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Justified: Cut Ties (3×02)

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Ein Zusammentreffen alter Bekannter auf mehreren Ebenen findet in Justifieds Cut Ties statt. Eigentlich kann man die Episode als Stand-Alone-Stück bezeichnen, wie wir in der ersten Justified-Staffel und am Anfang der zweiten viele sahen. Obwohl man bei kaum einer Episode von einem reinen Fall der Woche sprechen kann, seit Boyd damals die Serienwelt wieder betrat – wir erinnern uns: Eigentlich sollte die Figur im Piloten sterben…

In der letzten Szene von Cut Ties wird ein Schwein filetiert, und anhand dessen können wir den generellen Verlauf der Justified-Staffeln beschreiben. Ob die Episoden nun einen Fall der Woche behandeln oder handlungsübergreifenden Plots gewidmet sind: die Justified-Erzählung gleicht dem geübten Abschneiden von Filetstücken, ohne mit dem scharfen Messer an einen Knochen zu geraten und ins Stocken zu kommen. Ein Verlauf wie ein Gleiten, dem aber immer ein heftiges Hineinrammen des Messers ins Fleisch vorausgeht, mit dem man den Punkt und damit den Anfang des Erzählschnitts festlegt.

Das geschah bislang in der Einführungsepisode einer Staffel, aber in dieser dritten hat man das Fixieren des Punktes auf The Gunfighter und Cut Ties verteilt. Letzte Woche lernten wir den Mann aus Detroit kennen, der Arnett beseitigte und mit Harlan etwas vorzuhaben scheint; jetzt führen die Autoren eine weitere interessante Figur ein, die uns mit einer in diesem Winkel der USA recht spärlich vertretenen Bevölkerungsgruppe in Kontakt bringt: der schwarzen Community. Es handelt sich um einen gewissen Ellstin Limehouse (Mykelti Williamson, der zum Cast der abgesetzten Graham-Yost-Serie Boomtown gehörte, so wie auch Neal McDonough).

Er ist ein alter Freund der Bennett-Familie, und Mags hat ihm ihr gesamtes Vermögen anvertraut. Limehouse scheint in der Justified-Erzählung in Mags’ Fußstapfen zu treten. Er repräsentiert eine alteingesessene kriminelle Organisation, während Robert Quarles (Neal McDonough) von außen in diese Welt eingreift. Ob sie als Gegner fungieren werden, bleibt abzuwarten.

Boyd jedenfalls scheint die Variable zu bleiben, die Wildcard, mit der jeder Spieler zu rechnen hat. Boyd (Walton Goggins) selbst muss nur mit einem rechnen, nämlich mit seinem alten Freund Raylan Givens (Timothy Olyphant). Als solcher besucht er Boyd im Gefängnis, um sich von ihm Rat in Sachen Selbsterkenntnis und Beziehungsproblematik zu holen: „I have not been myself, Boyd.“ Dabei fragt er: was für ein Mann lässt sich von seiner Frau scheiden, kommt wieder zu ihr, schwängert sie und will dann mit ihr zusammenziehen?

Die Antwort: „Well now, Raylan, you’re talking to a man who’s sleeping with his dead brother’s widow and murderess. You’ve come to the wrong sinner…“ Natürlich findet diese Unterhaltung in extremen Close-Ups der beiden statt, wie wir es von solchen Szenen in Justified kennen. Gegen Ende des Gesprächs verdeckt der Kopf des einen Gesprächspartners als dunkler Schatten das halbe Gesicht des anderen, und so liegt auch der Kern der Unterhaltung im Schatten, wird nicht direkt angesprochen. Boyds Pläne reichen weiter, als wir dachten: Er will nicht nur Dickie, sondern auch Mags’ Geld – und trotz der Steine, die ihm Raylan in den Weg legt, winkt ihm beides.

Der einzige Haken: natürlich nicht Dickie, sondern eben Limehouse. Wie wir durch dessen Monolog sehen und hören, weiß er mit Haken umzugehen, sowohl mit tatsächlichen als auch mit metaphorischen, wie sie ein guter Rhetoriker zu nutzen weiß. Die Szene erinnerte mich sehr an Boardwalk Empire und die Parabeln, die sich die Figuren dort so gern erzählen, aber auch an die Einführungsszene von Tywin Lannister in Game of Thrones, in der er den Hirsch ausnimmt und filetiert. Wie Mags ihre Probleme mit einem bewährten Hausrezept zu beseitigen pflegte, nämlich „apple pie moonshine“, so besitzt auch Limehouse eines – Lauge.

Übrigens: Auch Art (Nick Searchy) kennt ein Rezept aus alten Zeiten, das in manchen Situationen weiterhilft… Cut Ties ist mehr oder weniger eine Art-Episode, so wie es Blaze of Glory war. Als bisher einzigen von Raylans Kollegen hebt Justified Art immer wieder einmal heraus, lässt ihn lebendig erscheinen und zum Einsatz kommen. Dieses Mal wird einer seiner alten Marshal-Freunde getötet, der beim Zeugenschutzprogramm tätig war.

Also ist One-Man-Action angesagt für Art, wobei er vor “traditionellen” Verhörmethoden nicht zurückscheut: „You have the right to remain silent, so long as you can stand the pain.“ Die Ereignisse um diesen Plot rufen den Assistant Director des Marshal-Service auf den Plan, Karen Goodall (Carla Gugino) – oder, für Kenner von Elmore Leonards Werken: Karen Sisco.

Das bietet Gelegenheit für einen Insider-Witz: Lustigerweise wird Karen Goodall, Raylans Ex-Kollegin und alte Flamme aus Miami, von Carla Gugino verkörpert, der Darstellerin, die in der gleichnamigen kurzlebigen ABC-Serie Karen Sisco spielte. Raylan fragt Karen nach ihrem Nachnamen, Goodall: denn er kannte sie unter einem anderen (Sisco)! Goodall antwortet, sie sei verheiratet gewesen, allerdings nur zwei Monate lang. Ein Seitenhieb auf Karen Siscos Absetzung?

Goodall benutzt einen Schlagstock, wie es Jennifer Lopez als Karen Sisco im Soderbergh-Film „Out of Sight“ zu tun pflegte. Ansonsten bleibt sie in dieser Episode eine nette Referenz – mehr nicht. Ob Karen wieder auftaucht? Da wir gerade beim Thema Beziehungen bzw. alte Freundschaften sind, können wir den Kreis hinsichtlich des Boyd-Raylan-Gesprächs vom Anfang der Episode schließen und feststellen, dass beide Paare – Raylan / Winona und Boyd / Ava – in einem neuen Licht zu sehen sind.

Nicht unbedingt wegen Raylans und Winonas Positionierung im Wege des durch die Gebäudefenster strömenden Lichts, sondern wegen des neuartigen Umgangs miteinander. Das frühere Misstrauen und die Unsicherheit scheinen humorvollem Flirten und gegenseitigem Vertrauen gewichen zu sein – so, als hätten sich die Partner mit dem So-Sein des / der jeweils anderen abgefunden und könnten souverän damit umgehen.

Zwei gereifte Liebesbeziehungen also? Was die alte Freundschaft zwischen Raylan und Boyd angeht – nun, für die Zeiten, die auf diese beiden offenbar zukommen, werden sie den Halt in Liebesdingen gut gebrauchen können.

Justified: The Gunfighter (3×01)

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Diese Eröffnungsepisode nimmt die Ereignisse an dem Punkt auf, an dem wir Raylan Givens (Timothy Olyphant) und all die anderen, nicht weniger interessanten Figuren zurückließen. Zumindest die, die noch am Leben waren…

Allerdings macht Justified einen dreiwöchigen Zeitsprung: von Raylan auf dem Krankenbett zu Raylan auf dem Schießstand. Seine schmerzhaften Versuche, das Ziel zu treffen, stehen im direkten Gegensatz zum Inhalt der Episode, wo jedes Wort und jede Kugel treffen.

Schon oft habe ich es in den Justified-Reviews erwähnt, aber hier wiederhole ich es noch einmal: Einer Unterhaltung zwischen Boyd Crowder (Walton Goggins) und Raylan Givens könnte ich stundenlang zuhören und -sehen, denn sie bieten jedes Mal Darsteller-Chemie und Sprachpoesie vom Feinsten.

Sie enden zwar oft weniger “fein”, kombinieren aber stets einen hohen Unterhaltungsfaktor mit einem unbemerkten Vorwärtsschub der Handlung. Schon früh hatte es Justified ja geschafft, eine Welt aufzubauen, die funktioniert – wie von allein: Man braucht keine “künstlichen” Eingriffe, um sie voran oder in eine bestimmte Richtung zu treiben. Sie atmet selbständig.

Viele US-Kritiker sagen, man könne die Gründe dafür, dass die FX-Serie Justified so gut funktioniert, nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Nun, es verhält sich mit Justified wie mit der Kunst selbst: Es ist schwer zu erklären, warum man die Serie schön findet und genießt. Anders ausgedrückt: Man findet eine Szene cool, nur um etwas später zu erfahren, was sie wirklich bedeutet – und sofort entsteht ein noch breiteres Grinsen im Gesicht. So ging es mir, als ich am Ende sah, warum Boyd am Anfang auf Raylan losging…

Justified handelt von Intelligenz und dem damit verbundenen Witz, von Schlitzohrigkeit. Vielleicht findet man Justified gerade deswegen so gut, weil, die FX-Serie es schafft, den Hut neben der Pflanze liegen zu lassen – im selben Bild. Genau das zeigt sich am Beispiel der Raylan-Boyd-Unterhaltungen.

Visualisiert sieht es so aus wie auf dem Bild, das ich The Gunfighter entnommen habe und hier als Großbild benutze: Der Hut und die Pflanze können friedlich nebeneinander existieren, aber das sagt nichts über ihre wahre Natur aus. Der Hut könnte einem Gunfighter gehören, und die Pflanze könnte Marihuana sein. So steckt in jeder Unterhaltung die Schönheit der Co-Existenz der Worte… und gleichzeitig ihr Problem miteinander.

Wie bei Boyds und Raylans Beziehung: Sie wollen miteinander sein und umgehen, können das aber nicht im selben Wort. Dennoch führt jede Unterhaltung nicht in eine Sackgasse, wie man denken könnte, sondern zu einem manchmal schmerzhaften Status Quo. Sie miss-verstehen einander, um ihre Ziele zu erreichen. Das geschieht auch in der Unterhaltung am Anfang dieser Episode, als Boyd von Raylan eine Entschuldigung dafür fordert, dass er sein Wort nicht hielt und ihm Dickie auslieferte. Denn Dickie schoss letztendlich auf Ava, und Boyd rettete Raylans Leben.

Auf dem diesjährigen Presstour-Panel von Justified erzählte Goggins, dass er Boyd-Raylan-Szenen so angehe, als würden die beiden Männer einander tatsächlich lieben. Interessanterweise wählt Olyphant, seinen eigenen Worten nach, genau das gegenteilige Gefühl…

Die Unterredung zwischen Raylan und Boyd am Anfang dieser Episode endet mit einer Prügelei, die Raylan zu Boden bringt; aber das breite Grinsen beider, als Boyd schließlich abgeführt wird, spricht Bände, deren Inhalt in der allerletzten Szene zum Tragen kommt. Justified hat immer schon sehr vom Dialog profitiert. Das wirkt nie erzwungen: Jede Figur legt Wert auf das Gesagte, auf die Worte. Raylan natürlich voran, erzählen diese Menschen einander ständig Geschichten und setzen ihre Sprache geschickt ein.

Justified verleiht dem Ausdruck „You give me your word“ eine andere Bedeutung, die uns an den Genuss des geschickten Sprachumgangs erinnert und nicht nur an den Umgang mit der Waffe. Zu letzterem scheint Raylan in nächster Zukunft nicht kommen zu wollen… und auch nicht zu können: Durch seine Verletzung sind Treffsicherheit und Schnelligkeit erst einmal verschwunden. Art will Raylan hinter dem Schreibtisch sehen: „You can’t run, you can’t shoot…“

Aber Raylan kann sprechen, Unterhaltungen führen, andere vor-führen; seine Schlitzohrigkeit ist nach wie vor seine Waffe. Außerdem braucht ihn Tim, da die Spur in einem Mordfall zu Wynn Duffy (Jere Burns) zu führen scheint. Also wird Raylan zum zweiten Mal in kürzester Zeit zum Wortbruch gezwungen. Er hatte aber Duffy versprochen: „The next conversation we have, ain’t gonna be a conversation.“

Ich bin froh, dass Wynn Duffy anscheinend eine größere Rolle spielen wird, denn er gehört definitiv zu den Bösewichtern in der Serie, die Raylan tatsächlich unter die Haut gehen. Außerdem bedrohte er schon einmal Winonas Leben, das Leben der Frau, die Raylans Kind erwartet. Tims Reaktion auf Raylans Versuch, Duffy zu meiden: „This is a different conversation.“ Es dreht sich alles um die Unterhaltung, das Gespräch, den Wortwechsel. Duffy ist zu einem längeren Gespräch allerdings nicht geneigt: „I would love to be of more help but I’ve got to get back to watching women’s tennis.“

Apropos Frauentennis: Keiner anderen als Ava, die sich ebenfalls von ihrer Schussverletzung erholt, gebührt die Ehre, uns einen perfekt ausgeführten Vorhandschlag zu präsentieren. Da Boyd im Gefängnis sitzt und Devil und Arlo den Handel mit Mags’ Gras vermasseln, will Boyd die verrottete Ladung verbrannt wissen. Devil weigert sich, Boyds durch Ava übermittelten Befehl auszuführen, und bekommt die Bratpfanne ins Gesicht. Arlo: „You didn’t have to do that, Ava.“ Ava: „Of course I did. Otherwise I wouldn’t have done it.“

Ava hat immer schon unter Beweis gestellt, dass sie die Pfanne schwingen kann. Übrigens ist die Inszenierung von Ava und Winona nach wie vor ein Augenschmaus: Winona (Natalie Zea) in sepia-braunen Farben, oft in mildes Licht getaucht; nur ihr Gesicht wird zum Glänzen gebracht, als wolle man das sprichwörtliche Strahlen werdender Mütter unterstreichen. Ava (Joelle Carter) kommt kontrastreicher daher, um die kantigen Seiten ihres Charakters hervorzuheben, und Lila… steht ihr einfach gut!

Emmitt Arnett, dem Dixie-Mafia-Handlanger in der Stadt, steht der Tod gut, den ihm Harlans neue Größe Robert Quarles (Neal McDonough) gibt. Quarles gehört der Detroit-Mafia an, und in seinen blauen Augen findet sich nichts als Gnadenlosigkeit: Er weiß, wie das Spiel gespielt wird. Ein geschickter Rhetoriker, ob mit Word oder Waffe, ist immer willkommen in Justified! Das gilt nicht für einen anderen Bösewicht, mit dem Raylan in der Eröffnungsepisode doch noch seinen Showdown bekommt: Fletcher Nix (Desmond Harrington, Dexter), genannt Ice Pick Nix, der sadistische Spielchen liebt.

Zwar nennt er sie fair, schummelt aber letztendlich, um der Beste und Schnellste zu sein. Der Grund: Er mag einfach gern töten! Als er Raylan und Winona in ihrem Zimmer überrascht, fordert er Raylan zu jenem Spiel am Tisch auf, wobei die Waffe in der Mitte liegt und Winona von zehn an rückwärts zählen muss.

Ich gebe zu, am Ende dieser spannend inszenierten Auseinandersetzung so gelacht zu haben wie lange nicht mehr: Um Nix auszuspielen, benutzt Raylan in seiner Rolle des zukünftigen Familienvaters einfach Winonas Dekoration, die Tischdecke (auf die sie selbst früher in der Episode referiert). Diese Szene stellt nicht nur einen Bezug zu den Szenen aus der Pilotepisode her, sondern liefert auch eine schöne Metapher über die Serie selbst und ihre Entwicklung…

Terriers: Hail Marry (1×13)

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Mit diesem letzten Review über die erste „Terriers“-Season werde ich versuchen, es der Serie gleich zu tun. Anstatt groß auszuholen und zu erzählen, was alles in „Terriers“ geschah, sei hier nur Folgendes gesagt: Ich hoffe, dass die dreizehn wundervollen Stunden Fernsehen, die uns die FX-Serie geschenkt hat, nicht schon die letzten waren! Ich weiß, es klingt ein bisschen nach Abschied – aber, let us face the facts: ausgehend von seinen Quoten hat „Terriers“ eine „life expectancy somewhere between a fly and a fly with a heart condition.

Die „Terriers“-Autoren scheinen ihre beiden Hauptfiguren Hank (Donal Logue) und Britt (Michael Raymond-James) die Lebenserwartungen der Serie selbst kommentieren zu lassen. Life imitates art – oder umgekehrt? Auch in seinem ersten Staffelfinale verzichtet „Terriers“ auf allzu große Würfe, auf Protagonisten und Ereignisse „larger than life“.

Die Serie bleibt eine Erzählung über menschliche Unzulänglichkeiten, über Freundschaft und über die witzig-traurigen Spielchen, die das Leben mit uns treibt. Sie kultiviert ihre Mischung aus liebevollem Pathos und ergreifenden Szenen: Hanks Abschied von Britt und Gretchen steht neben kleinen humorvollen Einlagen wie Stephs Schachspiel gegen sich selbst und Zeitlins Verhör durch Britt und Hank mit:

Zeitlin: „I nodded!

Britt: „I know. That was just on general principle.

Dem gegenüber rührt uns dann Gretchens Besuch bei Hank in Untersuchungshaft.

Es kommt meiner Meinung nach nicht überraschend, dass sich auf der Bösewicht-Seite alles wie eine lange Befehlskette erweist. Es gibt immer einen Mann hinter dem Mann. Außerdem haben die Widersacher von Hank und Britt auch ihre Macken: sie machen Fehler, sie sind nicht perfekt.

In „Terriers“’ Welt ist nichts perfekt. Die Serie schafft es, über die komplette Staffel einen ironischen Unterton, einen gewissen Skeptizismus beizubehalten, ohne wirklich zynisch oder bitter zu werden. „Terriers“ behandelt seine Welt liebevoll. Hank und Britt sind, wie sie sind, und stehen dazu – ganz gleich, welche Ereignisse sie heimsuchen. Britt vergibt also Katie und will freiwillig ins Gefängnis. Er verzichtet auf die Wahrheit durch den Vaterschaftstest: er möchte der Vater des Babys sein.

In diesem Finale sehen wir so gut wie alle Figuren, die wir bisher kennen gelernt haben. Auch dadurch kommt Abschiedsstimmung auf.

In welche Richtung geht es mit der Serie? Am Ende stehen Hank und Britt an der Ampel; Hank fragt Britt, ob er geradeaus Richtung Gefängnis fahren soll oder abbiegen Richtung Mexiko. Wir bekommen keine Antwort, denn es wird ein Schnitt gesetzt – und der Abspann läuft.

Über „Terriers“ kann man eine Menge schreiben. Aber, wie gesagt: diesmal halte ich es lakonisch, so wie die Serie selbst gewesen ist. Großartiges Fernsehen, das leider nicht weiter gefhührt werden durfte!

Terriers: Quid pro Quo (1×12)

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Wenn man sich zwei FX-Serien anschaut, „Sons of Anarchy“ und „Terriers“, gibt es dort gewisse Ähnlichkeiten – und einen großen Unterschied: „Sons of Anarchy“ hat bombastische Ratings, während „Terriers“ miserabel abschneidet. Was die beiden Serie verbindet, ist nicht nur die Freundschaft zwischen den Showrunnern und ehemaligen „The Shield“-Kollegen Kurt Sutter und Shawn Ryan, sondern auch ihr Geist, ihre Prämisse: Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit, danach, den eigenen Lebensstil beizubehalten – trotz allen Veränderungen.

Das führt uns auch gleich zum zentralen Plot von „Terriers“. In „Quid Pro Quo“ finden Hank (Donal Logue) und Laura heraus, dass Ben Zeitlin (Michael Gaston) einen Flughafen in Ocean Beach zu bauen beabsichtigt. Die Immobilienfirmen, die Zeitlin vertritt, finanzieren Projekte, die absichtlich zum Scheitern verurteilt sind, so dass Zeitlin durch etliche Abrisse von Gebäuden Platz für den Flughafenbau schaffen kann. Das bedeutet: Alle freien Geister werden vertrieben! Blogger, Ärzte (die Eis verkaufen), Surfer, Studenten, Nerds und Privatdetektive… Sie werden ihr Fleckchen Frieden verlieren. Und die Chancen, Zeitlin noch zu stoppen, stehen schlecht für Hank & Co.

Lustigerweise spiegelt die Handlung der Serie ihr Schicksal. Sie ist anders, ungewöhnlich, aber irgendwie auch vertraut. Mir jedenfalls. Nur leider scheint sich dieses warme Gefühl beim Genuss der Interaktionen von „Terriers“’ Figuren nicht in vielen Zuschauern breit zu machen. Weil der Sender, wie ich schon einmal erwähnt habe, das Produkt so unpassend promotete, dass viele potentielle Zuschauer gar nicht erst auf „Terriers“ gestoßen sind… ?

Wie dem auch sei: Terriers Kampf ums Überleben ähnelt dem Kampf ihrer Hauptfiguren. Es ist ein ebensolcher Kampf gegen Windmühlen, wie ihn Britt (Michael Raymond-James) und Hank seit Serienbeginn mit Don Quijote’scher Hartnäckigkeit führen. Die Chancen für „Terriers“, verlängert zu werden, stehen ebenfalls schlecht! Falls die Serie abgesetzt wird, endet dieses TV-Jahr höchst unzufriedenstellend. Denn in meinen Augen können „Terriers“ und „Rubicon“ neben „Justified“ und „Boardwalk Empire“ als beste Neustarts des Jahres gelten.

„Rubicon“ wurde ja bedauerlicherweise schon abgesetzt – wir können also nur noch die Daumen drücken, dass FX die Fahne der Unabhängigkeit, des freien, kreativen TV-Geistes, weiterhin schwenkt: damit sich die Kabelsender nicht nach und nach im Network-Territorium der Finanzhysterie und der Ungeduld festfahren! Ich weiß, das sind harte Worte. Aber „Rubicon“s Absetzung verzeihe ich AMC nicht so leicht!Zurück zum einzig übrig gebliebenen „Rubicon“-Darsteller auf dem Bildschirm: Michael Gaston, der als Donald Bloom in „Rubicon“ noch vor Serienende das Zeitliche segnete. In „Terriers“ befindet er sich als Anwalt Ben Zeitlin noch immer in einer sehr machtvollen Position. So machtvoll, dass sogar der Stadtrat sich plötzlich aus der Sache heraushält, obwohl er Laura und Hank zunächst Hilfe angeboten hatte. Oder ist er sogar derjenige, der Zeitlin Informationen über Hanks Nachforschungen liefert?

Ein Anderer aber zieht sich trotz Vorgeschichte mit Hank nicht zurück. Gretchens Mann Jason arbeitet als Architekt für eines der zum Scheitern verurteilten Projekte und schließt sich Hank und Laura an. Während die drei nachforschen, befindet sich Britt in einer Art Niemandsland: Ihm drohen drei Jahre Gefängnis. Ausgerechnet Zeitlin zahlt seine Kaution und verspricht Britt weitere Hilfe, wenn er Hanks Aufnahmen aus dem Hotel ausliefert. Britt teilt ihm mit, dass das Ganze ein Bluff von Hank war. Im Grunde bedient er so beide Seiten: auf Zeitlins Befehl versucht er, den Informanten zu finden (im Tausch gegen seine Freiheit und Lauras und Hanks Sicherheit), aber auch Hank und Laura wollen die Quelle auftun.

Britt ist hier tatsächlich Sancho Pansa: sein Benehmen ist zugleich tragisch und rührend. Britt: „My brain is about to shit itself!“ Er schläft mit Ashley, einer Mitarbeiterin von Zeitlin – vielleicht ein wenig aus Rache an Katie (Laura Allen) oder um sich als Maulwurf zu stellen, aber letztendlich weiß er nicht, warum er es tut…

Man kann die Leistung aller Schauspieler in „Terriers“ nicht genug loben! Und die quotenarme FX-Produktion schafft es wieder einmal, die Zuschauer aus der Bahn zu werfen: Als Laura und Jason die Informantin treffen wollen, wird Jason erschossen. Ganz ehrlich: damit habe ich nicht gerechnet. Gretchen stürzt sich dann ausgerechnet in Hanks Arme, um Trost zu suchen. Dabei ist er der Mann, der ihr Leben, direkt oder indirekt, endgültig ruiniert hat. Die Episode endet mit Hank, der sich ein ganzes Arsenal an Waffen von einem lokalen Waffenhändler besorgt. Kann das Ganze noch böser enden? „Terriers“ ist alles zuzutrauen!

Neben all den Enthüllungen steckt „Quid Pro Quo“ wieder voller kleiner Momente zwischen den Figuren, die diese Serie so sehenswert machen und dem Zuschauer, der seine Zeit in diese Figuren investiert hat, mitfühlen lassen. Das kann nur geschehen, wenn eine Serie zu einem abgerundeten Ganzen geworden ist – und „Terriers“ ist eine solche Serie, die dem Zuschauer, wie „Firefly“ oder eben auch „Rubicon“, wirklich ans Herz wächst.

Terriers: Asunder (1×10)

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Als dritte Episode in Folge trennt Asunder Hank (Donal Logue) und Britt (Michael Raymond-James) hinsichtlich des Falls voneinander und verbindet sie zugleich auf emotionaler Ebene. Allzu weit entfernt voneinander befinden sich die beiden diesmal allerdings nicht: Britt und Katie (Laura Allen) gehen zu Gretchens (Kimberly Quinn) und Jasons (Loren Dean) Hochzeit, während Hank alles Mögliche versucht, um dem Ereignis fern zu bleiben und nach 543 Tagen Trockenheit nicht Trost in einer Whiskey-Flasche zu suchen.

Wirklich nüchtern aber wird Hank, als sich, durch eine für Terriers typische Verkettung von Zufällen, wie aus dem Nichts ein neuer / alter Fall ergibt: Es handelt sich um den zwielichtigen Anwalt Zeitlin (Michael Gaston), der sich im selben Hotel aufhält, wo die Hochzeit stattfindet. Wie ist nun aber Hank dorthin geraten? Er muss Britt aus der Not helfen und ihm ein frisches Hemd bringen, da jemand seines mit Wein begossen hat.

Wein ist das Stichwort dieser Episode, vor allem was Katie und Britt betrifft. Sehr geschickt lassen die Terriers-Autoren die Hochzeit im Hintergrund laufen und stellen sie zu keinem Zeitpunkt ins Zentrum der Ereignisse. Trotzdem hängen die Geschichten der beiden Protagonisten eng mit ihr zusammen. Britt leistet Detektiv-Arbeit bezüglich Katies potentieller Schwangerschaft – und obwohl sie zunächst verneint, verraten sie die Übelkeitsanfälle. Letztendlich bestätigt sie Britt die Schwangerschaft – und als er wissen will, warum sie gelogen hat, flüstert sie ihm etwas ins Ohr. Er rennt verzweifelt hinaus.Diese kleine Szene demonstriert prägnant die Qualität von Terriers: Die Serie benötigt keine großen Reden und mehrminütige Dialogszenen, um ein großes Drama zu entfachen. Zugleich bleibt durch diese kleine Geste (das Flüstern ins Ohr) das Gefühl der Intimität erhalten, das Britts und Katies Beziehung charakterisiert und das Britt kurz zuvor schon angesprochen hat – Katie gegenüber äußert er den Wunsch, bei ihrer Hochzeit auf Aufwand und Übertriebenheit zu verzichten und statt dessen in persönlicher und entspannter Atmosphäre zu feiern.

Natürlich muss sich eine Produktion darauf verlassen können, dass die betreffenden Schauspieler eine solche Szene umsetzen können. Laura Allen und Michael Raymond-James gelingt das großartig. „I never want to see you again“, lauten Britts letzte Worte an Katie.

Während sich dieses Drama abspielt, läuft im Hotel ein anderes Spiel: ein Spiel um Leben und Tod. Denn Zeitlin und Burke (Daren Scott) bedrohen subtil, aber eindeutig die Bloggerin Laura Ross (Alison Elliot), die Zeitlins Immobiliengeschäfte untersucht. Hank kann alles mit Hilfe der drei Nerds abhören und Laura aus der ausweglosen Situation heraushelfen.

Es bleibt die spannende Frage, ob alles auf eine Zusammenarbeit hinaus läuft, um Zeitlin zu überführen. Denn auch die Bösewichte in „Terriers“ sind nur das, was wir alle sind: Menschen, die Fehler machen…

Terriers: Pimp Daddy (1×09)

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I love you for sentimental reasons.“ So fängt die neue „Terriers“-Episode an. Das berühmte Lied wird allerdings a cappella dargeboten – von Hank (Donal Logue). Und er liegt neben Gretchen.

Bevor man als Zuschauer erstaunt die Augenbrauen hochziehen kann, wird dem gemütlichen, romantischen Beisammensein ein harter Schnitt gesetzt – und wir sehen Hank allein auf der Bettkante sitzen. Kein Song mehr, nur der Weckeralarm durchdringt die Stille des Alleinseins. Alles war nur ein Wunschtraum bzw. eine sentimentale Erinnerung.

“Pimp Daddy” ist tatsächlich eine sentimentale Episode; und den „Terriers“-Autoren ist es hoch anzurechnen, dass sie sich auf gefährliches Terrain begeben. Warum gefährlich? Weil sentimentale Stories dazu neigen, in Pathos und Zuckerguss zu zerfließen. Nicht so bei „Terriers“! Wieder einmal findet die Serie irgendwie zur Balance zwischen trockenem Humor und Tragik in der Welt ihrer Figuren.

Wenn man so will, wird „Terriers“ mit dieser Episode sentimental angesichts der Ambivalenz des Alltäglichen, des Problems der Sicht auf die Dinge, ihrer Interpretation. All das hängt davon ab, wo man steht, aus welchem Blickwinkel man schaut, wer man ist und was man erreichen will. Hank will Gretchen wiederhaben. Aus diesem Grund buddelt er so lange in Jasons Vergangenheit herum, bis er etwas findet, das ihn schlecht aussehen lässt.

Vor vielen Jahren hat Jason seinen Namen gewechselt, denn unter seinem alten Namen Jason Voloway war er als Jugendlicher – zusammen mit seiner ganzen Familie – in einen Fall von Kindesmisshandlung involviert. Das genügt Hank, obwohl Jasons Schuld nie nachgewiesen wurde. Hank läuft die Zeit davon: In seinem Briefkasten steckt schon die Einladung zu der Hochzeit, die er verhindern will! Also konfrontiert er erst Jason und dann Gretchen mit der Geschichte – nur um durch dieses Beharren auf Jasons Schuld die letzte Bindung zu seiner Ex-Frau zu verlieren. Für Gretchen scheint das Kapitel Hank abgeschlossen zu sein.Britt wiederum will ein neues Kapitel mit Katie eröffnen. Bevor es aber dazu kommt, taucht auch er in eine sentimentale Story ein, in der Transsexuelle vorkommen und die Frage nach Akzeptanz der Wünsche anderer Menschen. Getrennt voneinander arbeiten Britt und Hank an zwei Fällen, aber die Verbindung wird trotzdem sichtbar.

Britt wird von Hanks Physiotherapeuten gebeten, das Geld seines Neffen wiederzubeschaffen, der von einer Prostituierten namens Michaela beklaut wurde. Es erweist sich, dass Michaela im Stehen pinkelt. Michaela gibt zwar das Geld zurück, aber auch sie hat einen Auftrag für Britt: Er soll herausfinden, was mit ihrer Freundin Crystal passiert ist. Crystal heißt eigentlich Trevor und wurde unter diesem Namen vor Jahren als vermisst gemeldet.

Michaela und Britt finden heraus, dass Crystal getötet wurde; in einer sehr schönen Szene gehen die beiden – Michaela als Michael – zu Trevors Eltern und verschweigen Crystal. Michael sagt nur, dass Trevor ein guter Mensch, ein guter Mann gewesen sei.

Michael interpretiert die Fakten: Er stellt Details aus Trevors / Crystals Leben so dar, dass seine / ihre Eltern das hören, was sie hören wollen. Genauso wie Hank Jasons Vergangenheit seinen eigenen Wünschen gemäß interpretiert. Britt, der Katies Schwangerschaftstest im Müll entdeckt, macht ihr einen romantischen Heiratsantrag. Zuvor jedoch hat Katie (Laura Allen) Hank gestanden, dass sie nicht mit Sicherheit weiß, von wem das Baby ist.

Sie widersteht dem Drang, Britt alles zu erzählen, und gibt ihm die Antwort, die er hören will: „Yes.“ Diese Antwort und das Lied vom Anfang – diesmal aus dem Off – setzen einen melancholischen Schlusspunkt für diese Episode, über die man, wie über die gesamte FX-Serie, nur sagen kann: „I love you for sentimental reasons.

Terriers: Aqua Caliente (1×08)

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Neue Partner und alte Partner. Agua Caliente ist eine Episode über Partnerschaft und über… Kommunikation. Missverständnisse kommen immer mal vor, aber auf lange Sicht können sie einer wahren Partnerschaft nicht im Wege stehen.

Wie erzählt man am besten von der Beziehung Hank-Britt? Indem man die beiden voneinander trennt. Geschickter Schachzug der Produzenten, Hank (Donal Logue) fast die gesamte Episode lang von Britt (Michael Raymond-James) zu trennen und die beiden mit ihren Ex-Partnern zu verknüpfen.

Während eines kleinen Jobs im Golfclub verschwindet Britt plötzlich. Hank findet nur noch sein Handy auf dem Boden vorm Club. Die Überwachungsvideos bringen Gewissheit: Britt wurde entführt. Hank bittet seinen Ex-Partner Mark Gustafson um Hilfe, während wir sehen, wie Britt nach Mexiko verschleppt wird – wegen seines Ex-Partners Ray. Dieser hat Probleme mit einem mexikanischen Drogenkartell, für das er als Kurier arbeitete, und Britt muss ihm helfen.

Warum “muss”? Weil das Kartell Katie (Laura Allen) observiert und ihr Leben dadurch in Gefahr schwebt. Ray floh vor der Polizei, die die letzte Lieferung in die Hände bekam: und diese Drogen müssen Ray und Britt nun wieder beschaffen.

Der Plan der beiden und seine Ausführung sind typisch für „Terriers“: Sie enthalten ein Überraschungsmoment und erlauben zugleich den Figuren, Konflikte untereinander auszuhandeln. Außerdem geht die Serie nicht sparsam mit Fäkalhumor um:

Britt: „You wash that?

Ray: „It was in a rubber!

Detective Mark Gustafson (Rockmond Dunbar) und Hank machen sich auf den Weg nach Mexiko, um nach Britt zu suchen. Ich hatte mich schon gefragt, wann Gustafson mehr Screentime bekommen würde: Während die Chemie zwischen Britt und Hank oft über Konversationen der beiden zustande kommt, wird die noch immer bestehende Bindung zwischen Mark und Hank über Mimik und Gestik artikuliert.

„Terriers“ führt uns also nach Tijuana. Nachdem Britt und Ray die Drogen entwendet haben, finden sie im Lagerhaus den Kartellboss selbst, der gerade unfähige Partner und Mitarbeiter beseitigt. Apropos “beseitigen”: Wir sehen Katie zu ihrer Abschlussprüfung gehen, die natürlich bei demjenigen Professor stattfindet, mit dem sie abstürzte. Er ist verheiratet, hat Kinder und will die Sache zwischen sich und Katie beseitigen, für immer vergraben. Nun, es gelingt ihmÖ beinahe! Als er zu ihr nach Hause geht, um das Ganze durchzusprechen, wird er von dem Drogenkartell-Entsandten ebenfalls gefangen genommen.

Zurück zu den Partnern, die sich gesucht und gefunden haben: Hank und Britt. Als sich die beiden per Telefon auf den mexikanischen Straßen zu orientieren und zu begegnen versuchen, setzt das ihre Partnerschaft sehr schön in Szene. Am Ende fängt Hank eine Kugel für Katie ein, und während er in den Krankenwagen gebracht wird, erinnert Britt Mark an seine Worte über das Thema “Partnerschaft mit Hank”. Marks Antwort: „I never said he wouldn’t have his moments.

Als Mark dann weggeht, ruft ihm Britt hinterher: „We don’t deserve him, Mark, either of us.

Marks Antwort: „Yep.

Terriers: (1×07)

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Die neue „Terriers“-Episode ist leise, still, nachdenklich und multipersonal. Sie erzählt vom Vermissen. Man vermisst etwas, weil man sich daran erinnert, dass etwas fehlt. Manchmal, wie im Fall der Woche mit dem jungen Adam (Noel Fisher), weiß man nicht, was man vermisst, hat aber das Gefühl, dass etwas fehlt. Etwas, das man manchmal wieder haben will – aber manchmal auch nicht.

Die beiden Handlungsstränge um Steph (Karina Logue) und Adam demonstrieren das sehr gut. Britt kleidet die Problematik in Worte: Es geht um „the shit you know“ und „the shit you remember“. Katie steckt in der schlimmsten Lage von allen, denn sie weiß, was sie getan hat und erinnert sich daran, obwohl sie die Erinnerung gern für immer auslöschen würde.

Britt merkt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Das jagt ihm Angst ein, die ihn wiederum dazu bringt, ein klares Wort mit Hank zu sprechen. „I am not a sidekick, dude!“ Er regt sich auf, weil sie schon wieder einen Fall angenommen haben, ohne dass Bezahlung in Aussicht stünde – und weil sich Hank nicht um Britts Meinung schert, Partner hin oder her.

Adam vermisst sein Selbst. Er weiß nicht mehr, wer er ist und wie seine Verbindung zur Welt aussieht. Was, wenn die Verbindung eine Illusion ist – oder wenn die Erinnerung daran, wer man wirklich ist, mit der Erkenntnis der eigenen Schuld kommt? Es erweist sich, dass Anti-Malaria-Pillen Adams Zustand verursacht haben: Das Medikament führt bei manchen Menschen zu Desorientierung oder zum Auftauchen einer erschreckenden Seite, die die betroffene Person in sich trägt und unterdrückt hat.

In seinem desorientierten, halluzinatorischen Zustand hat Adam eine Freundin, Jessica Sampson, verprügelt und in seiner Wohnung gefesselt. Die Erfahrung, etwas so Schreckliches getan zu haben, führte zu Amnesie.

An die Information, wer Adam ist und was die Pillen bewirken, kommen Hank und Britt nicht nur durch die drei Nerds (aus der zweiten Episode), sondern durch einen weiteren Freund von Hank: einen Ex-Doktor, der jetzt als Eisverkäufer arbeitet. Die „Terriers“-Welt zeigt uns eine weitere Person, die eine Erinnerung darstellt:

Hank ist nicht mehr Polizist, Britt nicht mehr Einbrecher, der Eisverkäufer nicht mehr ArztÖ Aber ihr vergangenes Sein bleibt Teil von ihnen, lebt weiter in ihnen und ist für ihr Tun verantwortlich. Dasselbe gilt für Adam: und das jagt ihm solche Angst ein. Wenn ein Teil von ihm gewalttätig ist – wie kann er ihn auslöschen, sich davon befreien, vergessen?Ethics in euthanasia: das sei das Thema ihrer letzten Vorlesung gewesen, teilt Katie Britt distanziert mit, nachdem sie Sex gehabt haben und er mit seiner Frage nach ihrem Alltag unbewusst ihre Schuldgefühle verstärkt. Ihr Studium ist fest mit der Erinnerung an das verknüpft, was sie getan hat. In diesem Moment wünscht sie sich zu vergessen.

Auch Adam will vergessen, ja die Möglichkeit der Erinnerung komplett auslöschen. Er hält ein weiteres Mädchen gefangen, damit die Polizei ihn erschießt, so dass der “böse” Adam nie wieder auftauchen kann. Hank jedoch verzichtet auf Euthanasie und stoppt Adam.

„Terriers“ Erklärung zu Amnesie-Patienten: „That’s the problem with amnesiacs, they don’t get the movie referencesÖ“ „Missing Persons“ bildet ein wunderschönes Exempel für tragikomische Erzählung, nicht nur durch Adams Story, sondern durch ihre Parallelen in der Bruder-Schwester-Beziehung zwischen Hank und Steph. Donald und Karina Logue, Bruder und Schwester auch im wirklichen Leben, liefern großartige Szenen ab in dieser Episode. Auch vom Erinnern erzählt ihre Geschichte; ihre herzerwärmende Beziehung beruht auf Kindheitserinnerungen.

Diese sind das einzig Wirkliche, Reale für Steph: ihr sicheres Versteck vor der Illusion, zu der die Welt um sie herum werden kann. Steph erleidet einen Rückfall. Sie beginnt zu halluzinieren, Dinge zu sehen und zu erleben, die nicht da sind. Vielleicht ist sie in ihren Erinnerungen besser aufgehoben? Wir sehen sie mit einem Kinderfoto von Hank und ihr selbst auf dem Bett liegen.

Am Ende der Episode bringt Hank sie auf ihren Wunsch hin in ein Heim – und muss sie schweren Herzens dort lassen. Werden wir Steph wiedersehen? Ich hoffe es. Wenn nicht, bleiben uns – wie Hank – schöne Erinnerungen.

Terriers: Ring-a-ding-ding (1×06)

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Der Plot diese Woche entspricht definitiv dem Titel der Serie: ein Hund, der sich in den Schwanz beißt… Nachdem die großen Verwicklungen im Fall Lindus noch verwickelter wurden, widmet sich nun „Ring-A-Ding-Ding“ einem “normalen” Fall der Woche. Ja, bei „Terriers“ ist alles “normal” – und gleichzeitig nicht, denn wie wir schon festgestellt haben, macht die FX-Serie Einiges anders als “normale” Serien.

Wenn man sich den Anfang der Episode anschaut – mit Britt (Michael Raymond-James) und Katie (Laura Allen), die die Hände nicht voneinander lassen können -, mag einem alles mögliche in den Sinn kommen, aber bestimmt nicht die Ereignisse, die dann folgen. Zwar steht der Fall der Woche nicht in Verbindung mit dem handlungsübergreifenden Strang, aber dafür mit den handlungsübergreifenden emotionalen Zuständen der Figuren. Im Grunde erzählt die Episode von Hanks und Britts Ängsten, die Frauen zu verlieren, die sie lieben.

Von ihrer Anwältin Maggie (Jamie Denbo) werden die beiden gebeten, der auf dem Sterbebett liegenden Beth Komack zu helfen, ihren Ring zu finden. Ihr Ehemann Dale schiebt die Schuld zunächst auf den Bruder des Hausmädchens – doch dann beichtet er Hank (Donal Logue) und Britt, dass er selbst den Ring genommen und seiner Geliebten Paola geschenkt hat.

An diesem Punkt beginnt der Staffellauf. Die Friseuse Paola, die inzwischen mit Dale Schluss gemacht hat, hat den Ring einer Straßenhändlerin verkauft. Von ihr hat ihn wiederum der ganzkörper-gepiercte Angelo Baldemetti erworben (zuerst dachte ich, er hieße Angelo Badalamenti!). Angelo hat den Ring gegen Gras getauscht. Doch auch sein Dealer, der legal für medizinische Zwecke dealen darf, hat den Ring bereits weiter verkauft: an… Beth Komack.

Also, zurück zum Anfang! Beth will, dass die beiden den Ring aus dem Haus der Familie entwenden, wo sie ihn versteckt hat, da sie von Dales Liebschaft wusste.Der Ring ist ganze 300.000 Dollar wert, und die soll ihr Sohn bekommen. Aber die Sache wird noch schlimmer. Es kommt zu einem emotionalen Showdown im Friseursalon: Beth stellt Paola zur Rede, Britt und Hank gehen dazwischen, Dale kommt dazu… und freudestrahlend rennt Paolas Tochter auf ihn zu: „Daddy!!“ Kein Happy-End in diesem Fall!

Kein Happy-End auch für unsere Helden, denn Hank muss zu Gretchens (Kimberly Quinn) und Jasons (Loren Dean) Verlobungsfeier. (Steph zu Gretchen: „Congratulations on your marriage to not-Hank.“) Er muss der Tatsache ins Auge sehen, dass seine Ex-Frau wirklich genau den Mann heiraten wird, dessen Kreditkarten Hank die ganze Zeit benutzt… Ja, Jason stellt die Verbindung her, als er Britt auf der Party sieht. Und Britt?

Auch ihn quälen emotionale Sorgen: Die Beziehung mit Katie läuft in seinen Augen so wundervoll, dass er Katie heiraten will und fürchtet, sie zu verlieren. Dabei ist Katie diejenige, die berechtigte Angst haben muss. Als Britt und Hank bei der “Arbeit” sind, geht sie mit ihren Studienkollegen etwas trinken und Karaoke singen. Völlig betrunken stürzt sie dann mit ihrem Professor ab.

Beschämt und völlig verzweifelt sucht sie am nächsten Tag Hanks Rat – unmöglich kann sie Britt in die Augen sehen und tun, als wäre nichts passiert. Hanks Ratschlag – mit dem er gleichzeitig seinen eigenen Zustand beschreibt – lautet: „Pretend.

 

Terriers: Manifest Destiny (1×05)

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Wo soll ich anfangen? Ich kann gar nicht tippen, denn jedes Mal, wenn es um „Terriers“ geht – oder um „Rubicon“ -, muss ich meine Daumen fest gedrückt halten, damit beide Produktionen eine zweite Staffel bekommen. Eigentlich drückt man ja sich selbst die Daumen, denn wir Zuschauer profitieren schließlich von solchen Serien.

Wie der Zufall es will, treffen „Terriers“ und „Rubicon“ in „Manifest Destiny“ aufeinander: in der Gestalt Michael Gastons, der hier wie auch in „Rubicon“ (Donald Bloom) einen Bösewicht und Gegner unserer Helden verkörpert.

Übrigens: die AMCFX-Verbindung endet nicht damit. Regie bei dieser „Terriers“-Episode führte Rian Johnson, der für „Breaking Bad“s geniale Episode „Fly“ verantwortlich zeichnet. Wundert es jemanden, dass gewisse kreative Elemente in der visuellen Gestaltung zwischen gewissen Serien hin- und herwandern?

Genug der Crossreferenzen – zurück zu „Terriers“’ handlungsübergreifendem Fall um Lindus. Im Teaser habe ich schon vorweggenommen, was die FX-Serie mit dieser Episode macht: Sie gaukelt uns vor, die Lindus-Story abzuschließen. „Let sleeping dogs lie“, sagt Hank (Donal Logue) zu Britt (Michael Raymond-James), als sie Lindus’ Leiche in einem inszenierten Autounfall entsorgen.

Eine kleine, aber sehr feine Irreführung für uns Zuschauer liegt in der Szene, als Hanks Schwester Steph mit dem Eispickel in den Händen zu Britt und Hank sagt, sie hätte sich um die Leiche gekümmert. Die Reaktion der beiden spiegelt unsere Reaktion als TV- und filmerfahrene Zuschauer, nämlich ihre Aussage im übertragenen Sinne zu verstehen. Dabei hat sie nur Eis in die Badewanne zu Lindus’ Leiche gelegt… Eine weitere, sehr typische Szene für den „Terriers“-Style: Britt und Hank schieben das Auto mit dem toten Lindus den Berg hinunter. Es gibt keine Explosion, nur das Krachen von Metall, das auf Stein und Holz trifft. Britt ist sogar enttäuscht, dass nichts explodiert – wie sonst im Fernsehen.Die beiden schaffen es, „the dude in the tan suit with the big chunky glasses“ zu folgen, der hinter Lindus her war und jetzt hinter unseren beiden Helden her ist. Burke („the dude with the big chunky glasses“) arbeitet für das Anwaltsbüro Zeitland & Associates; Mr. Zeitland (Michael Gaston) will den Bodenanalyse-Bericht von The Montague, den Lindus bei sich hatte, unbedingt haben. Hank gibt ihm sämtliche Informationen – bis auf den Bericht. Der befindet sich zusammen mit Steph bei Gretchen (Kimberley Quinn) und ihrem Verlobten. Übrigens, hier noch einmal die Regeln, wenn man auf Steph aufpasst: „Don’t let her read Proust“ und „Don’t take her to the wild animal park“.

Gretchen und ihr Verlobter teilen wiederum Hank und Britt mit, was der Bericht sagt: Der Boden ist verseucht! Also beschließen unsere Helden, den Bericht zu Lindus zu bringen. Ja, ich weiß, er liegt schon seit geraumer Zeit tot in seinem Auto in der Schlucht. Britt und Hank beabsichtigen den Fund von Lindus zu beschleunigen. Als Hank die Polizei verständigt, mimt er am Telefon einen Kiffer.

Britt: „You’ve never been stoned in your life, have you?

Hank: „Looking at me, you’d think yes.

Die Wirkung und die Art der Konversationen zwischen den beiden kann man einfach nicht beschreiben – man muss sie hören und sehen, genauso wie Britts Gemurmele „giftgiftgiftgift“, als sie ihre Anwältin im Krankenhaus besuchen, die gerade ihr Kind bekommen hat.

Wie ich letzte Woche schon mehrmals erwähnt habe, überrascht uns „Terriers“ immer wieder gern. Als die Geschichte schließlich ein für alle Seiten zufrieden stellendes Ende gefunden hat, finden wir dank Steph heraus, dass der Bericht eigentlich gefälscht wurde. Die Moral von der Geschicht’ (und der Episode)? Die steckt in einer anderen Geschichte, die Hank Burke im Fahrstuhl mitteilt: warum sollte man versuchen, jemanden auszurauben, der Kickboxen trainiert und keine Brieftasche bei sich trägt?