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NCIS: Recruited (8×12)

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Der Fall der Woche um den brutal ermordeten homosexuellen Marine-Offizier ist zwar nicht besonders spannend oder kompliziert und scheint auf den ersten Blick kein besonderes Statement in den Raum zu stellen – aber dennoch erinnert uns Recruited an etwas Wichtiges: Nur ein bisschen Menschlichkeit und Zuwendung reichen aus, um einem anderen Menschen zu helfen, sich selbst zu finden oder zu sich selbst zu stehen. Manchmal schafft man das nicht allein und braucht Unterstützung.

Das alles mag pathetisch klingen; und das Ende der Episode wirkt auch definitiv ein bisschen pathetisch. Zwei Figuren jedoch schaffen es, die Episode auf den Boden der menschlichen Tatsachen zu holen und das Pathetische in eine gewisse Traurigkeit umzuwandeln: in Traurigkeit über die menschliche Natur, sowohl auf rein physiologischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Diese zwei Figuren sind Gibbs (Mark Harmon) und Dr. Magnus (Gastdarsteller Bob Newhart), Duckys Vorgänger, der NCIS einen überraschenden Besuch abstattet. Geschickt lässt NCIS – nicht zuletzt dank Bob Newharts schauspielerischer Leistung – das Humorvolle an Magnus’ Präsenz ins Traurige abgleiten.

Dr. Magnus leidet unter Alzheimer und hatte gehofft, sich durch die Rückkehr zu seinem Arbeitsplatz erinnern zu können: daran, wer er war und wer er ist. Denn sein Job war sein Leben. Ducky hilft ihm am Ende der Episode dabei, indem er alle Fälle, an denen Magnus gearbeitet hat, zusammenstellt und sie ihm vor Augen führt.

Gibbs wiederum führt in dieser Episode der Verdächtigen – und gleichzeitig uns Zuschauern – vor Augen, wie oft man den leichteren Weg wählt und sich von purem Hass bzw. reiner Wut zu grausamen Taten verleiten lässt.
Tony scheint Zivas häufige Abwesenheit hart anzukommen – sie ist wieder einmal mit ihrem mysteriösen Liebhaber zusammen gewesen -, und gegenüber McGee gibt er zu: I want Ziva back. Wie das genau zu deuten ist, ob auf persönlicher oder beruflicher Ebene oder beides, werden wir noch erfahren.

Dafür kehrt Leon zurück, aber nach dem, was passiert ist, fällt es ihm schwer, sich wieder in den Arbeitsalltag hineinzufinden. Gibbs’ Ratschlag, mit einem kleinen Lächeln: Suck it up and move on!
Zum Ende einer traurig-nachdenklichen Episode kann sich das Herz am Anblick von Tony und Gibbs erwärmen, die im Chor “The Wheels on the Bus” singen.
Ja, der Bus rollt weiter…

NCIS: Freedom (8×13)

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Freedom ist zwar eine solide NCIS-Episode – aber dennoch, meiner Meinung nach, die bisher schwächste der achten Staffel. Allerdings: bei dem Niveau, das NCIS in dieser Staffel hält, nimmt es nicht Wunder, dass eine Episode wie Freedom dagegen unscheinbar daherkommt.

Der Fall der Woche handelt von dem Mord an einem Marine-Offizier, der sich im Laufe der Untersuchung nicht als Heiliger entpuppt. Jahrenlang missbrauchte er seine Frau Georgia, die auch bei den Marines dient, so dass das NCIS-Team sie als Hauptverdächtige behandeln muss. An diesem Punkt finde ich, haben die Produzenten die Möglichkeit verschenkt, mehr aus der Folge zu machen: Irgendwie wartet man auf den typischen NCIS-Twist – und der kommt nicht. Als Ducky Gibbs (Mark Harmon) vorschlägt, Ziva (Cote de Pablo) solle mit Georgia reden, da sie ihre Situation kenne, erwartet man als Zuschauer mehr als nur einen kurzen Wortwechsel.

Beide Frauen wurden auf die eine oder andere Art ihrer Freiheit beraubt: Sie wurden Opfer – und wollten sich mit dieser Rolle nicht abfinden. Ich finde, man hätte Zivas Identifizierung mit der Frau, der buchstäblich die Luft zum Atmen genommen wurde, mehr Raum geben sollen. Um ‚am Fall’ zu bleiben, könnte man sagen, dass Freedom eine Billardpartie ist, bei der man geradeaus die Bälle versenkt: ohne kunstvolle Umwege.

Kunstvoll aber hat ein kleiner Junge McGee auf die Schippe genommen: Zu Tonys großer Begeisterung bekommt McGee eine Lieferung ins Büro, die eine… aufblasbare Puppe enthält. Anscheinend wurden mit McGees Kreditkarte zahlreiche Erotik-Artikel bestellt! Tony muss Detektivarbeit leisten, um den Identitätsdieb zu finden, der McGee seiner Kauf-Freiheit beraubt hat. Es ist der jüngere Sohn von McGees Vermieterin, der letztendlich nur eins von Tim wollte: ‘to get a life’, um kein Gefangener seines Jobs mehr zu sein. Ob McGee dem Ratschlag folgen wird?

NCIS: Ships in the Night (8×11)

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NCIS erinnert wirklich an ein auf dem Wasser gleitendes Schiff – das aber nicht ins Dunkel der nächtlichen Fernsehlandschaft gleitet, sondern immer wieder ins Licht. Nach wie vor ist NCIS nicht „just another procedural“. Die CBS-Serie gleitet von einer perfekt ausgeführten Episode zur nächsten!

Ships in the Night bietet nicht nur einen Fall im altbewährten Detective-Movie-Style, sondern auch den typischen NCIS-Humor: so gut platziert wie zwei Schüsse aus großer Distanz in der Brust eines Marine-Offiziers. In dieser Episode erleben wir die Rückkehr von CGIS-Special-Agent Abigail Borin (Diane Neal), die sich in den Fängen eines Blind Dates auf einem Restaurant-Boot befindet. So unerträglich ist ihr Date, dass sie ein paar Mal sehnsüchtige Blicke auf die Waffe in ihrer Handtasche wirft… Die Rettung: ein alkoholisches Getränk nach dem anderen an der Bar, wo sie den ausgesprochen netten Marine Lt. Jeremy Nolan kennen lernt.

Kurz nach dessen Weggang fallen Schüsse. An dem Punkt hoffte ich wirklich, dass es Abigails Blind Date erwischt hätte… Aber es ist Nolan, der mit zwei Kugeln in der Brust tot daliegt. Ein guter Mensch zu sein – hinreichender Grund für einen Mord?
Alles kommt in dieser Episode zusammen: Nacht, Schiff, Verbrechen, Schlaf, Kaffee… Ninja?! Da das NCIS-Team Überstunden macht, nutzt  McGee (bewusst oder nicht) jede Gelegenheit, ein Nickerchen zu machen. Tony findet auch Ziva mit geschlossenen Augen vor, und um ihr „Versagen“ zu beweisen, wirft er mit einem Kugelschreiber nach ihr – den sie aus der Luft fängt. Ein Ninja schläft nie, lieber Tony. Ein Ninja liebt das Dunkel der Nacht!

In diesem Dunkel scheint sich der Mörder zu verbergen. Obwohl: In der Disco, wo Ziva und Tony den tatverdächtigen Celebrity-Bad Boy Devon Lodge vermuten (Tony nennt ihn „Gossip Guy“), legen sie einen ziemlich illuminierten Auftritt hin – und Ziva kann ihre Kampffähigkeiten unter Beweis stellen. Aber die Sache mit dem Mord an dem gutmütigen und reichen Erben Jeremy Nolan liegt komplizierter.

Dank der Zusammenarbeit der beiden Abbys (Abigail und NCIS’ Abby) schafft man dennoch den Durchbruch. Es ist tatsächlich einer – denn um die Wahrheit herauszufinden, muss Gibbs die Regel Nr.1 brechen: Nie alle Verdächtigen im selben Raum befragen. Der Regelverstoß trägt in diesem Fall Früchte; ebenso wie das Zusammenspiel zwischen Gibbs und Borin, das, anstatt romantisiert zu werden, auf der Ebene der Kameradschaft und der Hingabe beider an ihre Arbeit abgehandelt wird. Beide mögen schlechten, schwarzen Kaffee und schlafen anscheinend nie. Man kann nur hoffen, dass Abigail immer wieder auftauchen wird – wie Fornell und Mike Franks.

Es bleibt dabei: Perfektes Erzähl-Timing und Chemie zwischen den Darstellern erheben NCIS regelmäßig zu mehr als nur einem Procedural unter anderen.

NCIS: False Witness (8×10)

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False Witness arbeitet auf allen Ebenen, um die Zuschauer in Weihnachtsstimmung zu bringen: es wird zwischen Ernst und Humor balanciert, was das Zeug hält. Mit gleitenden Übergängen.

NCIS wäre nicht NCIS, wenn sich hinter dem Fall der Woche nicht ein persönliches Drama verstecken würde. Es geht um Officer Jerry Neisler, der sich im Zeugenschutz befindet. Da jemand ihm gefährlich nahe zu kommen scheint, flieht er – und D.A. Gail Walsh (Annie Wersching) braucht Gibbs’ (Mark Harmon) Hilfe, um ihn wiederzufinden. Dieser Fall bildet einen Hintergrund, vor dem sich der persönliche Nebenplot abspielen kann. Und der kreist um Tony DiNozzo (Michael Weatherly), den seine Kollegen nicht wiedererkennen: Er ist pünktlich, schiebt Überstunden, ist distanziert, und weder Witze noch Filmreferenzen kommen aus seinem Mund. Sogar Gails Avancen prallen an ihm ab. Tony ist also nicht Tony! Aber wer ist Tony wirklich?

Fragen dieser Art gehören einfach in die Weihnachtszeit mit ihrer besinnlichen Jahresend-Stimmung. Der schließlich aufgefundene Zeuge Jerry Neisler (Ben Toplin), deren Eltern Psychoanalytiker waren, analysiert selbst in nahezu jeder Szene die jeweilige Figur in seiner Nähe. Das sorgt nicht nur für humorvolle Einlagen, sondern gewährleistet den schon erwähnten gleitenden Übergang zu ernsteren Tönen. Denn eigentlich treffen seine Stand-up-Analysen ziemlich viele Nägel auf den Kopf. Sogar Mr. Palmer (Brian Dietzen) kommt ins Schluchzen!

Apropos Palmer: Er und Ducky bekommen es nicht nur hin, eine Truthahn-Autopsie durchzuführen, sondern auch Facebook zu sezieren. Ducky bekommt von Palmer Hilfe bei der Erstellung seines Profils – nur um von provokativen Nachrichten einiger Ladies durcheinander gebracht zu werden. Social Networking ist nicht immer leicht, obwohl leicht gemacht! Aus diesem Grund würde ich mich eher auf Social Networking im Gibbs-Style verlassen. Nichts kann mehr über eine Person verraten als der direkte Kontakt.

Oder dessen Fehlen! Ziva (Cote de Pablo) stellt Tony zur Rede – und wir erfahren, was sich hinter seiner Distanziertheit versteckt: Schuld. Der direkte Anlass – das Schicksal eines ehemaligen One-Night-Stands – hat Tony aus der Balance gebracht und mit der Frage konfrontiert, wie er Menschen behandelt und welche Konsequenzen sein Benehmen haben könnte. Ziva teilt ihm mit, er müsse diese Balance finden, er selbst sein. Tony: Who am I? Ziva: Tony DiNozzo, the class clown. That’s why we love you.

NCIS erteilt uns hiermit eine kleine Weihnachtslektion darüber, sich die Zeit zu nehmen und solche Fragen zu beantworten: die eigene Balance zu finden, genauso wie die CBS-Serie sie Episode für Episode findet und perfekte Unterhaltung bietet. Wie ihre Hauptfigur Tony DiNozzo – im ausbalancierten Zustand.

NCIS: Enemies Foreign/Enemies Domestic (8×08/8×09)

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Wir beginnen mit den Ereignissen aus dem ersten Teil, Enemies Foreign:
NCIS gehört bedauerlicherweise zu den Serien, die weder von Emmy-Juroren noch von Kritikern ernsthaft berücksichtigt werden. Das hat viel damit zu tun, dass Procedurals unter Kritikern und Medienwissenschaftlern noch immer nicht als Qualitätsfernsehen gelten, egal wie viele Zuschauer sie haben. Ich sage an dieser Stelle: Im Falle NCIS absolut zu Unrecht! Denn sowohl die cinematografische als auch die Leistung der Autoren und Schauspieler sind beeindruckend. Man muss sich nur vor Augen führen – und dazu kann diese Doppelepisode sehr gut herhalten -, welche Entwicklungen die Figuren durchgemacht haben, welche Konflikte und Beziehungen über die Jahre hinweg getragen, aufgelöst oder aber verkompliziert werden. Dazu die Leichtigkeit der Erzählung und der Humor, immer exakt dosiert – wie eine selbst gemachte Bombe, die im Zimmer nur in eine bestimmte Richtung explodieren soll.

In der achten Staffel NCIS haben wir tatsächlich eine Season der Väter: Zuerst lernten wir Gibbs’ Vater (Ralph Waite) näher kennen, als dessen Leben bedroht wurde; dann tauchte letztens Tony DiNozzo Sr. (Robert Wagner) auf, um endlich Frieden mit seinem Sohn zu schließen. Übrig bleiben Ziva (Cote de Pablo) und Eli David. Werden Vater und Tochter auch Frieden schließen können, obwohl Ziva, verraten vom eigenen Vater, ihrem Land und ihrer Familie den Rücken kehrte? Schließlich hat sich Ziva ihrer neuen, amerikanischen NCIS-Familie angeschlossen.

Aber die Beziehung zwischen Vater und Tochter schien immer schon die komplizierteste und emotionalste unter allen Familienbeziehungen der US-Serie zu sein. In Enemies Foreign sahen wir, wie Eli David (Michael Nouri) in Absprache mit NCIS-Direktor Leon Vance (Rocky Carroll) zu einer Konferenz hochrangiger NCIS-Mitglieder eintraf, zusammen mit Zivas Ersatz Liat Tuvia (Sarai Givaty) und Malachi (T.J. Ramini). Nur, um zur Zielscheibe palästinensischer Terroristen zu werden! Das NCIS-Team konnte die Attacke zunächst abwehren, aber nicht den Angriff von innen… Der erste Teil der Doppelepisode endete mit Elis Bodyguard Hadar (Arnold Vosloo), tot im Safehouse, und Vance, nach einer Bombenexplosion schwer verletzt auf dem Boden liegend.
Flashbacks gehören bei Procedurals zu den häufigsten dramaturgischen Mitteln, um kriminalistische Fälle nachzustellen oder aber Wahrheiten über Figuren ans Licht zu bringen, da Figuren in Procedurals oft aus ihrer Vergangenheit heraus agieren, die wir dann nach und nach erzählt bekommen. In Enemies Domestic erfüllen die Flashbacks nicht nur all jene Zwecke, sondern demonstrieren außerdem die großartige Arbeit der Make-up-Abteilung. Obwohl: es ist nicht nur das Make-up, denn die Performance von Rocky Carroll (Leon) und Michael Nouri (Eli David) muss hier besonders honoriert werden!

Vor allem Michael Nouri bekam bisher wenig Gelegenheit, in den Vordergrund zu treten, aber sein Zusammenspiel mit Carroll funktioniert hervorragend. In den Flashbacks erfahren wir, wie Leon rekrutiert und ohne jegliche Erfahrung auf gefährliche Mission nach Amsterdam geschickt wurde. Es war Eli David, der damals sein Leben vor „The Russian“ Anatoly Zukov rettete. Genau diesen Mann tötete wiederum Gibbs im Jahre 1999 in Paris. Die Verbindung zwischen beiden Fällen verkörpert McCallister (Michael O’Neill), der Leon schon 1991 tot sehen wollte…

Man kann sagen, dass Enemies Domestic den Bund zwischen Gibbs (Mark Harmon) und Leon, der in der neuen Staffel sowieso enger wurde, noch mehr festigt. Als Gibbs herausfindet, dass McCallister hinter dem Ganzen steckt, wendet er Regel Nr.9 an: Never go anywhere without a knife. Er schmuggelt ein Messer zu Leon ins Krankenhaus, der damit prompt McCallister erledigt, als dieser ihn zum Schweigen bringen will.

Ziva bricht das Schweigen zwischen ihr und ihrem Vater. In der Synagoge, wo er sich versteckt, ruft sie ihn nicht als Director David oder Eli an, sondern als ‘abba’ – hebräisch für „Vater“. Am Ende ist zwar nicht alles vergessen zwischen den beiden, aber der erste Schritt aufeinander zu ist getan. Und NCIS hat mit dieser gelungenen Doppelepisode vollends bewiesen, warum die Serie zu den Top-Produktionen der letzten Jahre gehört!

NCIS: Broken Arrow (8×07)

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Broken Arrow feiert die Rückkehr Robert Wagners als Anthony DiNozzo Sr., Tonys (Michael Weatherly) Vater, der La Dolce Vita liebt, aber oft nicht dafür aufkommen kann. DiNozzo Sr. wird Teil einer NCIS-Untersuchung:

Ein Ex-Marineoffizier ist ums Leben gekommen. Nach und nach stellen Gibbs (Mark Harmon) und sein Team fest, dass die ganze Sache größer ist, als sie zunächst dachten. Es handelt sich um einen Fund nuklearer Raketen auf dem Meeresgrund, die eine Privatfirma dem Höchstbietenden verkaufen will… Obwohl sich diese Episode mit nuklearer und terroristischer Bedrohung beschäftigt, bleibt die Atmosphäre dank Robert Wagners James-Bond-Style-Auftritt humorvoll  geladen.

Ziva (Cote de Pablo), die gerade ihren US-Pass erhalten hat, geht zusammen mit Tony Sr. undercover auf eine Party. Eine Tatsache, die Tony Jr. die Haare zu Berge steigen lässt: I think this ist the beginning of the end of my carreer! Zu diesem worst case kommt es nicht: Ziva und Senior haben alles unter Kontrolle, und der Fall kann gelöst werden.

Viel wichtiger ist, dass auch die Spannung zwischen Tony und seinem Vater gelöst wird – vorerst. Broken Arrow wartet mit zwei sehr guten Szenen auf: eine mit Tonys Vater und der Gibbs, Tonys Vaterfigur; die andere involviert Junior und Senior. Beide Szenen illustrieren sehr gut die Dynamik, in der Tony verfangen ist – zwischen seinen „Daddy issues“ und der Bewunderung für Gibbs, im Grunde eine Reaktion auf Erstere.

Ziva hat zwar ihren amerikanischen Pass, wird aber, wie wir auf der Party zu sehen bekommen, immer noch als Tochter von… David erkannt: als die Mossad-Killerin. Es sieht danach aus, als würden uns einige Ziva-Folgen erwarten, die einen vorläufigen Höhepunkt in der Mitte der achten NCIS-Staffel anstreben. Spannend, was ihnen zugrunde liegen wird!

NCIS: Cracked (8×06)

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Halloween naht, und NCIS schließt sich mit Cracked den Serien an, die ihren Fans eine Halloween-Episode anbieten. Eine der besonderen Art – und das macht sie so gut! Selbstverständlich: wenn es um Halloween geht, dann muss es eine Abby-Episode werden. Und Cracked enttäuscht diese Erwartungen zu keinem Zeitpunkt – es serviert uns die NCIS-Version von Beautiful Mind. Protagonisten: die tote Wissenschaftlerin Lt. Thorsen, Abby Scuito (Pauley Perrette) und Walt Whitman.

Natürlich spielen auch Geister eine Rolle und der Versuch, sie zu rufen. Da die ganze Episode als Metapher aufgebaut ist, kann man nicht umhin, den Spuren metaphorisch zu folgen:
Lt. Thorsen wird von einem Bus überfahren. Doch die geniale Wissenschaftlerin, die anscheinend eine die Welt verändernde Entdeckung gemacht hat, befand sich schon vor dem Unfall im Land der Geister – mit mehr als einem Bein: Jemand hat sie systematisch vergiftet. Ihr ganzer Körper ist mit chemischen Formeln beschriftet, die Abbys Faszination derart ansteigen lassen, dass Faszination in Obsession umschlägt.

Abby beginnt sich mit der Toten zu identifizieren und droht sich selbst zu verlieren auf der Suche nach Thorsens Geheimnis. Oder aber – zu finden? Im buchstäblichen und im metaphorischen Sinne steigt Abby in denselben Bus, der Thorsen das Leben nahm. McGee, der an ihrer Obsession verzweifelt, verliert Abby buchstäblich. Im übertragenen Sinne verliert sie sogar Gibbs (Mark Harmon), der sich zum ersten Mal gezwungen sieht, Abby gegenüber die Stimme zu erheben: damit sie zuhört! Aber dazu ist Abby nicht mehr fähig. Sie kommuniziert mit dem Geist der Toten und identifiziert sich mit ihr: ein Beautiful Mind mit einem anderen!
Mit Hilfe von Poesie und Chemie – der Memory Card mit der Formel, versteckt in Walt Whitmans Leaves of Grass – kann Abby den Fall lösen und wieder zu sich selbst finden. Sie lässt die Geister Metapher sein. Am Ende sehen wir sie im Labor Halloween-Dekoration anbringen.

Nicht anders kann man ein Review über diese als poetische Lebensformel konstruierte Episode abschließen als mit einem Zitat aus Whitmans Leaves of Grass: And that there is no flaw or vacuum in the amount of the truth – but that all is truth without exception: And henceforth I will go celebrate anything I see or am,  and sing and laugh, and deny nothing.

NCIS: Dead Air (8×05)

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Diese Woche bekommt es das NCIS-Team mit Terroristen zu tun, die auf grüner Wiese hinter weißem Zaun ihre gegrillten Würstchen genießen. Spätestens seit David Lynch oder aber Arlington Road (danke für die Referenz, Tony!) wissen wir: Hinter den weißen Zäunen amerikanischer Städte herrschen oft Verhältnisse wie kurz vorm Explodieren, psychisch und physisch gesehen.
Domestic terrorism ist ein Thema, das in den audiovisuellen Medien wieder im Kommen zu sein scheint. Das hausgemachte American Pie scheint fade zu schmecken. Gut, dass es Baseball gibt! Tony (Michael Weatherly) und MacGee (Sean Murray) erklären Ziva (Cote de Pablo), dass der Amerikanische Traum eigentlich der Baseball sei. Lustiger- und ironischerweise zeigt NCIS wirklich Patriotismus der besonderen Art mit all den Baseball-Referenzen: über New York Yankees’ Reggie Jackson oder aber Field of Dreams…

Während der Ausstrahlung der NCIS-Episode lief auf TBS Game 3 der American League Championship Series. Obwohl Baseball-Ausstrahlungen Konkurrenz darstellen, ist sich NCIS der 18 Millionen Zuschauer sicher und kann sich leisten, sie daran zu erinnern, welche die beliebteste nationale Sportart ist. Gleichzeitig setzt man diese Tatsache geschickt ein, um dem Fall der Woche mehr emotionales Gewicht zu verleihen und einen Grundstein für kommende Verkomplizierungen zu legen.

Wenn man so will, ist Dead Air eine Ziva-Episode, vielleicht sogar eine Ziva-Tony-Episode. Es ist kein Zufall, dass Ziva im Zuge des Falls als Ziva undercover geht: als Ziva, bevor sie Amerikanerin wurde. Außerdem erwähnt sie mehrmals ihren Vater. Wenn man das mit der ersten Episode der neuen Season in Verbindung bringt, könnte mehr israelisch-amerikanische Interaktion bevorstehen… Worum es dabei geht, weiß vermutlich nur NCIS-Chef Vance, wie wir in der besagten ersten Episode sahen.
Dead Air zeigt, dass die NCIS-Autoren metaphorische Spielchen auf mehreren Ebenen spielen können – nicht nur mit Tonys poetischen Baseball-Erklärungen und Tims und Tonys romantischen Erinnerungen an die israelische Ziva, bevor sie domestiziert wurde.

Die hausgemachten Terroristen nennen sich MAH, Military At Home, und bestehen aus einer Gruppe wohlhabender Vorortbürger, deren frisch geschnittener Rasen einem im Hals stecken bleibt. Die Gruppe will eine Bombe hochgehen lassen – als Botschaft an die eigene Regierung. Sie wollen, dass ihre Stimme gehört wird: Amerika soll aufhören, den Weltpolizisten zu spielen, und sich um die eigenen Probleme kümmern.

Die Handlung verläuft als Spielchen zwischen Reden und Verstummen und – was Tony und Ziva vor fünf Jahren im Bett betrifft – dem Unausgesprochenen. Auf die Terroristen kommt das Team durch den Mord an einem Radio-DJ, der abgelehnt hat, die Stimme von MAH zu sein – also bringen sie ihn zum Schweigen. Mit Tonys Hilfe wird der Mörder identifiziert, der von der gesamten Nachbarschaft heimlich Stimmaufnahmen macht.

Nun: alles hat einen Preis: DiNozzo erleidet einen starken Laryngitis-Anfall. Ducky verordnet ihm 24 Stunden Redeverbot. Plötzlich sind alle um die Film-Referenzen besorgt… Aber Spaß beiseite: Das Team muss dringend zu einem Baseballspiel, denn die Bombe ist im Barbecue versteckt. Ihr Ziel: die Eltern der spielenden Kinder, die hochrangige Regierungsmitglieder sind. Ziva kann Tony retten, der in der Nähe der Bombe steht. Die Szene, als sie auf ihm liegt und bestätigt, dass die von ihm vermisste Ziva wieder da sei, wird ein Nachspiel haben…

Man kann Zivas Worte jedoch auch als Bestätigung dessen verstehen, dass sie sich in Amerika zu Hause fühlt, in Tonys Welt endgültig angekommen ist. Am Ende der Episode spielt sie unter den Scheinwerfern und den entzückten Blicken von Tony und Tim mit Gibbs (Mark Harmon) Baseball.

NCIS: Royals and Loyals (8×04)

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Können CIA, MI6 und NCIS in einer Episode aneinander geraten? In der fiktionalen Welt des beliebten CBS-Procedurals NCIS geht das durchaus. Fall der Woche: der Mord an einem amerikanischen Marine-Offizier, offenbar  an Bord eines britischen Schiffs – das müssen Gibbs & Co. aufklären. Diese Tatsache zieht einige Zuständigkeitsprobleme nach sich. Wie wir wissen – und in dieser Staffel schon präsentiert bekamen, als Gibbs NCIS-Geld nahm: die Suche nach Gerechtigkeit kann für Gibbs durch kein Absperrband der Welt aufgehalten werden.

Gibbs sieht sich gezwungen, gemeinsam mit Major Peter Malloy zu arbeiten, einem gebürtigen Nordlondoner, der sich nicht wirklich kooperativ gebärdet. Dafür gibt es einen Grund: Hinter dem Tod des Marine-Offiziers steckt eine größere Verschwörung, im Zuge derer drei Millionen Dollar markiertes Geld aus der CIA-Kasse verschwunden sind. Das Geld war für Afghanistan bestimmt: für die Feinde unserer Feinde, wie es die CIA-Verantwortliche ausdrückt. Aber wer ist eigentlich Freund und wer Feind?

Während alle Indizien auf Malloy als Täter hinweisen, kommen Gibbs langsam Bedenken. Der Tatort droht wegzuschwimmen, denn das britische Schiff soll nach Hause zurückkehren – und niemand kann das verhindern. Oder doch? Gary Cooper aka Gibbs (Mark Harmon) kann es – mit einem Schraubenschlüssel. Gary Cooper? Malloy vergleicht Gibbs’ wegen seines Tatendrangs mit John Wayne. Gibbs entgegnet: „Eher Gary Cooper!“

Nun: Malloy ist auch nicht der, für den er sich ausgibt. Es erweist sich, dass er ein MI6-Agent ist, der reingelegt wurde. Von der CIA! Das erzählt er Gibbs bei einem unerwarteten Hausbesuch.
Mittlerweile habe ich den Eindruck, Gibbs sollte dringend sein Schloss oder mindestens die Fenstersicherungen austauschen – denn ständig tauchen Figuren in seinem Wohnzimmer auf! Was früher ein Stockwerk darunter passierte, im Keller, hat sich ins Wohnzimmer verlagert. Wichtige Gespräche und Verhandlungen werden im Wohnzimmer geführt – seit Gibbs den Schlussstrich unter die Vergangenheit zog? Sind jetzt also die berühmten „Leichen im Keller“ „Lebende im Wohnzimmer“ geworden?
Spaß beiseite – für CIAs Agentin Loretta Tennison (Kristen Ariza) hört er definitiv auf, als sich herausstellt, dass sie mit den CIA-Geldern eine geschickte Geldwäsche betrieben hat, die den Marine-Offizier das Leben kostete.

Moment – Spaßmodus wieder an. Hier die beste Inszenierung der Episode: Tony (Michael Weatherly), McGee und Gibbs gehen gleichzeitig los. Wo sich zwischen den Schreibtischen ihre Wege kreuzen, versucht Tony, McGee zu ‚klapsen’ – aber der duckt sich rechtzeitig; stattdessen wird wieder einmal Tony von Gibbs erwischt. Kaum weniger amüsant: die Unterhaltung zwischen Tony und Palmer am Tatort über „I Love Lucy“, während McGee ins verseuchte Wasser muss…

Obwohl Tony die ganze Episode lang versucht, in Zivas Mail-Account zu gelangen, um mehr über ihren angeblichen Freund aus Miami zu erfahren, teilen die beiden eine kleine, aber warmherzige Szene am Ende. Tony muss erklären, was er denn einem Date von Ziva sagen würde: Be careful … handle with care … contents priceless.
Kann man von NCIS auch behaupten …

NCIS: Short Fuse (8×03)

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Im Vergleich zu anderen Krimi-Procedurals auf CBS hat man bei NCIS das Gefühl, dass die Serie immer charmanter wird, je länger sie läuft. Die Serie schafft es nach wie vor sehr geschickt, Ernstes (Krimifälle) mit Slapstick zu kombinieren. Dadurch, dass Gibbs (Mark Hamon) ein festes Zentrum innerhalb der Figurenkonstellation bleibt und seine Bindungen zu den anderen Figuren über die Staffeln hinweg ausgebaut wurden, funktionieren Szenen wie die am Anfang von Short Fuse, als Fotografen im Büro für das Cover der NCIS-Recruiting-Broschüre Aufnahmen von Tony machen.
Tony hat selbstverständlich wenig Zeit, um Ziva (Cote de Pablo), McGee (Sean Murray) und Abby Sciuto (Pauley Perrette) seine Herrlichkeit unter die Nase zu reiben, denn alle müssen los. Heather Dempsey (Abby Brammell, The Unit), eine Bombenexpertin der Marine, die wir schon im Teaser sehen, hat einen Einbrecher erschossen. Übrigens, sehr „erfrischend“ innerhalb der Genrekonventionen finde ich die Szene, als die (uns noch) unbekannte Frau mit jemandem im Bett ist, Geräusche im Haus hört, die Waffe lädt und nachgucken geht. Mit drei gezielten Schüssen beseitigt sie die Geräusche…

Im Laufe der Untersuchung erweist sich, dass der Mann kein Einbrecher war, sondern ein Auftragsmörder, dessen Identität schwer herauszufinden ist, da seine Fingerkuppen fehlen.  Heather war mit einem hochrangigen FBI-Agenten im Bett – war er das Ziel des Mörders? Durch die Einbeziehung des FBI bekommen wir eine weitere wiederkehrende Figur zu Gesicht, nämlich Tobias Fornell (Joe Spano). Die Szenen zwischen ihm und Gibbs waren immer schon exzellent, aber in dieser Episode gehören sie zu den besten. Wir sehen Gibbs zu Hause bügeln und sich währenddessen einen schwarz-weißen Western anschauen. Dann kommt Fornell vorbei und hat indisches Essen mitgebracht.

Ab diesem Zeitpunkt inszenieren die NCIS-Autoren die beiden Männer sehr amüsant als ein altes verheiratetes Pärchen. Wenn man es ganz genau nimmt, sind sie miteinander fürs Leben verbunden, nicht nur durch die gemeinsame Ehefrau (die Ex von Gibbs, die dann Fornell heiratete), sondern durch eine Art Kameradschaft und die Geheimnisse, die sie miteinander teilen. Tobias und Jethro sind nach all den Jahren Freunde geblieben: We’re both agreed we hate that place, sagt Gibbs über den indischen Imbiss.

Nicht nur lösen die beiden den verwickelten Fall, sondern sorgen in dieser Episode für zwei weitere großartige Szenen. Amüsant sind zum Beispiel die Blicke, die sie einander zuwerfen, als die Frau des FBI-Agenten fragt, ob sie beide schon einmal verheiratet gewesen bzw. noch seien. Ja – mit derselben Frau und auch in gewissem Sinne miteinander! Am Ende der Episode kommt Gibbs nach Hause, nur um Fornell in der Küche vorzufinden. Er kocht italienisch, verhindert Gibbs’ Versuch zu probieren mit einem Klaps auf die Hand und sagt ihm, dass er nachher abwaschen solle.

Nun: den Schlag auf den Hinterkopf bekommt Tony auch in dieser Episode. Indirekt, mit psychischer statt physischer Wirkung. Gibbs verpasst den Klaps Tonys lebensgroßer Pappfigur, die der Fotograf (Personal Affairs) mitgebracht hat. Genauso lustig: Gibbs “poster boy”-Bezeichnung für Tony – und McGees Vorschlag für das Coverbild: Tony und McGee, wie sie wegen unerlaubten Betretens verhaftet werden. Tonys Filmreferenz der Woche – Body Heat mit Kathleen Turner und William Hurt – trifft diesmal jedenfalls ins Schwarze, was sogar seine Kollegen zugeben müssen. Im Visier des Mörders stand Heather, da sie einen eigenen Rachefeldzug für ihren Bruder unternahm…

Am Ende gibt es Gerechtigkeit im NCIS-Style. Und poster boy wird wer? Gibbs natürlich.