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Game of Thrones: The Night Lands (2×02)

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They say hard places breed hard men, and hard men rule the world, sagt Theon zu der Kapitänstochter zwischen den Bettlaken. Macht, herrschen, Herrschaft, Herr – alles Mann? Ist es das ‚richtige‘ Geschlecht, was einen Menschen zur Macht befähigt? Sind die Risse in Westeros, über die wir bei The North Remembers sprachen, das Ergebnis davon? Unfähige Männer wollen herrschen – kann das ein gutes Ende nehmen? Erbe, Heirat, persönliche Eigenschaften – wodurch kommt man an die Macht? Durch Verrat? Oder mit Loyalität? Um diese zentralen Fragen kreist die Episode, die auf den ersten Blick ein wenig zerstreut wirkt und voller Sex-Szenen steckt.

Aber wenn man aufpasst und genau hinsieht, wie Littlefinger durch die Gucklöcher in seinem Bordell, dann erkennt man die Mechanismen, die hier im Gange sind. Damit meine ich nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch die Art, wie sie von den Game of Thrones-Produzenten inszeniert und erzählt wird. Von Pyke (einem weiteren neuen Standort im Vorspann) bis zu King’s Landing ist diese Geschichte mit Männern bevölkert, die ihre Machtpositionen an Frauen zu verlieren drohen – bzw. um deren Konstellationen herum sich die Frage stellt, wann die Frauen das Ruder übernehmen werden: seien es Cersei, Daenerys, Melisandre oder aber die jetzt eingeführte Yara, Balon Greyjoys Tochter und Schwester Theons. Übrigens heißt Yara in den Büchern Asha; die Produzenten änderten angeblich den Namen, damit man sie nicht mit Osha verwechselt… Bei dieser Veränderung der Vorlage belässt es die Episode nicht, aber dazu kommen wir gleich.

Zurück zu den Frauen, die ihren Willen durchzusetzen wissen: Theon, der in Robbs Auftrag – nach Pyke zurückkehrt, erwartet, als Prinz und Thronerbe empfangen zu werden. Falsch! Er beißt dort buchstäblich auf Granit, denn die Pyke-Felsen haben ihre zukünftige Herrscherin bereits gefunden: ausgerechnet die Frau, die Theon mit ihrem Pferd zur Burg bringt und an der er sich während des Ritts verbal und physisch vergreift. Und diese Frau ist seine Schwester Yara (Gemma Whelan), die sich auf diese Art und Weise genüsslich einen schlimmen Scherz mit ihrem Bruder erlaubt. Hatte Theon als Figur und als Geschichte in der ersten Staffel ein wenig ‚außen vor‘ gestanden, bekommen wir jetzt seinen Hintergrund zu hören – und Theon die Ablehnung seines Vaters Balon (Patrick Malahide): I pay the iron price. I will take my crown. Dann schließen Vater und Tochter die Szene mit dem berühmten Iron-Islands-Satz: “What is dead may never die” – und wieder ist Theon den buchstäblichen Schritt zu spät gekommen.

Neben Yara baut Melisandre als weitere Frau ihre Machtposition aus, indem sie Stannis mit ihrem nackten Körper von seiner Unterlegenheit auf dem Feld gegenüber Renly ablenkt. Sie hat ihm ein gewichtiges Versprechen zu bieten: einen Sohn. Dieses Versprechen genügt offenbar, um Stannis zwischen ihre Beine zu locken. Denn ein Sohn, ein Mann bedeutet Sicherung der Macht. Nur: Nicht immer sind Männer und Jungen das, was sie zu sein scheinen. Damit kommen wir zu Arya – Entschuldigung: zu Arry, der heimlich pinkeln muss, um sein Geschlecht zu verbergen. Gemäß Joffreys Befehl erscheinen Soldaten, die nach Gendry suchen, aber Yoren schickt sie im äußerst subtilen “bad ass”-Stil mit leeren Händen nach Hause – während Arya noch glaubt, dass nach ihr gesucht würde. Gendrys Identität, nämlich einer mit Königsblut in den Venen, ein Thronerbe zu sein, bleibt Arya, ihm selbst und den anderen noch verborgen, aber dafür deckt Gendry Aryas Geheimnis auf. Beide sind von adligem Geblüt, aber beiden geht es nicht unbedingt um Macht; sie wollen vielmehr nur überleben in einer größtenteils feindlichen Welt.

Wir erleben Aryas erste Begegnung mit einem Gefangenen namens Jaquen H’Ghar, die zwar am Rande verläuft, aber gerade deswegen den Eindruck hinterlässt, für den späteren Verlauf wichtig zu sein.

Es sind die Frauen am Rande der Macht, die in dieser Episode Schritte nach vorn machen, während die beiden, die bereits Macht besitzen – Dany und Cersei – Rückschläge hinnehmen müssen:

Während irgendein anderer Khal den Kopf eines von Danys Reitern zurückschickt – als Hinweis darauf, was er von einer Frau als Anführerin einer Khalasar hält -, treiben die Männer um Cersei diese in den Wahnsinn. Als “the biggest joke” muss sie es letztendlich empfinden, dass sowohl Joffrey als auch Jamie Macht besitzen dürfen, obwohl sie im Gegensatz zu ihr selbst nicht wissen, wie diese Macht auszuüben ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Reihe zu regieren als nächstes ausgerechnet an ihren zweiten, kleinwüchsigen Bruder kommt, während sie selbst außen vor bleibt. Weder hat Joffrey sie über den Kindsmord-Befehl in Kenntnis gesetzt, noch hat Tyrion sie darüber informiert, wie er ihren Untergebenen Janos Slynt weggeschickt hat, den Leiter der City Watch: “I’m not questioning your honour, Lord Janos. I’m denying its existence.”

Dass Bron Janos‘ Platz einnimmt, weicht erneut von den Büchern ab, aber ich denke, dass die Autoren im Interesse des Überblicks nicht mehr neue Figuren einführen wollen als unbedingt nötig. Dafür erfahren wir mehr über Davos: über seine Bemühungen, Piratenschiffe für Stannis’ Seite zu gewinnen, und über seine Verbingung zu dem ältesten Baratheon-Bruder. Der sei der einzige Gott, an den er, Davos, wirklich glaube. Am Anfang haben wir von Loyalität gesprochen. Hier ist sie – aber ob sie jemanden das Leben kosten wird? Auch Littlefinger und Varis begegnen wir kurz und erfahren, dass auch sie loyal sind: zu sich selbst.

Die Verbindung zwischen den Ereignissen in Norden und Süden, Beyond the Wall und King’s Landing, ist hinterlistig. Man kann sie nur durch ein Guckloch erspähen, wie es Littlefinger tut, ein Herrscher über Frauen. Anschließend sehen wir einen anderen Herrscher über Frauen: Craster. Damit kommen wir hinsichtlich des von mir ausgemachten Themas der Episode zu einer dritten Inszenierung von Frauen, die jedoch komplett machtlos sind – etwa Ros und Gilly (Hannah Murray). Auf dieser weniger prominenten Seite wäre natürlich auch die Tochter des Schiffskapitäns anzusiedeln, mit der Theon im Bett seine Machtspielchen treibt. Diese Frauen wurden in eine machtlose Position gezwungen, aus der sie sich nicht allein befreien können.

Gilly ist eine von Crasters Tochter-Frauen, mit der Sam trotz Verbot spricht. Sie will fliehen. Warum? Weil sie sich vor dem fürchtet, was passieren wird, wenn sie einen Jungen gebiert. Jon lehnt Sams Bitte, sie mitzunehmen, ab; aber er geht der Sache, das heißt Craster, nach. Auch diese Schritte im Schnee sind im Buch nicht zu sehen, ebenso wenig wie diejenigen der White Walkers. Durch diese Abweichung findet Jon heraus, was Craster tut – und anscheinend führen uns die Produzenten damit jene stille Gefahr vor Augen, die keine Schrittspuren im Schnee hinterlässt…

Loyalität – oder Verrat? Ein Gott – oder viele Götter? Männer – oder Frauen?

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