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Sons of Anarchy: NS (3×13)

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Im Finale der dritten Staffel gibt es einige Überraschungen. Können die Sons das Ruder wieder an sich reißen? 

Das Sons of Anarchy-Finale NS beendet zufrieden stellend eine unebene dritte Staffel. Die begann mit einem großen Kracher, der Premiere SO, und schloss mit einem Kracher, NS. Zusammen bilden die beiden Titel SONS. Trotz der Unzufriedenheit vieler Fans und TV-Kritiker mit dem ständigen Aufschieben der Reise nach Belfast und den vielen Klein-Klein-Spielchen zwischendurch kann man nicht umhin festzustellen, dass die Top-Serie von FX einen abgerundeten Eindruck hinterlässt – als Ganzes gesehen und dank diesem Finale.

Die Titel der beiden Episoden SO und NS referieren direkt auf Jax’ (Charlie Hunnam) zwei Ringe. Den einen legte er, wenn ich mich nicht täusche, am Anfang der Staffel auf John Tellers Grabstein – den zweiten im Finale. Die Frage, warum der Ring noch auf dem Grabstein liegt und nicht geklaut wurde, werde ich nicht stellen: es zählen der dramatische Effekt und die Gefühle, die er hervorruft.

Wenn Jax zum Grabstein zurückkehrt, um gleichsam Schluss mit John Teller zu machen – „I am done listening to a dead man!“ -, beschreibt dies auf einer anderen Ebene die Wiederkehr der US-Serie zu ihrem ursprünglichen Problem: dem Kerngedanken hinter dem Club und dem Schicksal von Jax’ Vater. Durch Abels Entführung kam man davon ein wenig ab, aber nur scheinbar. Denn für mich steckt der große Verdienst von Kurt Sutter & Co. darin, Jax durch die Belfast-Geschichte und die überraschende Wendung in diesem Finale Clay (Ron Perlman) und dem Club so nahe zu bringen, wie er es noch nie zuvor war.

Jax hält seinen eigenen Vater für einen Verräter und will nicht selbst so enden. Aber wer hat wen verraten? Tara (Maggie Siff) entdeckt John Tellers Briefe, die Maureen in Jax’ Sachen versteckt hat, und beginnt sie zu lesen. John Tellers Voice Over sagt uns am Ende, dass Gemma und Clay ihn verraten und anschließend getötet haben. Die Belfast-Story, die Enthüllung von John Tellers gefährlichen Liebschaften und Jax’ Halbschwester Trinity – das alles verkompliziert den Blick auf die Vergangenheit noch mehr. Jax triumphiert am Ende dieser Staffel – und scheitert zugleich: er findet keine Grundlage, keinen klaren Weg, mit der Vergangenheit umzugehen.

Wenn man so will, bildet die Zeit den heimlichen großen Widersacher in dieser dritten Staffel – nicht die IRA, nicht Jimmy oder Stahl. Natürlich ist der Zeitfaktor auch das größte Problem der Serie an sich gewesen, denn sie schien gar nicht voran zu kommen bzw. sich in zu vielen kleinen und noch kleineren Plots zu verwickeln. Für die Zuschauer, die an die schnellen Auflösungen aus den vorherigen Staffeln gewöhnt sind, mag es frustrierend gewesen sein, die ganze Reise in die Vergangenheit mitmachen zu müssen. Aber man musste zu den Wurzeln der Probleme kommen: zu der Einsicht, warum Figuren handeln, wie sie handeln, und so geworden sind.

Das Finale nun bietet Auflösung und Pay-Off an mehreren Fronten. Wer es noch nicht gesehen hat, soll schleunigst aufhören, weiter zu lesen – sonst verdirbt man sich durch die Spoiler eine Menge Spaß!

Wir haben im Laufe dieser dritten Staffel oft darüber gesprochen, wie die Sons durchgehend zu Entscheidungen gezwungen sind, die sich dann immer wieder als falsch erweisen. Die SoA-Autoren ließen sie fast komplett die Kontrolle verlieren und manövrierten sie von einer Tragödie in die nächste. Euren Kommentaren konnte ich entnehmen, dass euch nicht nur Charming fehlte, sondern auch The Return of the King(s) von Charming: das Wiedererlangen der Kontrolle seitens der Sons.

Der Weg dorthin läuft nur über Stahl und Jimmy. Dank Ottos (Kurt Sutter) Treffen mit Lenny The Pimp (gespielt von Hells Angels’ legendärem Mitglied und Gründer Sonny Barger) können die Sons eine Absprache mit den Russen treffen, die gegen zwei Millionen bereit sind, Jimmy auszuliefern. Wir erinnern uns: schon seit einer Weile versucht Chuck, jemanden auf eine Lieferung aufmerksam zu machen, aber weder Gemma (Katey Sagal) noch Tig (Kim Coates) hören auf ihn. Dafür aber Jax! In den Kisten aus … befinden sich fünf Millionen Dollar Falschgeld. Im Zuge seines Deals mit Stahl (Ally Walker) schafft es Jax, zweihundertfünfzigtausend echte Dollar zu holen und alles zu durchmischen, damit die Russen den Betrug nicht gleich bemerken.

Geschickt lässt man uns glauben, dass Jax tatsächlich hinter dem Rücken des Clubs handelt – bis zum Ende, als wir den raffinierten Plan verstehen. Nicht nur bekommt Chibs seine Rache und beseitigt Jimmy, sondern auch Opie kann Stahl erledigen. Außerdem ist Gemmas Anklage vom Tisch, und die Sons müssen nur kurz ins Gefängnis. Die Morde an Stahl und Jimmy (Tommy Flanagan) schieben sie der IRA in die Schuhe. Das nennt man Erfolg auf ganzer Linie; und die Szene im Gefangenentransport, als alle plötzlich anfangen zu lachen – nach dem Hupsignal von draußen, das alles erledigt ist -, gehört zu den besten, die die Clubmitglieder seit langer Zeit zusammen hatten.

Leider bekam Ryan Hurst als Opie in dieser Staffel nicht viele Möglichkeiten, in den Vordergrund zu treten. In der Szene mit Stahl, als er ihr in den Hinterkopf schießt, vermittelt er uns Zuschauern jedoch großartig, nur durch seinen Gesichtsausdruck, eine komplette Palette an Gefühlen: „This is what she felt!“ Jetzt kann er mit der Vergangenheit abschließen, die Trauerarbeit nach Donnas Tod ist vorbei. Passend dazu verkünden Opie und Lyla am Anfang der Episode ihre Hochzeitspläne: nach einer der immer wieder sehr schön inszenierten SoA-Musikmontagen.

Opie also schließt mit der Vergangenheit ab, Chibs tut ein Gleiches… und Jax denkt, er habe es auch getan. Aber: Die letzte Musikmontage (Battlemens Cover von Neil Young’s “Hey Hey My My”) – die uns zuerst Clay und Jax zeigt, die einander anlächeln, dann Tara mit den Briefen und schließlich Gemma, mit Abel auf dem Schoß triumphierend auf dem Bett thronend – wird von John Tellers Voice Over übertönt. Der Sons-Prinz Jax Teller hat die Krone noch nicht auf dem Kopf? Will er sie überhaupt? Wird es eine “Return of the King” geben – in der “leiblichen Erbfolge”?

 

Sons of Anarchy: Bainne / June Wedding (3×11 und 3×12)

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Jax (Charlie Hunnam) trifft in Bainne eine Entscheidung, die er sehr schnell bereuen muss. Obwohl „bereuen“ nicht wirklich die zutreffende Bezeichnung scheint: Jax entscheidet sich, Abel vom Club-Leben und dadurch von sich selbst zu trennen – aber die Adoptiveltern werden von Jimmy erschossen, und wieder einmal dient Jax’ Sohn als Tauschobjekt. Einerseits setzt die Serie damit die Lektion fort, die Jax zu lernen hat: dass sich jede Entscheidung, die er trifft, schließlich auf irgendeine Art und Weise als falsch erweist. Der Grund für diese Fehlerhaftigkeit liegt im Kern des Lebens, das Jax führt, mit all seinen Regeln und Motivationen. Damit kehrt die Serie geschickt zurück zur Prämisse der zweiten Staffel und zum Grundproblem von Sons of Anarchy, das durch die Suche nach Abel in den Hintergrund geriet: Die Suche nach Jax!

Jax schubste Tara von sich, und in Bainne ist er bereit, auch Abel wegzugeben. Letztendlich versucht er, sich mit Hilfe äußerer Umstände von emotionalem Ballast zu befreien. Er will zwar Tara und Abel in Sicherheit wissen, aber gleichzeitig macht er sich alles leichter – indem er die Verletzlichkeit des Clubs und seine eigene durch die Trennung drastisch reduziert. In den ersten zwei Staffeln wurde uns Zuschauern immer wieder nahe gelegt, dass der Club (wie) eine Familie sei. Die dritte Staffel hinterfragt diese Aussage, beginnend mit Donnas Tod.

In June Wedding schließlich entscheidet sich Jax dafür, sich zuerst um seine Familie zu kümmern, wenn auch auf Kosten des Clubs. In Bainne sahen wir, wie Maureen John Tellers Briefe in Jax’ Sachen versteckte, nachdem wir einen kurzen Auszug zu hören bekamen, der uns auf die mögliche Involvierung Gemmas (Katey Sagal) und Clays (Ron Perlman) in Johns Tod hinweist. Nicht nur sind diese Briefe eine tickende Zeitbombe, sondern sie reflektieren dieselbe Problematik: Haben damals Gemma und Clay die Familie für den Club geopfert?

Auf jeden Fall sind wir – hinsichtlich des Titels June Wedding – Zeugen blutiger Hochzeiten bei SoA. Allen voran die Bindung zwischen June Stahl (Ally Walker) und ihrer Partnerin, aber auch die zwischen Stahl und Jax. Bainne ist das offizielle Ende der Suche nach Abel; June Wedding beendet die Suche nach Tara. Unser will Salazar lebendig, damit dieser gegen Hale aussagt, die Mayans wollen ihn aus persönlichen und geschäftlichen Gründen tot sehen, und Jax… will nur seine Familie. Und er will denjenigen bestrafen, der sie bedroht hat. Er tötet Salazar, obwohl er ihn lebendig hätte haben können, und verkompliziert damit die Sache für den Club und Charming selbst. Clay-Style!

Nicht zufällig steckt Stahls Vorname im Episodentitel, denn was sie tut, schockiert – obwohl man von ihr Einiges gewöhnt ist. Sie tötet ihre Partnerin und inszeniert das Ganze als mexikanischen Übergriff, um dann die selbst erdachten letzten Worte ihrer Partnerin zu Protokoll zu geben: Gemmas Statement sei korrekt; ihre Partnerin sei Edmonds Mörderin, und Gemma habe aus Notwehr gehandelt. Ganz abgesehen davon, ob die Logik der von Stahl beschriebenen Ereignissen so haltbar ist, erreicht dieses Wendung ihr dramaturgisch-dramatisches Ziel: Jax’ Famile ist komplett und in Sicherheit – Tara und das Baby, Abel und Gemma. Was wird aus der Club-Familie?

Auf Gemmas Rat hin macht Opie Lyla einen Heiratsantrag, während Tig und Kozik ihre Differenzen nicht ausbügeln können. Denn es geht schließlich … um einen Hund namens Missy!  Ich bin mir nicht sicher, ob diese Enthüllung hierher passt; aber auf SoA-Art und Weise wirkt sie lustig. Falls aber Kozik wirklich nicht in Charming aufgenommen würde, würden wir Kenny Johnson nicht mehr sehen, was sehr schade wäre!

Die kleine Szene zwischen Tig und Kozik erinnert allerdings daran, wie wenig die Serie in dieser Season für ihre Nebendarsteller übrig hatte. Nichtsdestotrotz funktioniert die SoA-Mischung als Ganzes, als komplette Erzählung, als mehrteiliges Buch – und man muss bedenken, dass diese dritte Staffel generell mehr plot-driven als character-driven war. Wie alles enden wird? Vielleicht so: Im Bund der Lügen – mehrere Begräbnisse und zwei Hochzeiten?

Sons of Anarchy: Firinne (3×10)

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In Belfast spitzen sich die Ereignisse zu. Es wird Zeit, lose Enden wieder zusammenzubinden. Wird Jax Abel finden und gleichzeitig sein Versprechen gegenüber Stahl halten können?

Firinne erfüllt so manche Hoffnung der Sons of Anarchy-Fans, was Sambel betrifft: O’Neill und McGee bekommen, was sie verdient haben. Jax erfährt endlich die Wahrheit über Trinity und den Verbleib von Abel. Aber eine glückliche Familienzusammenführung wird nicht aus der ganzen Geschichte.

Im Laufe dieser dritten Staffel hatte man die dunkle rote Linie um John Teller, seinen Sohn und den Club zwischenzeitig fast verloren geglaubt – aber Firinne überzeugt uns vom Gegenteil. Eine sehr wichtige Episode, wie mir scheint: nicht nur weil sie Einiges enthüllt und die Sambel-Führung auflöst, sondern weil sie fast unbemerkt den Grundstein für die zukünftige Entwicklung legt. Einen sehr großen Beitrag zur emotionalen Wucht dieser Episode leisten die Schauspieler, allen voran Charlie Hunnam und Ron Perlman.

Dank Cherry gelingt es Samcro, den flüchtigen O’Neill  zu finden, aber die Information holen Gemma und vor allem Maureen aus Cherry raus. In der Szene zwischen den drei Frauen wird noch einmal deutlich, dass Gemma und Maureen mehr gemeinsam haben, als ihnen lieb ist… Sogar eine weitere Gemeinsamkeit müssen die Mütter lüften, nämlich die Verwandtschaft zwischen Jax und Trinity. Sie tun das mehr oder weniger im letzten Moment – oder, wie Jax es ausdrückt: Two more minutes and I will be dancing in Tig territory!

Die zwei Mutter-Kind-Szenen der Wahrheitsverkündung könnten unterschiedlicher nicht sein. Zoe Boyle (Trinity) wurden bisher nicht viele Möglichkeiten gegeben zu glänzen, aber in dieser stillen Szene mit Maureen spielt sie sehr überzeugend und mit Anmut das Wechselbad der Gefühle von Neugier bis zu tiefster Demütigung. Von Jax wiederum kommt keine große Reaktion – und ich wundere mich, wie die Autoren die Bruder-Schwester-Beziehung handhaben wollen: War dies das große Geheimnis von John Teller? Unwahrscheinlich – denn es ist zwar eine Enthüllung für die Figuren, aber nicht für uns Zuschauer!

Vielleicht erfahren wir die ganze Wahrheit, bevor die Sons Belfast verlassen. Da bis Ende der Season nur noch zwei Episoden bleiben, rückt die Heimreise nach Charming in greifbare Nähe. Außerdem haben die Sons in Belfast nichts mehr zu tun.

Sie liefern der IRA den Beweis für Jimmys Verrat, den sie O’Neill unter brutaler Folter entlockt haben. Ab diesem Punkt überstürzen sich die Ereignisse; Jimmy gerät sogar für ein paar Sekunden in die Hände von Samcro, nur um wieder fliehen zu können: dank McGee. Den enthebt Clay seines Amtes und tötet ihn in einer emotionsgeladenen Szene über den Dächern von Belfast – Ron Perlmans Verdienst!

Diese Szene erinnert uns daran, was es heißt, ein Mitglied des Clubs zu sein, und dass für Verräter keine Gnade gibt. Das ist insofern wichtig, als wir ja wissen, welch gefährliches Spiel Jax hinter dem Rücken des Clubs mit Stahl treibt.

In Charming spitzt sich die Situation zu. Wir erfahren nicht nur, was es mit Margarets Tattoo auf sich hat, sondern auch Salazars Pläne. Tig & Co. brauchen ausgerechnet Alvarez’ Hilfe, um das Problem zu lösen. Jax’ Problem scheint wiederum kaum lösbar. In einer der bisher besten Szenen Charlie Hunnams in der gesamten Serie erfährt er von Father Ashby, dass dieser nie vorhatte, Abel zurückzugeben. “Your father knew the patch was a mistake, and so do you.”

Auf grausame Art und Weise will Ashby ein Versprechen halten, das er einst seinem alten Freund gegeben hatte: Wenn Jax aus diesem Leben schon nicht mehr herauszuholen ist, dann soll mindestens Johns Enkel ein normales Leben führen und gerettet werden! Jax zwingt zwar Ashby, Abels Location zu verraten, aber die Frage bleibt: Was wird er tun – und wie will er sein Kind retten? In der letzten Minute der Episode, als Jax allein im Clubhaus sitzt, sehen wir die ganze Wut, den Schmerz und den Zweifel, die in ihm stecken!

Sons of Anarchy: Turas (3×09)

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In Belfast kommt es zu mehreren Auseinandersetzungen, während in Charming Geheimnisse gelüftet werden. Werden die Sons ihre Abwesenheit teuer bezahlen müssen? 

Zugegeben: die dritte Sons of Anarchy-Season hat sich nur langsam voran bewegt und bietet dem Zuschauer im Vergleich zur zweiten Staffel bisher weniger “Payoff”. Die Langsamkeit scheint sich in erster Linie aus der Konzentration auf einen Haupthandlungsstrang zu ergeben.

Obwohl: ist es wirklich ein Strang? „Kurt Sutter“ mag sich auf die Abel-Entführung konzentriert haben – doch die Story ähnelt einem Rhizom. Ein Rhizom ist im strengen botanischen Sinne ein Wurzelgeflecht. In seiner Verwendung als Metapher, wie in der Philosophie von Gilles Deleuze, bezeichnet es ein “vielwurzelig” verflochtenes System, das nicht in Dichotomien aufgeht, sondern Querverweise, Überschneidungen, Verbindungen zwischen Elementen aufweist, die unterschiedlichen Ebenen angehören. „Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderer Linien weiter.“

Diese Metaphorik bezieht sich auf Wissenssysteme und bezeichnet einen Bruch mit dem “alten” Baum-Modell, nach dem Systeme hierarchisch und dichotomisch angelegt sind und keine Querverbindungen zulassen. Wir können die Rhizom-Metapher jedoch auch anwenden, um zu bezeichnen, was mit Sons of Anarchy in der dritten Staffel geschieht: Sie wuchert langsam, aber beständig und sorgt für Überschneidungen und Verzweigungen.

Natürlich birgt ein solches Geflecht die Gefahr, die Übersicht zu verlieren und lose Enden hängen zu lassen. Aus Zuschauersicht empfiehlt es sich, die Episoden im Doppelpack zu sehen – so bleibt man besser “am Ball”, und der Spannungsaufbau mit stetiger Steigerung funktioniert. Ich glaube, dass die dritte Staffel auf DVD größere Befriedigung bringen wird als im Eine-Episode-pro-Woche-Rhythmus.

Turas, die neunte Episode dieser dritten Staffel, verläuft in einem blutigen Rhythmus. Der Cliffhanger mit Abel bleibt zwar in der Luft hängen, aber der Rest der Erzählung macht Fortschritte. Obwohl – nicht wirklich. Im Grunde wird die Unentschlossenheit der Figuren gezeigt, welchen Schritt sie als nächsten machen sollen. Das folgt aus dem bisherigen Handlungsverlauf: Jede Entscheidung brachte nur weitere Komplikationen.

Inzwischen ist der Punkt gekommen, an dem Entscheidungen tatsächlich irreparabel sind: Sie ziehen tödliche Konsequenzen nach sich. In Belfast versucht Jax (Charlie Hunnam) herauszufinden, wie er die Sache mit Jimmy für alle zufrieden stellend hinbekommen kann. Durch Jimmys (Titus Welliver) Auftauchen in Maureens Haus und seinen Versuch, Chibs (Tommy Flanagan) Familie zu entfühen, nimmt die Sache extreme Züge an. Fiona muss Gemma davon abhalten, Jimmy zu erschießen: In ihrer Verzweiflung sieht Gemma die einzige Rettung in fliegenden und treffenden Kugeln.

Sie will es einfach machen – aber so einfach geht es nicht… Mir gefällt die Art, wie die Serie einen vielschichtigen Beziehungskonflikt darstellt (IRA, Sons, Familie) und so die Unmöglichkeit leichter Entscheidungen aufzeigt: Auch der vielschichtige Konflikt in Sons of Anarchy besitzt die Struktur eines Rhizoms – er durchwuchert sämtliche Ebenen.

In dieser Episode kehren wir – durch die Erwähnung John Tellers und Jax’ kurze Vision von seinem Vater – zurück zum Ursprungsproblem: dem Sinn der Club-Existenz. Jax sagt zu Gemma, dass alles deswegen so gekommen sei, weil der Club mit Waffen handele. Aber steht dahinter nicht vielleicht Jax’ Erkenntnis, dass er durch Abels Entführung zu Clay (Ron Perlman), seinem Bild vom Club und seinen Verhaltensmustern zurückgekehrt ist? Ideale können vom Leben so schnell korrumpiert werden!

Genauso korrumpiert ist Sambel, genauer: seine Leader Keith McGee und Liam O’Neill. Die Sons werden während eines Waffendeals in eine Falle gelockt und von Liam in die Luft gejagt. Aber niemand bekommt mit, dass es Liam ist, der die Bombe aktiviert. Es sieht so aus, als handelte Liam über McGees Kopf hinweg. Die Charming-Sons bleiben unversehrt, aber dafür sterben fünf Sambel-Mitglieder.

Am Ende der Belfast-Erzählung dieser Woche sehen wir Jax und Trinity (Zoe Boyle) im Schatten vor Maureens Haus sitzen. Beide sind müde, ratlos. Er legt den Arm um sie. Eine sehr schöne Bruder-Schwester-Szene (ohne dass die Beteiligten es wüssten), die von Gemma (Katey Sagal) beobachtet wird.

Währenddessen herrscht in Charming genauso viel Unruhe. Jacob Hale bekommt zu spüren, was es heißt, mit jemandem wie Hector Deals abzuschließen. Hector erpresst ihn mit Hilfe einer Aufnahme („Yeah. I got an app for that, homes.“) und will wissen, wo Tara (Maggie Siff) arbeitet. App für Blackmail? Netter Scherz – und gleichzeitig eine nett subtile Werbeeinlage seitens der Produzenten, denn seit dieser Woche gibt es das Sons of Anarchy iPhone / iPad App…

Margaret Murphy fährt Tara wegen der Abtreibung zur Klinik, aber die beiden werden von Hector und seiner Freundin entführt. Der Cliffhanger: Als sie Margarets Rücken entblößen, sehen wir ein riesiges Motorradgang-Tattoo. Wessen Old Lady ist sie? Alle Figuren in Sons of Anarchy sind gebrandmarkt und tragen ihre Narben: zu welchem Ende auch immer.

Sons of Anarchy: Lochan Mor (3×08)

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Diese Episode bringt eine klare Ansage in Sons of Anarchy und Jax steht wieder einmal vor einer unmöglichen Entscheidung. Zurück in Charming verlieren die Sons langsam, aber sicher an Boden.

„Questions will be answered soon enough“, verkündet Maureen Ashby den gerade aus Charming eingetroffenen Sons. Hiermit spricht sie auch im Namen des Showrunners Kurt Sutter, der mittlerweile wenig Geduld mit den ungeduldigen Zuschauern und Fans zu haben scheint. Über alle möglichen Wege – Twitter, Blog, Facebook etc. – warf Sutter den Kritikern Ungeduld vor.

Diese Ungeduld, die tatsächlich herrscht, ergibt sich nicht aus Unzufriedenheit mit Richtung oder Tempo der Erzählung der dritten Staffel, sondern aus einem anderen Grund. Zwar erscheint das Hinausschieben der Belfast-Reise Richtung Staffelmitte rein dramaturgisch-strukturell nachvollziehbar. Aber: überrumpelt von den vielen kleinen Nebenhandlungen, fragen sich viele Zuschauer zu Recht, ob das Ganze nur Mittel zum Zweck war? Ob all die Hindernisse, die man den Sons in den Weg warf, nur ihre Abreise hinauszögern sollten? Denn der Höhepunkt mit Abel kann nicht zu früh kommen.

War jede weitere Entscheidung, die den Sons noch größere Probleme brachte, letztlich eine zu viel? Warum? Vielleicht weil der Kontrollverlust der Sons sie aussehen lässt wie Spielzeuge in den Händen Anderer? Diese Frage ist kompliziert zu beantworten, hängt sie doch sehr am jeweiligen subjektiven Eindruck.

Meiner Meinung nach sind die letzten Episoden von enormer Wichtigkeit dafür, wie schließlich die erste Staffelhälfte, gar die ersten zwei Drittel, zu bewerten sind. Ich selbst bin zwiegespalten und brauche die eine oder andere Antwort (auch von Maureen), um das komplette Bild zu bewerten. Mir gefällt es nach wie vor, wie sich die Serie um (fast) jede Figur zu kümmern weiß und wie in Charming Entwicklungen vonstatten gehen, die sich später auszahlen könnten.

“Könnten” beschreibt am besten die herrschende Unsicherheit, etwa bei der Story mit Tara (Maggie Siff) und dem Baby, bei Unser, bei Hales Bruder, bei Tig (Kim Coates) und Kozik, bei den Gangs in Charming und Umgebung. Wir erfahren in dieser Episode, dass Jacob Hale mit jemandem zusammenarbeitet, der die Stadt aufkauft. Mit Darbys Hilfe versucht er, Menschen zum Verkaufen zu bringen; nachdem Darby auf seine alten Tage keinen Stress mehr haben will, wendet sich Jacob an Hector Salazar.

Tig scheint das Geschäft in Charming nicht im Griff zu haben, denn er verbringt die Episode damit, sich unaufhörlich mit Kozik zu streiten und zu prügeln. Immerhin erfahren wir, dass es um eine Frau geht – oder, wie Chucks Tara gegenüber erklärt: „I’m not sure, but judging by their level of malevolence, there’s gotta be at least one vagina involved.“

Tara wiederum schlägt sich mit Abtreibungsgedanken herum – und entscheidet sich dafür, nach dem Beispiel von Opies Freundin Lyla. Beide Frauen wollen zu diesem Zeitpunkt keine Kinder von Männern wie Jax (Charlie Hunnam) und Opie (Ryan Hurst).

Diese Männer wiederum tun, was Sons eben tun – feiern und sich prügeln. Nur eben in Belfast. FX konnte Sons of Anarchy nicht das Budget zur Verfügung stellen, tatsächlich in Belfast zu drehen; es reichte nur für eine Reise von Regisseur Billy Gierhart mit einem kleinen Team, um Bilder zu sammeln. Diese spärlich beleuchteten Bilder, gebadet in grüne Töne, vermögen tatsächlich die Illusion eines anderen, fremden Ortes zu schaffen, eines Ortes, wo die Sons nicht wirklich willkommen sind.

Lochan Mor ist eine Episode mit großartiger Musik: “Big Fellah” von Black 47, “The Long Road,” “Shiny Eyes,” “Jungle of the Midwest Sea” und “Son of Shame” von Flatfoot 56, “Faraway” von The Tossers, “Flying Up a Mountain” von Sweet Apple, “Caroline” von The Young Dubliners.

Lochan Mor wartet nicht mit Enthüllungen oder Neuigkeiten auf, endet aber mit einer klaren Ansage: Damit Jax Abel bekommt, muss Jimmy sterben! Leicht wird das nicht sein, denn er hat Unterstützung: in Sambels eigenen Reihen und bei der irischen Polizei. Schon am Anfang der Episode geraten die Sons in eine Falle der korrupten Polizei, die von Jimmy beauftragt wurde, die Sons nach Charming zurück zu schicken.

Dank Gemmas schneller Reaktion kommt es nicht dazu. Die Wahrheit über John Teller bleibt auch in dieser Episode unausgesprochen – und es scheint zwischen Trinity und Jax zu knistern. Ich hoffe allerdings, dass die Autoren da nichts “passieren” lassen – nicht nur aus moralischen Gründen, sondern aus erzähltechnischen: Jax mit seiner Halbschwester schlafen zu lassen, wäre eine wirklich unnötige Verkomplizierung.

Auch so schon steht Jax vor einem großen Problem: Wie kann er Ashby zufrieden stellen, damit er Abel zurückbekommt, und gleichzeitig Agent Stahl, damit er seine Mutter rettet?

Wer ist der unbekannte Investor in Charming? Wird Tara das Kind wirklich abtreiben? Was ist die Wahrheit über John Teller? Will questions be answered soon enough?

Sons of Anarchy: Widening Gyre (2×07)

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Endlich ist es so weit: das Treffen zwischen Samcro, Sambell und IRA steht kurz bevor. Hat Jax diesmal die richtige Entscheidung getroffen?

Zugegeben: am Anfang der Season hatte man Bedenken, ob das Hinauszögern der Belfast-Reise ein gute Sache ist. Nachdem nun die Hälfte der Staffel vorbeigerauscht ist und wir uns Richtung Ende bewegen, erscheint mir der Zeitpunkt von Sutter & Co. absolut perfekt gewählt, um die Sons in den Flieger zu setzen.

Die dritte Staffel erzählt nicht von Jax’ Rache (noch nicht), sondern vom Weg dorthin; nicht von den Sons in Belfast, sondern von ihrem Weg dorthin. Aus diesem Grund stellen uns die letzten Bilder von Widening Gyre, als die Sons Richtung Flugzeug gehen, so zufrieden: Sutter & Co. haben es geschafft, jedes kleine Problemchen so zu verkomplizieren, dass sich daraus zu jeder Zeit ein eigenständiger Nebenplot entwickeln könnte.

Das Hinauszögern der Reise jedoch versteht sich nicht als Selbstzweck, um alles chaotischer und komplizierter zu gestalten, sondern führt ein ganzes Set neuer Figuren ein und etabliert sie, bevor die fiktionalen Welten von Charming und Belfast aufeinander treffen. Ohne dies hätte man ihre Vorgeschichten nicht glaubwürdig verkaufen können, es gäbe keine Spannung in der Interaktion.

Vielleicht gab es bis jetzt, wie manche Zuschauer und Leser angemerkt haben, sogar zu wenige Belfast-Bilder. Aber die Neugierde ist geweckt worden – das Interesse an den Belfast-Figuren ist da. Deswegen habe ich vorhin gesagt, dass die Autoren den besten Zeitpunkt gewählt haben, um die Figuren und ihre Geschichten zu vermischen – und auch, um die Wahrheit über die Vergangenheit zu erzählen.

Denn was wir vermutet haben, wird in dieser Episode bestätigt: Trinity, Maureens Tochter, ist Jax’ (Charlie Hunnam) Halbschwester. Sogar Gemma (Katey Sagal) hört dies beim Telefonat mit Mo zum ersten Mal, was eine heftige Reaktion auslöst: Sie übergibt sich. Die Frage ist: wird ihr nur wegen Trinity so schlecht – oder wegen der Erkenntnis, dass Jax sich unausweichlich der Wahrheit über John nähert, welche auch immer das sein mag?

SAMCRO wird demnächst eine leidvolle Erfahrung machen: mit der Wahrheit über die “Brüder” aus SAMBELL. Denn wie es scheint, steckt sogar McGee, Präsident des Belfast-Clubs, unter einer Decke mit Jimmy und informiert ihn über die Ankunft von Jax & Co. Die Positionen der Belfast-Schachpartie mit automatischen Gewehren sehen so aus: Jimmy und Kellan Ashby stehen miteinander im Konflikt, wobei Kellan die True IRA vertritt, aber Jimmy die Unterstützung von McGee hat. McGee ist Maureens Mann, aber Maureen (Paula Malcomson) scheint mehr zu ihrem Bruder Kellan zu halten – aus einem einfachen Grund. Sie will ihre Familie retten, genauso wie Fiona, Chibs Frau, die ihre.

Es sieht so aus, als würde sich eine Frauen-Front bilden: Fiona, Gemma und Maureen wollen einfach ihre Kinder beschützen. Gemma? Sie fährt mit nach Belfast! Mit Taras Hilfe flieht sie aus dem Krankenhaus – zu den Klängen von Creedence Clearwater Revivals “Travelin’ Band” – und schließt sich der “Reisegruppe” an. Was mir an Gemmas Flucht nicht gefiel, war der pathetische Versuch Unsers, alle zu stoppen, so dass Gemma ihn „traitor“ nennen musste. Ich verstehe nicht, warum die Autoren diese über zwei Staffeln sorgsam aufgebaute Figur und ihre noch sorgfältiger aufgebaute Beziehung zu Gemma und dem Club so zur Seite schieben und gar fallen lassen.

Tara (Maggie Siff) wiederum schwebt in einer ganz anderen Gefahr. Nachdem ein Mitglied der Grim Bastards hingerichtet wurde, machen sie sich zusammen mit den Sons auf die Suche nach dem Verantwortlichen. Damit der Frieden erhalten bleibt, bietet Alvarez seine Unterstützung an, was auf einer öffentlichen Toilette zu einem Kopfschuss für einen Salazar führt. Der Anführer der Salazars, der sein Abzeichen danach los ist, scheint auf Rache aus zu sein: Wir sehen, wir er Tara beobachtet. Wird, während Jax seinen Erstgeborenen rettet, das zweite ungeborene Kind, von dem er immer noch nichts weiß, in tödliche Gefahr geraten?

Sons of Anarchy: The Push (3×06)

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Diese Episode von Sons of Anarchy dreht sich um eine dieser wichtigen Entscheidungen, die jeder treffen muss. Werden sich solche Entscheidungen auf lange Sicht auszahlen oder eher rächen?

The Pull und The Push. Wir erinnern uns, dass in der Episode The Pull in der ersten Staffel Jax (Charlie Hunnam) und Tara (Maggie Siff) wieder zusammen kamen, nachdem Jax Kohn erschossen hatte. The Push liefert in gewisser Hinsicht den zweiten Teil der Jax-Tara-Story. Im ersten wurde sie in das Club-Leben hineingezogen – und in diesem zweiten “pusht” Jax sie aus seinem Leben wieder hinaus: „I’m done“, sagt er zu ihr in einer stillen Szene am Ende der Episode.

Eigentlich beschreiben die beiden Episodentitel die Dynamik der Beziehung: Pull – Push. Doch zugleich zeigt The Push, wie Jax langsam den Boden unter den Füßen verliert. Seine oberste Priorität – Abel wiederzubekommen – zwingt ihn dazu, alle anderen Brücken zu verbrennen. Eigentlich möchte Jax Tara vor schlimmen Konsequenzen bewahren – und schafft dabei selbst die Voraussetzungen für ihr Entstehen.

Im Hintergrund geht ihm immer wieder Clay (Ron Perlman) unter die Haut und stellt ihn vor unmögliche Entscheidungen: Das Geld für Belfast muss von dem Medikamentenverkauf kommen – und der Schlüssel zum Erfolg ist Tara. Wir Zuschauer wissen, dass Tara mit Jax’ Kind schwanger ist – außer uns weiß das anscheinend nur Gemma. Unwissentlich setzt also Jax für sein erstgeborenes Kind – Abel – sein ungeborenes Kind aufs Spiel.

In The Push hilft Tara Jax, die Medikamente einer Klinik zu verkaufen. Darby (Mitch Pileggi) aber, den man tot geglaubt hatte, wird in genau dieser Klinik behandelt und kann den Deal beobachten. Er gibt die Information an Hales Bruder – und der teilt alles der Polizei mit. So wird das Sons-Quartier auseinander genommen – ohne vorherige Warnung, denn Unsers und Clays langjähriges Abkommen hat seine Gültigkeit verloren: Clay hat seinen Teil der Abmachung nicht eingehalten, hat Charming nicht frei halten können von blutiger Gewalt.

Damit nicht genug: Wir sehen in dieser Episode, dass Clay, um Frieden mit den Mayans schließen zu können, auch das letzte der Sons-Prinzipien mehr oder weniger aufgibt. Mit einem geschickt inszenierten Drogenlieferungs-Überfall können die Sons dann den Mayans einen besseren Deal anbieten als die Salazars. Die Sons und die Grim Bastards wollen dafür sorgen, dass die Lieferungen problemlos vonstatten gehen. Heißt das aber nicht: Drogen durch und in Charming?

Es scheint, als würde jede Entscheidung in dieser Episode auf einem Kompromiss beruhen. Jede Entscheidung zieht Opfer nach sich. Auch Stahl (Ally Walker) bringt ein Opfer. Durch Jax lässt sie Gemma ein neues Statement zukommen: Gemma habe gesehen, dass auch Stahls Partnerin im Haus gewesen sei, als Camerons Sohn getötet wurde – wahrscheinlich habe sie abgedrückt… Mit jeder Episode setzt Stahl noch eins drauf.

Während sie die Sache mit Gemmas (Katey Sagal) Statement inszeniert, können Clay und Jax Oswald dazu bringen, den Sons den Transport nach Belfast zu organisieren. Wer von den Mitgliedern nach Belfast gehen wird, erfahren wir noch nicht. Aber der Club bekommt drei neue Prospects – und ein potentielles Mitglied, Kozik (Kenny Johnson). Tig (Kim Coates) votet gegen den Transfer, was eine Prügelei zwischen den beiden nach sich zieht.

Doch die Vergangenheit der beiden und damit der Grund, aus dem Tig einen solchen Haß auf Kozik hegt, bleibt weiterhin im Dunkeln. Chuck fungiert mittlerweile als Running Gag im buchstäblichen Sinne, denn in The Push muss er die Polizisten im Krankenhaus ablenken, während die Sons den mexikanischen Informanten beseitigen.

Nach den turbulenten Ereignissen bietet der Schluss eine Ruhepause: Es wird von einem Pärchen zum anderen geschnitten. Nur Tara liegt allein im Bett, während Jax es mit dem Pornosternchen treibt. Clay und Gemma, eingekuschelt im Bett, gucken sich „The King and I“ an, die Geschichte eines machtvollen Mannes, der von einer klugen, starken Frau gezähmt wird.

Am Anfang dieses Artikels sprach ich davon, dass Jax den Boden unter den Füßen verliert.

Weder den eigenen Ansprüchen noch denen der anderen vermag er gerecht zu werden. Ist jede Entscheidung ein Schritt weg davon, “ein guter Mann” zu sein? Wie definiert man “gut” in dieser Welt? Er schickt die Frau weg, die er liebt: Kann er dann ein guter Sohn und ein guter Vater sein? Schafft er sich damit nicht einfach emotionalen Ballast vom Hals? Gibt er außerdem die Prinzipien und Ideen, die er in den Worten seines Vaters entdeckt hat, auf?

Derzeit verkettet Sons of Anarchy so viele Handlungsstränge mit- und ineinander, dass man tatsächlich nicht weiß, was in der nächsten Minute passieren wird.

Sons of Anarchy: Turning and Turning (3×05)

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Für die Probleme der Sons ist kein Ende in Sicht. Oder doch? Kann Jax eine Lösung finden – oder werden seine Entscheidungen dem Club noch mehr schaden? 

Nach dieser Episode, deren Titel aus William Butler Yeats’ “The Second Coming” stammt, sieht es so aus, als würden Sutter & Co. ein langes, kompliziertes Spiel in Bewegung setzen – über die Grenzen der dritten Staffel hinaus. Turning and Turning gibt dem Zuschauer das Gefühl, Jax (Charlie Hunnam) könnte Abel bald wieder sehen, Gemma könnte wieder frei sein – aber steht dahinter nicht ein Deal mit dem Teufel?

Sehr gut gefällt mir am Verlauf der dritten Staffel, dass die Serie zu ihrem Kernproblem zurückkehrt: der moralisch-politischen Grundidee hinter dem Club, die von Jax’ Vater, John Teller, stammt. Zwar bekommen die Sons es wieder mit mehreren Gegnern zu tun, aber vor diesem Hintergrund demonstriert die Serie, welchen Schaden der Club auf diesem Weg nimmt und schon genommen hat – dem Weg, auf den ihn Gemma (Katey Sagal) und Clay (Ron Perlman) gepusht haben.

Zu dem Geheimnis um John Teller kommen wir unausweichlich, wenn Jax nach Belfast geht. Das sagt auch Gemma zu Clay. Sie liegt im Krankenhaus und erholt sich von ihrem Herzinfarkt – mit Handschellen ans Krankenhausbett gekettet. Sie und Clay wirken wie zwei müde Shakespearesche Könige, zu abgekämpft, um ihr Königreich weiter zu regieren. Werden sie aufgeben?

Gemma wird. Die Nachricht von Abels Entführung raubt ihr die letzten Kräfte, und sie lässt sich ein auf einen Deal mit Stahl. Nun: wie man Stahl kennt, gibt es einen Haken bei der Sache – und prompt steckt Gemma in einer unmöglichen Situation, in der sie alles verlieren kann.

Gemma Teller, Maureen Ashby und June Stahl (Ally Walker): um dieses Frauendreieck ist Turning and Turning aufgebaut, und in seiner Mitte befindet sich Jax. Seine Interaktion mit jeder dieser Frauen – wenn auch mit Maureen nur telefonisch – bringt Bewegung in die Ereignisse und stellt Jax vor die vielleicht bisher wichtigste Entscheidung. Eine Entscheidung, die er treffen muss, um seine Familie zu retten.

Auch er macht am Ende der Episode einen Deal mit Stahl: IRA und Waffenhandel gegen Familie (Club, Mutter, Sohn). Damit begibt sich Jax auf den gefährlichsten aller möglichen Wege – findet so aber als einziger eine Lösung, bevor er sich auf den Weg nach Belfast macht.

Währenddessen schlagen sich die Sons in Charming mit Problemen herum: nicht nur mit Salazars Leuten, sondern auch mit Charming selbst. Oder es ist eigentlich anders herum: wenn der Club Probleme hat, dann hat auch Charming welche? Jemand kauft die Stadt mehr oder weniger auf, Geschäft für Geschäft, Straße für Straße. Wie Bobby letzte Woche anmerkte, sind ja die Sons eigentlich Charmings „good guys“. Sie können es aber nur dann sein, wenn Charming von ihnen profitiert.

Ich vermute, die nächsten Episoden werden uns endlich nach Belfast führen und die Geheimnisse um Jax’ Vater und den Club lüften. Apropos Geheimnisse: Jax ist auf der Suche nach seinem Sohn – weiß jedoch nicht, dass sein zweites Kind unterwegs ist. Wie wir aus einer kurzen Szene zwischen Tara und Gemma erfahren, ist Tara schwanger. Wer der Vater von Maureens Tochter ist, bleibt vorerst im Dunkeln. Ist sie Jax’ Schwester? Kann Jax mit so viel “Familie” fertig werden?

Sons of Anarchy: Home (3×04)

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Was ist, wenn man nach Hause will und nicht kann? Wenn nicht einmal das Herz mehr weiß, wo das Zuhause ist? 

„Don’t let your family slip away“: diese Worte von Gemmas Vater Nate (Hal Holbrook) betreffen jeden in dieser sehr emotionalen Episode. Sie zeigt, dass es in der neuen Sons of Anarchy-Staffel nicht um einen großen Gegner geht, sondern um den Kampf gegen sich selbst und gegen die Zeit. Homes Dynamik ergibt sich aus dem Ungleichgewicht zwischen der “Handlungszeit”, die den Figuren davonläuft, und der Erzählzeit, die sich dehnt und Details verfolgt.

Wir sehen, wie Clay (Ron Perlman) auf dem Weg zu Gemma anhalten muss, damit ihm Jax (Charlie Hunnam) die Hände an den Lenker bindet: Wegen seiner fortschreitenden Arthritis kann er die Griffe nicht mehr festhalten. Auch ihm läuft die Zeit davon. Genau diese stille Szene drückt das Problem aus, um das die dritte Staffel kreist: Jede Problemlösung der Sons bleibt vorläufig, und so wird das Problem mit der Zeit immer schlimmer.

Während in der zweiten Staffel Gemma (Katey Sagal) diejenige war, die vor ihrer Familie ein Geheimnis (die Vergewaltigung) bewahrte, sind es jetzt alle anderen, die ein Geheimnis haben (Abels Entführung). Nur eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit ans Licht kommt…

Home ist eine weitere Gemma-Episode: nicht nur bekommt sie herzzerreißende Szenen mit Nate, als er ins Heim gebracht werden muss, sondern erfährt am Ende von der Entführung. Ausgerechnet Maureen (Paula Malcolmson) ruft Gemma an und sagt ihr, Abel sei in Belfast. Wir erfahren letztendlich von Father Ashbys Plan: Seiner Meinung nach ist Jimmy (Titus Welliver) ein profitgieriger Gangster geworden, der sich von den Zielen der Organisation entfernt hat. Ashby möchte der direkten Konfrontation aus dem Weg gehen und Abel benutzen, um die Sons nach Belfast zu locken, damit sie sich um Jimmy kümmern.

Abel nach Hause bringen, zu seiner Familie – das treibt alle Ereignisse voran. Aber was, wenn die Familie in sich auseinander fällt? Wir erfahren, dass Gemma damals ihre eigene, biologische Familie zurückgelassen hat, um eine neue mit den Sons zu gründen. Als aber die Familie ihrer Wahl vor immer größeren Problemen steckt, findet sie wieder Zuflucht in ihrem ursprünglichen Zuhause, ihren Erinnerungen.

Katey Sagal spielt wunderschön die Zerrissenheit zwischen beiden Familien, zwischen den Entscheidungen, die sie getroffen hat – und die ihr dann das Herz brechen, buchstäblich: Als Gemma nach Charming zurückkehrt – zu Abel, ihrem letzten Halt – erfährt sie, dass auch er fort ist. In der letzten Szene bricht Gemma vor dem Clubhaus zusammen – ihr Herz erträgt es nicht mehr.

Sons of Anarchy: Caregiver (3×03)

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Ein bekannter Gaststar trifft in dieser Episode ein. Die Sons können auch jede Hilfe gebrauchen, denn die Probleme werden nicht weniger. 

„Kurt Sutter“ & Co. haben mit dem Titel dieser Episode wieder einmal einen Treffer gelandet, nicht nur was die Episode selbst betrifft, sondern auch die Gesamtentwicklung. Caregiver ist ein perfektes Beispiel für den Versuch seitens Samcro, Sachen in Ordnung zu bringen und sich um Sachen zu kümmern, aber je mehr man es versucht, desto tiefer steckt man in größeren Problemen drin. Im Vergleich zur zweiten Staffel und der Zoebelle-Story steht jetzt der Club auf deutlich schwächeren Beinen.

Die Sons sind nicht darauf vorbereitet, alle diese Probleme auf einmal zu managen. Wir sehen das durch ihre beinahe verzweifelten Versuche Allianzen zu bilden, um sich vor dem endgültigen Zusammenbruch zu retten. Abels Entführung hat ein Loch in der Sons-Mauer hinterlassen, das sich nicht so leicht stopfen lässt. In dieser Episode verwickeln sie sich in ein Handelsdreieck mit den Grim Bastards und der asiatischen Mafia. Es geht sogar so weit, dass die Sons für eine asiatische Pornofilm-Party Mädchen als Tausch für Waffen organisieren müssen. Lyla ist auch involviert.

Hiermit schlagen die Autoren geschickt zwei Fliegen mit einer Klappe: Verkomplizieren das Spiel noch mehr durch die Einführung einer weiteren Seite und adressieren Opies Problem mit Lylas Beruf. Während der Party eskaliert alles und Opie beendet das Ganze kurzerhand. Dieser Ausbruch kommt nicht von ungefähr, denn in den ersten zwei Episoden hat man auf subtile Art mit Hilfe kurzer Szenen angedeutet, wie sich Opie angesichts Lylas Beschäftigung fühlt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis alles eskaliert.

SoAs Gesetz der Dramaturgie, um das Innenleben von Figuren auszuleuchten, lautet: Vergieß genug Benzin in der Nähe einer Tankstelle und es wird sich im nächsten Moment jemand finden, der ein Streichholz anzündet. Dann brennt es lichterloh und alle Beteiligten können strahlen oder aber auch verbrennen. Im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln ist die dritte nicht so sehr Opie-orientiert, aber Ryan Hurst braucht nicht viel, um Eindrucksvolles zu liefern, wie in der Szene, als er Lyla sagt, er will nicht, dass sie traurig ist. Dabei ist Opie die vermutlich traurigste Figur in dieser Serie.

Nicht weniger traurig scheint Maureen (Paula Malcomson) in Belfast zu sein. Nachdem Cameron getötet wurde, will Father Ashby Abel nehmen. Warum sie so an Abel hängt und sich anfangs weigert, ihn wegzugeben, erfahren wir von Ashby: Maureen hat John Teller geliebt und liebt ihn vermutlich immer noch. Ist Maureen die Gemma von Belfast? So direkt, glaube ich, können die beiden nicht verglichen werden.

Diesmal verbringen wir etwas mehr Zeit in Belfast und sehen zum ersten Mal Mitglieder der Belfast-Sons. Cameron wird entdeckt und die Nachricht über seinen Tod verbreitet sich wie ein Lauffeuer bis nach Charming. Es ist genauso, wie der Priester es geplant hat, aber warum will er Abel behalten? Geht es um den Machtkampf mit Jimmy O oder um die gemeinsame Vergangenheit mit John Teller? Was hat Ashby vor?

Wir wissen immer noch nicht viel darüber. Maureen entscheidet sich aber, heimlich Gemma (Katey Sagal) zu kontaktieren, und braucht dafür die Hilfe von Cherry (Taryn Manning in der Rolle von Half Sacks Freundin aus der ersten Staffel). Cherry versucht, Half Sack zu kontaktieren, nur um die traurige Nachricht zu hören. Außerdem bekommen wir Maureens Tochter Trinity zu sehen. Die Frage ist: Wer ist der Vater? Es ist eine sehr gute Entscheidung seitens der Autoren eine weitere starke Frauenfigur einzuführen, während Gemma sich an der Grenze zum Wahnsinn entlang bewegt.

Es war klar, dass Tara (Maggie Siff) nicht auf Jax (Charlie Hunnam) hören wird und zu Gemma eilt. Nun, das führt zu weiteren Komplikationen. Taras Gutmütigkeit und ihr beruflicher Ethos (Caregiver) lösen eine Kettenreaktion aus, bei der Amelia mit einem Messer in der Brust endet. Tigs Involvierung in Gemmas „Frauenplot“ finde ich eine großartige Entscheidung der Autoren und Kim Coates meistert seine Rolle grandios. Tig kann nicht mal für zehn Minuten (wie er selbst anmerkt) diese Frauen außer Rand und Band allein lassen, ohne dass etwas geschieht.

Es ist Zeit einen zu rufen, der tatsächlich aufräumen kann und sich um Sachen kümmert (Caregiver)! Tig ruft The Cleaner an und die Bühne ist frei für „Stephen King“s Cameo-Auftritt. Sein Name hier lautet Bachman, was ein Verweis auf Kings Schriftstellerpseudonym ist. Der Sons-Fan „Stephen King“ fügt sich irgendwie unerwartet perfekt in die Serie ein und sorgt im Zusammenspiel mit Tig, Gemma und Tara für schwarzhumorige Töne, als er sich daran macht, Amelias Leiche zu beseitigen: „I’m in the mood for some music, ’80s …“ Tigs spontane Antwort: „I’ll make that happen.“

Die Ausstrahlung dieser Episode an Stephen Kings Geburtstag ist bestimmt eines der schönsten Geschenke für den Master of Horror gewesen. Eines der schönsten Geschenke, die uns diese Episode macht, sind die zwei Szenen mit Hal Holbrook, als er zuerst gedenkt sich umzubringen und es doch nicht tut, um später mit Gemma einen sehr innigen Moment zu teilen. Er erzählt ihr, dass die klaren Tage, die er hat, viel schlimmer sind, als die, wenn seine Demenz ihn in ihren Fängen hält.

Für die Sons sind jetzt die Tage auch klarer und schwerer geworden, denn sie sehen deutlich in welchen Schwierigkeiten alle stecken. „You’re all very unbalanced individuals.“ Dieser als Spaß gemeinte Satz von Jax ist gleichzeitig eine gute Beschreibung der Lage: Unausgeglichen.