Category Archives: Mad Men

Mad Men: Tomorrowland (4×13)

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Das Staffelfinale beschert eigentlich einen Neustart: nicht nur Don, sondern fast allen Beteiligten. Kann die Agentur gerettet werden – und bekommen wir die Antwort auf die Frage, wer Don Draper ist?

Wir erinnern uns: Faye sagte voraus, dass Don (Jon Hamm) bald wieder heiraten würde. Nicht zufällig haben die Mad Men-Autoren diese Worte ihr in den Mund gelegt. Don verwarf damals ihre Prognose – aber in diesem Staffelfinale muss er selbst ihr gewissermaßen ankündigen, dass sie eigentlich doch Recht hatte.

Die Mad Men-Ironie schlägt wieder einmal zu: Nicht Faye wird Don heiraten, sondern Megan, seine Sekretärin. Damit sorgt Mad Men nicht nur für eine Überraschung, sondern behält das Prinzip dieser vierten Staffel bei: Nichts kommt so, wie man es erwartet oder wie es eine Zeitlang scheint. Die Sally-Glen-Story erweist sich nicht als „creepy“, sondern als aufrichtige Freundschaft zweier Kinder. Don droht entlarvt zu werden, aber das geschieht nicht. Nach den zwei vorherigen Episoden dachte man, dass die Agentur zugrunde gehen würde, aber im Finale geht es wieder aufwärts. Der Kreis schließt sich mit Dons Heiratsantrag an Megan.

In Faye hatte Don eine Frau gefunden, die Verständnis für ihn aufbringt, die ihm helfen will und der er vertrauen kann. Er entscheidet sich aber für Megan. Warum? Was hat sich verändert? Hat sich Don Draper verändert? Wer ist Don Draper?

Und damit zurück zur Hauptfrage dieser Staffel. Auch jetzt, am Ende, lässt sie sich schwer beantworten – aber Don scheint für sich eine Antwort gefunden zu haben, die seinen freien Fall stoppt. Er weiß, wer er sein möchte. Er will mit der Vergangenheit abschließen, indem er einen Teil von Dick Withman in Don Draper integriert und als Kombination aus beiden Identitäten ein reguläres Leben führt.

Kann er das? Kann er ohne exzessives Trinken, ohne One-Night-Stands, ohne Lügen leben? Zumindest sehen wir, dass er daran glaubt. Bezeichnend ist die Szene mit den Kindern in Annas Haus, als Sally nach der Aufschrift an der Wand fragt: Who is Dick? Nach kurzer Pause antwortet Don: That’s me. That is my nickname, sometimes.

Es gibt in Tomorrowland zwei absolut identische Szenen mit Don. Die Wiederholung geschieht in kürzester Zeit, als Don, die Kinder und Megan in Kalifornien sind. Wir sehen ihn in der ersten Szene im Profil, allein auf der Bettkante sitzend, nachdenklich. Wenige Szenen später sehen wir ihn noch einmal in exakt derselben Position – und auf dieselbe Art und Weise gefilmt. Nur: diesmal wird am Ende der Szene kein Schnitt gesetzt, sondern auf das Bett geschwenkt, auf dem Megan liegt. Don entscheidet sich für einen neuen Start.

Fresh start? Gibt es den wirklich? Wir hören Henry zu Betty sagen: There is no fresh start. Life just carries on! Worüber denkt Don, auf der Bettkante sitzend, nach? Über das Schicksal. Als er Megan seine Liebe gesteht und ihr den Verlobungsring des echten Don Draper gibt, sagt er, dass ihn anscheinend das Schicksal zu ihr geführt habe. Und Megan? Sie sagt Ja.

Übrigens haben sich in dieser Episode erstmals die Positionen der beiden Figuren sichtlich verändert. Damit meine ich auch die Art und Weise, wie sie gefilmt werden. Wenn Don und Megan im Bild sind, dominiert es Megan – Don erscheint kleiner oder befindet sich nur am Rand. Außerdem verläuft die Bewegung, in der sie sich Don nähert, oftmals von oben nach unten, wie beispielsweise in der Szene, als Don gerade am Telefon mit Faye Schluss gemacht hat. Wird sie in seinem Leben tatsächlich eine dominierende Rolle spielen? Was hat sie vor? Wer ist eigentlich – Megan?

Geschickt fügen die Mad Men-Autoren diese Frage der anderen über Don hinzu. Wer sind die beiden zusammen? Fresh Start? Schicksal? Don sieht es so, denn Megan sieht ihn als den Mann, der er gerade ist. Vergangenes interessiert sie nicht.

Auch andere Figuren versuchen sich in dieser Episode an einem Neustart: Betty, indem sie mit der Familie umzieht und Carla kündigt, da sie Glen erlaubt hat, von Sally Abschied zu nehmen. Joan, die das Baby nun doch behält, aber offenbar Greg erzählt hat, dass es von ihm ist. Die SCDP bekommt ihren Neustart dank Dons Pitch vor der American Cancer Society und Peggys vor Topaz Pantyhose. Und bevor wir hier Schluss machen, müssen zwei Szenen erwähnt werden, die Mad Mens Sinn für Humor unter Beweis stellen und diese Episode vollkommen machen.

Als Don in seinem Office den Partnern und Joan die Neuigkeiten verkündet, ergänzen die Reaktion der Beteiligten einander geradezu pingpong-artig: Von Rogers „Who is that?“ über Joans „Megan“ zu Petes „Really?“ und Lanes „Congratulations!“ Die andere bemerkenswerte Szene findet zwischen Joan und Peggy statt: Beide lassen ihre Frustration über die Männer in ihrer Welt heraus und zeigen einander Solidarität.

“I Got You Babe” – dieses Lied erklingt am Ende, als die Kamera Don und Megan im Bett zeigt. Natürlich musste ich da an „Und täglich grüsst das Murmeltier“ denken, was zur Thematik dieser Episode gut passt. Gibt es einen Neuanfang für Don Draper – oder bleibt es bei Wiederholungen des Immergleichen?

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Mad Men: Blowing Smoke (4×12)

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In dieser Mad Men-Episode trifft Don Draper eine Entscheidung, deren Konsequenzen niemand vorherzusehen vermag – nicht einmal Don selbst.

Während am Anfang der Staffel das strahlende Weiß der neuen Agenturräume einen optimistischen Neuanfang suggerierte, verwandelt sich dieselbe Farbe gegen Ende der Staffel in das klinisch-sterile Weiß eines Krankenhauses. Das Strahlen ist verloren gegangen; der Fleck auf der weißen Weste heißt jetzt: Hilflosigkeit.

Schon die erste Szene, das dank Faye zustande gekommene Treffen zwischen Don (Jon Hamm) und dem Ketchup- (Entschuldigung, auch Bohnen-) Hersteller Heinz, zeugt von dieser Hilflosigkeit, die langsam auch Don befällt. Nun: Don hat Erfahrung mit ausweglosen Situationen. Er weiß, dass man manchmal den Ast absägen muss, auf dem man sitzt, um den Baum überhaupt retten zu können.

SCDP ist am Ende dieser vierten Staffel ein Patient, der dringend Behandlung braucht – auch wenn die schmerzvoll verlaufen kann und Genesung nicht garantiert wird. Das Wort „Heilen“ spielt eine gewichtige Rolle in Blowing Smoke: nicht nur bezüglich Dons Anti-Raucher-Statement, auf das wir unten kommen, sondern auch bezüglich Dons Tochter Sally.

Zum dritten Mal in dieser Staffel zieht Mad Men in einer Episode Parallelen zwischen Don und seiner Tochter. Wir sehen hier, dass Sally sich gegenüber Betty besser benimmt und die Ratschläge ihrer Psychologin befolgt. Oder eher Glenns Ratschläge? Wir erinnern uns an den Nachbarsjungen Glen, mit dem Sally noch immer befreundet ist. Eigentlich ist er ihr einziger Freund. Genauso wie Anna Dons einzige Freundin war. Man könnte sagen, dass gegenwärtig höchstens Peggy in Annas Fußstapfen treten könnte.

Sally mache Fortschritte, hört Betty (January Jones) von Dr. Edna, die kurz davor auch eine sehr schöne Szene mit Dons Tochter teilte. Aber Betty will Sally weiterhin zur Behandlung schicken – sie sei nicht geheilt! Da ist es wieder, das Wort: „geheilt“. Die Ironie des Schicksals – will sagen: der Mad Men-Autoren – liegt darin, dass Dons einzige Freundin Anna an Krebs starb: Sie konnte nicht geheilt werden. Wenn nun Betty,  die von den heimlichen Treffen zwischen Sally und Glen erfahren hat, ihre Umzugspläne verwirklichte, würde auch Sally ihren einzigen Freund verlieren.

Im Grunde ist Betty diejenige, die dem Heilungsprozess ihrer Tochter im Weg steht – aus einem einfachen Grund: Sie ist selbst nicht geheilt worden. Höflich weist die Psychologin Betty darauf hin, dass vielleicht auch sie selbst sich in Behandlung begeben sollte… Möglicherweise wirkt ihre Frage, ob sie wie Sally bei Dr. Edna behandelt werden könne, ein wenig „over the top“. Sie macht deutlich, was wir schon wussten: Ja, Betty braucht Behandlung. Im Grunde ist sie selbst noch ein Kind – sie ist nicht erwachsen geworden.

Zurück zu der Heilungsspritze, die Don der Agentur verpasst. Nun ja – es könnte auch die tödliche Spritze gewesen sein… Wie aus heiterem Himmel trifft Don auf Midge (Rosemarie DeWitt), die Malerin, mit der er in der ersten Staffel eine Beziehung führte. Was wie ein Zufall aussieht, war geplant: Midge braucht dringend Geld. Es stellt sich heraus, dass sie mit einem Dramaturgen verheiratet ist und beide drogensüchtig sind. Don und Midge spielen eine von Hilflosigkeit und Trauer durchdrungene Szene, in der er ein Bild von ihr kauft, um ihr das Geld zukommen zu lassen. Wir sehen, dass beide seit dem letzten Mal, als wir sie erlebten, tiefer gefallen sind.

Aber während Midge aufgegeben hat, ist Don ein Meister des Überlebens. Über Nacht, nachdem er lange auf Midges Bild gestarrt hat, trifft er eine Entscheidung. Seine Sucht, seine Abhängigkeit richtet sich nicht auf Drogen, sondern darauf, das Leben zu meistern, sich durchzusetzen. Dafür freilich muss er wieder einmal auf Ehrlichkeit verzichten. Sehr schön die Szene, als er alle mit Selbstreflexionen beschriebenen Blätter aus seinem Tagebuch herausreißt und ein Manifest verfasst: gegen das Rauchen, die Zigarettenhersteller und die Werbefirmen, die ihnen zuarbeiten. Er schreibt rauchend.

Am nächsten Tag erscheint sein Text in den New York Times und sorgt für Riesenaufregung – vor allem in der eigenen Agentur. Don und SCDP vs. „The C“! „C“ wie „cancer“, wie „cancellation“, „c“ wie „clients“, die man nicht hat, wie „cynism“ – Don redet und schreibt Feindseliges übers Rauchen und raucht dabei selbst.

Und: C wie Cooper. Bert Cooper nimmt seine Schuhe und geht. Wird das „C“ aus dem Firmennamen verschwinden? Wird Dons Manöver zum Erfolg führen? The American Cancer Society meldet Interesse an einer Zusammenarbeit, während etliche Mitarbeiter von SCDP die Kündigung erhalten; auch Dr. Faye Miller verliert ihren Job bei SCDP, nimmt es jedoch recht gelassen. Mittel werden gestrichen; jeder Partner muss Geld in die Kasse schießen, damit die Firma überlebt…

Pete hat dieses Geld nicht, aber Don bezahlt seinen Anteil, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Kauft er sich auch hier, wie bei Midge, frei? Frei vom schlechten Gewissen? Kann der Patient S(C)DP gerettet werden? Muss man – auf die Agentur-Gründer Cooper und Sterling anspielend – die Beine amputieren, um das Überleben des restlichen Körpers zu retten? Gibt es noch Heilung für solcherart Überlebende?

Mad Men: Chinese Wall (4×11)

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Wie sieht es mit der Zukunft der Agentur aus? In dieser Episode erfährt man, dass die eigenen Wände nicht nur dem Schutz dienen können, sondern einem auch im Weg stehen.

Die Chinesische Mauer und Domino-Steine: was haben sie gemeinsam? Sie stehen und (ver)fallen. Sie werden aufgebaut – je länger, desto unübersichtlicher. Und desto lauter der Krach, wenn alles in sich zusammenfällt.

Die chinesischen Mauern, die die Figuren in Mad Men um ihre Doppelleben herum aufbauen, besitzen, wie wir sehen, die Stabilität von Kartenhäusern: man braucht nur zu pusten. Don weiß das. Aber jetzt erfahren auch andere, welche Konsequenzen ein Doppelleben nach sich zieht, bei dem man sogar sich selbst auszuspielen versucht. Fangen wir mit Rodger (John Slattery) an:

Rodger belügt nicht nur seine Frau wegen Joan (Christina Hendricks), sondern auch seine Partner bezüglich Lucky Strike. Aber die chinesische Mauer aus Karten, die er so sorgfältig um sich herum errichtet hat, überdauert diese Episode nicht. Am Ende sieht er, was davon übrig bleibt, nachdem auch Joan Schluss gemacht hat: seine gerade veröffentlichte Biographie – Sterling Gold. Dieses Gold hat seinen Glanz verloren. Hat es überhaupt irgendwann geglänzt? Laut Cooper nimmt man Rodger deswegen nicht ernst, weil er sich selbst nicht ernst nimmt…

Chinese Wall beginnt mit einem Schock für SCDP. Während Ken Cossgrove ein Abendessen mit seinen zukünftigen Schwiegereltern genießt (in der Rolle des Vaters: Ray Wise!), teilt ihm sein Bekannter von der Konkurrenz mit, dass Lucky Strike rüberwandert. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, und am späten Abend treffen sich die Partner in Rodgers Büro. Cooper im Pyjama – awesome! Rodger ist gezwungen, ein umfängliches Schauspiel zu inszenieren, um seine Schuld zu verbergen. Doch selbst ein gefakter Anruf bei Lucky Strike kann sein Kartenhaus nicht mehr retten: es ist bereits zusammengebrochen. Als Rodger später Joan mitteilt, dass er über Lucky Strike schon Bescheid gewusst habe, kann man an ihrem Gesicht nicht nur Mitleid, sondern auch Verdruss und Entrüstung ablesen.

Chinese Wall bringt einen melancholisch-pathetischen Abgesang auf Rodger. Wir sehen ihn allein gelassen in seinem Office stehen, eingerahmt von der Tür, in einem Long Shot. Wofür lebt er? Für eine gefakte Ehe? Für eine Firma, die ihn nicht gebrauchen kann?

Pete (Vincent Kartheiser) im vergleich zu Rodger kann eine Entscheidung treffen. Er ist von enormer Wichtigkeit für SCDP, aber auch die Konkurrenz erkennt das und will ihn haben. Wird Pete zu seinem Job und zu der Partnerschaft in SCDP stehen? Er ist jetzt auch Vater, das heißt, er muss für seine Familie sorgen? Aber wird es soweit kommen, dass die Agentur wieder einmal auseinanderfällt. Ich glaube nicht, dass Matt Weiner auch diese Staffel mit einem solchen Schlusspunkt beenden wird. Peggy und Don werfen auf jeden Fall alles ins Spiel, um Sieger zu bleiben. Don überschreitet auch die letzte Grenze und bittet Faye darum, ihren Ehrenkodex und etliche Ethik fallen zu lassen, und ihm Treffen mit potentiellen neuen Kunden zu organisieren. Sie ist geschockt von diesem Wunsch.

Man sieht, wie er in den letzten Episoden Faye mehr oder weniger dazu gebracht hat, selbst eine chinesische Mauer aufzubauen, aber eine um die Geheimnisse herum, mit welchen er sie belastet. Wir erinnern uns an den Blick, den Don letzte Woche auf Megan richtete. Ich war mir nicht sicher, wie ich ihn deuten soll – Interesse, Dankbarkeit, Bewunderung? Es erweist sich als die sehr einfache Variante: Interesse. Nachdem er den Streit mit Faye hat, schläft er mit Megan auf dem Sofa in seinem Büro. Obwohl man muss gestehen, dass Megan die Initiative übernimmt. Im Vergleich zu Allison scheint sie sich nicht eine Beziehung zu versprechen, sondern  mehr. So wie Peggy zu sein? Nun, Peggy ist in dieser Episode mehr Don. Zuerst führt sie ihr „Doppelleben“ fort, indem sie mit Abe ins Bett geht und dann beflügelt von diesem Ereignis liefert sie eine Kundenpräsentation ala Don Draper: Sie vermischt eigene Gefühle, gar autobiographische Elemente in ihrer Darbietung genauso wie Don damals in dem Kodak Carousel-Pitch.

Mad Men: Hands and Knees (4×10)

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Mad Men scheint für Don Draper keine Ruhe finden zu wollen. In dieser Episode braucht er die Hilfe von Pete und Betty.

In Hands and Knees passiert so viel, dass man am Ende auf Händen und Knien nach Luft schnappt, während im Hintergrund The Beatles spielen. Mad Men ist wie ein Zauberwürfel, der immer wieder sich am Ende einer Episode richtig zusammensetzt. „Richtig“ meint natürlich nicht, dass alles in Ordnung gebracht wird, sondern es meint die Relation der Geschichten zueinander und zu dem Gesamtthema der jeweiligen Episode.

In Hands and Knees geht es um Geheimnisse, die die Figuren wie Fische auf dem Trockenen liegen lassen. Alle Partner bis auf Cooper werden in dieser Episode von ihren Geheimnissen in die Knie gezwungen. Joan teilt Rodger mit, dass sie von ihm schwanger ist. Die beiden halten alles geheim und er hilft ihr einen Arzt zu finden, um abzutreiben. Zu Rodgers Leid kommt noch die Nachricht, dass Lucky Strike nach langjähriger Partnerschaft mit seiner Agentur Schluss machen will. Währenddessen taucht Lanes Vater auf und will ihn wieder nach England mitnehmen, damit Lane alles mit seiner Familie wieder in Ordnung bringt.

Lane will das nicht und präsentiert seinem Vater und Don, der als eine Art moralische Unterstützung zum Abendessen mitkommt, seine neue Liebe, die schwarze Playboy-Club Hostess Toni. Aber der Vater zwingt Lane in die Knie, wenn auch mit einem Gehstockschlag, so dass er letztendlich zwei Wochen Urlaub nimmt und nach England zurückkehrt.  Ob wir ihn wieder sehen werden? Pete wünscht sich nie irgendetwas über Dons Geheimnis gesehen und erfahren zu haben. Denn Dons Geheimnis ist das Zentrum der Ereignisse in dieser Episode. Da die Agentur an einem bevorstehenden Deal mit North American Airlines arbeitet, werden von der Regierung die Beteiligten überprüft und darunter auch Don.

Aus diesem Grund tauchen zwei Agenten bei Betty auf und fragen sie über Don aus, über sein ganzes Leben. Sie, die damals „gewaltsam“ an Dons Geheimnis kam, ist die erste in dieser Episode, die es bewahrt um ihn zu schützen. Der zweite ist Pete, der damals per Zufall die Wahrheit erfuhr und jetzt den Airline-Deal aufgeben muss, um Don zu helfen. Dr. Miller ist die dritte Figur, die Don unterstützt und von ihm, so zu sagen freiwillig, alles erzählt bekommt. Sie nimmt es aber erstaunlich ruhig auf, was darauf hinweist, dass die Beziehung sich in und zwischen den letzten Episoden entwickelt und verfestigt hat. Und Don? Er erleidet eine heftige Panikattacke und kann keine Luft mehr holen. Wie passen The Beatles hier rein? Am Anfang verspricht Don Sally, sie zu einem Beatles-Konzert zu bringen. Als der Abspann läuft, erklingt “Do You Want to Know a Secret?” Die Antwort dieser Episode lautet: Nein.

Mad Men: The Beautiful Girls (4×09)

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Mad Men widmet sich diese Woche der Frauen und stellt etliche Fragen danach, was sie wollen?

Freundin, Doktor, Kollegin, Ehefrau, Sekretärin, Mutter, Tochter. Wunschrollen oder Masken? Alle Frauen in Mad Man tragen eine Bezeichnung, aber wie viel vom Bezeichneten entspricht dieser Bezeichnung und wer bezeichnet? Die Männer? Ist die Bezeichnung gleichzeitig eine Limitierung, eine Reduzierung auf einen erlaubten Wunsch? Was ist diesen Frauen erlaubt zu wollen? Und wenn sie etwas wollen, kriegen sie es dann? Hört überhaupt jemand ihren Wünschen zu? Letzte Woche sagte Don (Jon Hamm), dass Menschen uns zwar erzählen, wer sie sind, aber wir würden nicht zuhören und sie darauf reduzieren, wie wir sie haben wollen, wie sie nach unserer Vorstellung sein sollen.

The Beautiful Girls arbeitet weiter an dieser Differenz, nur diesmal aus der Frauenperspektive. It’s a business of sadists and masochists, and you know which one you are, sagt Miss Blankenship zu Peggy. Man kann nicht beides sein. Wie Don im Laufe des Meetings über die Filmore Campain anmerkt, können nicht zwei Sachen eins sein, weil man nur ein „und“ dazwischen gepackt hat: Entweder das eine oder das andere. Entweder Ehefrau oder Liebhaberin, Karrierefrau oder Bürgerrechtlerin. The Beautiful Girls ist um die jüngste und die älteste der Mad Men-Frauen aufgebaut: Um die von Zuhause weggelaufene Sally Draper und den plötzlichen Tod von Miss Blankenship. Don ist natürlich unmittelbar in den Ereignissen eingebunden, denn Sally wird von einer Unbekannten in sein Office gebracht. Sally wollte nicht zwei Wochenenden warten, sondern sofort ihren Papa sehen und ist ohne Ticket in den Zug gestiegen, wo die alte Dame sie gefunden hat.

Eine andere alte Dame, die für humorvolle Einlagen in dieser vierten Staffel sorgte, verabschiedet sich in dieser Episode. Miss Blankenship stirbt an ihrem Schreibtisch, während Don ein Meeting hat. Nachdem in der letzten Episode Don versuchte sich selbst auf den Weg der Besserung zu schicken und sich in ruhigen Gewässern zu befinden schien, wird für ihn wieder stürmisch und wir sehen einen Don, der die Frauen alles für ihn regeln lässt. Er lässt Joan die Sache mit Miss Blankenships Leiche klären und zwingt beinahe Faye sich um Sally zu kümmern. Während er letzte Woche Faye „nur“ nach Hause brachte, hören wir schon am Anfang von The Beautiful Girls, wie die beiden leidenschaftlichen Sex haben.

Faye hat ihre Probleme bei dem Umgang mit Kindern, genauso wie Peggy ihre Probleme mit Abe hat, mit dem Joyce ihr ein überraschendes Date organisiert. Joan wiederum hat Probleme mit der Tatsache, dass Greg doch nach Vietnam musste. Zwischen ihr und Roger werden die Gefühle wach, die man vergraben zu glauben schien. Eine der besten Szenen in der Episode ist, als Sally in ihrer Rebellion von allen (und vor allem von ihrer Mutter) wegzulaufen versucht und auf den Agenturflur fällt. Im Hintergrund sieht man beinahe alle Frauen, die dort arbeiten. Alle haben Mitleid mit dem Mädchen, das das Leben, was es nicht will, leben muss.

Es scheint nicht nur so, als war (und vielleicht ist) jede dieser Frauen in derselben Situation, sondern dass sie eine Sache realisieren: Je höher man ist, desto schmerzvoller der Fall. Cooper sagt über Miss Blankenship: “She was born in 1898 in a barn, she died on the 37th floor of a skyscraper–she’s an astronaut. Am Ende steigen die drei in Mad Mens Erzählung zentralen Frauenfiguren eine nach der anderen in den Fahrstuhl: Joan, Faye und Peggy. Alle befinden sich an unterschiedlichen Stationen in ihrem Leben, aber alle drei schweben zwischen dem Himmel und dem harten Flur.

Mad Men: The Summer Man (4×08)

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Der Sommer trifft bei den Mad Men ein – aber wird die Sonne auch für Don Draper scheinen?

Diese Episode ist nicht dazu da, fröhliche Sommerlaune zu verbreiten. Sie feiert den Sommer als einen Neuanfang – und The Summer Man fühlt sich auch wie ein Neuanfang an: für Don Draper und für uns Zuschauer. Die Episode trägt unsere Beziehung zu Don auf die nächste Ebene – eine noch intimere: denn wir Zuschauer kennen die Figur besser als jede/r in ihrer fiktionalen Welt. Trotzdem durften wir Don meistens auch von außen kennen lernen.

The Summer Man vertauscht die Positionen und versetzt uns durch Dons Voice Over und die Einträge in seinem Tagebuch in sein Inneres: Wir sitzen in Dons Kopf und blicken mit seinen Augen auf die Welt.  Gleichzeitig sind wir das Papier, die Seiten, auf die er schreibt: Wir gewährleisten die Lesbarkeit seiner Erzählung. Damit wird die historisch vergangene Mad Men-Welt zur Gegenwart. Matt Weiners Erzählung handelt vom Verlust der Orientierung und den Identitätskrisen von heute: Don is one thing on the inside and another thing on the outside. I think that’s the American story. Und uns wird ermöglicht, beide Seiten kennen zu lernen.

The Summer Man fühlt sich an wie ein neues Sich-Öffnen: ein warmes Gefühl, wie wenn Wasser den entspannten Körper umfließt. Das erste Bild steht exemplarisch für die Ereignisse der Episode: Die Kamera – und wir mit ihr – schwebt auf der Wasseroberfläche eines Pools. Die Markierungen der Schwimmbahnen verleihen dem Bild unheimliche Tiefe. Am Rande des Pools und zugleich im Fluchtpunkt des Bildes, weit entfernt, steht eine Figur: Don Draper. Alle schwimmen zu ihm hin, weg von uns.

Don springt ins Wasser und schwimmt direkt auf uns zu. Seine Stimme unterbricht die Stille: They say as soon as you have to cut down on your drinking, you have a drinking problem. Don hat sich vorgenommen, in seinem Leben etwas zu ändern – sich reinzuwaschen von den „schmutzigen“ Episoden davor. Er lässt seinen Körper im Wasser versinken, und alle Geräusche verschwinden: Gain a modicum of control over the way I feel. Kurze Zeit später umgibt ihn und uns dieselbe Unterwasser-Stille, als er mit Peggy & Co. eine Besprechung führt. Er geht in sich – und es scheint der richtige Weg zu sein.

Auch Peggy wählt einen richtigen Weg: sie feuert Joey, weil er Joan (Christina Hendricks) öffentlich erniedrigt hat. Dieser Weg aber erweist sich dennoch als der falsche – meint Joan, die einsamer ist als je zuvor; nicht nur weil Roger in dieser Episode nicht auftaucht. Dafür ist Betty wieder da – und stößt prompt auf ihren Ex-Mann und sein Date, als sie und Henry essen gehen. Don schafft es, souverän mit der Situation umzugehen, während Betty das nicht gelingt: eine Szene folgt der nächsten.

Am Ende bekommt Don nicht nur endlich ein Date mit Dr. Miller, sondern geht doch noch zum Geburtstag seines kleinen Sohnes. Betty tut so, als wäre ihre Welt in Ordnung – mit den Worten (zu Henry): We have everything. Aber diese Worte klingen wie eine Verdammnis, und wir Zuschauer erinnern uns an die Zeilen aus Dons Tagebuch: We’re ruined because we get these things and wish for what we had. Manche Dinge landen, trotz unserer Anstrengungen, ihnen Sinn zu verleihen, letztendlich in Kartons und im Müll – weil sie vielleicht doch unwichtig waren..

Mad Men: The Suitcase (4×07)

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Mad Men präsentiert eine etwas ungewöhnliche Episode, die Humor und melancholische Erinnerungen ins Bündel schnürt.

The Suitcase ist eine der besten Mad Men-Episoden, weil sie all das im Paket anbietet, was der Serie drei Emmys in Folge beschert hat. Vor allem aber setzt sie auf das Zusammenspiel zwischen Peggy und Don (Jon Hamm). Wenn man so will, ist die Episode eine melancholische Ballade über die Beziehung die beiden. Aus diesem Grund erlaubt sich die Episode eine für Mad Men untypische Erzählstruktur und lässt uns das Kammerspiel mit Don und Peggy genießen, genauso wie wir in Breaking Bads Fly das Kleeblatt aus Walt (Bryan Cranston), Jesse (Aaaron Paul) und der Fliege bewundern durften.

Der Titel der Episode referiert nicht nur auf das Hadern von Peggys Team mit der Samsonite-Werbekampagne, sondern auf die eigene Beschaffenheit. Mad Men breitet The Suitcase vor unseren Augen aus, wie man einen Koffer öffnet: einen alten Koffer voller Erinnerungen. Die Episode beginnt eigentlich wie viele andere Mad Men-Episoden: auf den ersten Blick lässt sich unmöglich feststellen, wohin sich die Erzählung begeben wird. In The Suitcase hat jede/r zu kämpfen. Don geht Peggy wegen der Samsonite-Werbekampagne an, Peggy wiederum streitet sich mit ihrem Freund Mark wegen des langen Arbeitens an ihrem Geburtstag (für das Don verantwortlich ist) – Mark hat eine Geburtstagsüberraschung für sie – und Anna verliert ihren Kampf gegen den Krebs. Außerdem stehen die Ereignisse unter dem Zeichen des bevorstehenden Boxkampfs zwischen Ali und Liston. Es scheint dabei so, als wären Don und Peggy die eigentlichen Boxer: sie müssen Kämpfe austragen – mit anderen, mit einander und mit sich selbst und den eigenen Erinnerungen. Peggy zu Don: You win, again.

Die Szenen zwischen beiden im Verlauf der Episode rufen uns den gesamten bisherigen Weg der beiden Figuren in Erinnerung: solche Nähe und Intimität strahlen sie aus, aber auch eine Mischung aus Reue und Verbitterung. So intensiv werden diese Eindrücke, als würden sie geballt aus dem geöffneten Koffer herausschießen und den Zuschauer KO schlagen. Simon & Garfunkel bilden den passenden Abschluss für diesen Kampf zwischen Erinnern und Vergessen.

Mad Men: Waldorf Stories (4×06)

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Es ist die Zeit für Preisverleihungen gekommen. Nicht nur im realen Leben, sondern auch in Mad Mens Welt.

Die Emmy-Wähler haben Mad Men zum dritten Mal in Folge als glanzvolle Leistung im Drama-Bereich gesehen und der AMC-Produktion den begehrten Preis verliehen. Waldorf Stories ist an sich ein Kommentar über Preisverleihungen, Karrieren und wie sich Geschichte wiederholen kann. Die Episode ist gleichzeitig nostalgisch und mit großer Liebe zum Detail inszeniert. Waldorf Stories thematisiert mit Hilfe von einer Reihe Flashbacks Dons momentanen Zustand und den Zustand der Mad Men-Erzählung selbst.

Als Don (Jon Hamm) auf Roger (John Slattery) traf! Den Titel könnte diese Episode auch tragen. Denn wir sehen, wie die beiden aufeinander trafen und wie Don seinen Job bekam. Durch Zufall. Und dank mehreren Gläsern Scotch. Dons ständiges Trinken, das fast schon Rogers übertrifft, wird hier mehr oder weniger zum zentralen Thema. Joans besorgter Blick auf der Party nach der Preisverleihung, als sie Roger und Dan mit ihren Gläsern in der Hand beobachtet, spricht Bände. Genauso wie der schöne Kameraschwenk, der uns zeigt, wie kurz vor der Ankündigung des Siegers, sowohl Roger als auch Don Joans Hand unter dem Tisch halten. Was hält die Beziehung zwischen disen beiden Männern zusammen? Die gemeinsame Geschichte oder das Whisky-Glas?

Im Flashback sehen wir, dass Roger damals im betrunkenen Zustand Don den Job gab. Der Werbeindustrie-Held, der hier als Preisträger gefeiert wird, bekam seinen Job nicht so sehr wegen seines Talents, sondern durch Hartnäckigkeit und Rogers Vorliebe für Whisky. Und wir sehen Don im angetrunkenen Zustand während des Life Cereal-Pitchs. Als die Verantwortlichen den vorgeschlagenen Slogan ablehnen, entschließt sich Don auf sein Talent zu vertrauen und zu improvisieren.

Die spontanen Ideen sind schlecht – man sieht es an den Reaktionen seiner Partner an. Trotzdem funktioniert es. Wird es genauso mit Danny funktionieren, dem neuen Mitarbeiter, den Don auf Rogers Nachdruck einstellt? Don will es nicht – wie Roger mit ihm damals – aber stellt Danny trotzdem ein. Wiederholt sich die Geschichte hier und wenn ja, wie wird sie ausgehen? Mit den Worten des slowenischen Philosophen Slavoj Zizek gesprochen: First as Tragedy, Then as Farce!

 

Mad Men: The Chrisanthemum and the Sword (4×05)

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Roger Sterling trifft auf Honda und Sally Draper auf das Erwachsenwerden.

In den ersten drei Staffeln von Mad Men gab es einige langatmige Episoden, aber The Chrisanthemum and the Sword hebt sich in der neuen Staffel bis jetzt negativ hervor. Sie ist über die komplette Dauer, mit sehr kleinen Ausnahmen, gleichzeitig langweilig und „over the top“. Was Mad Men auszeichnet, ist die subtile Art der Serie an ihren Figuren zu arbeiten. Diese Episode zeigt jedoch, dass sich die Serie an einem Scheideweg befindet. Welchen Schritt soll man die Figuren als nächsten machen lassen? Man hat das Gefühl, dass Mad Men, wenn die Serie eine Denkpause über die Richtung, in die sie gehen will, braucht, Sally (Kiernan Shipka) und Betty Draper (January Jones) die Bühne betreten lässt.

Diese Episode erinnert uns wieder einmal daran, was für eine Mutter Betty ist und welche Auswirkung die Scheidung auf Sally hat. Nun, das wussten wir schon. Und wir wussten, wie sensibel Roger Sterling bezügliche des Zweiten Weltkriegs ist. Ausgerechnet eine japanische Firma, Honda, könnte der neue große Kunde von Sterling & Co. werden. Die Betty-Sally-Story und die Roger-Honda-Story wirken irgendwie wie Mad Men-Klischees. Don Draper (Jon Hamm) wiederum ist in mehreren Hinsichten der Held der Episode. Nicht nur verurteilt er nicht Sallys Handlungen (Haare abschneiden, Selbstbefriedigung), sondern rettet die Honda-Kampagne, nachdem Roger sie mit seinem fulminanten Auftritt vor den Japanern in den Sand setzt.

Das Beste an der Honda-Story ist die Auseinandersetzung zwischen Pete und Roger, die fast in eine Prügelei mündet. Mad Men arbeitet schon seit einer Weile an dem Roger-Pete-Konflikt und scheint auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, um ihn zum Explodieren zu bringen. Betty explodiert auf den ersten Blick wegen Sally, aber eigentlich deshalb, weil ihre Welt sich im Kreis dreht und sie nicht von der Stelle kommt. Sie kann nicht von sich selbst weg, aber auch nicht zu sich selbst finden.

Die Szene, als sie verträumt die Puppen in dem Büro von Sallys Psychiaterin anstarrt, zeigt uns auf sehr schöne Art und Weise die Frau, die vor langer Zeit sich selbst verlor und nie mehr wieder finden konnte. Die beste Szene? Peggy Olson fährt Motorrad im Kreis im leeren Filmstudio. Nicht nur amüsant, sondern auch in meinen Augen schönes Sinnbild für diese Episode.

 

 

Mad Men: The Rejected (4×04)

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Abgelehnt, zurückgewiesen: Der Titel dieser Episode enthält auch die kleinsten Verschiebungen in der Bedeutung des Wortes und lässt sich auf jede ein. Nicht nur enthält The Rejected eine Menge an Ereignissen, sondern sie markiert einen Neuanfang, einen Wendepunkt. Aber besteht der Neuanfang darin, die Vergangenheit hinter sich zu lassen oder eher darauf aufzubauen, sie zu akzeptieren? Hat Don seine Lektion gelernt? Am Ende der Episode sagt er zu Dr. Faye Miller, dass früheres Verhalten nicht unbedingt auf zukünftiges schließen lässt.

Aber im Vergleich zu den anderen Figuren lässt die Serie Don Draper (Jon Hamm) immer noch auf der Stelle treten bzw. sich immer noch im freien Fall befinden, wie die Figur aus dem animierten Vorspann. Auch in dieser Episode haben wir etliche Aufnahmen, die seine Ratlosigkeit darstellen, sein Unvermögen mit dem Verhalten anderer umzugehen. The Rejected ist aber nicht Dons Episode. Sie gehört Peggy und Pete und präsentiert uns, wie die beiden sich gemeinsam mit der Welt um sie herum verändert haben.

Beide scheinen Teile von sich zurückgelassen, verworfen zu haben und The Rejected stellt die Frage danach, ob es die richtige Entscheidung war? Die Mad Men-Autoren finden diesbezüglich eine brillante Lösung, indem sie die komplette Handlung mehr oder weniger sich um die Neuigkeit, dass Pete Vater wird, drehen lassen.

Der Karussell bewegt sich von einer Zurückweisung zu der nächsten und Mad Men lässt uns jeden satz und jede Szene als solche empfinden. Sei es Allisons Kündigung, Joans Untauglichkeit für den Test (zu alt und verheiratet), das Kennenlernen zwischen Joyce und Peggy im Fahrstuhl,  der Test von Dr. Miller und vieles mehr.

Aber die Hadnlung kreist immer wieder um Peggy und Pete, und Peggys Entscheidung damals das Baby wegzugeben und einen Neuanfang zu machen. Die beste Szene ist die letzte, als Peggy mit ihren neuen Freunden und Liebhaber avantgardistischer Kunst vor dem Fahrstuhl der Agentur wartet und einen Blick durch die Glastür Richtung Pete wirft, der gerade dabei ist mit der ganzen männlichen Gruppe älterer Geschäftspartner und Kunden das Office zu verlassen. Ihre Blicke treffen sich und sagen alles über ihre Entscheidung eine Richtung im Leben aufzugeben und dafür eine andere einzuschlagen. Beide lächeln. Ihre Welten werden verschieden sein, aber doch miteinander verbunden.