Category Archives: The Killing

The Killing: Orpheus Descending (1×13)

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Holder erbringt den endgültigen Beweis, wer Rosies Mörder ist, und kann zusammen mit Linden den Fall abschließen. Aber ist wirklich alles das, was es zu sein scheint?

Das Finale von The Killing kommt überraschend – und irgendwie doch nicht. Täte es der Serie nicht besser, den Fall abzuschließen und mit der zweiten Staffel neu anzufangen? Vermutlich schon. Denn viele Zuschauer sind vor allem deshalb bis zum Ende dabei geblieben, um zu erfahren, wer Rosie Larsen tötete, und müssen nun mindestens ein Jahr lang auf die Antwort warten – mindestens, denn ausgehend von der bisherigen The-Killing-Dramaturgie kann man nicht sicher sein, dass die Antwort dann gleich kommt. Sollte AMC bei der zweiten Staffel mit einem Ratingseinbruch rechnen? Vermutlich.

Andererseits: Ist wirklich die Frage nach Rosies Mörder das Wichtigste? Wie steht es mit der auch im Finale hervorragenden Performance von Brent Sexton, Joel Kinnaman und Mireille Enos? Man nehme die kleine Szene, als Stan im Krankenhaus auf Amber trifft und die Frage nach der Anzahl seiner Kinder zu beantworten versucht. Oder auch seinen vollkommenen Frieden und tiefste Trauer ausstrahlenden Auftritt, als er Terry erzählt, dass Mitch (Michelle Forbes) gegangen sei. Dazu kommt das Zusammenspiel zwischen Linden und Holder, das nach der elften Episode, die nur für die beiden Halt machte, noch intensiver wurde.

Richmonds Szene mit Linden am Ende der letzten Episode war gut gestaltet, aber ihre Fortsetzung im Finale gehört zu der Reihe von Darstellungen in The Killing, die sich richtig um Dramatik bemühen; vor allem auf auditiver Ebene. Dafür holen die beiden alles etwas später nach, als Linden Richmond mit dem Mord an Rosie konfrontiert und er außer sich gerät. Mir gefielen die „gekippten“ Bilder: Die beiden schreien sich im Grunde auf der Diagonalen an; alles scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das passiert auch Darren, denn auf die Veröffentlichung der Beweise für seine Affären folgt der Beweis für den Mord an Rosie. Nach gelungener Rekonstruktion der Tour, die Richmonds Auto in jener Nacht machte (warum auch immer man erst jetzt darauf kommt), bekommen die Ermittler dank Holders Arbeit auch ein Foto mit Darren hinterm Steuer. Sehr schön schließt man den Kreis, als man Linden und Holder wieder an dem Punkt aus dem Piloten zeigt – auf Seattles Feldwegen und in den Wäldern der Umgebung, in ihren giftgrünen, durchnässten Fängen.

Nach Richmonds Verhaftung schafft es Linden, mit Jack ins Flugzeug nach Sonoma zu steigen – nur um in letzter Sekunde zu erfahren, dass Holder ihr Vertrauen missbraucht und Beweise gefälscht hat. Gleichzeitig sehen wir, wie Holder in ein Auto steigt und zu dem offscreen bleibenden Fahrer sagt: Es habe funktioniert, Richmond werde fallen.

Das kommt wirklich überraschend – vielleicht die einzige wirkliche Überraschung bisher. Man kann nicht behaupten, dass wir Hinweise auf eine solche Wendung hatten. Für wen arbeitet Holder? Für Gwens Vater? Führt er eine eigene undercover-Untersuchung durch? Wird nach Bennetts Koma Darren als nächster Nicht-Schuldiger Rosies Tod zum Opfer fallen? Am Ende der Episode sehen wir, wie Belko eine Waffe auf ihn richtet…

In welche Richtung The Killing in der zweiten Staffel gehen wird, bleibt abzuwarten. Aber die Serie kann sich nicht ewig darauf ausruhen, dass die Atmosphäre die Arbeit macht und die Zuschaueremotionen bedient, während sich die Handlung sprunghaft und holprig zwischen dem Legen falscher Spuren, langweiligen Politikplots und minimalistischer Beschäftigung mit den Figuren bzw. gar ihrem Fallenlassen nach kurzem Gebrauch bewegt.

Mag sein, dass die Serie nur in meinen Augen solche Schwächen aufweist und ich extrem falsch liege. Daher bin ich gespannt, wie ihr die komplette erste Staffel inklusive Wendung im Finale seht und was ihr von der zweiten erwartet.

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The Killing: Beau Soleil (1×12)

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In dieser Episode schließt sich der Kreis: Linden und Holder scheinen einem grausamen Geheimnis an die Wurzel gekommen zu sein.

Maybe none of us knew her, sagt Terry über die ermordete Rosie zu ihrer Schwester Mitch in einer der besten Szenen dieser Episode. Die beiden Frauen, gefangen in ihrer Trauer und Enttäuschung, beschuldigen einander in einem erbitterten Wortgefecht. In ein ähnliches Gespräch verwickelt Mitch ihren Ehemann Stan, als sie ihn im Gefängnis besucht. Beide Szenen sind auch visuell ähnlich orchestriert und zeugen von Isolation, Trauer und dem verzweifelten Versuch zu verstehen, wie das Leben plötzlich aus dem Gleis geraten ist.

Aber geschah das wirklich so plötzlich? Tatsächlich hat The Killing eine Zeitlang wenig dafür getan, uns die Ermittler und Rosie kennen lernen zu lassen.  Dafür bringen die letzten zwei Episoden immer mehr Details an die Oberfläche. Es ist so, als würden endlich die Wellen des Steins, den man vor einer Weile ins Wasser warf, die Füße erreichen und sie durchnässen.
Es stellt sich heraus, dass Rosie, das Mädchen mit der Vorliebe für Poesie, unter einem enormen familiären Druck stand – vor allem seitens ihrer Mutter Mitch. Rosies Tante Terry scheint mehr über ihre Bedürfnisse und Wünsche gewusst zu haben als ihre Eltern. Aber Terry hat Rosie auch in ihre Welt hineingezogen: die Welt der Callgirls. Man erinnere sich an die kleine Szene während Rosies Trauerfeier, als Terry mit Jaspers Vater flirtete, woraufhin der sich harsch umwandte und davonging: anscheinend ein treuer Kunde!

Die Ermittler stellen eine Verbindung her zwischen Rosies teuren Schuhen (die ihr Terry schenkte), Internetaktivitäten, einem Bankkonto und der Webseite Beau Soleil. Dahinter versteckt sich ein Escort-Service. Zwar versichert Terry Holder (Joel Kinnaman) und Linden (Mireille Enos), Rosie sei nicht als Callgirl tätig gewesen, aber ein anderer Hinweis ihrerseits führt doch zu einer Verbindung: Ein Callgirl namens Celine warnte die anderen Mädchen schon vor einer Weile vor einem Kunden namens Orpheus, der Ertrinkensphantasien pflegte. Während Linden und Holder seine Identität ausfindig zu machen versuchen, bekommt Linden unerwarteten Besuch von ihrem Ex-Mann (ein weiterer Battlestar-Galactica-Schauspieler als Gaststar: Tahmoh Penikett), der darum bittet, Jack öfter und überhaupt sehen zu dürfen. Die kurze Szene lenkt eigentlich stark von der intensiven Untersuchung ab, aber sie thematisiert noch einmal die mittlerweile – vor allem nach der letzten Episode – verfestigte Partnerschaft zwischen Holder und Linden, ihre gegenseitige Hilfsbereitschaft und das Verständnis füreinander.

“Orpheus” ist aus der griechischen Mythologie als “legendary poet, prophet and musician” bekannt, der aus Liebe zu der Nymphe Eurydike in die Unterwelt hinabstieg, um sie zurückzuholen. Ganz von selbst denkt man an dieser Stelle an Darren Richmond und seine tote Frau. Aber warum die Phantasie über das Ertrinken? Starb Darrens Frau nicht in einem Autounfall, oder landete das Auto ins Wasser?

The Killing kann es natürlich nicht lassen und versucht – wenn auch nur für zehn Minuten -, den Zuschauer noch einmal zu täuschen und auf Tom Drexler als Orpheus hinzuweisen. Nach einem weiteren Skandal um Adams wird Darren allem Anschein nach die Wahl gewinnen; Drexler feiert eine Party, zu der aber nur Jamie geht. Anwesend sind, laut Tom, Beau-Soleil-Mädchen, die im azurblauen Wasser an der Decke schwimmen (die zweite Ebene der Wohnung ist ein Pool). Aber nach einem Treffen mit Celine erfährt Holder Orpheus’ wahre Identität.

Im Grunde erfahren sie beide Ermittler gleichzeitig – und auf gewisse Art und Weise indirekt. Als Linden Darren einen Besuch abstattet, um ihn vor Drexler zu warnen, verkündet sein Computer den Eingang einer Email. Sekunden davor verschickte ein Polizist auf Lindens Befehl an Orpheus’ Adresse folgende Email: I know what you did! Dann noch einmal – und noch einmal. Darrens Computer meldet jedes Mal den Empfang – und bevor wir es selbst sehen, vermittelt uns Lindens Gesicht die Wahrheit, beleuchtet von dem Computerbildschirm in der Dunkelheit von Darrens Büro. Wie ein Schatten erscheint Darren im Rahmen der Tür. Auf dem hellen Hintergrund des Korridors ist er in Dunkelheit getaucht.

Diese gut in Szene gesetzten Aufnahmen korrespondieren mit Holders Fund von Celines Hinweis auf Orpheus. An der Wand gegenüber der Telefonzelle, von der aus sie angerufen hat, kleben mehrere Plakate mit Darrens Gesicht darauf. Damit schließt sich der Kreis, den AMC schon bei den Promos von The Killing zu zeichnen begann. “Who Killed Rosie Larsen?” stand damals auf etlichen Postern. Ist es erneut eine falsche Spur?

The Killing: Missing (1×11)

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Linden und Holder haben immense Schwierigkeiten, herauszufinden, wo Rosie Larson ihre letzten Stunden verbracht hat. Linden braucht Holders Hilfe, um mit einem Zwischenfall zurechtzukommen.

Als würden The Killings Autoren mit Missing die Kritik der letzten Wochen kontern wollen: Die Episode erreicht fast das Niveau, das man seit dem Piloten vermisst hat. Und damit meine ich vor allem die Art und Weise, den Zuschauer in die Bilder einzusaugen – als stünde man im strömenden Regen, ohne die Nässe zu bemerken. Es handelt sich eigentlich um ein Kammerspiel zwischen Linden, Holder und dem Dauerregen, aber dieses Spiel meistern sie mit Bravour.

Missing verhält sich wie ein Auto, das links blinkt und plötzlich nach rechts abbiegt. Die Episode fängt mit Lindens Besuch in dem Casino an, aber plötzlich dreht sie sich einmal um die eigene Achse und widmet die nächsten 40 Minuten Lindens Suche nach ihrem vermissten Sohn Jack. Eigentlich sucht sie eine Antwort auf die Frage, was sie als Mutter falsch gemacht hat – und gleichzeitig lässt die Suche ihrer Verzweiflung darüber freien Lauf, sich immer weiter vom Leben vorantreiben zu lassen, ohne irgendwo oder bei irgendwem Halt finden zu können.

Das allerdings gilt sowohl für Linden als auch für Holder. The Killing zeigt uns, dass die beiden trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten und trotz Meinungsverschiedenheiten vielleicht aus einem einzigen Grund aneinander hängen blieben: Tief in sich verstehen sie einander. Sie streiten – und erzählen einander im nächsten Moment traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit. Das plötzliche Verschwinden von Lindens Sohn Jack ist der Auslöser für eine Reihe von Dialogszenen zwischen Holder und Linden während der Suche, die ihren Höhepunkt im Fast-Food-Restaurant finden.

Some things you can’t fix. Maybe they just stay broke, sagt Holder zu Linden. Er erzählt ihr, wie er während des Undercover-Jobs drogenabhängig wurde; von Linden erfahren wir später, dass ihr Vater starb, die Mutter Prostituierte war und Sarah von einer Pflegefamilie zur nächsten wechselte. Endlich erzählt sie von dem Fall, der sie zusammenbrechen ließ. Es handelte sich um ein Kind, dessen Mutter getötet wurde; Linden schickte den Vater und Mörder ins Gefängnis, so dass das Kind ins System geriet – und mehr oder weniger Lindens Schicksal erleiden musste.

So no wonder you ain’t a pro at being a mom, ist Holders erste Reaktion, aber sein Zynismus ergibt sich aus der eigenen Verzweiflung und aus der Empathie für Linden. Und sie erkennt das. Man kann sagen, dass die beiden ihre Beziehung nach dieser Episode fast auf ein freundschaftliches Niveau gehoben haben. Diese Abschweifung innerhalb der Erzählstruktur von The Killing funktioniert sehr gut, vor allem dank der Leistung von Mireille Enos und Joel Kinnaman. Eigentlich hätte diese Dynamik viel früher greifen sollen, aber besser später als nie. Denn der tiefere Einblick in die Figuren war längst überfällig und zieht uns Zuschauer auch tiefer in den Rest der Handlung hinein.

Gleichzeitig – und fast unauffällig – demonstriert Missing, obwohl Jack unversehrt zu Linden zurückkommt, auch ein Hauptthema von The Killing, nämlich die Tatsache, wie schnell Teenager sich von dem gefährlichen Fluss des Lebens forttreiben lassen können, bis sie plötzlich am Rand eines Wasserfalls stehen. Aber wer trieb Rosie in den Fall hinein? In den letzten Sekunden der Episode kehrt The Killing zurück zu Rosie; auf den Bankautomaten-Aufnahmen findet Holder die Bestätigung, dass Rosie an dem betreffenden Abend im Casino war.

The Killing: I’ll Let You Know When I Get There (1×10)

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Welche Rolle spielte Belko an dem Abend, da Rosie verschwand? Und wo wollte das Mädchen eigentlich hin? The Killing liefert mit der neuen Episode die Antworten.

Bin ich zu hart zu The Killing? Vielleicht. Nicht nur weil die Serie von AMC ausgestrahlt wird, fällt sie für mich in eine Kategorie, die wenig zu tun hat mit Procedurals und gängiger, „leichter“ Unterhaltung. Dadurch aber wächst der Anspruch, und gewisse Mankos fallen schwerer ins Gewicht.

I made a mistake, sagt Sarah Linden (Mireille Enos), als sie erfährt, dass Stan Bennet fast zu Tode geprügelt hat. In den vorherigen zwei Episoden, Stonewalled und Undertow, beschäftigte sich The Killing mit der falschen Spur um die muslimische Community. Dem gegenüber bietet I’ll Let You Know When I Get There tatsächlich eine Steigerung – und einen Hauch von Spannung, den man längere Zeit vermisst hat. Zwar löst eine weitere falsche Spur, die innerhalb der ersten Episodenhälfte auch prompt wieder verworfen wird, den Fluss von Ereignissen aus, aber wir dürfen mehr Linden-Holder-Zusammenarbeit genießen, die von Anfang an zu den großen Stärken von The Killing zählte. Vor allem die Verhörszenen mit den beiden sind wirklich stark gespielt.

Nachdem Linden und Holder die Bennet-Muhammad-Story mit hängenden Köpfen aufgeben mussten, treffen sie auf dem Polizeirevier einen Stan, der sich, ebenfalls mit hängendem Kopf, freiwillig stellt. Der Fokus auf seine Tat sorgt dafür, dass Belko mehr ins Rampenlicht rückt und die Ermittler beunruhigende Einzelheiten über sein Leben und seine Beziehung zu der Larson-Familie erfahren. Zwar sind Belkos Obsession und die Erklärung dafür ein Krimi-Klischee, aber die Szenen wirken intensiv – und das Aufnehmen dieser Spur führt zu tatsächlicher Detektivarbeit seitens Holder und Linden, welche sie mit einem unerwarteten Ergebnis konfrontiert.

Natürlich wäre die Entwicklung viel intensiver und dramatischer, wenn The Killing all diese „red herrings“ simultan verfolgt und „auseinandergepflückt“ und damit so manche Figur vor der Vergessenheit bewahrt hätte. Aber die Serie hat eine mehr „realistische“ als dramatische Herangehensweise gewählt, und das muss man respektieren. Ganz anders steht es um Lindens Verlobten Rick: Falls wir ihn zum letzten Mal gesehen haben, erschöpft sich seine Funktion tatsächlich darin, Mittel zum Zweck zu sein und uns daran zu erinnern, dass Linden einen traumatische Vergangenheit mit sich herumträgt. I’m not gonna end up in a hospital again watching you stare at a blank wall.

Nach den letzten Minuten dieser Episode beschäftigt uns die Frage, wie traumatisch die Enthüllungen sein werden, wenn man tief in die Wälder am anderen Ufer vordringt. Denn Linden entdeckt durch Zufall – schöne Erinnerung an die Jogging-Szene aus dem Piloten -, dass die mysteriöse Adela, mit der Rosie an dem fraglichen Abend allem Anschein nach verbredet war, eine Fähre ist, die Rosie zu einem Casino brachte. Dessen Logo gleicht dem Design von Rosies Schlüsselanhänger.

Natürlich ist die Aufnahme des riesigen, aus den Uferwäldern ragenden Casino-Aufstellers aus Lindens Perspektive, untermalt von melancholisch-bedrohlicher Musik, eine Erinnerung an Twin Peaks und One Eye’d Jacks. Mit wem traf sich Rosie dort? Mit Darren Richmond? Wie wir erfahren, hat er gelogen, als er seinem Stab gegenüber beteuerte, sie nie gesehen zu haben. Hat er die Begegnung, die auf einem Foto festgehalten wurde, tatsächlich vergessen? Oder hat das Casino etwas mit Stans leeren Bankkonten zu tun, von denen Mitch mit Entsetzen erfährt? Es könnte spannend werden…

The Killing: Undertow (1×09)

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Die Ereignisse in The Killing eskalieren. Linden und Holder scheinen die Felle davonzuschwimmen.

The Killing braucht sich um eine zweite Staffel keine Sorgen zu machen, aber die Entwicklung der ersten Season erregt Besorgnis unter den Kritikern. Mag es an der hohen Messlatte liegen, die die AMC-Serie sich mit ihrem fulminanten Start selbst legte und seitdem nicht wieder erreichen konnte, oder an der Tatsache, ein beliebtes Original als Vorlage zu haben: Nach wie vor kann The Killing nicht überzeugen. Übrigens: Ich habe angefangen, das Original zu schauen – und auch wenn Viele mich dafür lynchen wollen: Die dänische Produktion überzeugt mich nach einem guten Anfang genauso wenig.

Zurück zu AMC: Den Leserwünschen entsprechend, werde ich im Zuge dieses nachgeholten Reviews über Undertow die Probleme von The Killing aus meiner Sicht schildern. Natürlich ist das hier Geschriebene ein subjektiver Eindruck, und ich werde mich gerne von der Serie oder aber von euch Leserinnen und Lesern eines Besseren belehren lassen!

Wie ich schon einmal erwähnt habe, liegt m. E. das Problem nicht hauptsächlich im langsamen Voranschreiten der Handlung von The Killing, sondern darin, „wie“ sie voranschreitet. Etliche Elemente stören den Regen-Fluss der Serie: das Bedienen etlicher Klischees; der Nebenhandlungsstrang um Darren Richmond, für den die Autoren kein Zuschauerinteresse wecken konnten; das Verharren der Hauptfigur Linden (Mireille Enos) in einem unveränderten, geradezu inerten Zustand an der Seitenlinie; und auch die zufälligen Hinweise, die immer wieder zum nächsten Verdächtigen und zum nächsten angeblichen Durchbruch in Rosie Larsons Fall führen. Der Zusammenhang des Ganzen droht dadurch stellenweise verloren zu gehen.

Falsche Spuren und MacGuffins sind schön und gut, aber The Killing übertreibt es damit doch etwas. Das Legen und Verwerfen solcher Spuren wird zum Selbstzweck, während wir viel zu wenig über Rosie und ihr Leben erfahren, ihre Beziehungen zur eigenen Familie, zu ihren Freunden. Wir wissen daher praktisch nichts über ihre Motivation, gewisse Dinge zu tun oder zu lassen. Was die Serie bisher über Wasser hält, sind die filmische Umsetzung, die dadurch entstehende Atmosphäre und die Einzelleistungen, etwa Brent Sextons (Stan) und Joel Kinnamans (Holder).

The Killing begann als Erzählung darüber, wie der Tod eines Menschen das Leben anderer verändert und beeinflusst, wobei sich die Serie hauptsächlich auf die Larsons konzentrierte. Was am Anfang zutiefst erschütterte, lässt einen mittlerweile kalt. Außerdem scheint The Killing den Erzählkurs in jüngster Zeit wechseln zu wollen: vom Persönlichen zum Politischen, was für einen faden Beigeschmack sorgt, vor allem die Art, wie mit Problematiken umgegangen wird. Alles wird nur oberflächlich berührt und wirkt dadurch klischeehaft.

Es ist, als zeigte die Serie ständig mit dem Finger: Seht ihr, da sind Risse in der sozialen Oberfläche! Aber sie geht nicht weit genug, um diese Risse zu erforschen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet der Plot um die muslimische Community, in dem es um Diskriminierung, Integration und darum geht, wann man sich in Traditionen Anderer einmischt und wann nicht. Aber mehr als ein plumpes Statement kommt dabei nicht heraus: The Killing vereinfacht die Problematik, indem die Serie versucht, sie mit dem Richmond-Plot zu verbinden.

Darren stattet Drexler einen Besuch ab, um sich eine hohe Summe für den angeblichen Aufbau der somalischen Community zu sichern. Aber dieser Handlungsstrang hängt einfach so in der Luft und weckt kein Interesse – meines zumindest nicht. Während Holder und Linden feststellen, dass Bennet und Muhammad ein zwölfjähriges somalisches Mädchen nur deshalb quasi „entführt“ haben, um es vor einem grausamen Ritual zu bewahren, kommt es für Bennet zum Unausweichlichen. Nach Mitchs (Michelle Forbes) Vorwurf, man hätte den Mörder laufen lassen – sowohl Stan als auch die Polizei – nehmen Stan und Belko Bennet mit in die verregnete Dunkelheit und prügeln ihn möglicherweise zu Tode. Als Stan mehrfach auf den liegenden Bennet einschlägt, rastet Belko aus und schlägt wie in einer seltsamen Trance auf einen Stein. Nun, wenn das nicht der nächste Hauptverdächtige ist: nicht der Stein, sondern Belko?

The Killing: Stonewalled (1×08)

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Holders Geheimnis kommt ans Tageslicht, während Linden und Richmond sich zu verzweifelten Maßnahmen gezwungen sehen.

Stonewalled bietet mehr Bewegung, als der Titel erraten lässt. Nachdem Sarah Linden von den Autoren seit dem Piloten so ziemlich im Regen stehen gelassen wurde und minimal an den Geschehnissen teilnahm, wirkt sie diesmal für bisherige Verhältnisse wie entfesselt. Sie steht im Zentrum der Episode, genauso wie ihr Partner Holder. Verzweifelt wegen der Sackgasse ihrer Hochzeit, wegen ihrer Mutterrolle, ihrer Detective-Position und Holders Geheimnissen nimmt Linden die Autoschlüssel in die Hand und – findet Antworten.
Für mich ist die entscheidende Szene die Auseinandersetzung auf  dem Revier zwischen Sarah und Holder, als sie ihn mehr oder weniger aus der Untersuchung ausschließt und zu ihm sagt: „Stay and do nothing“. In der nächsten Minute kommt auf der Straße Mitch zu Sarah und wirft ihr vor: „You’ve done nothing!“ Ist es wirklich Holder, der nichts getan hat – oder doch sie selbst? Offenbar ist der Zeitpunkt gekommen für Lindens Erkenntnis, dass sie durch Rosies Mord und die Erinnerung an ihre (ständig angedeutete, aber nie zu Ende erzählte) Vergangenheit in eine Art Stillstand geraten ist, wie eingefroren. Sie ließ sich vom Plätschern des Regens innerhalb der eigenen Gedankenwelt so weit weg tragen, dass ihr Ins-Leben-Kommen in dieser Episode teilweise etwas überstürzt wirkt. Nichtsdestotrotz führt das zu manchen – wenn auch nicht zwingend überraschenden – Antworten.
So ist Holder einfach ein Ex-Junkie, der zu seinen Meetings geht. Joel Kinnamans Monolog bei dem Meeting, das Sarah heimlich beobachtet, ist die beste Szene dieser Episode. Leider kann man im Bild fast den moralischen Zeigefinger sehen, mit dem The Killing darauf zeigt: Seht mal hin, das wird eine tolle Szene! Die Serie kommt nach wie vor nicht aus dem Bruchstückhaften heraus; ihr Steckenbleiben bildet einen Gegensatz zu dem fließenden Regen in Seattle. In The Killing stockt es ständig, sei es wegen der Langeweile im Richmonds Nebenplot oder wegen des Springens von einem Klischee zum nächsten.
Nachdem das überwältigende Gefühl der Trauer durch den Einblick in das Leben der Larsons abgeebbt ist, bleibt im Moment nicht viel mehr übrig als ausgetretene Stufen von Trauerarbeit. In dieser Episode treten Rosies Eltern in die Phase der Entfremdung und der gegenseitigen Beschuldigungen ein, nachdem Mitch die beiden Jungen im Auto vergessen hat: in der Garage, bei laufendem Motor. Mit The Killing verhält es sich genauso: Alles scheint nur Rauch zu sein – und wenn dieser verfliegt, wissen wir nicht viel mehr über die Figuren als im Piloten. Vor allem wissen wir nicht viel über Rosie selbst, das Opfer, so dass sie der Ausgangspunkt wird, um das Puzzle aus anderen Figuren zusammenzustellen.

Alle bleiben irgendwie separiert voneinander.
Das Problem liegt nicht darin, dass The Killing zu viele lose Enden schafft und nicht wieder aufnimmt, sondern darin, dass die AMC-Serie sie nicht spannend offen lässt, uns keine Möglichkeit und keinen Anreiz zu Spekulationen gibt. Ob Bennet mit der Terrorzelle in Verbindung steht? Ob die Terrorzelle mit Rosies Mord in Verbindung steht? Ob die Zuschauer wirklich gespannt auf die Antworten sind?

 

The Killing: Vengeance (1×07)

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Wird Sarah Linden ihr Flugzeug noch erwischen und was hat wirklich Bennet mit Rosies Mord zu tun? Stan und Mitch spielen mit demselben Gedanken.

Auch mit der siebten The Killing-Episode schafft es die Serie nicht, sich an den Haaren aus dem dunklen Wasser, in das die AMC-Produktion nach und nach versink, herauszuziehen. Es ist so, als würden wir The Killing weiterhin bei einem Selbstfindungstrip beobachten, aber wird die Zeit reichen, um fündig zu werden? Die Serie lieferte sich selbst eine solide Grundlage, sowohl atmosphärisch, als auch was die Figuren und den Ausgangspunkt der Erzählung betrifft.

Über diese Grundlage kommt man bisher nicht hinaus. Es ist wie das Bild von einem Papierschiffchen, das von dem der Straßen hinunter strömenden Regenwasser getragen werden sollte, aber schon an dem ersten Meter an einem Hindernis hängen bleibt. Wenn es keinen weiteren Schubs bekommt, wird es von den Wassermassen überschwemmt, so dass es sich irgendwann auflöst. Nein, dieses übertrieben gemalte Bild drückt mehr meine Frustration aus, als es Auflösungserscheinungen in The Killing heraufbeschwören würde. Die Frustration ergibt sich nicht nur aus dem „trockenen“ Politik-Plot, sondern und vorwiegend aus der Art und Weise, wie man die Hauptfiguren auf der Strecke bleiben lässt und sie nicht einmal als Mittel zum Plotzweck einsetzt.

Die Rede ist vor allem von Sarah Linden, die die Autoren immer wieder auf zwei Sachverhalte reduzieren: Den Flug zu ihrem Verlobten, den sie verpassen wird und einen ähnlichen Fall wie Rosies aus der Vergangenheit, über den aber nicht weiter gesprochen wird. Auf Produzentenseite sollte man vielleicht auf eine andere Figur hören, nämlich auf Lindens Immer-Noch-Partner Stephen Holder: You got commitment issue? That’s fine. Don’t be using them to ruin my career. Meine Bitte als Zuschauer lautet folgendermaßen: Nicht die hervorragend gefilmte und atmosphärisch immer noch wie die ersten Regentropfen auf durstige Haut wirkende Serie mit Hilfe von Klischees austrocknen lassen. Natürlich verpasst Linden ihren Flug nach Sonoma und ihr Verlobter geht nicht mal mehr ans Telefon und Holder bleibt für ungewisse Zeit unter ihrem Kommando.

A propos Holder: Im Vergleich zu Linden wirkt Holder wie eine mehr „echte“, eine komplette Figur, die aber auch nicht mit genug Screentime gewürdigt wird. Joel Kinnaman muss ein Kompliment ausgesprochen werden, dass er aus seinen kurzen Szenen immer etwas Besonderes macht, sei es mit amüsanten Bemerkungen und verspieltem Verhalten seiner Figur oder aber ernster und manchmal fast aggressiver Herangehensweise gegenüber Mitmenschen (vor allem im Fall involvierten) oder durch seine Art sich sehr schnell auf die Ebene seines Gegenübers zu begeben, wie in letzter Episode mit Ambers Schwester. Ich hab wirklich nicht für eine Sekunde daran gedacht, dass der Auftritt von Ambers Schwester, ihre Sprüche, wie „war is going on“ und das ganze christliche Getue tatsächlich ein Hinweis auf die größte Entwicklung innerhalb der Handlung dieser Episode.

Nachdem in der vermutlich schönsten Szene in Vengeance Stan Bennet unter dem strömenden Regen doch am Leben lässt, findet Linden heraus, dass am Tag von Rosies Tod ein andere Muslim Bennets Haus besucht hat. Der Mann heißt Muhammad, hilft Bennet beim Koran-Studieren und das alles klingt nach Fundamentalismus. He doesn’t look at me, he doesn’t talk to me, sagt Amber zu Linden. Also Bennet als Fundamentalist in der Ausbildung? Wenn das tatsächlich die Antwort ist, wäre ich umso erstaunter.

Linden und Holder bekommen ausgerechnet in der Mosche von einem/r Unbekannten einen Hinweis darauf, wo sich Muhammad befindet, nachdem der Imam nicht so kooperativ ist, aber die beiden auf einen anderen Fall aufmerksam macht, von dem wir noch nie gehört haben – ein muslimisches Mädchen wird vermisst. Ob die Fälle eine Verbindung haben? Genau wie letzte Woche die hilfsbereiten Nachbar, so auch jetzt kommen Holder und Linden voran, dank einem Unbekannten. Sie werden wie aus dem Nichts auf den richtigen Pfad gebracht. Und dieser führt zu einer Fleischerei, in deren Gefrierraum Holder und Linden etwas entdecken, aber bevor die Kamera uns zeigen kann, was, werden sie von dem FBI auf den Boden geworfen, als die Agenten den Laden stürmen. Ob tatsächlich Terroristen involviert sind? Ob Belkos angeblicher Informant und Freund aus der Schule tatsächlich existiert? Hoffentlich kann The Killing im letzten Drittel der Staffel wieder Atmosphäre, Handlung und Figuren zu einem Fluss bringen, wie der aus Twin Peaks Vorspann, gefährlich und melancholisch zugleich.

The Killing: What You Have Left (1×06)

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Die Larsens bereiten sich auf Rosies Begräbnis vor, während die Schlinge um Bennets Hals immer enger wird.

The Killing zeigt sich zunehmend nicht so sehr als eine Erzählung über die Krimi-Untersuchung in Rosies Mordfall, sondern als eine über Emotionen, über den Effekt eines grausamen Ereignisses auf jeden Menschen, der damit in Verbindung steht, ganz egal wie beiläufig diese ist. What You Have Left eröffnet mit unscharfen Close-Ups der Vorbereitung von Rosies Leiche für das Begräbnis. Hin und wieder kommen kleine Details auf Fokus, Ausschnitte eines verloren gegangenen Lebens. Als Rosie im Sarg liegt, wird sie nach oben gefahren, Etage für Etage wird es immer heller, bis der ganze Bildschirm von Licht überflutet wird. Hinaus ins Licht. Gleichzeitig muss der Sarg etwas später nach unten, ins Dunkle, unter der Erdoberfläche.

The Killing kreiert nach wie vor tolle Atmosphäre und glänzt mit hervorragend inszenierten Bildern, aber der Plot um die Morduntersuchung kommt nur mit Nachhilfe vom Fleck. Die Untersuchung verläuft nach wie vor irgendwie auf Sparflamme und wären es nicht die Zeugenhinweise kann man sich kaum vorstellen, wie das Ganze vorankommt. Nachbarn berichten Linden und Holder über Rosies späten Besuch bei Bennet an genau demjenigen Freitagabend, als Rosie verschwand. Auf die Nachfrage der Detectivs erinnert sich Bennet plötzlich an den Besuch und liefert wieder einmal wacklige Erklärungen. Ein anderer Nachbar teilt der Polizei mit, dass Bennet und “another smallish type person” Rosie in Plastik gewickelt hinaustragen sah. Kann die andere Person Bennets schwangere Frau Amber gewesen sein? Lindens Figur bleibt auch in dieser Episode mehr an der Seitenlinie und bis auf  Regis “You almost lost him, Sarah. Don’t let it happen again.” erfahren wir nichts mehr über ihre Vergangenheit, die anscheinend sehr traumatisch gewesen ist. Dafür gibt es in der Episode mehr Holder (Joel Kinnaman).

Nicht nur sorgt er mit seinem Auftritt im Anzug für den einzigen amüsanten Augenblick in What You Have Left, sondern in seiner Szene mit Ambers Schwester wird genau die Stärke faszinierend ausgespielt, die die Figur in den bisherigen Episoden auszeichnete. Holder schafft es Vorlieben, Wünsche und Schwächen seines Gegenübers schnell aufzupicken und dann eine Verbindung aufzubauen. Aber die interessante Frage bleibt, welche Verbindungen in Holders Leben bestehen geblieben sind und welche Verbindung er zu sich selbst hat. Wir sehen ihn in dem Auto eines Unbekannten mit diesem über sich und über Rosies Fall reden. Der Unbekannte gibt ihm die Information über Stans dunkle Vergangenheit, die tatsächlich Rosies Vater einzuholen scheint. Durch Belko, der auffällig nett und fürsorglich gegenüber Larsons Familie ist, erhält Stan (Brent Sexton) ausgerechnet nach Rosies Begräbnis die Information über Bennet.

Die politischen Machenschaften um den Bürgermeisterkandidaten Darren Richmond bleiben in meinen Augen das Uninteressanteste in The Killing bisher und bekommen viel zu viel Screentime, für die wir bisher keine genügende Gerechtfertigung bekommen haben. Ich bin persönlich auf den Zeitpunkt gespannt, wenn die Serie uns das Richmond-Geheimnis verraten wird. Das könnte tatsächlich die entscheidende Wendung sein, denn im Moment weist alles auf Bennet als den Mörder hin und die Genre-Gesetze lauten, dass es zu früh ist, den Mörder zu finden und dass der Hauptverdächtige nie der Täter ist.

Aber nichtsdestotrotz ist interessant zu verfolgen, als was sich Bennet entpuppen wird. Denn nach dieser Episode bekommt man den Eindruck, er ist nicht nur der feinfühlige Lehrer, sondern eine gleichzeitig verunsicherte und schreckhafte Person. Nimmt er jemanden in Schutz oder ist er davor erschrocken, zu wissen, was wirklich passiert ist? Hoffentlich erfahren wir das, bevor er sein Leben verliert. Denn nach Rosies Begräbnis fährt ihn Stan nach Hause, bevor Holder und Linden ihn stoppen können und Bennet verhaften.

The Killing: Super 8 (1×05)

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Holder und Linden erfahren noch mehr über Rosie, während Darren Richmond endlich herausfindet, wer der Maulwurf ist.

Super 8 bringt zwar neue Erkenntnisse, ist aber nichtsdestotrotz die schwächste The Killing-Episode bisher. Der Dauerregen in Seattle, der für die schöne und zugleich melancholisch-bedrückende Atmosphäre sorgt, scheint immer neue Details heranzuspülen, lässt aber das ganze Erzählkonstrukt irgendwie „wässrig“ erscheinen. Ich weiß, dass The Killing in diesem Sinne nichts falsch gemacht hat. Aber: Von Anfang an hat die AMC-Serie betont, eine Mischung aus dem rohen Fleisch intimer menschlicher Zustände und Emotionen und dem verwickelten Plot um Rosies Tod sein zu wollen. In Super 8 nun wirkt Manches zu repetitiv, um die Balance der Mischung intakt zu halten.

Vor allem im Fall Linden. Nach wie vor mag ich Mireille Enos’ Performance, aber sie bekommt inzwischen viel zu wenig zu tun. Klar wurde mittlerweile, dass sie eine Obsession für den Fall entwickelt hat. Die Erzählung braucht die Frage, ob sie abreist, nicht mehr in der Schwebe zu halten: sie ist beantwortet. So könnte man die sich wiederholenden kleinen Szenen mit ihrem Verlobten vermeiden, die bisher lediglich in Andeutungen über ihre Vergangenheit münden, über die wir nichts weiter erfahren: „Are you going to put this girl’s drawings on your wall?” Linden: “This isn’t the same thing, I’m a different person now.”

Einfach zu wenig – genauso wie bei Holder, der nach wie vor eine sehr interessante Figur ist, aber zu wenig Screentime bekommt. Noch immer gefallen mir die kleinen Szenen zwischen den beiden – und der Verzicht seitens der Autoren, ihre Partnerschaft in den Vordergrund zu stellen.

Stattdessen stürzt sich die Serie auf die Nebenfiguren. Immer noch prasselt die durch Verlust Rosies akkumulierte Stimmung der bodenlosen Verzweiflung synchron zum Dauerregen auf uns nieder. Die Larsons tauschen in dieser Episode in gewissem Sinne die Rollen. Diesmal sehen wir Stan (Brent Sexton) in einem intimen Moment zusammenbrechen, während sich Mitch (Michelle Forbes) traut, erste Schritte in die Außenwelt zu unternehmen. Man hat das Gefühl, dass die Off-Screen-Szene, in der die beiden die tote Rosie in ihrem hübschesten Kleid sehen, unterschiedliche Wirkung auf beide ausübt: Mitch kommt zu einer Art Frieden, während Stan sich entscheidet, auf eigene Faust den Mörder seiner Tochter zu suchen.

Sehr schön schildert die Serie den Zustand im Hause Larson, indem sie den Fokus auf die beiden kleinen Jungen verschiebt. Der eine nässt ständig ein, der andere geht einkaufen und bereitet sich selbst das Frühstück. Es scheint, als hätten die beiden plötzlich realisiert, dass sie nicht nur ihre Schwester, sondern in gewissem Sinne auch ihre Eltern verloren haben.

Was die Serie nicht verloren hat, sind die kleinen, feinen Details in der visuellen Gestaltung, etwa die aus extremer Übersicht gemachten Aufnahmen vom leeren Parkplatz, als Bennet eintrifft, oder den Schnitt von der runden roten Filmrolle, die Bennet Sarah im Teaser gibt, auf den runden roten Punkt aus dem ersten Bild des Vorspanns. In der roten Schachtel befindet sich ein 8-mm-Film, den Rosie aufgenommen hat. Linden versucht, in den Bildern voller Schmetterlinge, Wasser und Rosie auf ihrem Fahrrad eine Verbindung, einen Hinweis zu finden. Das Bild des verträumten Mädchens als Opfer dunkler Begierden ist zwar sehr klischeebehaftet, aber es bringt uns zum ersten Mal näher an Rosie heran.

Bennet wiederum bringen die Erkenntnisse über sein alles Andere als wasserdichtes Alibi nicht wirklich aus der Schusslinie. Rosie ist nicht die erste Schülerin, mit der er engere Beziehungen pflegte. Zudem stellt Bennet die einzige Verbindung zwischen Richmonds Kampagne und Rosie dar. Am Ende sehen wir denn auch ein sehr bezeichnendes Bild: Darren und Bennet lassen sich für den Werbespot gemeinsam ablichten. Was aber haben sie wirklich gemeinsam?

Über Darren erfahren wir – trotz Campbells überzeugender Darstellung – nicht viel Neues. Er wiederum erfährt dank Jamie, dass Nathan der Maulwurf war und für Yitanes gearbeitet hat. Was er nicht weiß, ist, dass Gwen nicht nur mit ihm schläft. Hat auch Rosie irgendetwas entdeckt bzw. gefilmt, was sie nicht hätte sehen sollen und was mit den politischen Intrigen zu tun hat? Linden erhält jedoch Hinweise, dass Rosies Tod vermutlich die Arbeit eines Wiederholungstäters ist… und dass ihr neuer Partner Holder hohe Nebeneinkünfte zu verzeichnen hat. Was er auch nicht leugnet – aber wo gibt er das Geld wieder ab?

The Killing bleibt trotz kleiner Kritikpunkte spannend, braucht aber demnächst das gewisse Etwas, eine Art Wendung im Plot oder auf Figurenseite, damit der Dauerregen den Funken nicht löscht.

The Killing: A Soundless Echo (1×04)

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Haben tatsächlich Jasper und Kris Rosie ermordet? Linden und Holder folgen unterschiedlichen Spuren, die sie zu demselben Ergebnis führen.

The Killing ist die Verkörperung des David Lynch’schen Satzes „Die Eulen sind nicht das, was sie zu sein scheinen!“ Die AMC-Serie gibt vor, nicht von der Stelle zu kommen, indem wichtige Details immer irgendwie im Nebensatz auftauchen. Sie sind aber da. A Soundless Echo fügt fast jeder Figur solche Details hinzu, die den aufmerksamen Zuschauer nachdenklich zurücklassen.

Man denkt tatsächlich darüber nach, was wir überhaupt wissen und was die Figuren vor einander und vor uns verstecken. Niemanden dürfte es gewundert haben, dass am vierten Tag der Rosie-Untersuchung das Video mit Kris und Jasper nicht die Antwort auf die Frage „Who killed Rosie Larsen?“ liefert. Aber obwohl die Episode so still und verhalten wirkt, bringt sie eine Menge an Enthüllungen, die für den zukünftigen Verlauf wichtig sein werden.

Das Mädchen aus dem Video ist Sterling, Rosies Freundin, die alles freiwillig mitgemacht hat. Ihr Geständnis jedoch führt die Ermittler zu einem anderen Mann in Rosies Leben. Zwar arbeiten die beiden Detectives in dieser Episode, auf Lindens Befehl getrennt voneinander – was Holder ziemlich missfällt, da er der in seinen Augen weniger heißen Spur folgen muss -, aber Holder und Linden treffen am gleichen Punkt wieder zusammen. Das geschieht dank der zwei parallel geschnittenen Szenen, in denen Holder den Zielort von Rosies geheimnisvollen Ausflügen findet und Linden (Mireille Enos) in Rosies Zimmer Liebesbriefe entdeckt. Die Verbindung: Bennet, Rosies Lehrer. Die Briefe tragen seine Unterschrift, und in dem Jugendcenter (voller Werbeplakate für Richmond) findet Holder ein Foto vom „After School Hoops”-Team, auf dem Bennet zu sehen ist.

Diese Episode fällt generell auf durch eine größere Anzahl an unterschiedlichen Szenen und Wechseln zwischen ihnen; dafür werden die einzelnen Szenen im Vergleich zu den vorherigen drei Episoden kürzer gehalten. Man hat das Gefühl, kleine Schnipsel, Bruchteile serviert zu bekommen, die geordnet, zusammengestellt werden müssen. Damit simuliert die Handlung ein grausames Puzzle, das Stück für Stück vor unseren Augen entsteht. Dasselbe Gefühl überkommt einen, wenn man den psychedelischen Vorspann von The Killing sieht – oder aber die schnell hin und her geschnittene Sequenz mit Rosies Eltern, die auf dem Polizeirevier durch Zufall einen Blick auf die Tafel mit den Tatortfotos von Rosie werfen können.

Bruchstücke sind es, die die Stories der einzelnen Beteiligten vertiefen. Wir erfahren, dass Gwens Vater ein Senator ist und dass Jamie den Doppelagenten spielt: Auf Richmonds Befehl nimmt er als Maulwurf bei der Konkurrenz eine Stelle an. Rosies Vater wiederum scheint eine dunkle Vergangenheit zu haben, die ihn mit dem lokalen organisierten Verbrechen in Verbindung bringt. Aber das Interessanteste sind die zwei Sätze, die Lindens Verlobter Rick zu ihr sagt (wenn ich mich nicht verhört habe):  It’s not happening again, is it? Chasing after a dead girl? Ausgerechnet über Linden und Holder wissen wir im Vergleich wenig – aber ich schätze, das wird sich bald ändern. Ricks Auftritt in dieser Episode hat etwas Verstörendes an sich; man könnte darauf wetten, dass seine Story nicht weniger interessant ist.

Ausgerechnet Bennet erzählt Mitch Larsen, wie klug Rosie war, und gibt ihr Rosies Lieblings-Gedichtband. It is a soundless echo. Mit diesem Satz endet einer der Briefe Bennets an Rosie. Man kann nur hoffen, dass es sich The Killing dramaturgisch nicht so leicht macht – dass der Verlauf einzelner Episoden nicht zu einem Echo wird. Nachdem Jasper und Kris schnell frei gesprochen wurden, muss etwa die nächste Episode nicht schon innerhalb von zehn Minuten Bennet entschuldigen, um den Finger auf den nächsten Verdächtigen zu richten.

Auch wenn das bei einer „langsamen“ Serie wie The Killing komisch klingt, sollte man sich vielleicht nicht zu schnell durch ein Netz an Verdächtigen hindurch arbeiten. Es geht um die Balance, die The Killing beibehalten und weiter ausarbeiten muss: zwischen der Spannung einzelner Episoden und ihrer Bedeutung für das Ganze. Natürlich vermag formelhaftes Erzählen oft eine breite Masse an Zuschauern anzuziehen, aber für meinen Geschmack hat das The Killing nicht nötig. Denn die Zuschauer, die bei der Serie geblieben sind, erwarten von der AMC-Produktion kein Schema, sondern nur ihr erdrückendes Echo.