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Sons of Anarchy: Authority Vested (5×02)

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Nach der brutalen Eröffnung der neuen Sons of Anrachy-Staffel kann man über die zweite Episode nur sagen: That was fun! Es sind die Worte vom Zuhälter Nero, den wir in der Premiere kennenlernten. Eigentlich war es Gemma, die mit ihm wirklich “aus der Nähe” Bekanntschaft machte. Diese Bekanntschaft führte dazu, dass Jax & Co. in Neros Etablissement sich vor der Polizei verstecken konnten.

Wie wir wissen, hat Pope dafür gesorgt, dass Jax, Tig und Chibbs im Gefängnis landen. Mit dieser Episode demonstrieren Kurt Sutter & Co., dass sie auch sehr schön “leise” erzählen können. Bis auf eine Verfolgungsjagd ist die Atmosphäre durchgehend entspannt und man lässt den Charakteren Luft, um sich entfalten. Und das tun sie! Vor allem bei Jax hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass er tatsächlich seine Führungsposition wahrgenommen hat und damit umgehen kann.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alles für die Sons glatt abläuft. Weit davon entfernt! Sutter hat immer schon den Schreibprozess an seiner Serie als das Hineinmanövrieren der Figuren in unmögliche Situationen bezeichnet. Wie man des Öfteren in SOA sehen kann, gibt es sogar einen Plan A und einen Plan B, um die Lage jederzeit verschlimmern zu können. Zu den alten Konflikten kommen immer neue. Nach Popes Racheplan müssen Jax & Co. ins Gefängnis wandern, um dort erledigt zu werden.

Jax’ Problem ist immer noch das Fehlen eines Plans B, während alle anderen einen solchen haben, wie zum Beispiel Romeo. Jax verlangt Schutz im Gefängnis, den ihm Romeo zwar verspricht, aber wie wir hören auf alles vorbereitet ist. Währenddessen wirkt das Bündnis zwischen Nero und Jax im Moment viel ehrlicher. Beide teilen ähnliche Vergangenheit – ihre erstgeborenen Söhne haben gesundheitliche Schäden durch die drogensüchtigen Mütter erlitten. Nero hat sich aber von dem Gangsterleben verabschiedet, während Jax mittendrin steckt. Er will Neros Weg gehen, aber die interessante Frage im Moment ist: Wird Nero Jax herausziehen oder Jax Nero hineinziehen?

Ein anderes Bündnis bietet aber den Höhepunkt der Episode – Jax heiratet Tara auf die Schnelle bevor er ins Gefängnis wandert. Nach dem letzten Bild im Finale der vierten Staffel (Jax und Tara) nimmt es nicht  Wunder, welche Eheringe die beiden bekommen – diejenigen von Gemma und John: There is no one else who understands what you are going through right now better than I do!

Bei Tara hat man nach wie vor das Gefühl, dass sie einerseits weiß worauf sie sich einlässt und gleichzeitig – andererseits –  sie hin und wieder eine Art Panik überfällt: Sie fühlt sich wie Kaninchen in der Schlinge. Ihre Situation ähnelt ein bißchen der von Opie. Damit meine ich nicht, dass Opie die Entscheidungen in seinem Leben nicht freiwillig traf, aber er traf sie meistens für seinen besten Freund, für Jax.

Sowohl Tara als auch Opie – auch am Ende dieser Episode – entscheiden sich für Jax und für die damit verbundenen Konsequenzen. Sehr interessant wird, welche Konsequenzen Clays Aufbau eines Märtyrer-Selbstbildes haben wird und welchen Plan  er verfolgt. Schwarz und Weiß sind komplizierte Kategorien in Sons of Anarchy, es sei denn man nimmt sie buchstäblich…

Sons of Anarchy: Sovereign (5×01)

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Willkommen zur fünften Sons of Anarchy-Staffel. Ich bin auf die Ereignisse in Charming gut vorbereitet und trage, während ich diese Zeilen schreibe, den Samcro-Hoodie (von Jax in Staffel 4 getragen)!  Viele Kritiker nahmen Sutter & Co. unter Beschuss, weil Clay das Finale überlebte. Natürlich wurde, rein dramaturgisch gesehen, Clays Weg, als einer “gepflastert”, der definitiv in die Hölle führt. Daher sind die Fragen danach berechtigt, warum man Clay noch am Leben hält.

Ich würde behaupten, dass es an den Bemühungen – meistens erfolgreich – der Autoren ein komplexes Beziehungsgeflecht aufrechtzuerhalten liegt. Aber trotzdem ist es ein Balanceakt zwischen den Gründen, die man hat, um eine Figur am Leben zu erhalten und denjenigen, sie zu entfernen. In dieser Episode beweist vor allem Ron Perlman mit seiner Performance in Clays Rolle, warum er der Serie erhalten bleiben soll. Wir haben großartige Szenen mit dem “gebrochenen” Clay, der sich mit seiner Sauerstoffflasche von einem Gespräch zum nächsten schleppt und versucht die Fäden irgendwie in die Hand zu bekommen. Aber ob er sie dann halten kann?

Clay ist der “neue” Piney geworden, der dem neuen Club-Präsidenten Jax (Charlie Hunnam) das Leben schwer machen wird. Man muss als SoA-Fan dieser ersten Episode Punkte abziehen, für etliche Szenen, wie die zwischen Opie und Jax am Friedhof oder dem Sheriff und Juice. Sie sind im Grunde da, um Informationen zu liefern, die man schon kennt. Die Figuren teilen in manchen Situationen einander Sachen mit, die beide Gesprächsteilnehmer schon kennen. Wenn es geschieht, um emotional Begegnungen aufzuladen, dann macht es nichts aus, aber in den anderen Fällen ist es nur pure Wiederholung. Trotzdem ist es Meckern auf einem hohen Niveau.

Denn letztendlich muss eine Eröffnungsepisode dem Zuschauer aufs Neue die Situation beschreiben, in der sich die Beteiligten befinden. Und die wird kurzerhand kompliziert. Denn Sutter & Co. warten nicht lange bevor sie Jax & Co. in die nächste Sackgasse manövrieren. Nicht nur muss Jax weiterhin zwischen seinen CIA-Partnern und dem Club pendeln, sondern ein anderer großer Gegner kommt aus dem Schatten der Ereignisse um Tig und Laroys Freundin.

Sie war die Tochter des Oakland-Mafia-Bosses Damon Pope (Harold Perrineau), der unbedingt Rache an dem Club nehmen will. Ihm gehören die brutalsten Szenen in dieser Episode: In der einen lässt er Tig zuschauen, während er seine Tochter Dawn beim lebendigen Leibe verbrennt. Natürlich ist Perrineau als Schauspieler immer willkommen, aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwicklen wird. Läuft alles auf einen Krieg zwischen Pope und dem Club aus? What’s the play? (Um Jax’ Worte zu benutzen.) Wird Jax endlich anfangen Entscheidungen zu treffen?

Ganz egal welche dramaturgische Wendungen die Autoren parat haben, lebt Sons of Anarchy vor allem von dem Cast, der Action und den kleinen Dramen zwischen den Figuren. Natürlich ist die Anspannung zwischen Gemma und Tara, die hier mehrfach demonstriert wird, eine bekannte, aber die Positionen der beiden wechseln ständig und dadurch bleibt auch die Spannung erhalten. Sons of Anarchy liebt es die Figuren einander näher zu bringen, sie zu Freunden zu machen, um im nächsten Moment sie gewaltsam auseinander zu ziehen, sie in die Ecke zu treiben. Als Jax am Ende der Episode sich auf die Flucht machen muss, nachdem ihm Unser mitteilt, dass er gesucht wird, übernimmt Tara das Fragen für uns Zuschauer: Oh, God. Now what?

Auch Gemma (Katey Sagal) muss sich schon am Anfange der Episode fragen, was als Nächstes kommt, als sie sich im Bett eines wildfremden Mannes wiederfindet. Sagt “Hallo” dem “Edelzuhälter” (companionator) namens Nero Padilla (Jimmy Smits),  der nicht nur als love interest für Gemma eingeführt wird, sondern auch als möglicher Verbündeter für die Sons. Wir sehen am Ende, wie Jax beim ihm Unterschlupf sucht. Viele neue Gesichter und viele alte Dramen – welche Mischung sich wohl daraus ergibt?

Was diese Season tun muss, ist ein schweres Unterfangen, nämlich eine Richtung aufzuzeigen: Quo vadis, SoA?

Sons of Anarchy: NS (3×13)

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Im Finale der dritten Staffel gibt es einige Überraschungen. Können die Sons das Ruder wieder an sich reißen? 

Das Sons of Anarchy-Finale NS beendet zufrieden stellend eine unebene dritte Staffel. Die begann mit einem großen Kracher, der Premiere SO, und schloss mit einem Kracher, NS. Zusammen bilden die beiden Titel SONS. Trotz der Unzufriedenheit vieler Fans und TV-Kritiker mit dem ständigen Aufschieben der Reise nach Belfast und den vielen Klein-Klein-Spielchen zwischendurch kann man nicht umhin festzustellen, dass die Top-Serie von FX einen abgerundeten Eindruck hinterlässt – als Ganzes gesehen und dank diesem Finale.

Die Titel der beiden Episoden SO und NS referieren direkt auf Jax’ (Charlie Hunnam) zwei Ringe. Den einen legte er, wenn ich mich nicht täusche, am Anfang der Staffel auf John Tellers Grabstein – den zweiten im Finale. Die Frage, warum der Ring noch auf dem Grabstein liegt und nicht geklaut wurde, werde ich nicht stellen: es zählen der dramatische Effekt und die Gefühle, die er hervorruft.

Wenn Jax zum Grabstein zurückkehrt, um gleichsam Schluss mit John Teller zu machen – „I am done listening to a dead man!“ -, beschreibt dies auf einer anderen Ebene die Wiederkehr der US-Serie zu ihrem ursprünglichen Problem: dem Kerngedanken hinter dem Club und dem Schicksal von Jax’ Vater. Durch Abels Entführung kam man davon ein wenig ab, aber nur scheinbar. Denn für mich steckt der große Verdienst von Kurt Sutter & Co. darin, Jax durch die Belfast-Geschichte und die überraschende Wendung in diesem Finale Clay (Ron Perlman) und dem Club so nahe zu bringen, wie er es noch nie zuvor war.

Jax hält seinen eigenen Vater für einen Verräter und will nicht selbst so enden. Aber wer hat wen verraten? Tara (Maggie Siff) entdeckt John Tellers Briefe, die Maureen in Jax’ Sachen versteckt hat, und beginnt sie zu lesen. John Tellers Voice Over sagt uns am Ende, dass Gemma und Clay ihn verraten und anschließend getötet haben. Die Belfast-Story, die Enthüllung von John Tellers gefährlichen Liebschaften und Jax’ Halbschwester Trinity – das alles verkompliziert den Blick auf die Vergangenheit noch mehr. Jax triumphiert am Ende dieser Staffel – und scheitert zugleich: er findet keine Grundlage, keinen klaren Weg, mit der Vergangenheit umzugehen.

Wenn man so will, bildet die Zeit den heimlichen großen Widersacher in dieser dritten Staffel – nicht die IRA, nicht Jimmy oder Stahl. Natürlich ist der Zeitfaktor auch das größte Problem der Serie an sich gewesen, denn sie schien gar nicht voran zu kommen bzw. sich in zu vielen kleinen und noch kleineren Plots zu verwickeln. Für die Zuschauer, die an die schnellen Auflösungen aus den vorherigen Staffeln gewöhnt sind, mag es frustrierend gewesen sein, die ganze Reise in die Vergangenheit mitmachen zu müssen. Aber man musste zu den Wurzeln der Probleme kommen: zu der Einsicht, warum Figuren handeln, wie sie handeln, und so geworden sind.

Das Finale nun bietet Auflösung und Pay-Off an mehreren Fronten. Wer es noch nicht gesehen hat, soll schleunigst aufhören, weiter zu lesen – sonst verdirbt man sich durch die Spoiler eine Menge Spaß!

Wir haben im Laufe dieser dritten Staffel oft darüber gesprochen, wie die Sons durchgehend zu Entscheidungen gezwungen sind, die sich dann immer wieder als falsch erweisen. Die SoA-Autoren ließen sie fast komplett die Kontrolle verlieren und manövrierten sie von einer Tragödie in die nächste. Euren Kommentaren konnte ich entnehmen, dass euch nicht nur Charming fehlte, sondern auch The Return of the King(s) von Charming: das Wiedererlangen der Kontrolle seitens der Sons.

Der Weg dorthin läuft nur über Stahl und Jimmy. Dank Ottos (Kurt Sutter) Treffen mit Lenny The Pimp (gespielt von Hells Angels’ legendärem Mitglied und Gründer Sonny Barger) können die Sons eine Absprache mit den Russen treffen, die gegen zwei Millionen bereit sind, Jimmy auszuliefern. Wir erinnern uns: schon seit einer Weile versucht Chuck, jemanden auf eine Lieferung aufmerksam zu machen, aber weder Gemma (Katey Sagal) noch Tig (Kim Coates) hören auf ihn. Dafür aber Jax! In den Kisten aus … befinden sich fünf Millionen Dollar Falschgeld. Im Zuge seines Deals mit Stahl (Ally Walker) schafft es Jax, zweihundertfünfzigtausend echte Dollar zu holen und alles zu durchmischen, damit die Russen den Betrug nicht gleich bemerken.

Geschickt lässt man uns glauben, dass Jax tatsächlich hinter dem Rücken des Clubs handelt – bis zum Ende, als wir den raffinierten Plan verstehen. Nicht nur bekommt Chibs seine Rache und beseitigt Jimmy, sondern auch Opie kann Stahl erledigen. Außerdem ist Gemmas Anklage vom Tisch, und die Sons müssen nur kurz ins Gefängnis. Die Morde an Stahl und Jimmy (Tommy Flanagan) schieben sie der IRA in die Schuhe. Das nennt man Erfolg auf ganzer Linie; und die Szene im Gefangenentransport, als alle plötzlich anfangen zu lachen – nach dem Hupsignal von draußen, das alles erledigt ist -, gehört zu den besten, die die Clubmitglieder seit langer Zeit zusammen hatten.

Leider bekam Ryan Hurst als Opie in dieser Staffel nicht viele Möglichkeiten, in den Vordergrund zu treten. In der Szene mit Stahl, als er ihr in den Hinterkopf schießt, vermittelt er uns Zuschauern jedoch großartig, nur durch seinen Gesichtsausdruck, eine komplette Palette an Gefühlen: „This is what she felt!“ Jetzt kann er mit der Vergangenheit abschließen, die Trauerarbeit nach Donnas Tod ist vorbei. Passend dazu verkünden Opie und Lyla am Anfang der Episode ihre Hochzeitspläne: nach einer der immer wieder sehr schön inszenierten SoA-Musikmontagen.

Opie also schließt mit der Vergangenheit ab, Chibs tut ein Gleiches… und Jax denkt, er habe es auch getan. Aber: Die letzte Musikmontage (Battlemens Cover von Neil Young’s “Hey Hey My My”) – die uns zuerst Clay und Jax zeigt, die einander anlächeln, dann Tara mit den Briefen und schließlich Gemma, mit Abel auf dem Schoß triumphierend auf dem Bett thronend – wird von John Tellers Voice Over übertönt. Der Sons-Prinz Jax Teller hat die Krone noch nicht auf dem Kopf? Will er sie überhaupt? Wird es eine “Return of the King” geben – in der “leiblichen Erbfolge”?

 

Sons of Anarchy: Bainne / June Wedding (3×11 und 3×12)

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Jax (Charlie Hunnam) trifft in Bainne eine Entscheidung, die er sehr schnell bereuen muss. Obwohl „bereuen“ nicht wirklich die zutreffende Bezeichnung scheint: Jax entscheidet sich, Abel vom Club-Leben und dadurch von sich selbst zu trennen – aber die Adoptiveltern werden von Jimmy erschossen, und wieder einmal dient Jax’ Sohn als Tauschobjekt. Einerseits setzt die Serie damit die Lektion fort, die Jax zu lernen hat: dass sich jede Entscheidung, die er trifft, schließlich auf irgendeine Art und Weise als falsch erweist. Der Grund für diese Fehlerhaftigkeit liegt im Kern des Lebens, das Jax führt, mit all seinen Regeln und Motivationen. Damit kehrt die Serie geschickt zurück zur Prämisse der zweiten Staffel und zum Grundproblem von Sons of Anarchy, das durch die Suche nach Abel in den Hintergrund geriet: Die Suche nach Jax!

Jax schubste Tara von sich, und in Bainne ist er bereit, auch Abel wegzugeben. Letztendlich versucht er, sich mit Hilfe äußerer Umstände von emotionalem Ballast zu befreien. Er will zwar Tara und Abel in Sicherheit wissen, aber gleichzeitig macht er sich alles leichter – indem er die Verletzlichkeit des Clubs und seine eigene durch die Trennung drastisch reduziert. In den ersten zwei Staffeln wurde uns Zuschauern immer wieder nahe gelegt, dass der Club (wie) eine Familie sei. Die dritte Staffel hinterfragt diese Aussage, beginnend mit Donnas Tod.

In June Wedding schließlich entscheidet sich Jax dafür, sich zuerst um seine Familie zu kümmern, wenn auch auf Kosten des Clubs. In Bainne sahen wir, wie Maureen John Tellers Briefe in Jax’ Sachen versteckte, nachdem wir einen kurzen Auszug zu hören bekamen, der uns auf die mögliche Involvierung Gemmas (Katey Sagal) und Clays (Ron Perlman) in Johns Tod hinweist. Nicht nur sind diese Briefe eine tickende Zeitbombe, sondern sie reflektieren dieselbe Problematik: Haben damals Gemma und Clay die Familie für den Club geopfert?

Auf jeden Fall sind wir – hinsichtlich des Titels June Wedding – Zeugen blutiger Hochzeiten bei SoA. Allen voran die Bindung zwischen June Stahl (Ally Walker) und ihrer Partnerin, aber auch die zwischen Stahl und Jax. Bainne ist das offizielle Ende der Suche nach Abel; June Wedding beendet die Suche nach Tara. Unser will Salazar lebendig, damit dieser gegen Hale aussagt, die Mayans wollen ihn aus persönlichen und geschäftlichen Gründen tot sehen, und Jax… will nur seine Familie. Und er will denjenigen bestrafen, der sie bedroht hat. Er tötet Salazar, obwohl er ihn lebendig hätte haben können, und verkompliziert damit die Sache für den Club und Charming selbst. Clay-Style!

Nicht zufällig steckt Stahls Vorname im Episodentitel, denn was sie tut, schockiert – obwohl man von ihr Einiges gewöhnt ist. Sie tötet ihre Partnerin und inszeniert das Ganze als mexikanischen Übergriff, um dann die selbst erdachten letzten Worte ihrer Partnerin zu Protokoll zu geben: Gemmas Statement sei korrekt; ihre Partnerin sei Edmonds Mörderin, und Gemma habe aus Notwehr gehandelt. Ganz abgesehen davon, ob die Logik der von Stahl beschriebenen Ereignissen so haltbar ist, erreicht dieses Wendung ihr dramaturgisch-dramatisches Ziel: Jax’ Famile ist komplett und in Sicherheit – Tara und das Baby, Abel und Gemma. Was wird aus der Club-Familie?

Auf Gemmas Rat hin macht Opie Lyla einen Heiratsantrag, während Tig und Kozik ihre Differenzen nicht ausbügeln können. Denn es geht schließlich … um einen Hund namens Missy!  Ich bin mir nicht sicher, ob diese Enthüllung hierher passt; aber auf SoA-Art und Weise wirkt sie lustig. Falls aber Kozik wirklich nicht in Charming aufgenommen würde, würden wir Kenny Johnson nicht mehr sehen, was sehr schade wäre!

Die kleine Szene zwischen Tig und Kozik erinnert allerdings daran, wie wenig die Serie in dieser Season für ihre Nebendarsteller übrig hatte. Nichtsdestotrotz funktioniert die SoA-Mischung als Ganzes, als komplette Erzählung, als mehrteiliges Buch – und man muss bedenken, dass diese dritte Staffel generell mehr plot-driven als character-driven war. Wie alles enden wird? Vielleicht so: Im Bund der Lügen – mehrere Begräbnisse und zwei Hochzeiten?

Sons of Anarchy: Firinne (3×10)

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In Belfast spitzen sich die Ereignisse zu. Es wird Zeit, lose Enden wieder zusammenzubinden. Wird Jax Abel finden und gleichzeitig sein Versprechen gegenüber Stahl halten können?

Firinne erfüllt so manche Hoffnung der Sons of Anarchy-Fans, was Sambel betrifft: O’Neill und McGee bekommen, was sie verdient haben. Jax erfährt endlich die Wahrheit über Trinity und den Verbleib von Abel. Aber eine glückliche Familienzusammenführung wird nicht aus der ganzen Geschichte.

Im Laufe dieser dritten Staffel hatte man die dunkle rote Linie um John Teller, seinen Sohn und den Club zwischenzeitig fast verloren geglaubt – aber Firinne überzeugt uns vom Gegenteil. Eine sehr wichtige Episode, wie mir scheint: nicht nur weil sie Einiges enthüllt und die Sambel-Führung auflöst, sondern weil sie fast unbemerkt den Grundstein für die zukünftige Entwicklung legt. Einen sehr großen Beitrag zur emotionalen Wucht dieser Episode leisten die Schauspieler, allen voran Charlie Hunnam und Ron Perlman.

Dank Cherry gelingt es Samcro, den flüchtigen O’Neill  zu finden, aber die Information holen Gemma und vor allem Maureen aus Cherry raus. In der Szene zwischen den drei Frauen wird noch einmal deutlich, dass Gemma und Maureen mehr gemeinsam haben, als ihnen lieb ist… Sogar eine weitere Gemeinsamkeit müssen die Mütter lüften, nämlich die Verwandtschaft zwischen Jax und Trinity. Sie tun das mehr oder weniger im letzten Moment – oder, wie Jax es ausdrückt: Two more minutes and I will be dancing in Tig territory!

Die zwei Mutter-Kind-Szenen der Wahrheitsverkündung könnten unterschiedlicher nicht sein. Zoe Boyle (Trinity) wurden bisher nicht viele Möglichkeiten gegeben zu glänzen, aber in dieser stillen Szene mit Maureen spielt sie sehr überzeugend und mit Anmut das Wechselbad der Gefühle von Neugier bis zu tiefster Demütigung. Von Jax wiederum kommt keine große Reaktion – und ich wundere mich, wie die Autoren die Bruder-Schwester-Beziehung handhaben wollen: War dies das große Geheimnis von John Teller? Unwahrscheinlich – denn es ist zwar eine Enthüllung für die Figuren, aber nicht für uns Zuschauer!

Vielleicht erfahren wir die ganze Wahrheit, bevor die Sons Belfast verlassen. Da bis Ende der Season nur noch zwei Episoden bleiben, rückt die Heimreise nach Charming in greifbare Nähe. Außerdem haben die Sons in Belfast nichts mehr zu tun.

Sie liefern der IRA den Beweis für Jimmys Verrat, den sie O’Neill unter brutaler Folter entlockt haben. Ab diesem Punkt überstürzen sich die Ereignisse; Jimmy gerät sogar für ein paar Sekunden in die Hände von Samcro, nur um wieder fliehen zu können: dank McGee. Den enthebt Clay seines Amtes und tötet ihn in einer emotionsgeladenen Szene über den Dächern von Belfast – Ron Perlmans Verdienst!

Diese Szene erinnert uns daran, was es heißt, ein Mitglied des Clubs zu sein, und dass für Verräter keine Gnade gibt. Das ist insofern wichtig, als wir ja wissen, welch gefährliches Spiel Jax hinter dem Rücken des Clubs mit Stahl treibt.

In Charming spitzt sich die Situation zu. Wir erfahren nicht nur, was es mit Margarets Tattoo auf sich hat, sondern auch Salazars Pläne. Tig & Co. brauchen ausgerechnet Alvarez’ Hilfe, um das Problem zu lösen. Jax’ Problem scheint wiederum kaum lösbar. In einer der bisher besten Szenen Charlie Hunnams in der gesamten Serie erfährt er von Father Ashby, dass dieser nie vorhatte, Abel zurückzugeben. “Your father knew the patch was a mistake, and so do you.”

Auf grausame Art und Weise will Ashby ein Versprechen halten, das er einst seinem alten Freund gegeben hatte: Wenn Jax aus diesem Leben schon nicht mehr herauszuholen ist, dann soll mindestens Johns Enkel ein normales Leben führen und gerettet werden! Jax zwingt zwar Ashby, Abels Location zu verraten, aber die Frage bleibt: Was wird er tun – und wie will er sein Kind retten? In der letzten Minute der Episode, als Jax allein im Clubhaus sitzt, sehen wir die ganze Wut, den Schmerz und den Zweifel, die in ihm stecken!

Sons of Anarchy: Turas (3×09)

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In Belfast kommt es zu mehreren Auseinandersetzungen, während in Charming Geheimnisse gelüftet werden. Werden die Sons ihre Abwesenheit teuer bezahlen müssen? 

Zugegeben: die dritte Sons of Anarchy-Season hat sich nur langsam voran bewegt und bietet dem Zuschauer im Vergleich zur zweiten Staffel bisher weniger “Payoff”. Die Langsamkeit scheint sich in erster Linie aus der Konzentration auf einen Haupthandlungsstrang zu ergeben.

Obwohl: ist es wirklich ein Strang? „Kurt Sutter“ mag sich auf die Abel-Entführung konzentriert haben – doch die Story ähnelt einem Rhizom. Ein Rhizom ist im strengen botanischen Sinne ein Wurzelgeflecht. In seiner Verwendung als Metapher, wie in der Philosophie von Gilles Deleuze, bezeichnet es ein “vielwurzelig” verflochtenes System, das nicht in Dichotomien aufgeht, sondern Querverweise, Überschneidungen, Verbindungen zwischen Elementen aufweist, die unterschiedlichen Ebenen angehören. „Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderer Linien weiter.“

Diese Metaphorik bezieht sich auf Wissenssysteme und bezeichnet einen Bruch mit dem “alten” Baum-Modell, nach dem Systeme hierarchisch und dichotomisch angelegt sind und keine Querverbindungen zulassen. Wir können die Rhizom-Metapher jedoch auch anwenden, um zu bezeichnen, was mit Sons of Anarchy in der dritten Staffel geschieht: Sie wuchert langsam, aber beständig und sorgt für Überschneidungen und Verzweigungen.

Natürlich birgt ein solches Geflecht die Gefahr, die Übersicht zu verlieren und lose Enden hängen zu lassen. Aus Zuschauersicht empfiehlt es sich, die Episoden im Doppelpack zu sehen – so bleibt man besser “am Ball”, und der Spannungsaufbau mit stetiger Steigerung funktioniert. Ich glaube, dass die dritte Staffel auf DVD größere Befriedigung bringen wird als im Eine-Episode-pro-Woche-Rhythmus.

Turas, die neunte Episode dieser dritten Staffel, verläuft in einem blutigen Rhythmus. Der Cliffhanger mit Abel bleibt zwar in der Luft hängen, aber der Rest der Erzählung macht Fortschritte. Obwohl – nicht wirklich. Im Grunde wird die Unentschlossenheit der Figuren gezeigt, welchen Schritt sie als nächsten machen sollen. Das folgt aus dem bisherigen Handlungsverlauf: Jede Entscheidung brachte nur weitere Komplikationen.

Inzwischen ist der Punkt gekommen, an dem Entscheidungen tatsächlich irreparabel sind: Sie ziehen tödliche Konsequenzen nach sich. In Belfast versucht Jax (Charlie Hunnam) herauszufinden, wie er die Sache mit Jimmy für alle zufrieden stellend hinbekommen kann. Durch Jimmys (Titus Welliver) Auftauchen in Maureens Haus und seinen Versuch, Chibs (Tommy Flanagan) Familie zu entfühen, nimmt die Sache extreme Züge an. Fiona muss Gemma davon abhalten, Jimmy zu erschießen: In ihrer Verzweiflung sieht Gemma die einzige Rettung in fliegenden und treffenden Kugeln.

Sie will es einfach machen – aber so einfach geht es nicht… Mir gefällt die Art, wie die Serie einen vielschichtigen Beziehungskonflikt darstellt (IRA, Sons, Familie) und so die Unmöglichkeit leichter Entscheidungen aufzeigt: Auch der vielschichtige Konflikt in Sons of Anarchy besitzt die Struktur eines Rhizoms – er durchwuchert sämtliche Ebenen.

In dieser Episode kehren wir – durch die Erwähnung John Tellers und Jax’ kurze Vision von seinem Vater – zurück zum Ursprungsproblem: dem Sinn der Club-Existenz. Jax sagt zu Gemma, dass alles deswegen so gekommen sei, weil der Club mit Waffen handele. Aber steht dahinter nicht vielleicht Jax’ Erkenntnis, dass er durch Abels Entführung zu Clay (Ron Perlman), seinem Bild vom Club und seinen Verhaltensmustern zurückgekehrt ist? Ideale können vom Leben so schnell korrumpiert werden!

Genauso korrumpiert ist Sambel, genauer: seine Leader Keith McGee und Liam O’Neill. Die Sons werden während eines Waffendeals in eine Falle gelockt und von Liam in die Luft gejagt. Aber niemand bekommt mit, dass es Liam ist, der die Bombe aktiviert. Es sieht so aus, als handelte Liam über McGees Kopf hinweg. Die Charming-Sons bleiben unversehrt, aber dafür sterben fünf Sambel-Mitglieder.

Am Ende der Belfast-Erzählung dieser Woche sehen wir Jax und Trinity (Zoe Boyle) im Schatten vor Maureens Haus sitzen. Beide sind müde, ratlos. Er legt den Arm um sie. Eine sehr schöne Bruder-Schwester-Szene (ohne dass die Beteiligten es wüssten), die von Gemma (Katey Sagal) beobachtet wird.

Währenddessen herrscht in Charming genauso viel Unruhe. Jacob Hale bekommt zu spüren, was es heißt, mit jemandem wie Hector Deals abzuschließen. Hector erpresst ihn mit Hilfe einer Aufnahme („Yeah. I got an app for that, homes.“) und will wissen, wo Tara (Maggie Siff) arbeitet. App für Blackmail? Netter Scherz – und gleichzeitig eine nett subtile Werbeeinlage seitens der Produzenten, denn seit dieser Woche gibt es das Sons of Anarchy iPhone / iPad App…

Margaret Murphy fährt Tara wegen der Abtreibung zur Klinik, aber die beiden werden von Hector und seiner Freundin entführt. Der Cliffhanger: Als sie Margarets Rücken entblößen, sehen wir ein riesiges Motorradgang-Tattoo. Wessen Old Lady ist sie? Alle Figuren in Sons of Anarchy sind gebrandmarkt und tragen ihre Narben: zu welchem Ende auch immer.

Sons of Anarchy: Lochan Mor (3×08)

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Diese Episode bringt eine klare Ansage in Sons of Anarchy und Jax steht wieder einmal vor einer unmöglichen Entscheidung. Zurück in Charming verlieren die Sons langsam, aber sicher an Boden.

„Questions will be answered soon enough“, verkündet Maureen Ashby den gerade aus Charming eingetroffenen Sons. Hiermit spricht sie auch im Namen des Showrunners Kurt Sutter, der mittlerweile wenig Geduld mit den ungeduldigen Zuschauern und Fans zu haben scheint. Über alle möglichen Wege – Twitter, Blog, Facebook etc. – warf Sutter den Kritikern Ungeduld vor.

Diese Ungeduld, die tatsächlich herrscht, ergibt sich nicht aus Unzufriedenheit mit Richtung oder Tempo der Erzählung der dritten Staffel, sondern aus einem anderen Grund. Zwar erscheint das Hinausschieben der Belfast-Reise Richtung Staffelmitte rein dramaturgisch-strukturell nachvollziehbar. Aber: überrumpelt von den vielen kleinen Nebenhandlungen, fragen sich viele Zuschauer zu Recht, ob das Ganze nur Mittel zum Zweck war? Ob all die Hindernisse, die man den Sons in den Weg warf, nur ihre Abreise hinauszögern sollten? Denn der Höhepunkt mit Abel kann nicht zu früh kommen.

War jede weitere Entscheidung, die den Sons noch größere Probleme brachte, letztlich eine zu viel? Warum? Vielleicht weil der Kontrollverlust der Sons sie aussehen lässt wie Spielzeuge in den Händen Anderer? Diese Frage ist kompliziert zu beantworten, hängt sie doch sehr am jeweiligen subjektiven Eindruck.

Meiner Meinung nach sind die letzten Episoden von enormer Wichtigkeit dafür, wie schließlich die erste Staffelhälfte, gar die ersten zwei Drittel, zu bewerten sind. Ich selbst bin zwiegespalten und brauche die eine oder andere Antwort (auch von Maureen), um das komplette Bild zu bewerten. Mir gefällt es nach wie vor, wie sich die Serie um (fast) jede Figur zu kümmern weiß und wie in Charming Entwicklungen vonstatten gehen, die sich später auszahlen könnten.

“Könnten” beschreibt am besten die herrschende Unsicherheit, etwa bei der Story mit Tara (Maggie Siff) und dem Baby, bei Unser, bei Hales Bruder, bei Tig (Kim Coates) und Kozik, bei den Gangs in Charming und Umgebung. Wir erfahren in dieser Episode, dass Jacob Hale mit jemandem zusammenarbeitet, der die Stadt aufkauft. Mit Darbys Hilfe versucht er, Menschen zum Verkaufen zu bringen; nachdem Darby auf seine alten Tage keinen Stress mehr haben will, wendet sich Jacob an Hector Salazar.

Tig scheint das Geschäft in Charming nicht im Griff zu haben, denn er verbringt die Episode damit, sich unaufhörlich mit Kozik zu streiten und zu prügeln. Immerhin erfahren wir, dass es um eine Frau geht – oder, wie Chucks Tara gegenüber erklärt: „I’m not sure, but judging by their level of malevolence, there’s gotta be at least one vagina involved.“

Tara wiederum schlägt sich mit Abtreibungsgedanken herum – und entscheidet sich dafür, nach dem Beispiel von Opies Freundin Lyla. Beide Frauen wollen zu diesem Zeitpunkt keine Kinder von Männern wie Jax (Charlie Hunnam) und Opie (Ryan Hurst).

Diese Männer wiederum tun, was Sons eben tun – feiern und sich prügeln. Nur eben in Belfast. FX konnte Sons of Anarchy nicht das Budget zur Verfügung stellen, tatsächlich in Belfast zu drehen; es reichte nur für eine Reise von Regisseur Billy Gierhart mit einem kleinen Team, um Bilder zu sammeln. Diese spärlich beleuchteten Bilder, gebadet in grüne Töne, vermögen tatsächlich die Illusion eines anderen, fremden Ortes zu schaffen, eines Ortes, wo die Sons nicht wirklich willkommen sind.

Lochan Mor ist eine Episode mit großartiger Musik: “Big Fellah” von Black 47, “The Long Road,” “Shiny Eyes,” “Jungle of the Midwest Sea” und “Son of Shame” von Flatfoot 56, “Faraway” von The Tossers, “Flying Up a Mountain” von Sweet Apple, “Caroline” von The Young Dubliners.

Lochan Mor wartet nicht mit Enthüllungen oder Neuigkeiten auf, endet aber mit einer klaren Ansage: Damit Jax Abel bekommt, muss Jimmy sterben! Leicht wird das nicht sein, denn er hat Unterstützung: in Sambels eigenen Reihen und bei der irischen Polizei. Schon am Anfang der Episode geraten die Sons in eine Falle der korrupten Polizei, die von Jimmy beauftragt wurde, die Sons nach Charming zurück zu schicken.

Dank Gemmas schneller Reaktion kommt es nicht dazu. Die Wahrheit über John Teller bleibt auch in dieser Episode unausgesprochen – und es scheint zwischen Trinity und Jax zu knistern. Ich hoffe allerdings, dass die Autoren da nichts “passieren” lassen – nicht nur aus moralischen Gründen, sondern aus erzähltechnischen: Jax mit seiner Halbschwester schlafen zu lassen, wäre eine wirklich unnötige Verkomplizierung.

Auch so schon steht Jax vor einem großen Problem: Wie kann er Ashby zufrieden stellen, damit er Abel zurückbekommt, und gleichzeitig Agent Stahl, damit er seine Mutter rettet?

Wer ist der unbekannte Investor in Charming? Wird Tara das Kind wirklich abtreiben? Was ist die Wahrheit über John Teller? Will questions be answered soon enough?

Sons of Anarchy: Widening Gyre (2×07)

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Endlich ist es so weit: das Treffen zwischen Samcro, Sambell und IRA steht kurz bevor. Hat Jax diesmal die richtige Entscheidung getroffen?

Zugegeben: am Anfang der Season hatte man Bedenken, ob das Hinauszögern der Belfast-Reise ein gute Sache ist. Nachdem nun die Hälfte der Staffel vorbeigerauscht ist und wir uns Richtung Ende bewegen, erscheint mir der Zeitpunkt von Sutter & Co. absolut perfekt gewählt, um die Sons in den Flieger zu setzen.

Die dritte Staffel erzählt nicht von Jax’ Rache (noch nicht), sondern vom Weg dorthin; nicht von den Sons in Belfast, sondern von ihrem Weg dorthin. Aus diesem Grund stellen uns die letzten Bilder von Widening Gyre, als die Sons Richtung Flugzeug gehen, so zufrieden: Sutter & Co. haben es geschafft, jedes kleine Problemchen so zu verkomplizieren, dass sich daraus zu jeder Zeit ein eigenständiger Nebenplot entwickeln könnte.

Das Hinauszögern der Reise jedoch versteht sich nicht als Selbstzweck, um alles chaotischer und komplizierter zu gestalten, sondern führt ein ganzes Set neuer Figuren ein und etabliert sie, bevor die fiktionalen Welten von Charming und Belfast aufeinander treffen. Ohne dies hätte man ihre Vorgeschichten nicht glaubwürdig verkaufen können, es gäbe keine Spannung in der Interaktion.

Vielleicht gab es bis jetzt, wie manche Zuschauer und Leser angemerkt haben, sogar zu wenige Belfast-Bilder. Aber die Neugierde ist geweckt worden – das Interesse an den Belfast-Figuren ist da. Deswegen habe ich vorhin gesagt, dass die Autoren den besten Zeitpunkt gewählt haben, um die Figuren und ihre Geschichten zu vermischen – und auch, um die Wahrheit über die Vergangenheit zu erzählen.

Denn was wir vermutet haben, wird in dieser Episode bestätigt: Trinity, Maureens Tochter, ist Jax’ (Charlie Hunnam) Halbschwester. Sogar Gemma (Katey Sagal) hört dies beim Telefonat mit Mo zum ersten Mal, was eine heftige Reaktion auslöst: Sie übergibt sich. Die Frage ist: wird ihr nur wegen Trinity so schlecht – oder wegen der Erkenntnis, dass Jax sich unausweichlich der Wahrheit über John nähert, welche auch immer das sein mag?

SAMCRO wird demnächst eine leidvolle Erfahrung machen: mit der Wahrheit über die “Brüder” aus SAMBELL. Denn wie es scheint, steckt sogar McGee, Präsident des Belfast-Clubs, unter einer Decke mit Jimmy und informiert ihn über die Ankunft von Jax & Co. Die Positionen der Belfast-Schachpartie mit automatischen Gewehren sehen so aus: Jimmy und Kellan Ashby stehen miteinander im Konflikt, wobei Kellan die True IRA vertritt, aber Jimmy die Unterstützung von McGee hat. McGee ist Maureens Mann, aber Maureen (Paula Malcomson) scheint mehr zu ihrem Bruder Kellan zu halten – aus einem einfachen Grund. Sie will ihre Familie retten, genauso wie Fiona, Chibs Frau, die ihre.

Es sieht so aus, als würde sich eine Frauen-Front bilden: Fiona, Gemma und Maureen wollen einfach ihre Kinder beschützen. Gemma? Sie fährt mit nach Belfast! Mit Taras Hilfe flieht sie aus dem Krankenhaus – zu den Klängen von Creedence Clearwater Revivals “Travelin’ Band” – und schließt sich der “Reisegruppe” an. Was mir an Gemmas Flucht nicht gefiel, war der pathetische Versuch Unsers, alle zu stoppen, so dass Gemma ihn „traitor“ nennen musste. Ich verstehe nicht, warum die Autoren diese über zwei Staffeln sorgsam aufgebaute Figur und ihre noch sorgfältiger aufgebaute Beziehung zu Gemma und dem Club so zur Seite schieben und gar fallen lassen.

Tara (Maggie Siff) wiederum schwebt in einer ganz anderen Gefahr. Nachdem ein Mitglied der Grim Bastards hingerichtet wurde, machen sie sich zusammen mit den Sons auf die Suche nach dem Verantwortlichen. Damit der Frieden erhalten bleibt, bietet Alvarez seine Unterstützung an, was auf einer öffentlichen Toilette zu einem Kopfschuss für einen Salazar führt. Der Anführer der Salazars, der sein Abzeichen danach los ist, scheint auf Rache aus zu sein: Wir sehen, wir er Tara beobachtet. Wird, während Jax seinen Erstgeborenen rettet, das zweite ungeborene Kind, von dem er immer noch nichts weiß, in tödliche Gefahr geraten?

Sons of Anarchy: The Push (3×06)

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Diese Episode von Sons of Anarchy dreht sich um eine dieser wichtigen Entscheidungen, die jeder treffen muss. Werden sich solche Entscheidungen auf lange Sicht auszahlen oder eher rächen?

The Pull und The Push. Wir erinnern uns, dass in der Episode The Pull in der ersten Staffel Jax (Charlie Hunnam) und Tara (Maggie Siff) wieder zusammen kamen, nachdem Jax Kohn erschossen hatte. The Push liefert in gewisser Hinsicht den zweiten Teil der Jax-Tara-Story. Im ersten wurde sie in das Club-Leben hineingezogen – und in diesem zweiten “pusht” Jax sie aus seinem Leben wieder hinaus: „I’m done“, sagt er zu ihr in einer stillen Szene am Ende der Episode.

Eigentlich beschreiben die beiden Episodentitel die Dynamik der Beziehung: Pull – Push. Doch zugleich zeigt The Push, wie Jax langsam den Boden unter den Füßen verliert. Seine oberste Priorität – Abel wiederzubekommen – zwingt ihn dazu, alle anderen Brücken zu verbrennen. Eigentlich möchte Jax Tara vor schlimmen Konsequenzen bewahren – und schafft dabei selbst die Voraussetzungen für ihr Entstehen.

Im Hintergrund geht ihm immer wieder Clay (Ron Perlman) unter die Haut und stellt ihn vor unmögliche Entscheidungen: Das Geld für Belfast muss von dem Medikamentenverkauf kommen – und der Schlüssel zum Erfolg ist Tara. Wir Zuschauer wissen, dass Tara mit Jax’ Kind schwanger ist – außer uns weiß das anscheinend nur Gemma. Unwissentlich setzt also Jax für sein erstgeborenes Kind – Abel – sein ungeborenes Kind aufs Spiel.

In The Push hilft Tara Jax, die Medikamente einer Klinik zu verkaufen. Darby (Mitch Pileggi) aber, den man tot geglaubt hatte, wird in genau dieser Klinik behandelt und kann den Deal beobachten. Er gibt die Information an Hales Bruder – und der teilt alles der Polizei mit. So wird das Sons-Quartier auseinander genommen – ohne vorherige Warnung, denn Unsers und Clays langjähriges Abkommen hat seine Gültigkeit verloren: Clay hat seinen Teil der Abmachung nicht eingehalten, hat Charming nicht frei halten können von blutiger Gewalt.

Damit nicht genug: Wir sehen in dieser Episode, dass Clay, um Frieden mit den Mayans schließen zu können, auch das letzte der Sons-Prinzipien mehr oder weniger aufgibt. Mit einem geschickt inszenierten Drogenlieferungs-Überfall können die Sons dann den Mayans einen besseren Deal anbieten als die Salazars. Die Sons und die Grim Bastards wollen dafür sorgen, dass die Lieferungen problemlos vonstatten gehen. Heißt das aber nicht: Drogen durch und in Charming?

Es scheint, als würde jede Entscheidung in dieser Episode auf einem Kompromiss beruhen. Jede Entscheidung zieht Opfer nach sich. Auch Stahl (Ally Walker) bringt ein Opfer. Durch Jax lässt sie Gemma ein neues Statement zukommen: Gemma habe gesehen, dass auch Stahls Partnerin im Haus gewesen sei, als Camerons Sohn getötet wurde – wahrscheinlich habe sie abgedrückt… Mit jeder Episode setzt Stahl noch eins drauf.

Während sie die Sache mit Gemmas (Katey Sagal) Statement inszeniert, können Clay und Jax Oswald dazu bringen, den Sons den Transport nach Belfast zu organisieren. Wer von den Mitgliedern nach Belfast gehen wird, erfahren wir noch nicht. Aber der Club bekommt drei neue Prospects – und ein potentielles Mitglied, Kozik (Kenny Johnson). Tig (Kim Coates) votet gegen den Transfer, was eine Prügelei zwischen den beiden nach sich zieht.

Doch die Vergangenheit der beiden und damit der Grund, aus dem Tig einen solchen Haß auf Kozik hegt, bleibt weiterhin im Dunkeln. Chuck fungiert mittlerweile als Running Gag im buchstäblichen Sinne, denn in The Push muss er die Polizisten im Krankenhaus ablenken, während die Sons den mexikanischen Informanten beseitigen.

Nach den turbulenten Ereignissen bietet der Schluss eine Ruhepause: Es wird von einem Pärchen zum anderen geschnitten. Nur Tara liegt allein im Bett, während Jax es mit dem Pornosternchen treibt. Clay und Gemma, eingekuschelt im Bett, gucken sich „The King and I“ an, die Geschichte eines machtvollen Mannes, der von einer klugen, starken Frau gezähmt wird.

Am Anfang dieses Artikels sprach ich davon, dass Jax den Boden unter den Füßen verliert.

Weder den eigenen Ansprüchen noch denen der anderen vermag er gerecht zu werden. Ist jede Entscheidung ein Schritt weg davon, “ein guter Mann” zu sein? Wie definiert man “gut” in dieser Welt? Er schickt die Frau weg, die er liebt: Kann er dann ein guter Sohn und ein guter Vater sein? Schafft er sich damit nicht einfach emotionalen Ballast vom Hals? Gibt er außerdem die Prinzipien und Ideen, die er in den Worten seines Vaters entdeckt hat, auf?

Derzeit verkettet Sons of Anarchy so viele Handlungsstränge mit- und ineinander, dass man tatsächlich nicht weiß, was in der nächsten Minute passieren wird.

Sons of Anarchy: Turning and Turning (3×05)

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Für die Probleme der Sons ist kein Ende in Sicht. Oder doch? Kann Jax eine Lösung finden – oder werden seine Entscheidungen dem Club noch mehr schaden? 

Nach dieser Episode, deren Titel aus William Butler Yeats’ “The Second Coming” stammt, sieht es so aus, als würden Sutter & Co. ein langes, kompliziertes Spiel in Bewegung setzen – über die Grenzen der dritten Staffel hinaus. Turning and Turning gibt dem Zuschauer das Gefühl, Jax (Charlie Hunnam) könnte Abel bald wieder sehen, Gemma könnte wieder frei sein – aber steht dahinter nicht ein Deal mit dem Teufel?

Sehr gut gefällt mir am Verlauf der dritten Staffel, dass die Serie zu ihrem Kernproblem zurückkehrt: der moralisch-politischen Grundidee hinter dem Club, die von Jax’ Vater, John Teller, stammt. Zwar bekommen die Sons es wieder mit mehreren Gegnern zu tun, aber vor diesem Hintergrund demonstriert die Serie, welchen Schaden der Club auf diesem Weg nimmt und schon genommen hat – dem Weg, auf den ihn Gemma (Katey Sagal) und Clay (Ron Perlman) gepusht haben.

Zu dem Geheimnis um John Teller kommen wir unausweichlich, wenn Jax nach Belfast geht. Das sagt auch Gemma zu Clay. Sie liegt im Krankenhaus und erholt sich von ihrem Herzinfarkt – mit Handschellen ans Krankenhausbett gekettet. Sie und Clay wirken wie zwei müde Shakespearesche Könige, zu abgekämpft, um ihr Königreich weiter zu regieren. Werden sie aufgeben?

Gemma wird. Die Nachricht von Abels Entführung raubt ihr die letzten Kräfte, und sie lässt sich ein auf einen Deal mit Stahl. Nun: wie man Stahl kennt, gibt es einen Haken bei der Sache – und prompt steckt Gemma in einer unmöglichen Situation, in der sie alles verlieren kann.

Gemma Teller, Maureen Ashby und June Stahl (Ally Walker): um dieses Frauendreieck ist Turning and Turning aufgebaut, und in seiner Mitte befindet sich Jax. Seine Interaktion mit jeder dieser Frauen – wenn auch mit Maureen nur telefonisch – bringt Bewegung in die Ereignisse und stellt Jax vor die vielleicht bisher wichtigste Entscheidung. Eine Entscheidung, die er treffen muss, um seine Familie zu retten.

Auch er macht am Ende der Episode einen Deal mit Stahl: IRA und Waffenhandel gegen Familie (Club, Mutter, Sohn). Damit begibt sich Jax auf den gefährlichsten aller möglichen Wege – findet so aber als einziger eine Lösung, bevor er sich auf den Weg nach Belfast macht.

Währenddessen schlagen sich die Sons in Charming mit Problemen herum: nicht nur mit Salazars Leuten, sondern auch mit Charming selbst. Oder es ist eigentlich anders herum: wenn der Club Probleme hat, dann hat auch Charming welche? Jemand kauft die Stadt mehr oder weniger auf, Geschäft für Geschäft, Straße für Straße. Wie Bobby letzte Woche anmerkte, sind ja die Sons eigentlich Charmings „good guys“. Sie können es aber nur dann sein, wenn Charming von ihnen profitiert.

Ich vermute, die nächsten Episoden werden uns endlich nach Belfast führen und die Geheimnisse um Jax’ Vater und den Club lüften. Apropos Geheimnisse: Jax ist auf der Suche nach seinem Sohn – weiß jedoch nicht, dass sein zweites Kind unterwegs ist. Wie wir aus einer kurzen Szene zwischen Tara und Gemma erfahren, ist Tara schwanger. Wer der Vater von Maureens Tochter ist, bleibt vorerst im Dunkeln. Ist sie Jax’ Schwester? Kann Jax mit so viel “Familie” fertig werden?