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Castle: Heartbreak Hotel (4×08)

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Eins muss man Castle lassen: Im Vergleich zu vielen anderen bemüht sich die Serie, in ihrer vierten Staffel die Episoden zu variieren, den Blickwinkel auf die Figuren ebenso wie die Blickwinkel zwischen ihnen. Und dabei gelingt es immer wieder, die eigenen Stärken zu demonstrieren. Heartbreak Hotel, Castle bezieht sich nicht nur auf den Elvis-Presley-Song, sondern die Episode spielt zum Großteil in Atlantic City, wo Castle (Nathan Fillion), Esposito und Ryan den Mord an einem Casino-Mitinhaber untersuchen.

Und wo ist Beckett (Stana Katic)? Zurück in New York hält sie die Stellung in enger Zusammenarbeit mit Gates: I’m looking forward to seeing what you can do without him. Ja, Heartbreak Hotel, Castle ist nicht nur Girls- und Boys-Team, sondern zum ersten Mal sehen wir Gates (Penny Johnson Jerald) an einem Fall mitarbeiten. Mir gefällt, wie die Serie sie seit Montgomerys Tod allmählich an das Team heranführt, anstatt sie entweder zu einem zweiten Montgomery oder aber zur Außenseiterin zu machen.

Die drei Musketiere in Atlantic City, Boardwalk Empire (wie Castle von der Stadt schwärmt) – da liegt eine Party nicht fern! Mindestens bis zu dem Punkt nicht, an dem Ryan Esposito mitteilen muss, dass nicht er sein Trauzeuge sein wird, sondern ein Teenager, einer von den Verwandten der Braut. übrigens werden wir in der Szene am Tatort daran erinnert, dass Lanie und Esposito vor kurzem miteinander Schluss gemacht haben – da uns aber kaum die Möglichkeit gegeben wurde, Zeit mit den beiden als Paar zu verbringen, kann die Serie von unserer Seite keine emotionale Reaktion erwarten auf den kurzen, ziemlich aufgesetzt wirkenden Austausch zwischen ihnen. Auch der Humor schießt am Ziel vorbei. Dies aber stellt, so würde ich behaupten, die einzige Abweichung von einer sonst sehr amüsanten Episode dar, die an den anderen Fronten definitiv den Heartbreak-Hotel-Punkt traf.

Herz und Humor sind Castles Zutaten, das wissen wir. Aber stets macht es die Mischung, und die Verwicklungen im Fall bilden das Sahnehäubchen. Wenn man so will, haben wir es in der Episode mit drei Heartbreak Hotels zu tun, natürlich im übertragenen Sinne. Zwei davon liegen in New York, eines in Atlantic City. Nicht nur versucht Beckett Gates klar zu machen, wie sehr Castle bei ihrer Arbeit hilft und dass in seiner Abwesenheit etwas fehlt, sondern sie selbst scheint dies im Laufe der Episode immer stärker zu fühlen. Gut gemacht, Stana Katic: subtil und auf den Punkt!

In Castles Wohnung wiederum befindet sich Alexis (Molly Quinn) dem Text von Elvis Presleys Heartbreak Hotel am nächsten. Um sich von den Ashley-Gedanken wegzubringen, organisiert sie eine Party, die aber ziemlich ausartet; die meisten Jungs entsprechen leider dem Schema: He has the IQ of a squirrel. Als Vater zweier Töchter graut mir jetzt schon vor den kommenden Partys… Wie das so ist, geschieht alles in Familie Castle verkehrt herum: Alexis missfällt die ausartende Party. Ihr Vater sieht so etwas anders: Castle hat in Atlantic City nur eins im Sinn – eine spontane Party während einer Mordfalluntersuchung.

Nun, im Register des Casino-Hotels kann man Castles spontane Feier-Ausbrüche nachlesen. Als Ryan, Eposito und er dem zweiten Casino-Boss, dem Partner des Toten, langsam, aber sicher auf die Schliche kommen, werden sie durch die Tür nach draußen befördert, so wie gerade Alexis ihre Gäste aus der Wohnung komplimentiert. Mehr Parallelen gehen nicht, denn während der Soundtrack mit voller Lautstärke “befiehlt”: Let the man through, let the man through!, marschieren in Slow Motion Castle, Ryan und Esposito als Elvis-Darsteller verkleidet zurück ins Casino.

So kommen wir langsam dem Anfang der Episode näher. Denn sie begann in medias res und zeigte uns Castle im Elvis-Kostüm, wie er gerade von Bodyguards zu jemandem hin geschleift wird. Castle würde definitiv gern eine Heartbreak-Hotel-Darbietung hinlegen, während die anderen beiden… Obwohl, Entschuldigung, Esposito hat Recht: Elvis muss ja nicht weiß sein, und wieso sollte es keinen “Elvez” geben? Die Verwicklungen des Falls sind ganz im Castle-Style gestrickt und schaffen es, eine weitere Liebesgeschichte zwischen all die Mafia-Gefahren zu flechten und zum Happy End zu bringen.

Für Castle und seine Pläne gibt es auch Happy End, aber der Sorte, die am nächsten Tag Kopfschmerzen bereitet. Was ich zum Ende in dieser Episode nur zu gern gesehen hätte: die tatsächliche Party von Castle, Ryan und Esposito in Atlantic City, nachdem ihnen Beckett zur Belohnung dienstfrei gegeben hat…

Castle: Cops and Robbers (4×07)

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Oft tritt in Procedural-Serien der Fall ein, dass eine Hauptfigur um ihr Leben fürchten muss. Aber das heißt nicht automatisch, dass wir Zuschauer unsererseits um die Figur fürchten müssten. Denn jede/r weiß, dass Hauptfiguren nicht einfach so das Zeitliche segnen. Es sei denn, Meldungen über Auflösung von Verträgen etc. wären in Umlauf geraten… Wenn also die Spoiler keinen Alarm schlagen, dann gibt es in aller Regel nichts zu befürchten.

Warum dann aber überhaupt solche Situationen eintreten lassen? Woher nimmt man die Spannung, wenn dem Zuschauer von vornherein klar ist, dass keine wirkliche Gefahr besteht? Solche Episoden begeben sich auf dünnes Eis, denn sie schöpfen ihre Spannung allein aus der Geschichte, die darunter liegt. Der Protagonist schwebt in Lebensgefahr, aber warum? Und wie wird man aus der Sackgasse herauskommen? Das sind die spannenden Fragen.

Cops and Robbers, Castle legt mehr Wert auf das Warum – mit Erfolg. Sowohl bei Castle als auch bei anderen Krimi-Serien, ganz egal ob ernstes Drama oder Dramedy, geht es um die Ebenen des Rätsels, die Geschichten hinter der Geschichte: wie viele will und kann man einbeziehen, ohne dabei komplett den Kopf und damit die Zuschauer zu verlieren? Nun: Wenn Trapper John auf Dr. Quinn trifft, dann kann es nicht ohne diverse Verwicklungen abgehen. Am Anfang der Episode allerdings sitzt Castle (Nathan Fillion) zunächst einmal einem genervten Bankmanager gegenüber, der einer sehr aufgebrachten Martha (Susan Sullivan) ihre finanzielle Situation zu erklären versucht.

Der Ausweg: Mit Kate telefonieren! Und Kate (Stana Katic) liest zwischen den Zeilen, als er das Gespräch mit dem (aus seiner Sicht) “harmlosen” Satz Tell me you need me eröffnet. Ich musste dabei an den Titel der abgesetzten HBO-Serie Tell Me You Love Me denken… Kate Beckett auch?

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ab diesem Zeitpunkt nicht mehr, denn während die beiden telefonieren, wird die Bank überfallen. Die Polizei kann schnell reagieren, da Castle Kate warnt und die Räuber überdies den Fehler begehen, den so genannten silent alarm auszulösen. Das eigentlich Interessante an der Episode ist nun Castles Schritt-für-Schritt-Konstruktion der Geschichte hinter dem Bankraub: spannend, obwohl am Ende eine ziemlich triviale Geschichte herauskommt.

Zu den wirklichen Enttäuschungen der Episode zählt aber die Verschwendung von Dean Norris (Breaking Bad) in der Gastrolle als SWAT-Teamleiter, dessen Szenen mit Beckett Sackgassen bilden. Die Verhandlungen mit den Bankräubern führen ebenfalls in eine Sackgasse und werden durch eine Explosion abrupt beendet. Genauso beendet Martha die stille kleine Szene zwischen Kate und Castle, als sie ihn in der Bank lebendig vorfindet. Schlechtes Timing, Martha! Dafür endet die Episode mit der ganzen Familie, inklusive Kate – versammelt in Castles Wohnung zum üppigen Abendessen.

Für Alexis (Molly Quinn) freilich hat derzeit alles einen faden Beigeschmack, denn Ashley scheint den “silent alarm” nicht gehört zu haben: Ausgelöst durch die Ereignisse und die Sorge um ihre Familie, entlädt sich Alexis’ Enttäuschung in der telefonischen Trennung von Ashley. Also wird es nichts mit Stanford – und uns bleiben die kleinen netten Vater-Tochter-Szenen erhalten. Alles in Allem kann man genau das über die Episode sagen: nett, aber auch nicht mehr als das.

Castle: Demons (4×06)

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Wer Geister und Dämonen fürchtet, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen, denn in der neuen Castle-Episode gibt es eine Menge davon – in jedem erdenklichen Sinne. Für die Kenner unter euch: Was ist eine der Haupteigenschaften von Dämonen? Genau, sie sind äußerst hartnäckig! So wie Zombies, nur aus anderen Gründen. Aber was greift den Ghosthunter am Anfang der Episode denn nun an? Ein Geist, ein Dämon, ein Zombie? Nun – Wir wollen uns hier nicht mit den Unterschieden zwischen den diversen Unterarten übernatürlicher Geschöpfe herumschlagen, sondern uns mit ihrem gemeinsamen Erscheinungsmerkmal beschäftigen: Schreien.

Castle bleibt der eigenen Linie treu und wechselt im Teaser mitten im Schrei von einem Ort zum anderen: dorthin, wo Richard Castle die eigene Tochter vor sich hält, um sich gegen mordende Zombies abzuschirmen. Zum Glück sind es nur schwarz-weiße Filmzombies… und Alexis (Molly Quinn) hat sowieso keine Zeit mehr, denn die Fernbeziehung ruft. Castle (Nathan Fillion) hat Recht: Kein Mann ist so wichtig, um einen Vater-Tochter-Zombiefilmabend zu unterbrechen! Sobald er sich jedoch darüber beschwert, dass Alexis für Ashley alles stehen und liegen lässt, klingelt das Telefon, und Castle huscht aus dem Bild.

Denn so einen Fall der Woche lässt er sich nicht entgehen: ein altes Haus, das über Jahrzehnte hinweg von mordenden Dämonen bewohnt wird? Zeit für Ghost… Wranglers. So heißt die TV-Sendung, deren Produzent am letzten Abend aufgeschlitzt in jenem Haus aufgefunden wird. Demons, Castle ist eine weitere humorvolle, “leichte” Episode, die voller Scooby-Ghostbusters-Referenzen und Nathan Fillion-Gesichter steckt. Oh, nicht zu vergessen – auch voller gewisser Kate Beckett-Blicke, etwa als sich Ryan plötzlich bereit erklärt, mit Castle auf Geisterjagd zu gehen. Beckett: Maybe Shaggy Can Help Keep Scooby Out Of Trouble.

Bevor wir mit Supernatural fortfahren – ich erkläre sofort, was ich meine -, müssen wir uns mit den Beziehungsdämonen der ABC-Serie auseinandersetzen. Dass das Spielchen mit Castle und Beckett weiter getrieben wird, ist ja kein Problem in meinen Augen, denn es gehört zum Kern der Serie – aber was die Beziehungen zwischen Nebenfiguren betrifft… ? Nachdem wir erfuhren, dass Esposito und Lanie zusammen sind, wurde die Tatsache kaum mehr thematisiert – und plötzlich sind sie wieder auseinander. Weil beim Doppeldate mit Ryan und Jenny Letztere das Thema “Hochzeit” anspricht? Es scheint, als wüssten die Autoren nicht, was sie mit Lanie und Esposito anstellen sollen – also, auseinander mit ihnen. Aber mal abwarten…

Castle und Beckett wiederum wissen gar nicht, dass sie in dem Haus tatsächlich ein Dämon erwartet. Allerdings kein Apparition American, wie Castle die Geister bzw. Dämonen “politisch korrekt” bezeichnet, sondern einer aus einem anderen Serienuniversum: dem von Supernatural. Vielleicht ist es ein Zufall, aber dass man ausgerechnet Fred Lehne in der Rolle des alten Cops castete, der in dem Haus spukt, um das Geheimnis eines grausamen Verbrechens zu bewahren, finde ich sehr amüsant. Ihr wisst schon – Mr. Lehne spielte in Supernatural den berüchtigten Yellow Eyed Demon! Also hat Castle letztendlich, wie so oft, nicht wirklich Unrecht mit seinen Theorien.

Alles in Allem eine sehr unterhaltende Episode, angefangen mit Castles They’re heeeere! über die Ratte an Becketts Schulter bis hin zu ihrem I ain’t afraid of no ghost, begleitet vom Ghostbusters-Musikthema. Und selbst Alexis scheint die Dämonen der Fernbeziehung letztendlich bekämpfen zu wollen und zu können.

Castle: Eye of the Beholder (4×05)

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Eye of the Beholder ist zu 100 % die Castle-Fall-der-Woche-Episode, die ich mir gewünscht hätte! Die berühmt-berüchtigte Castle-Atmosphäre wurde diesmal in höchsten Tönen getroffen, und es durchzieht sie der Duft eines teuren Frauenparfüms… Detective Kate Beckett (Stana Katic) allerdings ist das Aroma ein bisschen zu viel des Guten – sie rümpft vehement die Nase. Die Serie Castle präsentiert in ihrer laufenden Ausstellung das Kunstwerk “Die eifersüchtige Kate”!

Man kann behaupten, dass jedes Mal, wenn Castle White Collars Kunst-Territorium betritt, das Ergebnis ein Gemälde wert ist. Diesmal aber tropft die Farbe Rot (und nicht Lila!) vom Pinsel. Oder vom Stift, wenn man sich auf Castles Logo beziehen will. Vor allem jedoch tropft es aus dem Auge eines Statuenhauptes, dessen Dornen einen der Direktoren der New Yorker Cosmopolitan Art Gallery in Empfang nehmen durften… Aber das ist das geringere Problem des Museums. Abgesehen von dem Mord nämlich fehlt ein Ausstellungsstück, und zwar ein teures – die Skulptur “The Fist of Capitalism”.

Als Kate und Castle (Nathan Fillion) mit der Untersuchung beginnen, scheint jemand ihnen zuvorgekommen zu sein: Serena (Kristin Lehman), die Versicherungsermittlerin des Museums. Kunst, Mord, schöne Frauen: Für Richard Castle ist das Leben schön! Bis Kate Beckett den Stecker zieht: Sie wünscht Serenas Hilfe nicht. Apropos Stecker: Wie ich schon öfters angemerkt habe, gehören zu guten Castle-Episoden kleine, aber feine audiovisuelle Spielchen. Damit ist nicht visuelle Wucht von Boardwalk Empire oder Breaking Bad gemeint, sondern charmante kleine Eingriffe, die das Gefühl der Verspieltheit verstärken.

Wie zum Beispiel am Anfang der Episode, als Martha auf Castles Liebesleben zu sprechen kommt. Sie fragt ihn, ob es einen tatsächlichen Grund dafür gäbe, “Möglichkeiten” nicht wahrzunehmen. Die Antwort gibt das Klingeln von Castles Handy: Der Grund ist dran.

Als Castle die Galerie betritt, hält er vor der TV-Installation inne, und man sieht für kurze Zeit eine Art mehrfacher Spiegelung von Castles Gesicht – wie eine Nathan-Fillion-Installation, die sich im Laufe der Episode tatsächlich entfaltet: Eye of the Beholder, Castle ist eine Nathan-Fillion-macht-Gesichter-Episode. Kates Frage, ob er bereit für ein Close-Up wäre (oder Ähnliches), rundet das Ganze nur ab. Dabei redet sie durch das Gehäuse eines Fernsehers, das ihr Gesicht einrahmt wie bei einer Live-übertragung.

Denn im nächsten Moment bewegt sich die Kamera nur ein kleines Stück, so dass man nur ihr Gesicht sieht und der Hintergrund unscharf wirkt. Es entsteht der Eindruck, als würde sie gefilmt und spräche aus dem Bildschirm zu uns bzw. zu Castle. übrigens: kann mir jemand sagen, von wem die Gemälde im Museum stammen, die man mehrmals an den Wänden sieht?

Zurück zu den Gesichtern. Was ist zu sagen zu der schönen Spiegelung, als Kate in der siebten Minute der Episode mit Castle spricht – oder aber zu Minute 30, als Ryan und Esposito mit dem SWAT-Team eine mit Musik untermalte Fahrt im Hotelfahrstuhl unternehmen? Priceless! Unbezahlbar. So unbezahlbar wie die Verbindung, die zwischen Castle und Beckett besteht – und deren drohender Verlust Letztere beinahe in Panik versetzt. Denn zwischen Serena und Rick funkt es gewaltig! Becketts Alarmglocken machen ihr derartig zu schaffen, dass sie eher bereit ist zu glauben, Serena stecke hinter allem, als ihren Instinkten und den Spuren zu folgen.

Zugegeben: Serena ist tatsächlich impressive, wie Richard gegenüber Martha einräumt. Eine ehemalige Kunstdiebin… nun ja: nicht ganz ehemalig, aber dafür hat sie etwas von einem Robin Hood in Strumpfhosen – bildlich gesprochen. Bildlich geschaut, trägt Serena ein enges rotes Kleid, als Castle ein Ablenkungsmanöver-Date mit ihr absolviert, während Kate und Esposito die Wohnung durchsuchen. Das Beste ist der Abschluss der Szene: Castle und Serena in einen Kuss vertieft – und Beckett, die denselben mit einem spontan und böse herausgebrüllten HEY! unterbricht!

Spätestens seit diesem Zeitpunkt kann Serena nicht mehr übersehen, was es mit Kate und Richard auf sich hat. Und sie spielt fair: Sie nehme keine Sachen mit, die ihr nicht gehören, versichert sie Kate. Vielleicht sollte Beckett selbst dann endlich einmal über die Frage ihres Psychologen nachdenken: What are you really scared of? That he won’t wait for you or that he will? Vielleicht tut sie es, als sie Castle auf einen Hamburger einlädt…

Und wer wissen will, wer der Mörder war: auch diese Antwort ist in Rot getaucht, aber in das Rot von True Blood.

Castle: Kick the Ballistics (4×04)

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Mit Kick the Ballistics, Castle beweisen die Castle-Autoren, dass sie die in der dritten Staffel etablierte Dramaturgie fortsetzen wollen, indem regelmäßig einer “leichten”, humorvollen Episode eine “schwere”, emotionale folgt. Wenn man diese Aufeinanderfolge wie in der vierten Staffel nahezu Schlag auf Schlag ablaufen ließe, könnte bei guter Ausführung ein sehr intensiver Staffelverlauf entstehen. Aber davon sind wir noch weit entfernt, denn Kick the Ballistics, Castle ist gerade mal die vierte Episode!

Oft vergisst man bei der ABC-Serie, dass ihre große Castle-Beckett-Story nur deswegen richtig zum Tragen kommt, weil ihr Kontext stimmt. Und den kreieren die Nebenfiguren. Ohne den Blick von den Protagonisten abzulenken, schaffen sie einen amüsant-charmanten Hintergrund, vor dem die Hauptfiguren glänzen können. Trotzdem müssen sich die Autoren den Vorwurf gefallen lassen, die Lanie-Esposito-Lovestory bis jetzt einfach links liegen gelassen und Ryans Aufgaben auf das Öffnen und Schließen des Vorhangs für die Castle-Beckett-Bühne beschränkt zu haben. Bis jetzt! In Kick the Ballistics, Castle sind die Rollen vertauscht. Während Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) in den Hintergrund treten, darf Detective Kevin Ryan (Seamus Dever) ins Rampenlicht treten. Und alle machen ihren Job richtig gut.

Kick the Ballistics, Castle hätte eine nicht nur nette, sondern großartige Episode werden können. Warum diese Kritik? Weil mir der Richtungswechsel innerhalb der Episode nicht gefiel. Warum die 3XK-Wunde öffnen, wenn man weder ein Heilmittel findet noch sie tiefer und schmerzlicher werden lässt? Da Michael Mosley, der den Serienmörder Jerry Tyson großartig verkörperte, jetzt bei Pan Am beschäftigt ist, war er so früh in der Season sicherlich nicht für einen Gastauftritt bei Castle zu bekommen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, den Cliffhanger aus der Mitte der letzten Season in der Mitte der jetzigen aufzunehmen und aufzulösen? Nun, es ist nicht an mir, den Castle-Autoren Ratschläge zu geben – aber meiner Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Episode möchte ich doch Ausdruck verleihen!

Eine junge Frau wird erschossen aufgefunden. Zum Entsetzen aller Beteiligten stellt sich heraus, dass sie mit Ryans Dienstwaffe getötet wurde, die Tyson ihm damals wegnahm. Erinnerungen bedrängen sowohl Castle, der damals nur knapp dem Tod entkam, als auch und vor allem Ryan, der sich die Schuld für das Ganze gibt. Ab diesem Zeitpunkt tut die Serie alles, um Ryan mit einem emotionalen Sturm in die Höhe zu schwingen – und zum Teil funktioniert es, dank der soliden Performance von Seamus Dever.

Der Sturm aber flaut im Laufe der Episode ab bzw. verwandelt sich in ein übertriebenes Melodram, als sich der Fall um das tote Mädchen als eine Missinterpretation von Romeo und Julia entpuppt… Auch die beiden Gastdarsteller der Woche können nichts daran ändern. Lustigerweise tauchten François Chau und Billy Lush zuletzt auch in The Chicago Code zusammen auf, nämlich in O’Leary’s Cow, The Chicago Code. Chau spielte dort den inoffiziellen Boss von Chinatown; in Castles Kick the Ballistics, Castle verkörpert er den chinesischen Mafia-Patriarchen Clifford Lee, dessen Söhne unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zwar passt die Auflösung des Falls zum Sturm der Gefühle, aber wenn dieser Sturm in Verbindung mit dem 3X-Killer über die Castle-Dramabühne fegen würde, gäbe es sicher mehr Applaus. So bleibt Kick the Ballistics, Castle für mich eine verpasste Möglichkeit, deren Verwirklichung – da bin ich mir sicher – die Autoren später in der Staffel nachholen werden.

Castle: Head Case (4×03)

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Wenn man von typischen Castle-Episoden spricht, verdient Head Case, Castle den Status eines Paradebeispiels. Und das ist nicht negativ gemeint: Beispielhaft wird hier der Castle-Fall-der-Woche ausgeführt. Das Einzige, was in Head Case, Castle fällt, sind Köpfe. Zwar haben wir es nicht mit kopflosen Reitern ala Sleepy Hollow zu tun, aber sowohl in der Nebenhandlung um Alexis (Molly Quinn) als auch in der Geschichte um den Mord an Professor Lester Hamilton geht es ums Kopf-Verlieren.

Was Alexis betrifft, im übertragenen Sinne: Ihr wird buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen, als sie von Stanford eine Absage bekommt. Für sie bedeutet diese Absage persönliches Versagen auf der ganzen Linie. Und Castle (Nathan Fillion) muss Zeit und Geduld aufbringen, um seiner Tochter klarzumachen, dass auch sie Zeit und Geduld für sich selbst aufbringen muss – dass man nach so einer Absage nicht gleich sein ganzes Leben in Frage zu stellen braucht.

Castle und Beckett (Stana Katic) stehen vor einer komplizierteren Frage: Wie soll man einen Mord aufklären, wenn man nicht nur das Opfer nicht identifizieren, sondern es nicht einmal auffinden kann? Die Blutspur aber führt das Team zu einem futuristisch anmutenden Lager, in dem sich große, telefonzellenartige Container befinden. Als die Team-Mitglieder hineinschauen, wird der Blick erwidert: von Menschenaugen! Nein, nicht schon wieder Zombies. Tote Menschen starren blicklos aus den Gefrierkapseln, die darauf warten, irgendwann in der Zukunft wieder zum Leben erweckt zu werden – wenn die Menschheit es geschafft hat, den Tod zu überwinden.

Ein zweites Leben. Wie wäre es, wenn man mehr Zeit bekäme, als einem zusteht? Darauf hat der in einer Gasse niedergeschossene und dann gemäß seinem letzten Willen eingefrorene Professor Hamilton gehofft. Sein Ambrosia-Projekt sollte ein Mittel hervorbringen, das menschliches Leben um etwa zehn Jahre verlängert. Finanziert wurde das Ganze bis vor kurzer Zeit von einem Porno-Mogul – der jeden Grund hatte, sich an Hamilton zu rächen, da dieser die geschäftliche Beziehung beenden wollte.

Den Rest der Untersuchung bestreitet das für Castle typische Springen von einem Verdächtigen und einem Motiv zum nächsten, gespickt mit Slapstickszenen (I got it, I got the head!), als deren krönender Abschluss Castle höchstpersönlich mit einem gewagten Sprung von der Feuerleiter die Kopf-Kapsel unter sich begräbt… weich von Müllsäcken abgefedert natürlich. Der Kopf ist tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg, sowohl im buchstäblichen als auch im übertragenen Sinne: Ninety-nine times out of a hundred, you catch someone with a guy’s head, he killed the guy.

Zwar hat man hier ausgerechnet den Fall mit dem einen Prozent erwischt, aber der führt Castle und Beckett zur Wahrheit – und die ist ganz einfach. Warum verlieren Menschen den Kopf – zwar nicht in 99 Prozent der Fälle, aber mindestens in 70? Aus Liebe. Ja, es war ein crime of love, wie Kate es ausdrückt, als sie am Ende liebevolle Blicke mit Castle austauscht. Vielleicht sollten die beiden darüber nachdenken, dass man höchstwahrscheinlich doch nur ein Leben hat, um seinen Kopf zu verlieren – und daher nicht alles in eine unbestimmte Zukunft hinein aufschieben sollte… ?

Castle: Heroes and Villains (4×02)

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Captain Gates. Klingt der Name nicht wie aus einem Comic? Die neue Vorgesetzte von Beckett & Co. ist in den Augen ihrer Mitarbeiter weit entfernt vom SuperheldInnen-Status, aber in dieser Episode bekommt ihr Team mit welchen zu tun. Gleich mit dreien, um genau zu sein. Wer davon steht aber auf der guten Seite und wer auf der bösen? Mit dieser Frage wissen auch Comic-Bücher zu spielen.

Castles Episode Heroes and Villains, Castle handelt von der Liebe zu Comics im Besonderen und zur Sub- und Popkultur im Allgemeinen. Nach der dunklen und zutiefst emotionalen Premiere der neuen Staffel begibt sich die ABC-Serie mit der zweiten Episode auf altvertrautes Territorium, denn Heroes and Villains, Castle ist nicht die erste nerdige Episode in Castles Geschichte. Sie jedoch als leichtfüßiges Fall-der-Woche-Entertainment abzutun, wäre nur die halbe Wahrheit. Denn auf genauso leichtfüßige Art – das macht Castles Erfolg aus – weiß die Episode übergreifende Themen anzusprechen und mit dem Fall der Woche auch emotionale Zu- bzw. Missstände zwischen den Beteiligten anzusprechen.

Castle macht keine halben Sachen. Oder doch? Eine junge Frau wird nachts in einer Seitengasse angegriffen, aber in letzter Sekunde rettet sie ein Unbekannter. Nun ja: er rettet sie nicht nur, sondern schneidet den Angreifer mit einem Schwert in zwei Hälften! Von diesem tödlichen Schnitt wird auf einen anderen… geschnitten, der die Kugelform einer Zwiebel zunichte macht. Nur zu gern runden Castles Produzenten den Wechsel vom Mord der Woche zu Castles häuslicher Situation mit Hilfe solcher Schnitte ab! Zwischen Vater und Tochter in Familie Castle geht es definitiv rund. Alexis (Molly Quinn) kann es kaum erwarten, nach Stanford und zu Ashley zu gehen – und Castle (Nathan Fillion) ist noch nicht bereit, sie gehen zu lassen. Also bricht ein Alexis-Sturm über ihn herein.

Ein anderer Sturm zieht über den Comicläden herauf: weltweit! Es handelt sich um Derrick Storm aus der bereits angekündigten Comic-Umsetzung von Richard Castles Derrick-Storm-Geschichte. Und wie hieß doch gleich der erste Comic, den Kate Beckett (Stana Katic) mit vierzehn Jahren kaufte? Sin City! Die Spur führt die beiden Ermittler nicht zu Game of Thrones, wie Castle vermutet, oder zu Tarantino, wie Ryan mutmaßt, sondern zu einem “neuen” Superhelden, der einem neuen Online-Comic entsprungen ist: Lone Vengeance. Dahinter versteckt sich nicht der tollpatschige Comic-Fan, der als erster Verdächtiger im Verhörraum sitzt, sondern ein Krimireporter.

Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Journalist schreibt zwar die Comics, scheint aber jemanden in Schutz zu nehmen, nämlich den “echten” Lone Vengeance! Dieser nun ist eine “Sie”, die Kate Beckett längst kennt. Hinter der Maske des Rächers versteckt sich die Polizistin Ann Hastings – eine Person, die ins Superhelden-Profil passt, wie Castle erklärt: Antrieb ihres Tun ist der Verlust der Eltern oder eines Elternteils. Genau wie bei Beckett, merkt Hastings an. Die Parallelen, die die Episode zieht, sind kaum zu übersehen. Castle: A writer and his muse solving crime, just like us. Beckett antwortet mit einem liebevollen Blick. Aber ob Ann wirklich die Mörderin ist… ?

Nun, ich traue mich nicht, alles zu spoilern – denn ich will nicht Männer in Strumpfhosen durch meinen Garten laufen haben, bevor mein Schwert aus der Reparatur zurück ist..

Castle: Rise (4×01)

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Die neue Staffel startet genau an dem Punkt, wo die dritte endete – und Kate schwebt in Lebensgefahr. Ausgerechnet Josh ist im Krankenhaus und will ihre Operation übernehmen, bis ein anderer Kollege ihn nötigt, das bleiben zu lassen: Er ist persönlich zu betroffen! Der Rest ist eine Mischung aus Bildfetzen, Close-Ups von besorgten Gesichtern und… Castle und Josh, die aufeinander losgehen.

Wenn eine Serie ihre Staffel mit einem solchen Höhepunkt beendet, an dem eine Hauptfigur in Gefahr schwebt, fällt es meist sehr schwer, diesen Faden nach der Pause mit der richtigen Erzählmischung wieder aufzunehmen. Viele Serien im Procedural-Bereich geraten in eine melodramatische Falle oder kehren zu schnell zu amüsanten Ablenkungen zurück, als wäre nichts passiert. Die meistverbreitete dramaturgische Variante besteht darin, gleich in der ersten Episode der neuen Staffel Rache walten zu lassen bzw. den Bösewicht zu stellen.

Alle Castle-Fans wissen nur zu gut, dass so etwas hier nicht funktionieren kann, so sehr man es sich auch wünschen würde! Denn die ABC-Serie hat die Geschichte um den Mord an Kates Mutter von Anfang an zum roten Faden gemacht, dem es nicht nur zu folgen gilt, sondern der auch die Figuren miteinander verbindet. Und diese Tatsache wird in der neuen Episode sehr geschickt durchgespielt. In meinen Augen macht Rise, Castle alles richtig. Ich würde aber gern mit dem Ende anfangen, denn dieses hebt das Wichtigste, das Ergebnis der letzten zwei Staffeln hervor: die Tatsache, dass Kates Fall für Castle offiziell zur Obsession geworden ist.

Wir sehen, wie er sich am Ende der Episode in seinem Büro verschließt und auf eine Pinnwand – in seinem Fall: einen Riesenbildschirm – mit allen Fotos und Verbindungen aus Kates Fall blickt. Man erinnere sich an die letzte Staffel und an Kates Wohnung, an die Wand mit allen Beweismaterialien über den Mord an ihrer Mutter… Die Wand trennt und verbindet. Sie führte zu Freundschaft, zu Liebe – und bildet doch zugleich das Hindernis, das einer glücklichen Beziehung im Wege steht.
Kate selbst gesteht das Castle – nachdem sie ihm gesagt hat, dass sie sich seit dem Schuss an nichts erinnert.

Und zur Freude aller Castle-Fans hat sie mit Josh Schluss gemacht, denn eine Beziehung ist für sie nicht möglich, bevor die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden. Es sieht nicht danach aus, dass das leicht wird. Die Dokumente, die Montgomery vor seinem Tod verschickte, landen bei einem gewissen, dem Zuschauer unbekannten Smith (zumindest steht dieser Name auf dem Briefkasten), der nach der Sichtung sofort mit dem Capitol telefonieren muss. Sein nächster Anruf gilt dann Castle. Er versichert ihm, ein Freund von Roy zu sein; Kates Leben sei sicher, wenn sie ihre Untersuchung nicht fortsetze.

Natürlich aber haben, während Beckett sich von ihrer Wunde erholte, Castle (Nathan Fillion), Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) heimlich weiter geforscht. Warum heimlich? Weil die neue Vorgesetzte Gates (Penny Johnson, 24) den Fall geschlossen und Castle mit eiserner Hand vom Revier befördert hat. Die Serie braucht nicht viel Zeit, um die neue Figur unbeliebt zu machen – aber ob es ein Täuschungsmanöver ist? Wir erfahren, dass Gates von Internal Affairs kommt.

Hat das etwas mit Montgomery zu tun? Vielleicht untersucht sie selbst den ganzen Fall und will Beckett ä Co. an der kurzen Leine halten, um Aufmerksamkeit zu vermeiden? Oder wurde sie von den Menschen hinter dem Ganzen dorthin geschickt, um alle im Auge zu behalten? Wir werden es mit Sicherheit bald erfahren.

Beim Fall der Woche, der unspektakulär vonstatten geht, erleben wir eine Kate (Stana Katic), die ihren Job noch längst nicht wieder hundertprozentig bewältigen kann. In meinen Augen dient dieser Fall eigentlich nur dem Zweck, uns das zu zeigen. Am Ende der Episode hören und sehen wir Kate einem Psychologen erzählen, dass sie gelogen habe, dass sie sich an alles erinnere…

I need to grow up, gibt Castle seiner besorgten Tochter Alexis (Molly Quinn) Recht. Alexis: Don’t grow up too much. Dieser Wortwechsel zum Schluss bietet eine gute Beschreibung davon, was die ABC-Serie erfolgreich versucht: zwar erwachsen zu werden, aber bei allem Drama ihre fröhliche, amüsante Seite nicht zu vergessen, die wir allem Anschein nach in der nächsten Episode wieder zu spüren bekommen werden.

Castle: Knockout (3×24)

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Was Castle von vielen als Procedural angelegten Serien unterscheidet, ist nicht nur Nathan Fillion, sondern die Art, wie die Serie ihren handlungsübergreifenden Fall behandelt. Die meisten Procedurals benötigen – abgesehen von Ausnahmen wie beispielsweise The Mentalist – höchstens eine Staffel, um einen Fall zu Ende zu führen; die wenigsten haben, wie Castle, dieses dramaturgische Muster des Staffel-Serienmörders abgeändert. über drei ganze Staffeln hinweg zieht sich bereits der Fall um den Mord an Kate Becketts (Stana Katic) Mutter, ohne zur kompletten Aufklärung gelangt zu sein. Dieses Mal fordert er große Opfer – als Preis, den man bezahlen muss, um von der Stelle zu kommen.

Das soll nicht heißen, dass Castle eine Innovation im Serienbereich oder zu einer “ernsten” Serie geworden sei. Mir gefällt es einfach, wie Castle die Balance zwischen handlungsübergreifendem Fall und normaler Fall-der-Woche-Struktur zu halten versteht. Damit meine ich den Verzicht darauf, am Ende der ersten Staffel eine Entscheidung herbeizuführen, so dass die Figuren mit ihrem Leben und ihren Beziehungen einfach weitermachen könnten. Der Mord an ihrer Mutter hat Kate Beckett verändert, und diese Veränderung nun ihrerseits zu verändern, braucht Zeit.

Den Autoren spielt diese Tatsache direkt in die Karten: Kate Becketts Trauma liefert eine psychologische Rechtfertigung für das Kriegen-sich-kriegen-sich-nicht-Spielchen zwischen ihr und Castle – mit all den losen Enden, die Kate verknüpfen muss, um einen wirklichen Schritt in eine Lebensrichtung zu wagen, um aus ihrem Versteck herauszukommen. Drei Staffeln lang beschäftigt sich die ABC-Serie sparsam mit dem Ereignis aus Kates Jugend und schafft es, Stück für Stück den Einsatz zu erhöhen, indem sie den Kreis der (Mit-)Schuldigen zugleich erweitert und verengt: von unbekannten Beteiligten zu Kate nahe stehenden Menschen.

Irgendwo im Laufe der zweiten Staffel wurde spekuliert – auch meinerseits -, dass Roy Montgomery involviert werden könnte, aber ich habe nicht wirklich daran geglaubt. Man gab uns keinen Hinweis. Aus diesem Grund ist es im Finale tatsächlich ein Knockout für den Zuschauer zu erfahren, dass ausgerechnet Captain Montgomery der dritte Cop im Bunde war – und mit Lockwood und dem Drahtzieher des Ganzen einen Deal gemacht hat, um Kate am Leben zu erhalten.

Um Castles oft wiederholte ironische Worte in den Mund zu nehmen: Das Universum gibt ihm tatsächlich ein Zeichen, um den Durchbruch in dem Fall zu schaffen. Im Kreisabdruck seiner Flasche auf einem File sieht er den Namen, der das Team aus der Sackgasse führt. Der Rest sind Kenntnisse über Schreibmaschinen und ein altes Foto in einer Bar.

Die Licht- und Farbgestaltung in dieser Episode fällt auf. Man hat das Gefühl, dass die ganze Zeit über Sonnenuntergang herrscht, bis auf den Showdown auf dem blau schimmernden Flughafen. Braun, Gelb und Orange sind die dominierenden Farben; das gedämpfte Licht kommt hauptsächlich aus Lichtquellen, die im Bild zu sehen sind, etwa kleine Wand- und Stehlampen. Sonnenuntergang… oder doch Sonnenaufgang? Man kann es verwechseln. Ende oder Neuanfang? Oder vielleicht beides?

Lockwood kommt aus dem Gefängnis heraus und stellt Roy vor die Wahl: Kate Beckett oder Roys Familie? übrigens: Max Martini überzeugt erneut in der Rolle des Hal Lockwood; die Konfrontation zwischen ihm und Roy ist durchaus sehenswert. Castle macht aber keine 180-Grad-Wendung und damit aus Montgomery einen Bösewicht, sondern stellt einen Mann am Ende seines Wegs dar, der am Anfang auf dem falschen Fuß gestanden hat. Roy beendet das Ganze auf dem richtigen Fuß, indem er sich für Kate Beckett opfert und Lockwood mit in den Tod reißt.

Für eine brave “by the book”-Serie wie Castle ist der Mut lobenswert, sich von einem beliebten Charakter aus dem Hauptcast zu trennen – wobei diese Wendung in den letzten Jahren zum dramaturgischen Schachzug geworden ist: viel wirkungsvoller, als die Hauptfiguren in Lebensgefahr schweben zu lassen. Jeder Zuschauer weiß, dass Kate Beckett nicht sterben kann, als ein Scharfschütze sie während ihrer Rede bei Roys Begräbnis niederschießt. Aber es ist Mittel zum Zweck, die richtigen Worte aus Castles Mund herauszubekommen: Kate, I love you. I love you, Kate. Ihr Lächeln. Augen zu. Schnitt. Als einziger Mann in Kates Leben hat Richard Castle immer auf ihrer Seite gestanden und sich kein Stückchen bewegt – mit beiden Füßen auf der richtigen Seite, im Gegensatz zu allen anderen Männern, die ihr nahe standen und stehen.

Wer der Mann hinter der ganzen Geschichte ist? Vielleicht ein anderer, den wir kennen, aber nicht so oft gesehen haben?

Castle: Pretty Dead (3×23)

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Bekanntlich hören Männer selten zu, wenn Frauen ihnen etwas erzählen. Welche Gründe dahinter stecken, ist ein kompliziertes Thema. Offensichtlich aber ist nicht zuletzt die Wahrnehmungsirritation dafür verantwortlich, die ein Mann beim Anblick einer Frau erleidet – wodurch Sprache auf der Wahrnehmungsskala ganz weit nach hinten rückt.

Wir sollten nun auch umgekehrt fragen: Hören denn Frauen zu, wenn Männer ihnen etwas erzählen? Ja, tun sie! Sie hören nur nicht alles. Frauen sind Experten im selektiven Zuhören. Sie hören etwas aus dem Gesagten heraus, wie wenn sie es mit einer Pinzette herauspicken würden, und transferieren es in einen anderen Kontext, wo es dann meistens Bumm! macht.
Was aber, wenn Mann und Frau diesen einen “Kontext” von beiden Seiten bombardieren? Dann, wie wir in To Love and Die in L.A., Castle gesehen haben, wird es brandgefährlich – und dennoch scheinen sich die zwei Seiten zu neutralisieren und in einen Schwebezustand zu manövrieren. In Pretty Dead, Castle dauert dieser Zustand an, und der Caskett-Kontext explodiert noch nicht.

Eigentlich bietet die neue Episode Castle-Durchschnitt, aber mit ein paar versteckten Höhepunkten, die man dem Zusammenspiel Nathan Fillion – Stana Katic vedankt. Dabei geht es gar nicht um Gesprochenes, sondern um das typische Castle-Beckett-Mimik-Gestik-Spielchen: Hier ein Lächeln, da eine Handbewegung, dort ein Blick – wie kleine Pinselstriche, die nach und nach das Bild komplett machen. Gerade der Fall der Woche um die ermordete Anwärterin im Schönheitswettbewerb spiegelt das Caskett-Spielchen wider. Ein Bilddetail ist die Lösung – ein Detail, das in den passenden Kontext gepackt Bumm! macht und vor den Augen der Ermittler das komplette Bild entwirft.

Ob bis Ende der Staffel auch das Caskett-Bild fertig wird? Oder werden sich die beiden zu sehr in den Details verlieren, um sie richtig hinzubekommen, so dass am Ende wieder die Farbe und die Worte ausgehen? Wie dem auch sei, Pretty Dead, Castle konzentriert sich, was Caskett betrifft, auf das Unausgesprochene. Nein, die Episode ist kein Pantomime-Kammerspiel. Es wird viel geredet, und Castle gerät ziemlich in Bedrängnis, als er feststellt, dass man ihm tatsächlich zuhört, gar seine Ratschläge befolgt!

In Pretty Dead, Castle ist Castle – neben der Morduntersuchung, die abgesehen von den amüsanten Gastdarsteller-Auftritten relativ unspektakulär verläuft – als Mann an der Seite einer jungen Frau gefragt, und zwar in seiner Rolle als Vater. Nachdem Alexis (Molly Quinn) zuletzt abwesend war, bekommt sie in dieser Episode einen längeren Part, in dem sie mit Liebesentscheidungen hadert. Sie möchte in New York bleiben, während Ashley nach Stanford will. Das Hin und Her zwischen den beiden führt am Ende dazu, dass sich auch Alexis für Stanford entscheidet, anstatt eine Fernbeziehung zu führen. Sie interpretiert den Ratschlag keep showing up nicht auf der Grundlage räumlicher und zeitlicher Entfernung.

Dieser Ratschlag stammt von Captain Montgomery, der damit eine 30 Jahre lang glücklich verlaufene Ehe erklärt. In diesem Kontext – zwischen dem 30jährigen Zusammenleben der Montgomerys und der relativ jungen Ashley-Alexis-Beziehung – stehen Castle und Beckett mit ihrem wortlosen keep showing up. Macht es im Finale Bumm!?