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The Walking Dead: Beside The Dying Fire (2×13)

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Wird Rick dem Rest der Gruppe erzählen, was in den Wäldern passiert ist? Vielleicht bleibt keine Zeit dafür, denn die Zombies wollen die Füße nicht still halten.

Nach diesem Finale blieb ich mit dem komischen Eindruck sitzen, dass ich gerade die dritte Episode dieser Staffel gesehen hätte. Denn alles, was dazwischen liegt, erscheint so wenig und so ereignisarm, dass man es vergisst. Nicht unbedingt Actionsequenzen oder Bewegung innerhalb der Handlung haben mir gefehlt, sondern das, was die Autoren angeblich  erreichen wollten: uns die Figuren näher zu bringen und an den Beziehungen und den Konflikten zu arbeiten. Kurz gesagt: Charakterentwicklung! Nun, manche Figuren führte die Entwicklung direkt in den Tod; Dale, Shane und einige andere kamen nicht weit von dem Punkt, an dem sie schon vorher waren. Abgesehen davon, dass man die Namen von Hershels Familienmitgliedern immer noch nicht richtig weiss (bis auf Maggie, dank postapokalyptischer Liebe mit Glenn).

Obwohl Hershel immerhin seine Lektion gelernt zu haben scheint, dass man Gottes Worte wörtlich nehmen muss, wenn Wiederauferstehung versprochen wird: I just thought he had a little something different in mind. Zudem wird die AMC-Serie ihrem Titel gerecht, indem sie auch ihn wörtlich nimmt – alle sind herumlaufende Zombies, ob noch am Leben oder nicht. Man erinnere sich: Im Finale der ersten Staffel flüsterte der Wissenschaftler Rick ins Ohr, dass alle infiziert seien. Man braucht also nur zu sterben, um automatisch Zombie zu werden. Das heißt, die Figuren laufen so lange herum, bis sie… nun, sterben und dann wieder… herumlaufen. Wie wir am Anfang der Episode sehen, hat ein Hubschrauber vor einiger Zeit den Zombie-Marathon ausgelöst. Dem nämlich folgten die Zombies von Atlanta aus, bis sie schließlich ihr Finish durch Hershels Zaun hinlegen.

Ganz hinlegen dürfen sich die ersten zur Belohnung für immer. So besteht der Anfang dieser Episode aus Action pur. Es brennt, schreit, schießt (jeder Schuss ein Treffer!), stirbt und fährt. Jimmy, dessen Handlungen (Tür öffnen) nur für Eingeweihte Sinn ergeben dürften, und Patricia sind weg und haben damit den Bildschirm ein Stück leerer gemacht; weitere Funktionen als Familienmitglieder hatten sie ja eigentlich nicht. Andrea wird von den anderen getrennt, nur um in den Wäldern von einer mysteriösen, verhüllten Figur gerettet zu werden. Comic-Kenner wissen, wer das ist, aber bitte: keine Spoiler! Zurück zu The Fellowship of the Farm: So lange das Chaos währt, also die ersten zwanzig Minuten, läuft alles gut; sobald die Gespräche anfangen, wird’s weniger genießbar. Es scheint als wäre Dale in Carol wieder auferstanden: Böser Rick, böser Rick. Wir sollen weg von ihm, flüstert sie mehr oder weniger in Daryls Ohr. Glenn gesteht Maggie seine Liebe, und Lori… ist einfach hysterisch, wie immer. T-Dog? Eine sehr gute Frage.

Er will einfach in den Sonnenuntergang fahren, und ich verstehe ihn vollkommen. Seine Abwesenheit würde ohnehin erst dann auffallen, wenn es etwas zum Tragen gäbe, Gräber geschaufelt werden müssten oder das Auto zu fahren wäre. Bis auf Andreas Abwesenheit, mit Hilfe derer eine neue und wichtige Figur eingeführt wird, bleibt alles beim Alten. Obwohl – nicht ganz: Rick erklärt, dass die Zeit der Demokratie vorbei sei. Als ob es sie je gegeben hätte… und damit meine ich nicht nur The Fellowship of the Farm! Rick erzählt nun, dass er Shane getötet habe, um sich selbst und die Gruppe zu retten. Lori behandelt ihn plötzlich wie ein Monster, und Carl heult herum. Nicht nur wirken Loris Reaktionen sinnfrei wie immer (wer flüsterte noch mal vor nicht allzu langer Zeit in Ricks Ohr: Töte ihn!?), sondern die Serie braucht sie nicht.

Auch so – und das ist einer der Pluspunkte der Staffel – funktioniert Ricks Eskalation. Shane hat seinen besten Freund an den Punkt gebracht, von dem aus es kein Zurück mehr gibt, und das scheint Rick innerlich zu zerfressen. Rick sorgt mit seinem Ausbruch gegenüber der Gruppe für einen guten Schlusspunkt – zusammen mit der Kamerafahrt, die uns die nächste Haltestelle für die Überlebenden zeigt: ein Gefängnis. Sicherheit oder Falle? Auf diese Frage kommt die Antwort im Herbst.

Obwohl Beside The Dying Fire als Finale gut funktioniert hat, ist für mich das Feuer in The Walking Dead längst erloschen. Zur dritten Staffel werde ich daher bis auf Weiteres keine Episodenreviews schreiben – es sei denn, The Walking Dead kann mich eines Besseren belehren…

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The Walking Dead: Better Angels (2×12)

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Die Ereignisse auf der Farm spitzen sich zu. Jede/r steht vor einer unvermeidlichen Wahl, mit vielleicht tödlichem Ausgang. Auch was die Zombies betrifft, gibt es neue, beunruhigende Erkenntnisse.

Dale ist tot. Das bedeutet: Er schweigt. Dafür durchbricht Ricks Voice Over die Stille, als er am Anfang dieser Episode letzte Worte über Dale spricht, während wir T-Dog, Daryl, Shane und Andrea auf einem Rache-Trip beobachten: The Hershels Farm Zombie Massacre…

Aber der Schnitt bringt beide Szenen zusammen. Und das Wort “Schnitt” ist in Better Angels der zentrale Punkt. Dales Tod bringt den Rest der Gruppe dazu, einen Schnitt zu machen. Hershel nimmt alle in seinem Haus auf, während Rick und Shane das zu Ende bringen, was schon seit langer Zeit fällig war. Man könnte sogar sagen – oder eher hoffen -, dass die AMC-Serie einen Schnitt mit sich selbst macht und akzeptiert, dass es nicht genügt, sich auf Zombie-Bösewichter zu stützen und den Rest einer Serie in soapigen Happy-Farm-Gesprächen ertrinken zu lassen. Wie ich schon letzte Woche erwähnte, braucht es eine Kombination aus Zombie- und Menschengefahr, um aus der Lethargie dieser Staffel herauszukommen. Denn die Zombies allein sorgen zwar für schockierende Auftritte, aber sie genießen in dieser Welt mehr oder weniger den Status einer Naturkatastrophe, der weder Gefühle noch Begehren zugrunde liegen.

Das Aufräumen, das letzte Woche mit Dales Tod begann, setzt sich hier fort. Shane entscheidet endgültig, was er will, nämlich Rick tot sehen. Ob er wirklich einen Plan hatte oder sich das Ganze spontan ergab? Ob nicht doch wieder einmal Lori – bewusst oder unbewusst – den Grundstein für die Eskalation legte mit ihrer Entschuldigung gegenüber Shane? Darüber kann man sich streiten. Fest steht aber, dass ich als Zuschauer zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl bekam, dass die Serie irgendwohin will, dass vielleicht die Autoren einen Plan haben. In den letzten Wochen sah es ja eher nach reinem Zeitschinden aus, bis endlich etwas “Großes” passiert… Ist Shanes Tod von Ricks Hand dieses große Ereignis? Ja und nein. Better Angels ist die Episode der Entscheidungen und beschert uns mehrere große und kleine Ereignisse, zum Beispiel das sehr schön inszenierte Vater-Sohn-Gespräch zwischen Rick und Carl oder auch die beinah flüchtige, aber irgendwie traurig-nostalgische Szene zwischen Glenn und Andrea, als er beim Reparieren des Wohnwagens hilft.

Durch all diese Entscheidungen kommt natürlich Bewegung in das Ganze. Auch wenn diese Bewegung noch dem Gang eines Walkers gleicht: besser als nichts! Entscheidungen und stille Abschiede – bis auf einen. Shane befreit Randall, nur um ihm in den Wäldern das Genick zu brechen. Danach kippt er komplett auf die dunkel-verrückte Seite und verletzt sich sogar selbst, um alle davon zu überzeugen, Randall hätte ihn überfallen. Die Idee: Rick im Dunkel der Nacht in den Wäldern zu erledigen.

Shane trifft diese Wahl, während Rick zu seiner Wahl gezwungen wird: nämlich seinen besten Freund zu töten, was er auch tut. Aber ironischerweise steht er nicht allein. Carl, der plötzlich auftaucht (wenn schon einmal etwas geschieht in The Walking Dead, dann immer plötzlich), verpasst dem auferstandenen Zombie-Shane den Kopfschuss. Nicht nur sehen wir Vater und Sohn zutiefst erschüttert neben Shanes Leiche verweilen, sondern wir spüren eine Erkenntnis Wurzeln schlagen wie die Nebelfäden dieser Nacht: In dieser Welt bedarf es keiner Berührung, keines Bisses mehr, um zum Zombie zu werden. Der Tod bringt keine Rettung mehr. Selbstmord bedeutet Auferstehung! Damit kommen wir zurück zu dem vorherigen Gespräch zwischen Rick und Carl, während dessen man einen kurzen Blick auf den von Zombies wimmelnden Wald werfen konnte. Den Tod möglichst meiden, hinausschieben, trotz seiner Unausweichlichkeit – so lautet Ricks Lektion für Carl. In Game of Thrones sprach der Schwertkampf-Lehrer Syrio mit der kleinen Arya über dasselbe:

Syrio: What do we say to the God of death?

Arya: Not today…

Dafür aber muss man den Tod Anderen bringen in dem Wissen, dass man dadurch die Gefahr für sich selbst erhöht. Ein Teufels- bzw. Zombiekreis. Wie wird The Walking Dead im Finale diesen schließen bzw. aus ihm ausbrechen?

The Walking Dead: Judge, Jury, Executioner (2×11)

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Die Gruppe steht vor der Entscheidung, ob Randall am Leben bleiben soll oder nicht. Ist man aber überhaupt in der Lage, diese Entscheidung zu treffen? Was und wer berechtigt dazu? Bei so vielen “freien” Plätzen in dieser post-apokalyptischen Welt müsste es doch für jeden Existierenden einen geben, oder nicht?

The group is broken, sagt Daryl zu Dale. Dieser geflügelte Satz ist lange schon Wahrheit geworden. Dabei ist geflügelt genau das richtige Wort hinsichtlich der Engelsflügel auf Daryls Rücken bzw. auf seiner Lederjacke. Wieder einmal ein kleiner, feiner visueller Eingriff der The Walking Dead-Produzenten. Es ist der gefallene Engel Daryl, den wir am Anfang der Episode Randall foltern sehen, um Informationen über die Gruppe zu bekommen, der Randall angehört hat; und Daryl ist es auch, der Dale am Ende den Gnadenschuss verpasst.

Wenn die Menscheit immer weiter nach oben strebt, immer mehr anstrebt und leistet, so dass sie wie die glühende Sonne den Zenit erreicht, bleibt ihr nichts Anderes mehr als der Fall. Dieser gleicht einer Katastrophe, der absoluten Vernichtung der Zivilisation. Und in der noch heißen Asche sucht man nach dem pulsierenden Herzen, nach dem, was den Menschen ausmacht. Geht es nur um Überlebenswillen? Oder verliert der Mensch sein Herz auch dann, wenn er befreit wird von den Gesetzen, die er sich einmal  selbst gegeben hat? Wird Menschlichkeit nur durch Überwachen und Strafen aufrecht erhalten?

Mit der Diskussion der Frage, ob Randall getötet werden soll oder nicht, berührt The Walking Dead das heiße Eisen der Existenz und Definition von Menschlichkeit – und die Frage, ob eine apokalyptische Welt Menschlichkeit ausschließt. Wie so typisch für The Walking Dead, lässt die Ausarbeitung dieses Problemfeldes leider viel zu wünschen übrig. Zwar ist die Diskussion um Randall interessant und eigentlich eine logische Konsequenz, aber sie scheitert genau an dem Punkt, den sie anstrebt – nämlich dramatisches Gewicht zu erzeugen. Der Grund dafür liegt in der fehlenden Gefahr: Die Gruppe ist keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Plötzlich weiß Randall den Weg zurück zur Farm und könnte seine Truppe von Mördern und Vergewaltigern zurückführen.

Ihn irgendwo abzusetzen, ist ja plötzlich zu gefährlich. Lori, nicht alle fahren so Auto wie du! Sollte man Randall gefangen halten oder ihm die Chance geben, sich zu beweisen? Nein, macht zu viel Arbeit. Hier genau liegt das Problem – wieder einmal: Wir sollten eigentlich interessiert sein an diesen Figuren, an ihrem Schicksal; wir sollten sie – wenigstens einige von ihnen – mögen. Daryl sagt zu Dale: “This group is broken”, aber der Satz bleibt einfach ein Satz aus dem Drehbuch: Er hat kein Gewicht, weil es uns eigentlich egal ist, wer als Nächstes von der Lebenden-Liste gestrichen wird. Bei all den von Dale initiierten Diskussionen über Randalls Schicksal hat man nicht das Gefühl, dass sich die Gruppe in Gefahr befinde. Vielmehr scheint einfach keiner Lust zu haben, sich mit ihm und mit der ganzen Sache zu beschäftigen. Also, lasst ihn uns einfach abknallen! Haben ja schließlich alle genug zu tun!

Ist übrigens jemandem von euch aufgefallen, wie T-Dog sofort auf die dramatische Diskussion reagiert – mit seinem einzigen Satz in dieser Woche: Was machen wir mit der Leiche? Nice move, T-Dog. Langsam entwickelt er sich zu meiner Lieblingsfigur. Warum? Weil er immer schon Ricks kostbaren Ratschlag befolgt hat: Don’t talk, think!

Der Rest redet eindeutig zu viel und denkt selten nach. Aber meine Forderung der letzten Wochen an Dale hat man auf Autorenseite anscheinend gehört und drastische Maßnahmen ergriffen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Eigentlich konzentriert sich diese Episode auf zwei Handlungsstränge und zwei Figuren: auf Dale und Carl – und verbindet beide am Ende. Sowohl Carl als auch Dale scheinen nach ihrem Platz in dieser Welt zu suchen. Dale muss der Tatsache ins Auge sehen, dass es keinen Platz für ihn gibt.

Und wir schauen mehrmals in dieser Episode tief in die Augen eines Zombies. So viele extreme Zombie-Close-Ups gab’s lange nicht mehr! Es handelt sich um den Zombie, den Carl auf seiner Wanderung am Fluss findet, steckengeblieben im Matsch, und dem er unfreiwillig hilft. Nach etlichen Episoden, in welchen Carl eine Art Aufziehpuppe spielte, ergreift er nun die Initivative und bricht im Grunde aus. Er beleidigt Carol, besucht heimlich Randall, entwendet eine Waffe, geht mit einem Zombie am Fluss spielen… und taucht letztendlich während Randalls Hinrichtung auf, um den eigenen Vater zu ermutigen: Do it, Dad! Der kann aber nicht.

Rick scheint plötzlich aufgefallen zu sein, was diese Welt aus Carl machen könnte und auch tatsächlich macht. Als einziges Kind in der Gruppe befindet sich Carl an einem genauso kritischen Punkt wie Dale. Dass Carl halbwegs für Dales regelrechte Ausweiden dank dem Fluß-Zombie als verantwortlich gesehen werden kann, ist die in meinen Augen passende Verbindung zwischen den beiden Figuren, die die Serie (viel zu selten) kreiert. Obwohl Entscheidungen innerhalb einer gefallenen Welt trotzdem verheerende Konsequenzen haben können… Leider bringt es The Walking Dead bisher auf nicht mehr als ein oder zwei gelungene Sequenzen pro Episode.

Die AMC-Serie ist genau genommen mittlerweile zur Comedy geworden. Man lacht über die Figuren und macht Witze darüber, anstatt mit schweißfeuchten Händen um ihr Schicksal zu bangen. Aber letztendlich ist daran auch nichts Schlimmes – ob man mit dem Mund voller Popcorn die Serie schaut, um T-Dogs epische Geschichte mitzubekommen, Dales unfassbare Erkenntnisse über Gott und die Welt zu hören oder aber Shanes Darth-Vader-Trip zu bejubeln (die spastische Kopfbewegung ist nicht mehr nötig, Shane, wir haben die Durchgeknalltheit mitbekommen!), ist letztendlich egal. Hauptsache, man schaut weiter: in einem Zuschauer-Stockholm-Syndrom-Zustand.

The Walking Dead braucht definitiv nicht noch mehr Zombies, sondern mehr Menschen, mehr Figuren, um interessant zu sein – und damit uns aus dem Zombie-Modus herauszuholen.

The Walking Dead: 18 Miles Out (2×10)

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Was wird mit Randall passieren, und wie will Rick mit Shane umgehen? Maggie hat plötzlich ein viel größeres Problem als Glenns Gewissenskonflikte.

18 Miles Out ist eine Episode der Spiegelungen – dieses Mal nicht ironisch gemeint: nicht in dem Sinne also, dass die Serie ihre eigenen Schwächen immer wieder zur Schau stellte, sondern dass man irgendwie aus dem Teufelskreis der Unhappy Farm ausbrechen muss. Wie die neue Episode unter Beweis stellt, muss das für die Gruppe Überlebender nicht heißen, sich auf den Weg zu machen. Es reicht, wenn man manche Figuren gar nicht zeigt (danke fürs STFU, Dale!) und andere in der schon erwähnten Spiegelung ihre Probleme untereinander ausmachen lässt.

Dazu als Geschmacksverstärker ein paar heftige Zombie-Szenen – und schon haben wir eine gelungene Episode, jedenfalls für The Walking Dead-Verhältnisse, wo die Messlatte ja keinesfalls hoch liegt. Frauen und Männer. Während diese Differenzierung unter den Nicht-Lebenden keine Bedeutung hat, spielt sie bei den Über-Lebenden eine Rolle. Oder doch nicht? 18 Miles Out teilt die Gruppe in zwei Hälften: eine Frauen- und eine Männerhälfte. Und es geht auf beiden Seiten ans Eingemachte. Dabei besitzt die visuelle Seite der Erzählung deutlich mehr Aussagekraft als die Dialoge und die schauspielerischen Leistungen. Die Episode thematisiert Beziehungen: frühere und gegenwärtig bestehende; sie alle gehen nach und nach zu Bruch, wie das Glas des Spiegels in Hershells Haus oder aber des Fensters in der Stadt, hinter dem die Zombies lauern, als Rick und Shane die mittlerweile auskurierten Gefangenen dort frei lassen wollen.

18 Miles Out beginnt mit zwei schönen Einstellungen. Die erste wird mehr oder weniger zu einem sich wiederholenden Motiv: das Bild des einsamen Zombies, der entfernt im Bild durch die Felder geht, unterwegs ins Nirgendwo. Wohin geht es für Rick und Shane? Für die ganze Gruppe? Sie stehen an einer Kreuzung wie der, wo Rick anhält, um mit Shane Klartext zu reden. Wo soll der Weg hinführen? Rick macht Shane klar, dass er metaphorisch gesprochen in einer Sackgasse steckt; den einzigen Ausweg als Lebendiger bietet Ricks Beifahrersitz. Shane soll sich Ricks Führung fügen – oder sich wie der Zombie auf den Weg durch die Felder machen. Das Gespräch zwischen den beiden eskaliert in der Stadt, wo sie Randall hinauslassen. (Der übrigens wieder gesund ist: ein gewaltiger Zeitsprung also!) Shane will ihn erschießen.

Die anschließende handgreifliche Auseinandersetzung ruft die Walkers auf den Plan. Oder sollte man besser sagen: Sleepers? Auf jeden Fall glänzen die Sequenzen mit aussagekräftiger kinematographischer Arbeit, etwa wenn die zwei Zombies in Polizeiuniformen, mit Shane und Rick konfrontiert, ein Spiegelbild der beiden ehemaligen Kollegen darstellen. Das Bild der toten Polizisten-Zombies scheint Rick zu Shanes Rettung zurückzubringen. Ebenfalls eindrucksvoll: das Erwachen der Zombies, als Shane das Fenster neben Rick zertrümmert und in der einen hochragenden Ecke seine Spiegelung zu sehen ist.

Dann erscheint von der anderen Seite dieses Spiegels her die Zombie-Hand und leitet die furiose Schlacht ein. Eine solche Spiegel-Ecke spielt auch auf der Unhappy Farm eine Rolle: Dort haben die Frauen nicht nur mit Zickentheater und Rollendisputen (dank Lori natürlich) zu tun, sondern auch mit Beths Selbstmordversuchen. Man kann unschwer verstehen, dass Beth von diesen Leuten weg will, ob lebendig oder tot! Bis jetzt wusste ich nicht einmal, wie sie heißt – bei all den Soap-Gesprächen wurde sie ja stets ignoriert. Natürlich musste sie extreme Maßnahmen ergreifen, damit überhaupt jemand mit ihr spricht. Zum Glück war es nicht Dale. Vielleicht kann ja Randall den Job übernehmen, denn er ist ja doch einer von ihnen – angeblich ging er ja mit Maggie zur Schule… ?

Für Rick ein Anlass, ihn zurückzubringen – und nachzudenken. Wieso eigentlich nicht? The Walking Dead hat ja Zeit zum Nachdenken… aber ob das etwas bringen wird? 18 Miles Out bleibt trotzdem eine gelungene Episode, und ich lasse euch zurück mit dem schönen Bild von Rick und den drei auf ihm liegenden Zombies – den dritten musste er durch den Kopf des zweiten hindurch erschießen. Warum schön? Nicht nur aus Splatter-Genuss-Gründen, sondern auch, weil dieses Bild Ricks Lage am besten darstellt: vergraben unter einer Menge an totem Gewicht, so wie die AMC-Serie selbst…

The Walking Dead: Triggerfinger (2×09)

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Für Rick, Hershel und Glenn ist es noch nicht vorbei mit den Problemen, während der Rest der Gruppe realisiert, dass auch Lori verschwunden ist.

Nachdem man in Nebraska für den Höhepunkt in einer einzigen Episode einen Darsteller wie Michael Raymond-James „verpulvern“ musste, bekommt die Farm-Familie ein neues No-Name-Mitglied. Der Zuzug ergibt sich aus einer der zwei Szenen, die als einzige in Triggerfinger mein Zuschauer-Interesse wecken konnten. Obwohl: Interesse ist nicht das passende Wort. Es handelt sich eher um Sensationshunger. Angesichts von The Walking Deads Zuschauerzahlen frage ich mich: Werden da Zombies gezählt – oder hat die AMC-Serie das richtige Rezept gefunden, das nur wir nicht zu schätzen wissen?

Dabei bemühe ich mich redlich, The Walking Dead alles anzurechnen, was nur irgend geht – so wie den meisten Serien. Und wenn schon nicht dem Ergebnis, dann wenigstens den Bemühungen der Beteiligten. Aber nach neun Episoden in dieser zweiten Staffel liegt der Finger meiner Schreibhand am Abzug. Eine bis zwei Actionszenen mit Zombies pro Episode – und der Rest besteht aus Gänseblümchen-Unterhaltungen: Liebt mich, liebt mich nicht… wobei es bei manchen, wie Dale, ausschließlich „liebt mich nicht“ heißt… Dale, please: STFU! Bei anderen wiederum – aber halt: welchen anderen eigentlich? Die meisten Lebenden bleiben zweidimensionale Oberflächen für Drehbuchphrasen und unterscheiden sich von den Toten nur durch ihre Artikulationsfähigkeit. Im Vergleich zu T-Dog etwa hinterlässt der Zombie einen bleibenden Eindruck, dessen Wangenhaut „abgepellt“ wird, als er durch das Fensterloch zu Lori einzudringen versucht. Wieso spricht eigentlich keiner mit T-Dog? Nicht einmal Dale tut das!

Dafür sprechen alle mit Lori, und trotzdem bemerken sie erst nach einiger Zeit, dass sie nicht da ist. Ihre Kamikaze-Mission umfasst ein paar coole Zombie-Nahkämpfe unter geschicktem Einsatz von Autoteilen. Immerhin hat sie dem Zombie nicht den Schwangerschaftstest ins Auge gerammt… Obwohl: Ironie würde The Walking Dead vielleicht gut tun. Die Serie will ernst sein, aber in meinen Augen wird sie nur von wenigen intensiven Szenen am Leben erhalten. Dazu zählt Ricks, Hershels und Glenns Versuch zu entkommen, als Daves und Tonys Freunde eintreffen. Wenn sonst nichts geht – dann Action! Und es sieht danach aus, als würde alles dank der Zombieflüsterin Lori auf eine tödliche Konfrontation zwischen Rick und Shane hinauslaufen. Die Frage ist: Wenn man Shane als Kern der Unruhe entfernt – was bleibt dann noch? Die Glenn-Maggie-Romanze? Und was ist mit Daryl?

Mit der Figur hat man in dieser Staffel schon Gutes geleistet. Bitte, macht mehr aus Daryl als nur einen Gesprächspartner für Carol! Was ist mit T-Dog? Er ist schwarz. Und? Andrea? Sie ist trigger-happy? Dann gebt ihr zu tun! Und Carl? Nächste Woche steht Bio-Unterricht von Mama auf dem Stundenplan – über Schwangerschaft in apokalyptischen Zeiten. Es sei denn, Mama ist damit beschäftigt, auch das letzte Stück Sinn zu terminieren… Wenn die Zombies sprechen könnten, würden sie ein Lied davon singen.

The Walking Dead: Nebraska (2×08)

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Wie wird Hershel auf die letzten Ereignisse reagieren? Kann Rick sich durchsetzen und seine führende Rolle wieder beanspruchen? Die Toten sind nicht die einzige Gefahr, die auf die Gruppe lauert.

Sie sind wieder da! Dieser Satz kann Unterschiedliches bedeuten – eine Warnung, Freude oder aber Hoffnungslosigkeit. In der Episode Nebraska, mit der The Walking Dead seinen Lauf fortsetzt, erlebt man all das und noch mehr. Eigentlich spiegelt Nebraska ungewollt die Stärken und die Schwächen der Erzählung wider; man fühlt sich an den Verlauf der ersten Staffel erinnert: Starker Anfang, schwacher Mittelteil und gutes Ende. Wie bei einer Spiegelung üblich, sind hier „gut“ und „großartig“ bzw. „stark“ vertauscht.

Die Episode beginnt gut, hat dann mehr oder weniger zwanzig Minuten Leerlauf und endet richtig stark. Man muss The Walking Dead ein Kompliment aussprechen: Es ist schwer, in einer solchen Erzählung den allgegenwärtigen Tod noch als emotional bewegendes Ereignis darzustellen. In „normalen“ Serien ist der Tod etwas Besonderes; schon sein Eintritt bildet einen Höhepunkt – bei The Walking Dead hingegen bildet er gleichsam die Grundlage der Erzählung. Einer Grundlage, auf der emotionale Zuschauerbindungen an Figuren und Geschichten zu schaffen der Serie in der zweiten Staffel recht schwer fiel, von einigen Ausnahmen abgesehen. Aber die Atmosphäre der ersten Minuten, gefangen zwischen extremen Close-Ups von Gesichtern und fast Panorama-artigen Aufnahmen aus der Aufsicht (Obersicht), zieht den Zuschauer in diese Welt hinein, die nicht nur die Hoffnung verloren hat, sondern auch den kleinen Rahmen, in dem man einen Neuanfang glaubte wagen zu können.

Inmitten der hypnotischen Stille nach Ricks Schuss, als eines der Hershel-Mädchen zu den Toten eilt, werden wir daran erinnert, dass nicht jeder Neuanfang gut ist. Auch nicht für Hershel. Obwohl es für ihn eher nach einer Rückkehr aussieht: zur Whiskey-Flasche. Viele davon findet er in der Bar der benachbarten Stadt und verschwindet unbemerkt dorthin, während alle Anderen damit beschäftigt sind, einander das immer gleiche Leid zu klagen: wie miserabel alles ist und wie schlecht sie sich fühlen. Diese Unterhaltungen verleihen den Geschehnissen weder inhaltliche noch emotionale Tiefe. Immerhin wirkte die Szene mit dem Zombie-Arm amüsant. Was aber nun wirklich nicht funktioniert: Lori als Verbindung zwischen allen Beteiligten – als ihr emotionaler Kompass und Antrieb, Dinge zu tun oder zu lassen. Die Figur muss auf Biegen und Brechen dazu herhalten, emotionale Konflikte zu produzieren, wo keine sind oder nicht unbedingt sein müssten, wodurch sich alles erzwungen anfühlt.

Das gilt zum Beispiel für das Theater, das Lori wegen Ricks Suche nach Hershel veranstaltet, um letztendlich sogar einen Autounfall zu Stande zu bringen. Im Gegensatz zu dieser erzwungenen Dramatik zeigt uns der Schluss der Episode, wie es richtig funktionieren kann, vor allem dank Gastdarsteller Michael Raymond-James: In der Stadtbar tritt er Rick, Hershel und Glenn als Dave entgegen, ein Mann auf der Suche nach Freunden. Wenn nur das weinende Auge bei seinem Anblick nicht wäre, der uns an die eingestellte FX-Serie Terriers erinnert… und wenn Raymond-James doch nur mehr als diese kurze Szene bekommen hätte! Denn seine Figur weckt in uns Zuschauern deutlich mehr Interesse als die meisten Überlebenden, die wir kennen, zusammen.

Daves freundschaftliche Annäherung gleicht der einer Klapperschlange, welche sich mit Hilfe geschickt gewählter Worte in Position manövriert. Aber Rick ahnt das. Schon das Gespräch der beiden verläuft wie ein Duell, bevor das tatsächliche stattfindet – und die Spannung entsteht natürlich, bevor es zur Entladung kommt und Rick Dave und seinen Freund im Handumdrehen niederschießt. Nicht nur erinnert uns die Serie mit dieser Szene daran, dass die Toten nicht das einzige Problem sind in einer apokalyptischen Welt, sondern sie erhebt Rick – wie ich glaube, endgültig – in die Position desjenigen, der sich nicht scheut zu tun, was getan werden muss. Wenn The Walking Dead diese Mischung aus Action und atmosphärischem Tiefgang öfter gelänge, dann wäre die AMC-Serie nicht tot zu kriegen.

The Walking Dead: Pretty Much Dead Already (2×07)

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Werden Glenn und Dale den anderen erzählen, was es mit Hershels Scheune auf sich hat? Wird Loris Schwangerschaft Hershels Entscheidung beeinflussen? Die neue Episode liefert die Antworten.

Wer ist für die „neue“ Welt geschaffen und wer nicht? Shane? Hershel? Oder Rick? Hershel beharrt auf der Liebe zum  Nächsten, auch wenn der Nächste eine Menschenfleisch fressende Maschine ist. Rick will alle in Sicherheit wissen und ist dafür bereit, Kompromisse einzugehen – vor allem, nachdem er von Loris Schwangerschaft erfahren hat. Shane will überleben, um jeden Preis – ganz egal, ob dieses Überleben eine Kugel in Hershels Kopf fordert oder in dem eines Zombies. Wer hat Recht und wer Unrecht? Wie soll man sich in dieser Welt verhalten? Shane behauptet Lori gegenüber, dass sich Rick nicht für eine Welt eigne, wo nur der Stärkere überlebt.

Auch in dieser Episode findet eine Konfrontation zwischen Dale und Shane statt, die beinahe tödlich endet: als Dale die Waffen verstecken will und Shane ihn dabei erwischt. Dale kann aber nicht abdrücken und sagt verbittert, dass diese Welt, wie sie geworden ist, für Menschen wie Shane geeigneter sei. Ist dem aber wirklich so, wie es uns nun schon zwei Figuren glauben machen wollen? Nicht unbedingt. The Walking Dead macht  seine Sache hier gut: Spielt es denn eine Rolle, ob es sich um einen „asian boy“, ein verlorenes Kind oder einen alten Mann handelt? Lautet nicht die apokalyptische Lektion, dass man aus diesen Gedankenmustern herauskommen soll? Die Frage ist: Sind Menschen einander erst dann gleich, wenn sie sich in Zombies verwandelt haben – weil sich ihnen dann tatsächlich dieselben Überlebenschancen bieten?

Ist diese Apokalypse eher eine Prüfung für die Menschlichkeit, wie Hershel es sieht – oder manifestiert sich schlichtweg das Gesetz des Stärkeren, wie Shane meint? Die Serie bugsiert zwar Rick etwas in den Hintergrund, aber eigentlich befindet er sich genau in der Mitte zwischen Hershel und Shane: in der schwierigsten Position. Die Episode eröffnet mit zwei guten Szenen, nachdem Glenn die Wahrheit über die Scheune erzählt hat. Rick versucht den ausrastenden Shane zu beschwichtigen und glaubt trotz der Enthüllung an eine Lösung. Die sucht er anschließend im direkten Gespräch mit Hershel. Über lange Strecken ließ The Walking Dead in der neuen Staffel die visuelle Gestaltung der Erzählung vermissen, das Miterzählen der Bilder. Hier nun holt man etwas davon nach. Am Anfang der Episode, als das Scheunen-Geheimnis gelüftet wird, sehen wir viele Aufnahmen mit Shane: aus extremer Unter- oder Aufsicht, beispielsweise als er allein vor der Scheunentür steht.

Diese Bilder verstärken nicht nur das Gefühl von Instabilität, von der Bedrohung, die Shane auch für die Lebenden darstellt, sondern spiegeln die Welt, wie er sie sieht: schwarz und weiß, oben und unten. Extrem. Aber ist nicht jede Situation extrem, in der man sich befindet? Welche Türen sind offen, welche bleiben für immer geschlossen? Soll die Scheune mit geschlossenen Türen und ihrem Inhalt so bleiben, wie sie ist, damit Hershel alle weiter auf der Farm leben lässt? Nach einer heftigen Diskussion zwischen ihm und Rick – und vor allem, als ihm Maggie später ihre Meinung mitteilt – scheint Hershel zu diesem Kompromiss bereit zu sein. Aber wo liegt die Grenze zwischen Kompromiss und Selbstmord? Nur eine Tür trennt beides.

Die Szenen zwischen Hershel und Rick sind sehr schön aus der Distanz gefilmt, so dass beide stets von einer Tür eingerahmt werden. Welche Tür soll geschlossen bleiben, welche offen? Die Tür in Hershels Haus bleibt offen, wenn die Scheunentür zu ist. Aber Shane öffnet auch diese weit in seinem Ausraster am Ende der Episode, als er Rick sieht, der Hershel zwei neue Zombies in die Scheune zu bringen hilft. Er schießt nicht nur den Zombies in den Kopf, sondern reißt die Scheunentür auf, so dass alle schießen müssen, um zu überleben. Hershel verweilt kniend wie unter Schock, während die Leichen sich häufen. Jede Tür kann also aufgerissen werden. Auch Hershels, wenn er es nicht freiwillig tut. Wie wird es Rick angesichts des letzten Bildes möglich sein, eine Grenze zu ziehen, weiterhin den Balanceakt zu meistern, ein Ruhepol zu sein?

Das werden wir im neuen Jahr erfahren. The Walking Dead verabschiedet sich in die Pause mit der bisher besten Episode der neuen Staffel – abgesehen von der ersten. Nun: Auch Pretty Much Dead Already war nicht perfekt (man betrachte die Szenen zwischen Andrea und Dale, Daryl und Carol oder aber Glenn und Maggie), aber doch deutlich besser als die letzten Episoden. Die letzten Szenen vor der Scheune sind nicht nur hervorragend gefilmt, sondern warten mit einem richtigen Schock auf, als Sophia aus der Scheune kommt… und mit einer Frage: Warum verheimlichten Hershel und seine Leute ihre Existenz dort drinnen?

The Walking Dead: Secrets (2×06)

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Wie wird Glenn mit der Enthüllung umgehen, die er machte? Lori will ihr Geheimnis bewahren und allein eine Entscheidung treffen, während Rick Hershel noch zum Umdenken bringen zu können glaubt.

Secrets steckt voller Geheimnisse. Aber gleichzeitig auch nicht. Wie soll man in einer kleinen Gruppe von Menschen Geheimnisse wahren, wenn jedes davon die Beziehungen zwischen diesen Menschen beeinflusst? Hier liegt das Problem, mit dem sich die Episode auseinandersetzt: nämlich jede Figur in eine Position zu manövrieren, von der aus Unmögliches zu entscheiden ist. Hat man das Recht auf Geheimnisse, wenn die Welt im Grunde nicht mehr existiert? Wo fängt die Privatsphäre an, und wo endet sie? Wenn es ums Überleben geht: hat man dann überhaupt ein Recht auf Privatsphäre?

Denn auch das kleinste Detail kann für die Gruppe Überlebender entscheidend sein – vor allem dann, wenn es darum geht, irgendwann in der Zukunft diese Welt neu zu gestalten, gar wieder Besitz von ihr  zu ergreifen. In dieser Hinsicht ist die Episode sehr gut strukturiert und zieht geschickt die Parallele zwischen den beiden Geheimnissen, um die es hier vorwiegend geht, nämlich Loris Schwangerschaft und die Zombies in Hershels Scheune. Ironischerweise ist es Hershel, der die Toten am Leben erhalten will: um sie irgendwann heilen, in die Welt zurückbringen zu können. Auf der anderen Seite will Lori kein Kind, kein Leben in die tote Welt setzen; sie will diese Welt einem neugeborenen Menschen ersparen. Wer von beiden hat Recht, wer Unrecht?, scheint uns die Serie zu fragen.

Nach den letzten Episoden, die sich nahezu im Kreis drehten und sowohl die Handlung als auch die Interaktion zwischen den Figuren bis auf kleine Ausnahmen belanglos dahinplätschern ließen, kehrt Secrets in seinen besten Momenten zu den Fragestellungen und der Atmosphäre zurück, die man vom Anfang der Serie kennt. Die große Enthüllung über die Scheune hat insoweit Gewicht, als sie erneut auf einer persönlichen Ebene über die Zombies reflektiert – wie damals, als Morgan nicht auf seine Ehefrau schießen konnte. Es ist die Ebene eines schwer hinzunehmenden Verlusts, den man mit Hoffnung zu verdrängen versucht. Glenn gegenüber nennt Maggie die Walkers in der Scheune beim Namen.

Aber viel wirkungsvoller im Vergleich zu Maggies Wutausbrüchen und Hershels Sturköpfigkeit im Gespräch mit Dale ist die stille Szene, mit der Secrets anfängt: Otis’ Frau bringt den Zombies in der Scheune ihre Mahlzeit. Warum die Zombies füttern? Weil man sie für lebendige Geschöpfe hält, für Personen, die ihre Persönlichkeit durch eine Krankheit verloren haben und sich nicht mehr daran erinnern können, wer sie waren? Als sich die Frau die Zeit nimmt, jedem Hähnchen die Beine zu brechen, damit sie nicht so schnell laufen können, bekommen wir die stille, aber wirkungsvolle Antwort auf diese Frage. Secrets verändert leider nicht viel daran, wie man als Zuschauer für die Figuren empfindet; es wird kein gesteigertes Interesse für ihr Schicksal geweckt – aber die Grundthematik stimmt, und man sorgt dafür, dass sich Konflikte zuspitzen.

Vor allem die um Shane. Sein kleiner Ausflug mit Andrea und die sichtbare (auf der Straße auch konsumierte) Nähe zwischen den beiden verursachen einen endgültigen Bruch zwischen ihm und Dale –  obwohl: Woher könnte Dale wissen, was mit Otis geschah? Auch Ricks (Andrew Lincoln) Wissen um die Schwangerschaft, Loris (Sarah Wayne Callies) Abtreibungsversuch, den sie selbst abbricht, und ihre Beziehung zu Shane werden bei allem Verständnis seinerseits die Beziehungen nicht unverändert lassen. Bedeutet aber eine Schwangerschaft, dass die Gruppe auf der Farm bleibt? Wird neues Leben in dieser Welt Hershel überzeugen, die Gruppe weiterhin bei sich wohnen zu lassen?

The Walking Dead: Chupacabra (2×05)

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Daryl macht sich erneut auf die Suche nach Sophia und gerät in eine gefährliche Situation, während Glenn unabsichtlich herausfindet, welches Geheimnis Hershel hütet.

Viele The Walking Dead-Zuschauer beschweren sich über fehlende Spannung: Schon vier Episoden lang weilt die Gruppe auf Hershels Farm, wo sowohl Sicherheit als auch ärztliche Betreuung, Essen und Trinken gewährleistet sind. Eigentlich ganz gute Voraussetzungen in einer von Zombies zerfressenen Welt! Wir wurden uns in den letzten zwei Reviews dahin gehend einig, dass man The Walking Dead Zeit geben muss – und die nimmt sich die Serie mit Hilfe von Hershels Farm, um an den Figuren und den Beziehungen zwischen ihnen zu arbeiten. Funktioniert das nun? Oder ist dieses Manöver zu dem der Serie eigenen Chupacabra geworden, das dem Ganzen langsam, aber sicher das Blut aussaugt?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Wäre nicht die Daryl-Erzählung – obwohl auch die ihre Schwachpunkte hatte -, dann hätte diese Episode von mir gar keine Sternchen bekommen. Ständiges Wiederholen heißt nicht gleich vertiefen! Denn nicht nur bietet jedes Gespräch nur Wiederholungen, sondern jetzt wird auch noch Glenn, der die Wildcard der Serie war und in der ersten Staffel für humorvolle Momente zu sorgen wusste, karikatur-artig in den Vordergrund gestellt. Regelmäßig gerät die Serie in diese Lage, wenn sie die Balance nicht hinbekommt – wenn sie die Grenze zwischen Humor und Albernheit nicht ziehen kann oder eben zwischen dramatischer Spannung und lächerlichen, Zeit schindenden Abschweifungen. Rick fühlt die Schwere der Verantwortung, Lori ist hin und her gerissen und schwanger, Andrea spielt mit Waffen herum, Dale zieht die Augenbrauen hoch, Hershel wird immer abweisender und despotischer… und Maggie zeigt Glenn die kalte Schulter, was ihn auf den Gedanken bringt, dass anscheinend alle Frauen unter hormonellen Problemen leiden.

Diese Episode vermittelt das Gefühl, die Autoren selbst hätten keine Lust auf die ganze Gruppe und würden deswegen Daryl auf einen Waldtrip schicken: auf die Suche nach Sophia, was ihn in große Schwierigkeiten bringt. Sein Überlebenskampf in der Wildnis bringt zwar die Story nicht voran – es sei denn, Merle als Halluzination kündigte seine tatsächliche Rückkehr an -, aber irgendwie doch amüsant. Vielleicht, weil uns Zuschauer von allen Figuren eigentlich nur Daryls Überleben interessiert? Außerdem erfahren wir durch die Unterhaltung zwischen ihm und Merle mehr über die Hintergründe dieser Beziehung.

Hätten die Autoren die Sache bloß auf der Bruder-gegen-Bruder-Ebene gelassen, anstatt Merles Worte als eine Art innere Stimme zu benutzen – eine Stimme, die Daryl einflüstert, dass ihn alle hassen und bei nächster Gelegenheit sterben lassen würden, dass er einfach nicht dazu gehöre. Seine Rückkehr soll das vielleicht metaphorisch verdeutlichen: Als er verletzt zur Farm schleicht, halten ihn alle für einen Zombie, und Andrea versucht ihn zu erschießen… Sophia als Mittel zum Zweck, um Drama zu kreieren, da es mittlerweile egal ist, ob man sie findet oder nicht? Schön und gut. Aber wenn eine Serie unter Drama geführt wird, dann sollte nicht jede Sekunde mit dem Finger darauf gezeigt werden müssen, sondern das Dramatische sollte sich von selbst aus dem Geschehen heraus ergeben!

Am gegenwärtigen Punkt – abgesehen von Glenns Enthüllung, dass in Hershels Scheune Zombies eingesperrt seien –  ist mir schleierhaft, wie die Serie aus dem ziellosen Zombie-Schlurftrott herauskommen will, denn ein Kopfschuss ist angesichts der Zuschauerzahlen nicht möglich.

The Walking Dead: Cherokee Rose (2×04)

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Die Suche nach Sophia wird fortgesetzt, während manche Überlebende aus den beiden Gruppen einander näher kommen. Rick sieht sich mit Hershels Sicht der Gesamtsituation konfrontiert.

Mit Cherokee Rose versucht The Walking Dead zu blühen, aber mit wechselhaftem Erfolg. Zwar macht man die ersten Schritte im Sinne von Charakterentwicklung (eher Charakterbewegung) und Austausch zwischen den Figuren beider Gruppen, aber in meinen Augen funktioniert nur die Szene richtig gut, die der Episode ihren Namen gibt. Es handelt sich um die Szene zwischen Daryl und Sophias Mutter Carol. Wir haben schon einmal darüber gesprochen, wie die Autoren in kleinen, bedächtigen Schritten Daryl als Figur immer mehr Gestalt geben, mehr Facetten sichtbar machen und den Zuschauer Sympathie für ihn fühlen lassen.

Er wirkt derzeit lebendiger als der Rest. Natürlich bedeutet ‚sympathisch’ nicht gleich ‚interessant’: Shane beispielsweise, der bis jetzt nur in ausweglose Unterhaltungen mit Lori verwickelt war, bekam mit der letzten Episode eine Art „Beförderung“. Zwar aus menschlicher Perspektive nicht im positiven Sinne, aber was die Konflikte innerhalb der Erzählung betrifft, durchaus interessant. Geschickt nutzt The Walking Dead die hierdurch eröffnete Gelegenheit, und die Episode beginnt mit dem Abschied von Otis: Alle errichten einen Steinhaufen, und Otis’ Frau bittet Shane, ein paar Abschiedsworte zu sprechen. Dabei wird er von Flashbacks heimgesucht.

Ansonsten verläuft die Episode ohne große Überraschungen – nur für Glenn nicht, der zusammen mit Maggie in die Stadt auf Medikamentensuche geschickt wird und Sex mit ihr hat. Ich glaube, dies war bisher Glenns ergiebigster Trip in eine von Zombies bevölkerte Stadt. Aber wie ergiebig war es für Lori? Warum Lori? Weil sie Glenn einen Geheimauftrag erteilt, nämlich ihr einen Schwangerschaftstest zu besorgen, dessen Ergebnis in den letzten Sekunden der Episode nur als Entsetzen in ihren Augen zu sehen ist. Jetzt weiß sie vermutlich auch, was Rick schon wusste… oder hat ihm der Wissenschaftler im Finale der ersten Staffel etwas Anderes ins Ohr geflüstert? Die Frage, die hier wichtiger erscheint, ist die nach dem Vater des Babys – vorausgesetzt, Lori ist tatsächlich schwanger. Rick oder Shane? Das könnte zur Eskalation führen.

Die einzige Eskalation in dieser Episode ereignet sich an Hershels Brunnen, in welchem man einen Zombie entdeckt. We got a swimmer! Obwohl die – gelinde gesagt – sinnlose Handlung um diesen Zombie herum eigentlich nur Zeit totschlägt, sorgt sie für die wöchentliche Dosis Ekel vom Feinsten. Amüsante Dummheit: so könnte man sie beschreiben! Weniger amüsant für Rick ist die Tatsache, dass Hershel ihn nicht nur ständig in Konversationen über Gott verwickelt, sondern von Rick und den anderen fordert, auf seinem Grundstück keine Waffen zu tragen. Außerdem teilt er Rick mit, dass sie gehen müssen, sobald Sophia gefunden ist und Carl gesund. Ob er sich es doch anders überlegen wird? Und: Welches Geheimnis scheint er vor Rick und den anderen zu verbergen?

Während die beiden darüber verhandeln, verläuft Andreas und Shanes Suche nach Sophia erfolglos, genauso wie ihre Versuche, die richtigen Worte für Carol zu finden. Ausgerechnet Daryl (sehr gut gespielt von Norman Reedus) findet diese in einer alten Überlieferung der Indianer. Er bringt Carol eine Cherokee Rose und erzählt ihr eine Geschichte über Mütter und ihre Kinder, über die Hoffnung, die selbst mitten in der Ausweglosigkeit nicht aufhören soll zu keimen und zu blühen. Damit bringt er auch die Hoffnung darauf, dass The Walking Dead mehr kann als das, was der bisherige Verlauf der Staffel gezeigt hat.