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White Collar: Scott Free (3×06)

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Scott Free ist eine weitere Episode, die den Fall der Woche dazu benutzt, um das Spiel zwischen Neal (Matthew Bomer) und Peter (Tim DeKay) in die nächste Runde zu befördern. Und diese heisst: Vergangenheit. Der Auftritt vom angehenden Trickbetrüger-Superstar Scott Rivers (Hutch Dano) sollte dafür sorgen, dass Neal mit einem Spiegelbild konfrontiert wird und an die Freiheiten und gleichzeitig Fehler seiner Jugend erinnert wird.

Aber irgendwie beleibt der Auftritt unpersönlich. Alles wirkt zu sehr bemüht und durchsichtig, so wie Neals Trick mit dem Entwenden der Armbanduhr, als er und Peter eine Partyeinladung zu erzwingen versuchen. Es ist immer interessant und amüsant zuzusehen, wenn Neals Position des klugsten Menschen im Raum erschüttert wird. Das ist was man mit Scotts bzw. Robin Hoodys (wie Neal unfreiwillig ihn betitelt) Erscheinen bezweckt. Aber diesmal funktioniert es nicht. Dafür bekommt Sara, abgesehen von den romantischen Szenen mit Neal, mehr zu tun. Sie scheut nicht davor die Grenzen zu übertreten. Immerhin betrügen Neal, Scott, Mozzie und Sara einen Betrüger, der Scott nach dem Leben trachtet. Ich habe mich gefreut Twin Peaks’ Dana Ashbrook in der Rolle des Bösewichtes namens Carlisle zu sehen.

Eigentlich ist man von White Collar daran gewöhnt, nicht zu bemerken, wann und wie es passiert, um später umso mehr die Auflösung zu genießen. Den „Cons“ in Scott Free ist viel zu leicht zu folgen. Auch das alte-neue-Betrügerschule-Spielchen fällt zu kurz und überzeugt nicht, genauso wenig wie Scotts Machenschaften. Andererseits – und so kommen wir zu den positiven Aspekten der Episode – referiert die Erinnerung an Neals Jugend und den Start seiner „Karriere“ auf die Identitätskrise, in der er sich im Moment befindet. Der Nebenplot, der eigentlich zum staffelübergreifenden Hauptplot gehört, um Mozzies und Neals Fluchtvorbereitungen passt perfekt zu der Frage danach, wer Neal wirklich ist und wer er sein will.

Victor Moreau vielleicht? Das ist die neue Identität, die er für die bevorstehende Flucht bekommt. Er schlüpft sozusagen in ein leeres Leben, denn diese Identität ist keine Fälschung. Sie wurde – wenn ich die Erklärung richtig verstanden habe – gezüchtet, von Geburt an. Aber Victor war bis zu diesem Moment ein Geist. Will Neal als Victor den Geistern der Vergangenheit entkommen oder einfach den halsbrecherischen Schritt machen, vor dem er Scott warnt? Will er den freien Fall seiner Jugend fortsetzen, bis zum harten Aufprall?

Wie hart wird aber dieser sein? Am Ende sehen wir, wie Sara den Pass mit Victors Identität findet. Was wird sie tun? Und ist es tatsächlich Neals Nachlässigkeit gewesen oder ermöglicht er mit Absicht Sara den Pass zu finden. Will Neal vielleicht vor seinem freien Fall gerettet werden?

White Collar: Veiled Threat (3×05)

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Zwischen Eis und Feuer. Zwischen Basic Instinct und Twin Peaks. Veiled Threat ist ein Wechselbad der Gefühle, aber mit dem typischen White Collar-Augenzwinkern. Die Fans der USA-Serie ließen sich immer schon zu Begeisterungsstürmen hinreißen, wenn Tim DeKay aka Peter Burke undercover agieren durfte. Ich möchte die kühne Behauptung wagen, dass Veiled Threat den bisher besten Undercover-Auftritt von Agent Burke bietet.

Die Episode schickt die komplette männliche Besetzung undercover, wobei Mozzie – nach seiner ganz eigenen Story letzte Woche – die kleinste Rolle übernimmt. Apropos Rollen: Die tauschen Neal und Peter während des Auftrags. So ist nicht Neal (Matthew Bomer) der, den Frauen wollen, sondern Peter. Das Ziel der Übung: Black Widow Selena (Mädchen Amick, Twin Peaks) in eine Falle zu manövrieren. Und Peter ist der Köder.

Da wir dieses Mal wissen, wer der „Bösewicht“ ist, handelt es sich bei Veiled Threat um meine bei White Collar bevorzugte dramaturgische Variante, bei der sich alles um die Art und Weise dreht, wie ein Täter oder eine Täterin überführt wird. Mädchen Amick erlangte Berühmtheit als Kellnerin Sheryl in David Lynchs Twin Peaks, wo sie in etlichen Männerherzen Feuer entfachte. Zuletzt verdrehte sie Mac Taylor (Gary Sinise, CSI: NY) auf dem TV-Bildschirm den Kopf. In White Collar schlüpft sie in die Haut der eiskalten Selena, die offenbar (und etwas zu aufdringlich) den Eispickel direkt von Sharon Stone übernommen hat. Aber vielleicht kann ein feuriger Tango Selenas eisige Pläne zum Schmelzen bringen? Jedenfalls muss man Tim DeKay ein ehrliches Kompliment für die leider zu kurze Tanzszene aussprechen!

Bevor es jedoch zu der Szene kommt, muss Peter Selena auf sich aufmerksam machen, und zwar während einer Auktion, bei der Frauen reiche Single-Männer für ein Date ersteigern können. Elizabeth übernimmt die kleine Date-Schulung ihres Mannes, während Neal von Sara erklärt bekommt, was Frauen nicht wollen. Er setzt die Ratschläge nur zu gut um und wird dank Dianas Einsatz für gerade mal tausend Dollar von ihr ersteigert. Zum Vergleich: Jones, der dritte männliche Single im Bunde, ist einer der Damen elftausend Dollar wert! Nur Peters Preis liegt höher.

Und schon das erste Date mit Selena taucht ihn in das erwähnte Wechselbad der Gefühle. Selena im blutroten Kleid ist Hitze pur, bei der man sich leicht verbrennen kann; etwas später hingegen sorgt das Messer in ihrer Hand für kalte Schweißperlen auf Peters Stirn. Kalte Füße wiederum bekommt Elizabeth: nicht nur aus Eifersucht, sondern aus Angst um Peters Leben. Zu Recht. Eine gute Performance von Tiffany Thiessen in dieser Episode!

Und: Ebenfalls eine gute Performance von den White Collar-Setdesignern. Alle Locations sind perfekt gestaltet; geschickt platziert man überall kleine rote Flecken, die mit dem Handlungsstrang korrespondieren – seien es Tischlampen, Blumen oder Kleidungsstücke. Außerdem ist die Dekoration in Neals Wohnung mehr als gut gelungen. Was die Kleidungsstücke und Sara betrifft, kann man allerdings nicht umhin, an Dianas Bezeichnung für Neals Freundin zu denken: Insurance Investigator Barbie… Die Art, sie zu kleiden und in Szene zu setzen – hier ganz in Orange und dann in Grün -, unterstützt diese Aussage! Dafür liefert man innerhalb der Szenen mehr farbliche Abwechslung. Mehr zu tun bekommt Sara in der neuen Staffel bisher nicht.

Zwei Doppeldates bilden im Grunde die Kernpunkte der Episode: Beim ersten bringt Neal für sich und Diana Abendessen in den Van (sie hat ihn immerhin ersteigert), während Peter mit Selena isst. Beim zweiten platzt Peter mit Selena in Neals Überraschungsdate mit Sara hinein. Erfolgreich bringt das Pärchen Peter-Neal die Dates zu einem gelungenen Ende, nämlich zu einem Heiratsantrag. Selena schluckt den Köder – und das dritte Date endet für sie und ihren Mitverschwörer in Handschellen.

Den zwei Undercover-Dates von Peter folgt am Ende der Episode ein drittes Date, inszeniert von ihm und seinen Freunden und Kollegen. Diesmal aber mit der richtigen Frau: Elizabeth! Auch wenn die Szene mit seinem zweiten Heiratsantrag leicht kitschig wirkt, bildet sie einen gelungenen Abschluss dieser sehr unterhaltsamen Episode.

White Collar: Dentist of Detroit (3×04)

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Es gab einmal einen Zahnarzt in Detroit, der jedem den Finanzzahn ziehen konnte – und es auch tat. Viele Jahre später, als er (einigermaßen) glücklich in einer anderen Stadt verweilte, tauchte seine Vergangenheit auf, um ihn kräftig ins Hinterteil zu beißen… So ungefähr lautet das Märchen, das uns Dentist of Detroit erzählt. Es handelt von einem Jungen mit überdimensionaler Brille, einem Teddy namens Mozart und von dem Talent, jeden Trickbetrug über die Bühne bringen zu können.

Die neue White Collar-Episode ist tatsächlich eine Bühne für die Nebenfigur, über deren Vergangenheit man schon immer alles erfahren wollte. Also: Vorhang auf für Mozart! Ich meine – Mozzie (Willie Garson). In New York taucht Frank Deluca Jr. auf (Al Sapienza, Sopranos), der Mafiaboss aus Detroit, der nach einem bestimmten Mann sucht. Nach dem Mann, der vor Jahren seinen mittlerweile toten Vater um 500.000 Dollar erleichterte: The Dentist of Detroit. Der jedoch gleicht einem Schatten an der Wand; er ist ein Mann ohne Gesicht, den keiner kennt und der die schlimmsten Verbrechen in Detroit begangen zu haben scheint. Kein Wunder, dass auch Peter und das FBI an ihm interessiert sind.

Zur Verwunderung aller Beteiligten, sogar Neals (Matthew Bomer), steckt hinter diesem Furcht erregenden Namen ein Mann ohne Haare. Ja: Mozzie gibt zu, der Dentist of Detroit zu sein! Flashbacks zeigen uns, wie alles begann – nämlich auf der Treppe einer Kirche in Detroit, wo der Sozialarbeiter Mr. Jeffries (Ernie Hudson) ein Baby mit überdimensionaler Brille (bei dem Anblick kann man nicht umhin zu lachen) und einem Teddy mit dem Namensschild „Mozart“ fand. Schon in seinen Kindertagen lernte Mozzie (von Mozart, weil er den Namen nicht aussprechen konnte), physischer Überlegenheit mit geistiger Schlagkraft entgegenzutreten – und das mit großem Erfolg. Mit zwölf Jahren organisierte er illegale Wetten und brachte dann Deluca, der Mozzies Geschäft ruinieren wollte, um eine halbe Million. Dentist of Detroit nannte er sich deswegen, weil der Zahnarzt für den kleinen Jungen das Schrecklichste war, was er sich vorstellen konnte… Deluca, ständig auf der Suche nach dem nach New York geflohenen Mozzie, verbreitete dann den Mythos des Dentist of Detroit und seiner schrecklichen Verbrechen.

Natürlich bietet die ganze Story nichts Neues oder Überraschendes unter dem blauen White Collar-Himmel, aber die Rückblenden sind amüsant – vor allem gekoppelt an die Geschehnisse der Gegenwart, in welcher Mozzie unter FBI-Schutz steht. Das bedeutet: Er darf Dianas und Jones’ Nerven überstrapazieren. Ich würde übrigens liebend gern eine Mozzie-Jones-Episode sehen!

Liebend gern wiederum zeigt White Collar nicht nur den blauen Himmel und den sich in den vielen Glasoberflächen spiegelnden Sonnenschein, sondern auch „Farbflecken“ im Bild. In dieser Episode sehen wir eine von Gelb und eine von Rot dominierte Szene. In der ersten trifft Neal als Anbieter illegaler Wetten auf einen der Köpfe der irischen Mafia – gelbes Absperrband, gelbe Poller. In der zweiten, die den Höhepunkt der Episode markiert, tritt Mozzie (im roten Trainingsanzug) Deluca gegenüber, in der Nähe einer Brücke, deren Geländer ebenfalls rot ist. Diese Inszenierungen weisen nicht unbedingt auf einen tieferen Sinn oder Ähnliches hin, sondern demonstrieren die Vorliebe der White Collar-Produzenten, ihre Bilder wie Gemälde zu arrangieren – oder wie einen Obstkorb.

Aber auch in einem Obstkorb ist nichts alles das, was es zu sein scheint, wenn man sich etwa Mozzies „Auktion“ anschaut. Auch der Frieden zwischen Neal und Peter ist eigentlich keiner: Unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden müssen undercover als High-Stakes-Wettanbieter durchgehen, was zu einem eleganten Auftritt in schwarzen Anzügen führt – prompt macht Elizabeth ein Foto von den beiden. Sie müssen Deluca, der Mr. Jeffries zu töten droht, und die irische Mafia gegeneinander ausspielen. Die vielleicht beste Szene der Episode bildet der improvisierte Streit zwischen den beiden –in dessen Verlauf sie einander eigentlich alles sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Ein paar Sticheleien sind auch dabei, wie Neals Erwähnung von Peters „hot wife“. Peters Reaktion: awesome.

Neal und Peter tanzen weiterhin einen Tanz miteinander und geben dabei vor, es nicht zu tun. Die Frage ist: Wer wird als erster den falschen Schritt machen und dem anderen auf die Füße treten?

White Collar: Deadline (3×03)

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Während in den ersten zwei Episoden der neuen Staffel Neal (Matthew Bomer) und Peter (Tim DeKay) im Vordergrund standen, ist nun die Zeit gekommen, den Frauen die Bühne zu überlassen. Zwar nicht komplett, aber Deadline ist eine Diana-Episode. White Collar-Fans äußerten schon öfters den Wunsch, mehr von den Nebendarstellern der USA-Serie zu sehen. Nun, die Produzenten beförderten Hilarie Burton als Neals Geliebte Sara zum Hauptcast – aber eigentlich zielten die Wünsche der Fans auf Jones und Diana ab.

In Deadline muss Diana undercover gehen, um das Leben der berühmten Journalistin Helen Anderson (Jayne Atkinson, 24) zu beschützen. Diana als Sekretärin einer Chefin, die weder ein Blatt vor den Mund nimmt noch Rücksicht auf den Einzelnen zum Wohle aller…? Das kann lustig werden. Die White Collar-Autoren verpassen nicht die Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen, dass Marsha Thomason (Diana) aus Manchester kommt. Denn Helen (Atkinson ist auch Engländerin) hat eine Schwäche für die Insel, und so macht sich Dianas (und Marshas) Akzent richtig nützlich.

Vor allem aber benutzt White Collar den Fall der Woche, um den Akzent aufs Private zu setzen. Wir treffen auf Dianas Lebensgefährtin Christie (gespielt von dem israelischen Model Moran Atias) und dürfen sogar die Wohnung der beiden betreten. White Collar bedient mit dieser Episode im Grunde etliche Register: Nicht nur bekommt man Matthew Bomers nackten Oberkörper zu Gesicht, sondern auch so manchen liebevollen Austausch zwischen Christie und Diana. Dank Neal kommt es schließlich sogar zu einem Pärchen-Abendessen: Neal will unbedingt an das U-Boot-Manifest herankommen, das Diana in Peters Auftrag übersetzen und Melissa mit auf den Weg zu ihren Vorgesetzen geben soll. Für Mozzie (Willie Garson) und Neal wäre das eine Katastrophe.

Und Diana muss selbst eine solche verhindern. Helen riskiert Kopf und Kragen, um einen Pharma-Skandal zu beweisen, aber das Blatt wendet sich: dank Dianas Organisations- und Multitasking-Talent – Damn right, I’m overqualified -, der Unterstützung von Peters Team  und Neals Kenntnis davon, wie man ein Blatt Qualitätspapier in zwei spaltet kann. Helen kann gerettet werden, und die Machenschaften des Pharmakonzerns kommen ans Tageslicht. Man muss einräumen, dass der Deadline-Running-Gag mit Helen (als Referenz auf den Episodentitel) etwas überstrapaziert wird. Dafür funktioniert nach wie vor der Running Gag „Mozzie erwischt Sara und Neal in flagranti“.

Mir gefällt, wie White Collar mit der dritten Staffel zwar leichtfüßig, aber mit Hintergedanken erzählt. Das Ganze dieser Erzählung wird so ebenfalls zu einem Blatt Papier, das man in zwei Hälften spalten kann – wobei die untere Schicht die eigentlich treibende Kraft ist. Denn Deadline ist nicht nur Dianas Episode; durch das Mitteilen privater Details – für uns Zuschauer und für die anderen Figuren – verfolgt man ein anderes Ziel, das am Ende auch erreicht wird. Die Autoren bringen im Austausch zwischen Diana und Neal ein paar Ghost-Referenzen, nur um zum Eigentlichen zu kommen, nämlich Peters Anmerkung Richtung Neal: You are officially part of the family.

In diesem Moment konzentriert sich die Kamera auf Neals Gesicht. Er ist gleichzeitig gerührt und beschämt. Will und kann er seine Freunde, denen er mit jedem Tag näher steht, hintergehen? Und im nächsten Moment – als er von Mozzie via Handy erfährt, dass das Manifest buchstäblich weggeflogen ist, während Peter aus der Entfernung mit einem herausfordernden Lächeln im Mundwinkel die Augenbraue hochzieht – erscheint ein anderer Ausdruck auf Neals Gesicht. Einer, der sagt: Trotz dieser Niederlage kann ich das Spielchen nicht aufgeben.

Peters und Neals Kampf zwischen den Zeilen wird also weiter geführt werden. Und wo steht Sara? Würde sie mit Neal gehen, falls sie die Wahrheit erführe – oder wird er sie zurücklassen? Neal stiehlt Sachen und Sara bringt sie zurück, sagen die beiden beim gemeinsamen Abendessen mit Diana und Christie. Aber manche verschwundene Sachen können vielleicht nicht wiedergefunden werden. Vielleicht ist das Neals größtes Problem nach dem Trauma durch Kates Tod?

White Collar: Where There’s a Will (3×02)

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Honey, do you wanna go grab some mirrors and go play with Neal? fragt Elizabeth (Tiffani Thiesen) Peter (Tim DeKay). Die Antwort ist „Yes“ – und sie bezieht sich zwar auf den Fall der Woche, betrifft jedoch noch mehr die Gesamtsituation in White Collar. Neal (Matthew Bomer) und Peter sind, wie wir schon letzte Woche besprachen, zurückgekehrt zu ihrem Katz-und-Maus-Spiel aus der ersten Staffel. Denn Neal muss sich entscheiden, ob er das Leben, das er derzeit führt, wirklich hinter sich lassen will.

White Collar wiederum hat zurückgefunden zu seiner Bestform. On Guard funktionierte als gelungene Eröffnung der neuen Staffel, aber Where There’s a Will ist in meinen Augen noch besser. In jedem Fall hat sich das Unterhaltungsniveau um eine Stufe nach oben verlagert! Und der Vorspann gefällt mir besser. Die Schauspielergesichter als lebende eingerahmte Bilder und dadurch den Vorspann als eine Art Kunstgalerie zu gestalten, ist ein simpler und höchst effektvoller Einfall. Letztendlich dreht sich ja White Collar um Kunst – bzw. um das kunstvolle Entwenden derselben.

Was aber macht man mit dem schon Entwendeten? Mozzie zeigt Neal, dass er vom Laptop aus 24 Stunden pro Tag den Nazi-Schatz überwachen kann, denn er hat eine Kamera installiert. Außerdem bereitet er den Verkauf einiger Gemälde vor. Aber will Neal wirklich in diese Richtung gehen? Mehrere Aufnahmen von seinem Gesicht oder dessen Spiegelungen deuten auf ein Zögern hin. In welche Richtung? Um Richtungen und Spiegelungen dreht sich auch die neue Episode – und um eine Schatzsuche. Wer könnte schließlich zu einer solchen Suche Nein sagen? Weder Neal noch Peter. Peter versucht zwar, sich zu beherrschen, aber das abenteuerlustige Kind in ihm nimmt Überhand. Sein amüsantes, beinahe kindliches Benehmen in dieser Episode korrespondiert sehr gut nicht nur mit dem Traum eines jeden Kindes, einen Schatz zu finden, sondern auch mit dem ernsthafteren Fall der Woche.

Eigentlich müssen Peter und vor allem Neal herausfinden, ob der letzte Wille des verstorbenen Multimillionärs Nathaniel Rowland echt und rechtskräftig ist – um damit den Erbstreit zweier Brüder zu schlichten (Josh und James Rowland, gespielt von den Zwillingen Chris und Danny Masterson). Der letzte Wille erweist sich als Fälschung, aber Peter und Neal lassen sich nicht vom Schein blenden und finden heraus, dass die Fälschung eigentlich als solche vorgetäuscht wurde: Das falsche Testament ist nur die erste Spur, die zu weiteren Spuren führt… und die wiederum versprechen, wenn man ihnen richtig folgt, zu einem Schatz zu führen, zu Rowlands wahrem, millionenschweren Nachlass.

Everything points to something, sagt Neal; Mozzie beschuldigt ihn, die Worte aus seinem Kopf entwendet zu haben. Der exzentrische Millionär kreiert ein letztes Spiel, in dem es darauf ankommt, das, was vor einem liegt, aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Um in diese Position des Beobachters bzw. Lesers zu gelangen, müssen sich Neal und Mozzie ins Planetarium begeben, um dort in einem alten Buch die Antwort zu finden, nach der sie suchen.

Eine faszinierende Erzählung um Rowlands Nachlass ensteht dadurch, dass die Arbeiten des berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe, das Sternbild der Zwillinge sowie ein Manuskript, das zu Staub zerfiel, in den Plot hineingewoben werden. Nicht weniger faszinierend freilich erscheint Mozzies (Willie Garson) Auftritt im Planetarium: als Blinder, mit Burkes Satchmo als Blindenhund. I like the idea of stars! Obwohl Peter sich zunächst weigert, das Ganze weiterzuverfolgen, kann er die Füße nicht still halten – und Elizabeth erteilt ihm die Erlaubnis: „go and play with Neal“. Dann machen sich alle, bewaffnet mit Spiegel und Sextant, zu einer Sonnenuhr auf, um die nächste von Rowland hinterlassene Spur zu finden. Das Ganze entwickelt sich zu einer Kindesentführung, denn der ehemalige Sicherheitsexperte der Familie (William Sadler) entführt Savannah, Tochter des einen Rowland-Bruders. Ausgerechnet sie aber entpuppt sich als Schlüssel zur Auflösung – genau gesagt: ihr Fußkettchen.

Geschickt verbinden die Autoren auch hier das Thema der Woche mit dem übergreifenden Handlungsstrang. Nicht nur amüsiert uns schon am Anfang der Episode der Austausch zwischen Peter und der kleinen Savannah, sondern sie sprechen auch über ebendiese Kette an ihrem Fuß – und diejenige an Neals, für die Peter den Schlüssel besitzt. Nun: Wie man erfährt, hat Peter nicht vor, sie aufzuschließen! Er zieht zu seiner Nazi-Schatz-Suche eine neue Agentin hinzu, Melissa Matthews (Anna Chlumsky), die am Ende der Episode einen angetrunkenen Neal aushorcht – nur um mit Entsetzen festzustellen, dass eine Gemälde-Liste existiert, die sich in Peters Händen befindet. So kann der von Mozzie geplante Verkauf eines Kunstobjekts die beiden auffliegen lassen.

Es sieht danach aus, als würden sich Mozzie und vor allem Neal in eine Sackgasse manövrieren. Die Frage ist, welcher Sextant ihnen die Richtung zeigen wird – und wie sie sie erkennen sollen, wenn der gespiegelte Sonnenschein ihres Schatzes sie die ganze Zeit über blendet?

White Collar: On Guard (3×01)

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White Collar, so denkt man, wird Neal Caffreys Lächeln wieder aufnehmen, das beim Anblick des Nazi-Schatzes sein Gesicht erhellte. Stattdessen eröffnet die dritte Staffel der US-Serie mit einem gestressten und besorgten Neal und einem Mozzie mit… Pilotenmütze und Pilotenbrille. Ja, Neals Besorgnis ergibt sich aus der Tatsache, dass Mozzie hinterm Steuer eines Flugobjekts sitzt – aber auch daraus, von Peter und dem FBI erwischt zu werden. Offenbar befinden sich Neal und Mozzie auf der Flucht – per Flugzeug, voll bepackt mit Holzkisten. Ist es der Nazi-Schatz?

Vier Tage früher, sagt die Überschrift nach dem Schnitt. Der Anfang in medias res stellt dem Zuschauer eine hübsche kleine Falle. Das Enthüllen der Ereignisse vor dieser ersten Szene führt uns zum Auftakt der neuen Staffel vor Augen, was White Collar wirklich gut kann, nämlich das wahre Gesicht der Ereignisse drehen und wenden, wie die Serie will – und das mit einer gehörigen Dosis Charme. So wie es sich eben für einen sympathischen Trickbetrüger gehört.

Aber was ist Neal Caffrey eigentlich? Ein Trickbetrüger, ein aufrichtiger Mann, ein hoffnungsloser Romantiker – der Mann mit dem Hut und dem Regenschirm aus Magrittes Gemälden? Immer schon bildete der Kunstbezug eine interessante Komponente in White Collar, die für meinen Geschmack zu kurz kommt. Nicht nur hält sie interessante Tatsachen aus der Kunstgeschichte für den Zuschauer bereit, sondern sie bereitet Mehr-Genuss, wenn die kleinen Anspielungen dem Zuschauer bewusst werden. Neal Caffrey nun bietet in dieser Episode eine kunstvolle Live-Inszenierung mit Magritte-Motiven, um Jones in die Irre zu führen.

Son of a Man heißt das Bild, auf dem ein Mann im schwarzen Anzug, mit schwarzem Hut und einem Apfel als Gesicht zu sehen ist. Der schwarze Regenschirm stammt vielleicht aus „Hegel’s Holiday“ und die Ansammlung von gleich angezogenen Männern aus „Golconde“. Auf der Serienebene verbildlicht diese Inszenierung im Grunde Neals Suche nach der Entscheidung, wer  er eigentlich sein will; darüber haben wir in den Reviews zur zweiten Staffel immer wieder gesprochen. Neal muss eine Wahl treffen – und nach der Aufklärung von Kates Tod ist erst recht der Zeitpunkt gekommen, den Schritt nach vorn zu machen. Aber als was? Als Neal, der FBI-Mitarbeiter, oder Neal, „the con man“?

Neal hat einen Job, in dem er gut ist, Freunde, die für ihn durchs Feuer gehen, und eine neue Freundin, Sara, die in dieser Episode kurz auftritt. Kann er sich damit zufrieden geben? Kann er den Balanceakt weiterhin meistern? Wie uns On Guard zeigt, hat die Schwindler-Seite in Neal noch immer nicht kapituliert: Als er erfährt, dass Mozzie den Schatz in Sicherheit gebracht hat, schmieden beide ihren Fluchtplan; best and final score.  Aber sie haben ihre Rechnung ohne Peter gemacht. Denn er hegt weiterhin einen

Verdacht gegen Neal, auch wenn der den Lügendetektor-Test bestanden hat.
Bevor Neal und Mozzie ins Flugzeug steigen können, beauftragt Peter Neal mit einem Fall: Er soll als einer seiner Aliases, Gary Rydell, David Lawrence (Neil Jackson) überführen, der 60 Millionen Dollar entwendet hat. David will das Geld außer Landes schaffen. Er hat die gesamte Summe in den Entlüftungsschächten eines Nobelclubs versteckt und lässt das Geld buchstäblich fliegen – und auf Neal und sich selbst herunterregnen. Neal droht genauso aufzufliegen – und Peters Wut droht auf ihn niederzuprasseln -, als Elizabeth ihrem Mann zuliebe das Stückchen aus dem Chrysler-Building-Gemälde untersuchen lässt. Dank Mozzie und der (nackten) Unterstützung von Junes Enkelin Cindy (Denise Vasi) kann Neal das Gemälde-Fragment durch ein neues ersetzen, das er selbst mit Hilfe von Farben-Samples aus etlichen Meisterwerken des Nazi-Schatzes gemalt hat. Mozzie: Picasso was a Communist, he’d be happy to share.

Aber zu Mozzies Leidwesen ist eine Planänderung von Nöten, denn Lawrence erwischt Jones, der wiederum Neal beschattet. Um Jones’ Leben zu retten, macht Neal den Fluchtplan von sich und Mozzie zu Lawrences Fluchtplan. So gelangen wir zu der Szene aus den ersten Minuten, in der Neal und Mozzie letztendlich doch die Guten sind. Aber für wie lange? Die Szene wirkt wie ein Vorwegnehmen kommender Ereignisse: Wir sehen Neal und Mozzie einen neuen Plan schmieden und Peter ein engmaschiges Netz für seinen Freund vorbereiten. White Collar kehrt mit dieser ersten Episode zu den Anfängen und dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Peter und Neal zurück. Aber ihre Beziehung ist jetzt anders – und damit steht deutlich mehr auf dem Spiel…

White Collar: Under the Radar (2×16)

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Die zweite Staffel von White Collar eröffnete mit der großen Frage nach Kates Mörder, die Hand in Hand ging mit der Frage, was Neal (Matthew Bomer) tun und welche Auswirkungen Kates Tod auf ihn haben wird. Wir haben in den letzten Wochen mehrmals darüber gesprochen, dass die zweite Staffel die Bindung zwischen Peter (Tim DeKay) und Neal verfestigt, dass sie das Misstrauen-Vertrauen-Spielchen in eine echte Freundschaft verwandelt.

Seit Mitte der Staffel wurde klar, dass Neal mit seiner Vergangenheit Frieden schließen und einen neuen, eigenen Weg gehen möchte. Die Serie stellt ihn vor die Entscheidung, welcher Mann er sein will. Neal hat begriffen, dass er eine Wahl hat – aber bevor er sie trifft, muss er herausfinden, wer er wirklich ist und sein möchte. Während White Collar am Ende dieser zweiten Staffel eine  die Frage nach Kates Mörder beantwortet und die Geschichte um Vincent Adler auflöst, liefert sie keine Antwort auf die Frage nach Neal. Was wird er als nächstes tun? Er muss ja auch noch eine Entscheidung auf romantischer Ebene treffen: Alex oder Sara?

Mit Saras Hilfe finden Peter und Neal heraus, dass Adler hinter einem deutschen U-Boot her ist, das damals vor New Yorks Küste unterging. Als sie Alex um Hilfe bitten wollen, realisieren sie, dass Adler sie in der Hand hat. Sie machen sich auf die Suche – nur um selbst in eine Falle zu geraten… In diesem Finale braucht jeder die Hilfe von jedem: Adler braucht Neal, um in das U-Boot zu kommen, das er schon geborgen hat. Den Schutzmechanismus können Peter und Neal nur mit Alex’ Hilfe öffnen, und am Ende können Sara, Diana und Jones nur mit Mozzies Hilfe rechtzeitig zur Rettung kommen.

Was sich an Bord des U-Boots befindet? Der größte Nazi-Schatz, den die Welt je gesehen hat. Wir erfahren, dass nicht nur Alex’ Großvater davon wusste, sondern Adler selbst an Bord war. A propos Adler: Für mich ist er der Schwachpunkt der Episode und beweist, dass White Collar in puncto Bösewichter den Dreh noch nicht raus hat. Neals Kommentar über Adler – „He’s taking the whole archvillain thing pretty seriously“ – bezeichnet am besten den überzeichneten Auftritt Adlers. Als Drahtzieher im Schatten funktionierte er besser! Am Ende geht das U-Boot hoch, und Peter rettet Neals Leben, indem er Adler erschießt, bevor dieser Neal erledigen kann.

Und ausgerechnet an diesem Punkt kehrt der dunkle Schatten des Verdachts aus der ersten Staffel wieder: Hat Neal alles inszeniert? Durch den Teil eines Bildes aus dem brennenden Lagerhaus, das man aus Neals Wohnung kennt, kommt Peter darauf, dass sich im U-Boot vermutlich Kunstfälschungen befanden.
Neal verneint das und scheint über Peters Verdacht empört. Aber ein anonymes Zettelchen und ein Schlüssel führen ihn zum Nazzi-Schatz. Wer hat ihn entwendet? Wir wissen, dass Neal es nicht war. War es Alex? Am Ende steht Neal zwischen den „Schatztruhen“ mit Swastika; die Kamera zeigt sein Gesicht im Close-Up, das in einem breiten Lächeln erstrahlt. Was wird Neal mit dem Schatz tun?

Obwohl Alex zum wiederholten Mal von Neal Abschied nimmt, sieht man, dass zwischen den beiden noch längst nicht alles aus ist. Aber Neal hat Sara! Eigentlich hat er alles, was er wollte – und muss nun, genau wie Michael Weston in Burn Notice, entscheiden, was er tun soll. Kehrt er zu seinem alten Leben zurück?
White Collar lässt sich alle Möglichkeiten offen…

White Collar: Power Play (2×15)

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Die White Collar-Autoren bleiben ihrem Weg in der zweiten Staffel treu, zeigen sich selbstironisch und liefern uns mit Power Play eine amüsante Stunde, in der Neal (Matthew Bomer) tatsächlich zu einem anderen Mann wird: nämlich zum FBI-Agenten Peter Burke (Tim DeKay)! New York wird von einer Hitzewelle heimgesucht, und während sich Peter mit einer Klimaanlage zu Hause herumquält, wird Elizabeth von jemandem um Peters Hilfe gebeten.

Energiekonzerne manipulieren das Stromnetz der Stadt. Elizabeth schlägt Peter vor, dass Neal mit seiner Vertrauen erweckenden und beruhigenden Ausstrahlung bei dem Treffen mit Brooke, einem Angestellten des Energiekonzerns, dabei sein sollte. Wie der Zufall es will, verspätet sich Peter – und aus der Not heraus muss Neal als Elizabeths Mann posieren.

Ab diesem Zeitpunkt legt man sozusagen den Schalter um. Jeder schlüpft in die Haut des anderen, denn Brooke will nur mit Peter (als Neal) verhandeln – und um den Chef zu überführen, bedarf es eines Meisterdiebs wie Peter (als Neal). Der Tausch führt zu etlichen Lachern, aber die besten Szenen gehören wohl Mozzie (Willie Garson) und Peter, der zu Mozzie in die Dieb-Ausbildung geschickt wird. Diese Episode tut genau das, was White Collar auszeichnet: In perfektem Timing ‚switcht‘ sie hin und her – zwischen einem Fall der Woche, in den das Duo Peter-Neal persönlich involviert ist und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen muss,  und den Neuigkeiten zu der übergreifenden Story um Adler und die Musik-Box.

A propos Adler: Auf der Straße begegnet Neal Sara (Hilarie Burton), die gerade aus Argentinien zurückgekehrt ist und herausgefunden hat, dass Adler starkes Interesse an dem ehemaligen deutschen Soldaten Gerhardt Wagner zeigt. Wagner kam nach dem Krieg nach Amerika und behauptete, wichtige Geheiminformationen zu besitzen. Daraufhin verschwand er offenbar spurlos.

Um herauszufinden, was mit ihm geschehen ist, müssen Neal und Sara ins Archiv. Diesen Gang machen sie aber nicht nur buchstäblich, sondern auch im übertragenen Sinne. Auf Neals Frage hin, warum sie bei der Sache bleibe, antwortet Sara: wegen ihrer eigenen Vergangenheit… und Neals. Auch ihre Schwester ist damals spurlos verschwunden, und Sara fand nie Frieden. Nun will sie Neal helfen, damit er für seine Vergangenheit um Kate einen Abschluss finden kann. Natürlich stehen außerdem  die unausgesprochenen Funken hinter Saras Entscheidung, die seit geraumer Zeit zwischen ihr und Neal fliegen. Diesmal zünden sie auch, was zu einer heißen Szene im Archiv führt, die Mozzie unwillentlich unterbricht.

Demnächst aber dürfte es noch heißer werden. Gerhardt Wagner mag verschwunden sein, aber eine alte Bekannte von Neal erweist sich als einzige lebende Verwandte des Mannes, der sich in Hunt umbenannte: Alexandra Hunt – oder kurz: Alex.  An dieser Stelle schließt sich der White Collar-Kreis. Bleibt zu erfahren, was in seiner Mitte zu finden sein wird.

White Collar: Payback (2×14)

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Wie wir alle wissen, gehört es zum Repertoire seriellen Erzählens (vor allem der Mischformen unter den Serien) Bösewichter aus vergangenen Episoden für erneuten Gastauftritt wieder zu bringen. Während es bei Serien wie Burn Notice es sehr gut funktioniert, gelingt es in meinen Augen White Collar mit Payback nicht wirklich.

Der alte Feind von Neal (Matthew Bomer) Matthew Keller (aus der Episode “Bottlenecked”) betritt wieder die Bühne und manövriert Neal und Peter (Tim DeKay) in eine Falle, obwohl er selber im Gefängnis sitzt. Aber nicht für lange. Denn Keller (Ross McCall) hat mit mehreren Zügen seinen Fluchtplan im Voraus  vorbereitet. Ein Teil davon sind Peter und Neal. Während Neal denkt, mit Keller ein Schachspiel zu spielen, erweist sich am Ende, dass alle nur Figuren in Kellers eigenem Spiel sind, das er lieber alleine spielen möchte.

Wenn eine jede Figur ihren Zug gemacht hat, neigt Keller dazu sie zu beseitigen. Schon in Bottlenecked haben es McCall und die White Collar-Autoren nicht geschafft die Figur interessant zu gestalten, so dass man sich von ihrer Rückkehr etwas versprechen würde. Die komplette Keller-Story wirkt wie aus den Fingern gesaugt und das merkt man vor allem an den wirklich schlechten repetativen Monologen, die er dazu nicht wirklich überzeugend von sich gibt.

Sogar Adam Goldberg in der Rolle von Kellers Helfer Jason Lang wirkt interessanter und das Zusammenspiel mit Peter ist durchaus gelungen. Aber als Mittel zum Zweck hat die Sache mit Keller etwas Gutes an sich, das der übergreifenden Erzählung in dieser Staffel doch im Dienste steht.

Wir haben schon darüber gesprochen, dass White Collar sich damit beschäftigt,  die Veränderung in Neal und seinen Weg zu der Antwort auf die Frage „Who is Neal Caffrey?“ aufzuzeigen. Neal ist derjenige, der mittlerweile seine Tätigkeit bei dem FBI durchaus ernst nimmt, genauso wie die Freundschaft mit Peter und bereit ist, nur und nur für den Freund, das Gesetz zu übertreten.

Genauso wie in dieser Episode, als Peter entführt und als Geisel gehalten wird. Zuzusehen, wie die beiden aus der Distanz es hinbekommen, Peter aus der lebensbedrohlichen Situation herauszuholen, bereitet beim Zuschauen Freude. Dazu nimmt man noch Mozzie (Willie Garson) mit einer Tasche voller Hammer und einer russischen Wanze und der Spaß ist trotz Keller komplett.

White Collar: Countermeasures (2×13)

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Nicht nur Neal Caffrey (Matthew Bomer) wird in letzter Zeit von der Vergangenheit eingeholt, sondern auch June (Diahann Carroll) bekommt in dieser Episode unerwarteten Besuch. Es handelt sich um einen Mann namens Ford (Billy Dee Williams), ein jahrelanger Freund ihrer selbst und ihres verstorbenen Mannes Byron.

Gleich findet Neal heraus, dass Byron und Ford „partners in crime“ waren. Fords Präsenz beschert uns eine Szene, in der June und Neal unter seiner Klavierbegleitung ein schönes Duo abgeben – und laut Elizabeth (Tiffany Thiessen) soll Peter (Tim DeKay) ein begnadeter Salsa-Tänzer sein. Leider gibt es keine Vorführung dieser Künste, aber vielleicht heben sich die Autoren das für ein anderes Mal auf… Kunstvoll spürt Neal Fords früheren „Jobs“ nach, aber er macht sich Sorgen um June und lässt seine FBI-Freunde überprüfen, was Ford im Schilde führen könnte.

An dieser Stelle setzt White Collar beinahe unauffällig die bereits begonnene Arbeit fort: Neals Hinterfragen der eigenen Zukunft. Neals Blick ist nicht mehr auf die Vergangenheit gerichtet, sondern auf die Zukunft. Am Ende der Episode, in einer sehr schönen Szene, fragt er sich selbst und zugleich den neben ihm sitzenden Mozzie (Willie Garson), wie alles enden soll.
In Ford, der zurückgekommen ist, um ein letztes großes „Ding zu drehen“, sieht Neal einen weiteren Beweis dafür, dass es so etwas wie den letzten Job nicht gibt: dass man nie aufhört – und zugleich realisiert er, dass sich ihm selbst doch diese Möglichkeit bietet. An der Art und Weise, wie Neal seinen Undercover-Job erledigt und am Ende Ford hintergeht, sehen wir seine Veränderung: Zwar war er von Anfang an der Dieb mit dem goldenen Herzen, aber in “Countermeasures” sehen wir, wie sich sein Blickwinkel auf das Ganze verändert hat.

An seiner absoluten Loyalität zu Peter besteht kein Zweifel mehr. Außerdem gibt ihm die Zusammenarbeit die Möglichkeit zu entscheiden, wer er sein will – anstatt wie Ford auf den eigenen „Schwanengesang“ zuzusteuern. Während Bomers Figur zu Beginn von ihrem Charme lebte, haben ihr die Autoren nun mehr Tiefe verliehen. Ich bin gespannt, wie sich die Sache mit Adler auf Neal noch auswirkt…