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Fringe: Through The Looking Glass And What Walter Found There (5×06)

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Walter Bishop im Wunderland. Eigentlich wird er immer schon in einem Wunderland gewesen sein. Die sechste Fringe-Episode kann man als eine “pocket episode” bezeichnen, die von einem “pocket universum” handelt. Walter findet auf den alten Videobändern seine eigenen Anweisungen, wie man zu diesem Universum in dem Universum gelangt. Dort soll etwas Wichtiges versteckt sein. Für den “neutralen” Zuschauer ist vermutlich diese Episode eine weitere Verwirrung, aber für den Fringe-Zuschauer ist sie eine Art Offenbarung. Natürlich soll sie die Handlung vorantreiben, aber ist bei Fringe dieses Die-Handlung-voran-Treiben nicht über sich selbst zu reflektieren? Wie soll man voran kommen, wenn man nicht weiß, wer man ist und wo man ist? Im letzten Review haben wir darüber gesprochen, wie sehr Peter in Walters Fußstapfen zu treten droht und diese Episode macht es noch einmal deutlich, was das bedeutet.

Wenn man einen Schritt zurück tritt und aus einem anderen Winkel die Bilder betrachtet, kopfüber – genauso wie in dem Pocket-Universum ein Van Gogh kopfüber hängt-, sieht man Fringe und Walter gleichzeitig die Wahrheit über sich selbst offenbaren. Was die FOX-Serie geschaffen hat, ist ein Pocket-Universum innerhalb des TV-Universums mit seinen Regeln und Gesetzen. Alle Türen in Walters Universum haben Glyph-Symbole. Das sind die Türen zu einzelnen Handlungssträngen in der Serie, zu den unterschiedlichen Themen und Motiven.

Gleichzeitig ist das Pocket-Universum Walter selbst auf der Suche nach einer Lösung für jedes Problem und mit den ständigen Verschiebungen kämpfend. Aber sowohl für Walter als auch für Fringe gilt, was Walter zu Peter und Olivia, als sie eintreffen, sagt: No dead end! Das bezieht sich zwar auf eine Wand, die nur ein Ende simuliert, aber auch eigentlich auf die Probleme, mit welchen die Figuren zu kämpfen haben. Außerdem weiß man – das Universum ist an sich unendlich. Die Autoren lassen hier auch die so genannte “marble theory” aus den 70ern einfließen: “What if there’s a universe inside a universe?” Man sieht, bevor Peter in Walters Universum geht, kurz im Bild zwei Murmeln, die danach plötzlich verschwinden.

Vielleicht befindet sich diese Fringe-Episode innerhalb von Lewis Carrols “Alice” und innerhalb von Fringes “Through The Looking Glass And What Walter Found There” steckt wiederum Losts “Through the Looking Glass” (Season 3, Episoden 22 und 23) oder umgekehrt?
Nicht vergessen: 4+1+3 = 8
Auch der Satz “You’re the friend of the red-head on level 4” aus den Videoaufnahmen wirft Fragen auf hinsichtlich der Tatsache, dass im roten Universum dort die Wohnung von Fauxlivia war bzw. ist…

Mysteriös bleibt außerdem Donalds Identität, der anscheinend damals die Kamera hielt, als Walter sein “Pocket-Universum” betrat, um dort Lil’ O, das Kind aus der Episode “Inner Child” zu verstecken. Aber wie Olivia, Peter und Walter feststellen, ist das Kind nicht mehr da. Eigentlich sind 20 Jahre vergangen, aber die Zeit ist im Pocket-Universum “anders” – dort sind nur paar Tage vergangen. Walter trifft dort auf Cecil, einen Mann, der zufällig hinein geschleudert wurde und dort gefangen blieb. Er behauptet seit vier Tagen dort zu irren.

Als die Observer das Pocket-Universum stürmen, wird Cecil umgebracht, aber der Rest kann dank Peter neuen “Observer”-Fähigkeiten fliehen. Diese Fäihgkeiten bleiben aber unsers und Peters Geheimnis, denn Olivia und Walter sehen nicht, wie er einen Observer tötet. Die Frage ist, was wirklich mit Peter passiert? In was verwandelt er sich?

Lasst mich ein paar Spekulationen los werden (ohne die Episode 7 gesehen zu haben): Lil’ O ist nicht in dem versteck, aber dort finden Walter & Co. ein Radio, das dort nicht funktioniert, aber “draußen” empfangsbereit scheint. Die Frequenz, wenn ich mich nicht täusche, lautet 6khz und wir erinnern uns an die Episode aus der dritten Staffel namens 6995khz. Welche Nachricht wird kommen? Eine vom September vielleicht? Ist Lil’ O September geworden? Ist vielleicht mit ihm Ähnliches passiert, wie mit Peter? Andererseits versteckt sich “Peter” als Wort im “September”…

Am Ende der Episode teilt Walter Peter mit, dass er auf seiner Suche nach einem Ausweg genau das gefunden hat, was er nicht will, nämlich den alten Walter, den Wissenschaftler, der menschliche Opfer in Kauf nimmt:
“I’m losing the man that you helped me become,” sagt er zu Peter, genau als dieser die Umgebung mit den Augen eines Observers sieht – mit kalkulierenden, elektrische Impulse empfangenden Augen… Wie geht es weiter? No dead end:
Aus diesem Wunderland kommt man nur durch ein Wunder des Herzens!

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Fringe: An Origin Story (5×05)

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In Milan Künders Roman “Die Langsamkeit” beschreibt der Autor, dass wenn man sich an etwas erinnern möchte, der Mensch langsamer geht und wenn er vergessen möchte schneller. Diese neue Finge-Episode, die sich um den Umgang mit Ettas Tod dreht, demonstriert genau das. Nicht nur ist der Umgang seitens Peter und Olivia ein anderer, sondern Olivia will sich erinnern und Peter will in seiner Wut alles für einen Augenblick der Rache vergessen. Aber der Schmerz ist Teil der Liebe, auch wenn man heutzutage bemüht ist die Liebe sicher zu machen – Partner per Internet-Katalog auswählen und lieber keine Kinder bekommen.

Der Verlust ist auch Teil der Liebe – Walter musste diese Lektion lernen und er ist verbittert zu sehen, dass im Grunde Peter den Weg des Vaters gehen will. Darin besteht die Schönheit der dramaturgischen Wendung, die in dieser Staffel von den Autoren vollbracht wurde. Sie opferten Etta, um die Fringe-Erzählung genau zu diesem unerwarteten schmerzvollen Punkt zu bringen, an dem sie schon einmal war: Ein Vater muss sich entscheiden, entweder mit dem Verlust zu leben, ihn als Teil des Lebens und der Liebe zu akzeptieren oder die Welt zu verändern, die für diesen Schmerz verantwortlich ist.

Und wie wir wissen, sind solche Änderungen katastrophal. Als der Widerstand herausfindet, dass die Observer dabei sind, Maschinen aus der Zukunft zu holen, um damit schneller  die Atmosphäre zu zerstören, entscheidet sich Peter ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der Widerstand hält einen Observer gefangen und sie haben eins der Geräte, die die Zeitreise ermöglichen in die Hände bekommen. Für Peter heißt es dann – das Geräte zum Laufen zu bringen und  eine Dosis Antimaterie Richtung Zukunft zu befördern, so dass ein Schwarzes Loch entsteht.

Aber Peter ist eigentlich derjenige, der in das metaphorische schwarze Loch fällt. Der gefangene Observer erinnert ihn daran, dass man zwei Gräber vorbereiten soll, wenn man sich auf den Rachepfad begibt. Peter macht trotzdem mit Hilfe einer speziellen Verhörmethode weiter. Diese Methode erlaubt ihm die Pupillen-Reaktionen des gefangenen Obsevers zu lesen und so zum Zusammenstellen des Geräts zu benutzen. Währenddessen versucht Olivia nicht zusammenzubrechen. Man kann buchstäblich sehen, die Minute für Minute die Erkenntnis immer tiefer hinein sickert, was in ihrem Leben gerade geschehen ist. Sie braucht etwas, um such festzuhalten, um nicht einfach davon zu gleiten. Walter ist derjenige, der ihr das anbietet: Es ist eine Videokassette mit einer von Ettas Geburtstagspartys. Was Walter Olivia gibt ist der Schmerz, an den sie sich festhalten soll: “The pain is her legacy to you both. It’s proof that she was here.”

Olivia nimmt zunächst die Videokassette nicht, denn sie sieht das als eine Art Beweis, dass Etta tatsächlich weg ist. An diesem Punkt demonstriert Finge sehr schön die Komplexität und gleichzeitig die Grausamkeit der Liebe.  Etwas später sieht Olivia überall Plakate mit Ettas Gesicht darauf und den Worten: Resist! Am Ende schaut sie sich doch die Aufnahmen an und ihre Hand berührt den Bildschirm, berührt Ettas Lächeln, wie wenn sie sich daran festhalten will, während Peter immer weiter weg gleitet. Wir sehen, dass er – so wie sein Vater damals – den erschrecken Schritt macht. Er holt aus dem Nacken des Observers ein Implantat heraus und setzt es bei sich ein…

Wie viel Hilfe und wie viel Schaden diese Tat mit sich bringen wird? Olivia ruft Peter an und bittet ihn darum zu ihr zu kommen. Sie braucht ihn, aber … er braucht sie in diesem Augenblick viel mehr, um nicht beim Versuch den Schmerz auszulöschen in ihm zu verschwinden.

Fringe: The Bullet That Saved The World (5×04)

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Blau, Rot, Grün und Gelb. Wer erinnert sich an das Spiel “Simon Says”, dessen erste elektronische Version im Jahre 1978 auf den Markt kam? Es ist das Jahr, in dem Peter Bishop geboren wurde. Fringe liefert mit dieser Episode einen sehr subtilen und trotzdem deutlichen Beweis, wie sehr alles in dem Universum miteinander verbunden ist. Das Spiel sehen wir am Anfang der Episode, als Peter in einem Laden neue Halskette für Etta zu erwerben versucht, nur um von einem Observer entlarvt zu werden.

Als etwas später Broyles die Szene betritt, ist Windmark schon da und drückt etwas hektisch auf die Spieltasten. Alle Farben leuchten in einem wilden Durcheinander. Aber ist es wirklich wahllos? Oder kann Windmark einfach nicht die richtige Reihenfolge finden? Simon Says ist eigentlich ein Memory-Spiel und wir haben im Review zur letzten Episode viel über die Erinnnerung-Problematik gesprochen. Wer sich richtig erinnern kann, der wird das Spiel gewinnen!

Auf der einen Seite kann das ein Hinweis zu dem Wiedererlangen von Walters Plan gegen die Observer sein und auf der anderen fordern die Fringe-Autoren die Zuschauer auf, sich zu erinnern. Das Spiel wurde zum ersten Mal in der Episode “Inner Child” von Ella, Olivia und Rachel gespielt. Außerdem, wenn ich mich nicht täusche und sich die Fringe-Wiki nicht täuscht, dann hatten wir drei Simons bis jetzt: Simon Foster, Simon Paris und Simon Phillips.

Der erste opferte sich für das Team und für die Hoffnung in Letters of Transit, der zweite entfernte Walters Erinnerungen (Grey Matters) und der dritte war ein Cortexiphan-Kind, das Gedanken lesen konnte. Fringe pendelt zwischen Erinnern und Vergessen. Manche Sachen kann und darf man nie vergessen, wie zum Beispiel – Liebe. Warum riskiert Peter viel, um neue Halskette zu holen. Was ist der Sinn der Kette? Auf diese Fragen von Windmark antwortet Broyles trocken: “Its purpose? You wear it.” Aber als Windmark Etta am Ende der Episode die tödliche Kugel verpasst, entreißt er ihren Gedanken die Antwort: Aus Liebe!

Fringe ist als Serie ein Labyrinth aus Erinnerungen und die Liebe ist die einzige Navigation, die man hat. Auch durch Walters Erinnerungen muss man navigieren, um zu einem Gesamtbild zu gelangen. Die Videokassette schickt in dieser Episode das Team zu der Penn Station, wo Walter als Kind seine Detectiv-Comics versteckte. Aber um dorthin zu gelangen, müssen sie an einem Checkpoint vorbei. Also nimmt Walter sowohl das Team als auch uns Zuschauer auf eine weitere Reise in die Vergangenheit, in unsere Erinnerungen daran: “Astriff! Prepare the laser!” Unter dem Labor befindet sich Walters Sammlung von Fringe-Events.

Dort hat er Andekne von jedem bearbeiteten Fringe-Fall: “My porcupine-man!” Walter ist auf der Suche nach der passenden Fringe-Waffe gegen die Bewacher des Checkpoints und findet sie auch. Wir erinnern uns an das Gas, das Nase, Augen und Mund “zusammenklebte” und das Gesicht in eine zusammen geschmolzene Masse verwandelte? Das ist, was das Team verwendet, um an Walters Versteck und das nächste Puzzlestück (einen Plan, den er wahrscheinlich von September hat und zunächst nicht dekodieren kann) heranzukommen.

Übrigens: Walters Lächeln und “you electrocuted me” zu dem Observer, als ein kleiner Rauchfaden aus seinem Ohr hochstieg, war Situationskomik pur. Die Heiterkeit und die Herzlichkeit in Erinnerung an die “alten” Tage setzten sich fort, als Etta dem Team Broyles vorstellt, der als Inside Man für den Widerstand arbeitet.  Sein “Agent Dunham” und Olivias Antwort “Philip” gehören zu einem der schönsten Momente in dieser Staffel. Aber der bisher traurigste Augenblick ist Ettas Tod am Ende, obwohl wir die Figur nicht so lange kennen. Trotzdem ist ihr Abschied für die Zuschauer ein qualvoller, vor allem angesichts Peters und Olivias bisheriger Reise.

Jetzt ist die Kugel von Ettas Kette wieder in Olivias Besitz. Hat sie damit ihren Bestimmungsort erreicht oder wird sie ihn noch erreichen müssen? Wird es die Kugel sein, die die Welt rettet? ist es eine und dieselbe Kugel, die vielleicht Olivia tötete? Oder ist es diejenige, die in Ettas Brust steckt? Walter sagt auf einer der Aufnahmen: “Accept the reversibility of all phenomena.” Bezieht sich diese Aussage auf Ettas Tod oder ist sie nur eine generelle über die Fringe-Welt, oder beides?

Fringe: The Recordist (5×03)

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Nachdem ich vor langer Zeit den David Lynch-Film Lost Highway sah, setzte sich ein Satz in meinem Gedächtnis fest, der ungefähr so lautete: Ich mag mich an die Ereignisse erinnern, wie ich mich erinnere und nicht wie sie tatsächlich geschehen sind. Der Protagonist macht diese Aussage gegenüber einem Polizisten als Antwort auf die Frage, ob er eine Videokamera besitze. Erinnerungen werden nicht so sehr von dem erinnerten Ereignis geprägt, sondern von der Art, wie man sich daran erinnert und diese Erinnerung zum Ausdruck bringt.

Wie hat man das eigene Handeln im Gedächtnis festgehalten? Als mutig oder als kaltherzig? Das sind die Fragen, um die sich die dritte Episode dreht, sowohl was die Haupthandlung betrifft, als auch den Fall der Woche. Eine von Walters Aufnahmen schickt das Team in die Wildnis von Pennsylvania, wo vor vielen Jahren Walter etwas Wichtiges gesucht haben soll, um seinen Plan gegen die Observer voran zu bringen. Aber was das Team als Erstes dort findet, sind andere Menschen, die weder zu den Loyalsten noch zu dem Widerstand gehören.

Sie sind Archivare. Sie dokumentieren die Ereignisse aus ihrer Perspektive, der der Verlierer. Im Grunde haben sie den Status  von Beobachtern, nachdem die Welt von den Observern überrannt wurde. Edwin Massey ist der Haupt-Archivar und er genauso wie die anderen leiden unter einer unbekannten ansteckenden Krankheit, die ihre Haut wie die von Schlangen oder Eidechsen aussehen lässt. Walter kann schnell feststellen, dass der Grund für die Erkrankung die Strahlung ist, die aus der alten Goldmine in den Wäldern kommt. Ausgerechnet dort befinden sich bestimmte Art Steine, die Walter vor zwanzig Jahren, bei seinem letzten Besuch mitnehmen wollte.

Wir erfahren, dass er mit einem Mann namens Donald verabredet war, aber mehr Informationen über ihn bekommen wir nicht. Die Geschichte von Edwin und seinem Sohn River ist vielleicht etwas melodramatischer, als von Finge gewöhnt und die Spannungskurve der Episode funktioniert nicht ganz (Observer entdecken den Standort, der Widerstand warnt das Team und Edwin opfert sich in letzter Sekunde), aber die Szenen zwischen Olivia und Peter mit ihrem Bezug auf das Thema der Episode machen die kleinen Schwächen wieder wett. Es geht, wie schon gesagt, darum, wie man Geschichte erinnert.

Während Edwin alles nur sammelt und ordnet, also möglichst objektiv speichert, katalogisiert, hält sein Sohn die Geschichte in seinen Comic-Zeichnungen fest und gibt ihr damit mehr Dynamik, Emotion und dramatische Nuancen. Auch Olivia erinnert die nahe Vergangenheit anders als Peter. Die Zeit, nach Ettas Verschwinden hat Peter mit Bewunderung im Gedächtnis behalten, weil Olivia die Kraft hatte den Widerstand zu unterstützen und für die Welt zu kämpfen. Aber Olivia, wie wir hören, hat es als Schwäche in Erinnerung. Ettas Verschwinden sah sie als eine Art Strafe für ihre Entscheidung Mutter zu werden, ein “normales” Leben führen zu wollen. Wo Peter eine mutige Frau sieht, die trotz Trauer weiter kämpft, sieht Olivia sich selbst als voller Entsetzen, Kälte und Unentschlossenheit.

Welches Empfinden ist das richtige? Gibt es überhaupt ein “richtiges” Erinnern? Diese Fragen gelten nicht nur der Vergangenheit dieser Fringe-Welt, sondern aller Welten, die wir bisher sahen.

Fringe: In Absentia (5×02)

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Oberflächlich betrachtet, kann man sofort behaupten, dass es in Fringes letzter Staffel darum geht, die Welt zu retten, die Observer zu besiegen. Aber In Absentia demonstriert sehr geschickt und subtil die Nuancen, die in dieser Prämisse mitschwingen. Welche Welt rettet man? Und auf welche Art und Weise? Fringes Geschichte war immer schon die Geschichte des Anderen. Ohne sie zu kennen, kann man den Anderen und sich selbst nicht retten. Und manchmal ist die Geschichte die Abwesenheit von … Geschichte. In dieser neuen Welt ist Etta ohne ihre Eltern aufgewachsen.

Sie ist Teil der Geschichte dieser Welt, während Peter und Olivia abwesend waren. Und sie erleben ihr kleines Mädchen, das nicht mehr mit Löwenzahn spielt, sondern bereit ist, einem Feind, dem gefangenen Loyalisten, seiner zukünftigen Geschichte zu berauben. Mit einer Foltermaschine stiehlt sie Jahre seines Lebens, damit er redet. Etta ist in den Augen ihrer Eltern aber immer noch das kleine Mädchen auf der Wiese. Die Diskrepanz ergibt sich aus dem Fehlen. Olivia kritisiert Ettas Handlungen nicht offen, sondern erinnert sie nur daran, dass sich hinter jeder Bezeichnung (in dem Fall “Loyalist scum”) eine Geschichte verbirgt.

Vielleicht kam der Loyalist tatsächlich nur um die Vögel zu füttern? An dieser Stelle spielt Fringe ein doppeltes Spiel. Auf der einen Seite gibt man Olivia Recht, aber auf der anderen auch ihrer Tochter. Die Erzählung des Gefangenen ist eine rührende, aber eine vom Inhalt her falsche. Er würde alles erzählen, um am Leben zu bleiben. Aber – und hier behält Olivia Recht – er ist ein Niemand, keine Gefahr. Die Tragik ergibt sich genau aus dieser falschen Erzählung. Am Ende lässt ihn Etta laufen und verkündet Oliva: “I’m on my way back!” Dieser Satz bedeute auch mehr, als er ist. Etta kehrt zurück zu dem kleinen Mädchen, zurück zu ihren Eltern.

Sie sagt, dass der Mann in Olivias Augen Schwäche sah, aber es war Gewissheit. Was Etta in den Augen ihrer Mutter sah, war Mitleid. Damit bekommt die Frage nach der Rettung eine weitere Nuance. Der Schlüssel zu der eigenen Freiheit befindet sich manchmal im Blick des Anderen. Dieses Thema wird fortgeführt innerhalb des Plots, als Walter und Peter das Auge eines Schweins benutzen, um das von dem Loyalisten nachzumachen. Denn sein Auge ist der Schlüssel, um sich Zugang zu verschaffen. Dazu verschafft sich Walter auch Zugang zu einer Videokassette in dem Amber, um seine eigenen Hinweise auf den Plan zu rekonstruieren.

Es sieht danach aus, als wird die Handlung dieser Staffel aus dem Suchen und Finden des nächsten Puzzelstücks finden, womit man auch wieder eine Fall-der-Woche-Struktur bekommt. So wie Walters Gedanken zerstreut sind, sind es auch die Hinweise auf den Plan gegen die Observer. “Disorder” gegen “The Future In Order”…

Fringe: Transilience Thought Unifier Model-11 (5×01)

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Ich möchte mich für das Verspäten des Reviews entschuldigen und werde mein Bestes geben, um alle Fringe-Reviews möglichst schnell nachzuholen.
Mit jeder neuen Staffel bekommt man als Fringe-Zuschauer den Eindruck in eine weitere neue Welt eingeführt zu werden. Aber diese Welten sind nur Vorwand. Sie sind mögliche Szenarien, dank welcher man alles immer und immer wieder auf die Probe stellt. Und mit “alles” ist die Liebe gemeint. Denn so sehr sich Fringe mit Sci-Fi-Themen beschäftigt und einen Kampf der Universen inszeniert, ist es letztendlich ein Kampf um die Liebe. Ohne Liebe stirbt jedes Universum einzeln und mit ihm sterben die anderen. Denn Leibe heißt  Verbindung. Ohne Liebe wird es kein blondes Mädchen geben, dass zwischen den Pusteblumen spielt.

Was den persönlichen Geschmack betrifft, gefällt mir die neue Observer-Welt und die Rolle der mysteriösen Männer aus der Zukunft nicht so sehr, aber es ist Mittel zum Zweck. Dasselbe kann man auch über das Benutzen von Walter Bishops Gehirn, um eine Plot-Landkarte zu schaffen. Es fehlen wichtige Informationen, an die er sich nicht mehr erinnert und aus diesem Grund muss man sie erneut sammeln. Die Figuren sind wie Hänsel und Gretel, die den Weg nach Hause suchen – Stein für Stein oder soll man besser sagen: Pusteblümchen für Pusteblümchen.

Als “Transilience Thought Unifier Model-11” beginnt, befinden wir uns mittendrin in der von Observern kontrollierten neuen Welt. Es sind eine Handvoll Widerstandskämpfer, die gegen die neue Macht etwas zu unternehmen versuchen. Die Doppelagenten-Rolle hat aber Henrietta Bishop, das kleine Mädchen aus Peters Traum, seine Tochter. Übrigens wir haben in dieser Episode zwei Mal die geträumte oder besser gesagt erinnerte Situation, wie die Observer-Invasion anfing. Die Welt, wie sie existierte und in der die Bishops endlich eine glückliche Familie waren, wurde plötzlich weggepustet, wie die schon erwähnte Blume, die wir in den Flashbacks in Ettas Hand sehen.

Was die Episode macht, ist die einzelnen Teile im Verlauf von Walters und Olivias Rettung zusammen zu bringen. Als Etta bei der Invasion verloren ging, ging auch etwas zwischen Peter und Olivia verloren. Während Olivia und Walter sich der Widerstandsbewegung anschlossen, machte sich Peter auf der Suche nach Etta. Interessanterweise ist sie jetzt diejenige, die  ihre Eltern findet und möglicherweise zusammenbringt. Olivia musst für kurze Zeit die Rolle von Schneewittchen übernehmen, als sie der Bibliothekar Edward Markham von den “amber gypsies” kaufte und in seinem Wohnzimmer hinlegte, um sich selbst in der Rolle des Prinzen zu imaginieren. Aber in der Fringe-Erzählung kann es für Olivia nur einen Prinzen geben, nämlich Peter. Nur für Wiedererwachen der Liebe bleibt im Moment keine Zeit.

Olivia: “We didn’t save the world?”
Peter: “Not even by half.”

Auch der “thought unifier” von September erweist sich als nutzlos nachdem die Observer Walter einer “Gedanken-Folter” unterziehen. Walter verliert die Gedanken, die zu einem Plan gegen die Observer zusammen gepuzzelt werden mussten. Diese erste Episode der neuen und letzten Fringe-Staffel endet wie sie anfing: Mit einer Pusteblume! Der verzweifelte Walter wandert zwischen den Ruinen dieser Welt und die Spiegelung des Sonnenscheins durch eine Skulptur aus alten und kaputten CDs führt ihn zu einem Auto, in dessen Musikanlage er eine der CDs reinlegt. Es ist Yazoo’s “Only You” und wer ganz genau das Bild betrachtet wird auch eins der Fringe-Symbole darin entdecken. Betäubt von dem Musikgenuss wandert Walters Blick (und damit auch unser) zu einem Löwenzahn, das allein inmitten von dem Bruchgestein wächst. Das Ende ist der Anfang.

Dazwischen befindet sich die Liebe, die gleichzeitig auch Sinn ist: Zwischen dem kleinen Mädchen, für das eine Pusteblume zum Pusten da ist, und dem alten Mann, für den sie Hoffnung (in Gestalt eines kleinen Mädchens) bedeutet…