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NCIS: Engaged / Part Two (9×09)

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Wie viele von euch Lesern und NCIS-Fans wissen, gehöre ich zu denjenigen, die jede Episode dieser Serie kennen und die meisten davon „lieb haben“. Aber Engaged / Part Two wird definitiv nicht in diese Liste aufgenommen. Hier funktioniert weder die Emotion noch der Humor! Die Vorlage, die die Serie sich selbst mit dem ersten Teil gab, verpufft in diesem zweiten. Von Spannung kann kaum die Rede sein, nur von einer Anhäufung von Pathos und Klischees.

Bei jeder Szene dachte ich, dass es jetzt genug sei, aber die Autoren setzten immer wieder einen drauf – bis es kaum mehr zu ertragen war! Dazu kommt noch der Terror-Plot, der simpler, unspannender und unspektakulärer kaum sein könnte. Harsche Kritik, ich weiß – aber um Gibbs’ Worte zu paraphrasieren, als er den Bombenleger ausknockt: NCIS ist besser als das! Die vorgebliche Auseinandersetzung mit Patriotismus, Kinderliebe und allen möglichen weiteren Werten lässt sich auf ein einfaches „Wir sind besser“ herunter brechen.

Die beliebten NCIS-Figuren in solch pathetische Inszenierungen zu verwickeln, ist nicht nötig! Vielleicht liegt es an meinem eigenen Empfinden, und vielleicht sollte das Ganze ein Dankeschön an die US-Zuschauer für die exzellenten Quoten darstellen. Dennoch: Wenn die Autoren ihre Stärken in U.S. Marine Corps-Werbevideo-Pathos sehen, dann liegen sie in meinen Augen falsch. Eine Prise – schön und gut, aber ein paar gehäufte Esslöffel sind zu viel. Man nutzt sogar die wenigen Actionszenen, um noch mehr Tragik in die Geschichte zu bringen: Zwar retten Ziva und Gibbs Flores, aber deren Vorgesetzter gibt dafür sein Leben.

Gibbs’ Flashbacks brachten ihn Gabriela Flores deswegen so nah, weil sie ihn an Joan Matteson erinnert: die junge Frau, die eine Weile mit ihm diente und eine enge Freundin wurde. Matteson wurde nach Japan versetzt und fand dort den Tod. Die Militärpfarrerin Burke beschäftigt sich in dieser Episode eher mit Tony, der seinem schlimmsten Alptraum begegnen muss. Diese Nebenhandlung ist weder amüsant, noch sorgt sie für die intendierte Aufheiterung im Kontrast zum Hauptplot um die entführten Mädchen. Fazit: In meinen Augen ist Engaged der erste Doppelepisoden-Flop in der langen NCIS-Geschichte, und ich hoffe inständig, nächste Woche zum familiären Rhythmus zurückzukommen!

NCIS: Engaged / Part One (9×08)

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Die Doppelepisoden von NCIS bilden immer ein Highlight in der jeweiligen Staffel, und der erste Teil von Engaged verspricht genau das: ein Highlight. Diesmal jedoch sucht das breit strahlende Licht nach Details aus Gibbs’ Vergangenheit. In verträumtem, weichem Licht wacht Gibbs auf: mit Shannon in seinen Armen. Natürlich handelt es sich um ein Flashback, einen Traum – aber ihre Frage, nach der er aufwacht, fühlt sich echt an: How are you going to get what you need if you don’t let me go? Letzte Episode schon leitete man dieses Thema geschickt ein, indem Gibbs’ dritte Frau den wunden Punkt berührte: Gibbs ist nie über Shannon hinweggekommen.

Und auch nicht über seine Tochter. Engaged Part One zeigt zum wiederholten Mal, wie man die Balance zwischen Drama und Melodrama, zwischen Pathos und Mitgefühl bewahren kann. Die Episode ist durch und durch eine Gibbs-Episode, worauf auch die schwarz-weißen so genannten Vorblenden schließen lassen, denn sie zeigen nur Gibbs (Mark Harmon). Durch die letzten Ereignisse anscheinend zurück in seine Vergangenheit versetzt, zeigt sich Gibbs „anfälliger“ für die Bilder von damals, die ihn heimsuchen und ihn den Fall der Woche nicht nur als solchen, sondern als mehr empfinden lassen. Ein Militärflugzeug ist abgestürzt.

Es transportierte die Überreste gefallener Marines zurück nach Hause, wo sie endgültig identifiziert und ihren Hinterbliebenen übergeben werden sollten. Es stellt sich aber heraus, dass Lieutenant Gabriela Flores (Sofia Pernas) nicht dabei ist: keine DNA-Spur von ihr. Dank dem NCIS-Team erkennt man schnell, dass anscheinend Terroristen in den engen Kreis um Flores eingeschleust waren, die den Angriff auf die Schule vorbereiteten, in der sie arbeitete. Flores entkam mit zwei Kindern dem Tod, und McGee weiß die Satellit-Aufnahmen preisgeben zu lassen, dass jemand die drei entführt hat. War es aber wirklich eine Entführung?

Fragen über Fragen, die sich nur auf eine Art und Weise lösen lassen: mit einer Reise nach Afghanistan, die im zweiten Teil der Doppelepisode nächste Woche stattfinden wird. Mindestens genauso interessant ist Gibbs’ eigene Reise in die Vergangenheit, in der wir Jung-Gibbs (gespielt von Mark Harmons Sohn Sean Harmon) sehen: nicht nur werkelt er an seinen ersten Holzarbeiten, sondern es keimt die Freundschaft (oder mehr?) mit einer  unbekannten Frau auf, die auch bei den Marines dient.  Jetzt seid ihr gefragt: Wer ist diese Frau? Sie sah doch nicht wie Shannon aus, oder? In der Gegenwart taucht eine Militärpfarrerin namens Commander Melanie Burke (Jaime Ray Newman) auf, zuständig für die Trauerbegleitung der Familien.

Trotz oder sogar wegen der guten Chemie zwischen ihr und Gibbs wundert mich ihr plötzliches Auftauchen. Steckt mehr dahinter? Ist sie eigentlich da, um Gibbs aus der Nähe zu beobachten? Stecken tatsächlich Terroristen hinter Flores’ Entführung? Das sind Fragen, auf die wir nächste Woche definitiv eine Antwort bekommen werden, denn für Gibbs und sein Team geht es nach Afghanistan: auf die Suche nach einer verschollenen Tochter. Diese Episode erinnert daran, wie NCIS sein kann, nämlich wie Gibbs’ Kaffee (laut Burke) – ohne Zucker, wenn es sein muss! NCIS hat seine Insider-Scherze und seine amüsanten Seiten, aber auch ungesüßt kann die Serie überzeugen. Obwohl: etwas natürliche Süße schleicht sich doch ein – Tony bekommt von Ziva den Gibbs-Klaps! Noch lustiger in der Situation war Gibbs’ Befehl: Stay down, DiNozzo. Nice one, Gibbs! Und nicely done, NCIS!

NCIS: Devil’s Triangle (9×07)

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Da sich der heutige Tag bei Serienjunkies.de zu so etwas wie einem NCIS-Tag entwickelt, kommt eine Episode wie Devil’s Triangle sehr gelegen. Denn wie NCIS-Fans nur zu gut wissen, gehören Episoden der CBS-Serie, in welchen Gibbs (Mark Harmon) und Fornell (Joe Spano) zusammen arbeiten müssen, zu den besten! Dieses Mal müssen sie tatsächlich zusammen halten, um einem rothaarigen Wirbelsturm namens Diane standhalten zu können.

Ja, es handelt sich um die Ex-Frau der beiden, die nicht lange gebraucht hat, um sich einen dritten Mann zu angeln. Der wiederum heißt Victor und arbeitet für Homeland Security. Im Vergleich zu Dianes vorherigen Ehemännern ist er jedoch kein tougher Typ, sondern ein Papiertiger, der Datenbanken pflegt. Oder steckt doch mehr dahinter? Das ist die richtige Frage. Nicht nur Victor betreffend, sondern auch Gibbs’ und Fornells Vergangenheiten mit Diane (Melinda McGraw). In NCIS wurde oft über Gibbs’ Ehefrauen gesprochen, vor allem über Diane – aber erst in dieser neunten Staffel dürfen wir sie erleben. Ein Erlebnis auch für Gibbs’ Team! Alle verspüren Interesse an den Ex-Files; Abby hat gar einen Fragebogen erstellt.

Nun, Gibbs ist nicht sehr gesprächig, was Diane betrifft. Die Szene, als Abby ihn bittet, von vorn anzufangen, verdeutlicht genau die Art von trockenem Humor, für den NCIS berühmt ist: Gibbs dreht sich einfach stillschweigend um, geht aus dem Raum und kommt gleich darauf wieder herein, als ob nichts passiert wäre. Reichlich Humor darf man von Fornell-Gibbs-Episoden ja immer erwarten, aber Devil’s Triangle hat noch mehr auf Lager: emotionale Szenen zwischen Gibbs und Diane in seinem Keller, in der Mitte und am Ende der Episode. Nach einigen heftigen verbalen Attacken beiderseits (Diane: Have you just been waiting for this all these years, an opportunity to twist the knife in? Gibbs: No, that’s your specialty.) gesteht sie ihm, dass Fornell ihre Shannon sei: Gibbs hatte Diane geheiratet, um über Shannon hinwegzukommen – und wie sich nun herausstellt, hat Diane Fornell geheiratet, um über Gibbs hinwegzukommen.

Kleine Augenblicke sind es, in welchen diese traumatische Vergangenheit für ein paar Sekunden in Gibbs’ Augen auftaucht, um dann rasch wieder zu verschwinden. Genauso schnell wie Tonys Haare in letzter Zeit zu verschwinden scheinen… Er erzählt McGee und Ziva, dass er nach dem Duschen die Haare im Abfluss zähle; es seien alarmierend viele geworden. Übrigens: Ist es nicht mittlerweile ein Running Gag, dass eine jede Episode mit DiNozzo und seiner Verwicklung in beunruhigende Beschäftigungen beginnt? Im Laufe der Untersuchung, die Gibbs und Fornell anfangs ungern in Angriff nehmen, erweist sich Victors Verschwinden nicht nur für Diane als äußerst beunruhigend. Denn er scheint die Formel für ein tödliches Virus aus den Datenbank-Archiven entwendet zu haben.

Plötzlich entwickelt sich die „tödliche“ Gefahr durch das Ex-Files-Virus zu einer tatsächlichen. Obwohl Fornell und Gibbs durchaus geneigt sind zu glauben, dass Victor involviert ist – Victor was so desperate to get away from Diane that he had himself kidnapped!? -, erweist sich die ganze Sache tatsächlich als Entführung. Es stecken jedoch nicht Terroristen dahinter, sondern die eigenen Leute: Ein Homeland-Security-Agent ist der Drahtzieher, der bei der Suche nach Victor seine Hilfe anbot. Denkt man.

Aber auch er scheint nur Befehle von ganz oben ausgeführt zu haben, als er mit dem Virus hochrangige Militärs beseitigen wollte. Es wäre logisch und auch interessant, dieser Spur zu folgen und das Team ein wenig tiefer in Verschwörungstheorien zu verwickeln. Diesen Fall nicht weiter zu verfolgen, wäre tatsächlich eine Verschwendung! Wie auch immer es weiter geht: Im Nachhinein kann man sagen, dass Gibbs und Fornell im perfekten Zusammenspiel wieder einmal das NCIS-Familien-Humor-Virus den Bildschirm infizieren ließen…

NCIS: Thirst (9×06)

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Was kann man über Thirst sagen? Die Episode hinterlässt einen irgendwie zwiegespalten. Eigentlich ist „zwiegespalten“ gleichzeitig eine Beschreibung der Ereignisse in Thirst: Das Team wird mit einem außergewöhnlich brutalen Mord konfrontiert. Aber man wundert sich zunächst – vor allem nach dem Fund des zweiten Opfers und Gibbs’ (Mark Harmon) Annahme, es könnte sich um einen Serienmörder handeln -, warum die Episode so außergewöhnlich viel Zeit auf Duckys neue Romanze verwendet.

Die Antwort ist einfach, vom Verlauf her deutlich – aber in meinen Augen doch letztendlich unbefriedigend. Eine Ducky-Episode hatten wir lange nicht mehr, und Davis McCallum im Zentrum der Ereignisse ist immer willkommen. Man kann es nicht anders sagen: Die Szene mit McCallum und Cheryl Ladd (Mary), als er sie zum Abendessen besucht, ist zum Genießen – vor allem für die Feinschmecker unter den Romantikern und Wortgewandten!

Nun kam die Wendung in meinen Augen zwar nicht wirklich unerwartet, wirkte aber trotzdem irgendwie erzwungen. Auf der einen Seite hat mich die Auflösung also enttäuscht – aber auf der anderen Seite rundet sie das Ganze eigentlich gut ab. Vielleicht rührt die Enttäuschung schlichtweg daher, dass wir nach einem interessanten Fall dürsten, der dem Team über eine längere Zeitspanne hinweg etwas abfordert? Die Geschichte um Ducky wiederum passt zum Kontext der Staffel bisher, nämlich das Team aufs Neue als solches zusammenzuschweißen und jede der Figuren sich selbst begegnen zu lassen.

NCIS: Safe Harbor (9×05)

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Die neue NCIS-Episode lehrt uns, dass der einzige sichere Hafen, in dem man Zuflucht suchen kann, nicht einem bestimmten Land angehört, sondern der eigenen Familie. Aber auch die kann einen nicht vor sich selbst retten. Der Trend der neunten NCIS-Staffel, den wir im Review von letzter Woche ansprachen, setzt sich in Safe Harbor fort: Auch hier rückt eine der Figuren mitsamt ihrer Vergangenheit ins Rampenlicht.

Nachdem Ziva (Cote de Pablo) eine Zeitlang eher am Rande des Geschehens stand, ist sie mit Safe Harbor wieder mittendrin – und findet sich auf schmerzlich vertrautem Territorium wieder. Der Fall der Woche handelt von einem Geisterschiff, an dessen Bord ein Mitglied der Küstenwache prompt sein Leben verliert. Das ruft die rothaarige Agentin Abigail Borin auf den Plan, die die Ereignisse zusammen mit Gibbs‘ Team untersuchen muss. Gibbs und die Frauen… Ein Kapitel für sich, das sein Team zur Genüge zu kennen glaubt. Doch man muss sich eines Besseren belehren lassen. Ziva, Tony und Tim stellen fest, dass Gibbs ununterbrochen arbeitet, und schließen daraus, dass er eine Abwechslung – sprich: eine Frau – braucht. Sogar Abigail macht bei der Suche mit und bietet alle Damen aus ihrem persönlichen Freundeskreis an. Welche aber ist die ideale Frau für Gibbs?

Zwar steht die Geschichte um die libanesische Terroristenfamilie, die an Bord des Schiffes aufgefunden wird, atmosphärisch im krassen Gegensatz zu dieser Frauensuche, aber nur auf den ersten Blick.  Wieder einmal gelingt es NCIS, alles zufrieden stellend zusammen zu bringen. Außerdem bekommen wir endlich wieder Secretary Jarvis und Leon zu sehen! Die Dynamik innerhalb des Dreiecks Leon-Jarvis-Gibbs finde ich noch immer sehr interessant; als Zuschauer schwebt man im Ungewissen, wer wirklich was über den anderen denkt und weiß und wer wie auf wen reagieren wird. Das sorgt für langsam steigende Spannung, die sich demnächst entladen wird. Nur wie? Und wer wird unter die Räder kommen?

Die NCIS-Autoren tun freilich gut daran, gegenwärtig nur kleine Schritte zu machen. Versucht man die Mitglieder der NCIS-Familie vielleicht deswegen noch enger aneinander zu binden, weil sie in nächster Zukunft auf dem Prüfstand stehen wird? Das wäre meine Hypothese! Zur Betonung dieses Familiengefühls trägt auch die Safe Harbor abschließende Szene zwischen Ziva und Gibbs bei, in der er ihr erneut klar macht, dass sie eine Art Ersatztochter für ihn ist. Damit beantwortet er auch die Frage, die ihm alle stellen – ob er einsam sei: Wenn man Kinder hat, ist man nie einsam! Und was ist mit der Frau für Gibbs?

Nun, das Team und Abigail finden am Ende die passende Kandidatin – nur um von Gibbs zu hören, dass er mit deren Eigenschaften durchaus vertraut ist. Er hat sie nämlich bereits gedatet. Spätestens, allerspätestens damit wird Gibbs definitiv zum verehrten Ersatzvater Tony DiNozzos (Michael Weatherly), der übrigens innerhalb der Folge seine Hose nicht anbehalten kann – aus bombastischen Gründen…

NCIS: Enemy on the Hill (9×04)

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Es scheint, als hätten sich die NCIS-Autoren fest vorgenommen, die Familiengeschichten des Teams eine nach der anderen abzuarbeiten, bevor man sich dem handlungsübergreifenden Fall der Staffel widmet. Über den nämlich hören wir wieder einmal kein Wort. Nachdem letzte Woche Timothy McGee dran war, ist die Reihe diesmal an Abby (Pauley Perrette): Am Anfang der Episode verkündet sie fröhlich dem Rest des Teams, dass sie demnächst eine ihrer Nieren zu spenden beabsichtigt. Kurze Zeit später ist ihre Fröhlichkeit verflogen: Sie erzählt Ducky, dass ein anderer Spender ausgewählt wurde, dessen DNA-Ergebnis ihn als Abbys Bruder ausweist. Ihr eigentlicher Bruder aber scheint nichts damit zu tun zu haben! Haben ihre Eltern einen zweiten Bruder heimlich zur Adoption frei gegeben? Aber wenn – warum?

Pailey Perrette nutzt die Möglichkeit, die ihr die Autoren hier geben, und stellt sehr glaubwürdig Abbys Zerrissenheit, ihre Unsicherheit dar, die zuerst in der Szene mit Ducky zum Tragen kommt – und am Ende der Episode in einer Vater-Tochter-Szene zwischen ihr und Gibbs (Mark Harmon). Aber bevor es dazu kommt, trifft sie ihren unbekannten Bruder Kyle, der von Daniel Louis Rivas gespielt wird. Man kann wirklich sagen, dass er für die Rolle perfekt ausgewählt wurde: Die beiden könnten einander nicht ähnlicher sehen! Übrigens: Wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, ist Rivas Perrettes Ex-Freund, und sie selbst hat ihn für die Rolle empfohlen.

Abby behält die Wahrheit zunächst für sich und sagt Kyle nichts von ihrer Verwandtschaft. Denn diese Wahrheit ist komplizierter und verwirrender, als man zunächst dachte: Nicht Kyle wurde von Abbys und seinen Eltern weggeben, sondern Abbys biologische Eltern gaben sie zur Adoption frei, wie sie Gibbs mitteilt. Er versichert ihr in dieser innigen Szene, dass sie immer ihre NCIS-Familie haben würde, die ihr über alles hinweg helfen könne… Klingt zwar pathetisch, aber in der Szene funktioniert es! Genauso wie die Episode als Ganze funktioniert.

Tony DiNozzo (Michael Weatherly) ist nach dem Selbstfindungstrip zum Anfang dieser Staffel wieder auf der Höhe: sowohl mit seinem Tony-Humor als auch mit seinen Ermittlerfähigkeiten und im Zusammenspiel mit Ziva und McGee. Ich sage nur: Telefonduell! Ziva bekommt ihre eigene Aufgabe. Sie soll Bodyguard von Lt. Commander Geoffrey Brett werden, auf den ein Auftragskiller angesetzt wurde, der dann aber bei einem Verkehrsunfall starb. Det. Sportelli überbringt Gibbs’ Team die News. Im Laufe der Untersuchungen stellt sich heraus, dass ein mysteriöser George Kaplan die Fäden zu ziehen scheint – bis schließlich Tony (nach einem ziemlich harten Gibbs-Klaps, Nr. 2 der Staffel) den Mann präsentieren darf, der nie existiert hat – in Anspielung auf Hitchcocks North by Northwest. Insgesamt eine solide NCIS-Episode, die Lust auf mehr macht!

NCIS: The Penelope Papers (9×03)

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Nachdem sich die NCIS-Autoren in den letzten Episoden vorwiegend mit Tony DiNozzo (Michael Weatherly) beschäftigten, ist nun die Reihe an Timothy McGee (Sean Murray). The Penelope Papers rückt Timothys Familie in den Vordergrund, über die wir bisher, wenn überhaupt, selten etwas zu hören bekamen. Eigentlich ist es ein bestimmtes Familienmitglied, das die Bühne betritt, nämlich McGees Großmutter (gespielt von Lily Tomlin), deren Name im Episodentitel versteckt ist. McGee muss erfahren, wie dünn die Linie zwischen dem Persönlichen und Beruflichen sein kann – und wie sehr einen Emotionen zu ihrer Überquerung verleiten können.

Aber eins nach dem anderen in einer Episode, die mit einem professionell ausgeführten Mord beginnt. Ein Marine-Offizier wird hingerichtet, und die Spuren führen das Team ausgerechnet zu… McGees Großmutter. Nun, sie gehört nicht zu den Frauen die sich etwas sagen lassen – und schon gar nicht zu denjenigen, die ihre Geheimnisse geradeheraus preisgeben. Penelope hegt außerdem eine gewisse Abneigung gegen Autoritäten, was Gibbs von vornherein in eine schlechte Verhandlungsposition bringt.

Als Penelopes Leben bedroht wird und noch mehr Details über ihren Kontakt mit dem toten Offizier ans Licht kommen, ist es Zeit, in die Vergangenheit zurückzukehren: in die Zeit, als Penelope und ihre Wissenschaftlerkollegen den Weltfrieden zu retten glaubten und dabei eine tödliche Waffe ins Leben riefen. Es handelt sich um das streng geheime ANAX-Projekt, das damals aufgegeben wurde; die Firma, für die der tote Paul arbeitete, nahm es auf Befehl von ganz oben wieder auf. Penelope wollte mit der Hilfe Pauls und eines Reporters an die Öffentlichkeit gehen, als ihre Mitverschwörer ihr Leben verloren.

Die Auflösung des Ganzen ist dann wenig spektakulär, aber die ganze Geschichte bewegt Timothy dazu, wieder Kontakt mit seinem Vater aufzunehmen. Somit sind die Väter-Kinder-Problematiken im Team eigentlich vollständig – und es sieht nicht danach aus, als ob dies der letzte Ausflug von NCIS in McGees Familienleben gewesen wäre. Denn am Ende der Episode sehen wir, wie Ducky Penelope zum Abendessen ausführt. Vielleicht bekommen wir sie ja noch einmal zu sehen?

Das hieße: mehr Frauen-Power für die CBS-Serie! Apropos Frauenpower: Was wird aus Ziva und ihrem CIA-Freund, den wir lange nicht mehr gesehen haben? Man hat das Gefühl, dass sich an dieser Front etwas anbahnt, da Ziva die letzten Episoden irgendwie am Rande des Geschehens verbrachte…
Alles in Allem eine stille Episode, in der wir mehr über McGees Leben erfahren – aber das passt zu seiner Figur, wie wir sie kennen. Wie gefiel euch The Penelope Papers? Denkt ihr, dass Penelope und Ducky eine Zukunft haben?

NCIS: Restless (9×02)

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Wie von NCIS gewohnt, wird der handlungsübergreifende Erzählstrang der Staffel, der in der ersten Episode eingeführt wurde, erst später wieder aufgenommen, während man sich in der zweiten Episode dem Tagesgeschäft widmet. Dieses beinhaltet den Mord an einem Marineoffizier und eine Reise in Tony DiNozzos (Michael Weatherly) Vergangenheit. Nein, dieses Mal gibt es keine Flashbacks, sondern nur Tonys Worte. Ob man ihnen trauen kann?

Sowohl Tonys kleine Nebenhandlung als auch der Fall der Woche handeln von einer allzu menschlichen Geschichte: von dem Versuch, Dinge hinter sich zu lassen, an die man sich nicht gern erinnern will. Ich musste komischerweise an David Lynchs Film Lost Highway denken – vor allem an die Worte, die die Hauptfigur (gespielt von Bill Pullman) zu den Polizisten sagt, die in seinem Haus nach Spuren eines vermeidlichen Eindringlings suchen: Er besitze keine Kamera und keinen Fotoapparat, weil er sich an Erlebtes nicht so erinnern wolle, wie es war, sondern so, wie er sich daran erinnern möchte. Traumatische Momente werden verdrängt, während Augenblicke des Glücks immer wieder heraufbeschworen werden. Oder man verwandelt gar die ersten in die zweiten, um sie leichter verdrängen zu können.

Genau das geschieht mit einem jungen Mädchen, das dem NCIS-Team über den Weg läuft, als es den Mord an seinem Bruder untersucht. Er war allerdings nicht der leibliche Bruder: Das Mädchen lebt als Pflegekind in seiner Familie. Um zu verstehen, warum der Marineoffizier und Afghanistan-Rückkehrer brutal erstochen wurde, müssen Gibbs (Mark Harmon) und seine Untergebenen herausfinden, wer dieses Mädchen wirklich ist. Die Suche ist nicht angenehm – ebenso wenig wie die Suche im Müllberg, die Ziva, Tony und McGee durchführen müssen, nachdem die Putzmaschine ein Beweisstück geschluckt hat. Tonys Vorschlag: Nächstes Mal soll Ziva den Fahrer einfach erschießen…

Da im Laufe der Fall-Ermittlungen das Leben in der Highschool zum Thema wird, kommt Tony auf die Idee, einen Fehltritt von damals wieder gutzumachen und sich bei einem ehemaligen Kommilitonen zu entschuldigen. Aber war er tatsächlich damals der Täter – oder doch das Opfer? Je länger man sich selbst eine Geschichte erzählt, desto mehr glaubt man daran und meint, sich wirklichkeitsgetreu an vergangene Erlebnisse zu erinnern. So ist Lindsey (Bonnie Dennison) von Familie zu Familie gezogen, um eine schöne Zeit – die letzten zwei Highschool-Jahre – immer wieder zu erleben und dabei etwas zu vergessen, nämlich die Misshandlungen durch ihren Onkel. Doch ihre Vergangenheit hat sie eingeholt, und ihr „neuer“ Bruder bezahlte dafür mit seinem Leben.

In einer sehr intensiv gespielten Szene stellt Gibbs den eigentlichen Täter, den Kern des Traumas. Und was ist mit Tony? In diesen ersten zwei Episoden der neuen Staffel liegt definitiv der Fokus auf ihm. Er hat mit dem Hin-und-Her-Gerissen-Sein zwischen Erinnern und Vergessen zu kämpfen. Dabei scheint es so, als sei er wieder ein Stückchen weiter gekommen mit sich selbst – und das ist gut so, denn auf Gibbs und sein Team wartet eine große Herausforderung…

NCIS: Nature of the Beast (9×01)

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NCIS kehrt zur neuen Staffel mit einer bombastischen Eröffnung zurück. Wie sonst sollte man die ersten Minuten nennen, wenn plötzlich Gibbs im Krankenhaus Kate Todds Schwester Rachel in Empfang nimmt und sie in ein Zimmer bringt, wo…. Tony DiNozzo untergebracht wurde, angeschossen? Und schon sprudeln die Gedanken im Kopf des Zuschauers nur so: warum, wo, wann? Während der Pause zwischen den beiden Staffeln ging die imaginäre NCIS-Welt weiter ihren Gang und Tony seiner Mission nach. Ohne Schussweste wäre die Mission tödlich für ihn ausgegangen. In vest we trust! Warum aber Rachels Hilfe? Nun, Tony erinnert sich an nichts mehr – und Gibbs will schnell herausfinden, was passiert ist, denn auch Tonys Waffe wurde abgefeuert, und am Tatort fand man fremdes Blut und einen NCIS-Ausweis. Hat Tony einen anderen Agenten erschossen? Bestand darin sein Auftrag?

Mit Rachels Hilfe kommen Tonys verdrängte Erinnerungen zurück. Der Rest der Episode besteht hauptsächlich aus Rückblenden, die das Geschehene aus Tonys Perspektive nach und nach zu einem kompletten Bild rekonstruieren. Wir dürfen die restlichen Teammitglieder in diesen Rückblenden begrüßen – und auch in Gibbs’ und Tonys Erinnerungen daran, wie Tony alles vor seinen Kollegen geheim hielt und wie seine Kollegen mit vereinten Kräften herauszufinden versuchten, worin Tonys Auftrag bestand. Übrigens: Ziva (Cote de Pablo) ist mittlerweile gleichrangige NCIS-Agentin und kein Probie mehr!

Man erinnere sich an die kleine Operation, die EJ an dem toten Levin durchführte. Ducky präsentiert Gibbs den Videobeweis: Anscheinend dreht sich alles um den Mikrochip, den sie aus Levins Arm herausholte. Für Gibbs kommt alles an seinen Platz, als Navy Captain Wright vor seinen Augen und dem Secnav stirbt und die gleiche Wunde am Arm aufweist. Die Verbindung? Levin und Wright haben für das Office of Naval Intel gearbeitet: Spies spying on spies. Auf den Mikrochips, so der Director of the Watcher Fleet Sean Latham, befinden sich unbezahlbare Geheiminformationen. Tony erinnert sich, wie er EJ fand und davon überzeugte, mit dem Chip zu Gibbs zu gehen, da Wright, zu dem sie den Chip bringen wollte, bereits tot war.

Aber nicht EJ war auf dem Foto zu sehen, wie man im Laufe der Geschichte geneigt war zu glauben, sondern Cade! In der Gegenwart taucht ein FBI-Agent namens Stratton (Scott Wolf, V) auf, der Tony sprechen will. Da aber sowohl Gibbs als auch Rachel anwesend sind, geht er wieder. Tonys letzte Erinnerung betrifft die Falle, die ihm, Cade und EJ gestellt wurde. Alle wurden niedergeschossen, und zwar von keinem anderen als Stratton persönlich. Am Ende der Episode bekommen sowohl wir Zuschauer als auch Gibbs – wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise – zu sehen, dass Stratton mit Latham zusammenarbeitet.

Zum Schluss kann man nur sagen, dass der NCIS-Mechanismus nach wie vor wunderbar funktioniert. Die Auftakt-Episode bietet nicht nur einige der immer gelungenen Eins-zu-eins-Situationen zwischen Gibbs und Tony, sondern gibt Tony durch Kates Schwester als „neutrale“ Beteiligte die Möglichkeit, Dinge für sich klar zu stellen und auszusprechen – und zu beweisen, dass er auch mit Gedächtnisschwund seinen Sinn für Humor (In vest we trust. Go Vest, young man!) und Loyalität nicht verloren hat. Zwar geht NCIS mit der Episode einen Schritt zurück in die Zeit, als wir nicht anwesend waren – aber damit vollbringt die Serie zugleich zwei große Schritte nach vorn. Denn sachte, aber bestimmt – wie es halt Gibbs’ Art ist – skizziert Nature of the Beast den neuen handlungsübergreifenden Erzählbogen. Ein sehr guter Einstieg in die neue Staffel!

NCIS: A Man Walks Into A Bar (8×14)

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NCIS erreicht im Laufe dieser achten Staffel regelmäßig Traumratings – und die neue Episode zeigt auch, warum. A Man Walks Into A Bar wärmt mit Sicherheit die Herzen aller NCIS-Fans, weil sie im Grunde nicht nur eine Zusammenfassung der Entwicklungen innerhalb des Teams über die Jahre bietet, sondern auch den emotionalen Konflikten jedes Einzelnen nachgeht. Auf faszinierende Art und Weise demonstriert die Episode, warum Gibbs’ dysfunktionales Team so gut funktioniert. Und vor allem: A Man Walks Into A Bar bringt Kate zurück!

Die Vergangenheit scheint in dem Gemüt jedes einzelnen Teammitglieds zu geistern. Um an das Unausgesprochene heranzukommen, bedarf es eines Spezialisten. In diesem Fall einer Spezialistin: Dr. Rachel Cranston (Wendy Makkena)  taucht in der NCIS-Zentrale auf mit dem Auftrag, das komplette Team psychologisch zu evaluieren. Selbstverständlich begegnen ihr alle (vor allem Tony) mit Misstrauen und Ungeduld: Keiner will, dass jemand in seinem Unbewussten „herumwühlt“! Aber Leons Vorgaben lauten, Rachel für ihre Arbeit volle Unterstützung zu gewähren.

Geschickt lässt uns die Episode glauben, es handle sich hier um Leons Trauma; aber wie tief hier gegraben wird, zeigt sich erst gegen Ende der Episode nach mehreren Rückblenden. Rachel ist eine Art Pferdeflüsterin – sie findet die richtigen Worte, um an jeden heranzukommen. So wie Tony anscheinend – seiner Behauptung nach – die richtigen Worte gegenüber den echten Pferden fand, die ihm zuflüsterten, wer das jeweilige Pferderennen gewinnen würde… Das ist Rachels erster Eindruck von Tony: mitten im Büro mit Dollarscheinen wedelnd und vor sich hin wiehernd.

Nun, mit der Pferde-Metaphorik hört es an der Stelle nicht auf. Im Fall der Woche muss das Team dem Mord an einem Marine-Commander nachgehen; Tony (Michael Weatherly) beschreibt den Ausdruck eines Verdächtigen wie den eines aufgescheuchten Pferdes. Damit hat er gar nicht so Unrecht, aber noch besser sind damit die Gesichter der Teammitglieder beschrieben – in den stillen Momenten, wenn Rachel sie dazu bringt, in die Vergangenheit zurückzukehren.

Die Zwiegespräche sind immer auf die selbe Art und Weise inszeniert: extreme Close-Ups der Augenpartie und Flashbacks mit Momenten, die man nie vergessen wird. Natürlich kennen wir als langjährige Zuschauer diese Details – aber sehr schön kreiert hier NCIS die Illusion, das Graben in den Erinnerungen einzig und allein für die Figuren selbst zu vollziehen: damit sie eine Art Frieden mit sich selbst und mit ihren Erinnerungen schließen können, damit sie sich sich selbst gegenüber öffnen und Dinge gestehen, aussprechen. So gibt Ziva (Cote de Pablo) zu, sich nach Beständigkeit zu sehnen; Tony hadert mit seiner Absage an Director Sheppard, Ducky (David McCallum) mit der Einsamkeit, McGee (Sean Murray) mit Beziehungen – und Abby (Pauley Perretty) vermisst Kate (Sasha Alexander) schmerzlich.

Immer wieder taucht Kate in den Flashbacks auf, als würde die Erinnerung an sie alle verfolgen. „Alle“ meint nicht nur das NCIS-Team: Rasch findet Gibbs (Mark Harmon) heraus, dass Rachel Kates ältere Schwester ist – und während sie Gibbs’ Teammitgliedern hilft, mehr über sich selbst zu lernen, lernt sie die Menschen kennen, mit welchen ihre Schwester ihre letzten Tage verbracht hat.

In einer sehr rührenden Szene gibt Gibbs seinerseits auch Rachel den Frieden nach dem sie sucht. Er führt sie genau zu der Stelle, an der Ziva ihren Bruder erschoss: den Mörder von Rachels Schwester. Erneut schafft es NCIS, in einer brillanten Episode gefühlvoll zu erzählen, ohne melodramatisch zu werden. „A man walks into a bar…” to be continued!