Category Archives: Terriers

Terriers: Dog and Pony (1×02)

Standard

What has four thumbs, fights crime, and just made 15 grand?“ Ja, Daumen hoch für die zweite Episode von Shawn Ryans Drama „Terriers“. Die FX-Produktion arbeitet weiter an der Beschreibung von Britts (Michael Raymond-James) und Hanks (Donal Logue) Welt: einer sehr bunten Welt, egal in welchem Sinne; mit „Dog and Pony“ bekommt sie überdies neue Figuren.

Schon in diesem frühen Stadium gelingt es „Terriers“, die atmosphärische und emotionale Beschaffenheit der einzelnen Episoden gut zu durchmischen. Man wechselt von lustigem und teilweise sogar albernem Humor zu etwas dunkleren, nachdenklichen Momenten. Das macht die FX-Serie so interessant – man weiß eigentlich nie, was im nächsten Augenblick passieren wird: Bekommen die beiden einen neuen Auftrag? Geht es um die Geschichte mit Lindus? Welche Facetten der Charaktere werden noch entblößt?

Was man sich gar nicht fragen muss, ist, ob zwischen den beiden Hauptdarstellern die berüchtigte Chemie existiert. Ganz ehrlich: ich könnte den beiden eine komplette Episode lang zuhören, wie sie im Auto sitzen und sich über irgendwas unterhalten. „Dog and Pony“ streut so viele feine Details über das Leben der beiden Figuren in den Verlauf des Falls um den flüchtigen Riesen ein, dass man als Zuschauer kaum das Fall-der-Woche-Gefühl empfindet. Hank hat nach wie vor mit dem Hauskauf zu tun, Britt und Katie mit ihrem Ersatzkind, dem kleinen Dackel.

I had to take the dog out every two hours to pee. It barks at its own farts“, sagt Britt. Als er während eines Sexspiels mit Katie vom Dackel gestört wird – genauer: von dessen Zunge -, läuft das Fass über. Hanks ehemaligem Partner Mark ergeht es nicht anders: nachdem die beiden sich zum wiederholten Mal in Polizei-Angelegenheiten eingemischt haben, landen sie letztendlich in Untersuchungshaft. Warum? Weil Hank die brillante Idee entwickelt hatte, einen von der Polizei gesuchten Flüchtling gegen Kopfgeld auszuliefern, da er Geld für das Haus braucht.Nun: Montell Gobright (Matthew Willig) erweist sich als etwas zu groß für unsere Helden. Als sie ihn seiner Freundin Agatha Hagglethorpe („I’m not making it up“, sagt Britt über den Namen) durch Erpressung entlocken wollen, fliegen sie aus dem Fenster, nachdem Montell zuvor noch schnell die Wohnung mit ihnen gefegt hat. Oder, wie Britt ironisch kommentiert: „We promised her we’d come back and trash the place.

Wir kommen zu einem Beispiel für das erwähnte Streuen kleiner, feiner Details: der Szene zwischen Britt und Hanks ehemaligem Partner, der Britt vor Hank warnt. „God knows I love Hank, but it is not on Hank Dolworth to do anything but self-destruct on peopleÖ

Der Fall der Woche wartet mit zwei überraschenden Wendungen auf. Erstens entpuppt sich Montell nicht als der Bösewicht, den man sich vorgestellt hat. Zweitens liefern dann unsere beiden Detectives seinen Bruder (Entschuldigung: Halbbruder) der Polizei aus. Außerdem lernen wir drei Freunde der beiden kennen, die Hank und Britt sozusagen Hi-Tech-Support gewährleisten, während sie hitzige philosophische Diskussionen über das Wesen ihrer Arbeit führen.

Hanks Flashback über die Zeit, als er mit Gretchen in das Haus eingezogen war, bildet eine der besten Szenen der Episode. In der Gegenwart muss er sich von Gretchen verabschieden und bleibt im Dunkel des jetzt ihm allein gehörenden Hauses zurück. Hank nimmt einen Hammer und zerschlägt die Wand, die Gretchen damals beim Einzug unbedingt weg haben wollte. Zu spät, um seine Ehe zu retten – aber genau richtig, um einen Rückzug vom Kauf des Hauses auszuschließen. Hanks Trauer, Verrücktheit und Reue kochen gleichzeitig hoch an die Oberfläche.

Montell bekommt den Dackel – als Abschiedsgeschenk von Britt, der ihn gegen Winston eintauscht, den sympathischen Hund aus dem Piloten. Denn: es muss halt der richtige Hund sein! „Terriers“ macht Spaß mit der Balance zwischen Bellen und leisem Knurren.

Terriers: Pilotenepisode (1×01)

Standard

Who let the dogs out?“ Es ist wieder einmal FX gewesen, berühmt als „The Network of Sad, Angry Men“. „Terriers“ passt sehr gut zu dem Line-Up des Senders. Die FX-Produktion hat sowohl etwas Trauriges und Wütendes an sich, aber auch etwas Hoffnungsvolles. Gewalt, Wut und Enttäuschung schaffen es aber nicht, die Grundstimmung zu dominieren. Weil „Terriers“ viel “Herz” zeigt, auf jeden Fall in der Pilotepisode. Was bedeutet das? Obwohl die FX-Produktion nicht Seriengeschichte schreiben wird und schreiben will, bringt sie doch frischen Wind in die zuletzt etwas schlapp gewordenen Segel der Buddy-Erzählungen.

Terriers“ schafft es auf Anhieb, eine eigene Atmosphäre zu kreieren. Eine Atmosphäre, wie wenn Charles Bukowski bei Jack Kerouac unter Miete wohnen würde. Ganz genau kann man es gar nicht erklären, warum die Aura der neuen Serie so unwiderstehlich struppig wirkt wie ein kleiner Hund, oder ein so warmes Gefühl in die Gliedmaßen bringt, wie ein Glas Milch mit einem Schuss Vodka. Shawn Ryan („The Shield“, „Lie to Me“) und Ted Griffin („Ocean’s Eleven“) stecken Donal Logue und Michael Raymond-James als Privatdetektive ohne Lizenz nach Ocean Beach, San Diego.

Logue spielt den Ex-Cop und Ex-Alkoholiker Hank Dolworth, der viele Fehler in seinem Leben begangen hat, aber zu keinem Zeitpunkt von seinen Mitmenschen erwartet, ihn für seinen Fall zu bemitleiden. Hank musste seinen Job wegen der Alkoholprobleme aufgeben, während sein Partner Britt Pollack durch den Einfluss der Freundin, Katie (Laura Allen, „The 4400“), von seinem Job als Dieb wegkam. Ihre nur für die beiden existierende Agentur hat mehr oder weniger Logues Truck mit dem Schriftzug Gomez Brothers Pool Service als Büro.

Der erste Auftrag, bei dem wir den beiden über die Schulter schauen, lautet: Einen Hund zu seinem Frauchen zurückbringen. Der Hund wurde von dem Ex-Mann nach der Trennung mitgenommen und wird von den beiden zwar erfolgreich gerettet, aber im Laufe des Auftrags geraten sie in einen anderen Auftrag, der zu dem nächsten führt, der … zu richtigen Schwierigkeiten führt und einen der reichsten Männer in San Diego involviert, Robert Lindus (Christopher Cousins, „Breaking Bad“). Ich schätze, dass die Bedrohung für die beiden Helden durch den mächtigen Lindus der handlungsübergreifende Strang neben den Fällen der Woche sein wird. Aber das ist auch nicht alles. Hank und Britt sind beide verliebt: Hank in seine Ex-Frau (Kimberly Quinn) und Britt in seine Freundin, mit der er … einen Hund haben will. Sie will zwar ein Baby, aber der Hund ist auch ein Anfang, wie Britt behauptet. Die Dialoge sind knackig und gut geschrieben, und es werden kleine, aber feine Charakterdetails gestreut, die das Ganze ungezwungen realistisch wirken lassen. Die erste Unterhaltung zwischen Hank und Britt handelt von einer Packung Milch. Hank hat in der Nacht eine leere Packung Milch in seinem Kühlschrank gefunden und kann sich nicht mehr beruhigen: „I don’t remember putting the milk back in empty, or finishing it.

Später im Verlauf der Episode sehen wir Hank mitten in der Nacht zum Kühlschrank gehen und eine Milchpackung herausnehmen, aber da er abgelenkt wird, steckt er sie wieder rein. Ungeöffnet. Diese Wiederholung ist nicht nur nettes Augenzwinkern Richtung aufmerksamer Zuschauer, sondern sie sagt viel darüber aus, wer Hank ist. Er wird von Spontaneität getrieben, vom Impuls zu handeln und weiß später nicht mehr, was er tatsächlich tat bzw. auslöste.

Die beiden Partner schlagen sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Bereich über die Stränge, aber sie sind nicht die typischen FX-Antihelden, sondern nur sie selbst mit dem Versuch auf Besserung.