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Fringe: Brave New World – Part 2 (4×22)

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Where is Peter? Auf diese Frage kommt mit dem Finale die Antwort. Sie lautet: Bei Olivia. Es ist keine überraschende Antwort, aber dafür eine höchst zufrieden stellende. Denn wir haben schon oft darüber gesprochen, dass Finge unter anderem eine Liebesgeschichte ist, eine Geschichte über das Suchen und Finden, eine Geschichte  über die Welt als Ereignis, welches man aus dem Blickwinkel der “Zwei” erlebt. Und so bekommen wir Olivia und Peter zu sehen, Hand in Hand ins kalte Wasser springen. Dieser Sprung ist aber keiner ins Ungewisse. Sie können ihn nur zusammen vollbringen, denn nur zusammen ist ihre Wahrnehmung dieser Welte(n) vollständig. Peter “schwingt” mit der Frequenz der roten Welt und Olivia der blauen. Man könnte sagen, dass hier Peter Olivia (“the power”) navigiert. Jetzt, wo die Brücke zwischen den Welten nicht mehr existiert, ist Olivia die Brücke. Sie ist die einzige, die ohne   zusätzliche Hilfsmittel überqueren kann und diejenige, die auch alles zerstören kann. Wir erfahren, dass Olivia Bells “power source” ist. You had the power all along my dear, lauten die Worte von Glinda the Good Witch aus The Wizard of Oz. Hier kommen sie aus Nina Sharps Mund.

Auf mehreren metaphorischen Ebenen kann man die Fringe-Erzählung lesen, wenn man Lust dazu hat. Fringe navigiert uns Zuschauer durch die unterschiedlichen Windungen der eigenen Erzählung und deren Positionierung innerhalb anderer medialer Erzählungen und gleichzeitig führt die Serie ihre Figuren zu sich selbst. Für dieses Durchs-Leben-Navigieren braucht man Orientierungspunkte, wie zum Beispiel Familie und Freunde. Es ging bei Finge nie darum, uns große Erkenntnisse über “Gott und die Welt” zu präsentieren, sondern uns die Schönheit von Vorhandenem aufzuzeigen, unsere Sicht auf die Welt zu navigieren.

In der berüchtigten LSD-Episode sah man Bell und Walter an Bord eines Zeppelins, wo Bell Folgendes sagte: We should circumnavigate the currents.

Die beiden sind jetzt an Bord eines Schiffes und Bell ist bereit, die Welt in den Zerfall und dadurch in die Auferstehung als eine seiner Meinung nach bessere zu navigieren. Obwohl er versucht seinen alten Freund und Weggefährten für diesen extremen Schritt zu begeistern, steuert Walter gegen die von Bell gewählte Richtung. Dabei, wie wir erfahren, gehörte die Idee mit der Geburt einer neuen Welt aus der Katastrophe der vorhandenen erschreckenderweise Walter selbst. Um sich von dieser Vision zu befreien, ließ Walter Teile seines Gehirns entfernen. Aber bevor wir uns der Auseinandersetzung zwischen den beiden “mad scientists”, Bell und Bishop, widmen, kommt ein anderes “Fringe-Event”, nämlich Jessica Holt. Sie gehört zu den Figuren, die nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Wie es sich erweist, hilft sie Bell und sorgt dafür, dass Olivia auf Hochtouren kommt, um September zu retten. Dieser ist auf einem Stück Fußboden gefangen, dank den runischen Zeichen, die Jessica dort platziert hat. Wenn ich mich nicht täsuche, ist es eine neue Erkenntnis, dass Observer mit “übernatürlichen” Mitteln bekämpft werden können? Ganz abgesehen davon, wie man diese Information werten will, ist sie hier Mittel zum Zweck. Als Jessica mit einer Spezialwaffe (Bells Kreation) September trotz seiner Schnelligkeit trifft, ist Olivia gefragt, um die nächsten Kugeln abzufangen. Nicht nur stoppt sie diese, sondern befördert sie zurück zum Absender, zu Jessica. An diesem Punkt muss man nicht nur bezüglich dieser Szene, sondern auch der Serie selbst, an den geflügelten Satz aus Lacans Schriften denken – “Der Brief erreicht immer seinen Bestimmungsort”!

Für Jessica endet das Übersenden von Botschaften mit ihrem Tod nicht. Sie wird “befragt”, so wie im Piloten damals Nina Sharp die “Befragung” von Olivias totem Partner befahl. Jessicas Aufwachen kann man definitiv als ein Fringe-Event bezeichnen: Das Überlappen der zwei Stimmen und die sich in unterschiedliche Richtungen drehenden Augen hatten es in sich! Viel wichtiger noch ist ihre “Kindheitserzählung”: “My bicycle is blue and it has a little chimey bell!” Während Peter, Olivia und Nina weiterhin aus Jessica herauszubekommen versuchen, wo Bell ist, richtet sich dieser Satz an uns Zuschauer. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Fringe die treuen Zuschauer in die Erzählung miteinbezieht: Die Farbe Blau und die Klingel, wobei “bell” natürlich uns direkt zu William Bell und seiner Glocke führt. Wenn der Postmann zweimal klingelt…

In Fringe gibt es immer ein zweites Mal, sei es eine zweite Chance, sei es ein Doppelgänger, sei es ein zweites Universum oder aber das wiederholte Läuten der Glocke. Zu diesem kommen wir, nachdem Olivia und Peter es an Bord schaffen und Walter zu einer Verzweiflungstat gezwungen wirdt. Er nimmt den Luger aus Bells Vitrine und schießt … Olivia in den Kopf. Wird damit Walter zu Mister X? Im Grunde “bricht” damit Walter Bells Gotteshand die Finger. Im Vergleich zu den etlichen “mad scientists”, mit welchen uns Fringe im Laufe der Zeit konfrontierte, ist Bell keiner, der aus Liebe oder aus dem Streben nach Liebe handelt. Er sieht sich über die Liebe erhaben.

Es fällt auf, dass im ersten Teil des Finales Walter von der Uhr seines Onkels Heinrich erzählte, jetzt den Luger benutzt und der Glyph in dieser Episode “PURGE” lautet. Außerdem gab es im Nazi-Deutschland auch eine Glocke, eine Geheimwaffe. Vermutlich beziehen sich diese kleinen Hinweise auf das Eintreffen der Observer…

Diejenigen, die die Sache mit dem Zitronenkuchen als ein Vorwegnehmen kommender Ereignisse sahen, werden in dieser Vermutung bestätigt. Nachdem Walter Olivia erschießt, schafft sie die Auferstehung aus eigener Kraft bzw. dank dem Cortexiphan.

Am Ende überstürzen sich die Ereignisse: Bell fleiht mit Hilfe der Glocke, Olivia lebt wieder und sie ist so gut wie Cortexiphan frei und schwanger, Peter hat ein Haus für die beiden gefunden und die Fringe Divison bekommt von der Regierung alles was der frisch gebackene General Broyles’ Herz begehrt.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Fringe-Autoren doch für ein mögliches Ende bereit waren. Trotzdem fehlt nicht der Cliffhanger, als September in Walters Labor auftaucht, um eine Warnung auszusprechen.

Werden wir in der fünften Staffel einen Zeitsprung erleben? War Olivias Tod der Tod, von dem September sprach? Werden wir die rote Welt wiedersehen? Wo ist William Bell? Fragen über Fragen in einem Fringe-Universum, wo es auf jede Frage zwei Antworten gibt…

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Fringe: Brave New World – Part 1 (4×21)

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Feuer fangen. Von Innen aus verbrennen. Eine schreckliche Vorstellung und gleichzeitig eine, die sehr genau den Gemütszustand schildert, in dem sich die Fringe-Fans des Öfteren befinden. Man möchte Antworten haben, brennt buchstäblich darauf zu erfahren, was mit den Lieblingsfiguren passieren wird. Dieses Brennen ist aber kein gewöhnliches, sondern ein regelrechtes Fringe-Ereignis.  Wie wird der nächste Vorspann aussehen – blau, rot oder orange? Wann wird die Handlung spielen? Wer wird dabei sein? Wo ist Peter…?

Mit dieser Frage nämlich eröffnete die vierte Staffel und während wir mit dem Suchen und dem Finden von Peter und seiner Beziehung zu Olivia beschäftigt waren, rückten andere mögliche Fragen in den Hintergrund. So sehr, dass wir sie beinahe vergessen haben. Was ist mit William Bell in dieser “neuen” überschriebenen Ziellinie geschehen? Warum ist Jones überhaupt zu einem Ober-Bösewicht geworden? Auch die Aussage der Produzenten verhalfen dazu die Fans Manches vergessen zu machen: Vielleicht schaffen wir es Leonard Nimoy für die fünfte Staffel zu einem Auftritt zu überreden und vielleicht auch nicht – so ähnlich lauteten die Twitter-Meldungen. Dadurch machte man William Bell zu dem Kaninchen in dem Hut, welches man im ersten Teil des Doppelepisoden-Finales ans Tageslicht beförderte.

Dazu muss ich sagen, dass ich die Enthüllung – rein vom Gefühl her (und Finge ist eine Erzählung über Gefühle) – etwas übertrieben und aufgesetzt fand, aber trotzdem gelungen. Uns wurde Jones einfach viel zu lange als Mastermind präsentiert, um ihn plötzlich zu einer einfachen Schachfigur zu machen. Jones, der penibel durchgeplante Aktionen auszuführen vermochte, wird in dieser Episode selbst zu einer penibel durchgeführten Aktion, als in Boston plötzlich Menschen anfangen von Innen aus zu verbrennen.

Für das Fringe-Team wird schnell klar, dass es sich um Jones Tat handelt, als sie ihn sogar auf den Aufnahmen der Überwachungskamera sehen. Ungewöhnlich für ihn, aber gewöhnlich für ein Katz-und-Maus-Spiel. Lustigerweise sind es sowohl Walter & Co. als auch Jones selbst die “Mäuse” in dem Spiel. Die Naniten, die durch die Berührung vom Rolltreppengeländer, in die Körper der Menschen geraten, verursachen das tödliche Erhitzen, stellt Walter fest. Jessica Holt (Rebecca Mader, Lost) ist eine der Betroffenen, für die jeder weitere Schritt tödlich sein kann, denn Bewegung bedeutet Hitze erzeugen.

Es ist aber Olivia und nicht Walter die Jessicas Leben rettet. Natürlich geschieht das dank Olivias “Superkräften” (POWERS), aber trotzdem ist die Szene rührend, denn was wir sehen, ist wie Olivia Jessicas Hand hält. Diese tröstende Geste ist eine eine Art Versicherung, dass man für den anderen da ist. Und im übertragenen Sinne, auf der Gefühlsebene der Fringe-Erzählung, ist diese Versicherung die Rettung für Jessica. “If you ever need help getting to the head of the line in an ER, sagt Jessica zu Olivia, als sie geht – ein Vorwegnehmen kommender Ereignisse?

Dieses Detail führt uns zu einem übergreifenden Thema, zu der Bedrohung für Olivas Leben, über die wir nach wie vor nicht viel wissen. Abgesehen von der Mr.X-Story. Auch Walters Anmerkung über William Bell in der Zukunft legt die Schlussfolgerung nahe, dass William Bell mit Olivias Tod zu tun hat. Wie so typisch für Finge, findet man die Verbindung in einem kleinen Detail, in den Naniten nämlich. Nicht nur stellt Walter fest, dass sie definitiv das Werk von William Bell sind, sondern in meinen Augen tragen sie sogar Bells, nennen wir sie gemäß den Entwicklungen, “tödliche” Signatur – ein X!

Ich will hier nicht übertreiben, aber Finge hat uns schon einmal auf die richtige Fährte mit Hilfe einer Kombination aus visuellen und narrativen Details geschickt. Nehmen wir zum Beispiel noch die Szene, bevor Olivia und Jessica ins Auto gehen – Man sieht im Hintergrund an der Kirche eine Zeichnung mit den Worten “Light of the world” und den Zeichen “X, P, Alpha und Omega”.

Auf die Gesamterzählung bezogen kann man hier etliche Deutungen anbieten, aber es scheint eine Art Konstellationsbezeichnung zu sein: Wie im Moment die Figuren positioniert sind. Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe aus dem griechischen Alphabet – Anfang und Ende. Die Rückkehr zum Anfang oder der Anfang vom Ende? Eine Verbindung zu diesem Gedankengang bietet die Episode mit Hilfe einer visuellen Spiegelung. Als Walter zu St. Claire zurückgeht, um Beweise für den damaligen Besuch von Bell zu finden, sehen wir ihn durch die Türspalte an dem Schreibtisch mit dem Rücken zu uns sitzen, wie damlas in der Pilotenepisode. Anfang und Ende als Kreis oder als Brave New World, als das Katastrophenprinzip, als Neugeburt aus der Asche des Endes?

Die Sonne ist diejenige, die alles zur Asche verbrennen kann und sie wird auch als Light of the World bezeichnet. Bell benutzt hier die Sonnenkraft, um Boston die ultimative Zerstörung anzudrohen, so dass er Peter und Olivia herauslocken kann. Mindestens denkt Jones so, nachdem Bell ihm erklärt, wie Schach funktioniert. Jones ist nur eine Figur von vielen in Bells persönlichem Schachspiel. Klar kommt diese Enthüllung etwas aufgesetzt daher, aber eigentlich ist der Gedanke ein logischer, anzunehmen, Bell würde hinter Noahs Arche stehen. Solche mad scientist-Gotteshand-Pläne würden tatsächlich zu Bell passen, mehr als zu Jones: Don’t confuse a winning move with a winning game. The Art of (War) Chess für Bell ist etwas (eine Figur, “the bishop”), was im Moment eine große Rolle spielt, zu opfern und dann die entstandene Lücke, auszunutzen.

Nun, Jones wurde zu einer wichtigen Figur und wird hier geopfert, da er Bells Aussage mit “the bishop” als direkten Verweis versteht. Der Kampf “per Fernbedienung” zwischen Peter und Jones (“I got it wrong. I was the sacrifice.”) fand ich nicht besonders gelungen, aber er erfüllt den Zweck – Jones “verbrennt” zur Asche. Ist zwar ein schneller Abschied einer wichtigen Figur in dieser Staffel, aber es geht doch hier um das Ganze, um die Welt(en), um Zerstörung und Neugeburt. Sind eine Zerstörung, ein Einschnitt, endgültig oder kann sich das Ganze regenerieren, aus eigener Kraft? Walter demonstriert mit dem Zitronenkuchen wie dank Cortexiphan sich Objekte regenerieren können. Als Spiegelung davon sehe ich eine auf deme rsten Blick unwichtige Szene, als Olivia ihren Finger schneidet. Zwar konnte man erwarten, dass der Finger wieder von alleine heil wird, aber das geschieht nicht, denn Fringe befindet sich wieder auf der metaphorischen Ebene. Olivias Wunde kann nur Peter schließen und beide können vielleicht diejenige dieser Welt schließen? Ich bin persönlich kein Anhänger religiöser Erzählungen, aber hier liegt alles so ziemlich auf der Hand.

Das P an der Kirchenwand kann für Peter stehen, aber auch für Powers, so wie das Glyph in dieser Episode lautet. Mit ihren Kräften rettet Olivia Jessica und vielleicht wird Peters Kraft bzw. die Kraft der Liebe Olivia retten, diese Welt retten? Man braucht nicht weitere Deutungen bemühen, denn die religiösen Konstellationen sind mehr als deutlich, vor allem nachdem man das Schild mit dem Wort EDEN über dem Tor des Lagerhauses, wo Bell seine “Experimente” hütet, zu sehen ist. Dorthin führt die Spur Walter und Astrid (Astrid: Alex? Walter: I’m on the roll!), aber sie werden erwartet. Astrid trift eine Kugel und während sie in Walters Armen liegt, taucht Bell auf mit einem freundlichen: Hallo, old friend.

Bell: Freund oder Feind? Schöpfer oder Zerstörer?

Ob in Fringe solche Fragen überhaupt angemessen gar möglich sind?

To be continued…

Fringe: Worlds Apart (4×20)

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Somewhere over the rainbow / Way up high / And the dreams that you dreamed of / Once in a lullaby / Somewhere over the rainbow / Bluebirds fly / And the dreams that you dreamed of / Dreams really do come true (…) Somewhere over the rainbow / Bluebirds fly / And the dream that you dare to dream, / why, oh why can’t I? / Well I see trees of green / And red roses too / I’ll watch them bloom / For me and you / And I think to myself / What a wonderful world!

So lautet der Text von “Somewhere over the Rainbow” (von Judy Garland gesungen), und eine bessere Beschreibung der neuen Fringe-Episode ist kaum vorstellbar. Diese Beschreibung trifft aber nicht nur die Serie selbst, sondern auch den Gemütszustand, in den die FOX-Verantwortlichen die Fringe-Fans überall auf der Welt versetzten, als sie die Verlängerung um eine letzte fünfte Staffel mit dreizehn Episoden bekannt gaben. Ein Traum ging in Erfüllung! Wie heißt es so schön: So lange man träumen kann, ist nicht alles verloren… oder doch? Worlds Apart bietet eine höchst emotionale Gratwanderung zwischen Traum und Trauma, eine Erzählung von Blau und Rot, von der Sehnsucht nach einem Regenbogen. Einen solchen Regenbogen hatte Fringe mit dieser Season erzeugt: als Brücke zwischen den beiden Universen. Und alle Figuren überquerten sie, um zu sich selbst zu finden, um sich in den roten Dorothy-Schuhen des/der jeweils Anderen zu sehen. Kansas is where the heart is, könnte man Peters Aussage gegenüber Lincoln paraphrasieren.

Wo das Herz ist, liegt auch Fringes größte Stärke, die hier in vielen Eins-zu-Eins-Gesprächen demonstriert wird: Die Schönheit liegt in den Gedanken, die Fringe vor unseren Augen wie eine Picknickdecke ausbreitet, so dass sich jede/r bedienen kann – und wer das nicht kann oder will, nun, der ist selbst schuld. Menschen wollen von TV-Serien Unterhaltung, eine spannende Handlung, bewundernswerte Helden und Heldinnen; sie wollen vor sich selbst und ihrem Alltag flüchten. Aber letztendlich wird man doch immer wieder eingeholt: von der Welt, von sich selbst, von den Gedanken an die eigene Nichtigkeit innerhalb des großen Ganzen. Warum also soll man dann nicht das Erzählte bzw. Gezeigte manchmal einfach nur schön finden und als schön beschreiben, sei es als Gedanke oder als Bild? Nehmen wir als Beispiel Walters Erklärung von Jones’ Vorhaben: beide Welten auf dieselbe Wellenlänge zu bringen, zusammen pulsieren zu lassen, wie ein und dasselbe Herz. Aber dieses Herz soll nicht als Ganzes existieren, sondern als etwas Neues. Jones‘ Rechnung, das Zusammenbringen beider Welten, lautet nicht 1+1=2, sondern 1+/-1=0 (1).

Dabei steht die Null für einen Neuanfang, für die Schöpfung eines neuen Universums aus der Asche der roten und der blauen Welt. Das Bild des Phönix drängt sich auf, wenn man an Jones‘ fliegende Stachelschwein-Menschen denkt. Einige Kreaturen hat er, wie wir wissen, an Bord seiner Arche Noah versammelt, die irgendwo den neuen Urknall erwartet – in einer Safe Zone, wie der in Westfield. Jones’ Traum von einer neuen Welt ist ein Traum von sich selbst als dem ultimativen Schöpfer. Diesen Traum erkennt Walter in seinem eigenen, wie er den zwei Fringe-Teams am Anfang der Episode mitteilt. Er stellt sie vor die Entscheidung, entweder Jones umgehend zu stoppen oder das Abschalten der Maschine in Erwägung zu ziehen. Zum ersten Mal in dieser Staffel treffen Walter und Walternate aufeinander, und Walters Schuldgefühle kommen wieder hoch. Wir erfahren, dass Jones an 27 unterschiedlichen Orten in beiden Welten die Cortexiphan-Kinder Erdbeben verursachen lässt, aber die Erschütterungen sind nur ein Ergebnis: Ergebnis der Angleichung beider Welten.

Mit jeder weiteren Erschütterung werden diese instabiler, überlappen einander, bis sie irgendwann ineinanderstürzen werden. Durch einen alten Bekannten – Nick Lane, das als “reverse empath” bekannte ehemalige Cortexiphan-Kind – kommen die Fringe-Teams Jones‘ Plänen auf die Spur. Der Nick auf der roten Seite kontaktiert Lincoln, den er für den verstorbenen Lee hält, und erzählt ihm von seinen Träumen: Alpträume, die von der Verbindung zum “blauen” Nick herrühren, in die dann Olivia eindringt, um das nächste Erdbeben zu verhindern. Warum spielt ausgerechnet Nick hier eine so große Rolle? Aus Empathie? Ironie beiseite: Fringe vollbringt wieder einmal einen metaphorischen Fringe-Akt. Nicks Fähigkeit besteht darin, seine Gefühle auf andere zu übertragen, die sie dann als ihre eigenen empfinden. Ist es nicht genau das, was Fringe mit den Menschen aus den zwei Welten tat – und gleichzeitig mit denen aus unterschiedlichen Zeitlinien? Sie gleichen einander äußerlich, aber sind innen verschieden; diese Differenz sorgte anfangs für Abstand, gar Feindseligkeit, bis irgendwann der Regen aufhörte, die Sonne durch die Wolken brach und ein Regenbogen die rote und die blaue Welt miteinander verknüpfte.

Die Beteiligten lernten einander kennen – und vor allem lernten sie, dass die Differenz, der Unterschied zwischen ihnen oft dasjenige ausmacht, was sie in ihrem Leben bzw. in sich selbst vermissen, wovon sie vielleicht träumen. Das Kennenlernen der Träume des/der  Anderen, seiner/ihrer Gefühle, der gemeinsame Blick auf die Welt(en) (ich erlaube mir hier einen Verweis auf meinen Text zu Fringes Episode “A Short Story About Love”) hat eine heilsame Wirkung. Und die rote Welt heilt mit Hilfe der Verbindung zur blauen. In Worlds Apart führen die beiden Olivias eine Unterhaltung über Regen und Regenbögen, darüber, Schönheit mit Hilfe der Anderen wieder sehen zu können. Als sie Abscheid voneinander nehmen, sagt Olivia zu ihrem “roten” Gegenpart: Keep looking up after the rain.

Abschied müssen sie nehmen, denn die Spur zu Jones, auf die Nick Olivia & Co. setzt, verläuft ins Nichts. Übrigens: Als sie (vermeintlich) zu Jones fahren, ist nicht nur die Nissan-SUV-Werbung allzu gut zu sehen, sondern auch extra deutlich ein Reifen, der durch die Pfütze fährt. Regen, Pfützen, Wasser, dazu das an Wasser erinnernde Geräusch der Klimaanlage in dem verlassenen Gebäude – alles Spuren zu, Hinweise auf Jones, aber keine von ihm. Es bleibt nichts Anderes übrig, als die Brücke zu zerstören, die Maschine auszuschalten. Wird damit nicht nur die andere Seite, sondern auch Peter verschwinden? Für die blaue Welt wird Lincoln verschwinden, denn er entscheidet sich endgültig, drüben zu bleiben… bei Olivia (Liv), deren Gesicht die Farbe ihrer Haare annimmt, als er ihr das mitteilt.

Geplagt von dem Gedanken an Peter und daran, wie er vor 35 Jahren alles ins Werk setzte, sitzt Walter im Korridor. Aber er bleibt nicht allein. Walternate setzt sich zu ihm, … und John Noble verdient für diese kleine Abschiedsszene den Emmy, so wie schon für Tausende Szenen davor! Walternate verabschiedet sich von Walter mit einem Zitat des römischen Imperators und Philosophen Marc Aurel: The universe is change; our life is what our thoughts make it.

Und wenn diese Gedanken schön sind, dann gibt es immer einen Regenbogen, samt Hoffnung auf Gold oder Honig an seinem anderen Ende – auch wenn sich die Welt nach dem Ausschalten der Maschine einsam und unvollständig anfühlt für Peter und den Rest des “blauen” Teams.

Hierin eben liegt Fringes Schönheit: diese Gefühle zu den unseren zu machen.

Fringe: Letters Of Transit (4×19)

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I love LSD, sagt Walter in Letters Of Transit. Auch wir lieben die besonderen Fringe-Episoden, die in den letzten zwei Staffeln immer die Nummer 19 trugen. Man kann Walters Aussage als eine Referenz auf Lysergic Acid Diethylamide interpretieren, eine ‚besondere‘ Episode, was Handlung und Umsetzung betrifft. Damit meine ich das Bild, seine Beschaffenheit. Während man in LSD Animation einsetzte, nahmen uns die Bilder von Brown Betty, einer weiteren neunzehnten Episode, auf eine musikalische Film-Noir-Reise mit. Eigentlich kann man beide Episoden, nicht nur wegen Walters Vorliebe für “self-medication”, als “Trips” bezeichnen, als Reisen in den (T)Raum des menschlichen Unbewussten. Letters Of Transit hingegen unternimmt eine Zeitreise, stellt einen Brief aus der Zukunft dar. Und mit einem Brief beginnt denn auch die Episode: mit einer Erklärung, was in der Fringe-Welt passieren wird. Wir schreiben das Jahr 2036, und seit 21 Jahren gehört diese Welt den Observern.

Sie haben aufgehört zu beobachten und stattdessen die Kontrolle übernommen. Die erste Frage, die dieser plötzliche Sprung in die Zukunft aufwirft, lautet: Wie will Fringe die Kontrolle über all diese Plots bewahren? Wenn man einen Beweis dafür braucht, dass die Autoren definitiv auch über diese Staffel hinaus etwas zu erzählen haben, liefert ihn spätestens diese Episode. Ob man die Autoren lassen wird? Auf der einen Seite liefe man mit Fringes Absetzung natürlich Gefahr, Vieles viel zu offen zurückzulassen. Aber andererseits – liegt nicht Fringes Schönheit genau darin, zu zeigen, wie mannigfaltig die Welt sein kann mit all dem, was sich ereignet hat, ereignet und ereignen wird? Den eigenen Gedanken freien Lauf lassen und Genuss darin finden… Natürlich strebt man mit Erzählungen in aller Regel ein Ende an, einen Abschluss, denn der gibt Menschen Sicherheit; er befreit sie aber gleichzeitig davon, selbst denken zu müssen. Dabei kann man zwischen Erzählungen unterscheiden: Manche sind auf ein Ende hin angelegt und zeigen dem Zuschauer deutlich, dass der größte Genuss dieses Ende bieten wird. Andere, wie Fringe, sind wie eine Möbiusschleife, in der man immer wieder die Perspektive wechselt, wo man innerhalb der Wiederholung Verschiebungen ausgesetzt ist, also alles immer wieder “neu” sieht, “anders”.

Ganz egal, wie Fringe – beabsichtigt oder nicht – enden wird: Schon jetzt können wir der Serie als Ganzes bescheinigen, etliche faszinierende Wege gegangen zu sein, die aus pragmatischer Sicht nicht vollkommen erscheinen, die aber trotzdem durchgehend die Seele schweben lassen und das Herz erwärmen.

Es scheint so, als hätte Fringe mit dem neuerlichen Zeitsprung dieser Episode uns und sich selbst wieder einmal ins kalte Wasser geworfen. Aber trotzdem kommt doch alles auf das Fließen zurück, dessen Quelle Reiden Lake heißt. Manch ein Observer wurde fasziniert von dem Gemütszustand, den man Liebe nennt; für andere wiederum stellt er die höchste Gefahr dar. Liebe erschüttert den Kern etlicher Systeme, die die Welt im Griff behalten wollen – oder soll man sagen: die Welten? Ich bin mir nicht so sicher, in welcher Welt wir uns in dieser Episode befinden: der roten, der blauen, einer Kombination aus beiden? Der Vorspann jedenfalls, mit dem uns die FOX-Serie begrüsst, ist grau-blau (in meinen Augen) und voller Fringe-Wörter. Zugegeben: Wenn man davon ausgeht, dass in jeder der drei Fringe-Vorspann-Varianten (rot, blau, orange) Wörter auftauchen, die Fringe-Ereignisse bezeichnen, erscheint es zunächst verwunderlich, jetzt “Community, Individuality, Education, Imagination, Private Thought, Ownership, Free Will, Freedom” zu lesen.

Nachdem wir aber diese “neue”, von Observern und ihren Dienern beherrschten Welt für ein paar Minuten erleben durften, wissen wir, warum es sich auch diesmal um Fringe-Ereignisse handelt. Sie nämlich sind es nun, die unmöglich erscheinen in einer solchen Welt – und trotzdem erstrebenswert, trotzdem erreichbar. Gleichzeitig bezieht sich dieser Vorspann meiner Meinung nach auf unsere eigene reale Welt, die vielleicht einer ähnlichen Zukunft entgegen sieht…

Es gibt in der Fringe-Zukunft unter der Herrschaft der Observer eine Opposition, die direkt vor der Nase eines ziemlich gealterten Broyles operiert: nämlich im Kern der Fringe-Division. Wir lernen Simon (Henry Ian Cusick, Lost) und Henrietta (Georgia Haig) kennen, die mit einer ebenfalls alt gewordenen Nina (aus dem Wissenschaftsministerium) zusammenarbeiten und versuchen, die Fringe-Helden aus der Vergangenheit auferstehen zu lassen. Denn Walter & Co. haben sich absichtlich mit Hilfe von Amber in einen Dornröschenschlaf versetzt, um dem Massaker der Observer zu entkommen. Walter war damals offenbar im Begriff, eine Maschine zu bauen, die die Observer zerstören sollte. Aus diesem Grund ist ein gewisser Captain Winmark aus der Observer-Chefetage sehr daran interessiert, die “Resistance” auszulöschen. Wir erfahren, dass die Observer den Planeten im Jahre 2609 komplett vergiftet und zerstört haben; aus diesem Grunde reisten sie in der Zeit zurück, um neue Existenzmöglichkeiten zu ergreifen. Außerdem wird deutlich, dass jede mögliche Zukunft kaffeefrei sein wird, was sie in meinen Augen extrem ungenießbar macht…

Spaß beiseite und zurück zum gerade erwachten Walter, den Simon und Henrietta aus dem Amber befreien: Es ist ein kindlicher, fröhlicher Walter, den wir lieben gelernt haben; aber nur allzu rasch müsen wir dazulernen, dass ein solcher Walter die Welt nicht retten kann. Er scheint sich an nichts zu erinnern und genießt einfach die Sonne und das Balancieren auf einer Bank in der Nähe der Brücke. Dieses Bild ist nicht nur eine perfekte Beschreibung von ihm, sondern ein schönes Sinnbild für Fringe selbst. Fringe ist wie Walter: voller Melancholie, aber gleichzeitig voller Lebensfreude – und bemüht, nicht die Balance zu verlieren. Es sieht oft danach aus, als würde das geschehen, aber die Serie schafft es, aus diesem Balanceakt ihre Schönheit zu schöpfen. Gemäß Ninas Hinweis gehen Simon und Henrietta mit Walter zum alten MD-Gebäude und “verabreichen” Walter die damals auf seinen Wunsch entfernten Gehirnstückchen. Wir wussten, warum Walter Teile seines Hirns entfernen ließ, aber die Welt in der Zukunft braucht den Walter, der er nicht werden wollte: den Wissenschaftler, der um jeden Preis die Welt voranzutreiben bereit ist. Wieder einmal meistert John Noble diese Differenz, die Verschiebung innerhalb von Walters Identität – so, als würde der Figur eine Seite hinzugefügt, die gefehlt hat: sei es gut oder schlecht.

Genauso fehlt übrigens in dieser “neuen” Welt die Farbe. Die Farbpalette ist entsättigt, kalt. Die einzige Wärme strahlt das Amber aus – so auch in dem Raum, an den sich der ‚neue‘ Walter erinnert und wohin er Simon und Henrietta führt, um den Rest des Teams zu befreien. Übergänge, Brücken, Kommunikation; das Überbrücken der Entfernung zwischen einander, zwischen Welten, zwischen den Teilen des eigenen Selbst: das sind sich wiederholende Motive, an die man sich in diesem Raum erinnert. Letters Of Transit: Der Titel der Episode findet hier sein Bild, in den vielen Schreibmaschinen, die verstaubt herumstehen und genauso aussehen wie diejenigen, die man in Welt-2 zur Kommunikation benutzte.  Die nächste Überraschung wartet hier auf uns: Wir sehen auch William Bell im Amber gefangen! Simon opfert sich selbst, um das alte Fringe-Team zu befreien, aber es kommen nur Peter und Astrid heraus. Und Olivia? Wir sahen sie einmal sterben – handelt es sich hier um dieselbe Zeitlinie? Warum spricht Walter darüber, dass Bell Olivia etwas angetan habe? Deswegen jedenfalls befreit er Bell nicht aus dem Amber, sondern nimmt nur seine Hand mit – vermutlich wegen der Fingerabdrücke.

Und Henrietta? Hat der Observer-Agent Winmark recht mit seinen Worten: „Agent, you are always exactly what you seem“? Wir erinnern uns an Baby Henry, das Kind, das Fauxlivia und Peter bekamen und nicht bekommen sollten. Nun, Fringe darf vorstellen: Agent Henrietta ist das ehemalige Baby Henrietta, das Kind, das Peter mit Olivia haben sollte und allem Anschein nach auch bekommen hat. Vater und Tochter erkennen am Ende einander. Ist die Kugel, die Henrietta an einer Kette um den Hals trägt, diejenige, die Olivia tötete? Werden wir uns in den verbleibenden Episoden dieser vierten Staffel weiterhin in dieser untröstlichen Zukunft aufhalten? Fragen über Fragen… aber Fringe hat immer eine Antwort parat liegen, etwa ein Stückchen Lakritzstange, das Broyles findet. Fringe hinterlässt, “vergisst”, Sachen, aber es ist immer jemand da, um sie zu finden und ihnen Sinn zu verleihen: denn immer verweisen sie auf Ereignisse, denen man in irgendeiner Welt, in irgendeiner Zeit auf irgendeine Art und Weise schon begegnet ist. Spuren von Spuren von Spuren einer unendlichen Geschichte…

Fringe: The Consultant (4×18)

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In dieser vierten Staffel hat Fringe über einen längeren Zeitraum die Handlung im blauen Universum spielen lassen – wenn wir es noch blau nennen dürfen, seitdem die Zeit überschrieben wurde und Peter sich an einem Ort wiederfand, wo er als Erwachsener nie existiert hat. Erst in dieser zweiten Staffelhälfte wird der Austausch zwischen Blau und Rot in der Amber-Welt, die die Fringe-Erzählung eigentlich ist, intensiver. Natürlich kann man in der FOX-Serie das eine oder andere ‚Logik-Loch‘ finden, wenn man danach sucht. Aber im Ganzen gesehen ist Fringe… ein Ganzes! Man könnte sogar darüber spekulieren, ob tatsächlich alles eine Welt darstellt – nur aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet, die wiederum unterschiedliche What-if-Konstellationen erzeugen. Olivia ist Olivia und Walter ist Walter, auch wenn wir sie in unterschiedlichen zeitlich-örtlichen Abschnitten und Kontexten  als Fauxlivia, Walternate  etc. erleben. Damit erscheinen beide Welten weder als Gegenpole noch als Spiegelungen. Eins plus Eins macht Zwei, aber nicht nur als Ergebnis, sondern als Ganzes. Fringe ist wie Peters Münze – mit zwei Seiten, mit Kopf und Zahl, aber beide zusammen erst machen die Münze aus.

Peters Dasein – wie schon ein paar Mal erwähnt – fällt zusammen mit unserem Dasein als Zuschauer. Unser Blick ist mit eingeschrieben. Das Seherlebnis, das Wissen über die Erzählung macht uns unausweichlich zu einem Teil dieser Erzählung. Wie Peter bzw. mit Peter suchen wir nach “unserer” Fringe-Welt. Und finden mal den Kopf, mal die Zahl. Durch zahlreiche, schnelle Wechsel zwischen den beiden Welten – zum ersten Mal so viele und so schnell – betrachten wir In The Consultant die sprichwörtliche Fringe-Münze: Peters Silberdollar, wie er sich in der Luft dreht; vor unseren Augen tauschen Kopf und Zahl in Sekundenschnelle die Plätze, was das Gefühl eines Überlappens erzeugt. Auf diesen Gedanken wiederum bringt uns die Handlung von The Consultant. Was ist, wenn es gar nicht darum geht, wie sich die eine Seite von der anderen unterscheidet, sondern darum, wie die eine Seite die andere ergänzt?

Der David-Jones-Masterplan wird hier mehr oder weniger enthüllt, nachdem Jones zwei Fringe-Events verursacht hat, bei welchen Unfälle im roten Universum auch zum Tod ‚derselben‘ Menschen im blauen Universum führen. Wie Walter erklärt, versucht Jones, beide Universen zum Überlappen zu bringen – er versucht, die Vibrationen ihrer Existenz einander anzugleichen. Jones scheint das Eins plus Eins nur als Ergebnis zu sehen. Als Endergebnis – als Ende? Bedeutet das Überlappen beider Welten Kollision, Ineinanderfallen, unausweichliche Zerstörung? Warum aber sollte Jones alles auslöschen wollen? Neben dieser großen Frage bietet The Consultant wieder einmal Walter die Möglichkeit, im Rampenlicht zu stehen, nachdem in dieser Staffel meistens Olivia und Peter diesen Platz einnahmen. Walter geht nach “drüben”, um dem Fringe-Team dort Hilfe bei der Untersuchung zu leisten. Seine Überquerung ist eine Resonanz, ein Echo von Lincolns Entscheidung, drüben zu bleiben; gleichzeitig korrespondiert sie Walters Überquerung vor vielen Jahren, das den Zustand erzeugt hat, in dem sich die Welten jetzt befinden. Eine Grenzübertretung, bei der sich das Herz über den Verstand, über Ethik und Moral hinwegsetzt: die vollzog Walter für Peter, und Broyles (der sich nun doch nicht als Shapeshifter erweist) vollzieht sie für den eigenen Sohn.

In meinen Augen leistet The Consultant mit Hilfe vieler inniger und schöner Momente zwischen den Figuren aus beiden Welten eine Art Familienzusammenführung, wie wir sie in den letzten Episoden in der blauen Welt beobachten konnten. Als wir mit Peter in dieser Zeit und in diesen Welten eintrafen, nannte Walter Fauxlivia voller Verbitterung “Mata Hari”; die Beziehungen waren insgesamt von Misstrauen geprägt. Jetzt sorgt Walter nicht nur für eine humor- und liebevolle Atmosphäre, sondern kocht sogar für Fauxlivia. Sollten wir sie nicht endlich von diesem Namen befreien und ebenfalls Olivia nennen, wenn die andere nicht in die Handlung involviert ist? Denn sind sie nicht beide unsere Olivias bzw. unsere Olivia? Vielleicht könnten wir im Zweifelsfall die unterschiedlichen Abkürzungen verwenden: Oliv (blau) und Liv (rot)… Walter also wird für die Dauer seines Aufenthalts bei Liv untergebracht und findet sie mitten in der Nacht mit einer Flasche Alkohol: verzweifelnd an Lincolns Ermordung. Übrigens: Walter im schimmernden Morgenmantel, am Küchenherd noch perfektioniert mit der unsäglichen Schürze – unvergesslich!

Mit einem Omelette und dem Sherlock Holmes‘schen Hinweis “dog that did not bark” hilft er ihr aus der Sackgasse und weist sie auf Colonel Broyles als möglichen Verdächtigen hin. Wir Zuschauer wissen bereits, dass Walter Recht hat, aber nicht, warum Broyles gegen sein Team arbeitet. In dieser Episode bekommen wir die Antwort: weil Jones Broyles‘ Sohn dafür von der tödlichen Krankheit befreit. Ist das Leben des kleinen Jungen den möglichen Verlust zweier Welten wert? Und wo ist eigentlich Walternate? Warum kam es zu keinem Treffen zwischen ihm und Walter? Spielt Nina tatsächlich eine größere Rolle in Jones’ Plänen, wie sie denkt bzw. vorgibt – oder ist sie doch nur ein “pawn”, eine Befürchtung, die wir ihr gegen Ende der Episode an der Nasenspitze ansehen können? Broyles findet schließlich seine Antwort: Genau wie Broyles-2 damals starb, opfert dieser sich selbst und vermutlich seinen Sohn für das Heil der beiden Welten, indem er sich dem Broyles aus Welt-1 stellt, anstatt Jones‘ Gerät in der Maschine zu platzieren. Agent Lees Tod scheint Broyles-2 gleichsam wach gerüttelt zu haben. Meiner Ansicht nach legt eine visuelle Verbindung in dieser Episode das nahe: Am Anfang sehen wir “unseren” Lee bei Lincolns Beerdigung im Wagen warten; die Kamera zeigt sein Gesicht im Seitenspiegel des Autos. Am Ende sehen wir dieselbe Einstellung – aber von Broyles-2, bevor er aussteigt und zur Brücke geht. Zwei Menschen aus zwei Welten verbindet die Tatsache, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck haben. Wo das von Jones wirklich sitzt und was hinter seinem Plan steckt, werden wir noch erfahren.

Ganz egal, auf welche Seite die Münze fällt: sie wird immer ein Ganzes bleiben.

Fringe: Everything In Its Right Place (4×17)

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Wie kommt man aus einem Labyrinth hinaus – bzw. findet in sein Zentrum? Vor ein paar Jahren erklärte Tim McManus, eine prominente Figur aus HBOs Drama-Serie Oz, dass man sich nur mit einer Hand an der Wand entlangtasten müsse, um irgendwann ins Freie zu kommen. Was aber, wenn ein Labyrinth keine Wände hat – so wie “The Maze”, das McManus auf den Boden des Gefängnisses malte? Oder wie dasjenige, das an einem gewissen Armband zu sehen ist, welches Lincolns durch die Shapeshifter getötetem Partner gehörte? Woran soll man sich halten, wenn sich der Irrweg im eigenen Kopf, gar im eigenen Herzen befindet? Eigentlich sind solche Labyrinthe dazu gedacht, meditative Wirkung zu entfalten; sie sollen dabei helfen, zu einer Antwort oder überhaupt  zu sich selbst zu finden. Keeps you from floating away, wie Lincoln es ausdrückt. Oft liegt das Problem gar nicht in der konkreten Frage, vor der man steht – und erst recht nicht in der Gefahr, keine zufrieden stellende Antwort zu finden. Nein, das Problem liegt dazwischen. Es besteht darin, davonzuschwimmen, sich treiben zu lassen: Wenn das geschieht, beraubt man sich selbst der Möglichkeit, Land zu finden, aufs Trockene zu kommen, Wurzeln zu fassen.

Das Zuhause – das Herz: Fringe hat uns gelehrt, dass diese beiden nicht nur als Worte, sondern auch als Inhalte äußerst fragil sind, aber zugleich die einzigen verlässlichen Wände im Labyrinth unseres Daseins darstellen. So dass man vom Herzen zum Zuhause gelangen kann, indem man beides verbindet – indem man etwa ein Blatt Papier mit zwei Punkten (warum nicht einem roten und einem blauen?) so an den Rändern zusammenfaltet, dass die Punkte zusammenfallen. Dabei entsteht nicht unbedingt etwas Neues, sondern es kommt etwas zusammen, was sowieso zusammen gehört hat. Wie findet man aber heraus, wohin man gehört – oder zu wem? Nachdem Olivia (Anna Torv), Peter (Joshua Jackson), Astrid, Walter (John Noble) und Jean (die Walter und Peter mit FBI-Cap und -Überwurf zum Ausgang vorbereiten, um sie von ihrer angeblichen Depression zu befreien) als perfekte Familie zusammengefunden hatten, merkte man schon in der letzten Episode, dass Lincoln Lee außen vor steht, dass er nicht richtig dazu gehört bzw. dazugehören kann: Es gibt keinen Platz mehr für ihn. Der Wunsch der Fringe-Fans, mehr von Lincoln zu sehen, wird mit dieser neuen Episode erhört, indem man die in der letzten Episode eingefädelte Handlung weiterführt. Lincoln fühlt sich nicht am richtigen Platz, nicht gebraucht, nicht vermisst. Er überzeugt Broyles, an Astrids Statt ihn nach drüben gehen und mit dem “roten” Fringe-Team zusammenarbeiten zu lassen. Man sieht und fühlt buchstäblich, wie sich Lincoln im Labyrinth voranbewegt, Kurve für Kurve. Als er mit Fauxlivia Details des Falles besprechen will, meldet sich “der Fall” selbst: Mehrere Kriminelle wurden in letzter Zeit von einem Unbekannten getötet, und mit Hilfe ‚unseres‘ Lincoln gelangt das Team – trotz Rot-Broyles‘ Bemühungen, es zu vertuschen – zu der erschreckenden Enthüllung, dass es sich bei dem Mörder um einen Shapeshifter handelt. Die Verfolgungsjagd beginnt – und man kann wirklich behaupten, dass Welt-2 immer für Actionsequenzen gut ist! Während in Welt-1 mehr nachgedacht wird, wird in Welt-2 mehr gehandelt. Alles verläuft schneller. Natürlich wissen wir, dass auch andere Unterschiede existieren, wie zum Beispiel die Superhelden-Figur Mantis anstatt Batman. Allen Unterschieden zum Trotz jedoch können Welten zusammengehören, ohne einander zu überlappen oder gar auszuradieren. Rot und Blau können zusammentreffen und, wie die Farbe Lila, etwas Neues entstehen lassen – neue Partnerschaften, neue Zeiten, neue Wände im Labyrinth jedes Einzelnen. Herz-Wände: erinnert ihr euch noch an Paul Celans Gedicht, über das wir bezüglich Fringe schon einmal sprachen?

Denn – und hier visiere ich Lincoln an – man kann eine neue Wand finden, wo man bisher eine vermisst hat. Wenn wir auf das metaphorische Blatt mit dem roten und dem blauen Punkt vom Anfang des Artikels zurückkommen wollen, dann können wir behaupten, dass die Brücke, die die Welten zueinander aufgebaut haben, ein solches Zusammenfalten darstellt – denn tatsächlich: „Our world is healing“, sagt Walternate auf dem Bildschirm in Fauxlivias Auto; mehr und mehr mit Amber versiegelte Areale in Welt-2 können wieder geöffnet werden. Für die Menschen hier sind die Agenten aus Welt-1 Helden, während sie in der eigenen Welt mehr oder weniger heimlich, beinahe unsichtbar existieren. Vor solche Unsichtbarkeit sah sich auch ein gewisser Canaan gestellt, der jetzt als Shapeshifter herumgeistert und auf die Erfüllung von Jones‘ Versprechen wartet, ihn wieder “heil” zu machen. Canaan: Kaum vorstellbar, dass Fringe diesen Namen zufällig gewählt hätte. Viel zu dicht liegen in ihm – historisch-biblisch sowie etymologisch – Sehnsucht nach dem Gelobten Land (dem Zuhause!), Niedergeschlagenheit sowie die Farbe Lila – Rot und Blau – beieinander… Nachdem das Fringe-Team Canaan verhaftet hat, erzählt er Lee-1 von dem Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht aus dem Labyrinth herauszukommen, kein Zuhause zu finden. An diesem Punkt kehrt Fringe zurück zu der Frage, ob es nicht die kleinen Entscheidungen sind, die kleinen Schritte, die uns definieren und gleichzeitig voneinander unterscheiden. Das mehrmals wieder aufgenommene Gespräch zwischen den beiden Lees darüber, wie gleich ihr Leben verlief und wie unterschiedlich sie dennoch geworden sind – teilweise mit Fauxlivias Hilfe amüsant in Szene gesetzt -, unterstützt diese Fragestellung. Die Lincolns können ihr Gespräch nicht zu Ende führen, denn auf Broyles-2s Befehl versucht ein Scharfschütze, den Shapeshifter zu töten. Er trifft Lee-2 – tödlich, wie sich später herausstellt.  Ein hoher Preis dafür, an Nina heranzukommen? Denn mit Canaans Hilfe wird ihr Standort entdeckt: ironischerweise Fort Lee, New Jersey, wo sie denn auch verhaftet wird. Lincoln und Fauxlivia finden viel versprechende Beweise für und Spuren zu Jones’ Gesamtoperation, als die Nachricht von Rot-Lees Tod eintrifft.

Dieses Ereignis scheint für unseren Lincoln die letzte Biegung des Labyrinths zu sein, die ihn nach Hause bringt. Am Ende geht er zu Fauxlivia und bietet seine Unterstützung an, was auch und gerade bedeutet: seine Anwesenheit in Welt-2. Beide haben durch die Shapeshifter-Story einen Partner verloren. Können sie jetzt Partner sein? Ja. Vielleicht hat es das Fringe-Universum, das auf so faszinierende Art (erzählerische) Logik mit den Regungen des Herzens verbindet, so “vorgesehen”? Jede/r muss die Wand für sich finden, auch wenn sie sich auf einer Seite befindet, wo man sie nicht vermutet hätte. Es ist die Wand, die verbindet, anstatt zu trennen, die Wand des eigenen Herzens… Nur folgerichtig also, dass Olivia zu Beginn der Episode Lincoln das Labyrinth-Armband zurückgab: Sie braucht es nicht mehr, sie hat ihr Zuhause gefunden. Innerhalb derselben Logik kann Lincoln es am Ende der Episode an Canaan weitergeben, mit dem er die Seiten tauscht: Everyone in his/her right place…

Fringe: A Short Story About Love (4×15)

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Haben wir in den Fringe-Reviews nicht immer schon davon gesprochen, dass Fringe in seinem Kern eigentlich eine Erzählung über die Liebe ist und von Anfang an war? Liebe unterliegt keinen wissenschaftlichen Gesetzen, sie ist die Neuerfindung des Lebens im Sinne eines Unterschieds. Sie führt uns zur Grunderfahrung dessen, was den Unterschied im Leben ausmacht, und damit zu der Vorstellung, dass man die Welt vom Gesichtspunkt des Unterschiedes aus erfahren kann.

Das schreibt der französische Philosoph Alain Badiou in seinem Buch Lob der Liebe (2009) – das und noch mehr: “Wahrhaftig ist Liebe dann, wenn sie dauerhaft, manchmal unter Schwierigkeiten über die Hindernisse triumphiert, die der Raum, die Welt und die Zeit ihr in den Weg stellen.” Vor Olivia (Anna Torv) und Peter (Joshua Jackson) türmten sich beinah unüberwindbare Hindernisse auf. Ihr Überwinden führt nicht nur zu und zeugt von einer wahrhaften Liebe, sondern sagt auch allgemein etwas über die Liebe aus, die sich heutzutage in Gefahr befindet.

Man versucht gegenwärtig, entweder Liebe von vornherein risikofrei zu gestalten (sprich: die eigenen Interessen zu verfolgen) oder aber ihr die Wichtigkeit abzusprechen. Entweder ist man bemüht, sich auf die Liebe vorzubereiten, die Identität des potentiellen Liebespartners “auszuwählen” (wie im Online-Katalog zum Beispiel); man möchte die eigene Person dadurch vor Leiden schützen, den eigenen Blickpunkt auf die Welt sichern. Oder aber man reduziert die Liebe gleich auf den sexuellen Genuss. Die Angst vor Identitätsverlust entspringt der Auffassung, Liebe bedeute das Eins-Werden zweier Menschen. Doch Liebe ist von Beginn an eine Trennung, ein Unterschied, eine Zweiheit.

Die Liebesbegegnung besteht darin, den anderen, so wie er ist, mit mir gemeinsam existieren zu lassen. Man lernt dabei, dass man die Welt vom Unterschied aus erfahren kann und nicht nur von der eigenen Identität aus. Darin liegen Gefahren und Schwierigkeiten, aber darin liegt eben auch die einmalige Chance, die Welt buchstäblich mit anderen Augen zu sehen – auch die eigene Person. Laut dem Psychoanalytiker und Philosophen Jaques Lacan versucht das Subjekt in der Liebe, “Das Sein des Anderen” zu erreichen. In der Liebe geht das Subjekt über sich, über seinen Narzissmus hinaus.

Und die neue Fringe-Episode handelt nicht so sehr vom Überwinden der Schwierigkeiten, die Zeit, Universen und Raum Olivia und Peter in den Weg stellen, sondern vom Überwinden des jeweils eigenen Selbst.

Diese vierte Fringe-Staffel handelt von Peters Versuch, nach Hause zu kommen, in seine Welt zurückzufinden. Er sucht nach seiner Olivia. Aber wie es sich erweist, sucht sie auch nach ihm. Ihre Begegnung ist im Grunde unausweichlich, denn sie ist eine Liebesbegegnung, eine Zwei: Auch wenn Welten, gar Identitäten ineinander zu fließen drohen, ergibt Eins plus Eins noch immer Zwei. Das Ergebnis eines Paradoxes, eines identischen Unterschieds: Wenn man in einer Welt lebt und in das Gesicht desjenigen Menschen blickt, den man liebt, weiß man zugleich, dass dieser Mensch dieselbe Welt sieht und dass diese Identität Teil der Welt ist.

Beide sehen dieselbe Welt – doch sie sehen sie als vollständig, als Ganzes (= 1) mit dem jeweils Anderen darin, der ihr Sinn gibt. Das Bild wird vollständig, wenn man beide Seiten zusammenzählt: als Paradox eines identischen Unterschieds. Genau dann, wenn das geschieht, existiert die Liebe. Sie existiert in einem Strauß weißer Tulpen, vor dem Olivia am Anfang der Episode allein sitzt: in einem Restaurant, wo sie auf Nina wartet, um ihr von ihrer Liebe zu Peter zu erzählen. Sie spricht davon, von einer Welt zu wissen, die sie mit ihm zusammen erfahren hat und die nicht diejenige ist, in der sie ohne Peter lebte. Sie erinnert sich an eine Welt, die nicht existiert hat – von ihrer Position in “ihrer” Welt aus betrachtet. Aber ist diese Perspektive die richtige?

Olivias “eigene” Erinnerungen schwinden; ironischerweise wird sie zu einer Fremden in ihrem bisherigen Leben mit den Menschen, die sie kennt, mit denen sie aber die Erfahrung dieser Welt nicht teilt. Sehr bezeichnend für Olivias Reise ist ein Bild aus der Szene etwas später, als Walter ihr im Labor von dem Überwachungvideo erzählt. Die Kamera hatte er in einem Teddy versteckt, und als er sich ans Entziffern der Aufnahmen macht, steht Olivia für kurze Zeit ganz allein im Bild, mit dem Teddy im Arm. Das erinnert – so wie die weißen Tulpen – stark an “unsere” Olivia, an die Olivia, die ihrer Nichte Ella “Burlap Bear goes to the Woods” vorlas.

Ella fragte sie damals, ob es wirklich Monster gäbe. Olivia verneinte. Nun hat uns Fringe in den Fällen der Woche mit so vielen “Monstern” konfrontiert, dass Olivias Aussage falsch erscheint. Aber ist sie das wirklich? Denn hinter den allermeisten monströsen Akten, die von den so genannten “mad scientists” begangen wurden, stand die verzweifelte Suche nach Liebe. Auch Anson Carr (Michael Massee), der entstellte Wissenschaftler in dieser Episode, tötet Pärchen, die durch wahre Liebe miteinander verbunden waren. Er will einen Extrakt herstellen: den ultimativen Liebestrank. Was bringt Menschen dazu, einander zu lieben, so viel zu riskieren, sich so verwundbar zu machen? Ist Liebe so einfach festzuhalten, herausdestilliert in einem Tropfen Chemie?

Ein potentielles Opfer sagt zu Olivia: „It is a difference between loving someone and being in love with them.“ Die Kamera nähert sich währenddessen abwechselnd Olivia und Lincoln, indem der jeweils andere im Fokus steht, aber die beiden nie im Bild zusammenkommen. Liebe ist ein extremes Close-Up, und davon sehen wir viele in dieser Episode – als wollte man versuchen, diese Essenz im Bild festzuhalten, sie uns nahe zu bringen. So wie Carr sie in einem kleinen Tropfen festhalten will. In einer weiteren eindringlichen Szene mit Nina entscheidet sich Olivia, an der Liebe festzuhalten und nicht an “ihren eigenen” Erinnerungen an die Welt ohne Peter. Und Peter?

Er will zunächst nach New York, weg von Olivia, wie Walter es von ihm forderte; in Walters Augen erfüllt er damit eine Forderung, die vor langer Zeit Peter selbst auf Griechisch aussprach: ein besserer Mann zu sein als sein Vater. Nur geht Peter dabei von der Voraussetzung aus, dass diese Welt und diese Olivia nicht seine sind. Olivias Veränderungen sieht er – wie auch Walter – als ein Überschreiben ihrer “wahren” Identität. Eigentlich jedoch ereignet sich bei Olivia eine Rückkehr zu sich selbst, um die Liebe zu Peter leben zu können. Die Rückkehr zur vorherigen Normalität, die Peter ihr durch seine Abwesenheit ermöglichen will, hat er ihr mit dem Beginn seiner Anwesenheit bereits unmöglich gemacht.

Peters Augen werden zum wiederholten Mal von September geöffnet, den er aus der Verbannung zurückholt. September hat ihm seine Adresse hinterlassen – ironischerweise in Peters Auge. Mit Hilfe einer Art “Leuchttürmchen”, dessen Koordinaten Peter durch die Geräte in Septembers Koffer findet, taucht September auf, um Peter die Geschichte über die Liebe zu Ende zu erzählen: Peter sei längst zu Hause, und er habe nicht ausradiert werden können, da die Bindung zu den Menschen, die er liebte und die ihn liebten, zu stark war. „I believe you call it… love.“ Die Reise von Olivia und Peter scheint beendet: in den Armen des jeweils anderen. Nicht das Verschmelzen der Welten, nicht die Eins bildet das Ergebnis, sondern die Zwei, die den Unterschied / die Differenz gemeinsam erfahren…

Fringe: The End of All Things (4×14)

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Alles begann mit einem Zufall – mit einer Katastrophe, die letztendlich zu der Welt führte, in der wir gegenwärtig leben. So schreibt der Sci-Fi-Autor Stanislaw Lem. Die Verkettung katastrophaler Zufälle basiert genau genommen auf einem Fehler, könnte man sogar behaupten. Und dieser Fehler, der zur Entstehung unserer Universum-Nische beitrug, führte zu weiteren Fehlern. Ist die menschliche Geschichte also nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Fehlern? Wird sie von solchen Fehlern vorangetrieben? Die Fringe-Geschichte auf jeden Fall. Fehlerhaftigkeit nämlich macht Menschlichkeit aus – und natürlich auch der Versuch, diese Fehler wiedergutzumachen. Was aber bezeichnen wir als Fehler? Unlogisches, irrationales Handeln aus Liebe zu einem anderen Menschen zum Beispiel?

In der letzten Episode vor Fringes erneuter (und höchst unwillkommener) Winterpause erreicht die FOX-Serie einen weiteren Höhepunkt bei ihrer Untersuchung dessen, was uns als Menschen ausmacht: mit Echos aus der Vergangenheit und aus der Zukunft. Wieviel von uns gab es schon vorher? Und wieviel von uns wird bleiben, wenn es uns selbst nicht mehr gibt? Können wir die Welt und die anderen Menschen so gestalten, wie wir sie haben wollen? Wird die Welt von einer Kette unerfüllter Begehren vorangetrieben, die einander überlappen, sich aufeinander legen, gar einander erzeugen, in Gang setzen? Wenn man die unterschiedlichen Schichten abpellen könnte, sie wegradieren, sich durch sie zurückblättern – käme man dann zu einem Ursprung, einem Anfang, einem Original? Kommen wir so zu einer Erkenntnis?

Mehrere Olivias werden durchgeblättert, aber nur eine ist die richtige. Die gilt es zu finden. Zu ihr gilt es nach Hause zu kommen – für Peter (Joshua Jackson). Damit kommt er in dieser Episode tatsächlich zu einer Erkenntnis, und mit ihm wir Zuschauer: Peter ist ja so etwas wie unser Reisebegleiter. Walter vergleicht die Videoaufnahmen, die Lincoln und Peter in Olivias Wohnung sichern, mit einem Palimpsest: und dies ist gleichzeitig eine Metapher für Fringes Erzählung selbst. Diese Geschichte besteht immer wieder im Hinzufügen bzw. Entfernen von Schichten; sie blättert vor und zurück, um die Geschichte zu entlarven, um die Wahrheit zu erfahren über diese Menschen und über Menschlichkeit selbst: über das menschliche Empfinden. Wie es in einem Gedicht von Paul Celan (“Blume”, 1959) heißt: “Herzwand um Herzwand / blättert hinzu.” Bei allen Überschreibungen, Überlappungen und Verschiebungen bleiben Spuren zurück: Echos, die man noch sehen und hören kann. Es sind Bilder, die unter anderen verborgen liegen.

Ein “Entblättern” der Fringe-Welt wird Peter durch September geboten, der plötzlich in Walters Labor auftaucht: mit derselben Schussverletzung wie damals bei Olivia im Operhaus. Er muss Peter etwas Wichtiges mitteilen, verliert jedoch vorher das Bewusstsein. In Septembers Bewusstsein muss Peter also hinein, um mit ihm sprechen zu können. Dort drinnen erfährt er, dass die Observer Menschen sind, die aus der Zukunft kommen: „We are you“, erklärt September, „one of your possible futures.“ Je nach Blickwinkel könnte man sie sowohl The First People als auch The Last People nennen – ein Wissenschaftler-Team, das die Vergangenheit beobachtet, die zu ihnen geführt hat; die Observer sind in der Lage, in und außerhalb der Zeit zu reisen.

Ich habe es so verstanden: Damit “ihre” Zukunft eintritt, muss Peter nicht nur am Leben bleiben, sondern auch ein Kind zeugen, und zwar mit “seiner” Olivia anstatt mit Fauxlivia, wie es in Peters Zeitlinie geschah. September erzählt ihm von Henry, Peters Sohn, der nach Peters Einsteigen in die Maschine aufhörte zu existieren. Wir erfahren nicht, was genau die Observer mit ihren Beobachtungen und Zeitreisen bezwecken. Doch September bekräftigt, dass sein Fehler damals darin bestand, Walternate seine Bewunderung auszusprechen und ihn damit von seiner Arbeit abzulenken, so dass er das gefundene Heilmittel für seinen Sohn nicht als solches erkannte.

Septembers Fehler erweist sich damit als “Verbrechen aus Menschlichkeit”: Er gab der spontanen menschlichen Regung nach, Walternate seine Bewunderung persönlich, von Mensch zu Mensch, aussprechen zu wollen. Die Folgen dieses Impulses wieder in dasjenige Gleis zu bringen, das zur “richtigen” Zukunft führt, sorgte – wie wir wissen – für immer noch weitere Verschiebungen. Es muss also, sagt September, dazu kommen, dass Peter und Olivia ein Kind haben: ein gemeinsames Kind der zwei Universen. Das wirft natürlich eine Frage auf: Wenn September seinen Fehler nicht gemacht hätte – wie hätte es dann zu diesem Kind kommen sollen? Vorausgesetzt, September hätte Walternate nicht abgelenkt: Wie hätte dann Peter die Olivia aus dem blauen Universum kennen lernen sollen?

Während Peter mit September spricht, foltert Jones Nina vor Olivias Augen, um eine starke emotionale Reaktion hervorzurufen und damit Olivias Fähigkeiten zu aktivieren: Sie soll die Lämpchen einschalten, wie “unsere” Olivia es schon einmal tat. Alles wiederholt sich, ist das Gleiche – aber doch nicht wirklich. Denn diese Nina ist nicht Olivias Nina, sondern die von drüben. Und obwohl Olivias (Anna Torv) Erinnerungen im Grunde überschrieben sind, kann sie Ninas Spiel entlarven – wiederum aus Menschlichkeit: Die tiefen Gefühle, die sie für ihre Nina empfindet, wollen sich für die falsche nicht einstellen. Sie bringt Nina (Blair Brown) und Jones dazu, Peter zu holen, denn nur in seiner Gegenwart kann sie das vollbringen, was Jones von ihr will. In einer furiosen Szene aktiviert Olivia schließlich nicht nur die Lämpchen, was für Jones’ Mitarbeiter tödliche Konsequenzen hat. Trotzdem können Nina und Jones fliehen.

Das größere Problem für Peter besteht darin, dass seine Präsenz, sein Begehren, seine Sehnsucht nach seiner Olivia in dieser Olivia alle Lämpchen eingeschaltet hat: „I’m in love with you and I can’t just turn that off“, sagt sie, als er ihr mitteilt, sich getäuscht und erkannt zu haben, dass er nur mit seiner, mit der einen Olivia zusammen sein muss und will. Aber ist das möglich? Kann er zurück? Kann alles noch einmal überschrieben werden? Und zu welchem Preis? Denn jeder Eingriff hinterlässt Spuren, die neue Herzwände hinzu wachsen lassen… Hat Peter in seiner unerfüllten Sehnsucht, wie September, einen menschlichen Fehler begangen, der weitere Verschiebungen und Ungleichgewichte hervorruft?

Fringe: A Better Human Being (4×13)

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Wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich nicht, wie ich die Ereignisse und die vermeintliche Aussage dieser Episode bewerten soll. Einerseits geht eine “normale” Erklärung für Olivias (Anna Torv) Zustand absolut in Ordnung: die Folge einer heimtückischen Cortexiphan-Behandlung also, schlicht und einfach. Andererseits gefällt mir – um der Schönheit des Gedankens bzw. des Gefühls willen – besser die Vorstellung von Peter (Joshua Jackson), der durch seine bloße Anwesenheit und sein starkes Begehren nach Olivia und seiner Familie die Menschen zu verändern, anzupassen beginnt.

Aber bei Fringe ist nichts endgültig, und daher möchte ich nicht behaupten, den Plan der Autoren durchschaut zu haben. Wir müssen abwarten und sehen, in welche Richtung sich das Ganze bewegt, nachdem uns A Better Human Being mit einer Überraschung hat sitzen lassen. Nirgendwo gibt es, glaube ich, so viele Mad Scientists wie im Fringe-Universum! In dieser Episode befasst sich der Fall der Woche mit den Ergebnissen eines Experiments. Experimentiert hat Dr. Owen Frank: Mit Hilfe von DNA-Veränderungen versuchte er “bessere” Menschen zu kreieren.

Der Haken an der Sache: Bei den zahlreichen In-Vitro-Befruchtungen benutze er ausschließlich das eigene Sperma! Somit hat er nun eine Menge fast erwachsener Söhne, die gedanklich wie ein Bienenschwarm permanent miteinander verbunden sind. Jeder fühlt, was die anderen gerade fühlen. Sie versuchen, gemeinsam die eigene Existenz zu schützen – woraus mehrere Morde resultieren, als Journalisten über Franks Forschung berichten wollen. Einer der “Brüder”, Shawn, hat sich selbst in eine Anstalt begeben, um seine vermeintliche Schizophrenie behandeln zu lassen; er ist die einzige Verbindung des Fringe-Teams zum Rest des “Schwarms”. Während der Fall um Shawn und den Rest der Frank-Kinder eher unspektakulär beendet wird, spielt sich das eigentliche Spektakel in Olivias Kopf ab: Sie ist nicht mehr Amber-Olivia, sondern die Olivia, die wir und Peter kannten.

Walter vertritt nun genau die Position, die wir Zuschauer in den letzten Wochen einnahmen: Er wirft Peter vor, den Verlust nicht überwinden zu können und Olivia unbewusst verändern zu wollen, bis er “seine” Olivia wieder hat. Dagegen spricht zweierlei: Erstens scheint dies bei Walter nicht zu funktionieren; er bleibt verschont von Erinnerungen an ein gemeinsames Leben mit dem erwachsenen Peter. Zweitens erinnert sich Olivia an Tatsachen, die nicht einmal Peter bekannt waren – sie hat also direkten Zugang zu Olivias Erinnerungen, die Peter nicht auf sie projiziert haben kann.

Es bleibt folglich eine andere Möglichkeit: Cortexiphan, Massive Dynamic und Nina Sharp. Mir gefiel der Wechsel zwischen den Szenen, als Walter (John Noble) Nina besucht und zugleich Peter und Olivia interagieren – gegen Letzteres scheint Walters Versuch, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, geradezu unwichtig… Shawns Schicksal kann durchaus mit Olivias verglichen werden, was hieße: In vielen Zeitlinien leben unterschiedliche Olivias, die miteinander verbunden sind und diese Verbindung unter bestimmten Umständen (Cortexiphan) intensiver spüren – bis hin zur möglichen Überlappung.

Peter gibt am Ende der Episode auf und ist bereit, die gegenwärtige Olivia als seine zu akzeptieren, aber Fringe gönnt diesen beiden – egal, in welchen Variationen – das Zusammensein nicht: Kurz darauf wird Olivia anscheinend aus dem Supermarkt entführt; wir sehen sie zum Schluss gefesselt in einem Raum sitzen… mit Nina Sharp, die ebenfalls dort festgehalten wird. Gleichzeitig jedoch sehen wir Walter in Ninas Anwesenheit herausfinden, dass die Cortexiphan-Bestände in Massive Dynamic verschwunden sind und durch eine andere Flüssigkeit ersetzt wurden. Welche Nina ist nun welche? Und wo werden die beiden Frauen festgehalten?

Fringe: Welcome to Westfield (4×12)

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Welcome To Westfield? Eigentlich mehr Welcome To Fringe. Denn was Fringes Erzählung betrifft, die meiner Meinung nach zu den schönsten der TV-Welt gehört, gleicht diese Episode einer kleinen Offenbarung. Wir haben schon in den letzten Reviews darüber spekuliert, was es mit dieser neuen Zeitlinie auf sich hat; mit den Figuren der Amber-Welt gingen wir bisher davon aus, dass Peter nach Hause muss (und wir mit ihm), zurück zu seinen geliebten Figuren.

Aber allmählich erscheint die Amber-Welt gar nicht mehr so anders als die blaue, die wir kannten. Waren sie wirklich unterschiedlich? Wenn Fringe, wie schon letzte Woche erwähnt, die Geschichte eines Jungen bzw. eines jungen Mannes erzählt – Peter -, der sich eine Welt zu erschaffen versucht, in der er sich zu Hause fühlt, umgeben von Menschen, die ihn lieben und die er lieben kann, dann sind Walters und Olivias Veränderungen nur logische Anzeichen für das Gelingen dieses Versuchs. Peters Anwesenheit verursacht sie! Natürlich beinhaltet diese Anwesenheit ein ernstes Problem für die Observer, falls sie diejenigen sind, die über Zeit und Raum wachen – darüber, was wir Schicksal nennen.

Denn daran gemessen, darf Peter nicht existieren, in keinem Universum. Er muss schon als Kind gestorben sein. Dennoch scheint die Trauer der Hinterbliebenen über den Verlust Peters, scheint die Liebe und die Sehnsucht nach Liebe – ganz egal, ob man sie gibt oder bekommt – Peter immer wieder neu zu erschaffen, ihn zurückzubringen; und er erschafft seinerseits die Welt, seine Welt. Mehr und mehr wird Walter zu dem Walter, den Peter (Joshua Jackson) und wir aus der blauen Welt kennen, und mit Olivia (Anna Torv) geschieht das gleiche.

Peter muss eigentlich nirgendwohin zurück: Zuhause ist man dort, wo man es sich einrichtet. So kommt das Zuhause zu Peter, nicht umgekehrt. Mit in Blau getauchten Bildern eröffnet die neue Episode: Olivia und Peter im Bett, verfangen in einem blau illuminierten Spiel verschobener Umrisse und Liebkosungen. Sie flüstert „I love you“ und erhält von Peter die Bestätigung seiner Liebe zu ihr.

Zum zweiten Mal in dieser Staffel bekommen wir einen Traum zu sehen, in dem die beiden ein romantisches Miteinander genießen. Dieses Mal aber träumt ihn nicht Peter, sondern Olivia. Peters Anruf unterbricht das Träumen: Er teilt Olivia mit, dass Walter (John Noble) und er bei ihrer Arbeit an der Maschine Fortschritte machen und ihn vielleicht schon bald nach Hause schicken können. In dieser Episode erleben wir bei Olivia und Walter Traurigkeit über Peters mögliches Verschwinden aus ihrem Leben.

Die Erinnerungen und Gefühle “unserer” Olivia scheinen Amber-Olivia zu überkommen; nicht nur erinnert sie sich an Fälle, die Olivia und Peter im blauen Universum zusammen bearbeitet haben, sondern gibt sich selbst am Ende der Episode als “unsere” Olivia. In ihrem Fall scheint die Verwandlung nicht dem Aufenthalt in dem kleinen Städtchen namens Westfield geschuldet zu sein, wo plötzlich magnetische Felder alles außer Rand und Band geraten lassen – Einwohner inklusive. Wer einmal in Westfield eingetroffen ist, kann nicht mehr weg, wie Peter, Olivia und Walter schnell feststellen müssen.

Ja, Walter verlässt sein Labor, um mit Peter zusammen am Tatort arbeiten zu können – und er genießt die Zusammenarbeit in vollen Zügen! Auch ein Stück Kuchen im Westfield-Diner genießt er. Oder auch nicht? Denn dem Betreiber ist nicht zu trauen. Es scheint, als glitten den Bewohnern ihr Selbst, ihre Identität davon. Ihre Körper müssen plötzlich zwei Ichs beherbergen, denn anscheinend ereignet sich eine Überlappung zwischen den Universen: Sie verschmelzen an diesem Ort zu einem… Nichts, unter Freisetzung gewaltiger, zerstörerischer Energien.

Man vermutet David Robert Jones’ Finger im Spiel. Zwar offensichtlich, aber trotzdem sehr gelungen werden die Ereignisse in Westfield als Metapher für die Ereignisse in der FOX-Serie selbst präsentiert. Die neue Zeitlinie wird mehr und mehr zu Peters Zuhause. Empfindet auch er das so? Und welche Pläne verfolgen Nina und Jones? Was ist mit den Observern? Fragen über Fragen, die in Fringe-Fans dasselbe Gefühl gegenüber der Serie erwecken wie jenes, das Olivia in Peter weckte: „A place to call home.“