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Wilfred: Review der Pilotenepisode

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Nehmen wir einmal das Wort “Happiness”, bei welchem die Lippen an dem “p” hängen bleiben… und das “s” am Ende sich wie eine Schlange windet und einem nach den äußeren Extremitäten trachtet. Der Kabelsender FX hat sich über die Jahre darin spezialisiert, mit menschlichen Extremitäten extrem umzugehen. Grenzwertiges und Grenzen überschreitendes Verhalten vor allem männlicher Protagonisten bildet oft ein zentrales Thema der FX-Serien. Sie untersuchen, wenn man so will, die gefährliche Beschaffenheit des Wortes “Happiness”. Woraus setzt es sich zusammen, welche Schattenseiten weisen seine Rundungen auf?

In diesen Schatten ist die Sch… am Dampfen, und schmerzhafte Schicksalsschläge schleichen die “S”-Windungen entlang. Wie soll man die neue FX-Comedy „Wilfred“ beschreiben? “Sch…” und “dampfen” wären auf jeden Fall Wörter, von welchen man in der Beschreibung Gebrauch machen könnte. Ab da weiß ich, ehrlich gesagt, nicht recht weiter. „Sons of Anarchy“ mit Hund… ? Sitcoms sind nicht wirklich mein Spezialgebiet, aber „Wilfred“ weckte mein Interesse – denn die Serienbeschreibung hört sich so absurd und verrückt an, dass das Ganze letztendlich fast einleuchtend klingt.

Sanity and happiness are an impossible combination“, lautet ein Satz von Mark Twain. Man nehme also das Wort „Happiness“ und packe es in… einen Abschiedsbrief? Von Glück überkommen sehen wir in den ersten Sekunden des „Wilfred“-Piloten den Protagonisten der Serie: Ryan (Elijah Wood) ist ein junger arbeitsloser Anwalt, dessen Gesicht erstrahlt ob der sprachlichen und inhaltlichen Perfektion seines Abschiedsbriefes. Genauer gesagt, der dritten Version desselben: „Suicide Note – Third Revised“.

„Wilfred“ wurde für das US-Fernsehen von David Zuckerman („Family Guy“, „American Dad“) umgesetzt, während das Original aus Australien stammt. Und wer ist nun Wilfred? Der Hund von Ryans hübscher Nachbarin Jenna (Fiona Gubelman). Ryans Selbstmordversuch scheitert, und es sieht danach aus, als bekäme er nicht einmal einen Abgang von dieser Welt auf die Reihe. Am Morgen danach aber bittet ihn Jenna, für einen Tag auf Wilfred aufzupassen. Das Besondere an der Aufgabe: In Ryans (und damit auch unseren) Augen ist Wilfred ein großer Mann im Hundekostüm (Jason Gann, der Co-Creator vom australischen „Wilfred“-Original). Alle anderen scheinen in ihm einen “normalen” Hund zu sehen.Und nun kümmert sich nicht etwa Ryan um Wilfred.

Es ist umgekehrt. Wilfred versucht Ryan beizubringen, wie man(n) sich auf die Hinterbeine stellt und zu sich steht. Wilfreds Methode ist einfach: Ryan in jeden erdenklichen Mist und problematische Situationen hineinmanövrieren, womit er dann fertig werden muss. Es beginnt mit einer unschuldigen Frage nach Matt-Damon-DVDs, geht mit gemeinsamem Kiffen auf dem Sofa weiter und endet mit einem Einbruch beim Pot züchtenden Nachbar, dessen Pflanzen sie entwenden und in dessen Schuhen buchstäblich die Sch… am Dampfen hinterlassen wird. Anschließend hinterlässt Wilfred unbemerkt Ryans Ausweis am “Tatort”.

„Wilfred“ ist definitiv nicht Jedermanns Sache. Mir persönlich hat der Pilot eine Menge Spaß bereitet; nicht nur die kleinen visuellen Späßchen mit unserer und Ryans Wahrnehmung, sondern auch das Zusammenspiel zwischen Wilfred und Ryan, das auf jeder Ebene funktioniert. Wenn man den Anblick eines Mannes im Plüschhund-Kostüm, der hinter einem Motorrad herläuft und „I’ll kill you!“ schreit, amüsant findet, dann ist man hier richtig.

Den Ball holen bzw. die Bälle holen bekommt mit „Wilfred“ auf jeden Fall eine ganz besondere Bedeutung. Ich kann nur sagen: „Try the ball.“ Und: Verfolgt den Abspann aufmerksam…

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