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Justified: Harlan Roulette (3×03)

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„Next one is coming faster“, sagt Raylan am Ende dieser Episode zu Duffy, nachdem er ihm mit der Hand eine Kugel auf die Brust geworfen hat. Nicht nur ist dies eine wunderbare Inszenierung und “Coolness” im Spitzenbereich, sondern es erinnert uns an die Kugelmetapher, über die wir schon in der ersten und der zweiten Staffel gesprochen und gestritten haben. Es ging um die Metaphorik der Kugel, die immer ihren Bestimmungsort erreicht. Diese Kugel muss sich nicht unbedingt im materiellen Sinne, sondern kann sich auch als Wort, als Geste, als Blick manifestieren – und damit als Versprechen.

Solche macht Raylan Givens (Timothy Olyphant) gern und versucht sie auch zu halten. Er macht seine Versprechen verbindlich, genauso wie Kugeln verbinden. Aber warum besteht die Verbindung zwischen den männlichen Protagonisten in herumirrenden und -suchenden Kugeln, die früher oder später ihren Bestimmungsort erreichen werden? Weil sie, um endlich den thematischen Boden dieser Episode zu betreten, im gewissen Sinne “Abhängige” sind. Sie spielen für ihr Leben gern Harlan Roulette! In einer stillen Szene in der Bar, die Boyd (Walton Goggins) im Handumdrehen übernommen hat, fragt ihn Devil, welcher Boyd er jetzt sei, welchem Boyd er folgen solle.

Damit werden wir an den Weg erinnert, den Boyds Figur bisher bestritten hat – immer dem eigenen, tatsächlichen Standpunkt einen Schritt voraus. Mit Poker-Terminologie beschrieben, liegt Boyds Stärke im perfekten Leveling: Er kann haargenau abschätzen, auf welchem gedanklichen Level sich sein Gegner befindet, um selbst stets eins drüber und damit den besagten Schritt voraus sein zu können. Nur sein alter Freund Raylan bereitet ihm immer wieder Schwierigkeiten. Warum? Weil Raylan selbst ähnlich handelt – mit dem Unterschied, dass er als begabter Geschichtenerzähler seine Zuhörer genau dahin manövriert, wo er sie haben will.

Auch der neue Mitstreiter in Harlan, der Mann aus Detroit, zeigt in dieser Episode, dass er die Fähigkeiten zum Mitspielen besitzt. Er verfährt wiederum etwas anders als Raylan und Boyd, indem er Anderen das Gefühl gibt, Oberwasser zu haben – während er selbst die Asse im Ärmel trägt, in Gestalt der Kugeln seiner im Ärmel versteckten Pistole und seines Scharfsinns. Er spielt schmutzig, könnte man sagen, aber Regeln sind fließend – wie die Tischdecke, die Raylan ganz sachte an sich heranzog, um dem Ice-Pick-Nix-Spielchen ein Ende zu bereiten.

Mit dieser dritten Episode etabliert Justified in gewissem Sinne die Spielregeln, und wir beobachten, wie sich in Harlan ein Dreieck zu bilden scheint – mit etlichen Variablen darin. Eine Spielhierarchie, denn wie gesagt: Diese Männer sind spielsüchtig. Sie wollen die beste Hand, wollen die anderen ausspielen. Und die Kugeln, die sie aufeinander abschießen? Nun, die finden unterwegs auch andere Ziele, während sich die unterschiedlichen Gruppierungen zu organisieren beginnen.

„That is why it’s called organized crime“, sagt Quarles aka The Carpetbagger zu Duffy, als er ihm erklärt, wie er das Oxy-Business zwischen Harlan und Detroit betreiben will. Quarles, der seine Taxi-Driver-Inspiration in dieser Episode bestätigt, setzt den Pfandleiher Mr. Fogel auf Raylan an. Fogel gehört zu Duffys Leuten und spielt mit seinen drogensüchtigen Mitarbeitern gern “Harlan Roulette”. Da Fogels Truppe, allen voran Raylans alter Bekannter Wade (James LeGros), die Aufmerksamkeit des Marshals auf sich gezogen hat, kann Quarles nur gewinnen: Entweder erwischen sie Raylan – oder er erwischt Fogel & Co.

Übrigens wird Fogels Rolle großartig gespielt von Pruitt Taylor Vince, der schon in Touching Evil zusammen mit Jeffrey Donovan eine grandiose Leistung bot. Ich fand es geradezu schade, dass dieser Auftritt so kurz war, denn Fogel und Wally Beckett (Eric Ladin, The Killing) verpassen einander die Kugel, anstatt gegen Raylan anzutreten. Da Fogel die Phrase „break bad“ benutzt und Moira Walley-Beckett als Autorin bei Breaking Bad arbeitet, gebe ich den US-Kritiker-Kollegen Recht: es könnte sich um einen Insiderwitz handeln…

Marshal Raylan Givens mag Insiderwitze und stattet Duffy einen Besuch ab, um ihm zu verkünden, dass jetzt die Konversation stattfinden werde, die er ihm damals versprochen habe, und zwar mit Kugeln. Nach einem kurzen Treffen und einem ersten kleinen Deal mit Limehouse (Mykelti Williamson) sehen wir Boyds Plan Form annehmen, als Johnny wieder die Bühne betritt und Unterstützung mitbringt, während Dickie Bennett („You’re gonna have to h-h-hold your horses.“) solche im Gefängnis gebrauchen könnte: Der Wärter, der sein Gespräch mit Boyd abhörte, will an Mags’ Geld herankommen…

Das Spiel kommt in Schwung mit dieser Episode. Anders gesagt: Die Revolvertrommel wurde gedreht, und das Roulette kann beginnen.

Justified: Cut Ties (3×02)

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Ein Zusammentreffen alter Bekannter auf mehreren Ebenen findet in Justifieds Cut Ties statt. Eigentlich kann man die Episode als Stand-Alone-Stück bezeichnen, wie wir in der ersten Justified-Staffel und am Anfang der zweiten viele sahen. Obwohl man bei kaum einer Episode von einem reinen Fall der Woche sprechen kann, seit Boyd damals die Serienwelt wieder betrat – wir erinnern uns: Eigentlich sollte die Figur im Piloten sterben…

In der letzten Szene von Cut Ties wird ein Schwein filetiert, und anhand dessen können wir den generellen Verlauf der Justified-Staffeln beschreiben. Ob die Episoden nun einen Fall der Woche behandeln oder handlungsübergreifenden Plots gewidmet sind: die Justified-Erzählung gleicht dem geübten Abschneiden von Filetstücken, ohne mit dem scharfen Messer an einen Knochen zu geraten und ins Stocken zu kommen. Ein Verlauf wie ein Gleiten, dem aber immer ein heftiges Hineinrammen des Messers ins Fleisch vorausgeht, mit dem man den Punkt und damit den Anfang des Erzählschnitts festlegt.

Das geschah bislang in der Einführungsepisode einer Staffel, aber in dieser dritten hat man das Fixieren des Punktes auf The Gunfighter und Cut Ties verteilt. Letzte Woche lernten wir den Mann aus Detroit kennen, der Arnett beseitigte und mit Harlan etwas vorzuhaben scheint; jetzt führen die Autoren eine weitere interessante Figur ein, die uns mit einer in diesem Winkel der USA recht spärlich vertretenen Bevölkerungsgruppe in Kontakt bringt: der schwarzen Community. Es handelt sich um einen gewissen Ellstin Limehouse (Mykelti Williamson, der zum Cast der abgesetzten Graham-Yost-Serie Boomtown gehörte, so wie auch Neal McDonough).

Er ist ein alter Freund der Bennett-Familie, und Mags hat ihm ihr gesamtes Vermögen anvertraut. Limehouse scheint in der Justified-Erzählung in Mags’ Fußstapfen zu treten. Er repräsentiert eine alteingesessene kriminelle Organisation, während Robert Quarles (Neal McDonough) von außen in diese Welt eingreift. Ob sie als Gegner fungieren werden, bleibt abzuwarten.

Boyd jedenfalls scheint die Variable zu bleiben, die Wildcard, mit der jeder Spieler zu rechnen hat. Boyd (Walton Goggins) selbst muss nur mit einem rechnen, nämlich mit seinem alten Freund Raylan Givens (Timothy Olyphant). Als solcher besucht er Boyd im Gefängnis, um sich von ihm Rat in Sachen Selbsterkenntnis und Beziehungsproblematik zu holen: „I have not been myself, Boyd.“ Dabei fragt er: was für ein Mann lässt sich von seiner Frau scheiden, kommt wieder zu ihr, schwängert sie und will dann mit ihr zusammenziehen?

Die Antwort: „Well now, Raylan, you’re talking to a man who’s sleeping with his dead brother’s widow and murderess. You’ve come to the wrong sinner…“ Natürlich findet diese Unterhaltung in extremen Close-Ups der beiden statt, wie wir es von solchen Szenen in Justified kennen. Gegen Ende des Gesprächs verdeckt der Kopf des einen Gesprächspartners als dunkler Schatten das halbe Gesicht des anderen, und so liegt auch der Kern der Unterhaltung im Schatten, wird nicht direkt angesprochen. Boyds Pläne reichen weiter, als wir dachten: Er will nicht nur Dickie, sondern auch Mags’ Geld – und trotz der Steine, die ihm Raylan in den Weg legt, winkt ihm beides.

Der einzige Haken: natürlich nicht Dickie, sondern eben Limehouse. Wie wir durch dessen Monolog sehen und hören, weiß er mit Haken umzugehen, sowohl mit tatsächlichen als auch mit metaphorischen, wie sie ein guter Rhetoriker zu nutzen weiß. Die Szene erinnerte mich sehr an Boardwalk Empire und die Parabeln, die sich die Figuren dort so gern erzählen, aber auch an die Einführungsszene von Tywin Lannister in Game of Thrones, in der er den Hirsch ausnimmt und filetiert. Wie Mags ihre Probleme mit einem bewährten Hausrezept zu beseitigen pflegte, nämlich „apple pie moonshine“, so besitzt auch Limehouse eines – Lauge.

Übrigens: Auch Art (Nick Searchy) kennt ein Rezept aus alten Zeiten, das in manchen Situationen weiterhilft… Cut Ties ist mehr oder weniger eine Art-Episode, so wie es Blaze of Glory war. Als bisher einzigen von Raylans Kollegen hebt Justified Art immer wieder einmal heraus, lässt ihn lebendig erscheinen und zum Einsatz kommen. Dieses Mal wird einer seiner alten Marshal-Freunde getötet, der beim Zeugenschutzprogramm tätig war.

Also ist One-Man-Action angesagt für Art, wobei er vor “traditionellen” Verhörmethoden nicht zurückscheut: „You have the right to remain silent, so long as you can stand the pain.“ Die Ereignisse um diesen Plot rufen den Assistant Director des Marshal-Service auf den Plan, Karen Goodall (Carla Gugino) – oder, für Kenner von Elmore Leonards Werken: Karen Sisco.

Das bietet Gelegenheit für einen Insider-Witz: Lustigerweise wird Karen Goodall, Raylans Ex-Kollegin und alte Flamme aus Miami, von Carla Gugino verkörpert, der Darstellerin, die in der gleichnamigen kurzlebigen ABC-Serie Karen Sisco spielte. Raylan fragt Karen nach ihrem Nachnamen, Goodall: denn er kannte sie unter einem anderen (Sisco)! Goodall antwortet, sie sei verheiratet gewesen, allerdings nur zwei Monate lang. Ein Seitenhieb auf Karen Siscos Absetzung?

Goodall benutzt einen Schlagstock, wie es Jennifer Lopez als Karen Sisco im Soderbergh-Film „Out of Sight“ zu tun pflegte. Ansonsten bleibt sie in dieser Episode eine nette Referenz – mehr nicht. Ob Karen wieder auftaucht? Da wir gerade beim Thema Beziehungen bzw. alte Freundschaften sind, können wir den Kreis hinsichtlich des Boyd-Raylan-Gesprächs vom Anfang der Episode schließen und feststellen, dass beide Paare – Raylan / Winona und Boyd / Ava – in einem neuen Licht zu sehen sind.

Nicht unbedingt wegen Raylans und Winonas Positionierung im Wege des durch die Gebäudefenster strömenden Lichts, sondern wegen des neuartigen Umgangs miteinander. Das frühere Misstrauen und die Unsicherheit scheinen humorvollem Flirten und gegenseitigem Vertrauen gewichen zu sein – so, als hätten sich die Partner mit dem So-Sein des / der jeweils anderen abgefunden und könnten souverän damit umgehen.

Zwei gereifte Liebesbeziehungen also? Was die alte Freundschaft zwischen Raylan und Boyd angeht – nun, für die Zeiten, die auf diese beiden offenbar zukommen, werden sie den Halt in Liebesdingen gut gebrauchen können.

Justified: The Gunfighter (3×01)

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Diese Eröffnungsepisode nimmt die Ereignisse an dem Punkt auf, an dem wir Raylan Givens (Timothy Olyphant) und all die anderen, nicht weniger interessanten Figuren zurückließen. Zumindest die, die noch am Leben waren…

Allerdings macht Justified einen dreiwöchigen Zeitsprung: von Raylan auf dem Krankenbett zu Raylan auf dem Schießstand. Seine schmerzhaften Versuche, das Ziel zu treffen, stehen im direkten Gegensatz zum Inhalt der Episode, wo jedes Wort und jede Kugel treffen.

Schon oft habe ich es in den Justified-Reviews erwähnt, aber hier wiederhole ich es noch einmal: Einer Unterhaltung zwischen Boyd Crowder (Walton Goggins) und Raylan Givens könnte ich stundenlang zuhören und -sehen, denn sie bieten jedes Mal Darsteller-Chemie und Sprachpoesie vom Feinsten.

Sie enden zwar oft weniger “fein”, kombinieren aber stets einen hohen Unterhaltungsfaktor mit einem unbemerkten Vorwärtsschub der Handlung. Schon früh hatte es Justified ja geschafft, eine Welt aufzubauen, die funktioniert – wie von allein: Man braucht keine “künstlichen” Eingriffe, um sie voran oder in eine bestimmte Richtung zu treiben. Sie atmet selbständig.

Viele US-Kritiker sagen, man könne die Gründe dafür, dass die FX-Serie Justified so gut funktioniert, nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Nun, es verhält sich mit Justified wie mit der Kunst selbst: Es ist schwer zu erklären, warum man die Serie schön findet und genießt. Anders ausgedrückt: Man findet eine Szene cool, nur um etwas später zu erfahren, was sie wirklich bedeutet – und sofort entsteht ein noch breiteres Grinsen im Gesicht. So ging es mir, als ich am Ende sah, warum Boyd am Anfang auf Raylan losging…

Justified handelt von Intelligenz und dem damit verbundenen Witz, von Schlitzohrigkeit. Vielleicht findet man Justified gerade deswegen so gut, weil, die FX-Serie es schafft, den Hut neben der Pflanze liegen zu lassen – im selben Bild. Genau das zeigt sich am Beispiel der Raylan-Boyd-Unterhaltungen.

Visualisiert sieht es so aus wie auf dem Bild, das ich The Gunfighter entnommen habe und hier als Großbild benutze: Der Hut und die Pflanze können friedlich nebeneinander existieren, aber das sagt nichts über ihre wahre Natur aus. Der Hut könnte einem Gunfighter gehören, und die Pflanze könnte Marihuana sein. So steckt in jeder Unterhaltung die Schönheit der Co-Existenz der Worte… und gleichzeitig ihr Problem miteinander.

Wie bei Boyds und Raylans Beziehung: Sie wollen miteinander sein und umgehen, können das aber nicht im selben Wort. Dennoch führt jede Unterhaltung nicht in eine Sackgasse, wie man denken könnte, sondern zu einem manchmal schmerzhaften Status Quo. Sie miss-verstehen einander, um ihre Ziele zu erreichen. Das geschieht auch in der Unterhaltung am Anfang dieser Episode, als Boyd von Raylan eine Entschuldigung dafür fordert, dass er sein Wort nicht hielt und ihm Dickie auslieferte. Denn Dickie schoss letztendlich auf Ava, und Boyd rettete Raylans Leben.

Auf dem diesjährigen Presstour-Panel von Justified erzählte Goggins, dass er Boyd-Raylan-Szenen so angehe, als würden die beiden Männer einander tatsächlich lieben. Interessanterweise wählt Olyphant, seinen eigenen Worten nach, genau das gegenteilige Gefühl…

Die Unterredung zwischen Raylan und Boyd am Anfang dieser Episode endet mit einer Prügelei, die Raylan zu Boden bringt; aber das breite Grinsen beider, als Boyd schließlich abgeführt wird, spricht Bände, deren Inhalt in der allerletzten Szene zum Tragen kommt. Justified hat immer schon sehr vom Dialog profitiert. Das wirkt nie erzwungen: Jede Figur legt Wert auf das Gesagte, auf die Worte. Raylan natürlich voran, erzählen diese Menschen einander ständig Geschichten und setzen ihre Sprache geschickt ein.

Justified verleiht dem Ausdruck „You give me your word“ eine andere Bedeutung, die uns an den Genuss des geschickten Sprachumgangs erinnert und nicht nur an den Umgang mit der Waffe. Zu letzterem scheint Raylan in nächster Zukunft nicht kommen zu wollen… und auch nicht zu können: Durch seine Verletzung sind Treffsicherheit und Schnelligkeit erst einmal verschwunden. Art will Raylan hinter dem Schreibtisch sehen: „You can’t run, you can’t shoot…“

Aber Raylan kann sprechen, Unterhaltungen führen, andere vor-führen; seine Schlitzohrigkeit ist nach wie vor seine Waffe. Außerdem braucht ihn Tim, da die Spur in einem Mordfall zu Wynn Duffy (Jere Burns) zu führen scheint. Also wird Raylan zum zweiten Mal in kürzester Zeit zum Wortbruch gezwungen. Er hatte aber Duffy versprochen: „The next conversation we have, ain’t gonna be a conversation.“

Ich bin froh, dass Wynn Duffy anscheinend eine größere Rolle spielen wird, denn er gehört definitiv zu den Bösewichtern in der Serie, die Raylan tatsächlich unter die Haut gehen. Außerdem bedrohte er schon einmal Winonas Leben, das Leben der Frau, die Raylans Kind erwartet. Tims Reaktion auf Raylans Versuch, Duffy zu meiden: „This is a different conversation.“ Es dreht sich alles um die Unterhaltung, das Gespräch, den Wortwechsel. Duffy ist zu einem längeren Gespräch allerdings nicht geneigt: „I would love to be of more help but I’ve got to get back to watching women’s tennis.“

Apropos Frauentennis: Keiner anderen als Ava, die sich ebenfalls von ihrer Schussverletzung erholt, gebührt die Ehre, uns einen perfekt ausgeführten Vorhandschlag zu präsentieren. Da Boyd im Gefängnis sitzt und Devil und Arlo den Handel mit Mags’ Gras vermasseln, will Boyd die verrottete Ladung verbrannt wissen. Devil weigert sich, Boyds durch Ava übermittelten Befehl auszuführen, und bekommt die Bratpfanne ins Gesicht. Arlo: „You didn’t have to do that, Ava.“ Ava: „Of course I did. Otherwise I wouldn’t have done it.“

Ava hat immer schon unter Beweis gestellt, dass sie die Pfanne schwingen kann. Übrigens ist die Inszenierung von Ava und Winona nach wie vor ein Augenschmaus: Winona (Natalie Zea) in sepia-braunen Farben, oft in mildes Licht getaucht; nur ihr Gesicht wird zum Glänzen gebracht, als wolle man das sprichwörtliche Strahlen werdender Mütter unterstreichen. Ava (Joelle Carter) kommt kontrastreicher daher, um die kantigen Seiten ihres Charakters hervorzuheben, und Lila… steht ihr einfach gut!

Emmitt Arnett, dem Dixie-Mafia-Handlanger in der Stadt, steht der Tod gut, den ihm Harlans neue Größe Robert Quarles (Neal McDonough) gibt. Quarles gehört der Detroit-Mafia an, und in seinen blauen Augen findet sich nichts als Gnadenlosigkeit: Er weiß, wie das Spiel gespielt wird. Ein geschickter Rhetoriker, ob mit Word oder Waffe, ist immer willkommen in Justified! Das gilt nicht für einen anderen Bösewicht, mit dem Raylan in der Eröffnungsepisode doch noch seinen Showdown bekommt: Fletcher Nix (Desmond Harrington, Dexter), genannt Ice Pick Nix, der sadistische Spielchen liebt.

Zwar nennt er sie fair, schummelt aber letztendlich, um der Beste und Schnellste zu sein. Der Grund: Er mag einfach gern töten! Als er Raylan und Winona in ihrem Zimmer überrascht, fordert er Raylan zu jenem Spiel am Tisch auf, wobei die Waffe in der Mitte liegt und Winona von zehn an rückwärts zählen muss.

Ich gebe zu, am Ende dieser spannend inszenierten Auseinandersetzung so gelacht zu haben wie lange nicht mehr: Um Nix auszuspielen, benutzt Raylan in seiner Rolle des zukünftigen Familienvaters einfach Winonas Dekoration, die Tischdecke (auf die sie selbst früher in der Episode referiert). Diese Szene stellt nicht nur einen Bezug zu den Szenen aus der Pilotepisode her, sondern liefert auch eine schöne Metapher über die Serie selbst und ihre Entwicklung…

Justified: Bloody Harlan (2×13)

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Nach dem Finale dieser grandiosen zweiten Justified-Staffel bleibt das Gefühl, dass alles irgendwie zu kurz war. Nicht nur die Staffel selbst ging zu schnell vorbei, sondern auch die letzte Episode Bloody Harlan. Dasselbe Gefühl stellt sich ein, wenn man ein schönes Buch in einem Atemzug gelesen hat: aber dann ist es angenehmer.

Die auseinander gezerrten Erzählungen der Network-Serien üben da einen schlechten Einfluss aus: Durch die vielen Pausen bekommt der Zuschauer das Gefühl, die jeweils laufende Staffel dauere ewig – im Vergleich zur verfliegenden Zeit bei den In-einem-Rutsch-Erzählungen der Kabelserien. Justifieds ununterbrochener Erzählfluss war vor dem Finale an den Rand eines Wasserfalls gelangt. Und in Bloody Harlan ereignet sich das Fallen.

Es ist kurz und schmerzvoll für den Zuschauer – und auch für manche Figuren -, wenn man mit dem “Fallen” das Auflösen einer Spannung meint, die genau dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn man in der Achterbahn den Stillstand an der Spitze erlebt: dieses letzte Innehalten, kurz bevor es nach unten geht, hinunter in den Genuss. Wir Zuschauer genießen die Ereignisse, im Gegensatz zu manchen Beteiligten.

Sehr geschickt haben die Autoren das Finale so zu gestalten gewusst, dass jede Figur betroffen wird, ohne Showdowns zwischen den Hauptfiguren wirklich hervorzuheben. Sogar Raylan Givens (Timothy Olyphant) wird fast bis zum Ende außen vor gehalten, wohingegen die Bennetts sich mit Boyd einen Schlagabtausch liefern.

Während sich auf Boyds (Walton Goggins) Vorschlag hin Mags (Margo Martindale) und Doyle mit Boyd und Arlo in der Kirche zu Friedensverhandlungen treffen, entflammt draußen der Krieg. Denn Mags hat einen Plan – aber Boyd hat, wie immer, einen besseren, und Bennetts Leute geraten in eine Falle. Der komplette Abschnitt ist wundervoll inszeniert, indem zwischen der Boyd-Mags-Unterhaltung und dem Kleinkrieg draußen hin- und hergeschnitten wird. Boyd hätte einen Erfolg auf ganzer Linie feiern können, wenn nicht Dickie Ava (Joelle Carter) angeschossen hätte. Wir können nur inständig hoffen, sie in der dritten Staffel gesund wiederzusehen!

Und Raylan? Seine Involvierung ins Finale hat mit Kindern zu tun: mit seinem eigenen und mit einem, das er versprochen hat zu beschützen. Loretta entscheidet sich, Mags einen Besuch abzustatten, um ihren Vater zu rächen, aber unterwegs verliert sie ihre Mitfahrgelegenheit, und alle machen sich auf die Suche nach ihr. So gerät Raylan in Dickies Falle – und ausgerechnet Boyd rettet ihm so manches Körperteil, wenn nicht gar das Leben.

Während Raylan in der ersten Staffel nur für gewisse Zeit “hutlos” war, metaphorisch gesprochen – ihm also nur für kurze Zeit alles aus den Händen rutschte -, hängt er in der zweiten Staffel die meiste Zeit über mit dem Kopf nach unten da, so wie ihn Dickie nun tatsächlich aufhängt. In Harlan wird alles auf den Kopf gestellt, auch Raylans Privatleben, denn Winona (Nathalie Zea) erzählt ihm, dass sie schwanger ist; später bittet sie Art (Nick Searcy) inständig darum, Raylan Hilfe zu schicken – obwohl sie ihm kurz zuvor mit Trennung gedroht hatte, da Raylan wieder einmal ein anderes Schicksal über sein eigenes stellt: und damit auch über das seines eigenen Kindes und dessen Mutter. Obwohl Raylan angeschossen wird, kommt die Hilfe rechtzeitig, genauso wie Tims Kugel für Doyle.

Die bewegendste und letzte Szene der Episode findet zwischen Mags, Raylan und Loretta statt, die Mags ins Bein schießt. Raylan und Mags können Loretta den tödlichen Schuss ausreden und ihr damit die Möglichkeit bewahren, anders zu werden als die beiden selbst. Raylan: „Ask yourself what your daddy would want you to do.“ Loretta: „I want him to be here to tell me!“ Mags jedoch hat ihren eigenen Tod schon beschlossen und vergiftet sich anschließend selbst: kurz und schmerzvoll. „Put an end to my troubles. Get to see my boys again. Get to know the mystery.“

Die Auflösung der Szene macht uns nicht zufrieden, sondern hinterlässt uns gerührt – wobei ich persönlich mir gewünscht hätte, dass Mags der Serie noch länger erhalten geblieben wäre. Ausgerechnet Dickie, der von Raylan verkrüppelte Bennett, überlebt das Ganze – vorerst.

Justified verabschiedet sich still, aber tödlich und hinterlässt uns mit einer todsicheren Tatsache: Es muss ein Kugelhagel an Emmy-Nominierungen erfolgen! Die Fragen für die nächste Staffel lauten: Werden Winona und Raylan nach Glynco gehen? Wird Doyles rechte Hand und Sheriff-Nachfolger Boyd unterstützen? Was ist mit der Dixie Mafia?

Justified: Reckoning (2×12)

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In einem Artikel über die achte Episode der ersten Justified-Staffel sprach ich über eine Kugel, die immer ihren Bestimmungsort erreicht. Als Grundlage für die Erklärung von Justifieds dramaturgischer Struktur zog ich Jacques Lacans Ausführungen über Edgar Allan Poes Erzählung “Der entwendete Brief” heran. Keine Angst: Ich werde mich hier nicht in die unheimlichen Schluchten der Psychoanalyse begeben, sondern ein einfaches Bild präsentieren, das jeder von euch kennt.

Seit „The Matrix“ bekommen wir sowohl im Kino als auch im Fernsehen oftmals das Bild einer Kugel im Close-Up zu sehen. Diese abgefeuerte Kugel fliegt in Slow Motion dahin und sucht ihr Ziel. Oft aber stehen ihr Hindernisse im Wege, die sie überwinden, durchschlagen muss. Diese Kugel ist gleichzeitig ein Brief, eine Todesnachricht, die immer ihren Bestimmungsort erreicht. Wie im Review zu Blowback schon geschrieben, ist die Todeskugel, die in Justified zwischen den Subjekten kreist, das, was die Subjekte verbindet und gleichzeitig vorantreibt. Sie fliegt zwar mit zerstörerischer Absicht, aber gleichzeitig konstituiert sie die so genannte symbolische Ordnung, generiert die Basis des Austausches zwischen den Subjekten, ihre Beziehungen untereinander.

Wir haben es mit einer Geschichte über Gewalt zu tun, einer Geschichte über Figuren, deren Beziehungen letztlich nur auf Gewalt basieren. Oder auf Liebe? Auf einer gnadenlosen Liebe, die unausweichlich in Gewalt einmündet? Raylan ist hier der Adressat, den der Brief nicht verfehlen soll – aber zugleich ist er sein Absender. Eine Tatsache, die Boyd ihm immer vor Augen geführt hat und die Raylan nicht akzeptieren wollte. Die Kugel, die er selbst in einem Akt der Gewalt bereits abgeschossen hat, irrt umher und sucht nach ihrem Adressaten: ihm selbst!

Boyd hat offenbar erkannt (und wollte es auch selbst lange nicht akzeptieren), dass keiner seinem Schicksal entrinnen kann. In Reckoning erkennt das letztendlich auch Raylan (Timothy Olyphant). Jedes Subjekt muss seine symbolische Schuld bezahlen: Der Brief ist auch ein Schuldbrief, eine Rechnung. „This is who we are, who we have always been“, sagt er zu Dickie (Jeremy Davies), als er seinen Revolver an dessen Kopf hält.

Aber bevor es zu diesen Szenen kommt, muss Raylan eine Aufeinanderfolge von Eins-zu-eins-Szenen mit nahezu jeder Figur hinnehmen. Diese Begegnungen und die sich daraus ergebenden Unterhaltungen sind genau die Momente, da die zum Ziel fliegende Kugel dünne Wände durchschlägt: die letzten Wände, die Raylan mühsam zwischen “Angry Raylan” und “Marshall Raylan Givens” errichtet hatte. Die wichtigste davon heißt Helen. Nach ihrem Tod durch Dickies Hand sind Raylans Trauer und Schuldgefühle nicht zu übersehen. Auch wenn er nicht direkt verantwortlich ist, erkennt er, dass er einen guten Teil der Schuld trägt.

Reckoning besteht aus rohen Gefühlen. Die Episode geht auf dem eigenen Zahnfleisch, zugleich tief traurig und wütend. Im Laufe von Reckoning hat man das Gefühl, dass Raylan an sich selbst anknüpft: dass eine Wiedervereinigung mit dem Selbst stattfindet, vor dem er weg laufen wollte. Das Weglaufen ermöglichte ihm damals eben Helen. Jetzt ist der „angry man“ Raylan wieder da, ganz nah an dem Grabstein in Arlos und Helens Garten mit der Aufschrift “Raylan Givens”, den wir während Helens Begräbnis für einen langen Moment durch Winonas (Nathalie Zea) Augen zu sehen bekommen.

Reckoning stellt andererseits klar: dass Ava (Joelle Carter) immer dem Crowder-Clan angehören wird; dass Boyd (Walton Goggins) seine kriminelle Machtspielchen weiter treiben wird; und dass Dickie wieder in die Bennett-Familie aufgenommen wird. Dickies Sich-Aufbäumen gegen alle führt letztendlich dazu, dass sich Mags (Margo Martindale) am Ende der Episode entschließt, wieder in den blutigen Kampf um Harlan einzusteigen: „We’ll take care of all that. Don’t you worry. We’ll take care of everything.“

Ob die umher irrende Kugel im Finale mehr Treffer erzielen wird – und ob Justified mehrere Emmy-Nominierungen wert ist? Um mit Raylan selbst zu urteilen: „It’s a rhetorical question.“

Justified: Full Commitment (2×11)

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Nathalie Zea erzählte in einem Interview, sie genösse „the time of my life“, während sie mit all den Männern bei Justified arbeite. Aber sie betonte gleichzeitig, dass nichts die Energie einer Frau-zu-Frau-Szene ersetzen könne, und plädierte für „more ladies, more ladies“. Nun, Justified erfüllt diesen Wunsch. Die Serie hat im Schnitt 2.6 Millionen Zuschauer; fast zwei Drittel davon sind Männer.

Aber trotz sprühendem Testosteron auf dem Bildschirm kann man nicht übersehen, wie Justified, vor allem mit der zweiten Staffel, immer wieder neue Frauenfiguren ins Spiel bringt, gar sie das Spiel bestimmen lässt. Keine davon ist auf die leichte Schulter zu nehmen. Linda Gehringer, die Aunt Helen spielt, sagt: „We don’t have little simpy girls on this show.“ Die Mädchen in Justified sind erwachsen, erwachsener als die Männer.

Die Erzählung um Coover und Loretta (Kaitlyn Dever) veranschaulicht diese Tatsache am besten. Aber auch die Beziehung zwischen Raylan (Timothy Olyphant) und Art (Nick Searchy), dessen Worte in der letzten Episode bei Raylan ins Schwarze trafen. Trotz Raylans “coolness” verhält er sich Art gegenüber wie ein trotziges Kind, das zwar um die eigene Fehltritte weiß, aber weiter macht. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Justified hat es geschafft, seine Hauptfigur in einen Teufelskreis zu manövrieren – letztendlich durch deren eigenes Verschulden.

Raylan und Boyd (Walton Goggins) haben seit der ersten Staffel eine Entwicklung durchgemacht; jetzt aber, gegen Ende der zweiten Staffel, befinden sie sich mehr oder weniger an ihren Ausgangspositionen, was ihre Rollen innerhalb der Geschichte betrifft. Boyd versucht das Crowder-Imperium wieder auf- und auszubauen – Raylan versucht das Richtige zu tun: aber nach eigenem Ermessen, wobei oft Disziplin und moralische Anbindung an das Gesetz fehlen. Die beiden sind und bleiben die Männer, die sie sind – und das Wissen darum macht ihre Schwäche aus.

Die Frauen, die mit den beiden in Kontakt kommen, scheinen ebenfalls genau um diese Schwäche zu wissen, auch wenn sie sich heraushalten und so tun, als wüssten sie nichts. Genau diesen Ratschlag gibt Helen Ava (Joelle Carter) in Full Commitment, um am eigenen Leib zu erfahren, wie unmöglich er zu befolgen ist. Wegen Arlos Beteiligung an Boyds Geschäften bekommt Helen Besuch von Dickie, der mit Offscreen-Schüssen endet. Ganz egal, wie viel die Frauen über ihre Männer wissen oder nicht wissen wollen: das bewahrt sie nicht davor, vom Geschehen unmittelbar betroffen zu werden.

Ebenso wie Helen in dieser Episode erfuhren dies auf unterschiedliche Weise bereits Winona und Mags (Margo Martindale) in der letzten. Mags befand sich in einer Machtposition, die sonst von den Männern in Justified eingenommen wird – in Leonards Erzählung übrigens ist Mags’ Figur männlich! -, und muss nun die Konsequenzen (er)tragen: den Verlust Lorettas und Coovers, den Hass der Einheimischen wegen des Minendeals. Auf Winonas Leben wiederum wurde ein Anschlag verübt, obwohl sie zu wenig von dem weiß, was um Raylan herum passiert und passiert ist. Mags jedoch, die erschöpft und niedergeschlagen wirkt, versichert Raylan, den Anschlag nicht befohlen zu haben: „You did kill my baby, but I’m the one who let him become a nitwit. And you saved Loretta.“

In Full Commitment sehen wir, wie sehr Art mit seiner Beurteilung in der letzten Episode Recht hatte: Raylan ist an einem Punkt angelangt, von dem aus er mit legalen Mitteln nicht mehr vorwärts kommen kann; er hat zu viele Feinde und zu viele Geheimnisse. Er versucht, auf Andere aufzupassen, aber inzwischen muss auf ihn aufgepasst werden, damit er sich nicht in den nächsten Schlamassel manövriert. Aus diesem Grund bekommt er auf Arts Befehl Babysitter Tim (Jacob Pitt) an die Seite gestellt, während Rachel auf Winona und den sich ständig entschuldigenden Gary aufpassen muss.

Tim gebührt übrigens Credit für die besten One-Liner der Episode – und für seine humorvolle Art, mit Raylan zurechtzukommen bzw. eben nicht zurechtzukommen. Denn der löst den Fall auf eigene Faust – und diesmal geschickt (vorerst), indem er Winona tatsächlich vor der Wahrheit bewahrt, Gary aus dem Bild zwingt und mit Duffy eine Art vorübergehenden Deal abschließt. Warum vorübergehend? Weil in Justifieds letzten beiden Staffel-2-Episoden alles außer Kontrolle geraten wird! Man kann nur Wetten darüber abschließen, wer überlebt und wer nicht – und wie die Frauen aus diesem Wahnsinn das Beste machen…

Justified: Debts and Accounts (2×10)

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Im bisherigen Verlauf der zweiten Staffel haben die Justified-Autoren Raylans Vorgesetztem Art (Nick Searcy) nicht wirklich viel zu tun gegeben – aber wenn, dann macht er aus jeder Szene einen großartige Szene. Man erinnere sich nur an die Story mit dem alten Bankräuber und die Verfolgungsjagd zu Fuß. Im Teaser von Debts and Accounts führen Raylan (Timothy Olyphant) und Art ein Gespräch über die Sache, über die nicht gesprochen wird: eine schmerzhafte, aber wohl verdiente Unterhaltung für Raylan. Die Entscheidung der Autoren, keine Lösung für das Problem zu liefern, entspricht dem gesamten Stil der FX-Serie.

Nichtsdestotrotz: Art leert das komplette Magazin Richtung Raylan. Er nennt ihn „good lawman but a lousy marshal“ und sagt ihm, „sooner or later, the problem will solve itself“. Dabei spielt er auf Raylans nicht besonders lange Lebenserwartung an… Viel schmerzlicher für Raylan ist jedoch die Wärme, die Mischung aus Enttäuschung und Weisheit, mit der Art immer spricht. Denn im Grunde teilt er ihm mit, dass Raylan mit seinem Tun die Beziehung zwischen ihnen beiden – ob man sie nun Freundschaft oder Vater-Sohn-Beziehung nennen will – eine beinah tödliche Kugel verpasst hat.

In dieser sehr wichtigen Episode bekommt eine andere Beziehung, nämlich die zwischen Winona (Nathalie Zea) und Raylan, etwas zu viel Screentime, was vom Rest der Ereignisse ablenkt. Warum nenne ich die Episode sehr wichtig? Weil sie uns zeigt, wie sich alle Figuren für das entscheidende Schachspiel auf dem Brett positionieren oder positioniert werden. Debts and Accounts präsentiert uns gleichsam den “Tag danach”: Sie zeigt, wie die Ereignisse aus der letzten Episode die Situation in Harlan verändert haben.

Während Mags Bennett (Margo Martindale) und Helen in einer sehr schönen Szene einander versprechen, den Frieden zu halten, und Mags Boyd (Walton Goggins) eine Art kriminelle Carte Blanche gibt, erlebt Dickie eine ähnliche Zurückweisung wie Raylan von Art. Mags legt die Zukunft der Familie Bennett in Doyles Hände und schließt Dickie mehr oder minder aus der Familie aus.

Das führt dazu, dass er in den Kampf um Harlan geht – genauso wie Boyd, der sogar seinen nach dem Finale der ersten Staffel verkrüppelten Cousin Johnny wieder ins Spiel bringt. Übrigens gefällt es mir, dass die Autoren der Versuchung nachgeben und Ava (Joelle Carter) und Boyd zusammen bringen.

Das ist psychologisch plausibel – schon weil Raylan starke Anziehungskraft auf beide Figuren ausübt: Ava wurde von Raylan letztlich verschmäht und wendet sich nun seinem alter ego Boyd zu, dessen Figur ebenfalls schmerzlich und sehr persönlich an Raylan gebunden ist. Außerdem involviert diese Wendung Avas Figur wieder in die Ereignisse, statt sie nur an der Seitenlinie warten zu lassen.

Von Mags kann man sich schon gar nicht vorstellen, dass sie sich zurückzieht und alles untätig beobachtet. Und obwohl Raylan plant, sich mit Winona nach Glynco abzusetzen, steckt er im Zentrum des kommenden Kriegs. Das wird ihm klar, als er und Winona am Ende angegriffen werden. Ob die Angreifer zur Dixie-Mafia gehören?

Debts and Accounts ist eine (im positiven Sinne) dialoglastige Episode, die mit “Feuer frei” endet. Die Spannung auf die letzten drei Episoden steigt langsam ins Unerträgliche.

Justified: Brother’s Keeper (2×09)

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Nach der letzten Episode The Spoil habe ich mich gefragt, ob Justified noch besser werden kann – und postwendend kommt mit Brother’s Keeper die Antwort: Ja! Während wir in der ersten Staffel nur die Konturen von Generations- und lokalen Konflikten wie mit einem Bleistift skizziert erblickten, bekommen diese Konflikte in der zweiten Staffel klare Umrisse, und wir werden immer tiefer ins Herz Kentuckys geführt. Das ist nicht so sehr geographisch gemeint, sondern zielt ab auf die Mentalität, die Traditionen, die Regeln dieser Gesellschaft – und die Beziehungsgeschichten zwischen den Figuren selbst.

Die Bleistiftzeichnung wird zum vollständigen Bild; hervorstechende Farbe: Rot. Man kann buchstäblich Episode für Episode sehen, wie sich die Farbe verdichtet, bis sie unausweichlich blutrot wird. In Brother’s Keeper schaffen es die Autoren, gleichzeitig herzzerreißend und leichtfüßig zu erzählen. Einerseits wird Blut vergossen, andererseits gesungen und getanzt. Mags Bennett bildet das Zentrum dieser faszinierenden Episode. In ihrer Figur verbinden die Autoren Zufriedenheit und Triumph anlässlich des Vollbrachten und gleichzeitig tiefe Trauer über ein persönliches Misslingen, ja Versagen.

Nicht nur an ihren eigenen Kindern – vor allem an Coover -, sondern vor allem an ihrem “Ersatzkind”, der ersehnten “Tochter”: Loretta (Kaitlyn Dever). Margo Martindale spielt Mags Bennett mit unheimlicher Wucht, aber lässt immer im passenden Augenblick ihre innere Zerrissenheit spüren. Aus der Kombination dieser komplexen Gefühlslage mit dem Lauf der Ereignisse in dieser Episode ergibt sich die Frage danach, ob Mags hier mehr gewonnen als verloren hat.

Wie in der letzten Episode angekündigt, treffen nun alle zusammen: anlässlich Mags’ “big ‘ole whoop-de-do”. Während Raylan sich mit kleinen Auseinandersetzungen beschäftigt, findet die große zwischen Mags, Carol und Boyd (Walton Goggins) statt. Carol fragt Raylan (Timothy Olyphant) im Zuge ihrer hartnäckigen Flirtattacken, ob er tanzen könne. Sie ahnt nicht, zu welch heißem Tanz sie hier geladen wurde. Während Carol glaubt, Mags ein Angebot zu machen, das diese nicht ablehnen kann, sind es tatsächlich Mags und Boyd, die umgekehrt ihr ein solches Angebot unterbreiten.

„But then, you pick the devil you run with“, sagt Mags – zu Recht: Ausgerechnet Carols Auftraggeber ließ sie über gewisse geographische Umstände im Dunkeln, während Mags und seit der letzten Episode auch Boyd alle Tatsachen beleuchten können. Black Pike muss Transportwege bauen, um die geförderte Kohle abtransportieren zu können. Die fraglichen Areale um den Berg gehören Mags – und, überraschender Weise, Boyd. Anscheinend hat er einen Deal mit Arlo gemacht, damit die Givens’ an ihn verkaufen. Carol steht da wie vom Blitz getroffen – nicht nur wegen ihrer Auftraggeber, sondern wegen der Kaltblütigkeit der beiden und Mags’ Schauspieltalent: in beiderlei Hinsicht sieht sie ihre eigenen Fähigkeiten übertroffen.

Der Händedruck zwischen Mags und Boyd besiegelt folgerichtig nicht etwa eine Freundschaft oder einen Nichtangriffspakt, sondern bringt einfach gegenseitige Anerkennung zum Ausdruck. Während Mags schließlich zum Gitarrenspiel ihres Sohnes “High On The Mountain” singt, legt Boyd mit Ava (Joelle Carter) einen Freudentanz hin. Es bleibt aber die Frage, welchen Deal er mit Arlo gemacht hat – und inwieweit die Verhandlungen Raylan involvieren…

Nun, was Loretta betrifft, kann Raylan nicht außen vor gelassen werden. Die Szene aus dem Teaser, als Mags Loretta feierlich anzieht und ihr die Haare kämmt, zeigt eine andere Mags. Die liebkost Loretta nicht aus Schuldgefühlen, sondern aus dem Wunsch heraus, eine Tochter zu haben – ein hübsches, aufgewecktes Mädchen: zum Liebhaben, zur Gesellschaft und, matriarchisch gedacht, als eine Art Nachfolgerin. Coovers Eifersucht, die sich – wie alles bei ihm – auf kindlichem Niveau äußert, führt zum Eskalieren der Ereignisse, nachdem Loretta die Uhr ihres Vaters an Coovers (Brad Heneke) Handgelenk erblickt hat.

Alles endet mit Coovers Tod durch Raylans Hand und mit einer großartigen Szene zwischen Mags und Raylan. Voller Trauer erscheint Mags am Tatort: nicht so sehr wegen Coover, sondern weil sie Loretta verloren hat. In ihren Augen ist Raylan derjenige, der ihr die Möglichkeit auf eine Zukunft mit Loretta nimmt, indem er Mags sogar den persönlichen Abschied von dem jungen Mädchen untersagt. Sie wäre nicht Mags, wenn sie ihm das verzeihen könnte.

Eine Art Bürgerkrieg in Harlan County scheint mit dieser Episode eröffnet. Dadurch aber, dass jeder letztendlich auf seiner eigenen Seite steht, hängt der Ausgang dieses Krieges wohl nur von den möglichen Bündnissen ab.

Justified: The Spoil (2×08)

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Welcome to the Grand Kentucky Shakespearean Redneck Theater! FX hat Justified um eine weitere Staffel verlängert, und The Spoil zeigt, warum. Alles in dieser Episode, von der ersten bis zur letzten Minute, ist Emmy-reif.

Vor allem Margo Martindales Auftritt auf der Harlan-Bühne in der Rolle der Lokalmatriarchin (ja, irgendwie auch -matadorin) Mags Bennett. Während Martindale in den kleinen Auftritten zum Anfang der Staffel ahnen ließ, was in ihr und ihrer Figur steckt, kommt dieses Potential in The Spoil zur vollen Entfaltung. Justified verzichtet diesmal auf den Fall der Woche und benutzt die Episode, um alle für die kommenden Ereignisse in Position zu bringen. Die Serie wirbelt Staub auf – und zeigt, nachdem sich dieser gelegt hat, wer wo steht.

Wie Carol Johnson (Rebecca Creskoff) zum Anfang ihrer großen Ansprache in The Spoil erklärt, ist Kohlenstaub immer schmutzig gewesen und wird es immer sein. Es ist sehr schwer, Harlans Dreck auszuweichen. Diese Tatsache (und nicht nur sie) bereitet Raylan Givens (Timothy Olyphant) Kopfschmerzen. Geschickt macht die Serie erst jetzt, in ihrer zweiten Staffel, Gebrauch von den gesellschaftlich-historischen Hintergründen Kentuckys, die vor allem durch den Kohleabbau geprägt wurden.

Prominent wurden diese Zustände durch die Oskar-prämierte Dokumentation von Barbara Kopple aus dem Jahre 1976. Die Dokumentation berichtet von der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen streikenden Minenarbeitern und der Minengesellschaft Duke Power Company. In der Welt von Justified wird eine ähnliche Auseinandersetzung ausgetragen, nur viel feinfühliger – obwohl es an Gewalt auch hier nicht mangelt. Der fiktionale Gott im fiktionalen Kentucky hat es vermutlich schwer, Durchblick durch die Staubwolken zu erlangen, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Ich glaube, er steht eher auf Raylans Seite: „Far as I’m concerned, y’all deserve each other.“ Das Problem ist, dass Menschen wie Boyd (Walton Goggins) es weder Gott noch Raylan gestatten, sie aus der Sache auszuklinken.

Wie wir aus der ersten Staffel wissen, ist Raylan unter Alkoholeinfluss etwas wackelig auf den Beinen: im literarischen und im übertragenen Sinne. Das Verbergen seines inneren „angry man“ scheint ihm dann viel schwerer zu fallen. Zur Flasche greift er diesmal aus Scham und Schuld wegen der Sache mit Winona (Nathalie Zea): Im Teaser wird Raylan bei einer kurzen Begegnung mit Art (Nick Searcy) klar, dass sein Vorgesetzter über das Geld Bescheid weiß oder die Wahrheit zumindest ahnt. „Guess you should know how to obey the law“, sagt der Teenager zu Raylan und Art im Baseball-Trainingskäfig, als die beiden sich dort gegen die Regeln ohne Helm aufhalten und ihm als Antwort einfach ihre Dienstmarken zeigen.

Gott (den lasse ich jetzt auch nicht in Ruhe), die Wahrheit und alles Mögliche stecken im Detail. Diese kleine Randbemerkung des empörten Teenies enthält die Beschreibung der gesamten Problematik, die Beschreibung von Raylans Kopfschmerzen. Die nämlich entstehen nicht nur durch den Kater, sondern durch den Staub, den die Ereignisse in Harlan vor Raylans Augen aufwirbeln und auch auf ihn herabsinken lassen. Alle haben Dreck am Stecken, sogar Raylan selbst. Oben habe ich aus seiner kleinen Rede auf dem Revier, als Carol und er den von Doyles Leuten verhafteten Boyd einsammeln, bereits zitiert. In diesem Monolog versucht er, seine eigene Randposition zu markieren, sich selbst aus der Harlan-Gruppe herauszunehmen. Womit habe ich das alles verdient?, scheint sich Raylan zu fragen. Der Dreck am eigenen Stecken jedoch bleibt Tatsache – man denke etwa an die Vorgeschichte mit den Bennetts -, und seine Wut, über die Winona in der ersten Staffel sprach, kommt in The Spoil wieder hoch.

Als er über Carols Tätigkeit in Kentucky vor sich hin murmelt: „There you go poking the bear and it’s his fault when you get bit.“, übersieht er sich selbst ironischer Weise erneut. Sein Bär in dieser Episode ist Coover Bennett (Brad Henke), der Raylan regelrecht zusammenschlägt. Wie ich schon gesagt habe: zeigt Raylan wackelig auf den Beinen, sowohl physisch als auch seinen Gemütszustand betreffend.

Ganz anders Mags Bennett. Wenn jemand fest verwurzelt auf Kentuckys Boden steht, dann sie. Und Mags weiß auch, wie man mit dem Fuß aufstampft, so dass der Staub in die gewünschte Richtung treibt. Die Figur Mags Bennett erinnert ein wenig an Truxton Spangler (Michael Cristofer) aus Rubicon. Selbstsicherheit, Manipulation und Rhetorik: Die Macht steckt im Detail. Die Stärke von Mags’ Auftritt wird gewährleistet durch die darunter liegende Gnadenlosigkeit. In ihrer Rede erklärt sie nicht nur im übertragenen Sinne Carol den Krieg, sondern lädt auch noch alle zu einer Bennett-Party ein. Wir wissen, was es bedeutet, Mags’ Selbstgebrannten zu trinken: Schmeckt süß, ist aber tödlich. Sowohl Boyd als auch Raylan erkennen die Intentionen der Beteiligten, sind aber selbst darin verstrickt.

Zum Ende der Episode fallen Schüsse: nicht die Böller, die die Versammlung in der Kirche beenden, sondern echte Schüsse. Die ersten sind für Carol und Raylan gedacht, der nächste… eigentlich für Coover. Er und sein Bruder wollen Boyd in Avas (Joelle Carter) Haus eine etwas schmerzhaftere Drohung verpassen. Sie wollen Charlie aus dem Sack lassen, auf Boyd los, aber Ava beendet mit ihrem Gewehr die Szene – und auch Charlies Leben, sehr zu Coovers Leiden. Ich schätze, das macht nun auch Ava zur Zielscheibe für die Bennetts.

Man darf gespannt sein, was die Justified-Autoren noch in der Tasche haben. Und ich glaube, es gibt keinen Zuschauer, der das kommende „a big ‘ole whoop-de-do“ verpassen möchte.

Justified: Save my Love (2×07)

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Zum Auftakt dieses Artikels werde ich mich gerne wiederholen, denn bestimmt habe ich das Folgende irgendwo in älteren Artikeln zu Justified schon geschrieben: Diese US-Serie ist wie ein gutes Buch, das mit einem Glas Wein in der einen Hand und einer geladenen Waffe in der anderen (zum eigenen Schutz natürlich) gelesen werden will. Serien wie Justified treten an die Stelle der Bücher, die genau wie der Wein mit fortschreitendem Alter besser werden: Mit der Zeit verdichtet sich ihr Inhalt und überträgt immer größeren Genuss über die Geschmacksnerven des Lesers / Zuschauers.

Nur mit den Augen lesen kann man die neue Justified-Episode. Die Serie zeichnet nicht nur Wortwitz aus, sondern auch die Sprachmelodie des Kentucky-Dialekts, aber – und daran kann man die Schauspielerleistung erkennen – Save My Love kann auch ohne Ton genossen werden: trotzdem würde man der Handlung folgen können. Nur der Ausdruck und die Reaktionen von Deputy Marshall Raylan Givens (Timothy Olyphant) können den Zuschauer den Ereignissen entlang führen.

Während in den letzten zwei Episoden Justifieds Nebenfiguren im Vordergrund standen, darf diesmal Timothy Olyphant aus dieser sehr guten Episode eine hervorragende machen. Eine phantastische Leistung des Schauspielers, dessen Figur Raylan Givens eine unglaubliche Reaktion nach der anderen zeigt auf die ausufernden Ereignisse um ihn herum. Raylan Givens ist im Prinzip kein Mann der vielen Worte, aber bekannt für seine Monologe. Diesmal lässt man ihn die starke Bildschirmpräsenz wortlos aufbauen. Er reagiert einfach, meistens still, auf die Überraschungen, die ihm andere servieren – sei es Winonas (Nathalie Zea) Geständnis, sie habe das ganze Geld entwendet, oder aber die Tatsache, dass Boyd (Walton Goggins) plötzlich als Security für die Managerin der Minengesellschaft Carol Johnson (Rebecca Creskoff) arbeitet.

Wer sich gefragt hat, wie man Boyd in das Givens-Bennett-Spiel involvieren kann, bekommt jetzt die Antwort. Carol Johnson hat bestimmte Pläne für die Gegend, und die Bennetts stehen ihr im Weg – aus diesem Grund braucht sie Boyd, um diesen Weg frei zu räumen. Die Frage ist, inwieweit sie ihren Recherchen über Boyds Vergangenheit Glauben schenkt. Denn, wie wir wissen: die Wahrheit ist etwas komplizierter… Eines aber scheint Carol Johnson erkannt zu haben: Als Raylan auf Bitten von Richter Reardon (Stephen Root) den Gerichtssaal überprüft, trifft er auf Boyd und Johnson. Als Raylan ihre Frage, inwieweit sie Boyd trauen kann, beantwortet hat, bezeichnet sie die gemeinsame Geschichte der beiden Männer als „love story“.

Mit der Rückkehr alter Bekannter und der Einführung neuer wiederkehrender Figuren zeigt Justified eindeutig, dass die FX-Serie in der zweiten Staffel immer noch Fälle der Woche bearbeitet; aber während diese in der ersten Staffel eher dazu dienten, das Kentucky-Universum zusammenzupuzzeln und die unterschiedlichen Facetten der darin vorkommenden Figuren darzustellen, bringen sie in der zweiten Staffel diese Figuren zum Agieren, lassen sie Kettenreaktionen auslösen.

Es stellt sich heraus, dass das Geld aus einem zwanzig Jahre zurück liegenden Raubüberfall stammt und aus dem Verkehr gezogen wurde. Raylans und Winonas Versuch, die Banknoten zurückzubringen, kollidiert mit der Verhandlung des Richters Reardon (Klage gegen Johnsons Minengesellschaft), der nach wie vor keine Hose unter der Robe trägt, aber mit geladener Waffe den Gerichtssaal regiert. So werden Winona und Raylan ständig unterbrochen. Die Situation ändert sich von Minute zu Minute – bis zur schlussendlichen Eskalation nach einer Bombendrohung. Die entpuppt sich als falscher Alarm, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Einiges in die Luft fliegt. Vielleicht, wenn Art die Verbindung zwischen dem fehlenden Geld und Raylans komischem Verhalten herstellt… ?

Was Justified grandios macht, ist genau das: Alles wird von langer “Zündschnur” geplant, um es zum geeigneten Zeitpunkt hochgehen zu lassen! Ein anderer Rückkehrer wird definitiv Teil einer explosiven Handlung sein, nämlich Wynn Duffy (Jere Burns), dem Gary einen Besuch abstattet, bei dem er sein Interesse an einer Investition zu wecken versucht.