 Jahren mit sich herumträgt, sind nicht neu, aber anders. Einen wesentlichen Teil dieses Schmerzes bildet die Schuld, die er Nina all die Jahre für Peters Tod angelastet hat, während sie Olivia und ihre Schwester großzog. Diese Details erfahren wir beinahe beiläufig, als Lincoln und Olivia Nina im Fall der Woche um Hilfe bitten. Walter verlor zwei Söhne, während Nina zwei Töchter bekam – deren eine ein ehemaliges Cortexiphan-Kind. Fringe ist immer an den Stellen sehr gut, wo solche Konflikte wieder an die Oberfläche wollen, wo man ein Fringe-artiges Geflecht komplizierter und wechselhafter Beziehungen zwischen den Protagonisten entblößt.

Fringe enthüllt uns auch in dieser Episode nicht, wo der Fehler lag. Als Walternate von dem Observer abgelenkt oder als Peter aus dem See gefischt wurde? Oder sollte Peter von vornherein sterben und Walternate wurde deswegen abgelenkt, wobei September später doch noch in die Ereignisse eingriff? Warum machen Observer solche Fehler? Emotionen? Warum ist in den neuen Welten nichts von den Observern bekannt? Denn nach einem kurzen Gespräch mit Walter bei ihrem ersten Treffen in dieser Episode ist dies das erste, was Peter als anders erfährt: Walter hat keine Ahnung, wovon er spricht. Und Walter hat die Maschine nicht gebaut.

Noch einmal gefragt: Was ist gleich, was anders in der “neuen” Zeit? Und: was ist nach Peters Ankunft mit der Zeit passiert?

Fringe: Subject 9 (4×04)

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Da ich im letzten Review nicht ausdrücklich auf Walters Lobotomieversuch eingegangen bin, werde ich die Besprechung von Subject 9 damit beginnen. Denn für mich besteht zwischen den beiden Episoden eine enge Verbindung, genau wie zwischen Olivia, Walter und Peter, obwohl die ersten beiden sich nicht mehr an Letzteren erinnern. Wie könnte man sich auch an etwas erinnern, was nie da war? Dafür scheint Peter nichts vergessen zu haben. Für ihn ist alles so geschehen, wie wir es in den letzten Staffeln erlebten.

Fringe setzt genau an dem Punkt an, wo Erinnern und Vergessen zwei Seiten einer Brücke bilden: der Brücke, die Fringe uns bereits in unterschiedlichen Kontexten präsentierte – schwarz-weiß, als Bild gerahmt. So auch hier in Camerons Wohnung. Dieses Bild beschreibt sehr gut die Problematik der neuen Staffel, wo Erinnern und Vergessen ständig die Plätze tauschen. In Subject 9 findet der Positionstausch zwischen Ursache und Wirkung statt, da sich Zeit als instabile Komponente erweist.

Auf welcher Seite man sich befindet, ist letztendlich gleichgültig, so lange nur eine Brücke existiert, eine Möglichkeit der Verbindung – auch wenn die rationale Erklärung fehlt. Denn das, was wir Herz nennen, die menschlichen Emotionen, provozieren und motivieren Handlungen und Wahrnehmungen (in) der Welt, die rational nicht erklärt werden können.

Das zeigt diese Episode auf mehreren Ebenen. Außenstehende können irrationales Verhalten als Verrücktheit wahrnehmen und den Betroffenen gar selbst an sich zweifeln lassen: Walter glaubt, er halluziniere und müsse dem ein Ende bereiten, bevor man ihn für verrückt erklärt und wieder einweist.

Aber kann ein Mensch eine emotionale Bindung, die ihn – egal in welcher Zeit – verändert, sein Leben neu definiert hat, restlos kappen? Wenn nicht – sind Emotionen dann zeitunabhängig bzw. können den Wechsel zwischen verschiedenen Zeitströmen überdauern? Olivia kann Walter gerade dadurch an seinem Lobotomieversuch hindern, dass auch ihr Kopf “verrückt” spielt. 1 + 1 = 1? Verrücktheit ist komplizierter, als man denkt, sagt Walter zu Olivia gegen Ende von Subject 9, die ebenso wie Alone in the World eine Olivia-Walter-Episode ist.

Noch eine andere Frage warf die letzte Alone in the World-Szene auf: Was ist gleich und was ist anders im “neuen” Fringe? Viele haben sich gefragt, was nach Peters Verschwinden bzw. nach Peters Nicht-Existenz in diesen beiden Welten anders abgelaufen ist. Häppchen für Häppchen gibt uns Fringe die Antworten. Walters Frau Elizabeth hat auch hier Selbstmord begangen, und Nina Sharp taucht in dieser Episode so auf, wie wir sie kennen: als die einzige, die sich an alles erinnert – und doch wirkt ihre Beziehung zu den Figuren anders. Es klingt, als sei die Bindung zwischen Olivia und Nina eine sehr innige, die schon lange besteht.

Und Walter? Als er in der letzten Episode zu extremen Maßnahmen griff, musste man sich natürlich fragen, ob auch hier schon Teile seines Gehirns entfernt wurden, so wie in der ‘alten’ Fringe-Geschichte. Wenn ich mich nicht täusche, wurde das bisher nicht explizit erwähnt. Cameron jedenfalls, Subjekt Nr. 9 aus Walters Cortexiphan-Experimenten, merkt erstaunt an, dass Walter völlig anders sei, als er ihn erinnere. Walters Beinahe-Verzweiflungstat scheint eine Parallele zur Entscheidung der Observer zu bilden, Peter komplett auszuradieren – nur anders motiviert.

Über die Observer wissen wir übrigens, wie ich finde, immer noch viel zu wenig! Beide Versuche, Peter zu entfernen, werden nicht zu Ende gebracht. Von unserer Logik her müssen sie freilich misslingen, denn Peter wird immer schon da gewesen sein. Doch die Wirklichkeit im gegenwärtigen Fringe sieht so aus: Alle leben eine andere Variante ihres Lebens weiter und haben Peter vergessen, der in dieser Variante nie existiert hat. Peters Rückkehr ist folglich nur in seinen Augen (und denen der Observer) eine Rückkehr: Er muss erkennen, dass er im Reiden Lake nicht nur wieder-, sondern neu geboren wurde für die Menschen, die ihm nahe stehen. Nur er selbst erinnert sich an alles, was nicht war.

Der so genannte Glyph, nach dem Fringe-Fans immer Ausschau halten, hieß letzte Woche REBORN; einer der Titel aus dem Bücherstapel lautete “Astral Projections and Other Psychic Energy”: Zwei Hinweise auf den Inhalt von Subject 9. Was Fringe uns zeigt, sind die kleinen Verschiebungen im Gleichen – die Geschichte der Welten ohne Peter ist beinahe gleich abgelaufen, aber doch anders, als würde eine Minute Zeit zweimal erlebt. So springt Olivias Wecker am Anfang der neuen Episode eine Minute zurück, als ein Streifen Sonnenlicht (an der Wand neben dem Fenster sind Schmetterlinge zu sehen!) ihr schlafendes Gesicht berührt. Im nächsten Moment wird ihr Zimmer von einer blau schimmernden Energiewolke nahezu verwüstet. Ein neuer Fringe-Vorfall?

Das glauben zunächst Olivia und Walter, der im Labor – inspiriert durch „The Matrix“ – mit mehreren Kameras ein Peter-Bild aufzufangen versucht. Aber das Peter-Bild ist die blaue Wolke, was, wie ich denke, allen Fringe-Fans von Anfang an klar war! Walters Gedanke, dass ein gewisser Cortexiphan-Junge (gespielt von Chadwick Boseman) die Ereignisse verursachen könnte, fungiert weniger als Täuschung für die Zuschauer denn als Chance für Olivia und Walter, sich an ihre gemeinsame Vergangenheit zu erinnern, darüber zu sprechen und den Emotionen freien Lauf zu lassen. Zwar hilft Cameron James (der Name: Zufall oder Absicht?) letztlich dabei, Peter zurückzubringen, während alle noch glauben, die blaue Wolke zerstören zu müssen – aber es sind Olivia und Walter, deren Emotionen eine Wellenlänge haben, welche auf Peter reagiert und ihm metaphorisch zur Neugeburt (à la Neo in „The Matrix“) verhilft.

Eine grandiose, Emmy-reife Leistung erbringen sowohl John Noble als auch Anna Torv in dieser Episode. Sie spielen – wieder einmal – die Walter-Olivia-Beziehung und ihre gemeinsame Vergangenheit vor unseren Augen durch: aber – wieder einmal – anders, um Nuancen verschoben… um letztendlich doch zu demselben Ergebnis zu kommen? Nicht nur, dass Olivia Walter entgegen seinen Befürchtungen nicht nach St. Claire schicken will; nicht nur, dass sie zweifach zueinander finden: erstens in ihrem jeweiligen Anderssein, zweitens in dem Verlust, den sie beide fühlen, aber nicht erklären können.

Walter will Olivia beweisen, dass mit ihm alles in Ordnung ist, und verlässt das Labor, zum ersten Mal seit drei Jahren, was mit seiner Verwüstung des Hotelzimmers endet. Ebenso verwüstet ist Walters Gemüt, und in einer die Episode krönenden Szene spricht er das Gefühl aus, allein zu sein: „I merely work for you. We’re not family.“ Als Olivia antwortet, dass sie nur das Beste zu tun versuche, fragt er tieftraurig: „For whom?“

Vielleicht für Peter, den sie beide nicht mehr kennen. Und der nach seinem plötzlichen Auftauchen mitten im Reiden Lake behauptet, alle zu kennen, und Olivia zu sehen verlangt. Die Episode endet mit Olivias Fan-Herzen zerreißender Frage an Peter: „Who are you?“

Ich bin gespannt: auf Peters Antwort und darauf, wie Fringe seine Rückkehr nun handhaben wird.

Fringe: Alone in the World (4×03)

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Während man sich bei Fringe nicht wirklich sicher sein kann, welche Richtung als nächste eingeschlagen wird, hat die Serie Eines seit ihrer dritten Staffel unmissverständlich klar gemacht: Fringe handelt zwar von Herz und Verstand, aber das Herz treibt alles voran. Nicht in dem Sinne, dass die FOX-Serie vom Sieg des Herzens über den Verstand erzählte oder Ähnliches: Fringe versucht nicht, beides voneinander zu trennen, sondern aufzuzeigen, wie menschliche Beziehungen und Emotionen die Welt immer aufs Neue gestalten.

Dabei bleiben Spuren, Narben, Erinnerungen, die tatsächlich manchmal den Verstand bedrohen. Fringe zeigt einen unaufhaltsamen Prozess, dessen Motor die Emotionen sind – und so wird auch bei den Fällen der Woche die Lösung oft mit und im Herzen gefunden. Immer wieder aber baut Fringe dabei Brücken: zwischen Herz und Verstand, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen einem Universum und dem nächsten, zwischen Vater und Sohn.

In meinen Augen treibt Alone in the World – vom Ende der Episode einmal abgesehen – weder die Handlung voran, noch bringt sie Neues über die Peter-Situation. Eher tritt sie auf der Stelle. Letzte Woche sprachen wir über Fringes Stillleben mit weißen Tulpen; diesmal können wir das Sinnbild erneut benutzen, aber als Aussage über die komplette Episode: Alone in the World präsentiert ein schmerzvolles Stillleben, bildet die Schaubühne für John Nobles exzellentes Kammerspiel in der Rolle des Walter Bishop.

Walter sehnt sich nach Stille, aber er kann Peters (Joshua Jackson) Stimme nicht aus seinem Kopf vertreiben – und auch nicht Peters Gesicht aus dem Clipboard des Psychiaters, der Walter seinen monatlichen Besuch abstattet. Als Walter später mit Broyles spricht, übertönt Peters Stimme alles. Es ist ein Hilferuf: „Walter, do you see me? Don’t be scared. I want to come home.“ Walter fürchtet den Verstand zu verlieren. Offenbar wurden durch Peters Verschwinden Verbindungen gekappt, von deren Vorhanden-Gewesensein die Beteiligten nichts mehr wissen, deren Fehlen sie aber dennoch schmerzlich spüren. Wir sehen am Anfang der Episode, dass Olivia (Anna Torv) eine Zeichnung von Peter anfertigt und heimlich die Datenbanken nach seinem Gesicht durchsucht.

Seit Peters Verschwinden erleben wir Olivia stiller und zurückgezogener denn je. Eine der besten Szenen der Episode ereignet sich am Beginn zwischen ihr und Lee, als beide leise miteinander sprechen und Olivia ihm seine Hilfe anbietet, falls die veränderte Weltwahrnehmung – seitdem Lee von den beiden Universen weiß – ihm Kopfschmerzen bereite. „I am here“, sagt sie. „Here?“, fragt er vorsichtig. Genauso vorsichtig und langsam wechselt die Kamera von ihm zu ihr und umgekehrt. Das Zusammenspiel der beiden ist exzellent – und was man dieser Episode diesbezüglich vorwerfen kann, ist, nicht mehr daraus zu machen! Denn Olivia und Lee untersuchen zwar den Fall der Woche gemeinsam, aber sehr schnell wechselt der Fokus zu Walter und seiner Interaktion mit dem kleinen Aaron.

Aaron, ein einsamer Junge, der kein richtiges Zuhause hat bzw. es nicht als solches empfindet, hat eine für ihn unerklärliche Verbindung zu einem seltsamen Organismus ausgebildet: einem sich schnell verbreitenden Pilz, den Walter später „Gus“ nennt (als Abkürzung für „fungus“, Pilz). Aaron ist sich dieser Verbindung nicht wirklich bewusst, aber sie hat bald tödliche Konsequenzen für Andere. Und wie es sich bei Fringe gehört, müssen wir Zuschauer uns dessen bewusst sein, dass wir Hinweise auf die Ereignisse einer kommenden Episode häufig in der vorherigen finden.

So führt uns auch One Night in October zu Alone in the World, nämlich als die Bücher des Psychologieprofessors im Close-Up zu sehen sind: Killer Mindscapes von S. Pores, Neuropsychiatric Disorders von Dr. Gus Lathey, Fundamentals of Structural Engineering, Psychology of the Human Brain, Surgical Principles. S. Pores – „spores“, Pilzsporen; Gus – (fun)gus… Zufälle? Eher nicht – ebenso wenig wie die Buchtitel, die sich rückblickend nicht nur auf Walters psychischen Zustand beziehen, sondern auch auf die hirnartigen Strukturen und Funktionen des Pilzorganismus.

Für diese übrigens gibt Fringe auch einen visuellen Hinweis, nämlich bevor es in den Tunnel geht, wo sich Aaron versteckt hatte: Man sieht das gesprayte Wort „MIMIC“ (wenn ich es mir nicht eingebildet habe). Walter findet heraus, dass der Pilz Aarons Emotionen erfasst und sie reproduziert, nachahmt: Mimikry. Auf emotionaler Ebene sind Aaron und der Pilz einander gleich. Die Verbindung besteht über das limbische System, die Emotionsleitungen. Wenn Aaron traurig ist, ist es der Pilz auch – und wenn das Fringe-Team den Pilz zu vernichten versucht, droht es gleichzeitig Aaron zu töten.

Zu Aaron baut auch Walter nach anfänglichen Schwierigkeiten eine Verbindung auf, die ihn sogar erzählen lässt, was mit seinem Sohn passiert ist. Peter-1 starb an der Krankheit – und Peter-2 ertrank im eiskalten Seewasser, als Walter ihn zu holen versuchte. Walter gibt Aaron Peters kleine Spielfigur – wie ich glaube, dieselbe, die Peter dem kranken Kind in Inner Child überreichte. Man kann sagen, dass Walters Austausch mit Aaron den Vater in ihm hervorbringt – und gleichzeitig darauf referiert, wie emotionale Verbindungen zu einer Art Symbiose führen: Sie erzeugen das Empfinden eines Ganzen, das keines mehr ist, dem etwas fehlt und das die fehlenden Teile schmerzlich vermisst, die es seiner Ganzheit für immer berauben. Walter kann zwar die Verbindung zwischen Aaron und Gus trennen, nicht aber die zwischen ihm selbst und Peter.

Wie sich herausstellt, steht Walter damit nicht allein. Wie Olivia in Lysergic Acid Diethylamide den Mr. X aus ihrem Traum malte, ohne zu wissen, wer er war, geschieht es jetzt auch mit Peter… Ebenso zeichnete Aaron die Strukturen des Pilzes, ohne es zu wissen: unbewusst mimetisch. „Do you like to draw?“, fragte ihn Olivia, nachdem er zur Fringe Division gebracht worden war. „Me too.“

Falls auch auf der anderen Seite solche Träume oder Visionen von Peter existieren – bei Walternate und Fauxlivia -, hieße das dann, dass sie mit vereinten Kräften eine Brücke bauen sollten, über die Peter nach Hause kommen kann? Aber wo wird dieses Zuhause sein? In welcher Variante wird Peter die Welt vorfinden, falls er wieder auftaucht? Zwar kommt die Episode mit diesen vielen Fragen nicht weiter, und Welt-2 bleibt außen vor – aber Fringe hat eine Verbindung zum limbischen System seiner Fans etabliert, die die Serie zur Herzensangelegenheit macht und gelegentliche Unzulänglichkeiten nichtig erscheinen lässt…

Fringe: One Night in October (4×02)

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Der Übergang vom September zum Oktober: Ausgerechnet dann wird die Fringe-Episode One Night in October ausgestrahlt, die auf den ersten Blick wenig mit dem handlungsübergreifenden Erzählstrang zu tun hat, aber letztendlich… nur von diesem handelt! Was geschicktes Einflechten von Fällen der Woche in die fortlaufende Handlung und umgekehrt anbetrifft, so erweist sich Fringe ein weiteres Mal als ‘marktführend’ – so sehr, dass man bei der FOX-Serie zuweilen meint, den Fall der Woche kaum mehr trennen zu können von der großen Erzählung.

Von September zu Oktober. Von einem “alten” Observer zu einem “neuen”? Sollte man meinen – aber die neue Episode handelt nicht wirklich von den Observern; ungeachtet dessen jedoch versucht die Serie stets, mit kleinen und feinen Hinweisen immer und von allem zu handeln. Fringe bietet ein unbegrenztes Feld für Spekulationen, Interpretationen und andere Gehirnübungen. Das schönste Feld, das die Serie bislang geboten hat, war sicher eines voller weißer Tulpen, in dem zwei kleine Kinder vor dem Trauma ihres Alltags Zuflucht beieinander suchten; die Erinnerung dieser Begegnung brannte sich für immer in ihre Seelen ein… Was aber, wenn solche glücklichen und vor allem prägenden Momente aus der Kindheit ausgelöscht werden? Bleibt tatsächlich keine Spur von ihnen? Oder kann man zu ihnen zurückfinden, wenn man den Brotkrümeln folgt?

Die neue Fringe-Staffel scheint Brotkrümel für die Figuren zu streuen, die ihnen den Weg zeigen: den Weg zu ihnen selbst. Man muss Gastdarsteller John Pyper-Ferguson ein großes Kompliment für seine Doppelrolle in One Night in October aussprechen. In der roten Welt verkörpert er den genialischen Serienmörder John McClennan – und in der blauen denselben Mann, der hier aber als Professor für klinische Psychologie arbeitet. Sein Spezialgebiet: Serienmörder! John-2 entführt Menschen und zwingt sie mit Hilfe einer Maschine dazu, ihm ihre glücklichsten Erinnerungen mitzuteilen, sie ihm buchstäblich zu übertragen.

Damit nimmt One Night in October eines der großen Themen des Fringe-Universums auf und erzählt davon, auf welche Weise kleine Veränderungen einander ähnliche, wenn nicht gar gleiche Menschenleben in unterschiedliche Richtungen treiben können. Die zwei McClennans und die zwei Olivias stehen im Zentrum dieser Episode, denn Broyles-2 (der am Leben ist!) fordert von Broyles’ Leuten Unterstützung. Das bedeutet: Olivia muss mit Fauxlivia zusammen arbeiten und Letztere wieder zum Spiegelbild Ersterer werden – um vor John-1 die Tatsache zu verschleiern, dass er sich in Welt-2 befindet, um bei der Suche nach seinem eigenen Spiegelbild zu helfen. Ein weiteres Kompliment an Anna Torv für die wieder einmal sehr gelungene Darstellung der zwei Olivias, die dieses Mal des Öfteren zusammen im Bild zu sehen sind!

Währenddessen stellt der Blick in spiegelnde Oberflächen eine Gefahr für Walter (John Noble) dar. Die Szenen im Labor sind wieder durchdrungen von tiefer Trauer und gleichzeitig Humor. Walter befindet sich an der Grenze zum Wahnsinnigwerden, und Astrid ist wohl die Einzige, die ihn an dieser Grenze aufhalten kann. Nicht nur bedeckt Walter alle spiegelnden Oberflächen im Labor, sondern er hört Mozart in voller Lautstärke, denn Peter versucht auch auditiv mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Mit Lincoln haben die Fringe-Autoren definitiv einen Zugewinn fürs Team geschaffen, aber bis auf den kleinen Austausch mit Walter („Kennedy, help me.“ – „Lincoln…“) bleibt er in dieser Episode außerhalb der Geschehnisse. Vielleicht weil Lincoln-2 die Bühne betritt und die Handlung drüben spielt? Ja, nicht nur Broyles-2 ist am Leben, sondern auch Lincoln; Fauxlivia ist mit Frank zusammen, und Charlie hat “The Bug Girl” geheiratet. Und Olivia? Astrid legt ihr nahe, Lincoln und sich selbst ein Date zu gönnen, aber laut Olivia ist er nicht ihr Typ. Astrids Bemerkung, dass Olivias Typ vielleicht gar nicht existiere, hören unsere Zuschauerohren als weiteren Hinweis auf Peter… !

Anhand eines Fotos in John-2s Haus findet John-1 heraus, dass etwas nicht in Ordnung ist. Olivia muss ihn mit den zwei Universen konfrontieren und erzählt im darauf folgenden Gespräch von den Misshandlungen seitens ihres Stiefvaters. Die Szene zwischen den beiden mit Fauxlivia als Zuhörerin im Hintergrund ist wohl die beste dieser Episode, da sowohl John Pyper-Ferguson als auch Anna Torv subtil, aber trotzdem intensiv jede Gefühlsregung und jede Erinnerung darzustellen wissen.

What’s in him is in me, sagt John-1 – doch er wusste die Dunkelheit in sich in Glück umzuwandeln dank der Begegnung mit einer Frau namens Marjorie, die ihn aufnahm, als er seinem brutalen Vater davongelaufen war. In einer Oktobernacht. „Even when it’s the darkest, you need not stay there, you can step into the light“, lauteten Marjories Worte, die seine Seele berührten und dort einen Eindruck von Glück für immer hinterließen.

Etwas später treffen die beiden Johns aufeinander, als John-1 den Mord an einer weiteren unschuldigen Person verhindern will. John-2 trachtet ausgerechnet nach den Marjorie-Erinnerungen, als Olivia und Lee das Ganze unterbinden und John-2s Leben retten. Marjorie jedoch ist weg, die Erinnerung an sie ausgelöscht. In Olivia steigt die Angst empor, dass nun nichts mehr John von der Dunkelheit fernhalten könne. Aber er erinnert sich an Marjories Worte – und an die Hoffnung, die sie ihm gaben.

Im Gespräch zwischen Fauxlivia und Olivia erfahren wir, dass Olivia ihren Vater in der neu gestalteten Fringe-Realität getötet hat. Vielleicht ein Ergebnis ihres Nicht-Treffens mit Peter im Tulpenfeld? Aber wie es Broyles Olivia gegenüber ausdrückt, berühren manche Menschen unsere Seelen derart, dass der Abdruck, den sie hinterlassen, niemals ausgelöscht werden kann – so wenig wie der Duft von Gänseblümchen (die man in Johns Flashbacks sieht, wenn ich mich nicht täusche) oder die reine Schönheit weißer Tulpen. Haben möglicherweise die Abdrücke, die Peter (Joshua Jackson) in den Seelen der von ihm geliebten Menschen hinterlassen hat, seine komplette Auslöschung verhindert?

Am Ende der Episode versucht Walter erneut, Peters Hilferufe mit Musik zu übertönen, aber das Echo bleibt. Peter scheint wirklich in einem Niemandsland zwischen den Welten gefangen zu sein und zurückkehren zu wollen. Wird aber Walter auf die Hilferufe hören? Was glaubt ihr: Wo ist Peter, und wie lange werden die Autoren ihn noch verborgen halten? Was haltet ihr von den Veränderungen durch seine Nicht-Existenz? Und werden sie rückgängig gemacht, falls er in einer der beiden Welten wieder auftaucht?

Fringe: Neither Here Nor There (4×01)

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Kein Rot, kein Blau, sondern Gelb. Oder Orange, wenn man die Fringe-Autoren fragt. Ich spreche natürlich vom Vorspann dieser vierten Fringe-Staffel. Gemeinsam mit euch Lesern haben wir in den Reviews zur dritten Staffel oft darüber spekuliert, ob wir uns nicht irgendwann in einem gelben Universum vorfinden würden… Eigentlich scheint mir “Amber” die passende Bezeichnung für den neuen Vorspann. Nicht nur wegen der Farbähnlichkeit, sondern auch die Anfangsprämisse der Staffel betreffend. Die zwei Fringe-Welten sind mit Hilfe der Peter-Brücke (meine eigene Bezeichnung) miteinander verbunden. Es wird gemeinsam an der Rettung gearbeitet – und auch sonst ist nicht wirklich alles beim Alten. Oder ist es gerade beim ganz Alten? Denn etwas fehlt, was eigentlich nie da war oder nie da sein sollte: Peter (Joshua Jackson) ist verschwunden.

Sein Verschwinden hat sich jedoch, wie wir in etlichen Projektionen in dieser Episode sehen und von den Observern hören, nicht vollständig vollzogen. Peter ist noch da: wie ein Echo, ein Widerhall der Ereignisse im Fringe-Universum, eine Erinnerung. Auch in den Figuren selbst ist dieses teilweise unbewusste Echo nicht abgeklungen: In Neither Here Nor There hallt es in ihrem Innern wider – nur wissen sie nicht genau, was sie so traurig macht. Denn sowohl Olivia als auch Walter (John Noble) sind traurig, als hätte man die Zeit zurückgedreht und sie zurück in die erste Staffel geschickt: in die Zeit vor Peter.

Beide Olivias erleben wir so, wie sie waren, bevor sie die Beziehung mit Peter hatten. Am Anfang der Episode tauschen sie nicht nur Files aus, sondern auch Misstrauen und gegenseitige Beschuldigungen. Der Prozess, den wir in der dritten Staffel miterlebten, wurde zunichte gemacht: Man ist einander nicht ähnlicher geworden, sondern beharrt auf Unterschieden. „One of these things is not like the others“, sagt FBI-Agent Lincoln Lee (Seth Gabel) später in der Episode zu Olivia (Anna Torv). Übrigens: sagte er in Stowaway nicht dasselbe zu Peter?

Ja, Lincoln ist wieder da, aber er scheint sich nicht daran zu erinnern, Olivia je getroffen zu haben. Was also hat sich noch verändert? Welche Ereignisse aus den vorige Staffeln sind noch immer geschehen – und welche nicht? Sind Charlie und Alt-Broyles vielleicht noch am Leben? Was ist mit Nina, Brandon oder Alt-Lincoln?

Und: wo und was ist nun eigentlich Peter? Er ist da – und gleichzeitig nicht. Besitzt er noch eine Identität, ein Bewusstsein – oder ist nur ein Nachhall seiner selbst im Zeitstrom verblieben? Da die meisten Peter-Projektionen im Labor erscheinen und Walter zu Tode erschrecken, sieht es so aus, als wolle Peter mit Walter Kontakt aufnehmen. Sind tatsächlich alle Erinnerungen an ihn verschwunden? Kann er zurückkommen, so wie die Taube, die Walter (John Noble) – wenn auch für kurze Zeit – wieder zum Leben erweckt?

Damit sind wir bei einem der zentralen Themen in Fringe angelangt: wie man mit Fringe-Technologie, aber vor allem durch Erinnerungen und den eigenen Willen zurückkehren kann – als Mensch also, mit Gefühlen und einem gelebten und zu lebenden Leben. „People die. It happens. Sometimes they even die twice“, sagt Walter. Hat er das Kind Peter in dieser neuen Realität zweimal verloren?

Man denke an die Worte des Chef-Observers: „They can never know the boy lived to be a man.“ Und vielleicht ist das Peter-Echo nicht von langer Dauer, denn September bekommt den Auftrag, Peter endgültig aus der Zeit auszulöschen. Im letzten Moment aber entscheidet er sich dagegen. Was für Konsequenzen diese Entscheidung haben wird? Schwer zu sagen, denn nach wie vor wissen wir nicht viel über die Observer; und in einer späteren Szene sieht man einen neuen, “jünger” wirkenden. Septembers Ersatz?

Fragen über Fragen am Anfang der neuen Staffel, der auch auf den Fall der Woche nicht verzichtet. Zumindest scheint es ein Fall der Woche zu sein, in dem die Fringe Division schon dreißig Opfer zählt. Olivia bekommt Unterstützung nicht nur von Astrid (Jesika Nicole), die für Walter den Außendienst erledigt – er kann und will das Labor nicht verlassen -, sondern unerwarteter Weise von einem gewissen FBI-Agenten namens Lincoln Lee. Dessen Partner ist ebenfalls dem Mörder zum Opfer gefallen, der durchsichtig, fast gläsern aussieht – ein Aussehen, das er auch seinen Opfern verleiht.

Olivia sieht sich gezwungen, Lincoln einzuweihen, da sie seinen Verlust nachvollziehen kann. Sie erzählt diesbezüglich von ihrem damaligen Verlobten, aber es scheint auch eine andere Note mitzuschwingen… Oder sind es nur wir Zuschauer, die noch von Peter wissen und dadurch in Stimmungen und Emotionen der Figuren mehr hineininterpretieren?

Es stellt sich heraus, dass es mehr als einen Mörder gibt; in ihren Körpern befindet sich jeweils ein Mechanismus. Handelt es sich um eine Art neuer Shapeshifter? Das ist Walters Meinung, der auf alles, was Walternate betrifft, mit akuter Paranoia reagiert. Als Olivia Fauxlivia damit konfrontiert, lächelt diese nur abwehrend – aber man merkt, dass sie keine Ahnung hat, was vor sich geht!

Fringe: The Day We Died (3×22)

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Empfinden wir Menschen Dinge und Vorgänge bzw. Ereignisse nur dann als schön, wenn sie einen Sinn ergeben oder ihre Schönheit logisch erklärt werden kann? Wo aber bliebe dann das äußerst subjektive, unlogische Schönheitsempfinden?

Natürlich ist hier die Rede vom Erleben der FOX-Serie Fringe. In meinen Augen hat es die Serie mit dieser dritten Staffel geschafft, beides zu verbinden.

Ihre eigene Logik ist eng verbunden mit dem Genuss der Serie selbst, mit dem Empfinden der Schönheit von brillanten visuellen Inszenierungen – und auch dem Genuss der Interaktion zwischen den Figuren, den kleinen und feinen Meta-Spielchen seitens der Autoren, der Vorlagen für die Zuschauer, sich selbst Gedanken zu machen oder gar sich darin zu verlieren: nur weil der Prozess, gedankliche Knoten zu binden, Spaß macht.

Schon oft wurden die wissenschaftlichen Spielereien innerhalb der Fringe-Handlung kritisiert und Logik-Löcher gefunden. Seit der scheinbaren Verschiebung des Serienschwerpunkts von Matters of the Mind zu Matters of the Heart empfanden viele Zuschauer eine romantische Lösung für ein Sci-Fi-Problem als unzureichend: als unlogisch, falsch, unangebracht. Ungeduld breitete sich aus, vermutlich genauso wie beim Lesen dieser Einführung, beim Rätseln darüber, wohin das Ganze führen solle. Viele Zuschauer fürchteten, vom Staffelende enttäuscht zu werden, eine unzureichende, unlogische Erklärung zu bekommen.

Was aber, wenn es gar kein Ende gibt? Was, wenn das Ende gleichzeitig Anfang ist und umgekehrt? Ich möchte an dieser Stelle Noel Carrolls Buchtitel paraphrasieren und das Finale als The Philosophy of Fringe, Or Paradoxes of the Heart bezeichnen. Mit dem Finale der dritten Staffel wird klar, was Fringe die ganze Zeit zu erzählen versuchte. Die Serie berichtet auf paradoxe Art und Weise von einem Paradoxon: darüber, dass eins und eins… eins ergibt.

Vor Jahren holte Walter (John Noble) Peter (Joshua Jackson) herüber und schien mit diesem von purer Emotion diktierten Schritt dem Schicksal einen Schlag verpasst zu haben. So mussten damals die Observer eingreifen, um Peter und Walter aus dem eiskalten Wasser zu holen. Denn Peter ist wichtig. Ohne Peter kann sich das Schicksal nicht erfüllen. Im Laufe dieser finalen Episode erst begreifen wir, dass das, was man als Sieg des eigenen Willens, der Emotionen, vor allem der Liebe über das Schicksal deutete, im Grunde dessen Erfüllung ist: Um die Balance auszugleichen, die durch Walters Emotionen gestört wurde, musste ein emotionales Gegengewicht in den Beziehungen zwischen Peter und den beiden Olivias gefunden werden, so dass jetzt doch noch das Ziel erreicht ist, was nur die Observer zu kennen scheinen. Vor allen anderen: September.

The Day We Died schnürt einen Knoten, einen Treffpunkt zweier Wege, die zu einem werden, wenn sie auch stets von unterschiedlichen Seiten her begehbar waren. Eigentlich ist es ein und derselbe Weg. Es handelt sich um die zwei Seiten derselben Münze, eines silbernen Dollars, der sich plötzlich in der Luft auflöst und die Seiten damit zu einer macht: wie bei M.C. Eschers Möbiusband, bei dem sich Oben und Unten, Anfang und Ende auflösen. Sie haben nie existiert – und ihre Nicht-Existenz ist die Antriebskraft, der Grund für die Bewegung auf dem Band. Es scheint unmöglich, die Ameise auf der einen Seite zu töten, ohne gleichzeitig auch die auf der anderen Seite tödlich zu treffen, denn es ist dieselbe! Durch Peters Zukunftsreise wird endgültig klar, wie sehr das Schicksal der einen Welt dem der anderen gleicht – weil die zwei Welten miteinander verknüpft sind.The Day We Died hat einen neuen Vorspann, einen grauen, in dem die Farben Schwarz und Weiß sich zu Grau treffen. Aber nicht nur die Farbe ist anders, sondern auch die im Vorspann erscheinenden Wörter: Cellular Rejuvenation, Thought Extraction, Cryptozoology, Neural Partitioning, Brain Porting, Temporal Plasticity, Dual Maternity, Chaos Structure, Clonal Transplantation, Water, Biosuspension, Hope. Mit beneidenswerter Leichtigkeit führt Fringe die Zuschauer ein weiteres Mal in eine neue Welt ein, samt Figuren, Schicksalen und Vorgeschichten – aber diesmal dank einem Zeitsprung.

Peter befindet sich im Jahre 2026 in der blauen Welt, die von Wurmlöchern und Terrorattacken heimgesucht wird. Er ist mit der Chefin der Fringe Division, Olivia Dunham (Anna Torv), verheiratet; auch Olivias Nichte Ella arbeitet für die Division als frisch gebackene Agentin, genauso wie Astrid. Keiner von ihnen vermag jedoch das Ende dieser halb zerstörten Welt aufzuhalten. Wir erfahren, dass die Terrororganisation End of Days von einem Mann namens Moreau angeführt wird (wie schon in „Herr der Ringe“ eine Klasse-Leistung Brad Dourifs), aber nur wir Zuschauer bekommen zu sehen, dass Walternate der eigentliche Anführer ist. Die rote Welt wurde zwar zerstört, aber seitdem, trotzdem und deshalb befindet sich die blaue Welt in einem Prozess der Zerstörung: Die Welten sind unzertrennlich, und die Existenz der einen ist die Voraussetzung für die Existenz der anderen.

Walter, der im Gefängnis sitzt und den gesammelten Hass der Bevölkerung auf den Schultern trägt, könnte als Einziger Peter dabei helfen, die so genannten Lichtbomben zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen. Mit Broyles’ Erlaubnis – er ist Senator geworden, auf einem Auge erblindet und hat offenbar mit Peter schreckliche Erfahrungen in Detroit gemacht – darf Walter in sein altes Labor zurückkehren, das fremd und abweisend wirkt ohne Gene und Astrid. Aber Walters Untersuchung kommt zu spät. Walternate nimmt seine Rache, indem er Peter zum Haus am Reiden Lake hinauslockt und ihn dazu bringt, mit einem Walternate-Hologramm zu sprechen, während Walternate in Fleisch und Blut Olivia eine Kugel in den Kopf verpasst.

Walter kann all dies nicht ändern, weil es schon geschehen ist. Innerhalb der Ereignisse jedoch könnte Peter eine andere Wahl treffen. Dafür muss sein Bewusstsein vom 2026-Jetzt zurück ins Jahr 2011 geschickt werden, zu seinem in der Maschine eingeschlossenen Körper, um schon dann zu wissen, was in diesem zukünftigen Jetzt passieren wird – und die Maschine zu stoppen. Walter begreift, dass er selbst die Teile der Maschine zurück durch die Zeit geschickt haben muss. Peter sagt: „We are The First People – especially you, Walter.“

Peter entscheidet sich für Olivia: dafür, den Schritt zurück zu wagen und alles zu verändern. Aber er verändert etwas auf beiden Seiten gleichzeitig. Während uns die Bilder zeigen, wie sich Peter in der Maschine sowohl in der blauen als auch in der roten Welt materialisiert, begreifen wir plötzlich, dass Peter nicht an zwei Orten gleichzeitig ist, sondern dass alle Beteiligten sich im selben Raum befinden. Die vielen Brückenmetaphern und Brückenbilder, mit welchen Fringe nicht nur in dieser dritten Staffel jongliert hat, haben genau diesen Zeitpunkt vorhergesagt und angestrebt: den Zeitpunkt, an dem Peter sein Schicksal, seine Funktion erfüllt, eine Brücke nicht nur zu bauen, wie er sagt, sondern zu sein.

Peter ist The Man who wasn’t there. Denn als er mit strahlendem Gesicht die Maschine verlässt, zu Walter, Walternate, Olivia und Fauxlivia geht und sagt, jetzt habe er alles verstanden, löst er sich plötzlich in Luft auf, worauf keiner der Anwesenden reagiert. Vielleicht deswegen, weil er immer schon nicht da gewesen sein wird – und niemand sich an ihn erinnert.

Die Bestätigung bekommen wir von den Observern, die draußen vor der Freiheitsstatue (der blauen Welt?) stehen. Sie sprechen darüber, dass Peter seine Funktion erfüllt hat. „You were right“, sagt einer von ihnen zu September, „they don’t remember Peter.“ Und September antwortet: „How could they? He never existed.“

Wenn nun die doppelten Figuren den Raum verlassen: in welchem Universum befinden sie sich dann? Im jeweils eigenen? Ist die Brücke nur in diesem Raum? Ist Peters Existenz absolut aufgelöst? Ist auch Fauxlivias Sohn verschwunden? Dieses Ende wirft viele Fragen auf. Und die Fringe-Produzenten versäumen es auch im Finale nicht, visuelle Spielchen zu treiben, die vielleicht erzähllogische Hinweise liefern – oder aber auch falsche Fährten.Man denke besonders an die Aufnahmen aus der Vogelperspektive von Olivia und den Fringe-Soldaten im Jahre 2026, als sie, durch die Lichtbombe ohnmächtig, auf dem Boden liegen. Es sind genau neun Menschen im Bild, angeordnet wie die Ziffer 9. Auf dem Asphalt sind die Worte „Only“ und „Sept“ zu lesen. September ist der neunte Monat des Jahres (auch wenn “septem” sieben bedeutet: aber ins alte Rom zum julianischen Kalender wollen wir jetzt nicht noch reisen), und so heißt auch der Observer. Auch über das Staffelfinale hinaus erlaubt Fringe eine Menge an Spekulationen.

Fringe: The Last Sam Weiss (3×21)

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Die vorletzte Episode dieser dritten Fringe-Staffel liefert sowohl Enthüllungen als auch einen spannenden Cliffhanger. Obwohl ich den Verlauf der Episode als ziemlich hektisch und sprunghaft empfand, ändert das nichts an dem großen, spannenden Fragezeichen, das sie setzt. Man kann The Last Sam Weiss ganz eindeutig in zwei Hälften unterteilen, die wiederum sehr genau Fringes Beschaffenheit als Erzählung widerspiegeln. Während die erste Hälfte mit Hilfe von Fringe-Science mythologische Enthüllungen macht, ist die zweite emotionsgeladen und wärmt das Herz: Matters of the Mind and Matters of the Heart.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Episoden dieser dritten Staffel gelingt es The Last Sam Weiss nicht, diese zwei Komponenten reibungslos und unauffällig miteinander zu verbinden; wenn es allerdings überall Blitze hagelt und die Welt unterzugehen droht, ist Sprunghaftigkeit unausweichlich. Während Walter (John Noble) Peter (Joshua Jackson) im Krankenhaus bewacht, machen sich Olivia (Anna Torv) und der letzte Sam Weiss (Kevin Corrigan) auf die Suche nach einer Möglichkeit, die Maschine zu stoppen.

Hier begegnen wir der ersten Überraschung in der Episode, nämlich, dass der Bowlingclub-Besitzer Sam Weiss nicht etwa ein Unsterblicher oder gar einer der First People ist, sondern eine Art Archivar, der auf das Ende der Welt wartet. Er ist ein Wissensträger, das letzte Glied einer Kette von Sam Weiss-Generationen, die The First People studiert haben. Diese Enthüllung selbst wirkte auf mich weniger enttäuschend als der Umgang mit Sam Weiss’ Figur: Die Serie benutzte ihn auf die Schnelle und ließ ihn dann irgendwo in der Ecke stehen. Es hat mich einfach etwas an der Darstellung gestört: von einer scheinbar allwissenden und geheimnisvollen Figur in kürzester Zeit zu einem hilflosen, mit zu viel Slapstick handelnden Indiana-Jones-Betreuer…? Man möge mich nicht missverstehen: Die Entscheidung, ihn nicht zum Allmächtigen oder Ähnlichem zu machen, scheint mir völlig in Ordnung – nur das Wie fand ich irritierend.

Nun, dieser kleine Kritikpunkt schmälert nicht die komplette Episode – und auch nicht die Erkenntnis, dass die Maschine laut Sam frustriert davon scheint, ohne Peter in Betrieb gesetzt worden zu sein. Die Ereignisse wurden so, wie sie sich derzeit entwickeln, nicht vorhergesagt. Sam sieht sich gezwungen (auch von Olivia), zum letzten Strohhalm zu greifen, nämlich einer uralten Box, deren Schlüssel er und Olivia mit besagtem Indiana-Jones-Einsatz sicherstellen.

Der nächste Schritt nun erinnert zwar sehr an J.J. Abrams’ Alias, aber er ist für Fringe nur zu logisch und vervollständigt die Kernaussage der Erzählung, womit wir in der zweiten Episodenhälfte angelangt sind. Man erinnert sich an eine Szene aus der ersten Staffel, in der Olivia mit mentaler Kraft David Robert Jones’ Bombe stoppte (falls ich es mir nicht eingebildet habe) und Peter hinter ihr stand. Nach The Last Sam Weiss muss man sich fragen, ob es “nur” Olivia war, die die Bombe entschärfte – oder ob es ihr erst durch Peters Anwesenheit gelang.

Denn die alten Manuskriptseiten aus der Box zeigen Olivias Gesicht und eine Verbindung zu der Maschine. Nicht nur Peter ist mit der Maschine verbunden, sondern auch Olivia kann eine Verbindung herstellen. Es bedarf der beiden, um das Ziel zu erreichen. Anscheinend haben die First People das vorhergesehen – aber der Verlauf der Ereignisse wurde eben zwischenzeitlich durch diese vorhergesagte Liebe selbst unter umgekehrten Vorzeichen durchkreuzt: indem nämlich Peter mit Fauxlivia zusammen war, daraus ein Kind entstand und somit die Maschine von “drüben” aus gestartet werden konnte.

Peter und Olivia sollen, metaphorisch gesprochen, eins werden, damit die Welt gerettet werden kann. Genauso wie die Maschinen auf beiden Seiten einander anziehen wie zwei Magnete und alles dazwischen zu zerstören drohen. Walter erkennt diese Tatsache, nachdem er zwei Mal vom Blitz getroffen wird, und bringt Broyles dazu, die Maschine nach Liberty Island zu transportieren, wo in der roten Welt ja Walternates Maschine steht. Damit will er das Magnetfeld zwischen den beiden reduzieren, die Zerstörung verlangsamen und so Olivia und Peter Zeit geben, um die Ereignisse aufzuhalten.Aber ist das möglich? Olivia versucht ihre mentalen Fähigkeiten zu aktivieren, aber es funktioniert nicht. (Walters Gespräch mit Olivia wird übrigens von Anna Torv und John Noble zu einer sehr schönen Szene ausgespielt.) Olivia braucht Peter. Und der ist nicht aufzufinden: verloren. Er wacht im Krankenhaus auf, hinterlässt einen Zettel mit „I am going home“ (wie der, den er als Kind Elizabeth in der blauen Welt hinterließ) und macht sich auf den Weg nach New York, wo er nach seinem Vater sucht, dem… Secretary of Defense! Erst als Olivia und Walter ihn finden, versteht Peter, in welchem Universum er sich befindet.

„Be A Better Man Than Your Father“: Diese Notiz erscheint auf der Schreibmaschine, die Olivia die ganze Zeit mit ihrem Geist zu aktivieren versuchte. Jetzt, da Peter direkt hinter ihr steht, funktioniert es.

Auch die Maschine kann sie ausschalten, und Hand in Hand gehen die beiden darauf zu, bis Peter einsteigt und die ihm vorherbestimmte Position einnimmt. Diese führt ihn… 10 Jahre in die Zukunft, in die Nähe eines Mahnmals an 09/11 – und um ihn herum herrscht Krieg. Ist es die blaue Welt? Ist es einfach eine mögliche Zukunft? Der Observer sagte einmal zu Walter: „Various possible futures are happening simultaneously. I can tell you all of them, but I cannot tell you which one of them will come to pass…“