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Sanctuary: Review der zweiten Staffel

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Ohne lange zu zögern, kann ich mit der Feststellung eröffnen, dass für mich die zweite Staffel besser war als die erste. Sie hat zwar auch ihre Schwachstellen, aber allgemein kann man deutlich eine Entwicklung sehen, die den Fans Freude bereitet haben dürfte. Während die erste Staffel sehr und unausweichlich damit beschäftigt war die Sanctuary-Welt mit all seinen Abnormalitäten zu beschäftigen, Figuren einzuführen, einen handlungsübergreifenden Erzählstrang (gegen Ende der Staffel), entschied man sich in der zweiten Staffel ganz den Figuren und ihren Beziehungen zu widmen. Nein, Sanctuary wurde nicht zu einer Si-Fi-Soap, sondern zu einem Si-Fi-Drama.

Gegen Ende der ersten Staffel war The Cabal der Feind, mit dem man sich auseinandersetzen sollte und ausgehend von den ersten zwei Episoden der neuen Staffel dachte ich, dass es auch so bleiben wird, was mich wahrscheinlich zum Abschalten bewegt hätte. Aber falsch gedacht: Die ersten zwei Episoden sollten mehr oder weniger als eine selbstständige Einheit funktioniert um den Abschied von Emilie Ullerup (Ashley Magnus) in Szene zu setzen. Angeblich entschied sich SyFy Ashley herausschreiben zu wollen, denn nach den damaligen Umfragen des Senders, erwies sich, dass die Zuschauer ihren Charakter nicht mochten.

So lautete immerhin die offizielle Abschiedsrede seitens der Produzenten gegenüber Emilie Ullerup. Was der Grund auch immer gewesen ist, wir bekamen zwei Action geladene Episoden zu sehen. Magnus und ihr Team kämpften nicht nur gegen The Cabal, sondern auch gegen eine genetisch veränderte Ashley, was letztendlich mit Ashleys Tod endete, obwohl ihr Tod natürlich nicht eindeutig war. Zu dem Zeitpunkt fragte ich mich was für Gegenspieler jetzt wohl kommen mag oder was für ausgeklügelte Fälle der Woche Sanctuarys Autoren bereithalten. Ich war positiv überrascht: Die Serie schlug keinen von beiden Wegen ein.

Nachdem in der ersten Staffel die Figuren etabliert und ihre Schwächen und Stärken anhand der Fall der Woche-Erzählungen präsentiert wurden, wurde jetzt alles Episode für Episode vertieft. Diesbezüglich fand ich Ashleys Abschied eine gelungene, wenn auch für Fans (sie haben sie wohl doch nicht gehasst) und Darstellerin, schmerzvolle Entscheidung. So bekam man Gelegenheit tief in die Seele von Helen Magnus zu schauen und den Bund zwischen ihr und Will zu stärken.

Besonders die drei Episoden nach Ashleys Tod waren ausschließlich mit der Inszenierung der Trauerverarbeitung seitens Helen. Und ja, sie ist kein gefühlsloser Roboter. Aber ein anderer machte in meinen Augen den großen Sprung in dieser Staffel, nämlich Henry. In der ersten war er für mich nur ein nerviges Anhängsel und Mitarbeiter, auf den man auch verzichten könnte. Nun, leisteten die Autoren mit Episoden wie Fragments großartige Arbeit seine Figur hervorzuheben, ihr, Bedeutung zu verleihen, so zu sagen unverzichtbar für die anderen Figuren und für den Zuschauer selbst zu machen. Andere gute Entscheidung war John Druitt (Christopher Heyerdahl) und Nicola Tesla nicht die ganze Zeit bei dem Sanctuary-Team verweilen zu lassen, sondern ihre Funktion als „Sonderereignisse“ zu behalten und somit kraftvolle Auftritte zu verschaffen, wie Teslas, wo er am Ende seine Vampirkräfte verliert, oder wie Druitts Gut-Böse-Transformationen, die von Heyerdahl eindrucksvoll umgesetzt wurden.

Der Neuzugang Kate Freelander (Agam Darshi) war auch ein Treffer, aber zu ihr kommen wir gleich. Will blieb für mich bis auf das Finale, die einzige Figur, mit der ich nicht viel anfangen konnte. Die Erzählstränge um ihn herum taten aber das Nötige dafür. Seine zusammen geklatschte Romanze mit Clara am Ende der ersten und am Anfang der zweiten Staffel wurde genauso abrupt beendet, so dass der eigentlich sehr geschickt eingefädelte Plan mit Helen und Will als Trauernden nicht so ganz funktionierte.

Misslungen fand ich auch das erzwungene Erzählen von Kates Vorgeschichte in “Penance”, einer Episode, die eigentlich nur mit dem Gastauftritt von Michael Shanks als Jimmy glänzte. Umso verschwenderisch ging man mit ihm um, um bloß Kates Vergangenheit auf die Schnelle zu präsentieren. Abgesehen davon aber, und diese Tatsache macht Penance noch unerklärlicher, fügte sich Kate in Sanctuarys Team sehr schnell ein.

Jetzt geht es zu … Big Bertha: Das Finale, die Doppelfolge “Kali” stellte den Höhepunkt von Sanctuary dar, bis jetzt. Nicht nur visuell (wunderschöne Mumbai und Tokyo-Aufnahmen), aber auch vom mythisch-mystischen Gefühl, das sie kreierte. Man fühlte sich doch ein bisschen an Indiana Jones erinnert. Die Elemente von Fantasy und Romanze, die das Finale hervorhob, anhand der Inszenierung und den hypnotischen Treffen zwischen Kali (aka Big Bertha, gespielt von Sahar Biniaz) und Will führten uns ins Märchenland des Bollywood-Geschichtenerzählens. Und das Finale nahm zwei Erzählstränge wieder auf: Helen Magnus verliert das Vertrauen der anderen Köpfe des Sanctuary-Networks und Big Bertha als das mächtigste Wesen auf Erden.

Minuspunkt war Callum Blue als der Bösewicht Edward Forsythe, der aus dem … Nichts kam. Sein Auftritt war eher komisch als bedrohlich. Im Gegensatz dazu kann ich endlich sagen: Toll gemacht, Robin Dunne (Will) buw. Toll getanzt. Wills Versuch Kali mit Hilfe einer Tanzchoreographie zu erreichen und sie zu besänftigen, war eine ganz große Bollywood-Nummer. Nur es hieß letztendlich: “YOU BETRAYED ME!!!” Aber glücklicherweise tat Sanctuary das nicht seinen Zuschauern und man kann sich trotz Unzulänglichkeiten auf die nächste Staffel freuen.

Sanctuarys erste Staffel: Bruchstücke fremder Geschichten

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Im Grunde genommen ergaben sich auf den ersten Blick (link) zu viele Probleme, die Sanctuary bekämpfen musste, um sich zu einer soliden Erzählung und vor allem zu einer soliden Unterhaltung zu entwickeln. Es fehlte an Hintergrund bei der Sanctuary-Mythologie. Sanctuary sah Mitte der Staffel immer noch wie ein zusammengewürfeltes Puzzle aus, das keine konkrete Form annehmen konnte und wollte. Man fand keine Balance zwischen dem coolen Videogame-Look, der Definition eines Endziels seiner Figuren und den intelektuell-philosophischen Fragestellungen, was Humanität wirklich ausmacht.

Sanctuary warf Episode um Episode mit Ideen um sich, bis man sich entschied in welche Richtung man gehen wollte. Letztendlich wurde (vermutlich) die richtige Entscheidung getroffen und die Narration bewegte sich (wie mittlerweile dramaturgisch üblich) von dem Monster der Woche zu einer mythologischen Auseinandersetzung. Zuerst gab man aber den Hauptfiguren etwas mehr an Hintergrund, um ihre Motivation für den Kampf gegen „das Böse“ zu untermauern. Die mysteriöse Helen mit ihrem Mona Lisa-Lächeln gewann mehr und mehr an Form und wir erfuhren, dass ihr langes Leben das Ergebnis eines Experiments zur viktorianischen Zeit war und sie zu einer Gruppe von brillanten Wissenschaftlern gehörte, die sich „The Five“ nannten und die Welt verändern wollten.

Das Ergebnis ihres Experiments mit einem Extrakt an sehr altem Vampirblut war, dass sie sich selbst veränderten. Zu dieser Gruppe gehörte Ashleys Vater und Helens Ex (Christopher Heyerdahl als John Druitt), den wir als Bösewicht und Jack the Ripper kennenlernten. Einer dieser Fünf ist auch Nicola Tesla, der als mächtiger Vampir das Ziel verfolgt eine Armee von Gleichgesinnten zu gründen. Angesichts der Tatsache aber, dass die Sanctuary und die ganze Welt von der Geheimorganisation namens Cabal bedroht werden, über die wir herzlich wenig Informationen bekommen, müssen alle ihre Spielchen vergessen und sich zusammen tun, um aus einer ehemaligen Geiheimstadt der Vampire ein Fläschchen mit dem uralten Vampirblut zu holen.

Dieses Blut soll (auf welche Art und Weise auch immer – habe ich nicht ganz verstanden) das von The Cabal geplanten Genozig an Menschen und „Abnormals“ (mit anderen Worten – Mutanten, die andere Bezeichnung dient hier dem Zweck Sanctuary von Dark Angel unterscheiden zu können) stoppen.

Man könnte sagen, dass diese erste Staffel hauptsächlich Helens Figur gehörte und dem Etablieren einer Grundlage für den Konflikt diente, der in der zweiten Staffel ausgetragen werden wird. Dann wird sich, meiner Meinung nach, der Blickwinkel von Helen auf Ashley und Will verschieben, da Ashley im Bann des Bösen gefangen ist und Will, Watsons Worten zufolge, derjenige ist, der sich um das Zusammenpuzzeln des Endspiels kümmern muss.

Übrigens das wird auch Zeit, denn den beiden Figuren konnte man in der ersten Staffel nicht wirklich was abgewinnen. Mindestens ich nicht. Obwohl ich den Dreieck Mutter-Tocher-Möglicher Liebhaber ziemlich gelungen fand. Dieser Dreieck wurde im Finale zu einem Viereck, denn Will kam dem neuen Mitglied (Rolle: smokin’ hot babe) des Teams Clara sehr nah. Endlich mal ein Kuss in der Sanctuary. Ob es dabei bleibt, wird die zweite Staffel zeigen, die nicht nur was romantische Beziehungen betrifft eine Menge Arbeit vor sich hat, um aus Sanctuary eine „gute“ Serie zu machen.
To Be Continued.

Sanctuary: Virtueller Trip ohne echtes Gras

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Die Macher von “Stargate Atlantis” und “Stargate SG-1” haben mit “Sanctuary” die erste “green screen” TV-Serie entwickelt, nicht nur in ihrem Sci-Fi-Genre, sondern überhaupt. Aber bevor wir zu dieser stilistischen Besonderheit übergehen, ein bisschen Vorgeschichte: Die eigentliche Premiere von Sanctuary liegt schon ein Jahr zurück. Es debütierte nämlich als Web-Serie auf SciFi.com und umfasste acht Episoden. Die innovative (und auch verhältnismäßig billige, wie wir sehen werden) Machart und der Erfolg der Webisodes veranlassten den Sci-Fi Channel, eine TV-Variante mit 13 Episoden in Auftrag zu geben.

Seit dem 03.10.2008 ist die Serie sowohl auf dem SciFi Channel als auch auf den kanadischen The Movie Network und Movie Central zu sehen. Im Schnitt begeistert sie 1,5 Millionen Zuschauer und ist damit zwar nicht so erfolgreich wie „Eureka“, aber erfolgreich genug für eine Eigenproduktion.

Man könnte die Serie thematisch in der Nachfolge von „The X-Files,” “X-Men,” “Men in Black,”  oder auch „Dark Angel“ verorten. Amanda Tapping (ein bekannter Sci-Fi-Star aus „Stargate: SG-1“), spielt die 157-jährige Wissenschaftlerin Dr. Helen Magnus. Zusammen mit ihrer Tochter Ashley (Emilie Ullerup) und dem Psychologen Will Zimmermann (Robin Dunne) macht sie Mutanten und andere Kreaturen ausfindig, rettet sie bzw. rettet die Welt vor ihnen und „studiert“ sie in ihrer Hochburg, genannt The Sanctuary. Und so kommen wir gleichzeitig zu den Vorteilen und Nachteilen der Produktion.

Ganz allgemein betrachtet, sieht Sanctuary als Serie gut aus. Als erste TV-Serie in Amerika wurde sie mit Hilfe der so genannten Red Camera aufgenommen. Bei diesem System wird direkt auf dem Harddisk aufgenommen und nicht mehr mit Film gearbeitet. Dadurch kann das Postproduction-Team sofort mit dem Material, das während des Drehtages geschossen wurde, arbeiten.  Dieses Vorgehen spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Bilder aus Red-Camera-Aufnahmen besitzen überdies eine mehr als doppelt so hohe Auflösung wie die einer High-Definition-Camera. Es wurden bei Sanctuary zwischen 300 und 400 Special Effects Shots pro Episode gemacht.

90 % der Sets sind vor einem Green Screen entstanden, d.h sie sind virtuell, was für eine TV-Serie absolut ungewöhnlich ist. Die Sanctuary-Räume haben teilweise einen dunklen Wide Angle Look wie in Computerspielumgebungen bzw. -räumen, aber die Schauspieler passen sich ihrer virtuellen Umgebung erstaunlich gut an – der anders lautenden Meinung mancher Kritiker zum Trotz. Damit keine Missverständnisse aufkommen, sei an dieser Stelle angemerkt, dass diese virtuelle Umgebung bei der Sichtung der Serie nicht anders funktioniert als ein normaler Filmset – mit dem Unterschied, dass es für die Schauspieler erheblich schwerer ist, während der Produktion mitten in einem grünen Nichts so zu agieren, als befänden sie sich zum Beispiel in den Katakomben einer mittelalterlichen Burg.

Das virtuelle Bild ist schon beeindruckend, keine Frage, aber das Problem der Serie ist, dass auch die Plots zu einer gewissen Virtualität neigen, zu einer gewissen Nicht-Existenz. Ja, es gibt gute erzählerische Momente, Momente, in welchen auch Spannung aufgebaut wird, aber die meiste Zeit besteht die Sanctuary-Welt aus Bruchstücken „fremder“ Geschichten, die wir schon besser erzählt gesehen haben. Patchwork ist ja nicht schlecht – das betreiben nicht wenige Serien; aber das Element des Eigenen lässt hier auf sich warten. Es fehlt an Hintergrund bei der Sanctuary-Mythologie: Woher kommen (die sonst super cool gemachten) Monster, welche gesellschaftliche Zustände herrschen, warum sehen bei „Außenaufnahmen“ die Sets so apokalyptisch aus, wer ist der wirkliche Gegenspieler von Dr.Magnus & Co etc.?

Diese Fragen werden in der Serie weder gestellt noch beantwortet (auch nicht virtuell). Nun, man weiß ja nie – vielleicht werden sich die Macher der Serie in einer zweiten Season auch ein bisschen mehr auf die Drehbücher konzentrieren und nicht nur auf die technische Seite der Produktion. Man könnte sagen, dass Sanctuary zwar „Stargate“-Niveau hat, aber noch nicht die narrative Wucht von „Battlestar Galactica“. Ob diese Serie überhaupt dahin kommen kann, ist für mich sehr fraglich (ich werde das Ganze natürlich trotzdem weiter verfolgen). Sie ist kein rechter Zugewinn für den Sci-Fi Channel, fällt aber auch keinesfalls negativ ins Gewicht. Wie man beim Pokern sagt: Nice move, but it doesn’t raise the stakes either.