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Dollhouse: Review zum Start der zweiten Staffel (2×01)

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Dollhouse bleibt auch in der zweiten Staffel eine schwere Kost für mich. Ich kann mich mit der Serie nicht anfreunden. Trotzdem war die Episode ein guter Start in die neue Season, vor allem dank Amy Acker.

Dollhouse steht nach wie vor unter keinem guten Stern – etliche Autoren haben die Serie verlassen und Amy Acker, die die mit Abstand stärkste schauspielerische Leistung liefert, wird auch nur in drei Episoden zu sehen sein. Als Dollhouse’ Zukunft noch ungewiss war, nahm sie eine Hauptrolle in einer anderen Serie an.

Aber vielleicht haben alle einfach keinen Bock mehr auf das Dushku-Whedon-Getue. Denn mag der berühmte Autor seine Frontfrau noch so viel lieben und schätzen, sie bleibt absoluter Durchschnitt und ist gut nur in den Kampfszenen. Die Serie zu tragen – das ist nichts für sie.

Was für eine Serie ist aber Dollhouse? Die Frage kann ich nicht wirklich beantworten und auch nicht bestätigen, ob sich Dollhouse insgesamt gesteigert hat oder nicht. Die Serie hat gute Momente und die sind dann, wenn man nicht so sehr auf den Fall der Woche konzentriert ist, sondern uns mehr über das Dollhouse und die Menschen verrät, die es betreiben und darin leben. Die Mischung (die im Moment so ist) zwischen einem Fall der Woche und einem übergreifenden Handlungsstrang gelingt Dollhouse nicht.

Schon gar nicht, wenn der Fall der Woche mit zwei der nervigsten Figuren konstruiert wir: Paul Ballard (Tahmoh Penikett) und Echo (Eliza Dushku). Auch diesmal war der Undercover-Einsatz von Echo unter Ballards Kommando vermutlich nichts mehr als der endlich gelungene Versuch Dushku in einer Sexszene sich austoben zu lassen. O.k. der Fall involvierte Jamie Bamber, der an der Seite von Tahmoh Penikett eine Battlestar Galactica-Kombo (Apollo und Helo) darstellte.

Aber mehr als Echo brutal zu verprügeln, gelang ihm auch nicht beziehungsweise beiden nicht, da Ballard ihr auch ein paar verpasste, um die alten Imprints an die Oberfläche zu treiben. Bemerkenswert… . Zuerst Sexszene, dann Prügel beziehen, dann selbst austeilen … diese Episode wäre für den passionierten Psychoanalytiker eine Fundgrube. Übrigens habe ich überhaupt nicht verstanden, warum Ballard den Waffenhändler (Jamie Bamber) unbedingt ausschalten wollte und warum DeWitt (Olivia Williams) ihn unterstützte.

Bei aller Liebe zu fast allen Projekten, die Whedon bisher umgesetzt hat (allen voran Firefly), Dollhouse bleibt für mich ein Wirrwarr an Ideen und Handlungssträngen und auch der Höhepunkt der Episode, als Echo Ballard sagt, sie erinnere sich an alle Persönlichkeiten, die sie war, bringt keinen Sonnenschein. Was noch auffiel war die Tatsache, dass Dollhouse keinen Einstieg für neue Zuschauer bot und kein Aufwärmen für alte. Im Network-Geschäft kann das ins Auge gehen!

Und jetzt kommen wir zu dem guten Teil:

Die Topher-Whiskey-Beziehung. Das war eine sehr gelungen dramatische Inszenierung innerhalb des nicht vorhandenen Dramas. Ein Kammerspiel, das Vows irgendwie noch rettete. Anscheinend haben Joss & Co. endlich verstanden, dass Fran Kranz überhaupt nicht lustig ist und seine Figur diese Funktion nicht annähernd erfüllt.

So sind sie jetzt auf dem besten Weg Topher im Zuge der mehreren unter der Oberfläche lauernden Moral-Fragen über das Dollhouse, zu einer tragischen Figur zu machen. Whiskeys Zerrissenheit und Tragik waren von Amy Acker super in Szene gesetzt, nach den erschütternden Enthüllungen, die sie beide mit Topher (Fran Kranz) machten.

Genau in diesen Momenten (die sehr rar sind) ist Dollhouse wirklich interessant: Wenn sich die Serie den Fragen der Existenz einer Seele und der wahren Identität eines Menschen stellt.

Dollhouse: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Einen ganz bestimmten Satz spricht die mysteriöse Miss DeWitt (Olivia Williams) gegenüber Echo (Eliza Dushku) aus. Nun, die Situation scheint sich abzuspielen, bevor Echo Echo wird. Um was es geht, werden wir in diesem 48-minütigen Piloten nicht erfahren, aber Echo lässt sich auf den Deal ein. Dieser Satz beschreibt aber auch schon im Voraus den Zustand des Piloten – „a mess“.

Als Whedon-Fan bin ich jedoch gewillt, diesen Satz als ein Versprechen für die kommenden Episoden zu betrachten. Und zu vergessen. Denn diese Serie handelt genau davon: vom Vergessen. Wie auch alle anderen Projekte von Joss Whedon behandelt „Dollhouse“ sein zentrales Thema auf einer metaphorischen Ebene. Die so genannten „Dolls“ (oder „actives“), die im Dollhouse leben und ständig einer Art Gehirnwäsche unterzogen werden, sind nicht nur eine Anspielung auf herrschende Identitätskrisen in einer globalisierten Welt, sondern auch eine auf den Beruf des Schauspielers selbst, der genau das erfordert: ständig in andere Identitäten zu schlüpfen, ihre Erinnerungen und Ziele zu übernehmen. Das Vergessen bietet dann die einzige Möglichkeit zurechtzukommen. – Für uns Zuschauer ist das Vergessen auch ein wichtiges Element bei der Rezeption dieser Serie. Zu vergessen: welche Vorgeschichte sie hatte, welche Vorgeschichte Whedon mit FOX hatte, die hohen Erwartungen, die wir ihr entgegenbringen (weil es Whedon ist) und … diesen Piloten.

Erinnern sollte man sich freilich daran, dass „CSI: Crime Scene Investigation“ und „The X-Files“ ihre Laufbahn ebenfalls an dem unbeliebten Freitag starteten und dass manche Serien etwas Zeit brauchen, um zur vollen Entfaltung zu kommen. Was aber „Dollhouse“ betrifft, bin ich persönlich ziemlich skeptisch, vor allem weil die Erzählung sehr auf die Hauptfigur Echo zugeschnitten ist und ich es Eliza Dushku (bitte, nicht schießen) nicht zutraue, diese Last tragen zu können.

Der Werbetrailer von FOX für den Freitagabend mit „Terminator S.C.C.“ und „Dollhouse“) konzentriert sich auf die gut aussehenden Heldinnen (Summer Glau und Eliza Dushku) und behauptet über sie: „Hotter than Hades!“ und „Soulless! and smart!“Ja, „hot“ sind sie. „Soulless“ sind sie auch, aber während das Wort Glaus Rolle als Terminatrix in der Serie beschreibt, ist es leider bezüglich „Dollhouse“ eine Beschreibung der Performance von Eliza Dushku. „Dollhouse“ soll sich (so Whedon) nicht so sehr auf Nahkampf und Verfolgungsjagden konzentrieren, sondern auf das Thema des Identitätsverlustes und der Transformation.

Es kommt also darauf an, die Zuschauer dazu zu bringen, dass sie sich für eine Figur interessieren, die ständig einen solchen Prozess der Transformation und des Identitätsverlustes mitmacht. Und dafür braucht es mehr, als nur „hot“ auszusehen und unterschiedliche Frisuren zu tragen.Bis auf die Tatsache, dass es schwer ist, eine Verbindung zu einer Figur zu schaffen, die keinen festen Kern hat, keine eigene Persönlichkeit, ist das „Dollhouse“-Konzept (zur Freude der FOX-Verantwortlichen) ziemlich klar. Es gibt immer den Fall der Woche plus übergreifende narrative Stränge: Echo erinnert sich an Dinge, an die sie sich nicht erinnern darf, es gibt die geheime Organisation hinter all dem, ein FBI-Agent versucht das Dollhouse ausfindig zu machen und ein Ex-Doll macht auch Jagd auf ihre ehemaligen Arbeitgeber.

Im Piloten übernimmt Echo gleich zwei Aufträge – das perfekte Date und die knallharte Verhandlungspartnerin. Sie meistert beides, aber wie auch in den anderen Erzählsträngen dieser Episode geschieht alles uninspiriert – man fühlt sich als Zuschauer ziemlich verloren und ohne festen Boden unter den Füßen.

Was ist mit den anderen Figuren? Sie stehen puppenartig in schön designten Sets und sind vergeblich bemüht, interessant zu wirken, wie die eiskalte „Frontfrau“ des Dollhouse, Adelle DeWitt (Olivia Williams), der stoisch seine Rolle aushaltende Echo-Betreuer und Beschützer Boyd Langton (Harry Lennix) oder der Security-Chef Laurence Dominic (Reed Diamond), über den folgendes mitgeteilt wird: „The dolls in their infantile state disgust him.“ Hoffentlich übernehmen die FOX-Zuschauer nicht bald die gleiche Einstellung gegenüber der Serie! Denn sie ist so bemüht, einen Hype um ihre Hauptdarstellerin zu schaffen und ihre Sets schön zu gestalten, dass man den „Eingang“ für die Zuschauer vergessen hat…

Designed for forgetting!

Hoffen wir, dass die Serie sich EXTREM steigert, sonst wird FOX „Dollhouse“ bei der Programmplanung der nächsten Season einfach vergessen.

Serenity

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Der Film Serenity bildet einen Abschluss der Firefly-Erzählung, nicht aber ihren Schluss.

Nachdem die Entertainment-Industrie von all den Browncoat-Fans in Erstaunen versetzt wurde, fand sich NBC Universal bereit, Joss Whedon mit knapp 50 Millionen Dollar seine Weltraum-Cowboy-Saga abschließen zu lassen. Wenn man Insider-Berichten Glauben schenken darf, dann hat das Studio Whedon einen noch größeren Gefallen getan: nämlich, sich aus dem Ganzen herauszuhalten. Heraus kam ein Film für „Firefly“-Fans, nicht für den “normalen” Kinogänger, der mit der Serie nichts am Hut hat – daher die mittelmäßigen Bewertungen der “objektiven” und “neutralen” Betrachter. (Diese beiden Wörter sollte man sowieso sparsamer benutzen und sich zuerst fragen, ob eine objektive Betrachter-Position überhaupt möglich ist.) Seine Qualitäten entfaltet „Serenity“ nur als Teil von „Firefly“, dem er einen überzeugenden vorübergehenden Schlusspunkt setzt. Warum vorübergehend? „You can’t stop the signal!

Ich gehe davon aus, dass die Leser dieses Artikels „Serenity“ bereits kennen und ich mich direkt auf den Kern des Films stürzen kann, ohne ausführlich die Handlung wiedergeben zu müssen. Sie entwickelt sich nämlich um ein Dreieck, das Whedon im Laufe von „Firefly“ schon vorgezeichnet hat: Alliance – River (Serenity) – Reavers. Die Verbindung zwischen diesen drei Punkten wird über das wiederholte Auftauchen eines Satzes in leicht abgewandelten Variationen hergestellt: „They never lay down!

Die „Serenity“-Produzenten schaffen einen glatten visuellen Übergang von der Serie zum Film und bedienen sich dabei sogar des Universal-Logos. Wir haben gesehen, dass die letzte „Firefly“-Episode „Objects in Space“ so endete, wie sie anfing: mit einem bunten Ball im Zentrum des Bildes.

Am Anfang der Episode handelte es sich um den Planeten, am Ende um den Ball, den River in der Hand hält. „Serenity“ zeigt uns nun, dass das Schicksal der Planeten tatsächlich in Rivers Händen liegt. Vielleicht eröffnet der Film aus diesem Grund mit einem Bild, das eine visuelle Verbindung zur Serie herstellt: Das Universal-Logo verwandelt sich in die Erde und führt uns nicht nur in die Geschichte des „Firefly“-Universums ein. Eine weibliche Stimme erzählt aus dem Off, wie es zur Gründung der Alliance kam, zum Anfang vom Ende. Diese Einführung der Zuschauer in die Welt „Serenity“s ist visuell sehr geschickt orchestriert und vollzieht sich anhand zweier entgegen gesetzter Bewegungen: Als sich vor unseren Augen das Universal-Logo in die Erde verwandelt (Einführung in das Universum), fährt die Kamera zurück. Etwas später füllt die Überschrift “Serenity” den Bildschirm aus und präsentiert zugleich den Filmtitel, aber auch Serenity selbst: Denn auch hier fährt die Kamera zurück, und der Filmtitel entpuppt sich als Aufschrift an der Wand des Schiffes. Wir treten also ein, indem wir einen Schritt zurück machen, um uns sozusagen vom Dargestellten und Erzählten ein Bild machen zu können: vom Close-Up zu einem Long Shot (establishing shot).

Nun bekommt auch die erzählende Stimme eine Trägerin: Es sind Rivers (Summer Glau) Kindheitserinnerungen, erzählt von ihrer Lehrerin (Tamara Taylor). Als River der Lehrerin widerspricht und erklärt, dass Menschen es nicht mögen, “belehrt” zu werden, sieht es so aus, als würde die Lehrerin River einen Stift ins Auge stecken. Schnitt auf Blau. River ist im Labor, und Nadeln werden in ihren Kopf gesteckt. Wir erfahren, warum die Alliance River sucht: sie kennt ihre Geheimnisse. Ihr kindlicher Widerspruch enthielt Wahrheit: Alliance undReavers sind die zwei Seiten derselben Münze – genauer gesagt: wenn man Menschen ruhig stellt, ihnen vorschreibt, wie sie zu denken und sich zu verhalten haben, bekommt manReavers als Ergebnis. In „Serenity“ erfahren wir, dass die Reavers im Zuge eines Experiments der Alliance entstanden sind: Mit dem Gas Pax wollte man den ultimativen Frieden schaffen: ultimative Ruhe. Und das funktionierte so gut, dass die Menschen auf dem Planeten Miranda, ganze 30 Millionen, aufhörten… zu leben. Bis auf diejenigen, bei welchen das Mittel die umgekehrte Wirkung hatte. Sie wurden ultimativ gewalttätig und überquerten die Grenzen des menschlichen Verstandes, ja des Menschseins selbst: „They’re animals“, sagte Jayne. „They made them“, sagt Wash.

Was Whedon hier tut, ist, die Machtmechanismen und die Gewalttätigkeit patriarchaler Ordnungen und Systeme bloßzustellen. Die patriarchale Gesellschaft mit all ihren Auswüchsen wie Early, Niska, The Operative und den Reavers wird einem zerbrechlichen siebzehnjährigen Mädchen entgegen gesetzt, an einem Ort, der – filmgeschichtlich gesehen – männliche Diskursen bedient (abgesehen von Filmen wie „Alien“). Dieses Mädchen verkörpert aber gleichzeitig eine tödliche Waffe, wie wir in der Barszene sehen, als River mit tödlicher Eleganz ihre Gegner neutralisiert. Diese Kampfsequenz gleicht einem Tanz: „She always did love to dance“, sagt Simon (Sean Maher) zu dem Alliance-Arzt, bevor er es schafft River zu befreien. (Auf der Metaebene ist dies übrigens ein Hinweis auf Summer Glaus tänzerische Fähigkeiten.) River ist wie ein „leaf on the wind“: sie schwebt graziös durchs Leben – aber das Blatt kann sich in eine Messerschneide verwandeln, um bei der bildlichen Metaphorik von „Objects in Space“ zu bleiben.

Rivers bewusstes Einsetzen von Gewalt jedoch – gegen die Reavers nämlich – geschieht im Interesse der Community, der Serenity-Familie, um sie zu retten. „Like this facility, I don’t exist“, sagt The Operative (Chiwetel Ejiofor). Er ist Jubal Early ähnlich, stellt sich allerdings – eine Stufe weiter – in den Dienst eines Ideals, indem er sein Selbst auslöscht: „We are making better worlds.“ Aus diesem Grund hat er keinen Namen, denn er ist die Leere. Diese versucht er, wie Early, mit Erklärungen philosophischer Natur zu füllen, um weiter machen zu können.

He didn’t lie down. They never lie down“, sagt River, als der Reaver an Bord der Serenityvon Mal (Nathan Fillion) getötet wird. Damit wird die Rastlosigkeit des patriarchalen Systems beschrieben, das niemals schläft – und in einer nächsten Szene Rivers zwiegespaltene Position innerhalb des Dreiecks. Wieder einmal wird uns River liegend gezeigt; wieder aber sehen wir auch ihre Erinnerungen. Dort befiehlt die Lehrerin den Kindern, sich auszuruhen: „Lie down.

Rivers Antwort: „No.

Hier kommt die Seite der Rebellion, die in ihr geschürte Gewalt zum Vorschein: „The girl or the weapon?

River ist eigentlich wie die Reavers: daher auch die Ähnlichkeit der Namen. Beide sind gewissermaßen Erzeugnisse des Systems, aber River ist etwas verschoben, anders: Ihre Rebellion ist eine höchst ethische – seitens des männlichen Diskurses von Mal in gewissem Sinne unterstützt. Rivers Verweigerung gegenüber der Lehrerin wird auf visueller Ebene erklärt, indem man verweste, liegende Leichen zeigt – die Bilder in Rivers Kopf. Ihre Rastlosigkeit, Miranda zu finden und die Wahrheit aufzudecken, hat ein Ziel und einen ethischen Charakter, während die anderen „Misbehave“-Erzeugnisse, die Reavers, weder soziale Verantwortungen noch Ideale kennen: Sie leben pure Gewalt, die männliche Natur in ihrer wahren Form, befreit von sozialen Zwängen.

She is an albatross“, sagt The Operative über River. Doch sie ist mehr. Sie ist die Diagonale im Bild, die die Vertikalen und Horizontalen stört. Oft wird sie aus der Untersicht gefilmt, was sie groß erscheinen lässt und ihr so auch eine Machtposition verleiht; sie steht schräg im Bild (Min. 59:30 zum Beispiel) – ihr Kopf (oben links) bildet das eine Ende der Diagonalen und die Waffe in ihrer Hand (unten rechts) das andere. Sie erst bildet dritte Seite des Dreiecks der Whedonschen Pyramide, die für Familie, Zusammenhalt und Menschlichkeit steht.

Schon der Beginn des Films hat uns Whedons ethische Abschluss-Aussage visuell vermittelt: Man sollte die Welt nicht von außen besser machen wollen, sondern von innen, indem man die eigene Menschlichkeit beibehält.

Firefly: Objects in Space (1×14)

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Objects in Space bildet den Schlüsselpunkt der Erzählung, die Firefly nicht mit einer vollen Staffel erzählen durfte. Die Episode vervollständigt das Bild von Firefly, das Joss Whedon & Co. seit den allerersten Sekunden vor den Augen der Zuschauer malen. Objects in Space ist Rene Magritte in Space. Das ist keine Pfeife, sagt uns das berühmte Bild von Magritte, auf dem eine Pfeife zu sehen ist. Ein Objekt kann sich seiner Benennung entziehen, kann einfach davon gleiten und sich eine neue suchen, eine andere, die vielleicht das Objekt nicht von außen beschreibt, sondern seinem Wesen entspricht.

Objects in Space’s Kern ist River. Die Episode vollendet den Prozess, über den ich schon gesprochen habe: River wird als Teil der Crew, als Subjekt akzeptiert. Sie entzieht sich endgültig der Objektivierung, aber auf eine sehr überraschende und philosophisch angehauchte Art und Weise. Warum spreche ich über die Objektivierung? Wir erinnern uns, dass River auf zweierlei Art und Weise zum Objekt gemacht wurde: auf der einen Seite von der Alliance und auf der anderen durch das fehlende Vertrauen seitens der Crew, den Mangel an Akzeptanz. Die zweite Art der Objektivierung geschieht, wie wir gesehen haben, anhand der visuellen Präsentation Rivers innerhalb der Serenity-Räume – und anhand der auditiven: es wird über sie gesprochen, sie wird beschrieben, benannt.

Sie hat nicht die Möglichkeit, außerhalb dieser Beschreibung sie selbst zu sein. In dieser Hinsicht kann man Mals Satz „Hör auf, mich zu beschreiben!“ (habe leider vergessen, aus welcher Episode er stammt) River in den Mund legen.

Was ist, wenn man etwas falsch beschrieben hat oder wenn es sich jeder Beschreibung entzieht? Joss Whedon demonstriert uns das mit an Jaynes verzweifelter Suche nach Worten, um River zu beschreiben: Hexe, Seherin, Psycho etc. River ist kein beschreibbares Objekt. Anhand ihrer Figur inszeniert Whedon einen philosophischen Versuch, die Essenz des Selbst zu retten, sie frei schweben zu lassen. Der Autor selbst erzählt in den Kommentaren zu den DVDs, dass er von existenzialistischen philosophischen Schriften beeinflusst wurde, als er an Objects in Space arbeitete: etwa Sartres Nausea, die er in Rivers Alter gelesen hat.

Man kann an diesem Punkt etliche Überlegungen anstellen und fragen, ob Whedon versucht hat, an River als Figur seine eigenen Erfahrungen in einem prägenden Lebensabschnitt darzustellen. Ich jedoch werde mich hier darauf konzentrieren, aufzuzeigen, wie die Serie Rivers Prozess des Teilwerdens von Serenitys Crew, ihr Subjektwerden erzählerisch vollendet.Erst durch das Eindringen eines fremden Objekts/Subjekts, den Kopfgeldjäger Jubal Early an Bord von Serenity, entfaltet sich das River-Bild vor unseren Augen – und auch vor den Augen der Crew. Nachdem Early es geschafft hat, die komplette Crew auf die eine oder andere Weise auszuschalten, zwingt er Simon, ihn auf der Suche nach seiner Schwester durch die Schiffsräume zu begleiten. Dabei verwickelt er ihn in eine ungewöhnliche Unterhaltung, die uns Zuschauer realisieren lässt, was die Autoren mit River gemacht haben: Sie wurde nie durch die Kameraeinstellungen sexualisiert, wie es mit Inara und Kaylee der Fall ist, obwohl ihre Figur nicht nur als Mädchen, sondern auch als Frau funktionieren könnte.

River wird jedoch nicht als Objekt romantischen Interesses eines Crew-Mitglieds dargestellt – Early hegt falsche Vermutungen, als er sie nicht in ihrem Zimmer findet. River hat kein Zimmer, sie ist ohne Zuhause, sie schwebt so lange davon, bis sie verschwindet und eins mit dem Schiff wird. Zumindest glauben das die anderen Figuren – und wir Zuschauer glauben es auch: nur mit Hilfe unserer Firefly-Erfahrung ist das möglich. Zwar wird uns Zuschauern, wie schon in früheren Reviews erwähnt, immer zugestanden, mehr über River zu wissen als der Rest der Crew – aber trotzdem bleiben wir immer einen Schritt zurück: Auch uns schwebt River davon.

Am Anfang der Episode durchläuft River Serenity – und wir mit ihr: zum ersten Mal aus Rivers Point of View. Sie trifft auf die Crew; aus ihrer Perspektive gesehen, werden die Crewmitglieder aus ihren entspannten Tätigkeiten oder Gesprächen gleichsam “herausgenommen”, um mitzuteilen, was unter der Oberfläche liegt, was sie eigentlich empfinden und denken, aber nicht sagen. Nur weil wir uns in Rivers Position befinden, sprechen die Figuren auch zu uns. Damit lässt man uns zugleich fühlen, was River fühlt, wenn sie Gedanken liest. Und mit River zusammen heben wir das Stück Holz im Lagerraum: „It’s just the object. It doesn’t mean what you think.“ Im nächsten Moment trennt sich die Kamera von ihr, und wir sehen sie mit einer geladenen Waffe in der Hand – und die komplette Crew in Panik.

River doesn’t mean what you think“, lautet hier die Botschaft an die Crew. Geschickt werden dann die Ebenen gewechselt, als River vorgibt, mit Serenity eins geworden zu sein: Während wir visuell und auditiv Zeugen werden, wie River Early “liest”, ist es die Crew, die River als Serenity “fühlt” und auf der metaphorischen Ebene denkt – während River sie zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hat und pragmatisch der Crew hilft, Early auszuschalten. Earlys Problem, von River benannt, besteht darin, dass sich in ihm das Nichts befindet. Hieraus handelt er: obwohl er versucht, seinem Handeln Bedeutung zu verleihen, bleibt es leer. „The plan is like the room, empty!

Am Ende der Episode wird Early selbst zum Object in Space: er gleitet ins Nichts und seinem Tod entgegen. Serenity wiederum gleitet weiter durch das Nichts – mit einem Unterschied: Zwar sind wir alle Objekte, die ihrem Ende entgegen gleiten, aber die Zeit, die wir dafür brauchen, können wir als Subjekte nutzen, indem wir mit Anderen Beziehungen eingehen und aufhören, allein dem Ende entgegen zu schweben. Dann kann das Ende genau die Bedeutung haben, die wir ihm geben. Dasselbe gilt für Fireflys Ende!

Firefly: Heart of Gold (1×13)

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Bühne frei für die glorreichen Sieben. Heart of Gold ist eine Western-Episode, auch wenn Laserpistolen zum Einsatz kommen. Und der Titel der Episode ist nicht nur der Name des Bordells, um das sich die Handlung dreht, sondern bezieht sich auf mehrere Herzen: auf Mals, Inaras und Nandys. Nandy (Melinda Clarke) ist die Besitzerin des Bordells. Melinda Clarke wurde interessanterweise um die Zeit (der Firefly-Produktion) durch eine ähnliche Rolle berühmt, nämliche die der Domina Lady Heather in CSI, wo sie dem CSI-Chefermittler Gil Grissom,CSI (William Petersen) den Kopf verdrehte.

Hier schafft sie es, Mal den Kopf zu verdrehen – als nämlich die Serenity-Crew ihrem Hilferuf folgt und die unabhängig arbeitenden Prostituierten – sie gehören nicht der Gilde an – vor dem chauvinistischen Landlord verteidigt. Interessanterweise entscheidet sich Mal, nicht des Geldes, sondern Inaras wegen zu helfen, da Nandy eine alte Freundin von Inara ist und selbst Companion war.

Heart of Gold ist in ihrem Herzen eine weitere Episode über die Beziehung von Mal und Inara, die eigentlich keine ist und werden will. Übrigens dürfen wir Morena Baccarin mit lockigen Haaren bewundern, da Heart of Gold vor The Message gedreht wurde. Weitere kleine feine Details, die uns auffallen: Mal gibt allen die Anweisung, nicht auf die Pferde zu schießen – wohingegen im Piloten er derjenige war, der auf die Pferde schoss. Außerdem trägt er dieselben Klamotten, mit welchen er in Shinding zum Ball ging. Vermutlich kein Zufall – denn das sind die Episoden, wo der Cowboy die Ehre der Dame verteidigt (bzw. der Prostituierten). Was wiederum Jayne in die Euphorie treibt:
Jayne: „Don’t know these folks. Don’t much care to.
Mal: „They’re whores.
Jayne: „I’m in.

Und tatsächlich: mit Herz, Händen und Waffen ist Jayne dabei. (Und muss nicht mal in his bunk zwischendurch…) Mal wiederum kommt, glaube ich, erstmals in dieser Episode der Gedanke, dass Inara auch ein Herz für ihn hat.

Dafür ist der Landlord herzlos, was Frauen betrifft: „Let us remember right here and right now, what a woman is to a man!“ Wie man es von Joss Whedon kennt, bleiben solche Aussagen in The Verse nicht unbestraft. Als der patriarchale Leader Burgess, dessen Kind die Prostituierte Petaline mit Simons Hilfe zur Welt bringt, Heart of Gold angreift, eskalieren die Ereignisse. Obwohl – was die Gefühle betrifft, eskalierte alles bereits in der Nacht davor, als Nandy Mal verführte und mit ihm schlief: „Well, lady, I must say you’re my kind of stupid.“ Beide passen in gewissem Sinne tatsächlich zusammen, denn sie lieben und verteidigen das, was sie haben – ihre Häuser und Familien, Serenity und Heart of Gold. Inara findet heraus, was passiert ist… und bricht in einem einsamen Moment in ihrem Zimmer unter Tränen zusammen.

Großartige Leistung von Nathan Fillion in der letzten Szene, als Inara ihm mitteilt, dass sie gehen wird. Sein Gesichtsausdruck spricht, wie man es so schön sagt, Bände. Dasselbe gilt für zwei weitere Szenen, die ich zum Abschluss erwähnen möchte: Die Aufnahmen von der Serenity-Crew mit einem langsamen Schwenk von links nach rechts: The Magnificent Eight marschieren Richtung Heart of Gold… und das Gespräch zwischen Zoe und Wash, aus dem wir erfahren, dass Wash derjenige ist, der keine Kinder haben möchte.

Aber – und das gilt für vieles hier: wenn man/frau zu lange wartet, kann es zu spät werden …

Firefly: The Message (1×12)

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The Message ist auf der Emotionsskala des Firefly-Universums die traurigste Episode. Dafür gibt es mehrere Gründe und zwar nicht nur inhaltliche. So weit bekannt war es die letzte Episode, die gedreht wurde, bevor die Firefly-Crew sich trennen musste. Aus diesem Grund wirkt die letzte Szene im Schnee wie ein authentischer Abschied. Auch auf der auditiven Ebene ist die Atmosphäre von Abschiedsgedanken erfüllt. Das „Sad Violin“-Musikthema ist ständig präsent und spiegelt nicht nur die Atmosphäre der Episode wieder, sondern ausgehend von der Geschichte der Serie selbst, ein trauriges Zurechtfinden mit ihrem eigenen Schicksal.

An dieser Stelle wussten die Beteiligten, dass ihre Space-Odyssee zu Ende geht, dass sie genau dem zum Opfer gefallen sind, vor dem sie in ihrer fiktionalen Welt wegrennen, der Alliance in Gestalt von FOX. Wenn man es auf dieser Ebene weiter denkt, kann man sagen, dass der Film „Serenity“ nicht nur der Versuch eines Schlusspunktes ist, sondern eine Abrechnung mit dem Network, das Firefly tötete. Die Ereignisse auf dem Planeten Miranda spiegeln die Arbeit eines Networks: Man will eigentlich alles besser machen und den Menschen einen Gefallen tun, ihr Leben verbessern. Und manchmal geht das nach hinten los, wie im Fall der Reavers. Das ist The Message!

Für viele Kritiker der Serie schienen die kleinen Szenen zwischen Simon und Kaylee belanglos oder wie Seifenoperversuche, aber sie stellen jedes Mal eine unaufdringliche Verbindung zum Hauptplot her und arbeiten gleichzeitig an der Entwicklung der Figuren bzw. an ihrer Präsentation. Denn The Message ist zwar eine weitere Episode über Vertrauen und Familie, aber sie stellt einen Vergleich zwischen Tracey und Simon her. Was haben die beiden miteinander zu tun?

Fangen wir von vorne an: Mal und Zoe bekommen eine überdimensionale Postlieferung, die einen Sarg enthält. Im Sarg entdecken sie mit Entsetzen ihren alten Kriegskameraden Tracey. Anhand von Flashbacks werden wir Zeugen von der Zeit der drei im Unabhängigkeitskrieg. Und insbesondere von der Tatsache, dass Tracey sich immer darauf verlassen konnte, von den beiden Kameraden durchgebracht zu werden. Die Eigensinnigkeit bzw. die Erwartungshaltung, dass Freunde ihr Leben für dich riskieren werden, um dich zu retten, ist nicht nur Traceys Charakterisierung, sondern gleichzeitig Kritik an Simon.Kurze Zeit später erfahren wir, dass Tracey gar nicht tot ist, sondern sich in den Zustand selbst versetzt hat, um Alliance-Mitglieder zu entwischen, die illegalen Organhandel betreiben. Dabei rechnet er damit, dass Mal und Zoe auf seine Nachricht, die er in den Sarg mit eingepackt hat, reagieren werden. Und wenn man mit dem Schicksal spielt, kann aus dem Spiel Ernst werden. Man wird sozusagen eingeholt. So geschieht es auch mit Tracey, denn im Grunde nutzt er die Serenity-Crew für die eigenen Zwecke aus – unter dem Vorwand der Treue und der Freundschaft (Mal und Zoe).

Genauso wie Simon die Crew ausnutzt für seine eigenen Zwecke und sie damit in höchste Gefahr bringt. Das Gespräch mit Kaylee am Anfang der Episode ist nicht nur ein Beweis für Simons romantisches Mißgeschick, sondern eine Aussage darüber, dass er das Leben auf Serenity in erster Linie aus eigenem Nutzen gewählt hat und nicht für das Leben an sich. Wenn man so will, sind diese kritischen Töne und die Auseinandersetzung mit Traceys Situation und seinem Handeln der letzte Schritt der Eingliederung von Simon in die Serenity-Familie.

Traceys Eigensinnigkeit und das Ausnutzen der Freundschaft und Hilfsbereitschaft von Mal und Zoe holen ihn am Ende ein. Er stirbt – diesmal wirklich – durch Mals Hand, da Tracey auf ihn eine Waffe richtet und Kaylee als Geisel hält. Dadurch zeigt er sein wahres Gesicht.

Am Ende, als Mal & Co. Traceys Leiche zu seinen Verwandten bringen, wie er in der ursprünglich falschen Nachricht wünschte, hält Simon Kaylees Hand. Teil der Serenity-Familie zu sein als freie Wahl und nicht aus der Not und für die eigenen Zwecke: This is The Message!

Und die zweite, auf der humorvollen Seite, steckt in diesem Gespräch, als Jayne die Strickmütze (von seiner Mutter geschickt) aufsetzt:

Jayne: „How’s it sit? Pretty cunning, don’tchya think?
Kaylee: „I think it’s the sweetest hat ever.
Wash: „A man walks down the street in that hat, people know he’s not afraid of anything.
Jayne: „Damn straight.

Firefly: Trash (1×11)

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Ohne Familie wird man nackt in einer Wüste stehen und sich wundern, warum man noch am Leben ist. In dieser Episode stellt Firefly nicht nur Genres einander gegenüber, sondern auch Lebens- und Figurenkonzepte innerhalb desselben Genres. Auf der einen Seite steht der einsame Cowboy, der keine Familie hat und jeden Job für Profit annimmt, um seinem Leben einen Sinn zu verleihen – die alte Variante des Söldners. Wer steht auf der anderen Seite? Der Cowboy, der zwar alleine antritt, um seine Cowboy-Würde zu behalten, aber seine Freunde und Familie hat, um die er sich kümmert und die seinen Rücken in schwierigen Situationen decken. Hiermit sind natürlich Mal und Saffron (Christina Hendricks) gemeint, die in dieser Episode wieder auftaucht. Interessanterweise sind Mal & Co. streng genommen auch Söldner, aber sie sind zusammen, ein Team und wie wir gesehen haben, handeln sie nicht ohne Rücksicht auf Verluste.

Joss Whedon führt mit Trash, mit der Episode die es nie auf die TV-Bildschirme schaffte, die rhetorischen Kämpfe aus Our Mrs. Reynolds fort und zu einem Showdown. Es handelt sich hier um einen Showdown zwischen einer Cowgirl und dem Cowboy, und der letzte ist der mit der Familie. Interessante, aber typische für Joss Whedons Universum Umkehrung. Wer den Showdown gewinnt, entscheiden letztendlich nicht die Geschwindigkeit bei dem Umgang mit einer Waffe oder der eigenen Zunge. Das Vertrauen macht hier den Unterschied. Nicht in sich, sondern in anderen, im Team, in der Familie.

Denn Trash ist eine Episode über Vertrauen und Sich-Verlassen-Können. Ohne Vertrauen kann man nicht nackt und entspannt auf einem Stein in der Wüste sitzen und sarkastisch sagen: „That went well.“ Mit Mal, genau in der beschriebenen Lage, eröffnet die Episode in medias res, um dann zurückzuspulen und uns zu zeigen, wie es dazu kam. Mal trifft einen alten Kriegskameraden, namens Monty, nur um zu erfahren, dass dieser schwer verliebt ist und geheiratet hat. Ich darf vorstellen – Bridget.Und plötzlich sind wir mittendrin in einem heftigen Kampf, denn Bridget ist Saffron, der wir bereits in Our Mrs. Reynolds begegnet waren! Und Mal vergeudet keine Sekunde bzw. versucht mit Waffe in der Hand einem geschickten verbalen Hinters-Licht-Führen zuvorzukommen. Das Ende vom Lied – Monty lässt vorsichtshalber beide – Saffron und Mal – zurück und fliegt enttäuscht und gekränkt von dannen. Da Mal physisch die Überhand behält, muss Saffron gehen. Oder nicht? Bekanntlich hat sie immer einen Plan. Als Nächstes sehen wir sie in Serenitys Küche Mal und der Crew von einem lohnenswerten Job erzählen. Es handelt sich um einen Antiquitätenraub.

Kurz vor dieser Szene geraten Mal und Inara in einen Streit über die Berufe, die die beiden ausüben und über die Tatsache, dass beide schon eine Weile keinen Auftrag hatten. Inara wirft dabei Mal vor, dass er ihre Arbeit sabotiert. Vielleicht schlägt Mal tatsächlich mit einer Klappe zwei Fliegen: Bewusst geht er der Alliance aus dem Weg und unbewusst hält Inara davon ab, ihrem Beruf nachzugehen.

Saffrons Auftauchen ist dann nicht unbedingt eine Tatsache, die Inara friedlicher stimmt. Erst am Ende zahlt sich wirklich aus, was hier die Firefly-Autoren inszenieren. Denn sie sind diejenigen, die mit einer Klappe zwei Fliegen schlagen: Auf der einen Seite zeigen sie uns, dass was zwischen Mal und Inara keimt, anfängt zu wachsen. Und auf der anderen führen sie uns in die Irre, da keiner damit rechnen kann, dass Inara Teil von Mals Plan ist. Und in diesem geht es darum „to play the player“, Saffron in ihrem eigenen Spiel zu schlagen.

Aber auf dem Weg dorthin erfahren wir noch mehr über Mrs. Reynolds. Als sie und Mal den reichen Alliance-Offizier (Durran) ausrauben wollen, der auf seiner im Himmel schwebenden Insel (die Architektur dort erinnert an die Arbeiten von Kenzo Tange und Tadao Ando) mit Antiquitäten aus der Erde, wie sie früher mal war, sammelt – darunter ist auch eine Telefonzelle zu sehen – stellt es sich heraus, dass Saffron auch mit ihm verheiratet war, und das ganze sechs Jahre lang.

Allerdings unter dem Namen Yolanda, was dazu führt, dass Mal sie Yo-Saf-Bridge nennt. Und Yo-Saf-Bridge kann man nicht vertrauen. Wenn schon die rhetorischen Spielchen keinen Erfolg bei Mal bringen, dann die physischen – in Gestalt von Tränen. Aber Mals Anteilnahme ist diesmal auch gespielt und Mrs. Reynolds Handeln – ihn zu hintergehen – vorausgesetzt. Nun, ihn komplett nackt in der Wüste zu lassen, eher weniger. Dafür kann Mal einer anderen Frau trauen, die Teil seiner Crew ist.

Inara zeigt Saffron am Ende, das sie von der Serenity-Crew ausgespielt wurde. Gleichzeitig in einer sehr schönen Szene, als Jayne nach einem Stromschlag während des Jobs für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt wird, erteilt ihm Simon eine Lektion über Vertrauen. Simon erzählt dem bewegungslosen Jayne, dass er und River wissen, was Jayne auf Ariel tat und trotzdem ihn als Teil der Serenity-Familie sehen, ihm vertrauen und er sollte das Gleiche tun. Diese Szene korrespondiert mit der Unterhaltung vom Anfang der Episode, in der auf verspielte Firefly-Art der Inhalt der kompletten Episode thematisiert wird:
Jayne: „Well, as a rule, I say, girlfolk ain’t to be trusted.
River: „Jayne is a girl’s name.

Firefly: War Stories (1×10)

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Diese Episode beginnt mit einem dramaturgischen Eingriff, der meiner Meinung nach sehr typisch für Joss Whedons Arbeit ist. Anhand einer Unterhaltung über ein explizites Ereignis wird implizit das Thema der entsprechenden Episode mitgeteilt. In diesem Fall sprechen Book und Simon darüber, was die Alliance River angetan hat, und Book erzählt über das Schaffen von Shan Yu (De Sade des Firefly-Universums), das eine grausame Hauptprämisse enthält: Durch die extreme Folter kann man das wahre Sein, die Essenz eines Menschen ans Tageslicht befördern.

Ausgehend davon, dass Firefly direkt nach 9/11 das Licht der Welt erblickte, kann man darüber spekulieren, dass diese Einführung Joss Whedons Art an der Diskussion über Folter, Wahrheit und Menschlichkeit teilzunehmen war. Shepherd Books Erklärung, warum man River gefoltert haben könnte, stößt auf wenig Verständnis bei Simon, denn die Präzision mit der an River gearbeitet wurde, lässt auf einen ganz bestimmten Zweck und ein ganz bestimmtes Ziel schließen. Wie schon erwähnt, liefert diese kleine Szene das narrative Fundament für die Episode War Stories, die die Natur des Selbsts untersucht bzw. wie der Kern dieses Selbsts sich unter extremen Bedingungen, wie physischer Folter, manifestiert. Geht es dabei darum, die wahre Natur zu zeigen oder sie zu bewahren?

Um das herauszufinden, schicken die Firefly-Autoren Mal und Wash direkt in Niskas (aus The Train Job) Arme. Hiermit behält Firefly die Tradition bei, Figuren aus früheren Episoden in die Handlung wieder einzubauen, um so die Konsistenz des Firefly-Universums zu gewährleisten und das Beziehungsgeflecht dichter zu gestalten. Denn in der allerersten Szene mit Niska in dieser Episode sehen wir ihn einen Menschen foltern und danach fragen, ob er die Arbeiten von Shan Yu kennen würde, genauso wie davor Book Simon gefragt hat.

An diesem Punkt ahnt man schon, dass für die Serenity-Crew der Tag der Abrechnung mit dem sadistischen Niska gekommen ist. Die Auseinandersetzung mit Niska zeigt uns wiederum, dass das Serenity-Team als solches funktioniert. Das meinte ich mit dem dichten Beziehungsgeflecht. Denn die Situation, in die Mal und Wash geraten, beleuchtet wiederum die Dreieckbeziehung zwischen den beiden und Washs Ehefrau Zoe. Bisher wurde die Andersheit ihrer Beziehung nur anhand von kleinen humorvollen Einlagen geschildert und uns klar gemacht, dass Zoe generell nicht für ihren Mann kocht (Our Mr. Reynolds). Warum erwähne ich gerade dieses Beispiel?

Weil in War Stories, die von Firefly erzählten unterschiedlichen Konzepte von Beziehung und Sexualität, von Rollenzugehörigkeit, von Männer- und Frauenbildern zusammengefasst werden. Ich werde an dieser Stelle mich nicht von den Einzelheiten verführen lassen und nur die wichtigsten für diese Auseinandersetzung Szenen erwähnen, ansonsten wird dieses Review kein Ende nehmen können.Was Firefly so komplex macht sind Szenen, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen und später in der Episode enormes emotionales Gewicht bekommen. Am Anfang der Episode sehen wir River und Kaylee, die in Serenitys Räumen Fangen spielen. In dieser Szene wird nicht nur eine mögliche Freundschaft zwischen den beiden impliziert, sondern auch das Mädchenhafte der Figuren gezeigt. Außerdem wird damit die entspannte Atmosphäre an Bord geschildert. Was wir am Ende der Verfolgung sehen, ist, dass es um einen Apfel ging. Die frischen Äpfel wurden wiederum aus unerklärlichen Gründen von Jayne spendiert. Damit wird sein schlechtes Gewissen angedeutet und auf die letzte Episode verwiesen.

Außerdem benutzt man die Äpfel, um Zoe die Möglichkeit zu geben eine Kriegsgeschichte („War Story“) zu erzählen, in der es um sie und Mal ging und um Äpfel und Granaten (Formähnlichkeit). Damit leitet man gleichzeitig den Konflikt zwischen ihr und Wash ein, der es nicht mehr ertragen kann, dass Zoe so eine enge Bindung mit Mal hat und letztendlich – für seine Verhältnisse – hochgeht. Wie wir sehen: Mit einer Klappe zwei Äpfel. Was uns zum nächsten Teil der Firefly-Themenkonstruktion führt, nämlich zu Inaras Besuch. Sie bekommt einen weiblichen Besuch, was den Rest der Crew mit offenem Mund (in Jaynes Fall voller Apfelstückchen) stehen lässt und zu einem One-Liner seitens Jayne führt, der für immer im Gedächtnis der Firefly-Fans bleiben wird: „I’ll be in my bunk.

Dieser Satz kommt nicht nur noch einmal im Laufe der Episode aus Jaynes Mund, sondern damit wird War Stories beendet, als Zoe und Wash zu Mal sagen: „We will be in our bunk.“ Denn Zoe steht zu ihrem Mann … zu ihren Männern: „Take me, sir. Take me hard.“ Das sagt Zoe, mit ihrem typischen ernsten Gesichtsausdruck, zu Mal, nachdem sie Wash gerade „wife soup“ gemacht hat. Schockierend? Nicht im Geringsten. Es ist der krönende humorvolle Abschluss einer langen von Mal inszenierten und Wash mitgespielten Unterhaltung über die Bindung, die Mal mit Zoe hat. Dadurch erreicht Mal, dass Wash während der Folter bei Niska nicht zusammenbricht.

Als die Crew Niskas Station stürmt um Mal zu befreien, nachdem Zoe schon Wash und das eine Ohr von Mal abkaufen konnte, schließt sich der Kreis, den die Serie mit dem Spiel von River und Kaylee anfing zu zeichnen. Kaylee kann im entscheidenden Moment nicht abdrücken, aber River – nachdem sie zuerst nur einen Blick auf die Szene wirft – erschießt ohne zu gucken drei von Niskas Leuten. Zu Kaylee sagt sie: „No power in the ‘verse can stop me.“ Das ist derselbe Satz, den Kaylee im Spiel zu ihr sagt. Damit beschreibt Firefly eigentlich sich selbst, als eine Erzählung die auf der Oberfläche humorvoll erscheint, aber das Ernste des Lebens miterzählt. Für mich eine der am besten konstruierten Firefly-Episoden!