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True Blood: You smell like dinner (4×02)

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Immer wieder hat Alan Ball seit dem Start von True Blood in Interviews betont, dass sich hinter seiner Serie kein tieferer Sinn versteckt, dass er all die mythologisch-magischen Kreationen nicht als Metapher für was auch immer verstehen will. Was aber, wenn die Kreationen selbst darauf bestehen? Was, wenn die Zuschauer darin eine Metapher entdecken? Letztendlich basiert eine Erzählung, ob man es verneinen mag oder nicht, unausweichlich auch auf der Welt, die ihre Schöpfer kennen und in der sie leben: unserer Welt. Es ist eine Welt, in der die Frage nach Identität seit eh und je die Gemüter beschäftigt und auf jeder Ebene zur Diskussion einlädt.

Nein, ich werde mich nicht in solche Diskussionen stürzen. Ich wollte nur auf die Thematik dieser Episode und die darin enthaltenen Veränderungen hinweisen. Denn in You smell like dinner geht es um den Umgang mit Veränderungen: darum, wie es ist ein/e Andere/r zu sein, und darum, wie viel von „vorher“ haften bleibt und die neue Identität beeinflusst.

I will do bad things with you, heißt es im Vorspann der Serie. Zum Ärger mancher Fans tut Eric Sookie nichts – außer ihr mitzuteilen, dass sie Schutz braucht, dass in ihr auch eine andere Sookie steckt, die an die Oberfläche will und muss. Nun, auf diese Sookie wartet man schon längere Zeit; aber die Autoren scheinen die Figur immer wieder in die hilflose Kellnerin zurückzuverwandeln, die – wie Eric richtig anmerkt – einfach jemandem gehören muss. Man verstehe mich nicht falsch: Sookie soll nicht plötzlich als Super-Sookie in Bon Temps aufräumen, aber irgendwie spielt sie im Moment mehr oder weniger die Reiseführerin durch True Bloods Nebenplots.

Sookie verbringt im Grunde die Episode damit, etliche Figuren aufzusuchen, damit sie ihr helfen, den „bösen“ Eric aus seinem eigenen Haus zu schaffen und Sookie zu ihrem „normalen“ Alltag zu verhelfen. Ist seine Anwesenheit die eine Versuchung zu viel? Ganz egal, wie sich Sookie gegen Veränderungen wehrt: Sie ist anders, und manche registrieren es.

Bill jedoch registriert – dank seiner neuen Beischlaf-Gelegenheit, der Hexen-Spionin Katerina -, welche Gefahr Hexen für die Vampire bedeuten, wenn sie Tote erwecken können. Dann nämlich können sie im Grunde mit Toten aka Vampiren alles tun. Mit Hilfe zweier Flashbacks erfahren wir, dass Bill selbst ein Spion auf höchster Ebene ist: Nan höchstpersönlich rekrutierte ihn im Jahre 1982 in London (Stephen Moyer bekommt die Möglichkeit, seinen Akzent vorzuführen) und verhalf ihm mit Soldaten und Silberkugeln zum Sieg gegen Sophie-Anne (Evan Rachel Wood).

King Bill befiehlt nun Eric (Alexander Skarsgard), sich um die Hexen zu kümmern. Erics zynischer Anerkennung von Bills Position zum Trotz versucht man uns Zuschauern vor Augen zu führen, dass Bill langsam in die Rolle hineinwächst und anders wirkt als der Bill, der nur traurig Sookie hinterher schaute. Wer in diesem Moment überlegt hat, wie es wäre, wenn Eric und Bill die Plätze tauschten, dürfte trotzdem von der Entwicklung überrascht gewesen sein! Als Eric den Hexenabend beenden will – dem auch Tara beiwohnt, die mittlerweile leider ebenfalls in Bon Temps eingetroffen ist -, schlägt die schwarze Magie zurück und der Himmel verdunkelt sich, so wie Erics entsetzte Augen, bevor er lautlos weggeht.

Am Ende der Episode trifft Sookie auf einen Eric, der sich an nichts mehr erinnert und mit verwundert-naivem Blick fragt, warum sie so „lecker“ riecht. Wie „anders“ wird der Gedächtnisschwund Eric machen? Wird er ein „netter“ Eric sein? Muss man wiederum Eric „nett“ machen, damit er mit Sookie zusammenkommen darf? Oder wollen die Autoren uns mit Bill und Eric in komplett vertauschten Rollen konfrontieren? Ob das funktioniert, wage ich zu bezweifeln. Manchmal fühlt man sich bezüglich der True Blood-Nebenplots wie Jason: „Maybe it’s just  the stress of the situation, but I don’t follow.“ Doch es scheint, als versuchten die Autoren in der neuen Staffel, diese sehr geordnet zu präsentieren… vermutlich um drohendem Gedächtnisschwund beim Zuschauer vorzubeugen.

Jedem Nebenplot mit ein paar kurzen Szenen gerecht zu werden, kostet reichlich Zeit – aber in meinen Augen hat die Menge sekundäre Bedeutung, solange die einzelnen Handlungsstränge interessant sind und Spaß bereiten. Was Arlenes Baby-Sorgen betrifft, ist das nicht wirklich der Fall. Ich gehörte schon in der letzten Staffel zu denen, die mehr Handlung für Jessica forderten als nur zu Hause zu sitzen und mit der Verwandlung nicht zurechtzukommen; aber der Plot um sie und Hoyt wirkt wie eine Schallplatte, die immer an der gleichen Stelle hängen bleibt. Immerhin setzt sich Jessica mit ihrer neuen Identität auseinander.

Wird auch Jason einer Veränderung unterliegen? Wie wir erfahren, halten ihn Crystal und Felon zusammen, weil sie ein Baby brauchen, um die Panther-Blutlinie fortzusetzen. Die beiden gemeinsam können keins bekommen, also muss es Jasons und Crystals sein. Dafür aber muss Jason selbst verwandelt werden, was ihm schmerzhafte Erfahrungen beschert. Statten die Autoren jetzt auch Jason mit Superkräften aus? Vermutlich – so kann er besser bei den Geschehnissen in Bon Temps mitmischen.

Und dort erfährt Sam, dass es sogar bei Formwandlern eine weitere Steigerung geben kann. Luna erzählt von skinwalkers: Formwandlern, die auch jede menschliche Gestalt annehmen können. Sie selbst hat es schon einmal erlebt, ein anderer Mensch zu sein.

True Blood hat es mit dieser Episode geschafft, „einen draufzusetzen“, wofür die HBO-Serie immer gut war. Aber wird es nicht irgendwann der eine zu viel sein?

True Blood: She’s Not There (4×01)

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Es werde Licht! So müssen die ersten Worte des Drehbuchs für die vierte True Blood-Staffel gelautet haben. Sie gehen in Erfüllung. Denn wir befinden uns im Feenland, wo alles und jede/r erstrahlt und mit Licht gefüllte Früchte serviert werden. In True Blood ist allerdings die Grenze zwischen Licht und Schatten nicht wirklich vorhanden: Sie gehen einfach ineinander über. Sookie (Anna Paquin) etwa lässt sich nicht blenden und bleibt misstrauisch dem Ganzen gegenüber.

Zu Recht! Denn das Licht ist tatsächlich nur zum Blenden da. Die Feen und ihre Königin Mab sind in Wirklichkeit Ork-ähnliche Geschöpfe, wie Goblins mit grünen Augen: You’re harvesting people! stellt Sookie fest, kurz nachdem sie ihren geliebten Großvater (Gary Cole) in der Menge entdeckt hat. Er ist die ganzen zwanzig Jahre über dort gewesen, aber im Feenland läuft die Zeit anders bzw. gar nicht. Nachdem die Feen aufgeflogen sind, sieht man ihr wahres Gesicht – und plötzlich finden sich Sookie und ihr Opa in einer Welt wieder, wo Wolken dreckige Fetzen sind und ein grauer Schleier über allem hängt… abgesehen von den Leuchtbomben, mit welchen die Feen Sookie attackieren. Mit Hilfe von Mabs Bruder können sie fliehen.

Eine actionreiche Eröffnung der neuen Staffel – und gleichzeitig eine sehr trashige, was die Bilder betrifft. Und womöglich auch den Erzählstrang um die Feen. Natürlich ist es zu früh für ein Urteil, und ich bin gespannt, wie und ob die Autoren diesen Handlungsstrang fortführen werden oder fallen lassen, so wie Sookie und ihr Großvater auf dem Friedhof in Bon Temps fallen. Opa überlebt die Rückkehr nicht, denn er hat die Leuchtfrüchte schon gekostet. Schade: Anna Paquin und Gary Cole harmonieren perfekt – was man beispielsweise von Sookie und Bill (Stephen Moyer) noch nie sagen konnte. Aber es scheint so, als wollten die Autoren Bill in der neuen Staffel mehr zu tun geben als immer wieder nur wie ein trauriger Hund Sookie seine Liebe zu bekennen.

In Bon Temps hat sich einiges verändert, denn Sookie war zwölfeinhalb Monate weg. Das stellt sie mit Entsetzen fest, als sie ihr Haus betritt und… es nicht mehr ihr gehört. Jason (Ryan Kwanten) hat es verkauft, der in Polizeiuniform auftaucht und seinen Augen nicht traut, dass Sookie noch am Leben ist. Alle hatten die Hoffnung aufgegeben. Bis auf einen: Eric.

Im Prinzip sind Zeitsprünge in Serien nicht gern gesehen und werden oft zum Entkommen aus einer erzählerischen Sackgasse benutzt. True Blood aber tut dieser Zeitsprung gut. Nicht nur führt man dadurch einen neuen Plot ein (die Feen), sondern wir müssen nicht länger die detaillierten Handlungsstränge um die vielen Nebenfiguren verfolgen, was in der dritten Staffel oft das Tempo herausnahm und mehr ablenkend als interessant wirkte. Wir erinnern uns: Jasons Cop-Werdegang, Arlenes Schwangerschaft, Taras Anfang eines neuen Lebens… Außerdem wird man so manche Geschehnisse später entlarven und für überraschende Wendungen sorgen können, denn uns wird nicht alles sofort nacherzählt.

Auf zwei Plots allerdings scheint sich die inzwischen verflossene Zeit nicht ausgewirkt zu haben. Damit meine ich erstens die Beziehung zwischen Jesus (Kevin Alejandro) und Lafayette (Nelson Ellis), die keine Fortschritte gemacht zu haben scheint, und zweitens die politischen Konflikte zwischen Menschen und Vampiren. Denn wie wir in dieser Episode sehen, wird in Fangtasia unter Nans Kommando ein Video gedreht, in dem zunächst Pam (Kristin Bauer van Straten) und dann Eric potentiellen menschlichen Zuschauern die Familienfreundlichkeit ihres Clubs versichern.

Hier sehen wir auch die beste Szene der Episode – eigentlich sind es zwei Szenen, zwischen denen hin- und hergeschnitten wird: In der ersten bezaubert Eric (Alexander Skarsgard) mit Blick in die Kamera sowohl fiktionale als auch „reale“ Zuschauer; in der zweiten hält Bill (im Anzug) eine Ansprache zur Eröffnung eines Community-Centers.

Der komplette Abschnitt der Episode ist sorgfältig orchestriert. Zunächst werden die beiden in Establishing Shots gezeigt, so dass viel von der Umgebung zu sehen ist und auch andere Figuren im Bild erscheinen. Dann wechselt man zu einem Medium Shot (nur die obere Körperhälfte ist zu sehen), in der nächsten Einstellung zum Close-Up und schließlich, an den Höhepunkten der beiden Monologe, zum extremen Close-Up  der Gesichter. Anschließend lässt man die Wirkung ausklingen, indem die Kamera wieder Abstand nimmt.

Ich habe es oben schon angedeutet: Obwohl Eric, wie stets in True Blood, die (Zuschauer-)Blicke geradezu bannt, scheinen die Autoren mit Bill Großes vorzuhaben. Sein Auftritt, seine Art, alles scheint verändert. Wie sollte es auch anders sein, wenn man in einem schwer bewachten Haus lebt und “Your Majesty” genannt wird? Wir dürfen davon ausgehen, dass er den Kampf gegen Sophie-Anne gewonnen hat. Ist er jetzt King of Louisiana? Vermutlich ja! Ist Tara lesbisch? Jetzt ja. Zwar schickt True Blood Tara fort von Bon Temps, aber immer wieder scheinen wir zu ihrem Handlungsstrang zu springen. Bleibt abzuwarten, wie er diesmal verläuft, denn bisher gehörten die Plots um Tara zu den Schwachpunkten von True Blood.  Nun also lebt sie unter dem Namen Tony in New Orleans, ist „ultimate fighter“, geht mit ihrer Gegnerin ins Bett und will von ihrem früheren Leben nichts mehr wissen. Oder doch?

Ein weiterer neuralgischer Punkt der letzten Staffel lag darin, wie die Autoren Neu-Vampirin Jessica (Deborah Ann Wolf) vernachlässigten. In She’s Not There bekommt sie eine Menge Screentime, in der wir sie immer noch hin- und hergerissen erleben – zwischen ihrem neuen „Sein“ und der Liebe zu Hoyt (Pam nennt ihn “tree in the plaid shirt“). Eigentlich hat sich auch hier in dem vergangenen Jahr nicht viel verändert.

Während sich Jason noch immer mit den Hot-Shots-Bewohnern beschäftigt und zum Dank in einer Gefriertruhe eingesperrt wird, ist sein Vorgesetzter Andy V-abhängig geworden und hat sich kaum mehr unter Kontrolle. Überdies tauchen zwei neue Gesichter auf: Courtney Ford als Anwältin Portia Bellefleur (Terrys Schwester?), die anscheinend mit Bill unter einer Decke steckt, und Fiona Shaw als Haupt eines Hexenzirkels, zu welchem Jesus Lafayette bringt.

Zum Schluss erwartet Sookie eine weitere Überraschung. Eric hat ihr Haus gekauft – und nach seinem Verständnis gehört ihm damit auch Sookie. Such a strange sensation when the reality matches the picture in my head so precisely, sagt er zur nackten Sookie, die gerade aus dem Bad kommt… You are mine!

In meinen Augen gelingt She’s Not There nach True Bloods Standards eine solide Staffel-Eröffnung. Nun bleibt abzuwarten, ob die Ereignisse der vierten Staffel den Bildern in den Köpfen der True-Blood-Fans entsprechen werden oder nicht.

True Blood: Evil is going on (3×12)

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Zum Glück wussten wir schon vorher, dass Evil is going on True Bloods Seasonfinale sein soll: sonst hätten wir’s wohl kaum gemerkt. Fernsehzuschauer erwarten von einem Finale weder nur einen Punkt noch nur ein Komma, sondern beides. Nicht nur, dass ein wirklicher Cliffhanger ausblieb; nicht nur, dass sich gegen Ende dieser Staffel alles etwas festgefahren hatte: offenbar haben die Autoren das Ganze schlichtweg auf die nächste Staffel verschoben – und so manch einen Zuschauer mit Evil is going on frustriert zurückgelassen.

Schlecht ist die Episode durchaus nicht. Sie unterstreicht aber den Eindruck, die Autoren wollten mit zu vielen Bällen auf einmal jonglieren. Zwar zeigen uns Alan Ball & Co. erfreulicherweise, dass die Erzählung gleich einem unaufhörlichen Blut-Fluss vorangeht. Aber dann erwartet man von True Blood eben richtiges Fließen und kein Plätschern.

Die Ereignisse im Finale werden durchzogen von Misstrauen und Verrat: double- und triple-crosses: nichts Neues oder gar Unvorhersehbares für die Zuschauer; überdies wird der Hauptplot mit Sookie viel zu oft durch die etlichen Nebenplots aufgehalten, was seinen Fluss unterbricht, als müsse er sich durch jeden Damm hindurchquälen. Natürlich bringen die vielen neuen Figuren mit ihren Stories Farbe in True Bloods Welt – und das ist eine schöne Sache. All die Nebenplots – Hotshot und Jason, Sams Familie, die Werwölfe, Tara, Lafayette und Jesus, Jessica und Hoyt etc. – wurden nach und nach zu einer Folie, die das auf den Hauptplot um Sookie fallende Licht reflektierten – nie aber nahmen sie direkten Einfluss auf ihn, so dass ein dramatisches Ganzes nicht zustande kam.

Nichtsdestotrotz scheint mir Sookies Reise für den Moment zufrieden stellend abgeschlossen. Da alle Beteiligten sie ständig hinters Licht führen, steht Sookie schließlich ganz allein und kann sich an niemanden mehr wenden. So geht sie am Ende zum Grab ihrer Großmutter und beichtet ihr die kaum zu ertragende Einsamkeit, die sie umgibt. Sookie hat das Gefühl, dass alle nur eins wollen: das Licht – ihr Licht. Wie ein Blatt wird sie vom Wind hin und her geblasen – ein Geblase, das die Flamme, das Licht tatsächlich auszulöschen droht. Auf die ganze Welt ist Sookie in diesem Finale zornig – und braucht sie doch zugleich: Anna Paquin meistert dieses Wechselbad der Gefühle mit Bravour.

Sookie rettet Eric und Russell, zur großen Freude von Godric, der Eric als um Vergebung für Russell bittende Vision erscheint. Eric aber kann Russell nicht verschonen – und orientiert sich an den Rammstein-Liedversen „Mit deinen Füßen im Zement / verschönerst du das Fundament“. Russell wird in ein Loch zementiert und damit, dramaturgisch gesehen, „auf Eis gelegt“: so einen hervorragenden Bösewicht, wie Denis O’Hare ihn in dieser Staffel spielte, kann man nicht einfach über Bord werfen. Mal sehen, wann Russell wieder das Licht des Mondscheins erblickt.

Bill hintergeht Eric und zementiert ihn ebenfalls – aber eine Schicht Zement kann Eric nicht daran hindern, wieder aufzutauchen, die Sookie-Bill-Aufklärungsromantik zu unterbinden und Sookie tatsächlich aufzuklären. So bekommen wir endlich zu hören, wie es wirklich zu dem Treffen zwischen Sookie und Bill kam. Am Ende steht Sookie, wie gesagt, allein: die True Blood-Erzählung hat sie an den Punkt geführt, da sie sich von jeder Figur distanzieren muss bzw. will.

Nun, ganz allein ist sie nicht, denn Claudine erscheint und nimmt sie mit. Das Licht erlischt – und Sookie ist verschwunden. Nachdem im Finale der letzten Season Bill verschwand, ist die Reihe nun an Sookie. Diese Staffel baut, im Rückblick betrachtet, eine Brücke zur nächsten – und es bleibt spannend zu sehen, welche Jonglierkunst Alan Ball mit all seinen Bällen für die nächste Staffel parat hat.

True Blood: Fresh Blood (3×11)

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Der Titel der Episode Fresh Blood bringt es auf den Punkt: In den letzten zwei Wochen scheint es True Blood an frischem Blut oder besser gesagt, an Adrenalin zu mangeln. Seit dem viel versprechenden Höhepunkt mit Russels (Dennis O’Hare) Wetterbericht zeigt sich die HBO-Produktion zögerlich und tritt auf der Stelle, als hätte sie Angst den Schritt ins Licht zu machen. Immerhin sind manche Figuren in True Blood mutiger und machen den besagten Schritt. I can offer you the sun, so Eric (Alexander Skarsgard) zu Russell.

Aber True Blood kann sich nicht über die Dauer jeder einzelnen Episode nur auf das Viereck (Bill, Sookie, Eric, Russell) verlassen. Die Serie hat in dieser Staffel ihre Welt um Einiges erweitert und immer neue Nebenplots eingeführt. Das Problem ist, dass sie zu diesem Zeitpunkt weder signifikant Spannung aufbauen konnten, noch irgendeine Art Auflösung und Verbindung miteinander anzustreben scheinen.

Diese Episode ist das beste Negativbeispiel dafür: Sam, komplett besoffen, macht jeden in der Bar an, bevor er mit der wieder einmal trauernden Tara ins Bett geht. Arlene versucht mit Hollys Hilfe die zauberhafte Abtreibung, aber das Baby ist ziemlich hartnäckig – vermutlich „Rosemary’s (Rene’s) Baby“ als Nebenplot für die nächste Staffel? Lafayette, der in Harris’ Büchern lange nicht mehr am Leben ist, hat hier weiter zu existieren und man gibt ihm zu tun, indem er sprechende Vodoo-Puppen halluziniert – oder auch nicht. Jessica leidet nach wie vor unter dem Fehlen eines wirklichen Plots, in dem sie eine Rolle spielt und die Serie scheint sich nur verpflichtet zu fühlen, sie einmal pro Episode zu zeigen.

Übrigens sehr schön fotografierte Szene mit ihr und Hoyt auf dem Sofa, als leicht aus der Übersicht gefilmt, Jessica an ihm verführerisch „hochschleicht“. Oh, und Summer arbeitet im Auftrag von Hoyts Mutter! WTF! Die Interaktion zwischen Jason und Crystal? Zeitverschwendung! Deswegen zurück zum Hauptplot. Eric und Bill (Stephen Moyer) bereiten eine Falle für Russell. Leider weiß Sookie (Anna Paquin) – wie immer – nichts davon. Eric und Russell trinken ihr Blut und Eric läuft als erster in die Sonne, um Russell die Wirkung zu beweisen und ihn herauszulocken, denn die Wirkung hält ja nicht lange an.

Mir gefiel nicht, Sookie schon wieder irgendwo liegen zu lassen, während große Ereignisse von statten gehen. Die Serie wirft sie immer wieder in die Passivität zurück. Sookie als hilfloses Opfer, als Mittel zum Zweck, nach ganzen drei Staffeln? Das letzte Bild zeigt uns Eric und Russell zusammengekettet unter der Sonne verbrennen. Was will True Blood machen, falls die beiden Figuren zu Asche werden? Apropos Asche: Das Tribut zollende “In Memoriam” aller Opfer in den bisherigen drei Staffeln am Anfang der Episode ist ziemlich amüsant. “Ain’t We Got Fun” – der Klingelton auf Erics Handy. Die Frage ist: Kann die Serie in zwei Wochen diese bis zu ihrer Mitte sehr gute Season noch genauso gut beenden? Can we have fun?

True Blood: I smell a Rat (3×10)

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I smell a Rat kommt sehr sprunghaft daher. Das liegt nicht (nur) am spritzenden Blut, sondern an der Konstruktion der Episode: Die Erzählung springt von einem Punkt zum anderen und versucht, uns möglichst viel Information mit auf den Weg zum Finale zu geben. Man könnte fast sagen, dass das schnelle Vorspulen von einer Szene zur nächsten den Ereignissen nicht gerecht wird.

Im Vergleich zur zweiten Staffel hat True Blood das Erzähltempo der dritten bislang in der Balance halten können. Inzwischen aber scheint den Autoren zu dämmern, dass bis zum Finale nicht genug Zeit bleibt für all die zahlreichen neuen Figuren und Nebenhandlungen. Aus diesem Grund marschieren wir in I smell a Rat in einem Wahnsinnstempo durch die True Blood-Welt, die mit der Fee Sookie Stackhouse ihre Pforten öffnet:

Mitten im Satz steigen wir in die Unterhaltung zwischen Sookie (Anna Paquin) und Bill (Stephen Moyer) ein, als sie gerade auf die Wahrheit über ihr Wesen reagiert. (Bin ziemlich gespannt auf eure Reaktion auf diese Enthüllung…) Sookies Reaktion: I’m a fairy? How fucking lame. Sookies Sippe muss eine besondere Art aus der Feenwelt gewesen sein: ich jedenfalls höre zum ersten Mal von Feen, die zu sexuellen Übergriffen neigen, wie Bill Sookies Halb-Mensch- und Halb-Fee-Natur erklärt. Außerdem hätten die Vampire die Feen vor langer Zeit ausgelöscht. Warum? Weil ihr Blut so köstlich ist. Ist Sookie also nur deshalb wichtig, weil sie schmeckt? Wenn man Eric (Alexander Skarsgard) fragt – ja!

Nachdem Bill mit Eric die übliche Sie-gehört-mir-Konversation führt und Eric zu Sookie sagt, sie könne Bill nicht trauen, kommt es später endlich zu einem Kuss. Eigentlich zu zwei Küssen – einem geträumten und einem tatsächlichen. Diesmal ist es Sookie, die zu Eric geht und ihn wegen seiner Abschiedsworte und seiner Warnung zur Rechenschaft zieht. Die leidenschaftliche Szene zwischen den beiden wird von Pam (Kristin Bauer) unterbrochen: Blah, blah, vampire emergency, blah. Sie sorgt sich: wegen Eric und der Tatsache, dass er ihr alles überschrieben hat für den Fall, dass Russell – laut Eric der älteste Vampir auf dem Planeten – Erics Existenz beendet. True Blood kann schnell zu True Death werden… Aus diesem Grund beruhigt Nan Flanagan die nation, indem sie Russell als “an extremist and a terrorist“ brandmarkt. Ganz ehrlich und mit Sookie gesprochen: True Bloods politische Allegorien waren immer schon „fucking lame“.

Zurück zu den Enthüllungen: Sams Film Noir-Erinnerungen (Flashbacks) zeigen uns, dass er, einst ein charmanter Dieb, von der Liebe betrogen und auch noch zum Mörder wurde. Mit Hilfe von V versetzen sich Lafayette und Jesus selbst in einen Flashback-Zustand. Dieser hält – gemessen an den anderen Nebenplots dieser Episode – ziemlich lange an und enthüllt uns,  dass beide aus Black Magic-Familien stammen. Und Arlenes Kind stammt nicht von Terry. Sie beichtet ihm das – und obwohl er trotzdem Vater sein will, ist sie bereit, mit Hollys (sie ist eine Wicca) das Baby los zu werden.

Tara bleibt definitiv nichts erspart: In einer sehr emotionalen Szene teilt ihr Jason die Wahrheit über Eggs mit. Hoyt und Jessica gestehen einander ihre Liebe, und in Jasons Wohnzimmer taucht ein schwarzer Panther auf, der ihn im nächsten Moment freundlich anlächelt – es ist Crystal! Russell wiederum ist nicht damit beschäftigt, die Auslöschung aller zu planen, sondern mit Trauerarbeit – die darin besteht, junge Männer, die wie Talbot aussehen, zu lieben und zu töten. Währenddessen landet Sookie in Erics Kerker.
So. Jetzt – nach dem rasanten Blah, blah, vampire emergency, blah-Durchlauf – einmal tief Luft holen… und auf nächste Woche warten.

True Blood: Everything is Broken (3×09)

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True Blood mag eine sehr blutige dritte Staffel abliefern, aber der Abgang von Figuren wie Franklin oder Talbot ist streng genommen sehr verständlich. Andernfalls nämlich drohte der Serie ein Überschuss an Figuren, deren Geschichten gehegt und gepflegt werden wollen. Man muss der HBO-Produktion zu Gute halten, dass sie nicht davor scheut, zahlreiche neue Figuren einzuführen und sie auf unterschiedliche Art und Weise in den schon vorhandenen Handlungssträngen unterzubringen bzw. neue anfangen zu lassen.

Trotzdem ist es sowohl zeitlich auch erzähltechnisch kaum möglich, jede Figur und jeden Nebenplot spannend zu gestalten: deutlich ablesbar am Unmut der True Blood-Fans über den Sam-Tommy-Plot, der in Everything is Broken darin mündet, dass ein völlig außer sich geratener Sam Crystals Vater vor allen Merlotte’s-Gästen brutal verprügelt. Dasselbe gilt für die erzähltechnisch vernachlässigte Jessica, die immerhin eine sehr gefühlvoll inszenierte kleine Unterhaltung mit Hoyt bekommt.

Bei allem Unmut über diese Nebenplots und über Jasons grundlegend tollpatschiges Getue darf man jedoch nicht vergessen, was True Blood damit erreicht: nämlich einen Hintergrund zu kreieren, der einem Ameisenhaufen gleicht. Die Vorwärtsbewegung des Hauptplots erhält ihre Spannung genau dadurch, dass sie sich auf viele Schicksale auswirkt – und umgekehrt durch jenen Hintergrund beeinflusst werden könnte. Ich vermute zum Beispiel, dass Lafayettes (Nelson Ellis) Geliebter Jesus eine wesentliche Rolle spielen wird.

Bevor Eric (Alexander Skarsgard) und Pam (Kristin Bauer) fliehen können, taucht in Fangtasia Nan Flannigan höchstpersönlich auf. Sie hat viele schwer bewaffnete … Vampire Starship Troopers dabei. Zum ersten Mal bekommen wir The Authority zu sehen, die per Live-Cam Erics Verhör beobachten. True Blood hat sich hier für die in heutigen Serien übliche Lösung entschieden, uns die Puppenzieher als gesichtslose Einheit zu präsentieren. Eigentlich hätte man vermutet, dass nach den Steigerungen von Bill über Eric zu The Queen, The Magister und The King eine weitere übermächtige Figur auftaucht, aber True Blood setzt auf den übermächtigen Apparat.

Um den Verdacht, The Magister getötet zu haben, von sich abzuwälzen, erzählt Eric die ganze Wahrheit – und noch mehr: Er stellt eine interessante historische Verbindung her, indem er nicht nur Russells (Denis O’Hare) Teilnahme an den Nazzi-Operationen bestätigt, sondern ihn auch in Verbindung mit den Azteken, dem Römischen Imperium und der Olmec Zivilisation bringt. Währenddessen wälzt sich King Russell in Talbots Blut und schwört Rache: und die ist, wie Quentin Tarantino einmal gesagt hat, das beste Motiv, das Geschichtenerzählern zur Verfügung steht.

Und was ist mit der Liebe? Nach einer Post-Sex-Duschszene mit Bill und Sookie – obligatorische Nahaufnahmen von blutig im Abfluss verschwindendem Wasser inklusive – widerfährt Bill ein unerwartetes Erlebnis: In Weiß gekleidet erwacht er an dem Ort, wo Sookie war und wo er nun auf Claudine und auf die Macht des Lichtes trifft. Sie sagt ihm, was Sookie ist. “I know what you are“, berichtet er Sookie – wir aber erfahren es nicht. Noch nicht.

Dafür stellt sich heraus, dass auch Hadleys Sohn Hunter Gedanken lesen kann.  Alles vererbt sich – und Eric wollte nicht, dass Pam seinen Schmerz erbt. Deswegen hat er ihr nie von seiner Vorgeschichte mit Russell erzählt. Skarsgard und Bauer spielen die Szene hervorragend, als er ihr mitteilt, für sie sei die Zeit gekommen, einen Vampir, ein Kind zu erzeugen.

The Authority wiederum beschließt, alles unter den Teppich zu kehren, und gibt Eric den Auftrag, Russell zu töten – allein: The Vampire League will sich heraushalten. Aber kann sie das? Denn während der Live-Nachrichten taucht Russell im Fernsehen auf. Vor laufender Kamera reißt er dem Nachrichtensprecher die Wirbelsäule heraus und teilt ganz Amerika die Wahrheit über die Vampire mit: Mine is the true face of vampires! Why would we seek equal rights? You are not our equals. We will eat you after we eat your children.
Now, time for the weather. Tiffany?
Für die verbleibenden Episoden wird definitiv stürmisches Wetter erwartet!

True Blood: Night on the Sun (3×08)

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Night on the Sun hat eine Sonnen- und eine Schattenseite. Die Exzesse (egal in welcher Hinsicht) ist eigentlich eine der True Blood-Qualitäten, aber in dieser Episode droht man die Exzesse zu exzessiv werden zu lassen. Es ist klar, man kann nicht alle Handlungsstränge und alle Figurengeschichten zu irgendeinem Punkt führen, an dem sie komplett zusammenlaufen. Figuren brauchen ihre autonomen Geschichten, um das Serienuniversum komplett erscheinen zu lassen.

Aber die Voraussetzung dafür ist doch, dass sie den Zuschauern interessant und spannend erscheinen. Gut, ich weiß, in True Blood hat alles eine Bedeutung, aber muss es wirklich sein, dass man als eine metaphorische Beschreibung vom menschlichen Dasein, möglichst viele der Beteiligten Figuren in unterschiedliche Geschöpfe verwandelt. Oder hat es einen anderen Grund? Im Moment droht sich True Bloods Welt in eine Märchenwelt zu verwandeln, in der kaum Menschen, nach der üblichen Definition, existieren. Langsam verliert man den Faden, wer Werwolf, Fee, Hexe, Formwandler, Vampir etc. ist und welche Wichtigkeit welcher Figur beigemessen wird.

Crystal und ihre Familie scheinen nicht „normal“ zu sein und nachdem in dieser Episode Jesus Lafayette einen Besuch wegen seiner aus der Anstalt geflohenen Mutter abstattet, wird uns angedeutet, dass Lafayette auch irgendwelche Kräfte besitzen soll? Nicht mich falsch verstehen – ich hab nichts gegen Fantasy- und Märchenwelten. Aber wir müssen uns fragen, wohin uns das Ganze führt? Handelt es sich nur um erzählerische Exzessen oder um eine Aussage über eine Welt, in der zu einem gewissen Zeitpunkt in der Ereigniskette  des eigenen Lebens jede/r nicht „normal“ ist? Bevor man sich den Kopf zerbricht, wozu natürlich Leser/Zuschauer herzlich eingeladen sind, zurück zu der Ausgangsprämisse von True Blood: Zu der Bill-Sookie-Romanze. Das ganze Hin und Her mit den beiden wirkt einfach ermüdigend in den Episoden, wie dieser, wo es zum Hauptthema erhoben wird.

Im Krankenhaus macht Sookie Schluss mit Bill und die Tränen nehmen kein Ende. Wenn man sich den Spaß macht und sofort nach der Szene bis zu den letzten Minuten vorspult, würde man denken, sie stammen aus einer Episode Staffel früher oder ein paar Episoden später. Wenn man auch die Schluss-machen-Szene in all ihrer nicht vorhandenen Dramatik akzeptiert, frage ich mich, können die Autoren nicht mal eine Episode abwarten, bevor man sie wieder auf True Blood-Art wieder zusammenbringt? Die Trennung ist zu schön, um wahr zu sein und True Blood könnte neue Wege für Sookie erkunden, aber das wird uns nicht gegönnt. Kann sein, dass es einfach ein subjektiver Eindruck ist, aber die Beziehung der beiden wirkt schon seit langer Zeit weder romantisch, noch sexy, noch irgendwas…

Anna Paquin hat generell herzlich wenig damit zu tun, denn die Szenen, die ihr gegeben werden, spielt sie sehr überzeugend. Aber man bekommt langsam das Balast-Gefühl, was Bill betrifft. Als würde er ihr um den Hals hängen. Oh, und der Grund für die kurze Trennung: Wir können kein normales Leben zusammen haben! War das das Ziel? Hat man uns seit der allerersten Episode in die Irre geführt? Wollten die beiden doch ein weißes Haus, grünen Garten und weißen Zaun? Vielleicht wollten einfach die Autoren mit Sookies plumper Erklärung ihre Ratlosigkeit ausdrücken, ihren gemischten starken Gefühlen in Worte fassen zu können.

Was ist, wenn es für ein Gefühl keine Worte gibt? Das scheint auch Taras Problem zu sein, denn sie will wie immer über die Geschehnisse nicht sprechen, aber diese suchen sie heim. Und Franklin ist tatsächlich tot?! True Blood kennt keine Gnade. Auch nicht für Talbot, der von Eric getötet wird. Nachdem Eric Russells Vertrauen erneut gewinnen kann, bietet er sich an, Talbot zu vergnügen, während The King seinen Geschäften nachgeht. Vergnügen heißt in True Blood wirklich Vergnügen. Wir bekommen eine heiße Szene zwischen den beiden zu Gesicht und Talbot wird mittendrin, von hinten … in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Das rettet wiederum Bills Leben, denn in demselben Augenblick ist Rissell dabei ihn zu erledigen, aber Talbots Tod ruft ihn zurück. Bill und Jessica (nach Bills Schnelligkeit-Nahkampf-Trainingseinheit) kämpfen gegen Werwölfe, während Samantha Fox aka Debbie aka Looks-like-Roadkill und Sookie in „bitch fight“ involviert werden. Leider überlebt die „were-bitch“ (Erics Worte) Debbi schon wieder… Und Bill und Sookie sind wieder vereint, in der einen Hinsicht. Ob auch in der anderen, wird sich noch zeigen.
Warum sagt Hadley, alles sei ihre Schuld? Wenn wir schon so früh einen Showdown zwischen Russell und Eric bekommen würden, was ist dann das Endgame?

True Blood: Hitting the Ground (3×07)

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Noch mehr Puzzelteile, mehr Action, eine Hochzeit und … mehr Blut, viel mehr! So kann man auf die Schnelle Hitting the Ground beschreiben. Die True Blood-Autoren haben anscheinend beschlossen, die Fans der Serie zu erfreuen und gleichzeitig dem Namen True Blood gerecht zu werden. Die Serie entledigt sich mehreren Figuren, die in vielen Zuschauer-Augen als Ballast für die Handlung und für andere Figuren erschienen. Angefangen bei Lorena (Mariana Klaveno), die schon in den ersten Minuten von Sookie getötet wird. Das blutüberströmte Bild zeigt uns Bill, der langsam aber sicher den Pfad der (Endgültig-)Toten zu betreten scheint. Eigentlich wäre es sogar eine passende Szene, wenn er Lorena in den endgültigen Tod gefolgt wäre!

Dann kann True Blood tatsächlich mit leichten Füßen voran schweben ohne ständig nach dem einen oder anderen dramaturgischen Dreh zu suchen, um Bill und Sookie am Beziehungsleben zu erhalten. Andererseits hat sich durch die Ereignisse der neuen Staffel die Situation so geändert, als würde jetzt Bill zu Sookie gehören. Wie ist das gemeint? Es sieht so aus, als würde Sookie durch die letzten Ereignisse, durch ihre Interaktion mit viel mächtigeren Wesen und durch ihr Geheimnis, einen anderen Status innerhalb der kompletten Geschichte einnehmen.

Bill ist im Grunde derjenige, der zu ihr aufsehen muss, denn wie es im Moment aussieht, gibt es auf seiner Seite nichts mehr, was ihn wichtig für die Handlung und mehr als nur eine aufhaltende wandelnde Liebeserklärung erscheinen lässt. Interessant, wie die Autoren die Beziehung der beiden nach all den Veränderungen handhaben wollen, vor allem weil Bill Sookies Leben fast auslöscht. Kurz davor wird aber Cooter von Alcide erledigt. Auf den Zeitpunkt habe ich lange gewartet. Schade, dass man sich auch nicht gleich Alcides Ex Debbie, die durch die Gegend stochernde Samantha Fox auf Meht, entledigt hat. Nachdem alle mit Alcides und Taras Hilfe fliehen können, gibt Sookie Bill ihr Blut, aber „vergewaltigt sie“ (in Blutsaugerliebesmetaphorik ausgedrückt) und trinkt sie fast leer.

Überraschenderweise, als Tara Bill aus dem Van schmeißt, verbrennt er nicht unter der strahlenden Sonne. Sookies Blut als Zaubertrank für Vampire, als die Lösung ihrer Probleme? Sookies Geheimnis scheint auch Eric zu erstaunen, denn er bekommt es von Sookies Cousine Hadley zugeflüstert erzählt, als er sie vor den Augen der im überdimensionalen Vogelkäfig eingesperrten Queen leer zu trinken droht. Sookie liegt in der Zwischenzeit im Krankenhaus im Koma.

Warum? Weil sie gar keine Bluttransfusion bekommen kann, denn wie die Ärztin Tara & Co. mitteilt, hat Sookie gar keine Blutgruppe. Jason erzählt, dass sie nie krank oder in einem Krankenhaus war. Sie wurde auch zu Hause geboren. Die viel wichtigere Frage hier lautet: Wo kommt sie her und wo gehört sie hin. In Sookies Komatraum können wir sie an einem Ort aufwachen sehen, das wie das Paradies aussieht, mit friedlich tanzenden hübschen Menschen (in Unterwäsche oder ohne) und einer dunkelhaarigen Frau, die Sookie willkommen heißt. Ihr Name ist Claudine und sie gibt Sookie pures Licht zum trinken. Außerdem warnt sie sie vor Bill, als sich Dunkelheit über den Ort legt. Sookie soll nach Hause ins Wasser kommen, dass tiefer sei, als sie vermuten würde.

Es wird an der Stelle geschickt auf das Krankenhauszimmer geschnitten, als Bill hereinkommt und Sookie von seinem Blut geben will. Sookie kehrt zurück, trotz Claudines Bitte es nicht zu tun und wacht mit einem Schrei bei Bills Anblick auf. Mit einem „Jaaa!“-Schrei kann man die letzten zehn Minuten der Episode begrüßen. Wir kehren zurück zu Fangtasia, wo The Magister (Zeljko Ivanek) weiterhin Pam (Kristin Bauer) foltert. Sein Instrument: Silberne Ohrringe von Tiffany! “How’d you know I was a Tiffany’s girl?” So viel fürs Amüsante und für Team-Pam! Denn heute ist Schluss mit Vergleichen im Sinne „out of the coffin – out of the closet“. Out of the coffin bedeutet Blutdurst, bedeutet Kampf ums Überleben, bei dem der Stärkere gewinnt.

Durch den Russell-Handlungsstrang verabschiedet sich True Blood von dem nervenaufreibenden politischen und Gender-relevanten Belehren der ersten Staffel und kehrt zu den Wurzeln blutiger Geschichten zurück. Eric, The Queen und Russell (zu Eric: Love your place, love the vibe. We must talk franchising later.) überraschen The Magister und Russell unterbindet seine Behördensprüche über “The Vampire Authority mit einem schnellen Tausch – Pam raus aus den Ketten und The Magister an ihrem Platz! The Magister wird dann gezwungen Russell und Sophie Ann für Mann und Frau zu erklären und zur Überraschung aller Anwesenden schneidet er Magisters Kopf ab! Wenn das keine Kampfansage an The True Vampire Autorithy, wer auch immer das ist, war! Der Rest sind die Abspanntiteln und PJ Harvey!

Ach so, die Sam-Tommy-Story? Sie hat erstmals ein Happy-End nach all den Hundekampfwetten und treuen Hundeblicken. Ich mache diesbezüglich Schluss für heute mit einem Zitat von Jason: “I never really thought I was smart enough to get depressed, but here I am.” Es ist euch überlassen, herauszufinden und darauf zu wetten, was für ein Wesen Sookie ist. Wenn man ein True Blood-Wettbüro eröffnen würde, wäre Pam meine unangefochtene Nr. 1 für die Verwaltung.

True Blood: I Got a Right to Sing the Blues (3×06)

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Im Vergleich zu der zweiten Staffel, wo man etwas mühsam nach vorne kam, treibt jetzt True Blood, wie ein Hund (oder soll ich besser Wolf sagen?) die Herde, die Handlung stetig voran und wenn man an einem kleinen Höhepunkt, wie in dieser Episode, angelang ist, dann ist Zeit für … Slow Motion. Seit dem Erfolg von The Matrix wurde die Darstellung einer actionreichen oder emotional sehr intensiven Szene in Slow Motion immer beliebter und True Blood bedient sich auch der verlangsamten Bilder in der Eröffnung von I Got a Right to Sing the Blues.

Sookie wird in Russells Haus gebracht und während alle den Plast von The King of Mississippi betreten, schwenkt die Kamera von einer Figur zur anderen und wieder zurück. Durch die Slow Motion können wir jedes Stückchen an Gefühlsregung jedes einzelnen Beteiligten betrachten. Sehr wichtig hier ist die Anordnung der Figuren im Raum und die Wahl des Raums für die Inszenierung dieser wichtigen Auseinandersetzung, in der mehr geschieht, als damals in zwei ganzen Episoden der ersten Staffel. Die ausgeprägte runde Form der Eingangshalle unterstützt den rundum Blick, den die Kamera hier gewährleistet und die Treppen an den Seiten dienen dazu, zusätzliche Dynamik in das Geschehen und das Bild selbst zu bringen.

Sie ermöglichen eine diagonale Bewegung, die die schnellen horizontalen Schwenks durchbricht. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Bill, der Sookie zu retten und Russell umzubringen versucht, den Weg auf der Diagonale wählt und unseren Blick auf sich zieht. Denn Bill (Stephen Moyer) ist in dieser dritten Staffel das Sinnbild für ihre Beschaffenheit. Sie präsentiert uns die Figuren auf ihrer Suche nach Liebe und Kontrolle über ihr „Leben“ und ihr ständiges Versagen sie zu finden bzw. zu behalten. True Blood spielt mit den Schwankungen zwischen Macht und Ohnmacht. King Russell erweist sich hier als eine Schlüsselfigur: Do not defy me! I am your KING! In den vergangenen Episoden haben die Autoren es geschafft so gut wie jede Figur in Verbindung mit Russell zu bringen.

Wie wir sehen, weigert sich Eric Sookie (Sookies Imitation von Eric, nachdem sie das schon mit Bill tat, ist übrigens großartig!) zu helfen und versucht ein eigenes Spielchen mit Russell (Denis O’Hare) zu treiben, indem er nicht nur seinen Befehlen gehorcht und ihm hilft das Jawort von Queen Sophie Ann zu holen (es erweist sich, dass Eric stärker las sie ist, weil älter), sondern auch mit Russell zu flirten versucht. Wir haben mehrmals die Inszenierung von den beiden, alleine im Bild, Seite an Seite, so dass eine leichte Berührung zustande kommt. Man kann wirklich sagen, das Denis O’Hare und Alexander Skarsgard diese Episode an sich reißen.

Und die Episode, abgesehen von der Eröffnungssequenz, ist um bestimmte Pärchen strukturiert, wie Eric und Russell, Bill und Lorena, Sookie und Russell, Tara und Franklin, Lafayette und Jesus, Jason und Crystal etc. Übrigens das Frage und Antwort-Spielchen zwischen Russell und Sookie ist nicht nur amüsant, sondern auch womöglich sehr wichtige Begegnung für die Gesamthandlung, da es sich dabei um die einzige Szene zwischen zwei Figuren handelt, die keine romantisch-sexuelle Untermalung besitzt. Wir erfahren zwar nichts Neues über Sookie, aber sie erfährt über Bills Nachforschungen.

Über Russells Pläne dürfen wir auch während seiner Unterhaltung mit Eric Wind bekommen. Russell sieht die Vampire mit Hitlers Worten als „master race“. Er sagt, dass Adolf mit der Idee Recht hätte, nur nicht mit seiner Wahl der Rasse. In Verbindung mit der Tatsache, dass Russell zu Sookie sagt, er sein nicht der König aller Vampire und damit, dass er unbedingt die Queen heiraten wollte, kann man sich vorstellen, was das Endziel ist: Sookies Frage nach dem König aller Vampire nächstes Mal mit „Ja“ beantworten zu können. Für die Zuschauer stellt sich die Frage, welches Crystals Geheimnis ist und warum sie das Beisammenliegen mit Jason im Wald, nachdem sie in der Luft geschnüffelt hat, abbrechen musste.

Besteht eine Verbindung zwischen ihrem Verlobten, den sie später Jason präsentiert, und dem V-Handel? Daraus würde sich dann eine Verbindung zu Lafayette ergeben, der in dieser Episode auch romantisches Hin und Her erlebt. Nach einem zögerlichen Annähern mit Jesus kommt es zu einem Kuss und dann wäre es in Lafayettes Haus zu vielleicht noch mehr gekommen. Aber die beiden werden von den Meth-Dealern unterbrochen, die auf Lafayettes Auto losgehen. In der folgenden Auseinandersetzung bekommt Jesus mit, welche Nebenbeschäftigung seine Flamme nachgeht und verschwindet. Aber nach den Erzählungen über seine unbekannte Herkunft kann man wie im Falle von Crystal, auch hier davon ausgehen, dass Jesus mit dem Übernatürlichen involviert ist.

So kommen wir zum nächsten Pärchen, zu Bill und Lorena, die ziemlich viel Screentime bekommen, um ihre Haß-Liebe-Beziehung mit „true blood“-Tränen zu rekapitulieren. Und während Lorena mit Weinen und Foltern beschäftigt ist, schafft es Tara Franklin in Sicherheit zu wiegen und ihm anschließend den Schädel zu zerschmettern? Das Ende von Franklin? Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hab damit gerechnet, dass Franklin eine wichtigere Rolle erfüllen sollte. Wie dem auch sei, Tara kann fliehen und befreit Sookie, die selbstverständlich nicht ohne Bill gehen will. In der letzten Szene sehen wir, wie Lorenas innigster Wunsch in Erfüllung geht und sie ihre Zähne in Sookies Hals gräbt: To be continued…

True Blood: Trouble (3×05)

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Seine größte Intensität zieht True Blood aus Szenen, die humorvoll beginnen und ein dramatisches Ende nehmen. Der Effekt, den sie für den Zuschauer entfalten, gleicht der Bewegung eines Vampirs: Man sieht den Vampir etliche Meter entfernt – und plötzlich, innerhalb eines Windhauchs, steht er direkt vor einem, zu Bissen oder Tränen bereit. Diese Mischung, die True Blood im Laufe der zweiten Staffel nach und nach herausgearbeitet hat, funktioniert in der dritten sehr überzeugend und lässt die Handlung nie vollkommen ins Übertriebene abgleiten. Dank James Frain (Franklin) und Denis O’Hare (King Russell) funktionieren die Schwankungen zwischen Humor und Dramatik umso wirkungsvoller, und so wird auch die Erzählung in Trouble unter dem Dach des Königshauses richtig intensiv.

Das Haus muss einen neuen Gast begrüßen: Eric kommt zu King Russell, um seine Hilfe gegen The Magister zu fordern. Zuerst versucht er seine Geschichte über Bills Teilnahme an den V-Verkäufen zu verkaufen, aber Bills Anwesenheit zwingt ihn zur Wahrheit – wobei es durchaus ratsam erscheint, sich auf Russells Seite zu stellen, um sich und Pam zu retten. Hat man ein begeistertes Glänzen in Erics Augen gesehen, als Bill ihm mitteilt, dass Sookie nicht mehr die seine ist? Werden Bill und Eric zusammenarbeiten?

Einen Grund hätten sie: Als Talbot Eric Russells über die Jahrhunderte gesammelten Schätze zeigt, befindet sich darunter auch eine Wikinger-Krone, die Eric in die Vergangenheit versetzt. Ja, Eric war Prinz eines Wikinger-Stammes! Seine komplette Familie wurde von Werwölfen getötet, die unter dem Kommando eines verhüllten Mannes standen, dessen Stimme aus dem Schatten Eric damals riet, nicht den Helden zu spielen. Vielleicht ist seine Zeit jetzt gekommen? Denn Eric gelobte seinem sterbenden Vater Rache. War der verhüllte Mann King Russell? Und wenn es so ist: erkennt er Eric nicht? Eins ist auf jeden Fall festzuhalten: Eric braucht nach wie vor nur eine kurze Szene, um eine bildschirmfüllende Chemie zu anderen Figuren zu entwickeln.

There’s a payoff somewhere, lautet Russells Motto. Er konfrontiert Bill mit dessen Sookie-Recherchen, die er von seinem langjährigen „Mitarbeiter“ Franklin zugespielt bekommen hatte. Franklin agiert weiter seine psychopathischen Gefühlsschwankungen aus, unter welchen Tara leiden muss: Sie wird schon wieder gefesselt, verführt, gefesselt, zu Tode erschreckt, liebevoll beschützt und zum Lachen gebracht. Na ja, wenn es sowohl bei Russell als auch bei Franklin schwer zu verstehen ist, wo die Grenze liegt, konnte man als Zuschauer bestimmt Franklins „speed text messaging“ nicht widerstehen: Look how fast I can type motherfucker! Das Problem: Franklin will sie zu seiner Vampirbraut machen. Will you be my vampire bride?

Die Intensität der Handlung unter Russells Dach lässt einen fast vergessen, wie viele andere neue Paarungen Trouble anbietet: Nach mehreren slapstickartigen Szenen, die diesmal tatsächlich übertrieben und ablenkend wirken, findet Jason Crystal wieder, die geheimnisvolle Frau, die er damals sah, als das Meth-Labor hochgenommen wurde. Während eines Waldspaziergangs (sie fühlt sich sehr wohl im Wald) finden die beiden Gelegenheit, die Lippen aneinander zu pressen, aber Crystal scheint ein dunkles Geheimnis zu verbergen. Lafayette lernt auch jemanden näher kennen: Jesus, den Pfleger seiner Mutter, der Interesse an ihm zeigt.

Die Billard-Szene gehört zu den besten der Episode. Da wir beim Personal von Merlotte’s sind, muss man die Verschwendung Jessicas beklagen, die gleichsam auf der Ersatzbank gehalten wird, für den Notfall – verbesserungsbedürftig! Ok, die Sam-Familienstory sorgt immer noch für Ablenkung von den wirklich wichtigen und interessanten Ereignissen, aber das angedeutete Geheimnis zwischen Sams Bruder und seinem Vater könnte die Sache demnächst retten. Die Autoren lassen mit dieser Episode die Beziehungs- und Nebenplotluft nur so von Möglichkeiten knistern und hell aufleuchten. “Fantastic!” Man kann sich diesem Ausruf von König Russell nur anschließen, der in der letzten Szene Zeuge von Sookies verborgenen Kräften wird, als sie den Werwolf mit jenem strahlenden Licht aus ihrer Hand aufhält, das schon Mary Ann stoppen konnte.